mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain *
und den Beilagen: „Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und „Landwirtschaftliche Berlage."
JVi. 239
Die „Gberhcsstsche Jettnng" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post bezogen 2,25 Mk. (ohne Bestellgeld), bei unfern Zeitungsstellen und der Spedition (Markt 21,) 2 Mk.
Marburg
Dienstag. 12. Oktober 1909.
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Die Insertionsgebühr beträgt für die 7gespaltene Zeile oder deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. — Druck und Verlag: Iah. Aug. Koch, UniversitätSbuchdruckerei Jnbaber Dr. C. Hrtz ero th, Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
44. Jahrg.
Politische Umschau.
General d'Amade.
Paris, 9. Oft. Ministerpräsident Vriand hat heute früh den spanischen Botschafter empfangen. Der Kriegsminister hat mit dem Ministerpräsidenten eine Unterredung über die An- tzelegenheit des Generals d'Amade gehabt. Vorher war General d'Amade vom Kriegsminister empfangen worden, um feine Erklärungen dort mündlich vervollständigen zu können. Nach dieser Unterredung begab fich General d'Amade ins Ministerium des Innern, wo er mit dem Ministerpräsidenten eine Unterredung hatte. Auf Grund dieser UnterrÄung entschloß sich der Kriegsminister, General d'Amade zur Disposition zu stellen. Im Laufe der Unterredung erkannte d'Amade die Authentizität des vom „Matin" veröffentlichten Interview an, zu dem er, wie er sagte, durch patriotische Besorgnisse veranlaßt worden sei. Er müsse jedoch eingestehen, daß er aus der einem militärischen Befehlshaber zukommenden Reserve herausgetreten, sei. Vriand erkannte in seiner Antwort die militärischen Eigenschaften des Generals d'Amade an und sagte zu ihm, er habe ihm gegenüber eine peinliche Pflicht zu erfüllen, er fei aber überzeugt, daß General d'Amade als Soldat, der bei militärischen Disziplin unterworfen fei, die natürlichen Folgen seiner Handlungsweise auf sich nehmen werde. — Paris, 9. Oft. General d'Amade wurde vom Kriegsminister zur Disposition gestellt. — Paris, 10. Oktober. General d'Amade erklärt einem Redakteur des „Matin": Es ist wahr, ich habe mich gegen die Disziplin vergangen, aber ich habe eine Entschuldigung: ich dachte nur an das Interesse meines Landes, ich glaubte, ja selbst der Sache des internationalen Friedens zu nützen. Ich dachte, daß ich da eine Pflicht zu erfüllen hätte und diese Pflicht erschien mir stärker als die Pflicht des Schweigens. Ich weide, meinen Fehler ohne Murren büßen; ich werde stillschweigend und in ruhiger Stimmung die Stunde abwarten, wo ich Frankreich wieder dienen kann. Die meisten Blätter billigen rückhaltlos die Entscheidung der Regierung, welche im Interesse der Disziplin unabweislich gewesen sei, geben aber gleichzeitig der Erwartung Ausdruck, daß General d'Amade bald wieder in den aktiven Dienst zurückberufen werde. Jaurtzs erklärt in seiner „Humanitä": Das Vorgehen d'Amade war tadelnswert, aber im Grunde genommen, hat der General uns einen Dienst erwiesen, indem er das marokkanische Komplott, welches von neuem im Dunkeln angezettelt worden war, an den Tag brachte. Die französische Expedition hatte spanische Kolonialpolitiker aufgeregt und die spanische Expedition die Wünsche der französischen Kolonialpolitiker wieder belebt: eine wunderbare Wechselwirkung von unsinnigen Bestrebungen.
Der Zwischenfall von Charbi«.
C h a r b i n , 9. Okt. Nach Ermittelungen des aus Mulden hier eingetroffenen deutschen Konsuls haben sich die Vorgänge bei der Zwangsvollstreckung gegen die Brnuereigesellschaft ..Charbin" folgendermaßen abge- spielt: Gegen die Brauerei war ein russisches rechtskräftiges Urteil ergangen. Die deutschen Mitinhaber der Brauerei erbaten gegen die Vollstreckung dieses 'Urteils den Schuh des deutschen Konsulats. Der deutsche Vizekonsul legte darauf gegen die Zwangsvoll-
A (Nachdruck verboten.)
Zts!z itrn Slolf.
'ioman aus dem Leben von D. Elster.
(Fortsetzung.)
„Jedenfalls können wir heute nicht weiter vordringen," sagte Walter. „Unsere Pferde sind zu erschöpft und die Sonne neigt sich schon gen Westen. In einer Stunde bricht die Nacht herein. Hier aber haben wir Wasser, wenn auch wenig genug, und ein wenig Gras für die Pferde. Diese fast im Halbkreis liegende Steingruppe bietet uns auch einen günstigen Lagerplatz, so wollen wir die Nacht hier bleiben. Aber einen Posten müssen wir dort auf dem kleinen Hügel onfstellen; er soll alle zwei Stunden ab- gelost werden. Man kann nicht wissen, ob nicht eine Bande Hottentotten hier umherstreift.«
„Ja, und das Wasser riechen die braunen Schufte meilenweit. Soll ich den Posten aleich aufstellen?"
„Ja, nachdem die Leute fich etwas erquickt und ausgeruht haben. Bis Sonnenuntergang werde ich selbst aufpassen.«
„Zu Befehl, Herr Oberleutnant," entgegnete ber Unteroffizier und begab sich zu den Reitern, die in dem dürren Kraut und Gras der Steppe ruhten und ihre einfache Mahlzeit, aus Schiffs- »wieback und etwas getrocknetem Fleisch bestehend, verzehrten.
Walter ging wieder den kleinen Hügel hinauf, setzte sich dort auf einen Stein und ließ die Blicke sinnend über die endlose Steppe schweifen, die jetzt in den roten und violetten Gluten der sinkenden Sonne erstrahlte.
streckung Protest ein, indem er von der Annahme ausging, daß die Brauerei nicht den Charakter einer russischen Gesellschaft habe, sondern daß zwischen den deutschen und russischen Besitzern der Brauerei nur das Verhältnis des Miteigentums bestehe. Er gestattete den beteiligten Deutschen auf ihr Ersuchen die deutsche Flagge aufzustecken, verbot ihnen aber, den Maßnahmen der russischen Behörden aktiven Widerstand entgegenzusetzen. Als darauf mit polizeilicher Hilfe die Zwangsvollstreckung vollzogen wurde, sollen zwei Deuffche Widerstand geleistet haben. Die Feststellungen des zur Aufklärung der Angelegenheit entsandten Konsuls haben nun ergeben, daß der Gefell- schast tatsächlich der Anspruch auf deutschen Schutz nicht zustand. Sie hat bisher stets den russischen Schutz beansprucht und erhalten. Unter diesen Umständen ließ der Konsul den Protest zurückziehen und ordnete selbst die Herunternahme der deutschen Flagge an. Wegen des behaupteten Widerstandes zweier Deutscher wurde bei dem deuffchen Konsul, dessen Gerichtsbarkeit über die beteiligten Reichsangehrigen auch von russischer Seite als zuständig anerkannt wird, Strafantrag gestellt. , Soweit bisher festgestellt ist, scheint es sich dabei nicht um grobe Ausschreitungen, fondern um ziemlich harmlose Vorgänge zu handeln. Der ganze Vorfall wird hier ruhig behandelt.
Ein Hochverratsprozeß in Spanien.
Bar re Iona, 9. Okt. Vor dem Kriegsgericht begann heute im Beisein zahlreicher Zuhörer der Prozeß gegen den Direktor der modernen Schule Ferrer. Der Richter erklärte, daß unter den bei Ferrer beschlagnahmten Papieren Dokumente gefunden worden seien, die sich auf den Plan bezogen, Spanien zur Republik zu machen, ferner mehrere freimaurerische Schriften und Briefe von Revolutionären, aus denen hervorgehe, daß Ferrer seit langer Zeit Beziehungen zu Revolutionären unterhielt. — Im weiteren Verlauf machten verschiedene Zeugen, darunter der Polizeidirektor und ein Oberstleutnant der Bürgergarde, belastende Aussagen, wonach Ferrer ein tätiger Anarchist sei und die aufrührerische Bewegung gebilligt und unterstützt habe. Ferrer bestritt die Beteiligung an den Unruhen und erklärte, daß er den politischen Parteien nicht angehöre. Er beschäftigte sich einzig und allein mit Unterricht. Die gegen ihn erhobenen Anklagen betrachte er als ein Werk seiner Feinde, die fein Verlagshaus vernichten wollten, wie früher feine Schule. — Weitere Zeugen bekunden, daß Ferrer den Alkalden von Premia von den Vorgängen in Bar- zelona unterrichtet und ihn aufgefordert habe, die Republik zu proklamieren. Ferrer habe ferner das Rezept zur Fabrikation von Pulver erhalten. Hierauf versicherte Ferrer wiederholt, er habe während der ganzen Zeit der Unruhen fich verborgen gehalten, weigert sich aber die Familie zu nennen und als Zeuge zu benennen, bei der er sich aufgehalten habe. Verschiedene Sachverständige glauben, daß gewisse Bücher und revolutionäre Proklamationen von Ferrer geschrieben sind. Andere Zeugen behaupten, daß von der Ankunft Ferrers in Premia an, die Unruhen einen ernsten Charakter annahmen. — Nach Beendigung des Zeugenverhörs beantragte der Staatsanwalt gegen Ferrer die Todesstrafe, dauernden Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte und Einziehung des Vermögens des Angeklagten zur Schadloshaltung von Opfern der Revolution. Der Verteidiger FerrerS führte dagegen aus, man könne diesen nicht wegen derselben Handlung verurteilen, von denen er in einem anderen Prozesse schon freigesprochen worden fei. Schließlich erklärte Ferer selbst auf eine Frage des Präsidenten, man möge ihn wegen der letzten Ereignisse richten, ohne jedoch seine frühere Tätigkeit als Politiker hineinzuziehen. Er habe sich jetzt bloß mit Unterricht und der Verbreitung allgemeiner Bildung befaßt.
Deutsches Reich.
— Bom Kaiser. Hubertusstock, 9. Oft. Der Kaiser traf heute morgen hier ein, wo er einen mehrtägigen^Aufenthalt zu nehmen gebenft. Die
Der Krieg bes burch seine Häuptlinge irregeleiteten Hottentotten-Volfes gegen bie Macht des großen Deutschen Reiches lag in den letzten Zuckungen. Hier unb btt flammte er in bem weiten Gebiete Sübwestaftifas noch einmal em- por, gleich ber züngelnden Flamme eines erlöschenden Feuers, aber feit der Niederlage des Hauptheeres ber Hottentotten am Waterberge war seine Kraft gebrochen.
Das Land glich einem großen Leichen- und Trümmerfelde. Tausende und Abertausende hatte der Krieg hinweggerafft, seinen Weg bezeichneten die Trümmerstätten zerstörter Farmen und die Ueberbleibsel verbrannter Dörfer und Hütten. In den wilden Felsenflüsten der Gebirge hatte sich der Ueberrest des braunen Volles verkochen; von Hunger und Durst getrieben hatte sich ein Teil den deutschen Truppen und Behörden ergeben und war in große Reservatio- nen untergebracht worden, aber die Hauptmasse unter dem unversöhnlichen Maharero hatte fich nach der Niederlage am Waterberge in die Kalahari-Wüste geflüchtet, wo Hunderte und Aberhunderte dem schrecklichen Tode des Verhungerns und Verdurstens anheimfielen. Einzelne Trupps nur tonnten fich nach den fruchtbaren Gegenden der ungeheuren Steppe retten.
Vom Waterberge aus waren dieser geschlagenen Masse des Feindes, die fich alsbald in mehrere Trupps teilte, zahlreiche Reiterpatrouillen nachgejandt worden, um die Fliehenden nicht zur Ruhe kommen zu lassen. Die Grenze des Hot- tentottenlandes wurde mit einer dichten Posten- tette besetzt welche bie unglücklichen braunen ooljne des Landes wieder in die wasserlose, son-
Kaiserin trifft vom Neuen Palais aus über Berlin mittags ebenfalls in Hubettusstock ein.
— Des Reichskanzlers Antrittsbesuch in Italien. Karlsruhe, 9. Ott. Nach einem Berliner Telegramm der „Süddeutschen Reichskorrespon-, denz« hofft der Reichstanzler, im späteren Verlauf des Winters oder zu Ostern Italien zu besuchen. Eine Reise im November, wie von Italien vorgeschlagen worden war, würde beim Wiederbeginn des Parlaments in Berlin zu nahe liegen.
— Großadmiral von Köster. Newyork, 9. Oft. Großadmiral von Köster gab den Vertretern des Deutschtums einen Empfang auf der „Vittoria Luise". Bei der Abfahrt des englischen Kreuzers „Inflexible" signalisierte- die „Vittoria Luise«: Erfreut über das Zusammentreffen. Auf Wiedersehen! . Die „Dresden" ist abgefahren.
— Major Groß und Graf Zeppelin. Stuttgart, 9. Oft. Die „Neckarzeitung" veröffentlicht ein bemertenswertes Urteil des Majors Groß über den Grafen Zeppelin. Major Groß hat in einem Briefwechsel mit einem Heilbronner Herrn anläßlich der Kaisermanöverfahrten seines Luftschiffes u. a. folgendes geschrieben: „Wenn es mir gelungen sein sollte, mit unserem Luftschiff zu zeigen, daß ich teineswegs Kon- turrent. sondern Mitarbeiter an dem großen patriotischen Werte mit Ihrem großen Landsmann, dem auch von uns und in Soickerheit von mir hochverehrten Grafen Zeppelin bin, so würde dies mir eine ganz besondere Genugtuung sein uni) mich für die vielen ungerechffertigten Anfeindungen entschädigen. Ob starr, unstarr oder halbstarr die Luftschiffe gebaut werden, das ist ganz einerlei. Die Hauptsache bleibt immer, daß sie gemeinsam unserem deutschen Vaterlande zur Ehre und zum Wohle gereichen. Sie haben alle die gleiche Berechtigung und den gleichen Zweck." Zur Veröffentlichung dieses Schreibens durch die „Neckarzeitung" hat Major Groß auf Anfrage seine Einwilligung gegeben.
— Deutsch« Pilger beim Papst. Rom, 10. Ottober. Der Papst hat heute 200 Pilger aus Köln empfangen. Der Führer der Pilgerfchast, Marchand, verlas eine Ergebenheitsadresse. In seiner Antwort äußerte sich der Papst sehr befriedigend über den Beweis treuer Gesinnung und danfte gleichzeitg für die Segenswünsche zu seinem Jubiläum. Der Papst streifte sodann den eucharistischen Kongreß in Köln, der ein neues Zeugnis ablege von der siegreichen Kraft des fatholischen Glaubens. Zum Schlüsse ermahnte der Papst die Pilger, die Lehren der Kirche treu zu befolgen unb erteilte ihnen den Segen. Der Bischof von Straßburg und mehrere Prälaten wohnten dem Empfange bei.
— Der Reichstagsabgeordnete Schack hat sich beleidigt gefühlt durch Flugblätter des hiesigen Kreisvereins des Verbandes der Deutschen Kauf' leute. Er strengte Privatflage an, die am 7. Oftober vor dem Schöffengericht zur Verhandlung fommen sollte. Das Gericht beschloß jedoch, nach der „Königsb. Hart. Ztg.", das Verfahren auszusetzen. Da infolge der befannten Vor- gänge Zweifel an der geistigen Zurechnungsfähigkeit des Privatklägers Schack aufgetaucht feien, soll das Resultat der ärztlichen Untersuchung abgewartet werden.
nendurchglühte Wüste zurücktreiben mußten, falls sie den Versuch machten, wieder in das Hottentottenland einzudringen. Nur die Weiber und Kinder unb biejenigen, die sich bedingungslos unterwarfen, wurden aufgenommen unb in den Reservationen untergebracht.
Eine bieser in die Kalahariwüst» gesandten Patrouillen führte Walter. Er war mehrere Tagemärsche in die Wüste vorgedrungen, ohne auf den Feind zu stoßen.
Jetzt waren seine Leute unb deren Pferde so erschöpft, daß er an die Rückkehr denken mußte. Es war nutzlos, Gesundheit unb Leben der Leute hier in der trostlosen Steppe länger aufs Spiel zu setzen. Ein großes Glück war es gewesen, daß man am heutigen Tage das armselige Wasserloch gefunden, denn man hatte feit 24 Stunden fein Getränk mehr in den Feldflaschen, und die Pferde waren nahe am Verschmachten.
Ein Flug wilder Enten hatte ihnen die Wasserstelle angezeigt; mit dem Aufgebot der letzten Kraft erreichte der Heine Trupp bie armselige Pfütze, die dennoch jubelnd von den Männern und mit lautem Wiehern der Pferde begrüßt wurde.
Jetzt folgerten alle erschöpft, aber doch guten Muts auf der sonnendurchglühten Erde und die Pferde rupften begierig das spärliche Gras ab, das um das Wasserloch herum wucherte.
Weilten Walters Gedanfen, als er so still dasaß, bei den Schrecken der hinter im liegenden Kämpfe? Bei den Mühen und Sttapazen der Märsche durch die wasserlosen Steppen, durch die Schluchten der Felsengebirge? Weilten sie auf
Ausland.
** Vom böhmischen Landtag. Wien, 9. Ott. Die „Wiener Zeitung« wird morgen nachstehend« Kundgebung veröffentlichen: Der böhmisch« Landtag ist heute vertagt worden. Dieser Schritt ist die notwendige Folge der Ergebnislosigkeit aller Verhandlungen, die zur Wiäerherstellung der Arbeitsfähigfeit im böhmischen Landtage unternommen wurden. Daß die Dinge neuerlich diesen Verlauf genommen haben, vermag die Regierung weder zu enttäuschen, noch zu entmutigen. Sie hält vielmehr daran fest, daß das Scheitern des Verhandlungsversuchs nur der Ausgangspuntt eines neuen sein muß. Es wird voraussichtlich im Laufe dieses Jahres den beiden nationalen Parteien neuerlich die Frag« gestellt werden, ob sie an der Befreiung unseres staatlichen Lebens von den unerträglichen Fesseln des alles vergiftenden und lähmenden Strei. tes mitwirfen wollen oder nicht. Dem nochmaligen letzten Versuche wird hoffentlich ein günstigerer Erfolg beschieden sein, als den jüngsten. Jedenfalls aber wird er das Ergebnis haben, daß flipp und Har die Verantwortlichfeiten für den Fall des neuerlichen Scheiterns der Verhandlungen festgestellt werden.
** Der Kampf um die englische Finanzreform. London, 9. Ott. Der Schatzkanzler Lloyd Georg« sagte in einer Rede in New Eastle, das Budget sei weder ein Angriff auf die Industrie noch auf das Eigentum. Es müsse hervorgehoben werden, daß der Handel sich günstig entwickelt habe. Die Grundsteuern würden wohl wachsen und daher etfläte sich die Gegnerschaft des Großgrundbesitzes gegen die neuen Steuern, gegen die Reichsverteidigung und das Alterspenfionsgesetz. Der Minister «Härte weiter, die Regierung wolle alle im Budget vorgeschlagenen Steuern haben ober feine. Daß bem Unterhause allein bie Kontrolle ber Finanzen obliege, sei ein Grundsatz ber Verfassung. Die Lords könnten sich für bie Revolution entscheiden, aber wenn diese ein, mal begänne, werde das Voll sie leiten. Während der Rede des Ministers lärmten einig« Zuhörer. Auch einige Anhängerinnen des Frauenstimmrechts wurden aus der Versammlung verwiesen.
** Ein Bombenattentat in Stockholm. Stockholm, 9. Oft. Der Direftor des schwedischen Ex» portvereins Jon Hammar erhielt am Vormittag ein Postpaket, worin sich eine Bombe befand, die beim Oeffnen des Pakets mit lautem Knall explodierte. Dem Empfänger wurden der Daumen und Zeigefinger ber rechten Hanb abgerissen. Ferner erlitt er noch einige anbete leichtere Verletzungen. Mit bem Paket zugleich war ein „Asket" unterzeichneter Brief eingetroffen, worin mitgeteilt wurde, daß an den Direktor ein Paket mit seht wertvollem Inhalt abgesandt fei. Die Bombe wat in eine Nummer des jung- sozialistischen Blattes „Brand« eingewickelt.
** Die Spanier in Marokko. Melilla, 9. Ott. In Nador hat sich ein Parlamentär als lieber« mittler eines Briefes ber Führet ber Kabylen« stamme von Nabdor unb Batrake an General Marina eingestellt. Vor den General Oroczko geführt, crHärte bet Parlamentär, bie Lage bet Stämme sei infolge Mangels an Lebensmitteln und der schrecklichen Verluste in den letzten Kämpfen unhaltbar. In dem Gefecht vom 30. September hätten die Mauren ihren eigenen
den grausenettegenden Schlachtfeldern, wo hunderte und tausende tapferer Krieger einem törichten Wahne zum Opfer gebracht waten, wo so mancher seiner Kameraden getreu seiner Pflicht und seiner Ehre dem Geschoß des Feindes erlegen war? Weilten sie bei den zerstörten Gesichtern, den brennenden Hütten, den grausam ermordeten Frauen und Kindern friedlicher Ansiedler? Weilten sie in den Lazaretten unb Hospitälern, wo blutige Wunden und hitzige Fieber ihre Opfer forderten?
Sein Gesicht war still unb ernst; aber in seinen Augen leuchtete ein milbei Glanz, ber nicht durch bie Gedanken an all jene Schrecken bes Krieges hervorgerufen worben sein konnte. Das war der Glanz bei Erinnerung an eine glücklichere Zeit! Der Erinnerung an bie Heimat! Der Erinnerung an bie Liebe, bie unauslöschlich in seinem Herzen brannte wie ein heiliges Feuer. ;
Voller Stolz unb verletzten Ehrgefühls hatte: er sich einst abgewandt von seiner Liebe. Er ' glaubte in seinem Trotz, baß ber Stolz bie Lieb» i überwinben, daß er in einem Leben voll Gefahren, in einem Leben voll Kampf, lob unb Wunden, die eine Wunde vergessen könnte, welche bie Liebe seinem Herzen geschlagen.
Aber bie Erinnerung erstarb nicht; sie unterhielt vielmehr die Flamme der Liebe in feinem Herzen, unb bie Liebe trug den Sieg davon über all seinen Trotz, über all seinen Stolz. ' ■_____lFortjetzlMü folgtJ j