Einzelbild herunterladen
 

MchM Jeilmg

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

und den Beilagen:Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) undLandwirtschaftliche Bettage.

M 237

Die »Gberhesftsche Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. Der Bez u g s preis beträgt oiertel- sährlich durch die Post bezogen 2,25 Mk. (ohne Bestellgeld), bei unfern Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21,) 2 Mk.

Marburg

Sonnabend. 9. Oktober 1909.

R1Ä

Die Jnsertionsgebühr beträgt für die 7gespaltene Zeile oder deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, UniversttätSbuchdruckere: Inhaber Dr. T. H iheroth, Marburg, Markt 21. Telephon 55.

44. Jahrg.

Der heutigen Nummer liegt bei Kreisblatt Nr. 78.

Zur Geschichte der liberalen Einigung

Das Auseinandergehen des Blocks bei der Reichsfinanzreform hat die Fusionsbestrebungen der liberalen Parteien wieder auf die Tages­ordnung gebracht. DieEinigung des Libera­lismus" ist das Feldgeschrei geworden, mit dem die liberalen Agitatoren landauf landab zum Kampf gegen die Konservativen auffordern und die politische Macht gewinnen wollen. Der frei­sinnige Einigungsausschutz hat auch bereits meh­rere Sitzungen abgehalten. Zu einer definitiven Einigung und Verschmelzung der drei links­liberalen oderentschieden" liberalen Parteien ist es aber bisher nicht gekommen. Ja, nach der am Sonntag, den 26. September, gefaßten Er­klärung in München ist diese Einigung, wenn überhaupt erreichbar, jedenfalls zurzeit noch nicht angebracht. Offenbar schrecken demnach die freisinnigen Führer die Spuren der früheren liberalen Einigungen. Denn in der Tat ist die Geschichte des Liberalismus eine fortgesetzte Kette der Vereinigungen und der Veruneinig­ungen, und aus jeder neuen Einigung ist auch sofort der Keim zu einer neuen Veruneinigung entstanden.

Bekanntlich sind die heutigen Freisinnigen, die sich in der freisinnigen Volkspartei und frei­sinnigen Vereinigung gesammelt haben, die Epigonen der ehemaligen deutschen Fortschritts­partei, die sich im Jahre 1861 im preußischen Abgeordnetenhaus gründete und bei den De­zemberwahlen 1861 104, bei den Maiwahlen 1862 sogar 141 Mandate zum Abgeordnetenhause errang trotz der Dreiklafsenwahlrechte, das heute, wo die Freisinnigen keine 50 Mandate mehr im Abgeodnetenhause haben, daselendste aller Wahlsysteme" sein soll. Nach dem Krieg von 1866 kam es zur ersten Spaltung. Ein gro­ßer Teil der Fortschrittspartei, u. a. die bekann­ten Abgeordneten v. Forckenbeck, Lasker, Harn- macher, Franz Duncker vereinigten sich mit den Mitgliedern des linken Zentrums und den Alt­liberalen zur nationalliberalen Partei.

Die Abstimmungen über den Zolltarif von 1879, womit damals Fürst Bismarck vom Frei­handel zum Schutzzoll überging und die natio­nale Wirtschaftspolitik begründete, hatte eine Zersplitterung der nationalliberalen Partei zur Folge. Am 30. August 1880 schieden die soge­nannten Sezessionisten unter der Führung der Abgeordneten Rickert, Bamberger und Lasker aus der nationalliberalen Fraktion aus. Diese Sezessionisten vereinigten sich am 5. März 1884 mit den alten Mitgliedern der Fortschrittspartei und nannten sich nun deutsch-freisinnige Partei. Diese Einigung aber brachte es mit sich,, daß die deutsch-freisinnige Partei, die vor den Wahlen 1884 103 Mitglieder zählte, bei den Wahlen auf 67 Mitglieder zurückging. Immerhin blieb man neun Jahre zusammen. Jedoch die Militärvor­lage des Jahres 1893 wurde die Veranlassung <3U, einer neuen Veruneinigung. Diejenigen Mitglieder der deutsch-freisinnigen Partei, welche

41 (Nachdruck verboten.)

Stolz «m Stolz.

Roman aus dem Leben von O. Elster.

< Fortsetzung.)

Du hast recht! Gut, gut, wir wollen das schon machen. Bring' mir nur das Vögelchen mit den gebrochenen Flügeln. Wir wollen mal sehen, ob wir die Flügel nicht wieder heilen können. Heiliger Lukas, wer hätte jemals ge­dacht, daß ich auf meine alten Tage noch eine Erziehungsanstalt für junge Damen einrichten würde! Ich bin ordentlich stolz auf mich selbst! Ich imponiere mir mächtig und das hast Du alles zuwege gebracht, Du Teufelsmädel! Ich wüßte aber auch nicht, was ich nicht alles Dir zu Gefallen tun könnte, mein Eoldkind! Wenn Du befiehlst, werde ich noch Kindermädchen und werfe mich in das Kostüm einer Spreewälderin aber meine Waden müßte ich mir dann etwas ausstopfen . . ."

Lachend umarmte Brunhilde den kleinen her* zensguten Mann und gab ihm einen herzhaften Kuß.

Schmeckst Du prächtig!" schmunzelte Onkel Christoph.Für solchen Lohn verkauft man wahrhaftig seine arme, nichtsnutzige Seele."

Brunhilde brachte nun rasch ihr früheres Zimmer in Ordnung. Frau Bender, die Auf­wartefrau Chrksrophs, wurde benachrichtigt, daß «ine andere Nichte des Malers bei ihm wohnen werde, und wenn Frau Bender über diese neue Nichte auch ein etwas erstauntes Gesicht machte, fo hatte sie doch zu viel Achtung und Vertrauen zu Brunhilde, als daß sie ihr nicht in allen Stücken gern geholfen hätte.

unter der Führung der Abgeordneten Rickert, Schrader, Hähnel und Siemens für den Vermitt- lungsantrag des Zentrumsabgeordneten Frhr. v. Huene gestimmt hatten, mutzten auf Veran­lassung des Abgeordneten Eugen Richter aus­scheiden und gründeten die freisinnige Verei­nigung, während der Rest der deutsch-freisinni­gen Partei sich nunmehr freisinnige Volkspartei nannte.

Nach den Reichstagswahlen von 1903 kommt es zu einer Einigung und Verschmelzung der freisinnigen Vereinigung und eines Teiles der Nationalsozialen unter der Führung Naumanns und v. Eerlachs, während ein anderer Teil der Natianalsozialen sofort zur Sozialdemokratie überging. Nach dem Tode Eugen Richters, am 10. März 1906, wurden dann Fusionsbestrebun­gen zwischen den drei linksliberalen Gruppen angebahnt, und auf einer vertraulichen Be­sprechung am 10. und 11. November 1906 in Frankfurt a. M. ein Zusammengehen für die kommenden Wahlen unter Wahrung der politi­schen Selbständigkeit, eine Verständigung über die Aufstellung von Kandidaturen, ein Ausschuß von Vertrauensmännern und ein gemeinsamer Aufruf beschloffen. Rach den Neuwahlen, die in­folge der Reichstagsauflösung von 1906 erforder­lich wurden, nahmen die Einigungsbestrebungen ihren Fortgang, und vor allem drängten die zum erstenmal gewähltenentschieden liberalen" Abgeordneten auf einen Zusammenschluß in einer gemeinsamen Fraktion. Der Führer der süddeutschen Volkspartei v. Payer schlug die Bil­dung einer gemeinsamen Fraktion vor. Aber dazu kam es nicht! Warum, das hat sehr nett der neue Abgeordnete Dr. Delbrück, Mitglied der Freisinnigen Vereinigung, in einer liberalen Versammlung in Stettin am 24. März 1907 wie folgt erzählt:

Als wir jungen Füchse am 18. Februar in den Reichstag einzogen, kamen wir mit frohen Hoffnungen auf eine rasche Einigung, wußten wir doch, daß wir die große Menge unserer Wäh­ler für uns hatten. Aber als Herr Professor Stengel (der auch neugewählt wurde) und ich mit alten Parlamentariern zusammenkamen und wir unsere Ideen entwickelten, wurden wir recht gleichgültig empfangen, und es bedurfte unserer ganzen Jugendkraft, um es wenigstens soweit zu bringen, wie es gegenwärtig ist. Die alten Parlamentarier wollten nichts.von einer Eini­gung wisien. ... In keiner der drei Gruppen wollten die Führer das Heft aus der Hand geben. Die Selbständigkeit blieb also bestehen. Nur bei Interpellationen, Initiativanträgen, bei Besetzung der Kommissionen und den Wahlen zum Vorstand des Reichstags treten die drei Gruppen als Fraktionsgemeinschaft auf. In ähn­licher Weise haben sich die Freisinnige Volks­partei und die Freisinnige Vereinigung im Preußischen Abgeordnetenhause verbunden.

Die Reichstagswahlen von 1907 verursachten aber wiederum auch eine neue Absplitterung von den freisinnigen Parteien. Die bekannten frei­sinnigen Agitatoren Di. Barth, v. Eerlach und Dr. Breitscheid schieden infolge des Unmutes über die Mitarbeit der freisinnigen Parteien im Block auf der Tagung der freisinnigen Ver­einigung zu Frankfurt a. M. im April 1908 aus der freisinnigen Vereinigung aus und gründe-

Dann fuhr Brunhilde in die Wohnung Wera Komorowskas zurück.

Noch an demselben Abend siedelte Mary nach der Fasanenstraße über.

Die ersten Tage hielt sich Mary schüchtern in ihrem Zimmer und kam nur zu den Mahlzeiten, die der brave Christoph besonders reichlich und schmackhaft zubereiten ließ, in das Atelier. Aber der goldene Humor, die Gutmütigkeit und Herz­lichkeit des kleinen Malers verfehlten nicht ihre Wirkung auf das verbitterte und verschüchterte Gesicht Marys. Sie gewann bald ihre frühere Munterkeit wieder, hielt sich fast den ganzen Tag in ihrem Atelier auf und trieb allerlei Scherze mit Onkel Wackernagel, auf welche dieser nur allzu bereitwillig einging.

Schon nach ganz kurzer Zeit verstanden sich der verunglückte Historienmaler und die verun­glückte dramatische Künstlerin großartig. Mary behauptete daß sie sich noch nie so froh und zu­frieden gefühlt hätte; sie dachte gar nicht daran, ihren Zufluchtsort bei dem wackeren Onkel Christoph, wie sie den Maler jetzt auch nannte, zu verlassen.

Der Dritte in diesem Freundschaftsbunde war der Königliche Hofphotograph Eginhard Dettmer, der die Verehrung, welche er sonst Brunhilde entgegengebracht hatte, auf Mary übertrug, Lei der er allerdings mehr Entgegen­kommen für seine Galanterien fand.

Zuweilen kam auch Wera Komorowska, und dann entwickelte sich in dem Atelier Wacker­nagels ein so lebhaftes und fröhliches Treiben, wie man es sich nur wünschen konnte.

Mary, die mit der Wiederkehr ihrer Gesund­heit und ihrem Frohsinn auch ihre pikante Schönheit »iedererlangt hatte, trieb allerlei

ten die demokratische Vereinigung. Und diese demokratische Vereinigung will auch neuerdings, trotzdem der Block nicht mehr besteht, von einer Wiedervereinigung mit der freisinnigen Partei nichts wißen. Auch die Verschmelzung der drei anderen freisinnigen Parteien ist, wie schon her­vorgehoben, noch in weitem Felde, nur ein ge­meinsames Vorgehen bei den Wahlen und eine Verständigung über die Kandidaten hält man für möglich und zweckmäßig.

Noch größere Schwierigkeiten würden sich er­geben bei einer Vereinigung auch der National- liberalen mit den drei freisinnigen Parteien zu einer großen liberalen Partei. Von den Jung­liberalen wird zwar darauf hingü>rängt, indes bieten ja gerade die letzten Ersatzwahlen zum Reichstag ein deutliches Bild von dieser libera­len Einigung. Im Wahlkreis Koburg stehen sich augenblicklich Nationalliberale und Freisinnige gegenüber und ringen um das Mandat. In Ver- den-Hoya und Stade-Vremervörde stellten die Freisinnigen den Nationalliberalen einen Ge­genkandidaten gegenüber und Verden-Hoya ging dadurch den Nationalliberalen verloren. In Al- zey-Vingen standen sich ebenfalls in der Haupt­wahl Nationalliberale und Freisinnige gegen­über und in der Stichwahl zwischen Zentrum und Freisinnigen forderten die Nationallibera­len zur Wahl des Zentrumskandidaten auf, der auch gewählt wurde.

Die Spanier in Marokko.

Melilla, 7. Okt. Durch Scheinwerfer des Leuchtturmes von Camellos wurden gestern abend im Gebiete der Beni Eikar mehrere Trupps Eingeborenen entdeckt, die sich hinter dem Gestrüpp verborgen hielten. Sobald sie sich bemerkt sahen, eröffneten sie das Feuer gegen die Vorposten von Melilla. Die Spanier erwider­ten das Feuer und ließen eine Kompanie einen Ausfall unternehmen. Das Gefecht währte an­derthalb Stunden. Später fielen nur verein­zelte Schüße.

Paris, 7. Okt. Einer offiziösen Meldung zu­folge empfing Minister Pichon heute nachmittag den spanischen Botschafter, welcher Wert darauf gelegt habe, ihm persönlich die jüngst dem Direk­tor des Ministeriums des Aeüßern, Pabst, ab­gegebenen Erklärungen zu erneuern, daß Spa­nien an feiner ursprünglichen Absicht festhalte, im Rifgebiete nur eine Polizeimatznahme zu be­zwecken und seine Aktion auf die Züchtigung der Stämme der Umgebung Melillas beschränke. Pichon nahm diese Mitteilungen dankend zur Kenntnis.

Paris, 7. Okt. General d'Aamade veröffent­licht imMatin" feine Meinung über den Kampf der Spanier in Marokko. Es heißt da:

Die Lage, die für Frankreich durch das spanische Unternehmen geschaffen wurde, ist äußerst gefährlich und es ist unmöglich, daß sie weiter fortdauett. Unser Einfluß in Algier, ja sogar die Ruhe in dieser Kolonie, find davon abhängig. Die Zukunft Algiers liegt im atlan­tischen Ozean, mit dem es durch einen Landweg verbunden werden mutz. Auf der Landkarte sieht man einen Weg, der von der algerischen Grenze nach Udschda, und von dort über Tazza nach Fez und Rabat sich hinzieht. Dieser gut gebaute

Tollheiten mit Onkel Christoph und dem König­lichen Hoipbotographen; sie drapierte sich mit den bunten Stoffen, die im Atelier Herumlagen, nahm künstlerische Posen ein und deklamierte aus ihren Rollen, zur größten Verwunderung des Königlichen Hofphotogravhen, der darauf schwor, daß Mary würdig sei, die Stelle der ersten Heroine am Königlichen Schauspielhause einzunehmen. Onkel Christoph klimperte zu den Vorträgen Marys auf einer alten Guitarre und Wera sah ernst lächelnd dem tollen Treiben zu, dabei eine Zigarette nach der anderen rauchend.

Zuweilen kam Wera auch mit dem Hofphoto- grapheii in einwißenschaftliches" Gespräch das heißt sie sprachen über allerlei Chemikalien, die der Photograph in seinem Geschäft brauchte, und über Versuche, die er anstellte, um' ein neues photographisches Verfahren noch mehr zu vervollkommnen.

Wißen Sie, Fräulein Wera," sagte er eines Tages,ich habe mir ein kleines chemisches La­boratorium eingerichtet, wie wäre es, wenn Sie sich das einmal ansehen würden? Vielleicht macht es Fräulein Mary Vergnügen, sich mein Atelier und meinen Laden in der Leipzigerstraße anzusehen. Ich habe da die Porträts einiger Mitglieder der Königlichen Familie, die ganz vorzüglich gelungen sind. Auch würde es mir große Freude bereiten, einige Aufnahmen von Fräulein Mary machen zu dürfen. Wollen mir die Damen am nächsten Sonntag, wo mein Atelier für das große Publikum geschloßen ist, die Ehre geben?"

Die beiden Mädchen sagten zu und begaben sich am nächsten Sonntag in das Geschäft des Photographen, der sie in feinem großen, sehr ge-

Weg wird von allen Reisenden als die einzige natürliche Straße durch Marokko bezeichnet, die unter jeder Bedingung sichergestellt werden mutz. Auf dieser Stratze bildet Tazza einen Haupt­punkt. Wenn wir jedoch nicht acht geben so kann Tazza für uns ein zweites Faschoda werden. Tazza aber bedeutet für uns in Marokko genau dasselbe, was Faschoda für uns in Oberägypten war! Wenn unsere Handelsintereßen nicht un­tergraben werden sollen, so darf Tazza den Spaniern niemals in die Hände fallen. Auf die Frage, ob die Spanier wirklich nach Tazza gehen wollen, ist meine Antwort einfach die: Wenn fi« auch jetzt noch nicht nach Tazza gehen wollen, so werden sie später durch militärische und politisch« Notwendigkeiten dazu gezwungen werden. Wol­len die Spanier mit ihrem Expeditionskorps nut die Polizeigewalt ausüben? Ich glaube nicht. Der König hat seine Absicht nicht verborgen ge­halten, in Marokko Ersatz zu suchen für das ver­loren gegangene Kuba. Dazu wird das katho­lische Spanien in seinen Absichten von Rom aus bestärkt. Marokko ist ein spanisch-apostolisches Vikariat für die katholische Propaganda, mit der Rom die Spanier beauftragt hat. Ich fürchte, daß die Spanier zu weit gehen und unsere Ein­flußsphäre verletzen'werden. Wir müßen daher binnen kurzem intervenieren.

Parks, 7. Ott. Der Kriegsminister ersuchte den General d'Amade, der sich gegenwärtig auf Urlaub in Montauban befindet, um Aufschluß über die Erklärungen, die er von demMatin" über die militärischen Operationen der Spanier in Marokko gegeben hat.

Paris, 7. Ökt. Mehrere Blätter erörterten die heute veröffentlichte Erklärung des Generals d'Amade und äußern sich über dieselbe ziemlich abfällig. DerTemps" sagt, man könne diese Erklärungen nur mit Ueberraschung und Be­dauern lesen. General d'Amade habe gezeigt, daß ihm die französisch-spanischrn Marokko-Ab­kommen von 1904 und 1905 vollständig unbe­kannt seien. Spanien habe bisher seine Rechte nicht überschritten. Wenn General d'Amade ver­lange, daß Frankreich möglichst bald intervenie­ren solle, dann müße man frggen: Wo, wie und gegen wen? Gegen Spanien oder gegen Muley Hafid? Soll Frankreich Taza, Fez oder gar Me­lilla besetzen? Die Bevölkerung hätte einen be­stimmten Rat vorgezogen. Unter diesen Umstän­den ist die Einmischung des Generals d'Amade vollständig unnütz und bedauerlich.

Politische Umschau.

Die Finanzlage in Heßen.

Darmstadt, 6. Okt. Zur Finanzlage des Großherzogtums sind derDarmst. Ztg." zufolge in der heutigen Sitzung des Finanzausschußes der zweiten Kammer regierungsseitig folgende Mitteilungen gemacht ^worden: Schon in der Sitzung der zweiten Kammer der Landstände vom 4. Januar a. er. habe der Finanzminister ausgeführt, daß es zur Erhaltung des Gleichge­wichtes der laufenden Einnahmen mit den steigenden laufenden Ausgaben, zur stärkeren Verminderung der Staatsschuld und zur Befrie. digung begründeter Ansprüche aus den Kreisen der Beamten, Lehrer und Hinterbliebenen von solchen auf Verbesserung ihrer Bezüge einer Er-

schmackvoll eingerichteten Laden erwartete. Ei zeigte ihnen feine Bilder und Porträts, di« wirklich vorzüglich waren.

Ich wäre aber nie so weit gekommen," sagt« er ehrlich,wenn nicht Fräulein Brunhilde mit ihrer Kunst mich unterstützt hätte. Ich bin ihr zu großem Dank verpflichtet."

Wir alle sind ihr Dank schuldig," entgeg- nete Mary ernst.

Dann führte Herr Dettmer die jungen Da­men in sein chemisches Laboratorium und sein prächtiges Atelier. Für das erstere interessierte sich Wera sehr, und das Atelier rief Marys Ent­zücken hervor.

Ich muß einige Aufnahmen von Ihnen machen, Fräulein Mary. Bitte, erlauben Sie es mir," bat Herr Dettmer.Ihr reizendes Ge­sicht, Ihre dunklen Augen und Ihr gelocktes Haar eignen sich vorzüglich zur WiÄergabe Halten Sie wirklich mein Gesicht für reizend?" fragte Mary schelmisch und nicht ohne Koketterie.

Der Königliche Hofphotograph legte beteu­ernd die Hand aufs Herz.

Ich habe noch nie ein so reizendes Gesicht gesehen solche entzückenden Augen solch be­zauberndes Lächeln," versicherte er.

Mary errötete.

Sie hatte schon viel Schmeicheleien gehört, sie hatte die Huldigungen weit vornehmerer Herren, als Herr Detttner es war, entgegengenommen, ohne zu erröten, aber diese bewundernden Worte des ehrlichen Photographen trieben ihr das Blut in die Wangen und bereiteten ihr mehr Freude und Genugtuung, als alle Bewun­derung und Verehrung, die man ihr früher er­wiesen hatte. . . (Fortsetzung folgt)