44. Jahrg.
mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: „Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und „Landwirtschaftliche Berlage.
Marburg
Donnerstall. 21. Oktober 1909.
Die JnsertionSgebiihr beträgt fiir die 7gefpaltetie Zeile oder deren Raum 16 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. — Druck und Verlag: Joh. Ang. Koch, UnwersitätSbuchdruckerei Inhaber Dr. T. Hitzeroth, Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
Die „Gdrrhrsstschr Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der 0/17 Sonn- und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt viertelnd»-» • jährlich durch die Post bezogen 2,35 Mk. (ohne Bestellgeld), bei
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Erstes Blatt.
Herr v. Gerlach
und die Sozialdemokratie.
Die Reichstagsersatzwahl in Halle, wo einem Sozialdemokraten gegenüber jetzt die Einigung der bürgerlichen Parteien geglückt ist, hat Herrn v. Gerlach, den Feind aller Feinde der Sozialdemokratie, auf den Plan gerufen. Er hält es ja bekanntlich für eine „Verleumdung", wenn man ihm seine allzu enge Verwandschaft mit der Sozialdemokratie etwas deutlich vor Augen stellt, die jetzigen Vorgänge in Halle sind aber zu charakteristisch, als daß wir an ihnen vorbeigehen könnten. Also Herr v. Gerlach hat dort den Boden als geeignet für die Gründung einer demokratischen Gruppe angesehen. Er hat eine von uns schon erwähnte Versammlung abgehal- len, in der er offen zur Unterstützung des Sozialdemokraten aufgefordert hat — nicht etwa gegen einen „fff Reaktionär", sondern gegenüber einem — freisinnigen Volksparteiler i Was Herrn v. Gerlach nun noch von einem Sozialdemokraten trennt, möchten wir in der Tat gern wissen. Solche Leute sind aber bekanntlich schlimmer, als wirkliche Sozialdemokraten, deren politische Stellung den Wählern wenigstens durchaus klar ist. Leute wie Herr v. Gerlach, die den Anspruch erheben, noch zu den bürgerlichen Parteien gezählt zu werden, worüber nun allerdings bei allen verständigen Politikern nur gelacht wird, sind deshalb so gefährlich, weil sie den Uebergang zur Sozialdemokratie den von ihnen beeinflußten Kreisen so sehr erleichtern. Leber die Versammlung in Halle wird der „Deutschen Zeitung", einem im nationalen Sinne durchaus zuverlässigen Blatte, geschrieben:
Die Rede von Eerlachs übertraf alle Befürchtungen: jedes Wort war direkt und indirekt eine Empfehlung des sozialdemokratischen Bewerbers Kunert. Die ersten Degenstöße richteten sich wider den Reichsverband gegen die Sozialdemokratie. „Ein Reichverbandsgeist hat Halle ergriffen", „Der Reichsverband ist das traurigste politische Gebilde in Deutschland" Dann kam der Berliner Konmnalfreistnn Reimanns vor die Klinge. Was der Redner hier von der sozialen Rückständigkeit der Kommune Merlin sagte, ist bekanntlich gerade von den angeblich so reaktionären rechtsstehenden Parteien und ihrer Presse schon öfter hervorgehoben worden, desgleichen der Widerspruch zwischen freisinniger Praxis und freisinniger Theorie in den Fragen des Wahlrechts. Daß „der Blockfreisinn" trotz Reichsvereinsgesetz und Milderung der Börsensteuer „auf dem Boden der Reaktion gewachsen ist"" wußten wir schon aus dem „B. T.", aber noch nicht, daß der Sprachenparagraph das Vereinsgesetz „beflecke". Zwischenrufe erinnerten den gegen den Block eifernden Wolken- wandler Herrn von Gerlach an das Dasein des Zentrums. Und richtig, er war unklug genug, das Zentrum gegenüber den preußischen Junkern als ziemlich harmlos zu verteidigen. Das trug ihm bei der zu zwei Dritteln aus Sozial-
Zur Frithjof-Aufführung im Liedervereiu.
H. Engelhardt.
Max Bruch hat für fein« Komposition „Frithjof" einzelne Szenen aus dem Epos von Essais Tegndr herausgegriffen und vertont. Wiewohl dies Werk zu seinen ersten Schöpfungen zählt, ist es doch ein Meisterstück der Kom- pofitions- und Jnstrumentationskunst und wird von unvergänglichem Werte fein. Da der hiesige Liederverein am 24. Oktober im 2. Teile seines Konzertes dieses Bruchsche Männerchorwerk mit Orchester zum Vortrag bringen wird, dürfte es für viele Konzertbesucher von Interesse sein, zum raschen Verständnis der Komposition einiges im voraus zu erfahren.
Es ist das uralte Liebesmotiv, das uns auch <n dieser Dichtung entgegentritt. Frithjof, der Sohn eines norwegischen Bauern, und Jnge- borg, die Tochter des Königs Bele, liebten sich. .Auf dem Sterbebette gibt Bele die Einwilligung «ur Vermählung beider. Aber die Brüder Jngeborgs — Helge und Halfdan — wollen von diesem Herzensbündnis nichts wissen. Nach des Königs lobe lassen sie Jngeborg zur Priesterin weihen; denn Helge glaubt seine verwaiste Schwester in Baldurs Tempel und Hag vor fremdem Blick bewahren zu müssen. Durch heimliche, nächtliche Zusammenkünfte der beiden Liebenden in dem heiligen Hain wird liefet, entweiht. Darum spricht Helge über frithjof die Acht aus, von der er sich nur lösen könne, wenn er es wage, eine gefahrvolle Wasser- sahrt gegen den zinspflichtigen Jarl Aganthyr ju unternehmen, um den längst fälligen Tribut, >en dieser den Brüdern der Jngeborg schuldet, keimzuholen. Mit einer tapferen Sä)ar vickinger umgeben, fährt er hinaus übers Meer.
bentotraten bestehenden Versammlung die ersten lebhaften Kundgebungen des Mißfallens. Bei Besprechung der Novembervorgänge vetstieg sich Herr von E. zu dem Ausspruch: „Wir müssen uns alles gefallen lassen, was ein Mensch, der zufällig an der Spitze steht, im Deutschen Reiche will." Er schloß mit einer Empfehlung des demokratischen Programms und forderte die Anwesenden zur Bildung einer demokratischen Ortsgruppe in Halle auf. Starker Beifall bei den Genossen. Verschiedene gegnerische Redner hatten große Mühe, von der tobenden roten Rotte zviederhott niedergeschrieen, zu Wort zw kommen. Zum Schluß faßte Herr von Gerlach nochmals in kurzen, knappen Sätzen zusammen, wie er seine Ausführungen aufgefaßt haben wollte. Nach dem „Volksblatt" sagt er:
„Die Worte des freiststnigen Programms entsprechen nicht mehr den freisinnigen Taten. Das ist es, was bekämpft werden muß. Wer für die Freiheit und die Zukunft des Vaterlandes kämpft, kann nicht den Freisinn wählen, sondern muß seine Stimme dem Sozialdemokraten Kunert geben. Mit den Sozialdemokraten zusammen muß das aufgeklärte Bürgertum gegen die Reaktion ankämpfen. Wer das tut, kämpft einen guten Kampf uni) sorgt dafür, daß unser Volk dorthin kommt, wohin jebes Kulturvolk vorschreiten muß, nämlich, baß die Mehrheit des Volkes die Entscheidung besitzt, zur Demokratie!"
Da Herr von Gerlach immer noch Neigung zu haben scheint, in unserem Kreise für den Reichstag zu kandidieren, und sonst über seine agitatorische Tätigkeit im Dienste der Sozialdemokratie hier kaum etwas bekannt werden dürfte, so fühlen wir uns verpflichtet, diese Vorgänge unseren Lesern nicht vorzuenthalten. Die Ueberzeugung aber haben wir, daß die rechts stehenden Parteien vor einem „Neun-Zehntel- Genossen", als der sich Herr von Gerlach hier wieder dokumentiert hat, bei einer Reichstagswahl auch nicht die geringste „Angst" zu haben braucht. Warum sollten die Marburger „vertrauensseliger" sein, als die Hallenser, die — die Genossen natürlich ausgenommen — dem Liebeswerben des Herrn v. Gerlach keine Sympathien entgegenbringen — wie man der „Staatsbürgerzeitung" aus Halle mitteilt, sind dort nach dieser Agitationsrede ganze drei Mitglieder der .Demokratischen Vereinigung" beigetreten.
Der Fall Ferrer.
Paris, 19. Okt. Im Senat beantragte der Sozialist Flayssieres, die Regierung darüber zu interpellieren, welche Haltung sie nach der Hinrichtung Ferrers Spanien gegenüber einzunehmen beabsichtige. Der Minister des Aeußern, Pichon, erwiderte darauf, die Regierung habe die unveränderliche Richtschnur, niemals in die innere Politik fremder Regierungen einzugreifen. Diese Richtschnur befinde sich in Uebereinstimmung mit dem Völkerrechte, nach dem die einzlenen Völker allein das Recht haben, über die Handlungsweise ihrer Regierungen ein Urteil zu fällen. (Beifall.) Frankreich sei mit Spanien durch herzliche Freundschaft, sowie durch Uebereinkommen und Verträge verbunden, die dem Senate, bekannt seien. Er werde fortfahren, diese Verträge und diese Freundschaft zu betätigen. Pichon schloß mit der Aufforderung, die Interpellation auf unbesftmmte
Helge, ber ber Zauberkünste mächtig ist, beschwört einen furchtbaren Sturm herauf, sodaß Frithjofs Schiff E l l i b a broht unterzugehen. Aber er holt den Zins glücklich heim. Die glühende Sehnsucht nach bei Geliebten treibt ihn zur Eile. Schon taucht bet heimatliche Straiü) vor seinen Augen auf.
Mit „Frithjofs Heimfahrt" setzt bie Bruchsche Komposition ein. Da vernehmen wir zunächst fernes Donnergrollen; in warnenden Tönen (Hörner und Fagotts) machen sich kurze Windstöße bemerkbar; die See wird bewegt; die Wellen schlagen höher (Violinen und Bratschen). Auf dem Schiffe bie kühnen Seefahrer, die getrosten Mutes durch das tobende Meer steuern. „Ellida, beeil', beeil' den schäumenden Flug!" Jubel und Freude durchzieht ihr Herz beim Anblick des heimatlichen Gestades. Frithjof und feine Gefährten begrüßen ihr Vaterland:
„Es ist so schön, wenn vom fernen Lande Die Segel kehren zum Heimatstrande, Wo Rauch entsteiget dem eignen Herd, Und Kindheitswelt ist dir ewig wert."
Ein schlichtes, herzergreifendes Heimatlied ist es, das über das Meer ertönt. — Die See wird glatt und ruhig; kleine sanfte Wellen (Violinen) umspielen das Schiff, und froher Hoffnung betritt Frithjof den heimatlichen Boden. —
Doch vernichtet all sein Glück. Wo sein Vater ruht, seine Wiege stand, findet er nur Trümmer am öden Strand. Helge hat während Frithjofs Abwesenheit den alten König Ring, der Jngeborg zum Weibe begehrte, verhöhnt. Dafür nimmt dieser Rache. In heißer Schlacht wird Helge besiegt; et muß vor seinem Feinde
Zeit zu vertagen. (Beifall.) Der Senat beschloß dies mit allen gegen drei «stimmen.
Budapest, 19. Oft. (Abgeordnetenhaus.) Zu Beginn der Sitzung teilte der Präsident mit, der Abgeordnete Georg Nagy (oppositionell), wolle vor Eintritt in die Tagesordnung die Affäre Ferrer besprechen, und erklärte, er verweigere feine Zustimmung hierzu. Hierauf appellierte Nagy an das Haus und bat um Erlaubnis, die Affäre Ferrer zu besprechen. DaS Haus verweigerte seine Erlaubnis mit großer Majorität.
Brüssel, 19. Oft. In der Kammer brachte der Sozialist Furnemont eine Interpellation über die Hinrichtung Ferrers ein, deren Beratung aber vom Ministerpräsidenten wie vom Kammerpräsidenten abgelehnt wurde. Gegen die Worte des Sozialisten van der Velde, der hierbei von Mördern sprach, die keine Gnade kennen, legte der Minister des Aeußcrn Protest ein.
London, 19. Okt. Im englischen Unterhaus antwortete der Staatssekretär des Auswärtigen Sir Edward Greh auf Interpellationen wegen der Erschießung Ferrers: Die britische Regierung kann nicht von ihrer Regel abweichen, sich in die inneren Angelegenheiten eines anderen europäischen Staates weder einzumischen noch ihrer Meinung über diese Angelegenheiten irgend welchen Ausdruck zu geben, es sei denn, britische Untertanen oder britische Vertragsrechte wären dabei gefährdet. Diese Regel wird, soweit ich unterrichtet bin, von allen europäischen Regierungen beobachtet, und es wäre unzweckmäßig, von ihr abzuweichen. (Lauter Beifall bei den Ministeriellen und der Opposition.) — Corran (Arbeiterpartei) fragte, ob das Auswärtige Amt früher nicht seinen Einfluß geltend gemacht habe, um Grausamkeiten, die von anderen Mächten begangen wurden, zu verhüten und wenn das der Fall gewesen sei, warum der Staatssekretär des Auswärtigen innerhalb seiner Befugnisse nichts getan habe, um den Justizmord an einem der angesehensten Bürger Spaniens zu verhindern. (Beifall bei der Arbeiterpartei.) Me Frage blieb unbeantwortet. Hierauf beantragte Greahson (Soz.) Vertagung des Hauses wegen der unbefriedigenden Antwort Sir Edward GrehS und als Protest dagegen, daß der Staatssekretär nichts getan habe, um den jetzt in den Kerkern Spaniens befindlichen Gefangenen ein ordentliches Gerichtsverfahren vor dem Zibilgcricht zu sichern. Für den Antrag wurden 18 Stimmen abgegeben. Da aber für einen Vertagungsantrag 40 Stimmen erforderlich sind, fiel der Antrag. (Rufe Greahson: Pfui! Feiglinge!)
London, 19. Okt. Der Vertreter des „Daily Telegraph" in Madrid schreibt seinem Blatte, daß der Protest gegen die Hinrichtung Ferrers, der im Auslande zu so umfassenden Kundgebungen geführt hat, unbegründet ist, genau so wie die Angriffe auf die spanische Regierung und König Alfons. Die spanische Regierung habe, nachdem sie so viele Bedrohungen durch Anarchisten erhalten hätte, keine Begnadigung befürworten können, ohne feige zu erscheinen, und der König selbst habe kein Recht, in solchen Dingen die Jnitiafive zu ergreifen. Ter Korrespondent des „Standard" meldet aus Barcelona: Die Punkte, welche Ferrers Verurteilung herbeiführten, waren folgende: Man fand in seiner Wohnung nicht weniger als 40 Pakete mit Briefen und Dokumenten, aus denen hervorgeht, daß Ferrer eine allgemeine Revolution in Spanien vorbereitete. Ferner bekundeten 13 Zeugen, daß Ferrer persönlich und akfiv an der Revolution in Barcelona teilgcnommcn hat.
Paris, 19. Okt. Die Freimaurerloge in Trohes machte der Hauptloge in Paris den Vorschlag, sich mit den italienifchen Brüderlogen ins Einvernehmen zu setzen, um vor dem Vatikan ein Denkmal Ferrers zu errichten. Sie habe zu diesem Zwecke bereits 200 Franks bewilligt.
fliehen. Auf ber Flucht läßt et Frithjofs Haus und Hof in Flammen aufgehen unb erkauft sich den Frieden mit Ring, indem er ihm feine Schwester zum Weibe gibt. Jngeborg fügt sich in ihr Schicksal. In feierlichem Zuge wird die Braut dem König Ring entgegengeführt.
„Trüb zieht der Skald vor dem .Hochzeitstrosse; Bleich sitzt die Braut auf dem schwatzen Rosse."
In dieser 2. Szene „Jngeborgs Brautzug zu König Ring" ist Bruch die Tonmalerei ganz besonders gelungen. Durch Trompeten und Hörner deutet et an, daß der Hochzeitszug eigentlich ein fteubiges Ereignis ist; aber die übrigen Instrumente: Violinen, Klarinetten, Flöten usw. geben in klagenden Tönen die Stimmung wieder, die Jngeborg gequältes Hetz bewegt. Ihr Gesang: Ein Opfer bin ich — nur leiden will ich und kein Erbarmen — doch Frithjof grüßet von Jngeborg — ist tief erschütternd. Aus der duldenden, liebenden Seele klingts:
„Viel trägt das Hetz, bevor es bricht;
Allvater richtet — ich klage nicht."
Die 3. «Szene führt uns in Baldurs Hag. Zur mitternächtigen Stunde sind dort die Priester versammelt und warten auf König Helge. Düstere Stimmung liegt auf ihren Gemütern. In schwermütiger Mollmelodie hebt es an:
„Mittnachtsonn' auf den Bergen liegt, Blutrot anzuschauen,
Es ist nicht Nacht, es ist nicht Tag, Es ist ein seltsam Grauen."
Da kommt aus ber Ferne eine Schar Bewaffneter, voran ein stolzer Fürst.
„Durch bie Schauer ber Mitternacht
Naht schon in ber Krone Pracht Helge, unser König."
Paris, 18. Oft. lieber die Testamentsbestimmuna Ferrers hat der „Mattn"-Korrespondent in Madrid ein paar Einzelheiten ermittelt. Testamentsvollstrecker ist wahrscheinlich Litran, ein persönlicher Freund Ferrers und Administrator der modernen Schule von Barcelona. Ferrer bat den Notar, ihm selbst und Frau Soledad Villafranca je ein Exemplar des Testaments auszuhändigen. Für den Fall, daß Ferrers Kinder, wie es der Vater testamentarisch von ihnen verlangt, auf ihr Erbteil verzichten sollten, würde die gesamte Erbmasse in die Hände eines Uni« versalerben übergehen, der jedenfalls einer der bekanntesten Anarchisten ist und von Ferrer beauftragt wird, das begonnene Schulwerk fortzusetzen.. Der Name dieses Erben ist noch unbekannt, doch wird in eingeweihten Kreisen behauptet, es sei nicht der bekannte italienische Anarchist Malato, sondern ein in England lebender Anarchist.
Antwerpen, 19. Oft. In der vergangenen Nacht machte nach Schluß einer Protestversammlung für Ferrer ein Trupp junger Leute den Versuch, die Fenster des spanischen Konsulats einzuwerfen. Dabei kam es zu einem Zusammenstoß mit der Polizei, wobei von beiden Seiten Revolverschüsse abgegeben wurden. Wie es heißt, wurden einige Personen dabei verwundet.
Deutsches Reich.
— v. d. Eoltz in der Türkei. Konstantinopel, 19. Okt. Generaloberst Dr. Frhr. v. b. Goltz ist hier eingetroffen. Er würbe am Bahnsteig, wo eine Ehrenkompagnie mit Musik Aufstellung genommen hatte, namens des beutschen Botschafters vom Botschaftsrat v. Miquel empfangen. Zur Begrüßung hatten sich ferner zahlreiche Mit« glieber ber beutschen Kolonie, sowie viele türkische Offiziere, unter ihnen Muhmub Schefket Pascha, Izzet Pascha unb Prinz Asis ringe« funben.
— Reichsverficherungsordnung. Stuttgart, 19. Okt. Zur Frage ber Reichsversicherungsorb« nung hat ber 23. ordentliche Derufsgenossen- schaftstag folgenbe Resolution angenommen: Der Berufsgenossenschaftstag stellt mit Befrie- bigung fest, baß bie von «Seiten ber anberen Versicherungsträger ber großen wirtschaftlichen Ver« bände für Landwirtschaft, Handwerk, Handel unb Industrie, von Vertretern ber Wissenschaft unb von Sozialpolitikern an dem Entwurf einet Reichsversicherungsordnung geübte Kritik eine weitgehende Uebereinstimmung mit denjenigen Grundsätzen aufweist, bie ber außerorbentliche Berufsgenossenschaftstag vom 26. Mai 1909 ht seiner damals einstimmig angenommenen Erklärung niedergelegt hat. Er, gibt nunmehr ber Erwartung Ausdruck, baß bie Reichsregierung ben genannten Gesetzentwurf unter Berücksichtigung dieser Stellungnahme einer gründlichen Umarbeitung unterziehen wird, insbesondere in ber Richtung, baß bie Selbstverwaltung ber Berufsgenossenschaften in vollem Umfange gesichert bleibt unb von einem neuen kostspieligen Beamtenapparat Abstanb genommen wirb. — Präsident Dr. Kaufmann regte ein engeres Zusammenarbeiten zwischen ben Berufsgenossenschaften unb bem Verein vom Roten Kreuz an. Direktor im Reichsversicherungsamt, Wittowsky, _ spricht über Unfallverhütung unb Unfallverhütungs- Vorschriften, sowie über bie Aufgaben der Berufsgenossenschaften auf dem Gebiete des Heil-
Doch nicht Helge ist es. — Rein. Frithjof, ber mit seinen Kampfgenossen blutige, schreckliche Rache nehmen will, zieht zum Tempel.
Er ruft ben Priestern zu:
„Nur in Hellas Nebelreich
Mögt ihr nach dem König fragen;
Seine Sterne wurden bleich, Helge liegt — erschlagen!"
„Weh, o Freveltat!" schallt es ihm entgegen.
Aber Frithjof schreckt nicht zurück:
„Still, Priester mit dem Opferstahl, Bleiche Mondscheinfürsten!
Sonst bleibt euch nur Todeswahl, Unsre Klingen dürst en."
Da sieht er bie Bilbsäule bes Gottes Baldur, geschchückt mit dem kostbaren Ring, ben er einst in glücklichen Tagen Jngeborg als „ber Liebe Psanb" gegeben hat. In heftigem Zorn reißt er ben Ring ab; bas Eötzenbilb stürzt in bie Flammen des Opferfeuers. „Der Gott weicht seiner Wut." Die Feuersäulen schlagen hoch auf unb zünden ben TemM an. Volk unb Priester eilen herbei.
„Tempelbranb! Gießt Wasser aus, Das ganze Meer gießt drüber!"
Frühwind saust von Norden her; mit Schnelligkeit greift das Feuer um sich. Elutmeer woget in Baldurs Hain.
Die Priester rufen bie Götter zur Rache. Frithjof wird von ihnen verflucht unb verbannt. Ein Heimatloser muß er sein Laub verlassen.
Musikalisch zeichnet sich biese Szene burch große Lebendigkeit aus. Sie ist durchweg dramatisch gehalten. Die menschlich begreifliche Wut und Verzweiflung eines Herzens, bem alles geraubt ist, kommt hier völlig zum Aus- druck. So bildet dieser Teil der Frithjof-Ko»,