und den Beilagen: „Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und „Landwirtschaftliche Beilage." 1
®ie „Gberhesstsche Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der
246 Sonn- und Feie tage. — Der Bezu g spr e is beträgt oiertel- <?■■=• Äiv jährlich durch die Post bezogen 2,25 Mk. (ohne Bestellgeld), bei
44. Jahrg.
unser» Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21,) 2 Mk.
an der höchsten Stelle, daß gegenüber allen Versuchen, außerhalb des Rahmens jenes Beschlusses, oder gar im Gegensatz zu ihm auf die Gestaltung der RegiemngsverhäÜnisie im Herzogtume einzn wirken, ein abweisendes Verhalten geboten fd. Damit werden die emsten Verpflichtungen gegenüber dem Reiche erfüllt, deren sich die höchst« Stelle im Herzogtume bei der Behandlung bei braunschweigischen Frage stets bewußt bleibt.
— Vom Bergbau. Essen-Ruhr, 18. Oft. Del Vorstand der vier Bergarbeiterorganisationen bt ■ schloß in einer abgehaltenen Konferenz einstimmig, an den Zechenvorstand eine Eingabe zu richten, in der die Aufhebung der Beschlüsse betreffend die Einführung des Zwangsarbeitsnachweises gefordert wird. Gleichzeitig soll inanbe- tracht der ernsten Situation eine Eingabe an das Königliche Oberbergamt und eine zweite an de« Minister für Handel und Gewerbe gerichtet werden, in denen diese um ihre Vermittelung cm gemfen werden sollen.
— Berichtigung. Die „Magdeburger Ztg." et fährt heute aus bester Quelle, daß weder in Gumbinnen noch sonst irgendwo von den Referendare« eine Erklärung gefordert worden ist, daß sie beteil seien, Satisfaktion zu geben. Bekanntlich hatte der frühere Bürgermeister Schütting behauptet, der jetzige Oberpräsident von Hegel habe als Regierungspräsident in Gumbinnen diese Erklärung gefordert.
Paris, 18. Okt. Der spanische Minister des Innern La Cierva erklärte dem Madrider Vertreter des „Matin" gegenüber folgendes: Von allen Präfekten unserer 49 Provinzen haben wir Telegramme erhalten, denen zufolge sich nirgends auch nur die geringste Aufregung über die Hinrichtung Ferrers zeigt. Es herrscht in ganz Spanien vollständige Ruhe und Ordnung. In Spanien ist man sich eben bereits darüber klar geworden, daß Ferrer den Tod reichlich verdient hat, und daß feine ganze Persönlichkeit nicht das geringste Mitleid verdient. Man erblickt in ihm den Inspirator der Revolution in Barcelona und weiß, daß er zahlreiche Menschenleben aus dem Gewissen hatte. Wir glauben und hoffen, daß man nunmehr auch bald im Auslande einsehen wird, daß seine Hinrichwng kein Akt von Ungerechtigkeit war, und daß er vollständig gerecht nach den spanischen Gesetzen verurteilt worden ist, und daß kein Land der Erde es dulden würde, wenn die öffentliche Ordnung durch Anarchisten, wie Ferrer einer war, gestört werden sollte. Die Regierung hat Barcelona in einem gefährlichen Zustande gefunden, unsere größte Handelsstadt war zum Hauptherde des Anarchismus geworden. Wir haben dort eine aus 15 000 Seelen bestehende ausländische Bevölkerung, die mehr oder weniger unter anarchistischen Einflüssen steht, und unter der die anarchistische Propaganda auf günstigen Boden fiel. Wir waren also gezwungen, einen großen Schlag zu tun, wir haben aber nur fünf gerichtlich zur Genüge ertoie- fene Anarchisten, von denen jeder Blutschuld aus seinem Haupte hatte, hinrichten lassen und nicht einige hundert, wie am Auslande verbreitet wurde. Wir bekämpfen lediglich den Anarchismus und seine Gewalttaten, aber sonst nichts weiter!
Der heutigen Nummer liegt dei Kreisblatt Nr. 81.
Die JnsertionSgebiihr beträgt für die 7gespaltene Zeile oder deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. — Druck und Verlag: Job. Aug. Koch, UniversttätSbuchdrückerei Jnliaber Dr. T. Hitzeroth, Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
Deutsches Reich.
— Die Einsegnung der Prinzessin Viktoria Luise. Gestern vormittag um 11 Uhr wurde in der Friedenskirche in Potsdam die Prinzessin Viktoria Luise feierlich konfirmiert. Das Innere der Kirche war reich geschmückt. Im Gotteshause versammelten sich die zur Feier Geladenen, darunter auch die jetzigen und früheren Lehrer, Lehrerinnen und Erzieherinnen der Prinzessin und die Vertreter der Gemeinde des Kirchspiels. Unter Orgel- klmrg und Glockengeläut betrat die Kaiserin mit der Prinzessin Viktoria Luise, welche weiß gekleidet war, die Kirche. Der Kaiser folgte. Vor dem Altar nahm die Prinzessin allein Platz, weiter zurück der Kaiser zwischen der Kaiserin und der Großherzogin Luise von Baden. Die Feier begann mit dem Gesang des Domchors „Komm Heiliger Geist" von Albert Becker und
sungen, verlas die Prinzessin, altem Hohenzollern- brauch folgend, ein von ihr selbst versaßtes Glaubensbekenntnis, dem sie Evangel. Johannis Kap. 6 V. 68 und 69 zugrunde gelegt hatte. Auf die ihr vom Oberhofprediger vorgelegte Frage, ob sie dem apostolischen Glaubensbekenntnis gemäß als Christin leben wolle, gelobte sie laut: „Ja, mit ^Gottes Hilfe." Hierauf segnete der Oberhofprediger die Prinzesiin ein, während die Majestäten und die Gemeinde sich erhoben hatten. Domchor und Gemeinde sangen „So nimm denn meine Hände". Rach Gebet, Vaterunser und Segen und dem Schlußlied „Laß mich dein fein und bleiben" verließen die Geladenen die Kirche, während die kaiserliche Familie zurückblieb, um mit der konfirmierten Prinzessin das heilige Abendmahl zu nehmen. Um 1 Uhr war im Neuen Palais Fa milienfrühstück.
— Der König von Sachsen in Mecklenburg. Schwerin, 18. Ott. Der König von Sachsen traf heute zum Besuch des Großherzogs von Mecklenburg-Schwerin in Schwerin ein. Zum Empfange waren erschienen der Großherzog sowie die Herzöge Paul Friedrich und Adolf Friedrich mit Gefolge. Nach herzlicher Begrüßung und Vorstellung des beiderseittgen Gefolges fuhren die Fürstsich- keiten nach dem Schlosse. Am Bahnhof und in den Straßen hatte sich ein äußerst zahlreiches Publikum eingestmden, das den Fürstlichkeiten lebhafte Ovattonen darbrachte. Abends wird ein Festdiner und im Hoftheater eine Festvorstellung stattfinden.
— Deutschland und Amerika. San Francisco, 18. Ott. Der Mayor von San Francisco wird der deutschen Regierung die Dankbarkeit der Bevölkerung San Franciscos wegen der Anwesenheit der „Arcona" bei der Feier der Wiederherstellung der Stadt zum Ausdnick bringen. Die Offiziere und die Mannschaft des Schiffes sind willkommene Gäste bei der Feier. Auch der deutschen Presse sendet der Mayor den Ausdruck der dankbaren Gefühle.
— Aus Braunschweig. • Braunschweig, 18. Ott. Die „Amtlichen Braunschweigischen Anzeigen" bringen nachfolgende offizielle Erklärung: In der Tagespresse fanden in letzter Zeit Angriffe Eingang, welche sich gegen die Stellungnahme des Herzogregenten gegenüber den welfischen Bestrebungen und Vereinen richten. Die Behauptungen, aus welche jene Angriffe gestützt sind, stehen zum Teil mit den Tatsachen im Widerspruche und sind zum Teil zu unzutreffenden Schlußfolgerungen benutzt worden. Rach Anordnung des Regenten sind wir in dem herzoglichen Staatsministerium zu folgender Kundgebung beauftragt: An höchster Stelle besteht, wie wiederholt erklärt worden ist,
Marburg
MittAoch, 20. Oktober 1909.
Ausland.
** Ferrer. Montevideo, 18. Ott. Gestern wurde hier eine Protestversammlung gegen di« Hinrichtung Ferrers abgehalten. Nach Beendigung derselben zogen 2000 Demonstranten vor die spanische Gesandtschaft und bewarfen sie mit Steinen. Berittene Polizei gab zahlreiche Schüsse ab. Fünf Personen wurden verwundet. — Paris, 18. Ott. Bei dem Leichenbegängnisse des während der Ferrer-Manifestattonen durch einen Revolverschuß getöteten Schutzmannes Dufresne, welchem auch ein Vertreter der spanischen Botschaft beiwohnte, hielt der sozialistisch-radikale Vizepräsident des Gemeinderates Mossot eine Rede, in welcher ei in heftigen Worten die Hinrichtung Ferrers geißelte. Zwanzig Nationalisten und gemäßigt« republikanische Mitglieder des Gemeinderates erhoben nach Schluß der Trauerfeier schriftlich gegen die Rede Mossots Einspruch.
Zur Hinrichtung Ferrers veröffentlicht die „Frankfurter Zeitung" spalten- lange Wehklagen und das „Berliner Tageblatt" mit.Anhang fehmbiert. Im „B. T." veröffentlichen ferner Lujo Brentano und Künstler wie Dehmel, Liebermann, auch Haeckel einen Protest gegen die Hinrichtung. Die übrige Presse, auch die mittelparteiliche, hält in ihrem Urteil über den angeblichen Justizmord sehr zurück und berurteilt die Proteste der Demokraten und Anarchisten verschiedener Länder.
Die „Frks. Ztg." wird in einer Polemik gegen die „Kreuzzeitung" sogar prophetisch und schreibt: Ja, so ist es eben in der Weltgeschichte. Ein einzelner Mensch, und manchmal sogar ein fremder, wird zum Eckstein, auf dem die Zukunft sich aufbaut, er wird zum Symbol, das die Weltanschauungen und zuweilen auch die Zeitalter scheidet, und er wird zum Banner, nach dem man Freund und Feind erkennen (amt?
Uns scheint Ferrer, der Anarchist,' kmrm das Zeug zum Eckstein der Zukunft zu haben, und wenn schon, so wäre es eine sehr bedenkliche Zukunft. Der ganze Streit um Ferrer, der so auch in der deutschen Presse entfacht ist, dürfte zunächst kaum irgend welche Bedeutung haben, da die Frage, ob ein Justizmord vorliegt, erst nach der Kenntnis der Akten, die veröffentlicht werden sollen, entschieden werden kann. Die „Tägliche Rundschau" läßt-sich bereits einiges von den Verhandlungen aus Madrid mitteilen, was allerdings nicht wie Schuldlosigkeit Ferrers aussteht.
In Deutschland, wo man gewöhnt ist, sich in die inneren Angelegenheiten fremder Länder nicht einzumischen und die Dinge etwas zurückhaltender aufzufasten als in den romanischen Ländern, haben zwar die Demokratie und Sozialdemo- kratte in Berlin Kundgebungen veranstaltet, auch einige Umzüge, wobei es zu Zusammenstößen mft der Polizei kam, aber besonders ernsthaft ist das nicht aufzufassen. Die „Post" schreibt über den Charatter der Protestumzüge: Bei den Zusammenstößen mit der Polizei zeigte sich, daß die Mehrzahl der Versammlungsteilnehmer das ganze als Sonntagsulk aufiaßte. Die jungen Burschen, die zum größten Teil die Sttaßen entlang zogen, liefen schleunigst davon, wenn Polizei sichtbar wurde, machten aber außer dem Bereich der Schutzleute aufs neue wieder Radau. U. a. fang ein folcher Bursche ein sozialdemokratisches Lied mit dem Refrain: „Solange der Bauch in die
Marburg und Umgegend.
(Nachdruck aller Originalartikel ist gemäß § 18 des Urheberrechts nur mit der deutlichen Quellenangabe „Oberheff. Ztg." gestattet.)
Weste paßt, wird keene Arbeit angefaßt." Dieser gefiel allgemein und die ganze Korona stimmte jedesmal mit ein. Für die Stimmung in diesen Kreisen ist dieser Vorgang recht bezeichnend. Vor dem Gebäude der spanischen Botschaft in der Regentenstraße fanden keine Demonstrationen oder auch nur Ansammlungen statt.
dem Gemeindegesang „Ach bleib mit deiner Gnade". Hierauf hielt Oberhofprediger D. Dry- ander eine Ansprache, welcher er den Text aus Evangel. Luc. 10, V. 42 voranstellte: „Martha, Martha, du hast viel Sorge und Mühe, eins aber ist not, Maria hat das gute Teil erwählt, das soll nicht von ihr genommen werden." Nachdem der Domchor „Der Herr ist mein getreuer Hirte" ge
die für allgemein maßgebende Auffassung, daß nur auf dem Boden des einstimmig gefaßten Bundes- ratsbeschlustes vom 18. Februar 1907 und auf aus diesem sich ergebenden Grundlagen, auf welche sich zugleich die Rechtmäßigkeit der gegenwärtigen Regentschaft stützt, die künftige Gestaltung der Re- gierungsverhältnisse int Herzogtum möglich und zulässig sei. Dem entspricht die fernere Auffassung
Marburg, 19. Ott.
* Stadttheater. Aus zahlreiche Anfragen fei auch an dieser Stelle mitgeteilt, daß bei Nachbestellungen auf Abonnements ein Gutschein für die erste Abonnementsvorstellung gratis verabfolgt wird. — Mit Bezug auf die Donnerstag- Vorstellung von „Sommernachtstraum" dürfte wohl das ResümS des „Gießener Anzeigers" übet
50- s (Nachdruck verboten.)
Stolz um Stolz.
Roman aus dem Leben von O. Elster.
(Fortsetzung.)
Schweigend hatte der Kommerzienrat zugehört.
Jetzt schwieg Brunhilde und unaufhaltsam perlten ihr die Tränen über die bleichen Wangen. Aber in ihrem Herzen rang sich ein Entschluß empor und nach einer Weile hob sie mit entschlosienem Ausdruck das Haupt. Es lag nicht in ihrem Charakter, still zu fitzen und zu grübeln, nut zielbewußtes Handeln entsprach ihrer Natur.
„Der brave Unteroffizier hat recht, Onkel/' sagte sie. „Wir muffen Walter helfen."
„Wie sollen wir ihm aber helfen?" fragte Hildebrandt in klagendem Tone. „Der Brief- schreiber hält mich für sehr reich, ich bin nur eine armer, kranker Mann, der kaum von den Zinsen eines kleinen Vermögens leben k.tnn. Und das Kapital ist ja festgelegt, ich kann es nicht angreifen.“
„Das ist auch nicht nötig, Onkel."
„Warum kommt Walter nicht zurück? Er hat doch freie Fahrt, und hier könnten wir ihn pflegen. Das ist doch fein unbegreiflicher Starrsinn Walters! Er weiß doch, daß ich nicht reifen kann. Und Mary können wir doch auch nicht schicken. Sie paßt nun gar nicht als Krankenpflegerin. Außerdem wollen sie ja auch in vier Wochen betraten, und dann wollen wir alle nach Wannfee herausziehen. Walter ist mir unbegreiflich.“
Brunhilde ahnte jedoch sehr wohl, was Walter von der Heimat fernhielt, und ihr Herz erzitterte bei dem Gedanken.
Sie erhob sich und sprach mit fester, tiefklingender Stimme:
„Deine Erwägungen sind ganz richtig, Onkel. Du oder Mary — ihr könnt beide nicht reifen — deshalb werde ich reifen.“
„Du? Nein, das ist nicht möglich! Was soll ich denn ohne Dich anfangen, Brunhilde?"
„Du hast Frau Ritter und Mary. Außerdem hast Du Dich ja, Gott fei Dank, soweit erholt, daß Du meine Pflege schon entbehren kannst. Und dann — wenn Ihr nach Wannsee übersiedelt, muß ich Dich ja doch verlasien."
„Brunhilde — nein, das kann Dein Ernst nicht sein!"
„In der Villa ist für mich kein Platz," entgegnete sie ruhig. „Ich kann Deitmer nicht zumuten, mich auch noch mit aufzunehmen. Ich würde also zu Onkel Christoph zurückkehren."
„Aber — aber ich kann Dir doch kein Geld geben — die Aussteuer Marys kostet schon so viel . . ."
„Beunruhige Dich nicht darüber, Onkel, ich stabe mir eine Summe erspart, die vollauf genügt."
„Nein, nein, das geht nicht! Du, ein junges Mädchen, willst ganz allein in die Welt hinaus- fahren — nach einem wilden unkultivierten L«nde — Du willst Dich den Gefahren des Krieges aussetzen — nein, das geht nicht, Kind.“
„Es muß gehen, Onkel!“
„Was werden die Leute dazu sagen?"
„Das ist mir gleichgültig. Walter bedarf unserer Hilfe — Walter ist mein Vetter und —
und — Onkel, ich liebe ihn," setzte sie heiß erglühend in leisem Tone hinzu.
„Du liebst ihn? Du liebst meinen Jungen ?"
„Ja, Onkel, ich liebe Walter schon feit Jahren."
„Schon feit Jahren? Und er — er?"
„Er liebte mich einst — die Verhältnisie trennten uns.-. ."
„Die Verhältnisie? Nein, Brunhilde, ich will es Dir sagen, was Euch trennte — meine . Torheit, mein Wahnsinn, meine Eifersucht, die ihn Dir aus dem Wege schaffen wollte, die seine bewundernden Blicke, mit denen seine Augen Dir folgten, nicht ertragen konnte. O, ich Tor, ich wahnsinniger Tor, der alles Unglück über uns alle heraufbeschworen hat!"
Eine gewaltige Erregung hatte sich seiner bemächtigt; er preßte die geballten Hände gegen die Stirn und sank ächzend in feinen Sesiel zurück.
„Ich bitte Dich, lieber Onkel," sprach Brun- hrlde sanft, ihren Arm um seine Schultern legend, „beruhige Dich. Denke nicht mehr an die Vergangenheit. Laß uns nicht zurück-, sondern vorwärts blicken. Laß uns Walter helfen, der jetzt in körperlichen Schmerzen und in seelischen Leiden vereinsamt lebt und nicht wagt, unsere Hilfe in Anspruch zu nehmen. Laß uns ihm helfen! Das soll jetzt unser einziger Gedanke, unsere einzige Aufgabe sein!"
„Ich war es," flüsterte der alte Mann mit bebender Stimme, „der ihn in all dies Unglück und Leid stürzte."
„Wer die Schuld tragt, Onkel, weiß nur Gott allein der in unsere Herzen sieht," entgegnete Brunhilde tief ergriffen. »Wir wollen nicht
anklagen, wir wollen nicht richten, damit wir nicht selbst gerichtet werden. Wir wollen nur helfen, lieber Onkel, und wir wollen Gott bitten, daß er unsere Hilfe segnet.' Das ist das einzige, was uns armen Menschen zu tun übrig bleibt . . .“
Ter alte Mann ergriff ihre Hand und küßte sie mit fast ehrerbietiger Zärtlichkeit.
„Du — du," flüsterte er erschüttert und mit Tränen in den Augen. „Du, unsere Helferin, wie sollen wir Dir danken?"
„Danke mir nicht, Onkel, ich habe nur meine Pflicht getan.“
„So will ich Dich segnen mein Kind — Dich und Deine Liebe — und der allgütige Gott wird meinem Segen Kraft verleihen!"
Brunhilde kniete vor ihm nieder und der alte Mann legte die zitternden Hände segnend auf ihr in Demut gebeugtes Haupt.
In einem kleinen, nach soldatischer Weise einfach eingerichteten Zimmer des Lazarettgebäudes von Swakopmund saß Walter Hildebrandt an dem geöffneten Fenster und lauschte auf das Rauschen und Brausen des Ozeans, der sich in starker Brandung an den sich lang in die See hinaus erstreckenden Landungskais brach.
Er sah blaß und abgemagert aus. Die sandfarbene Uniform der Schutztruppe war ihm viel zu weit geworden. Sein Gesicht zeigte eine krankhafte, gelbliche Farbe; auf seiner linken Wange befand sich die breite, rote Narbe einer kaum verheilten Wunde; seine Augen waren vo» 1 einer dunkelblauen Brille bedeckt. ‘
. . .. (Fortsetzung folgt.) $