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ti. Jahr»
Zweites Blatt
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-Nachdruck verboten.)
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Nutzung von geschützten Warenzeichen «sw tt verboten und verpflichtet zum Schadenersatz.
) ( Strafkammer. In Berichtigung «nserS Strafkammernotiz in No. 226 teilen wir aq Wunsch mit, daß der Angeklagte Arbeiter Heil, rich Scholl wegen Beleidigung eines Wachtmel sters, nicht zu 2 Monaten, sondern zu 2 Woche, Gefängnis verurteilt wurde.
Die Jnsertionsgebübr beträgt für bie 7gespalten: Zeile -der deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. — Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, Universttätsbu chdruckerei Inhaber Dr. T. Hitzeroth, Marburg, Markt 21. — Telephon 55
anders — die höhere Pflicht der Nächstenliebe geht vor. Und dann, Onkel Christoph, ich komme jeben Tag hierher, um nach dem Rechten zu sehen. Frau Bender, die unsere kleine Wirt- schäft besorgt, ist eine brave Frau; sie wird während meiner Abwesenheit unsere Wohnung schon in Ordnung halten. Es ist ja nur für einige Monate, Onkel. Wenn Walter Hildebrandt zurückkehrt, dann bin ich bei dem "Onkel nicht mehr nötig."
„Dann wirst Du erst recht nicht zu mir zurückkehren."
Brunhilde errötete.
„Doch, Onkel Christoph, ich verspreche es Dir. Ich fühle mich jetzt verpflichtet, Onkel fnt- debrandt zu helfen, er hat ja auch mir geholfen, als ich von aller Welt verlasten war."
„Hab' ich Dich etwa auch verlassen?" brummte Christoph.
„Nein, Onkel, — aber mit uns beiden ist das ganz etwas anderes. Wir gehören zusammen und helfen uns gegenseitig, wo wir nur können. Ich habe Dich von Herzen lieb und bin Dir sehr, sehr dankbar — ich bin wie Deine Tochter, nicht wahr, Onkel Christoph? Aber Du hast mich letzt nicht so nötig,, wie Onkel Hildebrandt. Du selbst hast ihn ja in seinem bemitleidenswerten Zustande sehr bedauert. Und wir trennen uns j« auch nicht, Onkel Christoph. Ich komme jeden Tag auf ein Stündchen zu Dir, u;j> am Abend kommst Du zu uns. Dann plaudern wir zusammen oder spielen mit Onkel Hildebrandt eine
Skat. Du sollst sehen, wie gemütlich das wird!"
»Ja, ja. Aber wo bleibt Deine Kunst?" > ric gebe ich natürlich nicht auf. Ich muh 1° ’^sbrenen. Ich habe mir schon ein Zimmer .« Onkel Hildebrandts Wohnung ausgesucht. das mir als Atelier dienen soll. Ich weü>e
* Vorsicht. Die Zeit des Pflaumenkochens mahnt zur Achtsamkeit, damit dem wohlschmeckenden Stoff aus einem nicht gut gesäuberten Kessel keine schädlichen Substanzen beigemischt werden. Verschiedentlich werden Todesfälle und schwere Erkrankungen nach dem Genuss von „giftigem" Mus gemeldet.
) ( Die Kartoffelkäufer. Um sich in den Besitz der erforderlichen Winterkartoffeln zu setzen, schlossen in letzter Woche zwei hiesige Einwohner mit einem Landwirt eines Nachbardorfes einen Handel ab. Der Einwand des letzteren, dass er jetzt keine Zeit habe, die Kartoffeln zu bringen, kam den beiden Freunden wohl gelegen. Sie versicherten, dass das nicht schlimm fei; sie verständen ganz gut mit Fuhrwerk umzugehen, und deshalb würden sie sich einen Wagen leihen und die Kartoffeln abholen. Im stillen freuten sie sich vielleicht auf das gute Bauernfrühstück, das es bei dieser Gelegenheit setzen würde. Auch der Landwirt war damit zufrieden und harrte nun der Dinge, die da kommen sollten. Ein paar Tage später gabs in dem betreffenden Dorfe eine grosse Aufregung. Durch die Ortsstrassen kam nämlich ein Fuhrwerk, über welches die beiden Insassen jede Herrschaft verloren hatten. Das Pferd raste durch verschiedene Seitenstrassen und stürmte bald von dieser, bald von jener Seite durch den Ort. Wer auf der Strasse war, ging flüchtig, big es schliesslich einigen beherzten Leuten gelang, das Gefährt zum Stehen zu bringen. Es stellte sich heraus, dass die beiden Insassen, welche mit schreckensbleichen Gesichtern den Wagen verliessen, die beiden Kartoffelkäufer waren. Sie gaben sich damit zufrieden, dass sie keinen Schaden angerichtet hatten. Ja, auch das Fahren muß gelernt sein.
* Unlauterer Wettbewerb. Das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb tritt am 1. Oktober in Kraft. Bei dem allgemeinen Interesse, das die neuen Vorschriften für die breite Oesfentlich- keit haben, geben wir eine Uebersicht der hauptsächlichen Bestimmungen des Gesetzes. Wer zu Zwecken des Wettbewerbs im geschäftlichen Verkehr Handlungen vornimmt, die gegen die guten Sitten verstoßen, kann zur Unterlassung und Schadenersatz in Anspruch genommen werden. Das gleiche gilt für falsche Angaben in Bekanntmachungen über Beschaffenheit, Ursprung, Herstellungsart, Preisbemessung und Menge der Waren und über den Zweck von Verkäufen. Der Verkauf von Waren aus Konkursmassen ist weiter gestattet, doch muß der Polizei ein Verzeichnis der Waren vorgelegt werden. Die Zahl der Saison- und Jnventurverkäufe soll vermindert werden und nur zugelassen werden, wenn die Umstände es erheischen: die dabei gemachten Angaben müssen der Wahrheit entsprechen. Uebertretungen werden bestraft. Im zweiten Teil des Gesetzes wird verboten, über die Personen, Waren und Leistungen von Konkurrenten unwahre Angaben zu machen; unter Strafe gestellt ist das Schmierqelderwesen und Anstiftung zum Verrat von Geschäftsgeheimnissen seitens Angestellter, sowie der Verrat von Bernfgeheimnissen. Die Benutzung von Ke- schäftsnamen zu Täuschungszwecken, die Be
kungen zu befürchten haben. Vereinzelt wird sogar versichert, daß die Frage, ob die Steuer Konsumeinschränkungen Hervorrufen wird, frühestens in einem halben Jahre spruchreif werden kann, weil di« bei Händlern und Publikum aufgespeicherten und noch vor dem 15 August aus zum alten Satze verzollten Tabak hergestellten Vorräte so lange den wirklichen Bedarf in alter Höhe decken dürften. Wo sonach jetzt Verkürzungen der Arbeitszeit und zeitweises Aussetzen bei Arbeit angekündigt werden, geschieht es keinesfalls wegen eines etwa irgendwo zu beobachtenden Konsumrückganges. Lediglich sind es die außergewöhnlichen Produktionsund Absatzverhältnisse vor dem 15. August, welche die vorübergehenden Stockungen der gemeldeten Art herbeiführten und naturgemäß auch herbeiführen mußten.
Marburg
Dienstag. 5. Oktober 1909.
mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: „Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und „Landwirtschaftliche Benage.
Marburg und Umgegend.
(Nachdruck aller Originalartikel ist gemäß § 18 des Urheberrechts nur mit der deuilicksn Ouellenangabe .Oberheff. Zig." gestattet.)
Marburg, 4. Oft.
* Ein neuer Titel. Die Zahl der preußischen Beamtentitel ist um einen neuen vermehrt worden. Wie der „Reichsanzeiger" mitteilt, hat der Kaiser in einem aus Jagdhaus Rominten datierten Schreiben an den Reichskanzler geneh- migt, daß den Eisenbahnsekretären bet Reichs- eisenbahnverwaltung bei Titel „Eisenbahnobet- sekietäi" verliehen werben darf. Der Reichskanzler wird ermächtigt, bie Voraussetzungen für bie Verleihung bes Titels zu bestimmen.
Vermischtes.
Ein neuer Frauenberuf. In Leipzig hat fist ein junges Mädchen dem selbstgewählten Beruft einer Märchenerzählerin gewidmet und dabr! ein äusserst dankbares und einträgliches Arbeit» feld geschaffen. Sie besucht eine ganze Reih von Familien, je nach Wunsch ein- bis zweima! wöchentlich, und erzählt den Knidern des Han fes, die sich regelmässig noch gute Kamerader einladen, allerhand ausgewählte Märchen mir erziehlicher Grundlage. Die Kinder vermögsk die Zeit kaum zu erwarten, bis „Fräulein* wiederkommt, und wissen genau, dass dies g» schicht, wenn sie artig bleiben. Den Mütter» wird hierdurch eine treffliche Erziehungshiilst geboten und viel Arbeit abgenommen. Dik Stunde bekommt die junge Dame mit 1—2 honoriert.
Ein Rekontre bes Regiernngsreferendar» v. Bismarck. Der „B Z." wird geschrieben: Di« nachstehende, authentische lustige Bismarck» Anekdote, von der ich an Ort und Stelle zu- fällig Kenntnis erhalten habe, dürfte weiteres Kreisen wohl völlig unbekannt sein: Kurze Zech nach dem Regierungsantritt Friedrich Wilhelms
Politische Umschau.
Briefwechsel von deutschen Mädchen mit Reger». Eine Warnung für Eltern und Erzieher.
Berlin, 2. Okt. Daß Neger unserer Kolonien in Briefwechsel mit deutschen Mädchen stehen, hat, wie die „Nordd. Allg. Ztg." mitteilt, zu amtlichen Ermittlungen geführt, die ergeben haben, daßssich in der Mehrzahl der Fälle außer Schülern, jüngeren Angestellten und Studenten auch Mädchen verschiedenen Alters an Eingeborene der Schuhgcbiete gewandt und sie zum Briefwechsel aufgefordert haben. Bei diesen jungen Mädchen scheine vielfach die Freude an einem riefwechsel mit einem Neger und Romantik der Beweggrund zu fein. Bedauerlicher Weise sei aber aus den Inhalten der von den Schwarzen, meist Jungen von 17—20 Jahren, harmlos vorgelegten Briefen zu ersehen, daß einige Briefschreiberinnen bei der Abfassung der Briefe in bedenklicher Weise das Bewußt- sem der eigenen Stellung verloren haben. Ueber- sendung von Photographien der Briefschreiberinnen sei nichts außergewöhnliches. Jedenfalls hätten die Spenderinnen nicht bedacht, daß ihre Photographien von den Negern in ihren Wohnungen neben allerlei anderen Bildern aufgehängt IDerben, daß es auf den weißen Beschauer einen befremdenden Eindruck macht, wenn et die Photographie von offenbar besseren Ständen angehörenden deutschen Mädchen im trau« l'chen Verein mit dem Bilde einer schwarzen Schönheit unbekannter Herkunft findet. Die „Nordd. Allg. Ztg." richtet daher an alle dazu Berufenen die Mahnung, den jungen Mädchen in der Heimat immer wieder zum Bewußtsein zu bringen, wieviel sie sich mit solchem Briefwechsel vergäben, wie sehr sie durch ihn der Kolonialverwaltung die Äufgabe der Erziehung der Eingeborenen erschwerten.
Mau vcraeffe nicht so schnell als möglich noch auf die Lbrrhrssisch» Sntung zu abonnieren.
Bestellungen fürdasvierte Quartal 1909 werden von unserer Expedition (Markt 21), unseren Ausgabestellen in Kirchhain, Neustadt und Wetter sowie von allen Postanstalten und Landbriefträgern entgegengenommen.
fleißig sein, denn ich will Onkel Hildebrandt nicht zur Last fallen."
Nach einigem weiteren Hin- und Herreden mußte sich Onkel Christoph fügen . Er schalt zwar brummend und knurrend über die Undankbarkeit der Welt im allgemeinen und bie der Frauen int besonderen, aber int Grunde seines guten Herzens sah er ein, daß Brunhilde recht handelte, und er bewunderte sie nur umsomehr wegen ihrer opferwilligen Handlungsweise.
So siedelte denn Brunhilde nach einigen Tagen — sehr zum Mißvergnügen der Frau Ritter — aber zur innigsten Freude Hildebrandts — zu diesem über, und jetzt begann ein neues und schöneres Leben für den kranken Mann.
Es kam wieder Ordnung in sein Leben. Luft, Licht und Sonne drangen in die Zimmer und vertrieben bie büsteren Schatten, welche die trübsinnige, mürrische Laune und melancholische Weltanschauung Frau Ritters haraufbeschworen hatten. Und auch diese selbst wurde durch das frische, energische Wesen Brunhildens umgewan- belt. Anfangs brummte sie wohl und schalt übet bie viele unnötige Arbeit, über bie Quälerei den ganzen Tag lang über bas Lachen Brunhildens, mit dem diese der üblen Laune der grillenhaften Frau begegnete, aber dieses Lachen und diese fröhliche Geschäftigkeit Brunhildens wirkten ansteckend, und schliesslich wurde Frau Ritter wieder eine verständige, fleißige Frau, die sich willig den Anordnungen Brunhildens fügte.
Der Kommerzienrat aber lebte förmlich auf.
Er konnte wieder lachen und sich freuen über die Blumen, den Sonnenschein und den blühenden Frühling. Selbst körperlich erstarkte er wieder und konnte weitere Spaziergänge in dem Tiergarten unternehmen.
Brunhild« bracht« ihm Bücher und Zeitschrif
ten, mit denen er sich den Tag über beschäftigt^ Am Nachmittag machten sie oft einen gemein» schaftlichen Spaziergang oder tranken Unter öe» Zelten eine Tasse Kaffee und lauschten dabei bei munteren Weisen der Konzertmusik.
Am behaglichsten aber waren die Abends wenn Christoph Wackernagel erschien un> Schnurren und Witze machte.
Dann konnte der Kommerzienrat wieder herzhaft lachen und er vergaß sein Unglück und seine Krankheit.
Oder es wurde eine Partie Skat gespielt, bei der zuweilen der Fürstlich Sonnensteinsche Hof- Photograph den dritten Mann abgab. Denn auch Herr Eginhard Dettmer war in dem behaglichen Kreis ausgenommen worden, da er öfter» zu Brunhilde kam um mit ihr über dieses oder jenes Porträt zu sprechen. Er war stets außerordentlich höflich gegen den alten Kommerzienrat, dessen frühere Verhältnisse er noch nicht vergessen konnte. Er hielt ihn noch immer für einen wohlhabenden Mann, denn Brunhild« verstand es, selbst mit den bescheidensten Mitteln einen Hauch.der Vornehmheit und Eleganz über das einfache Hauswesen zu breiten.
. So schienen alle glücklich und zufrieden zu fein. Nur eine Sorge warf zuweilen ihre düsteren Schatten in das stille Glück — der Gedanke an Mary.
Sie hatte feit Monaten nichts mehr von sich hören lassen. Das Stadttheater in Elberfeld hatte sie verlassen; niemand wußte, wo sie geblieben war. Ihre letzte Nachricht war au» einem kleinen Otte am Rhein gekommen, in dem sie als Mitglitt» einer wandernden Thtttter- truppe sich aufhielt.
Seitdem war keine Nachricht mehr von f6r eingetroffen.
* ’ Fortsetzung folgt.)
Zu bett Wirkungen der Tabaksteuer schreibt man der „Post": Es werden neuerdings Meldungen über zeitweises Aussetzen der Arbeit und Kürzungen der Arbeitszeit in der Tabakindustrie gebracht als Folgen eines durch die neue Steuer bereits eingetretenen Konsunirück- ganges. Es ist deshalb geboten, schon jetzt klarzustellen, daß diese Erscheinungen auch nicht das mindeste mit einem Konsumrückgange zu tun haben, und daß sie nach den dem Inkrafttreten der neuen Steuer vorangegangenen, durchaus ungewöhnlichen Betriebs- und Absatzverhält- nissen im Tabakgewerbe gar nicht anders zu erwarten waren. Nachdem allein während der beiden vergangenen Kalenderjahre ein Aufschwung in der Tabakindustrie erfolgt war, der ' die Neueinstellung von rund 20 000 Fabrikarbei- ‘ kern und eine Steigerung des Jahreslohnetats lediglich für berufsgenossenschaftlich versicherte Tabakarbeiter um rund 18 Mill. Mark erforderlich machte, nahm während der Frühjahrsund Sommermonate des Jahres 1909 der Absatz von Zigarren einen geradezu stürmischen Charakter an. Nach dem Urteile maßgebender Fabrikanten ließ sich auf der einen Seite die Einstellung von nur irgend erlangbaren Arbeitern beobachten. Auf der anderen Seite griffen die Händler alle Lagerbestände auf, deren sie bei den Fabrikanten habhaft werden konnten. Viele Detaillisten berichten, daß sie zwischen der dritten Lesung des Gesetzes am 9. Juli und dem Inkrafttreten desselben am 15. August fast täglich Ladeneinnahmen von zumeist viermal so großem Umfang als zu Zeiten des lebhaftesten Weihnachtsgeschäftes zu verzeichnen hatten. Es wäre also ein Wunder, wenn die Fabrikanten jetzt schon wieder reichlich mit Aufträgen von feiten bet Händler versehen sein sollten. Vielfach liegt die Absicht vor, die nächsten Monate zur Auffüllung der entleerten Läger zu benutzen.
Auf diese Weise lassen sich die anzuerkennenden Ankündigungen mehrerer Fabrikanten erklären, wonach ihre Arbeiter vor Ende dieses Jahres jedenfalls keinerlei Vetriebseinschrän-
Luflfchiffahtt.
Frankfurt a. M., 2. Okt. Der Verein Frankfurts Hoteliers hat zur aviatischen Woche außer eine» Geldpreis von 5000 M noch eine Reihe von Ehren- preisen gestiftet, insbesondere einen Goldpokal, ei» silbernes Tafelservice, ein komplettes Silberbcstcck, so! wie einen Spazierstock in Silber. Die Ehrenpreis! sind im Preisschrank in der Festhalle ausgestellt.
Köln, 2. Okt. Das prachtvolle Wetter hatte heult noch eine größere Menschenmenge hcrbcigelockt als al den ersten Tagen. Gegen 3y2 Uhr begann Paulhat mit seinen Flugversuchen. Er brachte diesesmal auck glücklich seine Maschine in die Luft und legte in fetö nent Fluge in sechs Minuten fünf Runden zurück Bleriot machte alsdann in zwölf Minuten acht Rulö den, bald dicht über dem Boden dahinschwebend, bar sich in beträchtliche Höhe erhebend. In einem neuct Fluge über sechs Minuten Dauer flog er über dest Fluggeländc hin und her. Auch ein zweiter Aufstieg! versuch gelang Paulhan gleich beim ersten Anlaus! Er umkreiste in kellneren Runden in sieben Minute» fünfmal das Flugfeld.
Köln, 3. Okt. Rach dem Dauerflug Paulhans stie» Dleriot nochmals auf und legte in 12 Minuten 11 Kilometer zurück. Als Paulhan unter dem Publikm, Vlad nahm, wurde auch er mit begcisserten Hochrufet begrüßt, wobei auch vereinzelt Rufe „Vive I» France" Tauf wurden. Schließlich mußte sich Paul- Han dem Zudrang derjenigen entziehen, die auch bori hcr Bleriot umlagerten, um ein Autogramm auf ein, Ansichtskarte zu erhalten. Nach einem nochmalige» vergeblichen Aufstiegsvcrsuch Dufours wurden gcge» %7 Uhr die Flugversuche wegen Eintritt der Dunkel» heit abgebrochen.
Statz uw Slots.
Roman aus dem geben von O. Elster.
(Fortsetzung.)
„Auf den Dank kommt es nicht an, Onkel Christoph. Aber Du hast selbst bei unseren Besuchen gesehen, wie vernachlässigt alles in bet Wohnung ist, bie bei Drbnung unb Sauberkeit ganz angenehm sein könnte. Auch ber arme, alte Mann wirb vernachlässigt. Frau Ritter versinkt Immer mehr in ihren Trübsinn. Sie kümmert sich um nichts mehr unb quält ben armen Onkel obenbrein mit ihren salbungsvollen Reben unb ihren Ermahnungen zur Geduld."
„Ja, ba hast Du recht. Das Weibsbilb hätte ich schon längst zum Kuckuck gejagt!"
„Er hat nicht mehr bie Kraft, sie fottzu- schicken. Unb mit einer fremben Nerson würbe es noch schlimmer werben."
„Da sollte er seine Tochter zurückrufen!" - „Du weißt doch, Onkel Christoph . . ."
„Jawohl, ich weiß, baß sie sich in ber Welt herumtreibt! Künstlerin — bramatische Künstlerin nennt sie sich! Na, mit ihrer Kunst scheint es aber nicht allzu weit her zu sein. Da sollte der Alte ein Einsehen haben unb sie zuriick- tufen.“
„Das ist ja schon versucht worben, Onkel. Ich selbst habe an Mary geschrieben; sie hat mir geantwortet, baß sie sich glücklich in ihrem Berufe fühle unb ihn nicht aufgeben könne."
„Nun, zum Henker, bas ist böch kein Grund, mir altem Kerl ben Trost unb bie Stütze meines Alters zu rauben! Was soll ich benn ohne Dich anfangen, Hilbchen?"
„Es tut mir auch sehr leib, unser gemütliches Heim verlassen zu muffe», Onkel Christoph. Aber siehst Du, es aebt doch nun einmal nicht
Die „Gberhesstsche Zeit«»»" erscheint täglich mit Ausnahme der HZ 929 Sonn- und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt viertel-
«'■=• "vv jährlich durch die Post bezogen 2,25 Mk. (ohne Bestellgeld), bei
unfern Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21,) 2 Mk.