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Zweites Blatt

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Das überraschend große Volumen beweist am besten die Preiswürdig­keit dieser k äftigen Nahrung. Ergiebigkeit ist eine Haupteigen­schaft von Quaker Oats.

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Unpolitische Tagesnachrichten.

Berlin, 12. Ott. Aus Kamerun trifft die Nachricht ein, der am Bezirksamt in Viktoria beschäftigte Polizeimeister Harupka habe den Tod durch Ertrinken gefunden. Er wollte die in der See festgemachten Boote des Bezirksamts revidieren, benutzte dabei aber trotz der schlechten See ei« kleines Fahrzeug, das Lei der Rückkehr an Land kenterte. Der Polizeimeister suchte die Küste schwimmend zu erreichen, ging jedoch in-' folge Herzschlages plötzlich unter

Schweidnitz, 12. Okt. Das Schwurgericht ver­urteilte den Schäferknecht Kleinert aus Nieder- Warnsdorf, der am 21. Juli den Schafmeister Jäckel zu Nieder-Warnsdorf im Schafstalle er­schlagen und die Leiche ins Feld getragen hatte, wegen Totschlags zu zwölf Jahren Zuchthaus und zehn Jahren Ehrverlust.

e4l für Besuch höherer Schulen, Buchführung, Putzmacherei, Kindergärtnerei usw., zusammen 115 Zöglinge. In Schlesien wirkt seit etwa zwei Jahren noch ein anderer Verein, der Verein der Unterrichtshilfe. 1908 zahlte er schon 4529,16 M an Stipendien aus. Außer diese nbestehen aber noch Vereine und Stiftungen für Kaufleute, Landwirte und Arbeiterkinder.

Diesen gewaltigen Mitteln stehen auf deut­scher Seite nur sehr geringe Beträge gegenüber. Nur 5410 cM. konnte der Ostmarkenverein 1908 an 74 Stipendiaten geben. Diese sind aber zu­meist Handwerker. Der einzige Verein, der ror- wiegend Akademiker und höhere Fachschüler (auch Frauen) berücksichtigt, ist der 1906 gegrün­deteDeutsche Stipendienverein zu Ostrowo" (Vorsitzender Superintendent Horhausen). Seine Mittel sind aber noch so gering, daß er nur 8 Stipendien von 100 M im letzten Jahre geben konnte. Naturgemäß kann er nur dann loh­nende Erfolge erzielen, wenn er baldigst reich­lichen Zuwachs an Mitgliedern (Jahresbeitrag 5 erhält. Es ist dringend zu wünschen, daß das Jnteresie für dieses national wichtige Un­ternehmen steigt und ihm auch außerhalb der Ostmark viele Freunde zuführt.

Man entleere ein Paket Quaker Oats auf den Tisch.

Kunst und Wissenschaft.

# Breslau, 12. Ott. Der Majoratsbesitzer von Baildon-Briestwell auf Lubie überwies der Uni- versität 100 000 jH zur Gründung einer Stiftung, deren Zinsen zu Forschungen über die Tuberkulose und Krebs dienen sollen.

# Wien, 12. Oft. Die Hofburgschauspielerin Olga Lewinsky-Precheisen wurde zum Lcttor für Rhewrik an der Universität ernannt.

Verantwortlich für die Redaktion:

Dr.x-.il, Tarl Hitzeroitz in Rarbnr-,

Nationale Stipendien.

Man schreibt uns:

Im Septemberheft derFrauen-Rundschau" weist Marie von Helldorf die deutschen Frauen in bemerkenswerter Weise darauf hin, daß auch sie die Pflicht haben, in nationalen Dinge« tätigen Willen zu beweisen. Als gegebenes Feld hierfür zeigt sie ihnen die Ostmark. Dort herrscht der Kampf zwischen dem festgeschlossenen urtb mächtig aufstrebenden Polentum und dem nur langsam vordrin^nden Deutschtum ganz beson­ders auch auf dem Gebiete des Bildungswefens. Auf beiden /,* en hu adelt es sich darum, in dem nationalen K'-^jfe geistige Führer zu gewin­nen. die die lassen organisieren und einheitlich leiten, «uf polnischer Seite werden durch zahl­reiche Stipendienvereine bedeutende Mittel da­für aufgebracht. So hat ihr größter Verein dieser Art, der Marcinkowski-Verein, im Jahre 1908 nicht weniger als 94 223,50 M ausgege­ben und damit 523 Stipendien für Studierende der Medizin, Chemie, Jura, Agronomie, Technik und für Gymnasiasten und Realschüler gewährt. Dieser Verein zählt jetzt 6588 Mitglieder und be­sitzt ein zinsentragendes Vermögen von 1514 720,83 Aus den Kreisen seiner Strpen- diaten sind zahlreiche nationalpolnische Führer wie Korfanty, Seyda, Skowronek hervorgegan­gen. Polnische Mädchen unterstützte im Jahre 1907 ein besonderer Verein in Posen mit 11718

Literarisches.

** Julius Meier-Graefe, S p ft-n ische Reise. (S. Fischer, Verlag, Berlin.) Mit 111 Abbildungen. Kartoniert 12 geb. 14 M. Teile von Meier- GraefesSpanische Reise" sind schon in derNeuen Rundschau veröffentlicht und haben so viel Aufsehen erregt, so viel Widerstand, Schadenfreude und Ent­husiasmus, daß das Buch, nun es abgeschloffen vor­liegt, alle seine Beurteiler schon gerüstet und gewapp­net findet. Aber es wird mit ihnen fertig werden. Man weiß, dah Meier-Graefe nach Spanien ging, um Velasquez an der Quelle zu genießen, und daß er statt dessen den Greco entdeckte und zu seinem Gott machte. Meier-Graefe ist kein blotzer Impressionist der Kritik: er ist ein Logiker, ein Philchoph, ein Philosoph auch in der Unbestochenheit seines Blicks und in der Unabhängigkeit von sich selbst. Er hat zudem eine wahre Furia in seiner Liehe jmx Kunst, sei» Gehir»

Marburg

Freitag. 15. Oktober 1909.

Vom Bierkrieg.

Siegen, 12. Okt. Zum Bierkrieg ist zu mel­den, daß die deutschen und christlichen Gewerk­schaften ein Flugblatt herausgegeben haben, in dem aufgefordert wird, sie in ihrem Kampfe zu unterstützen. Nun erfolgte am Sonntag die Er­klärung des Boykotts. Wie es heißt, haben sich bereits über 30 Wirte bereit erklärt, zu den alten Preisen zu verkaufen.

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg uni> Kirchhain

und den Beilagen:Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) undLandwirtschastiiche Benage.

Hessen-Nassau und Nachbargebiete.

Fritzlar, 11. Ott. Einen Festtag besonderer Art bedeutete der gestrige Tag für unsere katho­lische Gemeinde und auch für die ganze Stadt. Die am Ende der Neustadt liegende Spital- kirche war im Laufe der Jahre, wo sie statt zu gotteÄiienstlichen Zwecken als Materialschuppen Verwendung fand, sehr baufällig geworden, und es machte auf Jeden einen recht unangenehmen Eindruck, das Gebäude so profaniert zu sehen. Auf Antrag des Herrn Dechant Jestädt wurde das Gebäude von der Stadt, der es gehörte, der katholischen Gemeinde geschenkt, und nunmehr nahm Herr Jestädt, ein Kunstfreund und Kenner von Altertümern, die Sache in die Hand. In verhältnismäßig kurzer Zeit wurde das alte Bauwerk restauriert und bildet jetzt eine Se­henswürdigkeit unserer Stadt. ^Gestern wurde das Kirchlein geweiht und ist nun seiner ur­sprünglichen Bestimmung zurückgegeben. In­teressant ist, daß diese kleine Kirche diejenige war, in der der erste evangelische Pfarrer von Fritzlar, Jost Runke, amtierte. Er wurde aber von den Stiftsherren gezwungen, seine Tätig­keit, in die, jetzt der Gemeinde Obermöllerich ge­hörige, in die Nähe der Stadt gelegeneFrau- münsterkirche" zu verlegen. (Cass. Allg. Ztg.)

Aus der Rhön, 12. Ott. Ein Totschlagsver- fuch wurde von einem Zigeuner auf den in Kothen stationierten Gendarmen E. Nießlein verübt. N. verfolgte mit einigen Ortsbewoh­nern eine 20köpfige Bande und traf diese in einem Walde. Plötzlich krachte ein Schuß, ein Zigeuner hatte einen scharfen Schuß auf Nieß- lein abgegeben, ohne glücklicherweise zu treffen. N. versetzte dem Kerl einen kräftigen Schlag auf den Kopf, daß der Zigeuner zu Boden stürzte. Nun entspann sich ein Kampf auf Leben und Tod. Der Beamte machte von seinem Säbel Gebrauch. Schließlich gelang es dem Zigeuner, im Waft>e zu entkommen. Der Gendarm hat glücklicherweise nut einige leichtere Verletzun­gen erlitten.

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Vermischtes.

Eine Offizierstragödie. Aus Buchau in Westböhmen meldet man demLok.-Anz": Ein Liebesroman fand dieser Tage in der Nähe des Oertchens Luck einen furchtbaren Abschluß. Die Beteiligten sind ein junger Oberleutnant und die Tochter eines ehemaligen Tübinger Univer­sitätsprofessors, der sich ein Schlößchen bei Luck zu seinem Ruhesitz gewählt hat. Seine Tochter heiratete im Mai des Vorjahres den Oberleut­nant Max Edlen von P. Die Ehe, der ein Kind entsproß, war die denkbar glücklichste bis zu den diesjährigen Manövern. Die junge Frau war bei ihrem Vater zu Gaste, wo nach Abschluß der militärischen Uebungen auch ihr Gatte eintraf und vor etwa drei Wochen auch ein Freund des letzteren, der Oberleutnant Adolf W. Zwischen diesem und der Frau des Freundes entspann sich ein Liebesverhältnis. Eines Morgens ver­ließen beide das Schloß und wurden nicht mehr lebend gesehen. Tags darauf sah man auf dem sogenanntenSchafteiche" das Käppi des Offi­ziers und eine Frauenkopfbedeckung schwimmen. Sofort schritt man zur Abwässerung des Teiches, doch erst gestern in den Vormittagsstunden ge­lang es, die Leichen der beiden zu bergen. Die Leiche des Oberleutnants war mit einer Uni­form bekleidet, auch den Säbel hatte er umge­schnallt) mit dem Riemenzeuge des Wehrgehän- ges hatte er sich die Hände gefesselt. Die Hände der jungen Frau waren mit einem Taschentuche zusammengebunden, das sich aber im Wasser ge­löst hatte. Bei beiden fand man größere Geld­beträge vor so daß die Annahme berechtigt ist, daß sie zunächst an Flucht gedacht hatten, daran aber durch irgend etwas gehindert worden sind und deshalb später den gewaltsamen Tod gesucht haben.

Ein Roman aus dem Leben. Im Jahre 1890 wurde einem in Restna wohnenden Milli­onär namens Bertini ein Sohn geboren, der während einer Reise der Eltern der im Orte ansässigen Amme in Obhut gegeben wurde. Während die Mutter durch die Krankheit des Mannes, der bald darauf starb, von der Heimat ferngehalten wurde, erkrankte auch das Kind von neuem, und die Amme wußte sich nichts an­ders zu helfen, als daß sie es dem Kinderheim zu Neapel anvertraute. Als nach einiger Zeit die verwitwete Mutter wieder nach Resina kam, erfuhr sie dies und ging nach Neapel, ihr ein­ziges Kind zu umarmen: dort aber wurde sie von dem Leiter des Kinderheims durch die Trauerbotschaft überrascht, daß der Kleine ge­storben war. Tiefbetrübt kehrte die Mutter zurück nach Resina und führte mit all ihrem Reichtum ein einsames Leben. In Wirklichkeit aber war in dem Kinderheim eine Verwechs­lung vorgekommen, und der totgesagte Enrico Edoardo Bertini war tatsächlich als Adoptiv­kind einem Bauersmann in Tarditi überlassen worden. Der Irrtum wurde erst jetzt von der Aushebungskommission entdeckt und festgestellt. Der junge Bertini, der bis jetzt als Ackerkecht tätig war, wurde nun seiner hochbeglückten Mutter zugeführt.

Eine humoristische Grabinschrift. In der Wiener N. F. Pr. wird eine Grabinschrift mit­geteilt, die der fruchtbare Theaterschriftsteller Friedrich Kaiser an einem Versammlungsabend derGrünen Insel" für den Komiker Beckmann .improvisierte, der ein passionierter Jäger, aber ohne Gegenliebe" war, so daß es allgemein von ihm hieß, er schieße Löcher in die Natur. Die Grabinschrift lautete:

Wanderer, ziehe deine Mütze, Es liegt ein Komiker und ein Schütze In diesem kalten, finster« Loch: Die Witze, die er sagte, Die Hasen, die er jagte.

Sie leben alle noch.

Dis Inssrtionsgebühr beträgt für die 7gespaltene Zelle oder deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. iA Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, Unwerntätsbuchdruckere, Inhaber Dr. C. Hitzerotb, Marburg, Markt 21. Telephon 55

ist ein Magazin aller europäischen Bilder und erlaubt ihm die kühnsten und überraschensten Vergleiche. Mau würde jedoch irren, wenn man seineSpanische Reise" vorwiegend für ein Duell Velasquez-Greco oder über­haupt für ein Buch bloß über bildende Kunst hielte. Das ist es nicht; es ist ein rechtes, unmittelbare», herzhaftes Reisebuch. Meier-Graefe ist ein Künstler des Wortes und ein Schriftsteller, der seine Wirkungen mit großem Raffinement und sein Temperament mit großer Kaltblütigkeit in Oekonomie hält. Und so sinket der Leser Schilderungen vom spanischen Leben und von spanischer Kultur, die schlechttveg meisterhaft sind. Seine höchst kunstvoll gesteigerten, dabei scheinbar ab­sichtlos und imrepssionistisch gehaltenen Analysen d« spanischen Stiergcfechts sind vortrefflich. Das Buch ist Mit vielen Abbildungen geschmückt, darunter natür­lich die wichtigsten Gemälde des Prado und eine große Anzahl von Grecos; man wird also manchen Aus­spruch Meier-Graefes unmittelbar kontrollieren kön­nen; jedenfalls wird man ein ausgesuchtes Vergnügen haben, dem die nachhaltigeren Wirkungen folgen werden.

** Thomas Mann, Königliche Hoheit. Ro man. (S. Fischer, Verlag, Berlin.) Umschlag u. Ein­band von Karl Walser. Geh. 5 M, geb. 6 X Aus den nächsten Roman nach denBuddenbrooks durfte man gewiß sehr gespannt fein. Thomas Mann hat eine zu eigene leidenschaftlich künstlerische Form, atS daß man in einem neuen Roman irgend etwas wie eine Wiederholung hätte vermuten dürfen. Und tn der Tat istKöniglijche Hoheit" in jedem Slnne uber- raschcnd und besonders.Königliche Hoheit ist, wie der Titel besagt, ein Roman über das Leben gewisser, nicht sehr mächtiger aber darum nicht tvemger vor­nehmer Fürsten. Würde man danach eine Seren,sst- inus-Satire erwarten, so wäre man freilich enttäuscht Denn diese Geschichte von dem kleinen populären uni doch so einsamen Prinzen, der nach eimgen mißglück­ten Ausflügen in den Bürgergarten seine Prinzess« _ eine besondere Art von Prinzessin: eine amerikm. nische Milliardär-Prinzessin mit einem Tropfe« Jndianerblut in ihren Adern- ftn£ct seinem bedürftigen Lande zur Wohlfahrt verhilft, die­ser epische Scherz voller musikalischer Beziehungen ist ein Märchen: das Märchen von der Form und von der Sehnsucht, von der Repräsentation und vom Leben, von der Hoheit und vom Glück. Ein Märchen nut sei­nen drohenden Verkettungen und seinem glücklichen Ausgang: ein Märchen allerdings von höchst moderner Art; das heißt voller Realität, von einer Studiertheü und Durchgeformtheit aller tatsächlichen Verhältnisse, wie sie vielleicht keinem so zu eigen ist als Thoma- Mann. So wie wir das Patrizierhaus der Budden­brooks kennen lernten, so lernen wir auch das Schloß der Königlichen Hoheit kennen, bis in die letzten.dunk­len und unheimlichen Gänge Hin, bis in die Heimlich­keiten der Diener und die Resignation der Herren Wir hoben in unserer Literatur nichts Aehnliches voi. Exaktheit in der Schilderung solcher Verhältnisse, und nicht oft wird es Kunst geben, die eben diese Exaktheit zum Instrument der Ironie zu machen werß.

Zur Hinrichtung Ferrers.

Barcelona, 13. Ott. Ferrer, der heute Vormittag 9 1H)Y erschossen wurde, wurde gestern Abend in die Kapelle Burg gebracht. Er ver­langte nach seinem Verteidiger, der mehrere Stunden bei ihm verbrachte. Ferrer bewahrte vollkommene Ruhe, nur einmal, als er mit sei­nem Verteidiger sprach, wurde er von Erregung ergriffen. Es waren Sicherheitsmaßregeln ge­troffen. In der Umgebung der Burg und an deren Abhängen fanden sich jedoch nur 40 bis 50 Personen ein. Kundgebungen ereigneten sich nicht. Mit der Vollstreckung war eine Abtei­lung Infanterie beauftragt. Nur zwei Mönche standen Ferrer 6ei; die Sakramente wies er zurück.

Barcelona, 13. Okt. Das Kommando bei der Erschießung Ferrers führte der Geniegeneral Cscrim Die Soldaten waren aus der Garnison der Festung Montjuich durch das Los bestimmt worden. Ferrer stand int Augenblick der Voll­streckung des Urteils aufrecht mit verbundenen Augen. Er hat in Gegenwart eines Notars fein Testament gemacht, dessen Inhalt aber noch nicht bekannt ist.

P a r i s, 13. Okt. DerTemps" meldet in einer ihm auf Umwegen zugekommenen Madri­der Depesche, der Ministerrat habe die Begna­digung Ferrers wegen der dem König zugegan­genen Drohungen nicht beantragt. Der Minister des Innern habe erklärt, daß er die seit der Verhaftung Ferrers erhaltenen Drohbriefe ver­öffentlichen lassen werde.

Paris, 13. Okt. DieHumanit6" ver­öffentlicht in einer Sonderausgabe einen von den ehemaligen Deputierten Naquet und Lai- sant unterzeichneten Aufruf desKomitees zur Verteidigung der Opfer der spanischen Reak­tion", in welchem unter den heftigsten Angriffen auf den König von Spanien und dessen Minister, die Sozialisten und Revolutionäre aufgefordert werden, heute Abend eine Kundgebung vor der spanischen Botschaft zu veranstalten. Von der Polizei wurden umfassende Sicherheitsvorkeh­rungen zur Verhinderung dieser Kundgebung getroffen.

Rom, 13. Ott. Die hiesigen Blätter ver­öffentlichten Sonderausgaben mit der Nachricht von der Hinrichtung Ferrers. In Turin stell­ten die Metallarbeiter die Arbeit ein als Kund­gebung gegen die Verurteilung Ferrers. In der Turiner Arbeitskammer wurde eine Versamm­lung abgehalten, in der mehrere Redner die Bedeutung der Kundgebung hervorheben. Nach Schluß der Versammlung versuchte eine Anzahl Teilnehmer die Straßenbahn anzuhalten, wurde aber auseinander getrieben. Der Pro- oinzialrat von Genua bat den spanischen Mini­sterpräsidenten telegraphisch um die Begnadig­ung Ferrers und beschloß dann, die Sitzung auf­zuheben. Die Arbeitskammer von Genua be­schloß. daß die Arbeit für 24 Stunden eingestellt werden soll, infolgedessen feierten die Arbeiter am Nachmittag; auch der Straßenbahnverkehr war eingestellt. In Neapel hielten mehrere hundert Studenten in der Universität eine Ver- fammlung ab und beschlossen, dem spanischen - Konsul einen Protest zu überreichen. Die Ueber- reichung des Protestes wurde aber von den Be­hörden verboten.

Geschäftliche Mitteilung.

Was sind orthopädische Stiefel?" So hört ttuxe* neuerdings oft fragen. Der Eingeweihte weiß, bafy man es mit einer neuen hygienischen Fußbekleidung zu tun hat, die nach dem System des bekannten Ortho­päden Dr. med Lengfellner hergestellt ist. Diese Stiefel wirken der Senkung des Fußgewölbes und de» damit verbundenen Folgeerscheinungen, wie rasche« Ermüden, Schmerzen in den Fuß- und Beinmuskeln, dem sogenannten Fuß-Rheumatismus und der Bll», düng von Plattfüßen, entgegen. Die Mehrzahl der Menschen leidet an diesen Uebeln, wie dies jeder a» sich bei kleineren oder größeren Fußtouren beobachte» kann. Orthopädische Stiefel nach System Dr. Leng« fellner beheben diese Ucbel in überraschender Werse, ermöglichen einen elastischen Gang und verschaffe» ihrem Träger ein vorher unbekanntes Wohlbehage». Dies« Stiefel find für Herren, Damen und Kinder schon heute in vielen Schuhgeschäften Deutschland» et« hältlich. Alleinverkauf für Marburg hat Frrma Ott» Pabst. (Siehe Inserat.)

DieGberheMchr Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der 94 9 Sonn- und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt viertel, jährlich durch di- Post bezogen 2,25 Mk. (ohne Bestellgeld), bei unfern Zeitungsstellen und der Expedition (Martt 21,) 2 Mk.