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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain >
und den Beilagen: „Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und „Landwirtschaftliche Verlage."
Die „Gberhesstsche Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post bezogen 2,25 Mk. (ohne Bestellgeld), bei unfern Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21.) 2 Mk.
Marburg
Donnerstag 7. Oktober 1909.
Die Insertionsgebühr beträgt für die 7 gespaltene Zelle oder deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. — Druck und Verlag: Joh. Tug. Koch, UniversitätSbu hdruckerei Inhaber Dr. E. Hitzeroth, Marburg, Markt 21. — Telephon 55. H—E3——JJ—— ■■ I» I II ■■■ll
44. Jahrg.
Bestellungen
auf das vierte Quartal 1909 auf die „Oberhessische Zeitung" nebst ihren Beilagen werden von unserer Expedition (Markt 21), unseren Ausgabestellen in Kirchhain, Neustadt und Wetter, sowie von allen Postanstatten und Landbriesträgern entgegengenommen.
Hauptergebnisse der gewerblichen Betriebszählung vom 12. Juni 1907 für die Grossstädte des Deutschen Reichs.
Das Heft 1 des Bandes 217 der Statistik des Deutschen Reichs enthält die grundlegenden Ergebnisse der gewerblichen Betriebszählung für die 42 Grossstädte des Deutschen Reichs.
Dieses Heft bildet eine Fortsetzung der schon vorher veröffentlichten ersten Hefte der Bände 213 und 215, die diese Ergebnisse für das gesamte Reich und für . die Bundesstaaten enthalten. Die Betriebe sind in Haupt- und Nebenbetriebe geschieden, und die Gewerbe sind nach Abteilungen, Gruppen, Klassen und Arten geordnet. Die Hauptbetriebe sind ferner in acht Grössenklassen nach der Zahl der in ihnen beschäftigten Personen eingeteilt.
In den 42 Grossstädten wurden im Jahre 1907 891010 Betriebe ermittelt. In ihnen waren 4 317 467 Personen beschäftigt, während im Jahre 1895 in 28 Grossstädten 621837 Betriebe mit 2 308 385 Personen gezählt wurden. Die Zahl der Hauptbetriebe betrug in den 42 Grossstädten zusammen 835 998, von denen 5542 auf die Eewerbeabteilung Gärtnerei, Tierzucht und Fischerei, 438 723 auf Industrie einschliesslich Bergbau und Baugewerbe, 379 932 auf Handel und Verkehr einschliesslich Gast- und Schankwirtschaft und 11 801 auf Musik, Theater und Schaustellungsgewerbe entfielen.
Auf die Kleinbetriebe mit weniger als 6 Personen, Mittelbetriebe mit 6 bis 50 Personen und Grossbetriebe mit mehr als 50 Personen »erteilen sich die Zahlen in folgender Werse:
Im übrigen Deuffchen Reiche ergeben sich folgende Zahlen für die Klein-, Mittel- und Großbetriebe:
Gewerbe Abteilung
Klein- । Mit el- betr ebe | betrieb:
in den 42 Großstäd Deutschen Reichs
1 ®r 6« । betriebe ten de»
Gättnerei. Tierzucht und Fischerei......
Industrie, einschl. Bergbau und Bauaewerbe . .
693
4782
70
57257
373276
8190
Handel und Verkehr einschl. Schank- und Gastwirt- schott......
37030
340764
2188
Musik. Theater und Schau» stellunna ......
778
10927
96
Gewerbeabteilung
Kleinbetriebe
Im auSschlie
i Mittelbetrieb
Deutschen Re zlich her Gxo
Großbetriebe rt) zftädte____
Gärtnerei, Tierzucht und Fischerei......
3280
44413
76
Industrie, einschl. Bergbau und Bauaewerbe . .
129817
149698
20843
Handel und Berkehr einschl. Schank- und Gastwirtschaft .......
39356
863973
690
Musik, Theater und Schaustellung -.....
1934
11009
19
39 (Nachdruck verboten.)
Stolz um Stolz.
Roman aus dem Leben von O. Elster.
(Fortsetzung.)
Die Fahrt ging nach dem Norden Berlins, wo die Russin im dritten Stock eines großen, übervölkerten Mietshauses ein kleines Stübchen bewohnte. Brunhilds war noch nie in dieser Gegend gewesen, und wenn sie auch an einfache Verhältnisse gewöhnt war, so schauderte sie doch vor der Armut und dem Elend zurück, das ihr hier auf Schritt und Tritt entgegentrat.
Auf dunklen, schmutzigen Treppen sttegen die beiden Mädchen zu Weras Wohnung empor.
„Warum wohnen Sie nicht freier, Fräulein Komorowska?" fragte Vrunhilde.
Ich muß mich einschränken," antwortete die Russin ernst. „In dem schönen Westen und selbst im Süden der Stadt sind die Zimmer für mich zu teuer. Außerdem wohnen hier mehrere meiner Landsleute. Wir helfen uns gegenseitig. Doch wir sind zur Stells."
Sie zog die Klingel an einer Korridortür. Eine alte Frau öffnete und starrte erstaunt die Erscheinung Brunhildens an, die rn ihrer vornehmen Eleganz allerdings einen grossen Gegensatz zu der ärmlich gekleideten Studentin bildete.
Wera kümmerte sich jedoch nicht weiter um die alte Frau, sondern führte Brunhilde über den dunklen Korridor in ihre Stube, die nach der Straßenseite hinaus lag und einen ffouno- licheren Eindruck machte, als Brunhilde erwartet
Politische Umschau.
Die Spanier in Marokko.
Paris, 5. Ott. Die „Liberte" behauptet in einer aus Madrid datierten Meldung, daß die spanische Regierung eine Note verbreite, durch welche sie die Mächte verständige, dass die Umstände sie zwingen, ihre Aktion im Riffgebiet zu „erweitern". — Angesichts der von der Presse verbreiteten Gerüchte über weitausgreifende Pläne Spaniens in Marokko erklärte der hiesige spanische Botschafter einem Redakteur des „Temps" u. a. folgendes: Er habe dem Direktor der politischen Angelegenheiten im Ministerium des Aeußern ,Pabst, erst gestern neuerdings die Versicherung gegeben, dass die Absichten Spaniens dieselben geblieben seien und sich darauf beschränken, die Umgebung von Melilla zu pa- zifizieren. Die nach dem Riffgebiet entsandten neuen Verstärkungen seien notwendig gewesen, weil der Schutz der errungenen Positionen, der Verbindungen und der Operationsbasis. mehr als die Hälfte des Mannschaftsbestandes in Anspruch nehmen. Die Gerüchte, Spanien wolle nach Taza marschieren und Tetuan und Larasch besetzen, seien widersinnig. Ebenso falsch sei die Behauptung, daß Spanien dem Sultan Muley Hafid den Krieg erklären wolle. Man schreibe Muley Hafid allerdings seltsame Pläne zu. Es heißt, daß er die Stämme gegen uns aufreizen werde. Wenn wir angegriffen werden sollten, würden wir uns verteidigen. An eine Kriegserklärung denken wir gar nicht." z
Der Freisinn, Mittelstand und Millionäre.
Ein Kandidatenkrieg int 7. Berliner Landtagswahlkreis hat einen interessanten Kampf zwischen der „Freisinnigen Zeitung" und den „Deuffchen Nachrichten", dem Organ der Beamten, hervorgerufen.
Der freisinnigen Parteileitung roitb von den „Deutschen Nachrichten" vorgeworfen, daß sie nicht genug Beamte in die Parlamente bringe. Die freisinnige Parteileitung sucht, wie die „D. Tgsztg." schreibt, diesen Vorwurf damit zu entkräften, dass sie auf die sechs Beamte hinweist, die in der Frattion der Freisinnigen Volkspartei des Abgeordnetenhauses sitzen. Diesen Hinweis wollen die „Deutschen Nachrichten" nicht gelten lassen. Sie führen demgegenüber aus, daß diese sechs Beamten, nämlich ein Rektor, ein Oberbürgermeister, ein Gymnasialprofessor, ein Stadtrat, ein Erziehungs- und Ortsschulinspektor und ein Amtsgerichtsrat nicht Leute aus dem Volke feien; die angeführten Beamten würden sich gewiß dafür bedanken, zum !gewöhnlichen Volke gerechnet zu werden. Diesen pärlichen Vertretern der höheren Beamtenschaft stünden aber folgende weitere Vertreter aus dem „Volke" gegenüber; ein Geheimer Kommerzienrat, zwei gewöhnliche Kommerzienräte, ein Handelskammer- Präsident, vier Fabrikbesitzer, zwei Kaufleute, von denen einer noch Stadtrat ist, und teils fünf Geheime, teils gewöhnliche Justizräte. In der Frattion säßen überhaupt nur sechs Mitglieder, die man vielleicht dem besseren Mittelstände zurechnen könne. Es liegt eine derartige Selbstironie in der Bezeichnung „Volks"partei, daß die freisinnige Partei bei ihrer heutigen Zusammensetzung besser daran tun würde, diese Bezeichnung aufzugeben. Schließlich spielen aber die „Deutschen Nachrichten" ihren stärksten Trumpf aus, indem
hatte. Freilich, dem Zimmer eines jungen Mädchens sah die Stube nicht im geringsten ähnlich. Ueberall lagen Bücher umher, einige chemische Präparate und Instrumente standen auf einem Wandbrett, das die eine Seite des Zimmers einnahm. Die ordnende, säubernde Hand fehlte hier.
Als die beiden Mädchen eintraten, richtete sich rasch eine schmale Frauengestalt von dem schmalen Bette empor, auf dem sie gelegen.
„Hier bringe ich Dir Deine Kusine," sagte Wera.
Doch die Unglückliche mußte Brunhilde schon erkannt haben. Sie stieß einen Schrei aus, schlug die Hände vor das Gesicht und begann bitterlich zu meinen.
Brunhilde erkannte Mary und erschrak heftig. Denn aus dem frischen, lebhaften, jungen Mädchen mit dem pikanten Gesicht uni) den vor Lebenslust sprühenden, dunklen Augen war ein abgezehrtes, anscheinend durch Krankheit und Entbehrungen erschöpftes Wesen geworden, niedergedrückt durch die Reue und Scham über ein verlorenes Leben.
Brunhilde setzte sich neben die Weinende nieder und legte zärtlich den Arm um sie.
„Meine arme Mary," flüsterte sie voller Mitleid. „Wie ist das alles nur gekommen? Warum hast Du Dich nicht früher an mich gewandt?"
Marys Haupt sank auf die Schulter Brunhildens, sie weinte noch heftiger.
„Weine Dich aus, Mary," sprach Brunhilde
sie sagen, in den beiden Frattionen der freisinnigen Volkspartei des Abgeordnetenhauses und des Reichstages seien mehr Millionäre als in den anderen Parteien.
Kommentar überflüssig!
Deutsches Reich.
— Der Kaiser in Königsberg und Eadinen. Königsberg, 5. Ott. Der Kaiser ist mit dem Fürsten zu Dohna und den Herren des Gefolges um 12 Uhr 38 Min. hier eingetroffen und auf dem Bahnhofe vom Oberpräsidenten von Wind- heim empfangen worden . Vom Bahnhofe begab sich der Kaiser nach der Kaserne des Erenadier- regimnts Nr. 30, wo er int Offizierskasino das Frühstück einnahm. Um 3y4 Uhr erfolgte die Abreise nach Eadinen. — Eadinen, 5. Okt. Der Kaiesr traf um 5 Uhr 10 Min. hier ein und begab sich nach dem Schlosse. — Der Kaiser hörte auf der Fahrt von Eroß-Rominten nach Königsberg den Vortrag des Chefs der Militär-Kabinetts, Freiherrn von Lynker.
— Prinz Heinrich in Friedrichshafen. Friedrichshafen, 5. Okt. Prinz Heinrich von Preußen hatte heute zwei Konferenzen mit dem Grafen Zeppelin und dem Geheimen Ober-Regierungsrat Lewald, dem Kapitän zur See Mischte und Professor Dr. Hergesell. — Um 1 Uhr fand zu Ehren des Prinzen Heinrich von Preußen im Schlosse Hoftafel statt.
— Einweihung des neuen Holzhafens in Thorn. Thorn, 5. Okt. Heute vormittag fand die feierliche Einweihung des neuen Holzhafens statt. Anwesend waren der Minister der Oes- fentlichen Arbeiten von Breitenbach, sowie die Spitzen der Behörden. Oberbürgermeister Dr. Kresten hielt eine Ansprache, auf die Minister von Breitenbach erwiderte, indem er den städtischen Behörden sowie sämtlichen an dem Bau beteiligten Personen den Dank aussprach. Dann übergab der Minister den Hafen dem Verkehr. Mit einem Festessen schloß die Feier.
— Landtagswahlen im Herzogtume Meiningen. Berlin, 5. Okt. Wie der „Vorwärts" berichtet, haben die Sozialdemokraten bei den gestrigen Landtagswahlen im Herzogtume Meiningen einen Erfolg zu verzeichnen gehabt. Sie behaupteten sieben Mandate und gewannen zwei, bisher freisinnig vertretene Kreise. Im ganzen zählt der Meininger Landtag 24 Abgeordnete, von denen 16 durch allgemeine Wahlen, 4 von den Großgrundbesitzern und 4 von den Höchstbesteuerten zu wählen find.
— Sitzung der Baumwollindustriellen. Frankfurt a. M., 5. Oki. In der gemeinschaftlichen Sitzung der Baumwoll-Industriellen, in der Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Italien, Oesterreich, Portugal, Belgien und Holland vertreten waren, während Rußland, Spanien und Japan entschuldigt fehlten, wurde nach längeren Beratungen eine Resolution angenommen, in welcher die Kommission des Internationalen Verbandes der Baumwoll-Industriellen ihrer Freude darüber Ausdruck verleiht, daß in den Großbetrieben Amerikas eine Einschränkung der Arbeitszeit und der Produktion stattgefunden habe und weitere Einschränkungen bevor- ständen; damit würde der Krise in der Baumwollspinnerei ein Ende bereitet.
— Kongreß für innere Mission. Stuttgart, 5. Okt. Der 35. Kongreß für innere Mission hielt heute vormittag seine erste Hauptversamm-
tröstend. „Und dann erzähle mir — oder nein, erzähle mir nichts, was Dir weh tun könnte. Wir wollen nur überlegen, wie ich Dir helfen kann. Ehe Du Deinen Vater wiedersiehst, mußt Du Dich ganz erholt haben."
„Nein, nein! Ich kann, ich will meinen Vater nicht wiedersehen!" schluchzte die Unglückliche. „Ich habe zu schlecht an ihm gehandelt! Ich habe ihn in seiner Not, in seiner Krankheit verlassen — ich wollte die Armut nicht länger mit ihm teilen — ich wollte glänzen, berühmt werden! Und nun? Was ist nun aus mir geworden? Eine Verlorene . . ."
„Sprich nicht so, es kann noch alles gut werden. Komm, steh auf. Du musst Dich beruhigen, Dich aufraffen, Mary. Durch Weinen und Jammern macht man nichts gut."
„Das habe ich ihr auch schon gesagt," warf die Russin ruhig und ernst ein. „Aber sie wollte nicht auf mich hören."
Da sprang Mary rasch auf.
„Ihr habt recht," rief sie und ein Funken ihrer alten Lebhaftigkeit blitzte in ihren dunklen, tief in den Höhlen liegenden Augen auf. „Ich will nicht ganz untergehen! Ich will nicht! Helft Ihr mir nur — stützt mich — habt Mitleid mit mir und — verachtet mich nicht."
Wieder begann sie bitterlich zu meinen.
Die Russin zog die Achseln.
„Ich verachte niemanden," sagte sie. „Denn ich kenne das Leben."
Brunhilde nahm Mary in die Arme und beruhigte sie mit tröstenden Worten. Nach
lung ab. Huldigungstelegramme wurden et den Kaiser, die Kaiserin, den König und bi' Königin von Württemberg gesandt. Vertrete» waren das württembergische Staatsministerium, die preußischen Ministerien des Kultus und des Innern. Den ersten Vortrag des Kongresses hielt Professor Dr. Wurst aus Tübingen über das Thema: „Wie bewahrt die jüngere Generation ihre Eigenart bei den wechselnden und wachsenden Aufgaben."
— Staatssekretär Dernburg in Amerika. Newyork, 5. Okt. Hervorragende Mitglieder der Baumwoll-Börse veranstalteten zu Ehren de» Staatssekretärs des deutschen Kolonialamts, Dernburg, ein Frühstück, an dem auch der Generalkonsul Franksen teilnahm. Später ist Dernburg zur Rücksprache mit den Landwirtschaftsbehörden nach Washington abgereist.
— Aus dem Reichs-Stempelgesetz vom 15. Juli 1909 (R. E. Bl. S. 833). Nach § 84 der Gesetztes sind von der Entrichtung der Reiche stempelabgaben nur befreit der Landesfürst uni- die Landesfürstin. Der Preußische Staat hw daher auch den Reichs-Auflassungsstempel (yä Proz.) — Tarifnummer lld — und auch den Zu- schlag (§ 90 Abs. 4 des Gesetzes) zu entrichten, da das Reichsstempelgesetz eine dem § 4e des Pr. St. St. Ges. entsprechende Befreiungsvorschrist nicht enthält. Dementsprechend besteht auch keine Befreiung für Werte, die 150 M nicht übersteigen, wie dies bei dem Pr. St. St. Ges. der Fall ist.. . z Z.
— Deutsche Arbeitergroschen für Schweden. Die Höhe der Unterstützungen, welche die beut» schen Sozialdemokraten den schwedischen Ausständigen übermittelten, betrug bis zum 25. September laut Quittung des Kassierers der Eeneral- kommission 1027751,16 M. (!!!)
Ausland.
Die Fahne der 131er! Paris, 5. Ott. Dem „Petit Parisien" zufolge hat Oberst Rauch, der Kommandeur des 131. Jnfanterie-Reg'men- tes, in dessen Obhut die verunglimpfte Fahne des 334. Reserve-Regiments befand, sein Entlassungsgesuch eingereicht, doch wurde ihm von seiner vorgesetzten Militärbehörde bedeutet, bi» auf weiteres auf seinem Posten zu verbleiben.
** Internationale Automobil-Konferenz. Paris, 5. Okt. Heute nachmittag wurde unter Beteiligung von 63 Abgeordneten vieler Staaten die Konferenz zur Regelung des internatio* nalen Automobilverkehrs eröffent. Bei bet Konferenz fungiert als erster Vertreter Deutschlands Boffchaftsrat v. d. Lancken.
** Der heilige Krieg gegen die Spanier. Udschda, 4. Ott. Die Stämme in der Umgebung von Seluan und Lulua lassen ihre Familien und Viehherden tiefer nach dem Süden gehen, während die Krieger Zurückbleiben. Es liegt eint von Eingeborenen stammende Nachricht vor, nach welcher überall der heilige Krieg gegen die Spanier gepredigt wird. Der Kaid Mtalst, der die Seele der ganzen Bewegung ist, erklärt, daß drei wichtige Stämme, nämlich die Beni Vra- nes, die Beni Tufil und die Beni Umgel mit bedeutenden Verstärkungen zur Harka stoßen werden.
“ Türkei. Konstantinopel, 5. Ott. Gestern ist ein Transportschiff mit Truppen, einer Gebirgsbatterie und einer Maschinengewehrabtei- lung sowie Lebensmitteln und Munition an Bord, nach fernen abgegangen.
einiger Zeit legte sich Marys Erregung etwas. Dankbar lächelnd blickte sie zu Vrunhilde auf.
„Wie geht es meinem Vater?" fragte sie leise. „Erzähle mir von ihm."
Sie setzte sich aus das kleine, harte Sofa. Brunhilde hielt Marys Hände fest und erzählte von dem ruhigen, zufriedenen Leben, das Mary» Vater jefct führte.
17.
Es war die alte Geschichte? Mary war den eigenen leidenschaftlichen Gefühlen, dem eigenen Leichtsinn, dem Vertrauen in die schmeichll rischen Worte eines Mannes erlegen und, roie fo manche vor ihr,,getäuscht worden. Aus wessen Seite die größere Schuld lag, — ob auf ihrer Seite, die den Einflüsterungen, den Schmeichel - Worten des Mannes ein nur zu williges Oh» geliehen, oder auf der Seite des leichtlebigen Husarenoffiziers, der, an keine ernste Verbindung denkend, die Blume gepflückt, die sich ihm zugeneigt — wer wollte das entscheiden?
Die Schuld traf beide. Und wenn Herr von Grimberg geglaubt hatte, seine Schuld durch ein Geldopfer gut zu machen, so besaß Mary doch noch so viel moralische Kraft, diese angebliche Sühne seiner Schuld voll Stolz zurückzuweisen und lieber in das Elend zu gehen, als fein« Hilfe anzunehmen, nachdem feine Liebe zu ihr erstorben war.
Eine zeitlang verdiente sie sich bei kleine» «mherziehenden Theatergesellschaften ihren kümmerlichen Lebensunterhalt. Aber jetzt war sie feit Wochen ohne Engagement; die Verzweiflung