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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

und den Beilagen:Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) undLandwirtschaftliche Berlage.-

DieGberhefstschr Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt viertel« jährlich durch die 'Soft bezogen 2,25 Mk. (ohne Bestellgeld), bei unfern Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21j 2 Mk.

Marburg

Sonntag. 10. Oktober 1909.

Die FnsertionSgebüdr beträgt fiit die 7 gespaltene Zeile oder deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, Uaiversttätsbu chdruckerei Jndaber Dr. C. H itzero th, Marburg, Markt 21. Telephon 55. MBEVMMUaHCMCaaBWMM»»

44. Jahrg.

Erttes Blatt

schäftigen, da die spanischen Truppen bisher ihre Einflußsphäre nicht überschritten hätten. Auch sei eine Rückwirkung der spanischen Angelegenheiten auf die an der algerischmarokkanischen Grenze an­sässigen Stämme bisher nicht gemeldet worden.

P a r i s, 8. Ott. Aus Tanger wird demMa­lin" gemeldet: Der Sultan stimmte der vorgeschla­genen Anleihe von 150 Millionen unter den Be­dingungen zu, daß das Schaujagebiet, Casablanca und das Beni Snaffen-Gebiet, sowie Udschda so­fort geräumt werde; daß ferner für die Ruhe und Sicherheit im Schaujagebiet und in Casablanca ein ausschließlich marokkanisches Polizeikorps mit einem einzigen französischen Cadre wirken soll.Der Sultan nimmt die durch Vertrag von 1909 vorge­sehene französisch-marokkanische Grenzpolizei an, verlangt aber, daß der Oberkommifsar dieser Truppe, gegenwärttg ist dies General Liauthey in Zukunft kein Franzose, sondern ein Marokka­ner sei. Schließlich fordert Muley Hafid, daß statt der 40 Prozent der Zollüberschüsse, die als Bürgschaft für die neue Anleihe dienen sollen, nur 30 Prozent für diesen Zweck verwendet werden und der Rest von 10 Prozent dem Maghzen zur Verfügung gestellt werden soll.

Deutsches Reich.

Bom Kaiser. Cadinen, 8. Okt. Der Kaf­fer begab sich heute vormittag im Automobil nach Frauenburg, wo er das Kopernikus-Denk- mal besichtigte und dem Bischof Bludau einen Besuch abstattete. Frauenburg, 8. Okt. Nach­dem der Kaiser bei dem Bischof Dr. Bludau das Frühstück eingenommen hatte, an dem auchWeih- bischof Dr. Herrmann teilnahm, kehrte er um 1 Uhr im Automobil nach Cadinen zurück. Um 2 Uhr erfolgte die Abreise nach Marienburg über Elbing. Danzig-Langfubr, 8. Okt. Der Kaiser traf um 6 Uhr 25 Min. von Marienburg hier ein und wurde vom kommandierenden Ge­neral des 17. Armeekorps v. Mackensen emp-

Bebel und Haußmann.

Die Verhandlungen des letzten fozialdemo- knltischen Parteitages zeigten, daß der Revisio­nismus in der Partei eine nicht unbeträchtliche Stärke hat. Darob großer Jubel in den Partei­gruppen, die aus der Sozialdemokratie einmal ein« Arbeiterpartei hervorgehen sehen wollen, dis auf ihre revolutionären Ziele verzichtet, be­sonders auf dem linken Flügel des Freisinns, bei Sozialliberalen, Demokraten und wie sie sich sonst nennen. Bei ihnen ist, das darf man nicht vergessen, vor allem auch der Wunsch der Vater des Gedankens. Eine sozialdemokratische Partei, die dieseMau­serung" durchgemacht hätte, würde dem linken Freisinn, der aus eigener Kraft auch heute kein Mandat crobecr kann, zu manchem Sitz im Parlament verhelfen. Aus dieser Situation heraus und in offenbarer Nachwirkung des so­zialdemokratischen Parteitages hat der demo­kratische Abg. Konrad Haußmann imMärz" einen offenen Brief an Bebel veröffentlicht. Er setzt, darin auseinander, wie die Sozialdemo­kratie an manchen Widersprüchen leide, die der orthodoxe Marxismus Hervorrufe. Schließlich meint erij.

Wenn Einer den Entwicklungsprozeß, der in den Reihen Ihrer Partei eingesetzt hat, fördern kann, so sind Sie es, geehrter Kollege. Die Wellen führen schließlich auch an das Ufer, wenn der rechte Wind weht, aber eine richtige Steuerung kann den Weg gewaltig ver- kürzen. Sie haben Ihre Partei groß machen helfen, Sie vermöchten sie bei der heutigen poli­tischen Wetterlage politisch aktions- fähig zu machen, was sie bisher nicht war. Die Früchte dieser Anstrengungen werden nicht als­bald eintreten, aber sie würden größer sein, als mancher denkt, groß für Ihre Partei darum darf ich diese Gedanken Ihnen unterbreiten, groß aber auch für die Entwicklung der deutschen Verhältnisse, darum ist jeder berechtigt, mit­zureden."

Man kann kaum annehmen, daß der Abg. Haußmann im Ernst von Bebel, der . :ch vor kurzem offen erklärt hat, daß cr der Todfeind der heutigen Staats- und Wirtschaftsordnung sei, verlangt, die Sozialdemokratie auf den heutigen Boden von Staat und Gesellschaft zurückzubrin­gen.,, Die Massen haben, soweit sie sozialdemo­kratisch gesinnt sind, den Glauben gewonnen daß sie, wenn die neue Staats- und Wirtschafts­ordnung auf dem Kollektiveigentum an den Produktionsmitteln aufgebaut würde, jeden Tag rn Herrlichkeit und Freuden leben könnten. Die- ste sich nicht mehr nehmen. I Auch Bebel könnte es nicht. So war der Brief Haußmanns, obwohl er von den verschiedensten Hoffnungen des Freisinns begleitet wurde von vornherein ein Schlag ins Wasser.

Kaum war der Brief veröffentlicht, als auch schon derVorwärts" Herrn Haußmann gründ­lich abführte. Er meinte:

Der Zweck des Briefes ist angeblich, August Bebel für eine praktische Politik im Sinne der bürgerlichen Demokratie zu gewinnen. Die Ab­sicht ist aber offenbar, die revisionistische Rich- I tung in der Sozialdemokratie zu stärken. Die I vorgetragenen Anschauungen sind von einer so I verblüffenden Naivität, wie man I fie selbst b e i Konrad Haußmann! nicht vermutet hat. Es wird die alte Be- I hauptung, die Sozialdemokratie sei der Hemm- I schuh einer Auf- und Vorwätsbewegung der poli- I tischen Verhältnisse in Deutschland, vorgebracht. Neu an der Argumentation Haußmanns ist nur I die Ungeniertheit, mit der die Sünden des bür- I gerlichen Liberalismus der Soziawemokratie I angekreidet werden. Zum Schluß werden die I Revisionisten als kluge Reformer und Politiker I gestreift, die leider durch die Radikalen und den I hundertköpfigen Versammlungsgeist komman- I diert und malträtiert würden. Bebel wird an- I gefleht, für eine andere, richtige Steuerung der | Sozialdemokratie zu sorgen." " I

Das ist deutlich. Aber auch Bebel selbst hat geantwortet. ' In diesem imVorwärts" ver- I öffentlichten Antwortschreiben wird zunächst auseinander gesetzt, daß die alte Fortschritts- I Partei immer mehr nach rechts marschiert sei, I den Gipfel habe sie in ihrer Beteiligung an der I Blockpolitik erklommen. Dann heißt es: I

Wir verschulden genau so viel an der bür- I gerlichen Gesellschaft, als wie das Bürgertum in I seinem Klassenkampf gegen die feudale Gesell- I schäft verschuldete, als es dem Worte des Abbö I Sieyds zujubelte: Was ist der dritte Stand? I Nichts? Was sollte er sein? Alles! Mit der I bürgerlichen Ordnung hat aber der menschliche I Fortschritt nicht der Weisheit letzten Schluß er- I reicht. Hinter dem Bürgertum erschien als neue, I von ihm selbst geschaffene, aber von ihm nieder- I tzehaltene Klasse, die immer gewaltiger wächst I

und ihre Forderungen an die Gesellschaft stellt, die moderne Arbeiterklasse, bereit politischer Re­präsentant die Sozialdemokratie ist.

Die Arbeiterklasse kann auf ihre Klassen- foicherungen ebensowenig verzichten, wie das Bürgertum der feudalen Gesellschaft gegenüber verzichtet hat. Aber ein Unterschied besteht. In­dem die moderne Arbeiterklasse die Ausbeutung I und Unterdrückung des Menschen durch den Men­sche, beseitigen will, um eine Gesellschaft von I Freien und Gleichen zu schaffen, fällt auch jeiie I Klassenherrschaft, die nunmehr keine Existenz- I berechtigung mehr hat. ' I

Das ist der Stand der Dinge zwischen Ihnen j drüben und hüben. I

Aber was wir erstreben, ist nicht von heute I auf morgen durchsetzbar. Wir marschieren in | Etappen. Jeder Fortschritt auf irgend einem I Gebiete führt uns näher ans Ziel. Damit müs- I fen wir den Fortschritt auf allen Gebieten er- I streben wollen. Deshalb werden wir auch jede I ehrlich-liberale Forderung, die die Vertreter I des Bürgertums an den Staat stellen, kräftigst unterstützen. Das haben wir bisher getan und I werden wir ferner tun, und es wild mir und I sicher auch allen meinen Parteigenossen nur an- I genehm fein, wenn wir recht oft in die Lage I kommen, die Forderungen der bürgerlichen I Parteien unterstützen zu können. Auf unsere I weitergehenden Forderungen verzichten wir da- I mit nicht, wir hörten sonst auf zu sein, was wir I sind." Das ist klar und deutlich. I

Dasgroße Kind aus Schwaben", so nannte | derVorwärts" den Abg. Haußmann, hat also I keinen Erfolg gehabt, was den freisinnigen Or- I ganen recht unangenehm ist. DieVoss. Ztg." I wendet sich in längeren Ausführungen gegen I Bebels Antwort und dieFranks. Ztg." klam- I mert sich daran, daß Bebel erklärt, die Sozial- I demokratie sei bereit, jede ehrliche liberale For- I derung an den Staat zu unterstützen. Das ist I nun nichts Neues, bis jetzt hat derentschiedene" I Liberalismus noch stets der Sozialdemokratie I Vorspanndienste geleistet, so hat sich eine Heber- I einstimmung beiehrlich liberalen" Forderun- I

Ärteitung k. d.m°. b-Mb Uch de- K-e-, mU

kratischen Anstrengung, aus der Sozialdemokratie eine eigene Hilfstruppe zu machen, ist, was der P^eubau des Vorwärts" im Anschluß an eine Auslassung der fonißTDtttiüßTt fffireiht Crr I LUs (MlblltCtl öUBQCftdttCt ftTu), All

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hing genommen hatte, ab und bemerkt dazu: ^c^^husarenbrrgc^e, ^wo ^um^7 Uhr

<5o spiegelt sich in diesem konservativen

Blatte das Bild der Sozialdemokratie ... Für bie ® <^9'^1^«-

uns Sozialdemokraten ist das Urteil des den- I ^nnz Fredrich Wilhelm als Vorsitzender kenden Gegners über die Sozialdemiokratie und I Flottenverems. Der schleflche Provmzral- ihre Entwickelungsmöglichkeiten immerhin in- verband des Deutschen Flottenverems hatte be- teressanter als die naive Schwätzerei des demo- schlossen, das Amt des Vorsitzenden, das der zum kratischen Parteiführers, sür den das Gebiet der I Unterstaatssekretär im Finanzministerium er-

I Wirtschafts- und Sozialgeschichte ein unentdecktes I nannte Oberpräsidialrat Dr. Michaelis innehatte, I Land ist." I dem Prinzen Friedrich Wilhelm von Preußen an-

Der ganze Briefwechsel verdient vor allem zutragen. Nach Einholung der erforderlichen Ge- I insofern Beachtung, als er wieder einmal die I nehmigung des Kaisers hat der Prinz, verschie- I ?!rele der bürgerlichen Demokratie zur revisiom- I fcenen Blättern zufolge, die Wahl angenommen.

starkVernunftbeigeschmack" hat insofern, als I »Staatsanzeiger meldet, hat der König von Sach- sie auf sozialdemokratische Wahlunterstützung I fen **ent ®r°fen Zeppelin den Hausorden der abzielt. Roch immer wird, wie man sieht, der Rautenkrone'verliehen.

Linksliberalismus schlecht behandelt von dem I Abgeordneter Irl erklärt imBayrischen roten" Freunde und alles Liebeswerben wird | Kurier" jeden für einen ehrlosen Verleumder, der abgelehnt. Obs was nützen wird? I noch weiterhin die Unwahrheit verbreitet, er habe

»»» 1 ............. ...... I in einer Versammlung zu Erding gesagt:Ich

ITintÄinu I persönlich hätte es lieber gesehen, wenn Bayern

4/Dlin|u)e Unl|tt)UU. I als selbständiger Staat bestehen geblieben wäre,

Generaloberst Frhr. ». d. Goltz. I jetzt lasse sich nichts ueebr ändern."

! Es bestätigt sich, wie diePost" erfährt, daß I Einschränkung der Berufung der Staats- I Generaloberst Frhr. v. d. Glotz Pascha schon I anwaltschaft. Stuttgart, 8. Ott. Zur Eiuschrän- gegen Mitte dieses Monats wieder nach Kon- I kung der Einlegung von Berufungen durch die stantinopel abreisen wird, um sich einem drin- Staatsanwaltschaften sind neue Vorschriften her­zenden Wunsch der Pforte entsprechend weiter I ausgegeben worden. Darin werden die (Staate anwaltschasten angewiesen nur noch dann Be- beabfichtigt, nut seinen^regulären Urlaub in der wenn sich überwiegend sachliche

Türkei zu verbringen. Der besondere Urlaub I ®run^c ^et Beschaffenheit des einzelnen Fal­bes Generalobersten wird ungefähr drei Monate les oder der allgemeinen Bedeiung von Rechts- dauern. Bemerkt sei, daß dabei an einen Rück- fragen ergeben. Die Tatsache, daß der Angeklagte tritt des Generals in türkische Dienste von deut- I seinerseits Berufung eingelegt hat, darf für die scher Seite nicht gedacht wird. Ob diese Frage I Entschließung, ob die Staatsanwaltschaft Beruf­später noch einmal den Wünschen der türkischen I ung einlegen soll, nicht entscheidend sein.

Armee gemäß entschieden werden wird, hängt Die Ausbeute der Deutschen Diamant-Ge- ganz von den Eindrücken des Generals ab, die er segschast im September betrug 11700 Karat gegen T^ttei ^winnen wird und natur- 8000 im Monat August. Die zuletzt von der Dia- an der zunächst noch sehr stark"gezweiftlt "wird.' I Endung von

0 I 60 000 Karat erzielte durchschnittlich einen Erlös

Marokko. I von 33 M für das Karat. Die Prospettiersteine

M e l i l l a, 8. Ott, Die Spanier besetzten die aus dem streittgen Pemonagebiet, deren Erlös Halbinsel Tres Foreas ohne Widerstand und be- I hinterlegt wird, wurden durchschnittliche mit flamten dort mit der Ettchiung eines Leuchtturrnes. 60 Ji pro Karat verkauft. Auch die in der Sen- Paris, 8. Ott. DerPettt Paristen" erllätt I düng befindlichen 6000 Karat der Deutschen Dia-

*P ,ein*r anscheinend offiziösen Note, die franzö- I manten-Gesellschast erheben sich um 40 M für das e Regierung habe keineswegs die Möglichkeit I Karat über dem Durchschnittspreis.

Aktion in der Gegend der algensch-marokka- I Findig! Das Warenhaus Heilbusch ver Nischen Grenze ms Auge gefaßt; sie habe auch lei« öffentlichte in der9t. Hamb. Ztg." folgende An­nen Anlaß gehabt, sich mtt dieser Frage zu be- | kündigung:Vor Inkrafttreten der Parfümerir-

steüer offeneren zu alten Preisen wie folgt: Pgx- fümerien, Mundwasser, Kopf- und Haarwasser, Toilettenseife (zus. 50 Sotten) usw. Die Steuer tritt am 1. Oktober in Kraft." Da darf man Wohl ftagen, wer diese Steuer einkasstett. Der Reichs­tag hat sie jedenfalls nicht beschlossen.

Ausland.

** Au» dem österreichischen Armeeverord« «ungsblatt. Wien, 8. Okt. Wie dasArmee, Verordnungsblatt" meldet, ordnete der Kaiser die Errichtung eines Eeneraltruppeninspektorats mit dem Standorte in Serajewo an. Ferner sollen die bisherigen Militärterritorialbereich« Serajewo und Zara als 15. und 16. Armeekorps zusammengefaßt und als Kriegshafenkommando in Cattaro zu einem Jnfanterietruppen-Divi- stonskommando ausgestaltet werden.

** Aus dem niederösterreichischen Landtage. Wien, 8. Okt. Im niederösterreichischen Land« tage erklärte Statthalter Graf Kielmannsegg sich gegen die Sanktionierung der Lex Axmann. Maßgebend hierfür seien dieselben Erwägungen, die in früheren Jahren bei ähnlichen Entwür­fen den Ausschlag gegeben hätten. Die Besorg­nis des Landtages, es könnten öffentliche Volks­schulen errichtet werden mit nichtdeutscher Un. terrichtssprache, ist nach der Entscheidung des Reichsgerichts bedeutungslos, das feststellte, daß in Niederösterreich kein nichtdeutscher Volks­stamm ansässig sei. Der Landtag beschloß darauf­hin, die Angelegenheit zu weiteren Beratungen der Zwanzigerkommission zu überweisen und nahm einen Dringlichkeitsantrag an, der die deutsche Sprache als Unterrichtssprache an Leh­rer- und Lehrerinnenbildungsanstalten in Nie­derösterreich festlegt.

Marburg und Umgegend.

(Nachdruck aller Original arttkel ist gemäß § 18 de- Urheberrechts nur mit der deutlichen Quellenangabe Oberhefl. Ztg." gestattet.)

Marburg, 9. Ott.

* Marburger Verein sür Luftschiffahrt. Di« wachsende Bedeutung der Luftschiffahrt (Frei­ballon, Lenkballon, Aviatik) und das vermehrte Interesse an ihr hat sich bereits in mehreren größeren Städten durch Gründung von Vereinen für Luftschiffahrt betätigt. Auch bei uns in Marburg ist die Gründung eines solchen Ver­eins geplant, um Gelegenheit zu Fahrten im Freiballon zu sportlichen und wissenschaftlichen Zwecken zu geben. Man erwartet wohl mit Recht, daß sich recht viele Herren auch Damen aus allen Kreisen daran be­teiligen werden. Marburg wird dadurch in der Provinz wieder einmal in einer Sache eine führende Stelle einnehmen. Wir hoffen, daß eine sehr rege Beteiligung an dem Verein es ermöglichen wird, Fahrten mit dem Freiballon öfter zu unternehmen, und daß dei BallonMarburg" bald zum ersten Mal sich in die Lüfte erhebt. Wie aus dem Inseratenteil unseres Blattes hervorgeht, haben eine Anzahl Herren für nächsten Montag Abend, 9 Uhr, zu einer Besprechung über die Gründung des Ver­eins nach den Stadtsälen eingeladen. Da das Thema der Luftschiffahrt für Marburg gerade aktuell ist, möchten wir darauf Hinweisen, daß in der Elwcrtschen Universitätsbuchhandlung eins Photographie unserer Stadt aus der Vogel­perspektive ausgestellt ist, die Herr Privatdozent Dr. Wegener ausgenommen hat, als er mit dem Ballon Marburg überflog.

* Stadttheater. Eesamtspiel Adele Sandrock mit Ensemble Berliner Bühnen -Künstler am Dienstag, den 12. Oktober. Das Interesse, welche sich für das am Dienstag, 12. d., stattfindendeGisconda"-East- spiel der Berliner Künstler, mit AdeleSand» rock in derDuse"-Rolle kundgibt, ist in allen Kreisen unserer Kunstfreunde ein außerordent­lich großes. Diese Gesamt-Gastspiele erfreuen sich aber auch überall der größten Beliebtheit bei Presse und Publikum, denn sie bringen uns die Größen" der Schauspielkunst nicht alsStars", sondern umgeben von gleichartigen Partnern und innerhalb einer einheitlichen und stilgerecht ten Vorstellung. Gerade diese Vorzüge des En­sembles erklären den großen Erfolg der Gesamt- Gastspiele.

)( Vom Biographen. Bei dem herrschenden regnerischen Wetter sind weitere Spaziergänge in die Umgebung kaum zu empfehlen. Um so mehr ist es zu begrüßen, daß der Biograph vor dem Barfüßettor für den morgigen Sonntag und die nächsten Tage wieder mit einem neuen und schön zusammengestellten Programm auswattei, das ge­eignet ist, den Besuchern angenehme Stunden bereiten. >

* Todesfall. Am gestrigen Tage hat ein den weitestem Kreisen unserer Stadl bekanntet Bürger, Herr Rentier H. Jbelshäuser, daS Zett» i liehe gesegnet. - i