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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: »Flach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und „Landwirtschaftliche Benage.'
Die „Gderhesstsche Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der 94Q Sonn- und Feiertage. — Der Bez u a s preis beträgt viertel- jährlich durch die Bost bezogen 2,25 Mk. (ohne Bestellgeld), bei unfern Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21j) 2 Mk.
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Marburg
Freitag 22. Ottober 1909.
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Die JnsertionSgebühr beträgt für die 7gespaltene Zelle ober deren Ramn 15 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. — Druck und Verlag: Foh. Ang. Koch, UntversttätSbuchdruckerel Jnbaber Dr. E. Hitzerotb, Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
44. Jahrg.
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Grenzen wie im Innern
Streitgebietl
(Nachdruck verboten.)
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deren Blä
« der deutschen geschriebenen vollständigen Text zugleich in
um Stals. . v
Roman aus dem Leden von O. Elster.
(Schluß.)
„Sie haben eine weiche, angenehm« Hand," sagte er mit gepreßter Stimm«, und sein armes Auge strengte sich an, den Schleier der Nacht zu durchdringen, der ihm das Gesicht seiner neuen Pflegerin verhüllte.
Dann schritt er an ihrer Hand weiter bis zu dem kleinen Sofa, auf das er sich niederließ, ohne ihre Hand freizugeben.
Diese weiche, warme Hand machte aber auch gar keine Anstrengung, sich ihm zu entziehen, sondern sie umschloß die seinige nur noch mit festerem, wenn auch sanften Druck. Und plötzlich fühlte er, wie zwei heiße Tränen auf seine Hand fielen und wie sich zwei warme Lippen auf seine Hand preßten.
„Mein Fräulein!" rief er.
Doch da sank die neue Pflegerin vor ihm auf die Knie, umfaßte seine beiden Hände und küßte sie unter Tränen.
„Walter . . . lieber Walter . . erklang es unter halbersticktem Schluchzen.
„Mein Gott, was ist das?"
„Walter, ich bin es — Brunhrlde — die zu Dir gekommen ist, um Dich zu pflegen, um Dich zu trösten, um Dir zu helfen und Dir berzustehen in Deiner Rot. Stoße mich nicht zurück, Walter! Nimm mich auf, verzeihe mir und laß mich bei Dir bleiben für alle Zeit ..."
Ihre Stirn sank auf seine Hände und sie weinte in schmerzlichem Glück.
Walter war es, als umfange ihn ein Traum.
„Brunhilde" — flüstert« er, und feine zit-
Ein völkisches Preßgesetz.
Unter dieser Ueberschrift macht PH. Staust in den „Alldeutschen Blättern" folgende sehr 6e» »chtensmerte Ausführungen und Vorschläge:
Ein Preßgesetz haben wir ja in deutschen jkanden; aber damit steht es wie mit vielen .anderen Gesetzen: es ist von einer, geradezu wundersamen Gleichgültigkeit gegenüber all den fragen und Verhältnissen, die unsere staatlichen völkischen Lebensinteressen berühren, wie te der vielgerühmten „deutschen Wissenschaftlich- keit" entspricht. Es sucht alle möglichen Privathechte zu schützen; nur an den Schutz der staatlichen Rechte und Belange dentt es nicht.
Wir müsien — jetzt besonders nach der Aufhebung des Diktaturparagraphen für die Reichs- kande — dulden, daß auf deutschem Mden Zeitungen und Zeitschriften entstehen, die der innerlichen Angliederung Elsaß-Lothringens an das Reich bewußtermaßen nach Kräften widerstreben: wir müsien dulden, daß im Norden die Dänisierung auf deutschem Boden durch Zeitungen und Zeitschriften gefördert wird; wir kön- ien mit Hilfe unseres Preßgesetzes selbst den schlimmsten Beschimpfungen des Deutschtums in den polnischen Ostprovinzen nicht zu Leibe gehen; wir werden auch wehrlos sein, wenn über kurz oder lang das Tschechentum in Sachsen eigene Hetzblätter gründet, um gegen unser Volk zu wüten.
Das geht di« staatlichen Erhaltungstriebe an.
Noch schlimmer steht es natürlich betreffs der volklichen.
Die bayerische Regierung wurde vor einiger Zeit aui eines der widerlichsten ..Witzblätter" aufmerksam gemacht, das in deutschen Landen verbreitet ist: den ..Sekt". Herausgeber war ein Herr Ignaz Goldstein aus Tarnopol in Galizien. Er konnte ausgewiesen werden. Natürlich wurde er's nur aus Bayern. Meines Willens treibt er fetzt in einer norddeutschen Großstadt sein schmutziges Gewerbe weiter, das in der zielbewussten Entsittlichung unseres Volkstums aus gemeiner Geldgier besteht. Vielleicht wird et auch einmal dort ausgewiesen, dann steht ihm Württemberg offen, danach Sachsen usw.. und er kann schon lange Jahr« sein einträgliches Gewerbe weitertreiben, bis er durch alle die Ein- -zelstaaten des Reiches durchgegangen ist. Und dann kann er ja, da die Ausweisungen doch nur zeitliche Gültigkeit haben, in aller Seelenruhe von vorne beginnen.
Man kennt den Fall der glorreichen Rosa Luxenbourg. einer geborenen Russin, die sich von einem Deutschen der Form nach heiraten ließ, um — nickt mehr ausgewiesen werden zu können. und die fetzt im Verein mit zahlreichen Gesinnungsgenossen und -Genossinnen in Deutschland „öffentliche Meinung" machen darf. Man kennt Korespondenten ausländischer Blätter, die ausdrücklich nach Berlin geletzt sind, um von dort aus den Haß gegen Deutschland in der Heimat zu schüren (wie häufig ist auch diese Heimat noch nicht einmal die richtige!), und wenn man sich das alles übersieht, kann man eigentlich zu keinem anderen Ergebnis kommen als zu dem: wir haben offenbar in Deutschland selbst nicht genug staatlich und völkisch abbauende, zersetzende Kräfte, und find dieserhalb
wie suchend über ihr Haar vter,— Du hier? Kann ich es denn --72? s willst Du bei mir, dem elenden, j^Ä'n?“
bei Dir bleiben. Walter ... ich witzIck^A'stiitzen, ich will Dich führen — ich will Dich liebhaben, daß Du wieder an das Leben glauben lernst — daß Du wieder Vertrauen fallest — daß wieder Glauben und Hoffnung in Deinem Herzen emporblühen . . ."
„Glauben und Hoffnung, Brunhilde? Da fehlt das Beste — die Liebe . . .“
„Auch die Liebe will ich Dir bringen, Walter, wenn Du mich noch liebst."
Da drang «in Zubelruf aus seiner Brust und «r zog die Kniende empor an sein Herz.
Es war ein schwerer Kampf, den Brunhilde gegen die Schwermut, die immer wieder auftauchenden Zweifel, die Mutlofigkeit, den Unglauben an die Zukunft, welche düstern Regungen in Walters Seel« so feste Wurzel geschlagen hatten, durchkämpfen mußte. Aber fie erlahmte nicht in der Geduld, in der Sanftmut und in der Liebe. Schritt um Schritt wichen die dunklen Wolken, die Walters Seele umhüllten, vor den Sonnenstrahlen ihrer Liebe zurück, bis dies« siegreich das Feld behauptete.
„Willst Du wirklich Deine Zukunft mit meinem vernichteten Leben verbinden, Brunhilde?" fragte er mit trübem Lächeln.
„Ich will es," entgegnete sie sanft.
„Ich bin krank, ich bin blind . . "
„Du wirst wieder gesund und sehend werden."
„Ich bin arm — ich besitze nichts, als meine Invalidenpenfion. Ich kann nicht arbeiten, nicht» verdienen . . .
des Lande- „ . Jle Preßorgane, die gegen die Inter^k' «tftf)en Staates und feiner natürlich Zungen wiegeln, verboten werdens UIIU \o wonach alle in einer an-
auf die Einfuhr vom Auslande angewiesen, vor allem auf die Einfuhr aus der „Jntelligenzzen- trale" Rußland.
Welches andere „Kulturvolk" der Erde als das deutsche ließe sich wohl solche Dinge gefallen? Ich glaube, es war die „Neue Gesellschaftliche Korrespondenz", die vor etwa Jahresfrist die Meldung in die Welt setzte, die Reichs- regieruna plane Erhebungen über den Umfang, in dem sich Ausländer in der deutschen Presie betätigen. Diese Nachricht fuhr dem „Berliner Tagblatt" des Herrn Rudolf Moste sehr in die Gebeine und der Schriftleiter Herr Sochaczewer veranstaltete sofort bei allen möglichen in Betracht kommenden Behörden eine Umfrage, ob an einer solchen Absicht etwas Wahres sei. Selbstverständlich lehnten die zuständigen Stellen ein derartiges Vorgehen entschieden ab. Das wäre ja eine Sünde gegen den „internationalen Kulturgeist", gegen die schrankenlose Preßfreiheit und gegen verschiedenes andere mehr. Dem Ausländer muß das Recht auf alle Fälle gewahrt bleiben, in Deutschland gegen das Deutschtum und seinen Staat Hetzen zu können nach Herzenslust.
. In der Tat würde man über das Ergebnis einer solchen Umfrage — wenn sie vorgenommen würde — staunen! Und die Achtung vor der „öffentlichen Meinung" bekäme in unserem Volk« jedenfalls einen ziemlichen Knax. Würde es sich noch um Ausländer deutschen Blutes handeln, so brauchte man über die Tatsache nicht viel Worte zu verlieren, denn der Deutsche betätigt sich mit wenigen Ausnahmen überall in der Welt aufbauend und staatstreu. Aber solche kommen — und das ist das Bemerkenswerte daran — so gut wie gar nicht in Frage.
Wir stehen jetzt in einer heillosen parteimäßigen Verbitterung infolge des Ausganges der Reichsfinanzreform, und das Bestreben aller deutschgesinnten Politiker muß hier auf Beruhigung und Ausgleich gerichtet fein. Aber alle Bemühungen dieser Art find vergeblich, weil in der weitest verbreiteten Prell« das fremdrassige Ausländertum herrscht und den Ton an- gibt für eine nachgeordnete Kleinvresse, in der die Hetzleistungen der großen ..Weltorgane" als Kulturoffenbarungen, als vorbildlich, angesehen werden.
Diesen Zuständen können wir nicht erfolgreich begegnen, wenn wir nicht unser Preßgesetz national gestalten, so daß darin nicht allein den Bedllrfnillen einzelner, sondern auch den Vedürfniffen unseres Staates und Volkstums Rechnung getragen wird. Vor allen Dingen brauchen wir eine Bestimmung, wonach alle Ausländer, die sich in der deutschen Presse betätigen wollen, einer jederzeit rückziehbaren Erlaubnis der Reichsregierung bedürfen, und wonach die Entziehung dieser Erlaubnis nicht an die Notwendigkeit^ rer Begründung oder Rechtfertigung gebux^H^st. Des weiteren sind Son- derbestimmunc ig für die nationalen
deutscher Sprache (genau und richtig übersetzt!) zu bieten haben mit Strafandrohung für den Fall, daß die Uebersetzung in wesentlichen Dingen um eines ersichtlichen Zweckes willen abweicht vom Inhalt der in der Fremdsprache gehaltenen Veröffentlichungen.
Eine dritte, sehr notwendige Festsetzung müßte lauten, daß die Naturalisation eines Ausländers in Deutschland Vorschriften, denen sein Wirken in der Presie nach obigem zu unterliegen hätte, nicht beeinflußt, so daß eine Schein- Heirat oder ein Landankauf nicht die Regierung gegenüber den Ausländern machtlos machen könnte. Endlich bedürfte die Neugründung oder der Besitzübergang einer in fremder Sprache erscheinenden Zeitung oder Zeitschrift die besondere Genehmigung der Regierung, die aus politischen Erwägungen versagt werden könnte. Das besonders, damit sich nicht die Fremdelemente int Herzen Deutschlands mit Hilfe einer eigenen deutschgegnerischen Presie andauernd Stützpunkte schaffen können, wie cs jetzt wieder in Herne der Fall ist, wo zum Bochumer „Wiarus Polski" ein neues Polenblatt für das rheinisch-westfälische Industriegebiet enffteht. Ob damit private Erwerbsinteresten gelegentlich verletzt werden können oder nicht, muß uns gegenüber der völkischen und staatlichen Bedeutung des Pressewesens ganz nebensächlich sein: denn der Erwerb durch die Presie ist schließlich in deutschen Landen nicht die einzige Erwerbsmöglichkeit, und die Notwendigkeiten der Gesamtheit gehen vor den Erwerbsfragen des einzelnen.
Deutsches Reich.
— Der Dreibund. Rom, 20. Okt. Die „Tribuna" tritt scharf in einem Artikel der Auffüllung der dreibundfeindlichen Blätter entgegen, als ob in der Verschiebung des Besuches des Reichskanzlers von Bethmann-Hollweg in Rom Mangel an Rücksicht gegen Italien liege. Das Blatt erinnert daran, daß Bethmann-Hollweg gleich nach feiner Ernennung zum Reichskanzler dem Ministerpräsidenten Tittoni in einem sehr herzlichen Briefe den Wunsch ausgesprochen habe, sobald als möglich nach Rom zu kommen, um dem Könige seine Aufwartung zu machen und den Ministerpräsidenten Tittoni persönlich kennen zu lernen. Dieser habe darauf geantwortet, der König sei von Rom abwesend und würde erst gegen Mitte November dorthin zurückkehren. Er teile den gemeinsamen Wunsch des Kanzlers und Tittonis, daß der Besuch in Rom statffinde. Mit Rücksicht auf die beginnenden parlamentarischen Arbeiten auf der einen Seite und dem gemeinsam gehegten Wunsche, daß der Besuch in Rom stattfindet, auf der anderen Seite, habe sich jedoch eine Verschiebung notwendig gemacht. Di« Beziehungen zwischen Deutschland und Italien seien ausgezeichnet; getragen von der größten Herzlichkeit und der gegenseitigen Hochachtung.
— „Groß 2“. Berlin. 20. Okt. Die seit zehn Tagen befohlene Fernfahrt des Militärluftschif- fes'.Groß 2" nach Köln hat heute, weil der Wind ununterbrochen aus dem Süden und dem Süd- westen weht, definitiv aufgegeben werden müllen. Das Luftschiff wird morgen früh vom Bahnhof Beusielstraße nach Köln mit der Bahn
„Um so mehr kann ich arbeiten. Erzählte ich Dir nicht von meinen Arbeiten, die allein uns ein sorgenfreies Leben gestatten würden?"
„Soll ich von der Arbeit meiner Frau leben?"
„Das hast Du nicht nötig, Walter. Du hast Deine Pension — aber wenn es auch nötig wäre, würdest Du dieses Opfer meiner Liebe nicht annehmen, das für mich kein Opfer, sondern eine freudig erfüllte Pflicht ist?"
„Ich kann es nicht. Brunhilde!"
„Soll der Stolz abermals sein unheilstiftendes Haupt erheben, Walter?" fragte fie ernst. „Hat der Stolz in unseren Herzen nicht schon genug Unheil angerichtet? Hätte er uns nicht beinahe auf immer getrennt? Ich 6in bei Dir, Walter, und ich weiche nicht mehr von Deiner Seite! Der Stolz ist vollständig aus meinem Herzen gewichen, nur Liebe wohnt noch darin. Willst Du meiner Liebe Deinen falschen Stolz entgegensetzen?"
Er küßte ihre Hand.
„Nein," entgegnete er tief bewegt, „es wäre frevelhaft von mir gehandelt — ich beuge mich Deiner Liebe, Brunhilde."
Unter den Sonnenstrahlen ihrer Liebe gesundete nicht nur Walters Seele, sondern auch fein Körper erstarkte von neuem. Seine Glieder streckten sich in schwellender Kraft, seine Wangen röteten sich und das ihm gebliebene Auge empfing wieder einen Schimmer des Lichts, der sich mehr und mehr verstärkte.
Da erst, als er Brunhildens schönes Antlitz rotebet erkennen, als et wieder in ihren von Tränen erfüllten Augen lesen konnte, da erst wichen vollends die dunklen Schatten und das Glück zog in feine Seele und fein Herz ein.
befördert. Das Luftschiff soll in nächster Zeit mit den anderen Luftschiffen „Zeppelin 2" und „Parseval 2" Vergleichsfahrten unternehmen, die dort vier Wochen lang stattfinden werden.
— Lufttorpedos. Esten, 20. Ott. Im Zusammenhang mit der früher gebrachten Mitteilung, Krupp habe das Verkaufsrecht auf di« Patente Unges betreffend sogenannt« Lufttor- pedos erworben, wird gemeldet, daß Torpedos dieser Art nebst Aufgestell nach Esten geliefert worden seien zur Erprobung der Erfindung, über deren militärischen Wert übrigens noch nichts feststeht.
— Das »erfahren gegen Bruhn. Bei den Haussuchungen, sind, wie berichtet auch die Rest« von verbranntem Papier beschlagnahmt worden. Unter diesen befand sich, wie Berliner Blätter melden, das halbverbrannte Manuskript eines Artikels gegen die Berliner Polizei, das Bruhn wahrscheinlich im letzten Moment noch vernichten wollte. Es sei hierbei daran erinnert, daß in der „Wahrheit" vor kurzer Zeit von angeblich „eingeweihter Seite" scharfe, persönlich gehaltene Angriffe gegen die Leitung der Berliner Kriminalpolizei erschienen, über deren Urheberschaft im Polizeipräsidium eine Untersuchung eingeleitet wurde, ohne daß es damals gelang, den Det- faster zu ermitteln. Das halbverbrannte Ma- nuskript wurde sorgsam geborgen. Es soll dem Gerichtschemiker Dr. Ieserich zur Untersuchung übergeben werden. Auch die an anderen fünf Stellen vorgenommenen Haussuchungen förderten Material zutage. Es wurde bei zwei Bankiers im Westen Berlins, bei einem Eafetier im Zentrum und bei zwei Berliner Großindustriellen nach Korrespondenzen mit der Expedition der „Wahrheit" geforscht, als deren Verleger offiziell der Bruder Wilhelm Bruhns, Paul Bruhn, figurierte.
Ausland.
** Oesterreichifches Abgeordnetenhaus. Wien, 20. Ott. Bei dem Wiederzufammentreten des Hauses sind Sitzungssaal und,Galerien überfüllt. Der Ministerpräsident und die Minister werden von den Tschechisch-Radikalen mit Lärm und Abzugsrufen empfangen. Während die Tschechisch- Radikalen den Lärm fortsetzten, hielt Alters- Präsident Funke eine mit Beifall ausgenommen« Eröffnungsrede. Nach der Mitteilung von der Mandatsniederlegung der Abgeordneten Dorfmann und Srb protestierte der Abgeordnete Wolf gegen den Beschluß der heutigen Obmän- ner-Konferenz, die Präsidentenwahl am Freitag vorzunehmen, was verfassungswidrig sei, und eine Nachgiebigkeit gegen die slavische Union bedeute. Der Alterspräsident erklärte hieraus mit Rücksicht auf vielfach geäußerte Wünsche unbum ben Abgeordneten Gelegenheit zu geben, sich über die Wahl des Präsidenten schlüssig zu werden, die Sitzung auf 48 Stunden für unterbrochen. Der Lärm der Tschechisch-Radikalen dauert« mährend der ganzen Sitzung an.
** Die ungarische Krise. Budapest, 20. Ott. Das ungarische Telegr. Korr. Büro meldet au» Wien: In dem heutigen ungarischen Ministerrate, der eine halbe Stunde dauerte, forderte der König in einleitenden Worten die Minister auf.
Die Stunde der Rückkehr in die deutsche Hei- mat war gekommen.
Aber ehe ihre Füße den Dampfer, der fi« heimwärts tragen sollte, bettaten, ehe sie da« Land verließen, wo sich ihre Herzen unter Schmerzen und Leiden gefunden, da verband der Segen des Priesters sie auf ewig mit* einander.
Ein Jahr ist dahingegangen.
Auf der Veranda der „Villa Mary" am grünen Gestade des Wannsees herrscht ftöhliches Treiben.
Das Ehepaar Dettmer feiert die Taufe seines Erstgeborenen, der die schönen Namen Eginhard Walter Christoph erhalten hat.
Mary ist eine muntere, kleine Frau geworden, der man es schon jetzt ansieht, daß sie sich dereinst zu einer rundlichen, würdigen Matrone auswachsen wird. Das Gesicht des Königlichen Hofphotographen strahlt vor Freude und Vaterstolz, er kann seinen Sohn nicht genug bewundern und küßt immer wieder in überströmender Dankbarkeit die Hände seiner geliebten Mary.
Der Kommerzienrat sitzt in stiller Zufriedenheit da und schmunzelt bei den Scherzen Christoph Wackernagels, der sich schon einen kleinen Schwips angetrunken hat.
Arm in Arm stehen Walter und Brunhilde auf der Veranda und sehen mit glücklich sinnenden Augen auf die blitzende Wasserfläche des Sees hinaus. In echt weiblicher Schönheit blüht Brunhilde und auch auf Walters Gesicht ist die Farbe der Gesundheit und Kraft zurückge* kehrt. Man bemerkt es kaum, daß et ein Auge verloren hat, welches durch ein künstliches Glasauge ersetzt worden. Das ander« Auge ober