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Zweites Blatt
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(Nachdruck verboten.)
Mit
des
und elek- Erd-
und eine harte Stimme sprach:
Kommen Sie endlich, Herr Kommerzienrat? Ich warte schon seit einer Stunde auf Sie."
Es war Frau Ritter. Doch das Wort erstarb ftr im Munde, al» sie Brunhild« erblickte.
kann ich Dir irgendwie nützlich sein?" „Du bist sehr freundlich, Brunhilde.
Dank nehme ich Deine Begleitung an."
Straße.
Sie traten in ein villenartiges Haus Hildebrandt drückte auf den Knopf einer krischen Klingel an der Korridortür im
Dänemark und Norwegen, in Holland und Belgien anstellen und zugleich durch eine Enquete prüfen lassen, was in deutschen Schulen auf dem Gebiete staatsbürgerlicher Erziehung tatsächlich schon geleistet wird. Die Vereinigung ist außerdem bereits mit der Verlagsbuchhandlung von B. E. Teubner in Leipzig in Verbindung getreten, um durch ein Preisausschreiben Schriften zu gewinnen, in denen die Möglichkeit staatsbürgerlicher Belehrung und Erziehung für die einzelnen Schulgattungen erörtert werden.
Bis zur endgültigen Konstituierung der Vereinigung wurde der Vorsitz dem Regierungsrat Dr. Karl Negenborn-Oppeln, die Leitung der Geschäfte einem geschäftsführenden Ausschuß überwiesen, dessen Vorsitz zunächst Herr Prof. Dr. Geffcken-Köln-Marienburg übernommen hat. Herren, die geneigt sind, diese vaterländische Arbeit der Vereinigung zu unterstützen, werden gebeten, ihre Adresse dem genannten Herrn mitzuteilen.
Politische Umschau.
I Flotte und Arbeiterschaft.
I Von Agitatoren verschiedener Parteifärbung I werden unsere Flottenriistungen immer als die I ungeheuerlichste Ausbeutung der arbeitenden I Bevölkerung hingestellt. Leider vergessen diese I „Volksaufklärer", wieviel langwierige und lohn- I bezahlte Arbeit dazu gehört, ein modernes I Kriegsschiff herzustellen und daß den größten I Teil der bewilligten Gelder nicht die „sekttrin- I kenden Kanonen- und Panzerplattenkönige", I sondern die Arbeiter selbst erhalten. Dafür em I Beispiel aus der Statistik. — Die deutsche I Marineverwaltung hat im Rechnungsjahr 1906 I im ganzen 25,7 Millionen Mark an Arbeits- I löhnen gezahlt. Auf die Arbeiter der Kieler I Werft entfallen 10 Millionen Mark, der Wil- I helmshavener Werft 8,3 Millionen Mark, der I Danziger Werft 3,6 Millionen und der Torpedowerkstatt Friedrichsort 2 Millionen Mark. Zn eine Summe von 1,8 Millionen Mark leiten (ich die Arbeiter der Lazarette, Verpflegungs- und Bekleidungsämter, sowie der Artillerie-, Muni- tions- und Minendepots. Im ganzen' beschäftigte die Marineverwaltung am 1. November 1906 16 670 Arbeiter. Von diesen waren 7147 auf der Werft Kiel, 6684 auf der Werft Wilhelmshaven, 2809 auf der Werft Danzig und 1267 auf der Torpedowerkstatt tätig. Die übrigen | 1763 waren in den anderen bereits genannten Aemtern und Depots beschäftigt. Von den Arbeitern stehen schon 1693 über 25 Jahre im Dienste der Marine und 873 sind über 60 Jahre alt. Unter den fast 20 000 Arbeitern befinoen sich über 200 Frauen. — Diese Zahlen beweisen wohl zur Genüge, daß der weitere Ausbau der Flotte, der eine regelmäßige Beschäftigung für Tausende von Arbeitern gewährleistet, der deutschen Arbeiterschaft nicht gleichgültig sein kann und darf, zudem in Betracht kommt, daß hier nur ein verschwindend geringer Bruchteil derjenigen Arbeiterschaft aufgezählt ist, die ihren Unterhalt von der Marine bezieht. Denn am Bau unserer Schiffe ist bekanntlich die Privatindustrie ungleich stärker beteiligt, als es die j Staatswerften sind.
wird er doch verschwinden gegenüber dem Mehr das aus der neuen Besteuerung auch nur für die zweite Hälfte des laufenden Finanzjahres zu erwarten ist. Man wird demnach höchst wahrscheinlich damit zu rechnen haben, daß schon für 1909 die Zuckersteuer den demErtrage nach ersten Platz unter den Reichssteuern verlassen und an ihre Stelle die Branntweinsteuer treten wird. Damit würde das Verhältnis, wie eg früher schon bestanden, wieder hergestellt sein. Tritt
1. April 1914 die in Aussicht genommene Ermäßigung der Zuckersteuer ein, die etwa 34 Millionen ausmachen würde, so wird diese Steuer dem Ertrage nach noch mehr gegen die Branntweinsteuer zurücktreten. An sich wird em derartiges Verhältnis auch als gerechtfertigt anzusehen sein, da es sich beim Zucker um ein N?.?*u"gsmittel, beim Branntwein zum aller- größten Teil um ein Eenußmittel handelt.
Mitteilung über die erste Sitzung der Bereinigung für staatsbürgerliche
Erziehung des dentschen Volkes.
Seit längerer Zeit sind Bestrebungen im Gange, die staatsbürgerliche Erziehung der deutschen Jugend zu fördern, um die Mängel staatsbürgerlicher Bildung des deutschen Volkes und die den Deutschen aus den Zeiten der Zerrissenheit und Schwäche anhaftenden nationalen Untugenden nach Möglichkeit auszugleichen und den Gefahren einseitiger parteipolitischer Er- zrehung vorzubeugen. Das Ergebnis dieser Bestrebungen war ein im Frühjahr 1909 veröffentlichter Aufruf, der soviel Anklang gefunden hat daß jetzt am 26. September eine Anzahl von vaterländisch gesinnten Männern in Goslar die Gründung einer Vereinigung zur staatsbürgerlichen Erziehung des deutschen Volkes beschließen konnte.
Die Vereinigung hat es sich aufgrund der einstimmig angenommenen Leitsätze zur Aufgabe gemacht, die einschlägige Literatur des In- und Auslandes zu sammeln, die parteipolitische Erziehung in Deutschland und deren Gefahren zu studieren, Untersuchungen über die bereits bestehenden Einrichtungen zur staatsbürgerlichen Erziehung im Auslände und der vereinzelten Ansätze zu staatsbürgerlicher Erziehung im Jn- lande anzustellen, praktische Vorschläge für die Gestaltung des staatsbürgerlichen Unterrichtes in den Bildungsanstalten und im Heer zu machen, die vorhandenen Lehrmittel zu prüfen und gegebenenfalls neue zu gewinnen. Die Vereinigung will außerdem die lleberzeugung von der Notwendigkeit staatsbürgerlicher Erziehung der Jugend nach Möglichkeit ausbreiten, Gleichgesinnte zur Mitarbeit heranziehen und für die staatsbürgerliche Unterweisung derjenigen Volkskreise, denen eine solche Unterweisung vorläufig noch nicht in geeignetem Maße zugänglich ist, durch Veranstaltung von Vorträgen, Abhaltung von Kongressen und Herausgabe geeigneter Abhandlungen zu sorgen. -
Zunächst will die Vereinigung genaue Untersuchungen über die Einrichtungen für staatsbürgerliche Erziehung in unseren Nachbarländern, besonders in der Schweiz und in Frankreich, in
Die „Gderhesfrsche Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der feonn» und Feiertage. — Der D.e zu a sp r eis beträgt viertel- lahrlich durch die Post bezogen ,25 Mk. (ohne Bestellgeld), bei unfern Zeitungsstellea und b», Spedition (Markt 21,) 2 Mk
i Gründlich abgeführt.
J8or einigen Jahren entzückte der erzliberale Münchener Professor Lujo Brentano di« ganze liberale Presse durch seine angebliche Entdeckung daß die Großstädte und Jndustriebezirke relativ mehr Rekruten stellten als die landwirtschaftlichen Kreise. Diese Neuigkeit machte sofort di« Rutlde durch alle linksliberalen Blätter und wurde als unumstößliche Tatsache überall ausposaunt. Jetzt hat eine amtliche Veröffentlichung die liberalen Entdeckungen des Münchener Professors ein für allemal zu nichte gemacht. -)m 28. Ergänzungsheft der Zeitschrift des Kö- nrglich Preußischen Statistischen Amtes hat unter dem Titel „Die Herkunft der deutschen Unteroffiziere und Soldaten" am 1. Dezember 1906 Oberregierungsrat Georg Evert amtliches Material veröffentlicht. Die Ueberlegenheit der ländlichen Bezirke an Militärtauglichkeit ist dadurch endgiltig erwiesen. Evert stellt die Zahl der vorhandenen Milittzrpersonen aus den einzelnen Landesteilen dem „Soll" gegenüber, das nach der Anzahl der 1885 vorhandenen Männer im Alter von 20 und 55 Jahren hätte erwartet werden müssen. Werden diese Ziffern zugrunde gelegt, so ergibt sich ein Ueberschuß über das Soll in Ostpreußen von 40 v. H., in der Provinz Sachsen 34 v. H., in Pommern 33 v. H., in Westpreußen 29 v. H_, in Posen 23 v. H., dagegen ein Defizit in Bremen von 35 v. H., in Hamburg von 58 v. H. und in Berlin von 61 v. H.
16.
„Ich muß Dich leider wieder verlassen, Onkel Christoph," sagte Brunhilde, ihren Hut ab legend und ihr schönes Haar vor einem kleinen Wandspiegel ordnend.
„Nanu?" fragte der kleine Maler, ruhig an seiner Zeichnung fortstrichelnd. „Du bist ja eben erst zuröckgekommen. Wohin willst Dn denn schon wieder?"
„So meinte ich es nicht, Onkel. Ich muß Dich für lange Zeit verlassen, ich kann nicht mehr bei Dir bleiben."
„Wieso? Weshalb? Warum?" fragte Chtt- stoph, erstaunt aufblickend. „Willst Du etwa den Fürstlich Sonnensteinschen Hofphotographen beiraten?"
„Wein," lachte Brunhilde.
„Na, das wäre nicht das schlechteste Geschäft. Der Kerl hat ein unverdientes Glück! Jetzt hat er ein Prachtatelier in der Leipziger Straße uns verdient mit Deinen übertünchten Porträts ein Bombengeld. Also, wenn es mit dem nichts ist, was hast Du denn vor?"
„Ich kann Onkel Hildebrandt nicht länger allein lassen."
Christoph Wackernagel sprang erregt auf.
„Du wirst doch den alten, kranken Mann nicht heiraten?"
„Aber wer spricht denn vom Heiraten?" entgegnete Brunhilde unmutig und doch wider Willen lachend über das komische Erschrecken des kleinen Malers. „Ich will den armen Kranken pflegen, ich will ihm in seiner Vereinsamung Gesellschaft leisten — kurz, ich will ihm da» Leben bequemer machen."
„Also Samariterdienste? Na, wenn Du 2)tt damit nur Dank verdienst."
lFortsetzung folgt.) i
Marburg
Sonntag, 3. Oktober 1909.
Die Zuckersteuer.
Die Zuckersteuer wird nach dem neuesten Finanzgesetze vom 1. AM 1914 ab ermäßigt roer= ben. Sie nimmt gegenwärtig unter den säntt- lrchen^Steuern des Reiches dem Ertrage nach die erste Stelle ein. Nicht immer war dies der Fall. Früher stand die Branntweinsteuer an der Spitze. Jetzt ist das Ertragsverhältnis beider so, daß im Etat für 1909 aus Branntweinver- brauchsabgabe und Maischbottichsteuer zusammen 120,5 Millionen <M. erwartet werden aus der Zuckersteuer aber 141,5 Millionen X also 21 Millionen mehr. In Wirklichkeit dürfte die Zuckersteuer für 1909 sogar noch mehr ein- bringen als im Etat rcn ihr erwartet w rd, wenigstens dann, wenn die bisherige E:n- nahmeenlwicklung anhält. In den ersten fünf Monaten des laufenden Finanzjahres hat die Zuckersteuer nahezu 62 Millionen J*. abgeworfen Da der Monatsdurchschnitt nach '»em E^ats- ansatze 11,8 Millionen M beträgt, der Fünfmo- nalsansatz also 59 Millionen M, so war der letztere in Wirklichkeit um 3 Millionen <Ai überschritten. Man kann demnach annehmen, daß die Zuckersteuer für 1909 etwa 145 Millionen ernbringen wird. Bei der Branntweinsteuer werden sich die Verhältnisse mit dem 1. Oktober d. I. bedeutend ändern. Dann tritt das neue Branntweinsteuergesetz in Kraft; es werden ganz beträchtlich höhere Erträge aus der Besteuerung des Branntweins erwartet, als bisher. Man wird ja die tatsächliche Entwickelung abwarten müssen, um zu sehen, in welcher Weise die Wirkung den Erwartungen entspricht. Soviel dürfte aber wohl sicher sein, daß schon für 1909 der Ertrag aus der Branntweinbesteuerung den aus der Zuckersteuer übertreffen wird. Auch der bisherige Ertrag aus der Branntweinverbrauchsabgabe hat den Etatsanschlag überstiegen. Nach dem letzteren ist für fünf Monate aus der Verbrauchsabgabe auf einen Ertrag von 45,5 Millionen M gerechnet. In Wirklichkeit hat die Einnahme der ersten fünf Monate 57,5 Millionen <M, also 12 Millionen jK mehr betragen. So bedeutsam dieser Mehrertrag ist, so
Marburg und Umgegend.
(Nachdem aller Lrigmalatt:fcl ift gemäß § 18 de» Urheberrechts nur mit der deutlichen Quellenangabe »Qberhess. Ztg." gestattet.)
Marburg, 2. Okt.
* Die neue Wohnung. „So, nun wären wir endlich halbwegs in Ordnung! O, wie bin ich doch müde", und die Frau des Hauses sinkt tief« aufatmend ins Sofa und dankt dem Himmel, daß der Umsturz in den häuslichen Verhältnissen wieder einmal vorüber ist. Zugleich aber steigt aus des Herzens geheimster Falte der Schwur hervor,: Einmal — aber so bald nicht wieder! Zudem hat sich die Hausfrau bereits überzeugen müssen, daß so mancherlei der neuen Wohnung anhaftet, das ihr nicht gefällt. War im alten Logis zu viel, so ist im neuen sicher zu wenig Sonne; gab's dort „Mobiliar" (auf deutsch: bewegliche Güter, besonders mobil an den Wänden), so steht die neue Niederlassung im Ee-uche von Mäusen. Und handelt sich's um die Wasserleitung, den Kohlenkeller, Boden, Waschraum, Garten, Hauswirt, Nachbar —: etwas davon ist nicht so schön und gut, wie's in der alten Wohnung anzutreffen war! Nun gibt's ja allerdings auch wieder manches Schöne. Und jedenfalls wiegen die Vorzüge der neuen Wohnung die Mängel der alten auf. Also war der Umzug immerhin von Vorteil und man hofft, hofft, daß es in der neuen Behausung ein recht gemütliches und bequemes W. hnen fein werde. Möchte keinem, der feinen Einzug feiert, diese Hoffnung zuschanden werden! Denn nichts geht über ein gemütliches Heim. Wohl dem, der der richtigen Platz unter vielen Plätzen gefunden hat!
Slot; «m Slot?.
Roman aus dem Leben von O. Elster.
(Fortsetzung.)
„Wenn Du erlaubst, lieber Onkel," sprach sie, „fo begleite ich Dich nach Hause. Ich möchte gern wissen, wo und wie Du wohnst. Vielleicht
Langsam schritten sie durch den ftühlings- frischen, grünenden Park. Hildebrandt vermochte nicht rasch zu gehen, er schleifte die Beine mühsam nach, aber er hatte sich doch wieder so weit erholt, daß er ,auf seine Stöcke gestützt, allein ausgehen konnte, wenn er auch die beleö- teren Straßen vermeiden mußte.
Sein Sprechvermögen war fast ganz wieder- gekehrt, zuweilen stieß er noch ein wenig mit der Zunge an oder mußte sich auf ein Wort besinnen. Gekleidet war er durchaus anständig, wenn auch lange nicht so elegant wie früher.
Nach einer Weile erreichten sie den Sigis- mundshof, eine hübsche, mit Bäumen bepflanzte und von schmucken Vorgärten eingesäumte
geschoß. v .
Schlürfende Schritte wurden innerhalb ___
Korridors laut. Dann wurde die Tür geöffnet
Ma« veraeffe «icht
so schnell als möglich noch auf die
Hberhessische Zeitung
i fit abonnieren.
Bestellungen
für das vierte Quartal 1909 werden von unserer Expedition (Martt 21), unseren Ausgabe- Wetten inKirchhain, Neustadt und Wetter i sowie von allen Postanstalten und Landbries- trögern entgegengenommen.
mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain,
und den Beilagen: „Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und „Landwirtschaftliche Beilage.
„Das ist jedenfalls besser, als dummen Gedanken nachhängen!" rief die schneidende Stimme der Frau Ritter, die soeben eingetreten war und die letzten Worte gehört hatte.
Damit machte sie sich daran, den Tisch abzuräumen.
„Darf ich Ihnen helfen, Frau Ritter?" fragte Brunhilde.
Das ist wohl keine Arbeit für das gnädige Fräulein," entgegnete die Frau in scharfem Tone. „Ich bin schon seit langer Zeit daran gewöhnt, die Dienstmagd zu spielen, wenn ich auch einmal zu etwas Besserem bestimmt war. Aber man muß sich in sein Schicksal fügen -- das sage ich auch dem Herrn Kommerzienrat."
„Das weiß der Himmel — oft genug!" seufzte Hildebrandt.
„Man kann es nicht oft genug hören," versetzte Frau Ritter und trug das Geschirr fort.
„Es ist eine Plage mit diesem Weib," murmelte Hildebrandt seufzend. „Aber was soll ich machen? Sie ist noch die einzige, die aus früherer Zeit bei mir geblieben ist. Eine fremde Person kann ich schon gar nicht um mrch leiden. Wenn sie nur etwas ordentlicher sein wollte! Aber immer ermahnen und jammern »nd flennen — das macht mich schließlich noch verrückt!"
Brunhilde empfand tiefes Mitleid mit dem «infamen und fast hilflosen Mann.
„Ich werde Dich jetzt oft besuchen, lieber vnkel," sagte sie, „und nach dem Rechten sehen."
„Ja, und bring' mir den Christoph Wacker- «agel mit. Er ist so spaßhaft und kann einen ordentlich aufheitern." ; . .... .
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Dw Fnsertionsgebühr beträgt für die 7gespalten- Zeile -der deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. - i i
Druck und Verlag: Joh. Ang. Koh, Unwerfttätsbuhdruckerei *4.
Inhaber Dr. C. Hitzerotb, Marburg, Markt 21. — Telephon 55
„Fräulein Walterling? Woher kommen denn Sie so auf einmal? Stein, diese Ueber- raschung?"
„Ich traf meinen Onkel im Tiergarten."
„So, so — und so ganz zufällig?"
„Schwatzen Sie kein dummes Zeug, Frau Ritter!" unterbrach sie Hildebrandt ärgerlich. „Bringen Sie uns eine Tasse Tee in das Wohnzimmer."
„Ich danke, Onkel ..."
„Nein, Du mußt eine kleine Erfrischung nehmen. Komm nur.“
Damit führte er sie in das einfach, aber gut eingerichtete Wohnzimmer.
Mit einem leicht verlegenen Lächeln sagte er: „Nimm Platz. Es sieht hier zwar etoas anders aus, als in unserer Villa im Grünewald, aber was will man machen? Man mutz eben zufrieden sein."
Er humpelte zu feinem Lehnstuhl und ließ sich mit einem tiefen Seufzer niederfallen.
Ja, es sah hier allerdings anders aus, als in der Villa im Grünewald! Das sah Brunhilde sehr wohl. Aber ihr fielen nicht so sehr die einfachen Möbel auf, als die Unordnung und der Staub, der überall lag. Die weißen Gardinen waren grau und zerknüllt; auf den Möbeln lag dicker Staub, auf dem Teppich bemerkte man hier und da Papierschnitzel, auf dem Tisch vor dem Sofa stand noch das Geschirr vom Mittagsessen.
Hildebrandt bemerkte Brunhildens erstaunten Blick.
„Ja, Du wunderst Dich wohl über die Sauberkeit und Ordnung, die hier herrschen?" sprach er mit bitterem Lächeln. „Die Ritter hat keine Zeit zum Aufräumen; sie muß den ganzen Tag in frommen Büchern lesen —"