mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
rrnv ven Beilagen: „Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und „Landwirtschaftliche Berlage.
JVi 243
Die „Gberhesstfche Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. — Der Bez u a s preis beträgt viertel» jährlich durch die Post bezogen 2,25 Mk. (ohne Bestellgeld), bei unfern Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21,) 2 Mk.
Marburg
Sonnabend 16. Oktober 1909. rwaaMBRMBOKMKnOUllHMH
Die Fnsertionsgebüdr beträgt für die 7gespaltene Zeile oder deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. — Druck und Verlag: Foh. Aug. Koch, llniversitätsbuchdruckerei Jnbaber Dr. T. H, tz er o tb, Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
44. Jahrg.
Der heutigen Nummer liegt bei Kreisblatt Nr. 80.
Statistisches über Griechenland.
Herr Chomamatianos veröffentlicht in einem ßoeben erschienenen statistischen Werk folgende Zahlen: Es gibt in Griechenland 659 755 Män- «er und 228 060 Frauen, die des Schreibens »nd Lesens kundig sind, mithin 49,79 Prozent her Männer und nur 17,45 Prozent der Frauen.
In Frankreich beträgt die Gesamtzahl beider Geschlechter 74,43 Prozent, in Belgien 68,10 Prozent, in Italien 43,99 Prozent, in Spanien 20 Prozent, in Kreta 26,88 Prozent, in Bulgarien 23,87 Prozent, in Rumänien 17,40 Prozent und in Serbien 16,90 Prozent. In der Präfektur Attika beträgt diese Zahl 62,49 Prozent, in Galaxidi (Phokis) 52,26 Prozent und das Minimum zeigen einige Inseln der Cykladen- Gruppe.
Die griechische Sprache wird gesprochen von 2 553 600 Individuen, das Albanefische (Attika und Böotien) von 50 945 Menschen, das Kutzo- wallachische (in (Thessalien) von 10 401, das Tzakonische (ein alt-dorischer Dialekt) in zwei Gemeinden des südöstlichen Peloponnes von 823 und das Türkische von 2130 Personen.
Nach ihrem religiösen Bekenntnis gehören 2 597 Oll Personen dem orthodoxen Glauben an, während 23 261 Katholiken, 1909 Protestanten, 3516 Muhamedaner (Larissa und Umgegend) und 6127 Juden (Korfu) gezählt worden sind. Es gibt im Königreich 26 Präfekturen und 445 Gemeinden,' Athen hat 1909 170 000 Einwohner, der Piräus deren 75 000, Patras 57 000, Polo 23 000 und Kalamata 21500.
In einem offenen Brief des Marineleutnants Karkavitsas an die „Tribuna" finden sich folgende Sätze: „Also die Armee hätte sich nicht rühren sollen und in den Kasernen still sitzen muffen? — Es scheint mir, datz selbst Kulturmenschen noch Sklaven eines Dogmas sind, das «ns aus alter Zeit überkommen ist, nämlich aus der Zeit der Söldner. Je besser die Söldner -ezahlt wurden, umso besser gehorchten sie und führten auch Mord und Gewalttaten pünktlich aus. Aber heute haben wir eine nationale Armee, die dem König und dem Vaterlande den Treueid schwört, das ist aber nur eine alte Form, in Wirklichkeit lebt der Soldat nur für das Vaterland, die Armee teilt Ruhm oder Schande ihres Vaterlandes. Wie kann man nun denken, datz eine nationale Truppe in den Kasernen sitzen soll, wenn alles ringsherum in Marasmus und Schande verkommt? Die Armee besitze Disziplin, sie gehorche ihren Vorgesetzten, sie werfe sich in das Meer, wenn es befohlen wird, sie mische sich nicht in die Politik, sie wisse nicht einmal, wer das Land regiert! — Ja, aber .noch oas & i ei Der Soldat mutz wissen, [ wie die Politiker das Land regiert haben und I wohin sie es führten. Ist das so unrecht? Das I Gegenteil wäre nicht griechisch und nicht menschlich. Warum unter äußeren und inneren Feinden einen Unterschied machen? —
Ich erinnere mich an einen Abend, als unser Premierminister von Tür zu Tür lief, um über
die beleidigenden türkischen Roten zu klagen, plötzlich erschien unter der verzweifelten Menge auf dem Konstitutionsplatz der türkische Gesandte Raby Bei mit seinem Generalstab wie unter einer Lämmerherde, er war strahlend und lächelte glücklich. — Hat unsere Garnison so unrecht getan, wenn sie damals auf das Feld von Eudi zog?" — ufw.
Herr Karkavitsas wird mit feiner Definition des Soldateneides vielleicht dem früheren Oberst Eädke vom „Berliner Tageblatt" genügen, aber im deutschen Offizierkorps wird er nimmermehr die geringste Zustimmung finden. Es ist von jeher ein Unglück gewesen, wenn ein Land von den Stimmungen der Soldateska abhing. Die Trauer der griechischen Patrioten um ihr Land und besonders um Kreta können wir verstehen, denn es ist geradezu entsetzlich, datz den Kretern, die seit dem Jahre 1821 in 33 Aufständen und Würgekriegen ihre heitzen Wünsche offenbarten, und die jetzt seit 10 Jahren Frieden und Ordnung gehalten haben, die Selbstbestimmung nicht zugestanden werden soll. Boysen.
Neue Kundgebungen Mr Hinrichtung Ferrers.
Paris, 14. Okt. Wie aus Barzelona gemeldet wird, platzte dort heute eine Bombe. Einzelheiten fehlen noch.
Triest, 14. Okt. Die Setzer der hiesigen Druckereien stellten heute Vormittag die Arbeit ein zum Protest gegen die Hinrichtung Ferrers; die meisten Abendblätter könnten nicht erscheinen.
R o m, 14. Okt. Während des Nachmittags waren hier alle Läden geschloffen. Manifestanten durchzogen in Gruppen die Straßen; die Polizei, die fortwährend bemüht war, sie zu zerstreuen, nahm einige Verhaftungen vor, doch sind ernste Zwischenfälle nicht eingetreten. Auch in Mailand und Florenz nahm der Streik an Ausdehnung zu. In Spazia wurde der Generalstreik proklamiert. In Florenz konnten die Abendblätter nicht erscheinen. In Mailand und Spazia fanden große Protestversammlungen statt.
Paris, 14. Okt. Die Ruhestörungen dauerten bis 1 Uhr nachts. Zu verschiedenen Malen versuchten einige hundert Manifestanten die Internationale singend, vor die spanische Botschaft zu ziehen, doch wurden sie stets rechtzeitig auseinandergetrieben. Mehrfach wird berichtet, daß das Borstadtgesindel, das sich unter die Manifestanten gemischt hatte, einige Läden und Zeitungskioske ausplünderten. Ein Wäschegeschäft in der Avenue de Villiers wurde teilweise ausgeraubt. Der Versuch der Missetäter, tn das Zweigbureau des Comtoir d'Escompte auf dem Boulevard de Battgnelle einzudringen, mißlang. Die gestrigen Kundgebungen hatten überhaupt einen sehr beunruhigenden meuterischen Charakter. Wie später durch die ärztliche Untersuchung festgestellt wurde, rührt die Wunde des Polizeipräfetten Lepine nicht von einem Steinwurf, sondern von einem gegen ihn abgefeuerten Revolverschuß her, durch den der hinter dem Präfetten stehende Schutzmann Dufresne getötet wurde. Die Augenbrauen des Präfekten sind ganz verbrannt. Auch andere Polizeibeamte erlitten Verletzungen, zumeist durch Steinwürfe. Die Zahl der zum Teil lebensgesöbrlich verlebten Scbuhleut? beträgt fünf. Die Staatsanwaltschaft erteilte den Auftrag, in der Wohnung der Anarchisten Dellaterre und Petit, die beschuldigt sind, den Schutzmann Dufresne durch Revolverschüffe getötet und einen anderen durch Revolverschüsse lebensgefährlich verletzt zu haben, heute morgen eine Durchsuchung vorzunehmen. Die Zahl der im Laufe der gestrigen Krawalle verwundeten wird auf ungefähr 100, die der Verhafteten auf 800 angegeben.
47 (Nachdruck verboten.)
Stal? um Slolx.
Roman aus dem Leben von O. Elster.
(Fortsetzung.)
Mary war in der Tat verwirrt und tief beschämt. Früher würde sie Herrn Dettmer einfach ausgelacht haben, wenn er es gewagt hätte, sich ihr zu nähern; aber sie dachte an ihre Vergangenheit und daß sie eigentlich nicht mehr das Recht besaß, die Liebe eines, wenn auch noch so einfachen Ehrenmannes zu verachten.
Sie begab sich zu Brunhild«, die an der llebermalung einer lebensgroßen Photographie arbeitete.
„Run," sagte Brunhild« freuiwlich, „was hatte Dir Dettmer denn Wichtiges anzuvertrauen?"
„Er hat mir einen Heiratsantrag gemacht, Vrunhilde," platzte Mary heraus, indem sie abermals tief errötete.
Brunhild« legte Pinsel und Palette zur Seite und sagte ernst:
„Du, Mary, das habe ich längst kommen sehen. Run, was hast Du ihm erwidert?"
„Nichts — ich wollte es mir überlegen . . .* „Das ist recht von Dir, denn liebe Mary, ies gibt da in der Tat manches zu überlegen. JBot allem — liebst Du Herrn Dettmer?"
„Mein Gott — Liebe! Der Begriff ist so hehnbar."
„Ich sollte denken, in diesem Falle nicht," Mtgegnete Brunhilds ernst. „Es gibt nur eine Webe zwischen Mann und Frau." b »Ich glaube, auch ohne schwärmerische Liebe Wt DÄmer glücklich lebe« z» können. Ich acht«
ihn und sein Wesen ist mir sympathisch. Er will eine Villa in Wannsee kaufen, in der wir — auch Papa — leben sollen. Er ist ein wohlhabender Mann . . .“
„Das ist er. Doch das kommt erst in zweiter Linie. Hast Du ihm offen Deine Theaterlaufbahn erzählt?"
Mary errötete über und über.
„Er weiß, daß ick etwa ein Jahr beim Theater war. Das ist doch keine Schande!"
„Gewiß nicht. Aber das übrige. . ."
„O Brunhilds, Du bist grausam!"
„Liebs Mary, man soll das Glück seiner Zukunft nie auf einer Lüge aufbauen wollen. Das ist ein schwacher Baugrund. Du mutzt ihm alles sagen — wenn Dettmer Dich wirklich liebt, wird er Dir verzeihen. Er ist ein Ehrenmann, wenn auch aus einfachen Verhältnissen. Du darfst ihn nicht betrügen."
„Das liegt auch nicht in meiner Absicht. Aber was geht ihn das an, was einmal gewesen ist? Wenn mich ein Schuft von einem Mann betrogen hat . . ."
„Klage niemanden an, Mary, sondern denke an Deine eigene Schuld. Wenn Du meine Ansicht wissen willst — nun, ich meine, datz Du ihm alles sagen mutzt."
„Ich kann es nicht — nein, nein! Und ich will es auch nicht. Soll ich denn ewig unter dem Bann dieser Schuld leiden?"
Eie brach in krampfthaftes Schluchzen aus und sank verzweifelt in einen Sessel.
„Du wirst der Schuld ledig werden, wenn seine Liebe Dir verzeiht.-
„So sprich Du mit ihm, Prunhilde. Ich bitte Dich darum."
Paris, 14. Ott. Die Polizei hat heute Nachmittag in >wch verstärktem Maße Vorkehrungen zum Schutze der hiesigen spanischen Botschaft getroffen, indem sie namentlich die Gartenseite des BotschaftS- palais durch ein starkes Aufgebot berittener Garde beschützt. Ministerpräsident Briand erklärte einem Berichterstatter, daß die gestrigen Straßenkrawalle, nur deshalb einen so großen Umfang angenommen hätten, weil die Ruhestörer massenhaft die Untergrundbahn benutzen konnten, um in die Nähe der spanischen Botschaft zu gelangen; cs heißt, daß heute auch in dieser Hinsicht entsprechende Maßnahmen angeordnct wurden. — Für heute Abend sind im lateinischen Viertel Straßenkundgebungen geplant. Ein hiesiges Blatt will wissen, daß die Manifestanten, welche heute Nacht die an der spanischen Kirche in der Avenue Friedland angebrachte Fahne gestohlen haben, eine in das Fahnentuch gehüllte Strohpuppe hätten verbrennen wollen, welche den König Alfons darstellen sollte. DaS heute Morgen verbreitete Gerücht, daß der hiesige spanische Botschafter gegen verschiedene Pariser Blätter wegen Beleidigung des Königs Alfonso Strafantrag gestellt habe, wird offiziös als unrichtig bezeichnet. — Der Vorstand des hiesigen Gemeinderats, beschloß, in der nächsten Vollsitzung den Antrag zu stellen, daß eine Straße den Namen Franeesco Ferrer erhalte und daß die Stadt Paris die Versorgung und Erziehung der hier lebenden zwei Enkelkinder Ferrers übernehme.
Rom, 14. Okt. Infolge des Beschlusses der hiesigen Arbeitskammer, der den Generalstreik proklamiert, sind die Straßenbahnbeamten Und Droschkenkutscher in den Ausstand getreten, ebenso die Arbeiter der verschiedenen Branchen. Die meisten Geschäfte sind geschloffen. Die Arbeitskammer fordert zum Bopkott der spanischen Schiffe auf.
Madrid, 14. Okt. Der Minister des Innern bezeichnete die Nachricht, daß gegen den Verteidiger Ferrers ein gerichtliches Verfahren schwebe, für unzutreffend.
Paris, 14. Ott. Die Kundgebungen trugen den Charakter einer Erneute. Der durch Nevolverkugeln verwundete Schutzmann ist im Krankenhause verstorben, ein anderer Schutzmann ist nicht getötet worden. Dagegen wurden auf den Polizeipräfekten Lepine vier Schüsse abgegeben, die aber niemand trafen. Della- torrc ist ein spanischer Anarchist und als gefährlich bekannt. In einer Unterredung mit dem Ministerpräsidenten Briand erklärte Lepine, die Ausschrei- tungen in der Umgebung der spanischen Botschaft seien von Apachen der äußeren Boulevards verübt worden, die zur Erleichterung ihrer Schandtaten die Straßenlaternen, sowie Bäume umrissen und Omnibuswagen in Brand steckten. Sie hätten auch versucht, die Schaufenster einer Bank einzuschlagen. Zehn Angriffe seien nötig gewesen, um ihrer Herr zu werden. Briand bat Lepine, ihm genaue Angaben zu machen über den Zustand der verwundeten Schutzleute, über die Lage ihrer Familien, sowie über die zu verteilenden Belohnungen. Im Laufe des Abends wurden ungefähr 50 Personen verbasiet.
Köln, 14. Okt. Der „Köln. Volkszeitung" wird aus Rom telegraphiert: Da Unruhen in der Stadt befürchtet werden, setzte der Papst alle öffentlichen Audienzen bis auf weiteres aus.
Politische Umschau.
Religion ist Privatsache!
Durch die Blätter geht folgende Nachricht, die dis SteHiing dr; zur R.sii-
gton nett beleuchtet: Wie die „Deutsche Retchs- post" berichtet, lag in Stuttgart in ihrem Zimmer eine arme, kranke Witwe allein und verlassen. Eine Diakonissin und der zuständige Geistliche besuchten sie täglich. Das war dem sozialdemokratischen Hausbesitzer zuwider; er kündigte der kranken Frau die Wohnung mit der Begründung, er dulde keine Diakonissin und
„Es ist eine schwierige und sehr peinliche Aufgabe für mich, liebe Mary. Aber ich werde schon sehen, was da zu machen ist. Beruhige Dich nur. Ich hoffe, «s wird sich alles zum besten wenden."
Noch an demselben Tage hatte Brunhilds eine längere Unterredung mit Onkel Christoph, an deren Schluß dieser sagte:
„Das trifft sich gut. Heute abend haben wir Sitzung im „Feuchten Pinsel". Da sehe ich den Königlichen Hoflieferanten und werde ihm die Leviten lesen."
„Bitte, lieber Onkel, dazu ist gar kein Grund vorhanden," entgegnete Brunhilds lächelnd.
„Na, ich meinte ja nur, daß ich ihm auf den Zahn fühlen will," brummte Onkel Christoph. „Latz mich nur machen, Hildchen. Der Mensch hat ja ein Riesenglück, und wenn er dann noch räsonieren will, dann werde ich ihm die Augen öffnen. Es läuft so mancher in der Welt herum, der einen Fleck auf seiner weihen Weste hat und dennoch ein braver Kerl ist. Das Leben ist nun mal so. Also, ich sage Dir morgen Bescheid."
Aber das war gar nicht nötig. Denn schon in der Frühe des nächsten Tages erhielt Mary einen schönen Rosenstrautz von Herrn Dettmer mit einer herzlichen Einladung für den nächsten Sonntag nach Wannsee zur Besichtigung der Villa.
„Ihr Herr Papa, Fräulein Vrunhilde, Herr Wackernagel und Fräulein Wer« werden mir gewiß die Freude bereiten, mit von der Partie zu sein," schloß das liebenswürdige Schreiben, das einen feinen Duft von Veilchen ausströmte. Und am Sonntag mittag erschien Herr Dettmer
selbst um Herrn Hildebrandt und die Dame« abzuholen.
Vrunhilde chlieb jedoch daheim.
Da Frau Ritter eine Bekannte besuchte, wollte sie die Wohnung nicht allein lassen; auch beabsichtigte sie, eine Arbeit zu vollenden, die sie vor einigen Tagen angefangen hatte.
Mary war es ganz lieb, daß sie den ernste« Augen Brunhildens entfliehen konnte. Sie freute sich ungemein auf den Ausflug, war lebhaft und munter wie in früherer Zeit und be-, zauberte Herrn Dettmer durch ihr drolliges Wesen, in das sich ein« gewisse verlegene, schelmische Koketterie mischte.
Auf dem Bahnhof traf man mit Wera und Christoph Wackernagel zusammen. Die erstere war ernst und still wie immer, der kleine Maler dagegen von einer etwas lärmenden Lustigkeit. Er neckte Mary, datz diese ein über das ander« Mal errötete; er scherzte über den Königlichen Hofvhotographen, was sich dieser gutmütig gefallen lietz — kurz, er trug wesentlich zur Unterhaltung und Erheiterung der kleinen Gesellschaft bei. „ -
Im Schwedischen Pavillon am Ufer des im schönsten Sonnenglanze leuchtenden Seeg wurde zu Mittag gegessen. Herr Dettmer ließ es sich nicht nehmen, bei schäumendem Champagner einen Toast auf „alles, was wir lieben," auszubringen, wobei er Mary mit so schwärmerischen Blicken ansah, daß diese verlegen errötend die Augen niederschlug.
Dann ging man nach der Villa, um diese z» besichtigen.
(Fortsetzung folgjH
keinen Pfarrer in feinem Hause. Ein andere:» Fall ereignete sich in Breslau. Dort heiratet«, wie die „Schlesische Volkszeitung" berichtet, ein Eewerkschaftsbeamter P. und ließ sich, obwohl Dissident, kirchlich trauen. Wegen dieses Verbrechens wurde beim Gewerkschaftskartell der Antrag gestellt, dem Genossen zu kündigen. Dar Urteil wartete P. dann nicht erst ab; er legte sein Amt nieder.
Ein Mißgeschick.
Der frühere Husumer Bürgermeister Schücking hatte verschiedentlich behauptet, der Oberpräsident Hegel frage jeden Regierungsreferendar, ob er geneigt sei, unbedingte Satisfaktion zu geben. Zu dieser Behauptung hat die „Liberale Correspondenz", ein linksdemokratisches Organ, aus dem Verzeichnis der Alten Herren des Schwarzburgbundes festgestellt, daß Oberpräsident Hegel A. H. einer Verbindung dieses Verbandes sei, der grundsätzlich den Zweikampf verwerfe. Die „Correspondenz" wollte damit natürlich einen Zwiespalt im Herzen des Oberpräsidenten Hegel klarstellen, hat aber nur zu Wege gebracht, daß man hiernach berechtigt ist, an der Wahrheit der Schiickingschen Behauptungen zu zweifeln!
Deutsches Reich.
— Fürst und Fürstin Bülow werden am 22. Oktober an der Feier des Geburtstages der Kaiserin und der Konfirmation der Prinzessin Viktoria Luise als Gäste des Kaiserpaares teilnehmen.
— Voruntersuchung gegen Abg. Bruhn. Die Staatsanwaltschaft hat laut „B. T." die Eröffnung der Voruntersuchung gegen den Reichstagsabgeordneten und Verleger der „Wahrheit" Wilhelm Bruhn beantragt, nachdem das Ermittelungsverfahren genügend Material ergeben hatte. Mit der Führung der Voruntersuchung ist der Landgerichtsrat Schmidt beauftragt worden, der auch in den Prozessen Eulenburg und Dahsel die Voruntersuchung in Händen hatte. Es sollen alle Zeugen, die sich bisher bei der Staatsanwaltschaft und bei den Verteidigern Dahsels gemeldet haben und sich noch melden werden, und auch die Verteidiger selbst in der Voruntersuchung vernommen werden.
— Eisenbahn-Landmesser. Es ist in Aussicht genommen, die technischen Eisenbahn- Sekretärstellen, in denen sich Landmesser befinden, im preußischen Eisenbahnetat für 1910 al» „Landmesserstellen" zu bezeichnen. Die in technischen Eisenbahn-Sekretärstellen befindliche» Landmesser haben schon jetzt die Amtsbezeichnung „Eisenbahn-Landmesser" zu führen. Dem Vorsteher der Landmesferabteilung ist für die Zeit, in der er die Amtsgeschäfte eines Abteilungsvorstehers wahrnimmt, widerruflich di« Amtsbezeichnung „Oberlandmeffer" beigelegt.
— Die Gärtnerei als Frauenberuf. Wie bte „Post" hort, hat das Ministerium für Landwirt«' schäft soeben eine Verordnung erlassen, die geeignet ist, in vermehrtem Grade die Gärtnerei z» einem Frauenberufe zu machen. Während bisher an den königlichen Lehranstalten für Garten« und Obstbau zu Geisenheim, Proskau und Dahlen: Frauen nur als Hospitantinnen zugelasse» wurden, sollen sie in Zukunft auch an den Ab«