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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

und den Beilagen:Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) undLandwirtschaftliche Berlage."

DieGberhelstfche Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. Der Bez u a s preis beträgt viertel­jährlich durch die Post bezogen 2,25 Mk. (ohne Bestellgeld), bei unsern Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21,) 2 Mk.

Marburg

Sonnabend 2. Oktober 1909.

Die FnsertionSgebiihr beträgt für di« 7gespaltene Zeile oder deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, UaioersttätSbuchdruckerei Inhaber Dr. E. H itzerotb, Marburg, Markt 21. Telephon 55.

44. Jahrg.

Zweites Blatt.

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Mau vergesse nicht

so schnell als möglich noch aus die Kberhesfifchr Zeitung zu abonniere«.

Bestellungen

für das vierte Quartal 1909 werden von unserer Expedition (Markt 21), unseren Ausgabe­stellen in Kirchhain, Reustadt und Wetter sowie von allen Postanstalten und Landbrief, träger» entgegengenommen.

Schiffsunfälle.

Das 3. Heft des Jahrganges 1909 der Viettel- fahrshefte zur Statistik des Deutschen Reiches bringt eine Arbeit über die Schiffsunfälle an der deutschen Küste in den Jahren 1903 bis 1907 unter Beifügung einer Wrackkarte.

In dem genannten Zeiträume find an der deutschen Küste von Unfällen betroffen worden 8303 Schiffe gegen 2508 in den Jahren 1898 bis 1902. Davon sind in dem fünfjährigen Zeit­räume 1903/07: gestrandet 775 = 23,4 vH. (1898/1902 : 617 = 24,6 vH.), gekentert 42 = 1,3 vH. (32 1,3 vH ), gesunken 29 0,9 vH. (73 2,9 vH.), zusammengestoßen 1793 54,3 vH. (1372 54,7 vHZMzon sonstigen Unfällen betroffen worden 664 = zÖ,l vH. (414 16,5 vH.). In der Gesamtzahl der von Unfällen be­troffenen Schiffe befMhen stch 1903/07 1808 Seeschiffe von 200'6hm 70,6 Registertons brutto und darüber, Fischerfahrzeug« und andere Fischereizwe«n dienende Fahrzeug« und 1246 Küstenfahrzeuge (Seeschiffe unter 200 cbm) Leichter, Haff-, Fluß- und andere nicht registrierte Fahrzeuge.

Ferner waren unter den Schiffen, die Un­fälle erlitten, 1903/07 1673 (50,7 vH.) und 1898/1902 1304 (52,0 vH.) Dampfschiffe: von den ersteren find 1040, von den letzteren 853, also etwa 62 vH. und 65 vH. von Zusammenstößen betroffen worden.

Von den Unfällen kamen auf deutsche Schiffe 1903/07 2391 (72,4 vH. aller Schiffe, die Unfälle erlitten) gegen 1758 (70,1 vH.) in 1898/1902.

Infolge von Unfällen gingen 1903/07 311 Schiffe (9,4 vH. der Gesamtzahl der von Un­fällen betroffenen Schiffe), 1898/1902 317 (12,6 vH.) verloren, und zwar fanden im erstgenann­ten Zeiträume 123 Schiffe (39,5 vH. der Ver­unglückungen, im letzteren 148 (46,7 vH.) durch Strandungen ihren Untergang.

Soweit festgestcllt werden konnte, find an Bord der bei den Unfällen beteiligten Schiffe 1903/07 : 46 600, 1898/1903 : 36 528 Personen ge­

85 (Nachdruck verboten.)

Stolz um Stolz.

Roman aus dem Leben von O. Elster.

* (Fortsetzung.)

Ich denke nicht mehr daran, Onkel," entg-g- nete sie leise.Ich denke immer nur daran, wie gut und freundlich Du gegen mich gewesen bist. Und daran, daß ich Dir sehr weh getan habe...

Ja, das hast Du getan, mein Kind. Aber ich allein war schuld daran, ich allein in meiner Torheit. Alt und jung das paßt nicht zu­sammen, das hätte ich wissen müssen. Doch das ist nun vorüber, laß uns nicht mehr davon spre­chen. Ich bin jetzt ein armer, kranker Mann, r nb wenn ich Frau Ritter nicht hätte, so wäre ich ganz verlassen. Du hättest mich nicht ver­lassen, wenn ich auch arm geworden bin nicht wahr, Brunhilde?"

Gewiß nicht. Onkel. Aber Mary?"

Ach die? Du kennst sie ja. Alle Tage eine andere Liebhaberei! Alle Tage etwas Neues! Und dabei das ewige Gejammer über unser« Ar­mut. In diesem Winter wollte si« zuerst mit «inertz russischen Studentin nach Zürich gehen, um Medizin zu studieren, dann entdeckte sie plötz­lich ihr dramatisches Talent; sie nahm dramati­schen und Gesangsunterricht. Weiß der Hrmmel, woher sie das Geld nahm ich konnte ihr nichts geben und jetzt ist sie auf und davon zu ihrem ersten Engagement am Stadttheater zu Elber­feld. Ich habe seit Wochen nichts von ihr gehört. Was aus ihr wird, das mögen die Götter wissen. Mein Sohn ist in Afrika und so sitze ich denn allein in meinen vier Pfählen und spinne Trübsal."

Wo wohnst Du, Onkel?"

.Ra, ich habe ja jetzt eine ganz nette Earten- wohnung hier in der Nähe in Sigismundshof. Walter bat sie mir gesucht, ehe er nach Afrika

ging. Es find sein« Möbel, die ich darin habe. Seine Sammlungen hat er freilich verkauft und ein hübsches Stück Eeü> dafür gelöst. Das hat er mir zur Verfügung gestellt. Ich kann wenigstens jetzt in den Tiergarten gehen. Hier sitze ich oft stundenlang: das ist mein« einzige Zerstreuung. Aber was hilft's? Ich warte eben auf mein seliges oder unseliges Ende mir ist alles einerlei."

Du darfst Dich nicht solchen traurigen Ge­danken hingeben, Onkel. Dein Zustand kann sich bessern, Du siehst wirklich nicht schlecht aus."

Er lachte bitter auf.

Danke für das Kompliment. Vor einem Jahre hättest Du es mir nicht gemacht. Ja, ja, vor einem Jahre . .

Onkel, erinnere Dich nicht immer daran. Glaube mir, auch mir ist es nicht leicht gewor­den, von Dir fortzugehen. Vielleicht war ich zu heftig und zu rasch Du meintest es doch gut mit mir . . ."

Ja, wahrhaftig, Brunhilde, das tat ich. Ich meinte es gut aber auf die unrechte Weife. Ich war ein Tor, ich war verblendet, ich vergaß meine grauen Haare. Aber, siehst Du, Kind, ich hatte Dich wirklich lieb ich habe Dich noch lieb, aber wie eine Tochter, Brunhilde. Und wenn Du nicht von mir gegangen wärest, dann wäre alles anders gekommen."

Onkel!"

Ja, siehst Du, als Du mich verließest, da war ich ganz verzweifelt. Ich wußte nicht mehr, was ich tat. Ich wollte vergessen, ich wollte mich zerstreuen, ich stürzte mich in die Erregung dcr großen finanziellen Kämpfe, ich wollte herrschen auf dem Weltmarkt, alles gewinnen oder ver­lieren! Und ich verlor alles Geld und Cut Ehre und Glück Kraft und Gesundheit und jetzt bin ich «in armer, kranker Krüppel, der

wesen, von denen 1903/07 : 260 0,56 vH. und 1898/1902 : 306 0,84 vH. ihr Leben verloren.

Die Wrackkarte läßt nicht allein Ort und Att der Unfälle, sondern auch die Gattung der be­troffenen Schiffe (Segel- oder Dampfschiffe), sowie den Ausgang für diese (ob gänzlich ver­loren oder nicht) und für die an Bord gewesenen Personen (ob Menschenleben verloren gingen oder nicht) erkennen, doch haben der größeren Uebersicht wegen Unfälle geringerer Bedeutung kein« Berücksichtigung gefunden.

Politische Umschau.

Ue6«t de» Rückgang de« Lehrermangels an den preußischen Volksschulen schreibt man derPost": Durch die vom Landtage für das laufende Etatsjahr neu bewilligten Seminare wird sich der Bestand an Seminarschülern und -schülerinnen bis Ende dieses Jahres jedenfalls auf 18 000 erhöhen, nachdem im vorigen Jahre der Besuch der damals vorhandenen 183 Semi­nare sich auf 17 500 Schüler belaufen hatte. Während noch im Jahre 1901 von 90 208 vor­handenen Stellen für Lehrer und Lehrerinnen 1862 unbesetzt waren, ging int Jahre 1908 diese Zahl auf 1345 zurück bei einem vermehrten Be­stände von 108 761 Stellen. Infolge der Ge­haltsaufbesserungen durch das Lehrerbesoldungs- gesetz sind Pensionierungen in der nächsten Zeit naturgemäß in stärkerem Umfange zu erwarten, weil diese vor dem Inkrafttreten des Gesetzes naturgemäß nach Möglichkeit beschränkt wurden. Auch machen die zahlreichen überfüllten Schulen, in denen ja auch «in bestehender Lehrermangel zum Ausdruck kommt, weitere Maßnahmen zur Pflicht. Sobald sich übersehen läßt, in welcher Zahl aus den nichtstaatlichen Lehrerinnensemi­naren infolge der Mädchenschulreform Lehrerin­nen für den Volksschuldienst hervorgehen, wird man sich auch über die Errichtung neuer Lehre­rinnenseminare schlüssig werden können.

ElnRelchsverband" in England.

Eine neue Erscheinung im politischen Leben Englands, die in einem Augenblick ins Leben tritt, wo die durch den Kampf um das Budget hervorgerufene innere Krifis sich fortgesetzt ver­schärft, ist die Begründung eines Verbandes zur Bekämpfung der Sozialdemokratie in Eng­land, Präsident der Vereinigung ist der Herzog von Devonshire, der eigentliche Leiter der Abge­ordnete Sir William Bull. Dem Verbände kön­nen männliche und weibliche Mitglieder beitre- ten. Es scheint besonders auf das weibliche Element, dessen politischer Betätigungsdrang in der Votes for women-Liga und einer gegnett- fchen Liga zum Ausdruck gekommen ist, anziehend gewirkt zu haben. Die unter Leitung einer Miß I. G. Owen stehende weibliche Abteilung des Verbandes soll bereits einige siebzig jüngere und ältere Damen aus verschiedenen Gesell- schafts- und Berufskreisen zählen. Die Damen werden nicht nur als Rednerinnen ausgebildet, um in öffentlichen Versammlungen auftreten zu können, sie sollen auch berufen sein und befähigt

werden, in persönlichem und privatem Verkehr Aufklö ngsarbeit zu leisten. Wie der Leiter des Verbandes bei Eröffnung des laufenden Winterkursus mitteilte, sollen sich, als 10 Stellen für weibliche Agitatoren der antisozialistischen Bewegung ausgeschrieben waren, 1500 Bewer­berinnen gemeldet haben. Man wird annehmen dürfen, daß die weiblichen Mitglieder des Ver­bandes zur Bekämpfung der englischen Sozial­demokratie auch in der Frage des Frauenstimm­rechts Gegner des sozialistischen Programms sind. Durch ihr Eingreifen in das politische Leben dürfte demgemäß auch der von den Stimmrecht­lerinnen forzierten Bewegung, die in letzter, Zeit immer widerwärtigere Auswüchse gezeitigt hat, Abbruch getan werden. Auf der anderen Seite kann -es kaum zur Abschwächung der poli­tischen Leidenschaften beitragen, wenn das weib­liche Element in den Patteikämpfen immer mehr aktiv hervortritt.

Ausland.

* England. London, 30. Sept. Das Ober­haus nahm die irische Vorlage in zweiter Lesung an. Dieses Gesetz, das sich mit der im ver­gangenen Jahre vom Chefsekretär für Irland, Leivvell eingeführten Maßregel deckt, und das die Billigung des Unterhauses gefunden hat, ist bestimmt, das bereits in Irland eingeführte System des Landkaufes zu erleichtern. Es ent­hält zahlreiche komplizierte finanzielle und ad­ministrative Vorschläge; so will es in gewissen Teilen Irlands für den Notfall den Zwangskauf einführen. Obgleich die Lords das Gesetz in zweiter Lesung angenommen haben, erwartet man von dieser Seite noch einschneidende Aen- derungen. Das Schicksal des Entwurfes ist un­gewiß. Im Laufe der Verhandlungen fragt« Langford, ob das Haus die Finanzvorschkäge des Entwurfes zu verbessern in der Lage sei. Der Lordgeheimsiegelbewahrer Carl of Crewe er­widerte, es sei noch nicht Gegenstand der Bera­tung gewesen, ob eine Vermehrung oder Ver- mivderung der öffentlichen Lasten zum Wir­kungskreise des Hauses gehöre.

Marburg und Umgegend.

(Nachdruck aller Originalartikel ist gemäß 8 18 de» Urheberrechts nur mit der deutlichen Quellenangabe Oberhess. Zig." gestattet.)

Marburg, 1. Oft.

)( Die Berufszählung in Hessen-Nassau. Die endgültigen Zahlen der Berufszählung vom Jahr 1907 liegen jetzt vor. Sie ergeben für die Pro­vinz Hessen-Nassau folgendes Bild: Landwirt­schaft, Gärtnerei und Tierzucht, Forstwirtschaft und Fischerei 323 252 im Hauptberuf und 563 438 Berufszugehörige: Industrie, einschließlich Berg­bau und Baugewerbe 373 959 im Hauptberuf und 894 722 Berusszugehörige; Handel und Ver­kehr 138 383 im Hauptberuf und 334 554 Berufs­gehörige: häusliche Dienste, Lohnarbeit wech­selnder Art 15119 im Hauptberuf und 25 445 Berufszugehörige: öffentlicher Dienst, freie De­

von der Gnade seines Sohnes lebt, den er fast mit in den Abgrund gerissen hätte."

Er beugte die Stirn auf die Hände, welche krampfhaft die Krücke des einen Stockes um­klammerten und ein wehes Schluchzen erschüt­terte seinen abgemagerten Körper.

Brunhilde war tief bewegt. Sie konnte sich nicht von aller Schuld freisprechen: sie war zu rasch, zu heftig gewesen: sie hätte mit ruhigen Worten die Leidenschaft des alternden Mannes in die richtige Bahn leiten, sie hätte feiner Stimmung Rechnung fragen müssen und sich nicht sofort und im Zorn von ihm trennen sollen. Gewiß, dann wäre manches anders und besser geworden. Sie hätte ihn lenken und leiten, sie hätte mäßigend, fänftigend auf ihn ein­wirken können, denn er war ja kein schlechter, böser Mensch, nur schwach war er und zu nach­giebig seinen Leidenschaften gegenüber.

Aber ihr Stolz, ihr so leicht verletzter Stolz hatte sie von ihm fortgetrieben, hate sie von ihm getrennt, wie er sie von Walter getrennt. Nicht nur fein Glück hatte ihr Stolz zerstört, sondern auch ihr eigenes Glück und vielleicht auch das Glück Walters.

Ihn hatte sie aus der Heimat, aus dem väter­lichen Haus getrieben, so daß er jetzt ein Fremd­ling unter Fremden in der weiten Welt herum- schweiste.

Und Mary? Was wurde aus ihr? Ihr leb­hafter, unruhiger Geist hatte sie auf eine ge­fährliche Bahn geführt. Niemand stand ihr zur Seite, der sie vor diesen Gefahren warnen niemand, der ihr die hilfreiche, rettende Hand reichen konnte, wenn sie in den Abgrund zu ver­sinken drohte.

Die Al^nteuerlust lag ihr ja im Blute. Und die Sehnsucht, hinauszugehen in di« Welt, her­auszukommen aus der Enge eines beschränkten bürgerlichen Lebens, und di« Freud« en Glanz

rufsatten 57 461 tm Hauptberuf und 122394 Berufszugehörige,- ohne Beruf und Berufsan­gabe 111196 int Hauptberuf und 175 132 Be­rufszugehörige. Von der 2115 685 Personen be­tragenden Eesamtbevölkerung Hessen-Nassaus waren 962 995 (darunter 325125 weiblich) im Hauptberuf tätig und 1152 690 (darunter 755 585 weiblich) als Berufszugehörige zu be­trachten.

* Der Kultusminister und die Turnerschaft. Zum zweiten Male hatte die preußische Regie­rung hundert Turnwarte und Vorturner aus Vereinen der Deutschen Turnerschaft an di« Landesturnanstalt Berlin zu Fortbildungs­kursen zusammenberufen. Dieser Tage waren die Teilnehmer zu einer Schlußvorstellung ver­sammelt, zu der der Kultusminister von Trott zu Solz mit dem Geh. Regierungsrat Hinze so­wie Mitglieder des Ausschusses der Deutschen Turnerschaft, an der Spitze der 83 Jahre alte Geh. Sanitätsrat Dr. Goetz, erschienen waren. Es wurden zunächst Freiübungen gezeigt, darauf folgten Hebungen an vier Barren, eine Neckriege veranschaulichte die Leistungsfähigkeit der besten Turner, und ein Musterriegenturnen gab den Teilnehmern Gelegenheit, ihre Fähigkeit im Beurteilen der Hebungen darzulegen. Ein flot­tes Ballspiel beschloß die Darbietungen. Der Kultusminister dankte in einer längeren An­sprache für das Gebotene und richtete zum Schluß die Mahnung an die Teilnehmer, das Gelernte in der Heimat zu verwerten und im Dienste des Vaterlandes weiter zu arbeiten.

* Von der Tanzstunde. Etwas linkisch noch, aber in ihrer Naivität doppelt entzückend, machen Gretchen, Lieschen, Suschen, Frida, Maria, Trude und wie sie sonst noch heißen mögen, die ersten Tanzversuche. Sie alle haben sich die Sache eigentlich leichter gedacht; so etwa wie ein zierliches Getändel, nicht aber wie eine mehr oder weniger künstlerische Leistung, bei der ein Schock strenger, nüchterner Regeln zu be­obachten sind! Es soll sogar vorkommen, daß des Tanzmeisters unerbittliche Strenge da und dort eine heimliche Träne fließen läßt, die erst später durch viel Freude und Lebenslust wieder ausge­wogen werden soll. Doch das ist nun einmal im Leben so; dies und das und jenes ist eben mehr als einHoppsassa"! Alles will gelernt sein, selbst der fröhliche Tanz. Anmut und Grazie sollen in ihm ihren Ausdruck finden. Wie mit Flügeln sollen die Damen über den spiegelnden Parkettboden dahinschweben. So verlangt'» nicht nur der Tanzlehrer: nein, so verlangen's später auch die anderen Herren der Schöpfung! Selbst der steifste Tänzer verzeiht es seiner Dam« schwer, wenn sie schlecht tanzt. Dafür gelten eben die Frauen für das ..f*.-' Geschlecht. Wenn die Tanzstunde vorbei ist, begleiten di« jungen Herren die Damen stolz nach Hause, um sich später noch einmal in derStammkneipe" zu treffen und übet das Erlebte zu plaudern oder dieGründung eines Vereins" ins Auge zu fassen.

* Schwindlet. Unter dem Namen Ludwig Kaufmann aus Mannheim wohnte dieser Tag«

und Wohlleben? Brunhilde wußte es wohl, nnö ihr war bange um die Zukunft Marys.

Die Tränen traten ihr in die Augen, als sie an das alles dachte, wenn sie sich der Stunde ent­sann, da sie, durch ihren Stolz verleitet, ihr eigenes Glück und damit das Glück all der an­deren in Stücke geschlagen.

Verzeih mir, lieber Onkel," bat sie leise und legte zättlich den Arm um seine Schultern.

Er blickte zu ihr auf.

Ich soll Dir verzeihen?" fragte «r erstaunt. Muß ich Dich nicht um Verzeihung bitten, daß meine Torheit Dich schutzlos in die Welt hjnaus- getrieben hat? Wo bist Du jetzt? Wie ist e« Dir all die Zeit ergangen?"

Um mich brauchst Du Dich nicht zu sorgen, Onkel. Ich wohne bei Christoph Wackernagel und verdiene durch meine Malerei genügend Geld, um sorgenfrei leben zu können."

Du hast Dich der Kunst zugewandt?"

Wenn Du meine Arbeit Kunst nennen willst ja. Ich übermale Photographien. Wir machen jetzt sehr schöne, lebensgroße Porträr», die Oelgemälden sehr ähnlich sehen. Die Por­träts werden gut bezahlt."

Ja, ich las davon. Du bist in einem Atelier?"

Früher war ich in einem solchen. Jetzt ar­beite ich selbständig."

So ernährt die Kunst doch noch ihre« Mann," sagte Hildebrandt mit einem leichte« Lächeln. Doch nun muß ich nach Hause, mein liebes Kind. Ich fühle, daß es kühl wird."

Er erhob sich schwerfällig.

Ich danke Dir für diese Stunde. Es ist di« erste Freude, die ich seit langer Zeit hatte - ich danke Dir."

Sie schob die Hand unter feinen linken Arm, um ihn zu stützen.

(Fortsetzung folgt.)