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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Verlagen: „Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und „Landwirtschastkche Beuage."
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Die „Gberhesstsche Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Poft bezogen 2,25 Mk. (ohne Bestellgeld), bei unfern Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21,) 2 Mk.
Marburg
Sonntag. 10. Oktober 1909.
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Die Insertionsgebübr beträgt für die 7gespaltene Zeile oder deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. — Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, llnioersitätsbu hdruckerei Inhaber Dr. C. H i tzer o th, Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
44. Jahrg.
Zweites Blatt.
Weibliche Berufe.
.Eine volkswirtschaftliche Frage von ganz eminenter Bedeutung, nicht nur für Deutschland, ■ sondern für die gesamte Kulturwelt, bildet das Eindringen der Frau in die männlichen Erwerbsberufe und die Konkurrenz ihrer Erwerbstätigkeit auf vielen Arbeitsgebieten, die früher nur den Männern Vorbehalten waren. Von einer Frauenbewegung, die dazu führte, daß man auf vielen Gebieten des Arbeitsmarktes mit der Konkurrenz weiblicher Arbeitskräfte zu rechnen hat, kann man erst seit Beginn der -weiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts sprechen. Wenn bis dahin in einzelnen Geschäftszweigen wohl vereinzelt weibliche Angestellte und Arbeiterinnen zu bemerken waren, so drangen jetzt die Frauen in vielen Berufen vor, machten den Männern nicht nur erfolgreich Konkurrenz, sondern haben sie sogar aus vielen Erwerbszwerge» fast vollständig verdrängt. In industriellen unk kaufmännischen Betrieben finden heute Millionen von Frauen lohnende Beschäftigung. Auch der Staat hat dem Ansturm der Frauen nicht stand halten können und ihnen in seinen Betrieben (Eisenbahn, Post, Telegraph, Telephon) Einlaß gewährt.
Die Regierung und Volksvertretung sind durch die immer mehr um sich greifende Bewegung zugunsten einer Erweiterung des Berufskreises der Frauen genötigt, sich ebenfalls seit einer Reihe von Jahrzehnten mit der bedeutungsvollen, volkswirtschaftlichen Frage der Frauenarbeit zu beschäftigen. Eine große Anzahl von Gesetzen, die unsere arbeitenden Frauen zu schützen und zu fördern berufen sind, geben Zeugnis von dem lebendigen Interesse und der Fürsorge, welche' man besonders in Deutschland der arbeitenden Frau entgegenbringt.
In der letzten Session des preußischen Abgeordnetenhauses war bei der Beratung des Kul- tusetats von der konservativen Partei ein Antrag v. Brandenstein eingebracht worden, der die dankenswerte Anregung dazu gab, den Frauen das Eingreifen des Lehrerinnenberufs nach Möglichkeit zu erleichtern und die Staatsregierung ersuchte, für Ausbildung und Heranziehung von weiblichen Lehrkräften, insbesondere für den Eleineutarunterricht, dadurch ausreichend Sorge zu tragen, daß eine erhebliche Vermehrung der staatlichen Lehrerinnenseminare ins Auge gefaßt würde. Der Abgeordnete v. Brandenstein wies auf den chronischen Lehrermangel hin, unter dem noch immer weite Landesgebiete zu leiden haben. Dabei haben wir Tausende von fleißigen und intelligenten Mädchen, die sich nach einer selbständigen Tätigkeit sehnten. Ueberall suchen die Mädchen nach geeigneten Berufen. Einer der geeignetsten Berufe für unsere Frauenwelt ist aber unstreitig der Lehrerinnenberuf. Die Lehrerin ist unentbehrlich für den Unterricht der weiblichen Jugend im
42 (Nachdruck verboten.)
Kto!; um Stolz.
Roman aus dem Leben von O. Elster.
(Fortsetzung.)
Das Leben hatte sie gelehrt, zu unterscheiden zwischen den Huldigungen, die nur ihrer gesellschaftlichen Stellung und ihrem Reichtum galten, die sich ihr mit unedlen, unreinen Absichten nahten und denen, welche aus einem zwar einfachen, aber ehrlichen Herzen flosien und nur den Vorzügen ihrer Person galten.
Gern gewährte sie Herrn Deitmer mehrer« Ausnahmen.
Nachher begab man sich in die Privatwohnung des Photographen, wo der Kaffeetisch gedeckt war.
Erstaunt blickte sich Mary um. Alles war mit geschmackvoller Eleganz eingerichtet und Herr Dettmer zeigte mit berechtigtem Stolz sein« aus vier Zimmern bestehende Wohnung, die einen behaglichen und vornehmen Eindruck machte.
Sogar ein Diener in Livree — an Eeschäfts- tagen Hausdiener und Laufbursche — war vorhanden, der nicht ohne Geschick bei Tisch bediente.
„Ich muß Ihnen wirklich mein Kompliment darüber machen, Herr Dettmer," sagte Mary be- wundernd, „wie hübsch Sie Ihre Wohnung eingerichtet haben!"
„Ach, mein Fräulein," entgegnete der Königliche Hofphotograph mit einem Seufzer, „das ist ja alle» recht schön und recht gut — für Geld kann man schließlich alles haben, und ich habe ja sehr gute Geschäfte gemacht und mache sie «och, aber es fehlt doch allem der Dust und >et Inhalt."
»Wir meinen Sie da»?" fragte Man».
Alter von sechs bis vierzehn Jahren. In den katholischen Schulen haben wir in Preußen prozentual schon viel mdjr Lehrerinnen als in den evangelischen. Von den 5766 auf dem Lande tätigen Lehrerinnen sind nicht weniger als 4315 katholisch. Das liegt daran, daß den katholischen Mädchen die Ergreifung des Lehrerinnenberufes viel leichter ist als den evangelischen, da mehr katholische Lehrerinnenseminare bestehen als evangelische. Es ist eine bedauerliche Tendenz, die Lehrerinnen vom Lande zu verdrängen, um so bedauerlicher, da gerade auf dem Laräe vielfach Lehrermangel herrscht. Gerade für das Lehramt auf dem Lande und in den kleinen Städten eignen sich die Lehrerinnen ganz besonders. Das haben die Katholiken längst erkannt. In den katholischen Gegenden werden die Mädchen ganz besonders zum Volksschuldienst auf dem Lande und in der Kleinstadt herangezogen. Dazu würde es sich empfehlen, Einrichtungen zu schaffen, die den unmittelbaren Uebergang von der Dorfschule auf die Präparandenanstalten ermöglichen. Die Lehrerinnenseminare müßten mehr in die kleinen Städte verlegt und der Landbevölkerung zugänglicher gemacht werden. In den Großstädten herrscht schon jetzt vielfach das richtige Verhältnis zwischen der Zahl der Lehrer und der der Lehrerinnen. In Berlin z. B. stellt es sich wie 3:1. Vom Regierungstische wurden die Zusagen gegben, für die Vermehrung der Lehrerinnen genügend Sorge zu tragen. Im Etat für dieses Jahr wären wieder Mittel zur Errichtung non zwei neuen Lehrerinnenseminaren vorgesehen. Die Zahl der Lehrerinnenstellen habe in den letzten Jahren wieder stark zugenommen.
Als dann im Laufe der Debatte auf Grund vorliegender Petitionen wieder einmal die Frage aufgerollt wurde, ob es notwendig sei, ausnahmsweise Mädchen zu den höheren Lehranstalten für Knaben zuzulaffen, wurde von verschiedenen Seiten betont, daß in Konsequenz einer solchen Zulassung man den Mädchen auch dann in Zukunft weitgehende, ihrer Bildung entsprechende Berechtigungen einräumen müßte, z. B. die Möglichkeit, die mittlere Laufbahn in der Postkarriere einzuschlagen. In der Sitzung nahm noch Ministerialdirektor D. Schwartzkopff Gelegenheit, zu betonen, daß die Regierung sich die Vermehrung der Zahl der ländlichen Dolks- schullehrerinnen angelegen sein laste und den gegebnen Anregungen auch weiter gerne folgen werde. Er machte besonders darauf aufmerksam, daß in letzter Zeit die Zahl der Volksschulleh- rerinnenseminare um 100 v. H., die der Lehrerseminare nur um 50 v. H. vermehrt worden wäre.
Politische Umschau.
Millionäre in preußischen Großstädten.
In letzter Zeit ging durch die Preste eine Mitteilung, die angab, welcher Prozentteil der Bevölkerung der preußischen Großstädte bei der letzten Veranlagung zur staatlichen Ergänzungssteuer mit mehr als einer Million Mark Vermögen veranlagt worden ist. So interestant diese Quoten aber sein mögen, ihre rechte Be
leuchtung erfahren ste erst durch die absoluten Zahlen der in den einzelnen Städten vorhandenen Millionäre. Rach einer Zusammenstellung- im letzten Heft der vom Statistischen Amt der Stadt Düsseldorf herausgegebenen „Stattstischen Monatsberichte" betrug die
Zahl der Millionäre
in
1908
(1905)
Berlin
1286
(1308)
Frankfurt a. M.
600
(584)
Charlottenburg
505
(381)
Köln
312
(255)
Wiesbaden
231
(208)
Düsseldorf
227
(193)
Breslau
181
(161)
Hannover
143
(107)
Aachen
118
(100)
Elberfeld
105
(99)
Magdeburg
104
(107).
Alle übrigen Großstädte müssen sich mit weniger als 100 Millionären begnügen; die wenigsten finden sich in Rixdorf (10), Gelsenkirchen (15) und Bochum (20).
De» Dreibund.
Die „Tribuna" stellt in einem Arttkel über das dreißigjährige Bestehen des deutsch-österreichischen Bündnisses mit Genugtuung fest, daß man in Berlin und Wien Italien als par inter pares im Dreibunde anfehe, und betont weiter, daß der Dreibund eine strategische Position ersten Ranges zu Gunsten des Friedens sei, und daß es seinem Bestehen auch zu verdanken sei, roenjt der Zweibund immer einen friedlichen Charakter bewahrt habe. Dieses sei ein Faktum, das nicht nur historische Bedeutung habe, sondern auch für die Zukunft von Wichtigkeit sei.
Gehaltszahlung auf Postscheckkonto.
Rach einer heute im „Reichsanzeiger" veröffentlichten Verfügung darf die Zahlung der Gehälter, der Pensionen und der Hinterbliebenenbezüge fortan auch auf Postscheckkonto erfolgen. Da indessen die Postscheckämter nicht in gleicher Weise wie die Bankhäuser die Verpflichtungen übernehmen können, der Reichskasse die überwiesenen erhaltenen Beträge wieder zuzuführen, falls der Bezugsberechtigte den Fälligkeitstag nicht erlebt hat, wird diese Art der Ueberweisung nur für die im Dienste befindlichen ohne weiteres, für andere aber nur nach vorheriger Einsendung der vorschriftsmäßigen Empfangsbescheinigung zugelassen. — Nach einer weiteren Verfügung kann Anträgen der Inhaber von Postscheckkonten, ihnen ihre Guthaben bei den staatlichen Kasten unter Verwendung von Zahlkarten auf ihr Postscheckkonto zu überweisen, unbedenklich entsprochen werden.
Armer v. Gerlach!
Herr v. Gerlach hat versucht, in Halle der „demokratischen Vereinigung" Eingang zu ver- fchaffen. Er hat zu diesem Zwecke eine Versammlung abgehalten, die — wie meistens — zur Hälfte von Genossen besucht war und in der es sehr lebhaft zuging. Die linksliberale „Saale-Zeitung" fchreibt dem Herrn bei dieser Gelegenheit folgendes ins Stammbuch:
Herr Dettmer sah sie mit einem so bewundernden Blick an, daß Mary die Augen zu Boden schlug.
„Es fehlt die Frau — die Herrin in diesen Räumen," antwortete er leise und errötete dabei über seine Kühnheit. „Ach, wenn hier eine geliebte Ferau waltete, dann wäre mein Glück vollkommen! Ich würde meine Gattin auf Händen tragen — ein jeder ihrer Wünsche sollte mir Befehl sein — ach, Fräulein Mary, was ist das Leben, wenn es nicht durch eine geliebte Frau Inhalt, Duft und Farbe erhält! Können Sie — wollen Sie mich verstehen?"
Er hatte ihre Haiü> ergriffen, die er ehrerbietig und zärtlich an die Lippen führte.
„Ich glaube, es ist Zeit, daß wir heimkeh- ren," sagte in diesem Augenblick die strenge Stimme Weras, die bisher in einem Album geblättert hatte und sich jetzt erhob.
Mary befand sich in größter Verwirrung, sie wußte nicht, was sie auf Herrn Dettmers Wort« erwidern follte, und sie war froh, daß Wera das Gespräch unterbrochen hatte.
Kurz darauf verabschiedeten sich die Leiden Mädchen, aber den ganzen Tag über war Mary sehr nachdenklich gestimmt.
18.
Walter Hildebrandt hielt auf einer kleinen Anhöhe und spähte hinaus in die endlos nach allen Seiten sich ausdehnende Kalahari-Stepp«. Sein Pferd ließ müde und erschöpft den Kopf sinken und knabberte an einem dürren Mimosen- Strauck? herum, vergeblich nach einigen frischen Blättern suchend. Das Tier war gänzlich abgetrieben, bestand nur noch aus Haut, Muskeln und Knochen und schien seinen Reiter kaum noch trogen zu können. Und hager und erschöpft, hohläugig und hohlwangig sah auch Walter
Hildebrandt aus der mit glühenden Augen hinaussiarrte in die Wüste, über der die glühend heiße Luft zittette und flimmerte wie die leicht sich kräuselnde Fläche eines unabsehbaren Meeres.
Nichts sah man als dieses flimmernde, zitternde glühendheiße Luftmeer über der braunen, sonnenverbrannten Fläche.
Nach einiger Zeit wandte Walter sein ermüdetes Roß und ritt zu den sechs Reitern zurück, die am Fuße des Hügels lagerten, erschöpft und ausgepumpt, wie ihre mageren Pferde, die mit gefenkren Köpfen dastanden, ohne daß es notwendig geworden wäre, sie anzupflöcken; sie würden sich ohnedies nicht entfernt haben.
Als Walter sich den Reitern näherte, erhob sich der Unteroffizier und zeigte mit einem triumphierenden Ausdruck im Gesicht auf einige jener Früchte, die in ihrem Innern ein erfrischendes Master bergen, obgleich sie auf dem ausgetrockneten Boden der Wüste wachsen.
„Da haben wir Master, Herr Oberleutnant!" tief er. „Es schmeckt vorzüglich. Wollen Herr Oberleutnant nicht einmal versuchen?"
„Haben sich die Leute schon erquickt?" fragte Walter.
»Ja, Herr Oberleutnant. Wir haben alle getrunken."
„Und die Pferde?"
„Auch sie sind geträntt. Wir fanden da ein kleines Wasterloch. Wir haben auch für Ihr Pferd Master."
„Das ist gut. Das arme Tier ist ganz verdurstet. Geben Sie ihm das Master und etwas Brot — Sie haben doch noch Brot?"
„Zu Befehl, Herr Oberleutnant. Wir haben noch für drei Tage Schiffszwieback."
„Das genügt. Und nun gebe» Sie mir die Frucht."
„Armer v. Gerlach,- wie weit ist's mit th« gekommen! Gestern mußte der vielgewanderte Mann feinen Weg nach Halle nehmen, um hi« einem politischen Monstrum zur Welt zu helfe«, das zwar mit lautern Schrei seine Geburt meldete, aber flrophulös ist bis in die Knochen: die „Höllische demokratische Vereinigung" waÄ geboren!"
„Wenn man unser Programm nicht sofort erfüllt, dann schmollen wir, dann machen wir überhaupt nicht mehr mit, dann boykotti«e« wir Regierung und Staat, wir!, wir 6% Man«! Eine politische Burleske! Und wer die lächerlichsten Kapriolen schießt, ist Herr v. Gerlach. Gestern abend war also dieser Herr nach Hall« gerufen, um den paar Männlein, die hier in unferm Wahlkreis auf jenen Standpunkt der Borniertheit eingeschworen, bei ihrem ersten Schritt in die Oeffentlichkeit ein kundiger Führer zu sein."
Am Schlüsse des Artikels wird gesagt:
„Die Demokratische Vereinigung — das fei nochmals hervorgehoben — hat natürlich für unser Hallisches politisches Leben absolut fein« Bedeutung."
Wohlgeiw-rkt! Es ist ein linksliberal«» Blatt, das so urteilt, wir würden so böse kaum urteilen und geben Ausführungen wieder al» charakteristisch für den Geist der Einheit, der angeblich den Linksliberalismus ergriffen hat.
Ausland.
** Die Lage in Ungarn. Wien, 8. Okt. In de^ heutigen Audienz begründete der ungarische Ministerpräsident erneut die Bitte des Kabinett» um Enthebung, da dessen Stellung im Abgeordnetenhaus« unhaltbar sei. Kaiser Franz Josef erklärte hierauf, er werde schon in den nächsten Tagen seine Entscheidung treffen. — Ministerpräsident Dr. Wekerle ist nach Budapest zurück- gekehrt.
** ®er Fall Wahrmund. Prag, 8. Ott. In der Sitzung des Prosessoren-Kollegiums der juristischen Fakultät der Prager deutschen llnioerst- tät wurde in Bezug auf den Fall Wahrmund eine Resolution angenommen, in welcher die Nichtgenehmigung der Vorlesung des Professors durch das Ministerium für unzulässig bezeichnet und erklärt wird, falls Wahrmund dem Unter- richtsministerium geheime Zusagen gemacht habe, sie jetzt aber nicht halte, müßte gegen das Verbleiben Wahrmunds im^ Professorenkollegium der Fakultät Verwahrung eingelegt werden.
Marburg und Umgegend.
(Nachdruck aller Originalartikel ist gemäß § 18 de» Urheberrechts nur mit der deutlichen Quellenangabe .Oberhefl. Zig." gestattet.)
Marburg, 9. Ott.
* Zum Wohnungswechsel. Der Monat Oktober ist der eigentliche Ziehmonat. Nameitt- lich in den Städten finden zu dieser Zeit Hm. zöge massenhaft statt. Zum Oktober wird aber auch die Gründung neuer, eigener Herde sehr umfangreich betrieben. Die meisten Heiratslustigen halten zum Oktober Hochzeit, weil das
Walter war abgestiegen und schlürfte begierig das frische Wasser der Frucht, während der Unteroffizier das Pferd in einer schlammigen Wasserpfütze tränkte. Dann setzte sich Walter auf «inen Steinblock, deren mehrere dort umherlagen, und verzehrte langsam das fastige, etwa» bitterlich schmeckende Fleisch der Frucht.
„Es wundert mich, Herr Oberleutnant," sagt« der Unteroffizier lachend, „daß uns die Hottentotten diese Wasserpfütze und diese Frücht« übrig gelassen haben. Sie müssen gar z« schnell gelaufen sein."
„Oder es ist ein Zeichen," entgegnete Walter, »daß der Trupp, den wir verfolgt haben, einen anderen Weg genommen hat und wir von ihrer Spur abgekommen sind."
„Ja, das glaube ich fast auch, Herr Oberleutnant. Wir sind jetzt schon einige Tagemärsche in die Kalahari-Steppe vorgedrungen, aber die Hottentotten, die wir so schön in den Waterbergen ausgeklopft hatten, sind wie vom Erdboden verschlungen."
„Wenigstens haben wir die Fühlung mit ihnen verloren. Sie wissen ja, daß sich di« Hottentotten auf der Flucht stets in mehrere Trupps teilen, wodurch ihre Verfolgung f» schwierig wird. Sie ziehen stets auf verschiedenen Wegen dem bestimmten Sammelplatz zu."
„Ja, es find verteufelt schlaue Burschen unfc ihr Oberhäuptling, der Maharero, ist der schlaueste von allen. Er hat uns tüchtig zu schaffen gemacht. Aber ich denke auch, Herr Oberleutnant, daß eine weitere Verfolgung keine« Nutzen mehr hat und wir diesem gottverfluchten Sttich Erde wieder den Rücken kehren könne«.. Mögen die braunen Kerls allein in der Wüste verhungern und verdursten." <
. - — (Fortsetzung folgt.) '