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Marburg
Die „Gvrrhrsstfche Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der
naz» aan Sonn- und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt viertel, e/fj?. jährlich durch die Post bezogen 2,25 Mk. (ohne Bestellgeld), Bet
ünsern Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21,) 2 Mk.
«rbietigst
(Nachdruck verboten.)
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apparates auf keinen Fall bei dieser Reform der Reichsverstcherungsordnung eintreten darf. Auch die Heranziehung der Arbeitgeber zu den Kosten der Witwen- und Waisenversicherung dürste im Reichstage keine Mehrheit finden. Die Selbständigkeit der Berufsgenossenschaften ist unbedingt aufrecht zu erhalten. Sollte die Reichsversiche- rungsordnug im ganzen nicht vorgelegt werden, so dürste zunächst eine Reform der Krankenversicherung in Angriff genommen werden.
Die Kämpfe um die Reichsfinanzreform dürften, wenn auch sehr abgeschwächt, wieder aufleben bei der Novelle zum Talonsteuergesetz, durch welche bekanntlich die Steuerhinterziehungen, welche vor dem 1. August stattgefunden haben, vereitelt werden sollen.
Beim Etat, der schneller Beratung bedarf mit Rücksicht auf die nächstjährigen frühen Ostern, müssen vor allem die Grundsätze weiser Sparsamkeit zur Durchführung kommen. Reformen im Postwesen sind dringend erforderlich, und die Telephongebührenordnung, welche bekanntlich schon in dieser Session dem Reichstage vorlag, wird bald verabschiedet werden. Sollten daneben die Verbündeten Regierungen noch die Frage der Regelung der Schisfahrtsabgaben und das Kurpfuscherei- und Geheimmittelgesetz dem Reichstage vorlegen, so dürste es auch dem neuen Reichstage an Arbeit nicht mangeln.
Immerhin ist zu erwarten, daß die Wogen der politischenErregung nicht so hoch gehen, wie in der verflossenen Session und daß auch die Session selbst schon zu Ostern, spätestens aber Anfang Mai geschlossen wird. Die Tagung selbst dürste am 23. November, dem Dienstag nach Buß- und Bettag, eröffnet werden und es noch in den Wochen vor Weihnachten zu mehreren wichtigen Sitzungen kommen.
Ich will beiläufig erklären, daß irgend, welche Vorschußzahlung nicht geleistet werden braucht, dagegen müßte sich der Reflektant vorher verpflichten, zu einem noch näher zu bezeichnenden wohltätigen Zweck die Summ« von etwa 80 000 Mark zu zahlen.
Sollte sich Ew. Hochwohlgeboren für diese gründ reelle Sache interessieren oder auch einen Bekannten haben, der eventuell die Ernennung zum Kommerzienrat nicht ungern sehen würde und in der Lage ist, obigen Betrag zu zahlen, so bitte ich beiderfalls um umgehende gütige Benachrichtigung.
Mit ausgezeichneter Hochachtung ehr»
Arthur Schlittermann, Charlottenstraße 22a HI."
Der heutigen Auflage für den Kreis Marburg liegt Kreisblatt Nr. 75a bei.
Herr v. Holstein und die Flottenfrage.
„Erinnerungen an Herrn v. Holstein" veröffentlicht im Oktoberheft der „Deutschen Revue" der frühere Legationsrat W. v. Rath. Von besonderem Interesse sind die Ansichten des früheren langjährigen Ratgebers unserer auswärtigen Politik über die Flottenfrage. Herr v. Holstein wandte sich in seinen Aeußerungen a::s dem Dezember 1907 gegen die übermäßige Flottenbegeisterung, welche er für gefährlich hielt. Er sagt darüber:
„In Deutschland grassiert das Flottenfieber. Diese gefährliche Krankheit wird durch die unzutreffende Furcht vor einem englischen Angriff genährt. Die Wirkung des Flottenfiebers ist in dreifacher Richtung eine verderbliche: In der inneren Politik durch die Treibereien des Flottenvereins, die auch die größte Verstimmung in Süddeutschland Hervorrufen. In der Finanzwirtschaft durch die unerschwinglichen Ausgaben. In der auswärtigen Politik durch das Mißtrauen, das diese Rüstung erweckt. England erblickt darin eine Drohung, durch die es dauernd an die Seite Frankreichs gefesselt wird. Dabei ist es gänzlich ausgeschlossen, auch bei höchster Steueranspannung eine Flotte zu bauen, die den vereinigten von England und Frankreich gewachsen wäre. Das jetzige liberale Ministerium
in England wird aug der Drohung die man in England allgemein im deutschen Flottenbau erblickt, ernste Konsequenzen nicht ziehen. Anders wird es, wenn die Konservativen ans Ruder kommen.' Die Kriegsgefahr zwischen Deutschland einerseits und England und Frankreich anderseits spielt heute schon eine Rolle im politischen Kalkül anderer Länder. Japan zieht sie in Rechnung bei der Wahl des Zeitpunktes für seine Auseinandersetzung mit Amerika. Solange die deutsche Flotte gebaut wird und existiert, sind die maritimen Kräfte Englands und Frankreichs gefesselt, die Zeit zum Losschlagen für Japan also günstig. Ist die deutsche Flotte erst zerschmettert, so ist es zum mindesten zweifelhaft, ob nicht England und Frankreich gemeinsame Sache mit Amerika im Kampfe wider die gelbe Rasse machen werden. Gegen die Rüstung zu Lande wird niemand etwas einzuwenden haben, da sie durch die Notwendigkeit der Verteidigung berechtigt ist. In der Seerüstung erblicken mehrere Mächte eine fortgesetzte Drohung. . . ." Mit Interesse begrüßte deshalb Herr o. Holstein den vom Admiral Galster vertretenen Standpunkt, den Schlachtschiffbau soweit einzu- schränken, daß die deutsche Flotte der zweitstärksten, der französischen also, überlegen bleibe, im übrigen aber die Defensivkräfte energisch zu vervollständigen.
Wir geben die Aeußerungen hiermit wieder, Herr v. Holstein scheint uns aber weit über das Ziel hinaus zu schießen.
Politische Umschau.
Ein gesinnungstüchtiger Bürgermeister.
Berlin, 27. Sept. Im Mai dieses Jahres war der Castwirt Gabel mit 116 gegen 80 Stimmen zum Bürgermeister der Gemeinde Astheim bei Großgerau gewählt worden. Der Kreisausschub erklärte die Wahl für ungültig, weil Gabel bis zum Herbste 1908 zahlendes Mitglied der sozialdemokratischen Partei gewesen war. Auf die eingelegte Berufung hin bestätigte der Provinzialausschuß die Wahl, da Gabler erklärte, er sei „nur aus Geschäftsinteresse" der sozialdemokratischen Partei beigetreten.
Titelhandel.
Berlin, 27. Sept. Die „Franks. Ztg." veröffentlicht folgendes Schreiben:
„Berlin, den 5. August 1909.
Euer Hochwohlgeboren!
Mit Gegenwärtigem gestatte ich mir ganz ergebenst Ew. Hochwohlgeboren folgende Zeilen zu unterbreiten, erlaube mir aber gleichzeitig um äußerst diskrete Behandlung dieser Zeilen zu bitten.
Ew. Hochwohlgeboren werden vielleicht erstaunt sein, mich gerade an Ihre werte Adresse gewandt zu haben, vielleicht zerstreuen sich alle Zweifel, wenn ich mir zu erklären gestatte, Ihren geschätzten Namen von einem guten Geschäftsfreund erhalten zu haben, und daß Sie vielleicht bereit wären, diesem Schreiben ein geneigtes Ohr zu leihen.
Es handelt sich um die Beschaffung des Titels eines Königlich Preußischen Kommerzienrats. Mir ist Gelegenheit geboten, an höchster Stelle die Angelegenheit zu Ihren Gunsten zu erledigen.
Deutsches Reich.
— Auszeichnungen. Stuttgart, 28. Sept. Der „Staatsanzeiger" schreibt: Der König von Württemberg hat dem kaiserlich ottomanischen General Mahmud Schesket Pascha das Großkreuz des Friedrichsordens verliehen, der König von Preußen dem General der Kavallerie und kommandierenden General des 13. Armeekorps, Herzog Albrecht von Württemberg, das Großkreuz der Eroßkomture des königlichen Hausorden» von Hohenzollern.
— Todestag Friedrichs I. von Baden. Karls* ruhe 28. Sept. Am heutigen Todestage des Großherzogs Friedrich I. legte der preußische Ee-
T mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: „Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und „Landwirtschaftliche Benage
Wie das genante Blatt weiter mitteilt, wohnt ein Mann mit dem Namen Schlittermann nicht in dem angegebenen Hause.
Freisinn und Freihandel.
Der freisinnige Abgeordnete Gothein hat neulich wieder sein Lieblingsthema von den günstigen Folgen dieser Freihandelspolitik auf die wirtschaftliche Lage der deutschen Bevölkerung eingehend behandelt. Es dürfte daher angebracht sein, zu erfahren, welche Wertschätzung seine angeführten Argumente in England selbst haben. Unter der Ueberschrist „Armenstatistik und Freihandel" läßt sich di« „Berliner Mittagszeitung" unter dem 15. d. M. aus London melden: „Die halbjährige Armen« statistik zeigt eine Zunahme von 34 v. H. gegenüber dem Vorjahre um 959 848 Arme. Am schwersten betroffen sind die Jndustriebezirke. Der „Daily Expreß" behauptet, die Zahl der gesunden, kräftigen Männer, die Staatsunterstützung erhielten, hätte um 133 v. H. zugenommen. Die Parteiblätter benutzen die Statistik als scharfes Argument gegen den Freihandel. Es gibt 1000 Wähler weniger als im Vorjahre infolge der Armenunterstützung. Der Bericht der Handelskammer gibt an, daß der Gesamtimport in den letzten drei Jahren den Export um 88 Millionen Pfund überwog." Die praktischen folgen des Freihandels für England stimmen also herzlich wenig mit den Theorien des Abgeordneten Gothein überein. Wie lange sich die englischen Arbeiter eine solche Industrie und Kapitalspolitik, als welche sich das System Adam Smiths darstellt, gefallen lassen ist ihre Sache. Für Deutschland ergibt sich unseres Erachtens daraus nur ein neues Argument, an unserer bewährten Schutzpolitik festzuhalten, zu der bekanntlich auch England jetzt übergehen wird.
Die neuen Aufgaben des Reichstages.
Eine arbeitsreiche Session hat der Reichstag tm Juli abgeschlossen. Neben der Reichsfinanzreform und den Beamtenbesoldungsvorlagen wurden eine ganze Anzahl weittragender Gesetze in der abgelaufenen Session angenommen. Aber auch die kommende Tagung dürfte eine Menge schwerer Aufgaben bringen.
Zunächst sind zu erwarten die in der abgelaufenen Session nicht erledigte Vorlage betreffend die Errichtung von Arbeitskammern, die Novelle zur Gewerbeordnung, die neue Strafprozeßordnung und die Novelle zum Strafgesetzbuch, durch welche einige Paragraphen des Strafgesetzbuches abgeändert werden sollten.
Ob die Aenderung der Geschäftsordnung des Reichstages, welche sich auf Behandlung von Interpellationen bezog und bereits in der Kommission angenommen worden war, wieder zur Beratung kommt, mutz den einzelnen Parteien überlassen werden. Immerhin ist zu erwarten, daß die liberale Pattei diese Frage wieder aufgreifen und auch die Rationalliberalen wieder mit ihrem Antrag auf Schaffung eines Ministerverantwortlichkeitsgesetzes kommen werden.
Zu diesen sogenannten „alten Resten" sind dann neue Vorlagen zu erwarten, namentlich und in erster Linie auf handelspolitischem Gebiete. Der Abschluß oder die Verlängerung bestehender Handelsverträge ist erforderlich mit Amerika, England, Dänemark, Portugal, Japan und Bulgarien. Namentlich der amerikanische Handelsvertrag dürste zu lebhaften Debatten im Reichstage führen, da bekanntlich Amerika Konzessionen ans dem Gebiete der Vieh- und Fleischeinfuhr verlangt. Bei dem dänischen Handelsvertrag dürfte die Frage eines Zolles auf Milch und Rahm, wodurch der Butterzoll gegenwärtig in erheblichem Maße umgangen wird, wieder ausgerollt werden. Auf sozialpolitischem Gebiete ist die wichtigste Aufgabe die Erledigung der Reichsversicherungsordnung. Ob die bereits der Öffentlichkeit unterbreitete Reichsversicherungsordnung auch dem Reichstage vorgelegt wird, ist fraglich, da sich die Ansichten, ob es zweckmäßig ist, alle drei Versicherungsgesetze in einem Gesetz zu vereinigen oder nicht, sehr geteilt haben. Jedenfalls herrscht in Reichstagskreisen die Heber« zeugung, daß eine Vermehrung des Beamten-
Bestellungen
auf das vierte Quartal 1909
_ auf die „Ob er hessische Zeitung" nebst ihren Beilagen werden von unserer Expedi-
! Aon (Markt 21), unseren Ausgabestellen in Kirchhain, Neustadt und Wetter, sowie von allen Postanstalten und Landbriefträgern entgegengenommen.
„Sie ist allerdings sehr hübsch," entgegnete Mary kurz und wandte sich zum Gehen.
Er blieb an ihrer Seite.
„Wollen Sie mir erlauben, Sie einige Schritte zu begleiten?" fuhr er sehr höflich fort. „Wenigstens bis Sie aus diesem Gewühl heraus ssnd. Es ist schon spät und für eine junge Dame nicht angenehm, allein die Friedrichstraße entlang zu gehen."
„Ich bin es gewohnt, mein Herr."
„Das glaube ich nicht, mein Fräulein," entgegnete er mit einem feinen Lächeln. „Sie sehen gar nicht so aus, als ob Sie es gewohnt seien, zu Fuß durch die Straßen Berlins zu wandeln. Ach, sehen Sie! Das ist doch sehr unangenehm! Bitte, mein Herr, lassen Sie die Dame unbelästigt, sie steht unter meinem Schutz!"
Diese Worte galten einem langen Burschen, der, nicht mehr ganz nüchtern, dahertaumelte und ohne Absicht Mary angestoßen hatte.
„Bitte um Entschuldigung," murmelte er und taumelte weiter.
Mary zitterte und war sehr blaß geworden.
„Wenn ich nicht fürchtete. Sie zu beleidigen," sprach der Herr höflich, „so würde ich Sie Bitten, meinen Arm zu nehmen. Sie sind dann sicher vor Belästigungen."
Er bot ihr seinen Arm und, kaum wissend, was sie tat, legte Mary ihre zitternde Hand darauf.
„Stützen Sie sich nut fest auf meinen Arm," fuhr er freundlich und höflich fort. „Bald find wir aus dem ärgsten Gedränge heraus. Aber wie Eie zittern! Und wie braß 6i« find? Es
eine kurze Treppe hinauf. Ein Kellner kam ihm entgegen, der auf einen Wink des Barons die Tür eines kleinen, sehr geschmackvoll eingerichteten Salons öffnete.
Doch war dieser nicht von allen Seiten umschlossen. Er glich einer Loge, die nach der einen Seite offen ist. Und durch diese offene Seite sah man auf den dichtbesetzten, im Glanz der elektrischen Flammen strahlenden, großen Restaurationssaal, in dem ein lebhaftes, buntbewegter Treiben herrschte.
Mary atmete auf.
Wie oft hatte sie dort unten an reich besetzter Tafel in fröhlicher, ja oft lauter Gesellschaft gesessen! Wie oft hatte sie dort im Uebermut selbst den Pfropfen von der Champagnerslasche genommen und hatte laut aufgelacht, wenn ihre Mama bei dem lauten Knallen nervös zusammen gezuckt war.
Zahllose glänzende, fröhliche Bilder zogen an ihrer Seele vorüber, erfüllten sie mit Sehnsucht nach dem entschwundenen Reichtum und mit' tiefer Traurigkeit über ihre jetzige armselig« Lage. 1
Die Tränen traten ihr unwillkürlich in di« dunklen Augen.
„Lassen Sie uns wieder gehen," stammelte ft«.
„Aber ich bitte, mein gnädiges Fräulein," wehrte Baron Grimberg ab. „Ohne jede Erfrischung? Das kann ich nicht zugeben. Ich sehe. Sie sind erschöpft — Ihnen ist nicht wohl — nehmen Sie Platz — ruhen Sie sich ein wenig aus. Ich bitt« Sie herzlich, ein wenig Vertrauen zu mit zu haben. Ich weiß, mit wem ich di« Ehre habe." (Fortsetzung folgt)
ist Ihnen nicht wohl — darf ich Ihnen -icht eine kleine Erfrischung anbieten? Sehen Sie, da ist Kempinski.....wollen wir ein-
treten?“
„Nein — nein —“
„Nur für einen Augenblick, damit Sie sich erholen können."
„Aber ich kenne Sie ja gar nicht!"
Er lächelte.
„Pardon, daß ich vergaß, mich vorzustellen. Mein Name ist Grimberg — Baron Grimberg." Mary- hatte den Namen früher oft gehört. Ein Baron Grimberg war sogar Königlicher Kammerherr. Ihre Neugierde erwachte — ob ihr Begleiter wohl der Kammerherr war? Freilich sah er ein wenig jung für diese Würde aus. Sie streifte sein hübsches vornehmes Gesicht mit einem forschenden Blick — der Baron konnte noch nicht dreißig Jahre zählen.
Es reizte sie, ihn näher kennen zu lernen. Von einer gewissen Abenteuerlust war sie stets beseelt gewesen und das Leben in der Weltstadt hatte sie ziemlich freidenkend gemacht.
„Ich möchte nicht, daß man mich sieht," sagte sie zögernd, an die vielen Bekannten aus ihrem früheren Leben denkend.
„Seien Sie unbesorgt," beruhigte er sie. „Man soll Sie nicht sehen."
Damit traten sie in das elegante Weinrestaurant ein.
Der Portier grüßte ehrerbietig; et schien den Baton zu kennen.
„Ist der Salon frei?" fragte dieser.
Zu dienen, Herr Baron."
Dieser nickte mit dem Kopse und führte Mary
Die JnsertionSgebiihr beträgt für die 7gespalteire Zeile I oder deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. — I ii , v- _ <nnn Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, UniversitätSbuchdruckerei I
Donnerstag, 30. September 1909. Inhaber Dr. C. Hitzeroth, Marburg, Markt 21. — Telepbon 55. |
Stslz «m Stolz.
Roman aus dem Leben von O. Elster.
(Fortsetzung.)
Vor einem Juwelierladen blieb Mary stehen und betrachtete gedankenvoll die zur Schau gestellten Kostbarkeiten. Sie erinnerte sich, daß sie einst in diesem Laden ein herrliches, perlenbesetztes Armband gekauft hatte — das war erst vor einigen Monaten gewesen — und jetzt — jetzt sollte sie das Armband vielleicht bei demselben Juwelier wieder verkaufen?
Eine heiße Blutwelle überflutete ihre Wangen. Es war ein Gefühl der Scham, wenn sie daran dachte, daß sie ihre Kostbarkeiten, ihren Schmuck, den sie so leidenschaftliche liebte — das Einzige, was ihr von früher geblieben war — verkaufen sollte.
Plötzlich hörte sie etn leises, diskretes Räuspern neben sich.
Sie sah zur Seite und erblickte einen eleganten Herrn, der ihr schon ein paar JUial auf ihren Streifereien begegnet und ihr schon öfter eine Zeitlang gefolgt war, wie st« zu ihrem Lerger bemerkt hatte.
Unwillig wollte sie sich abwenden, als der Herr sagte:
„Verzeihen Sie, mein Fräulein, wenn ich Eie störte. Es lag nicht in meinet «bficht — mir fiel nut dieser Brillantstem da im Fenster
Es ist eine Brosche, wie ich sehe," fuhr et fort, als Mary unwillkürlich die Blicke darauf richtete. „Wie gefällt sie Ihnen?"
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