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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: „Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und,Landwirtschaftliche Berlage."
XL. 228
Die „Gberhesstsche Zeit««-" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post bezogen 2,25 Mk. (ohne Bestellgeld), bei unfern Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21,) 2 Mk.
Marburg
Mittwoch, 29. September 1909.
Die Insertionsgebühr beträgt für di« 7gespaltene Zeile oder deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. — Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, Universttätsbuchdruckerei Jnbaber Dc. E. Hitzeroth, Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
t! Jahrg.
Der heutigen Nummer liegt bei Kreisblatt Nr. 75.
Bestellungen
«ttf daS vierte Quartal 1909
«s die „Oberhessische Zeitung" nebst Ihren Beilagen werden von unserer Expedi- We« (Markt 21), unseren Ausgabestellen in Kirchhain, Neustadl und Wetter, sowie von allen Postanstalten und LandbriestrSgern entgegcngenommen.
Sicherheit der Flugapparate.
Man schreibt uns:
In geradezu erschreckender Weise haben sich in letzter Zeit die Unglücksfälle im Flugsport und in der Luftschiffahrt gehäuft und Hefe Trauer über das Land gebracht, das irr der konstruktiven und technischen Beherrschung von Fliegapparaten bisher die Führung gehabt hat: Frankreich. Die französische Nation darf versichert sein, daß die Teil- nabnre, die Kaiser Wilhelm dem französischen Krikgsministerium anläßlich der furchtbaren Katastrophe des Lenkballons „La Republique" hat aussprechen lassen, eine dem ganzen deutschen Volke gemeinsame Empfindung ist. An dem Flugproblem arbeitet die gesamte zivilisierte Welt; deshalb treffen Mißerfolge und Unglücksfälle, die sich der Entwicklung der Aeronautik in den Weg stellen »der die entmuügend wirken können, nicht eine einzelne Nation, sondern die Völkerfamilie, die sich in diesem Streben solidarisch fühlen darf.
Es war das eine der beiden Militärluftschiffe Frankreichs, das in der Republique durch ein bisher noch nicht aufgeklärtes Verhängnis zu Grunde gegangen ist. Es konnte als betriebssicher gelten, da es bereits eine große Zahl von Aufstiegen, die allerdings nur in seltenen Fällen zu längeren Fahrten ausgedehnt wurden, unternommen hatte. Sein Verlust wird aufs neue Anlaß bieten, sich mit der Bedeutung der Lenkballons und der Flugmaschinen für militärische Zwecke zu beschäftigen.
Vorläufig sind sämtliche Flugapparate, mögen sie nun Lufckreuzer, Ballonetluftschiff oder Flieger heißen, in militärischem Sinne noch unfertig und nur in beschränktem Umfange brauchbar, weil sie hinsichtlich der Fahrtleistung und der Fahrthöhe nicht den unbedingt zu stellenden Anforderungen genügen. Außerdem ist heute noch die Verwendung von Flugapparaten allzusehr vom Wetter abhängig. Endlich leiden, mit Ausnahme der Zeppelin-Luftschiffe, alle anderen Ballon- und Fliegerthps, unter dem Mangel eines zu geringen Aktionsradius. Dafür haftet dem starren System, wie es die Luftkreuzer Zeppelinscher Bauart besitzen, der Mangel einer zu geringen Transportfähigkeit an. Aber nach dem bisherigen Verlauf der Entwicklung ist anzunehmen, daß weitere tech-
32 (Nachdruck verboten.)
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Roman aus dem Leben von O. E l st e r.
k Fortsetzung.)
Frau Ritter schüttelte dann mit einer Miene den Kopf, als wolle sie sagen: „man muß Mitleid und Geduld mit dem armen kranken Mann haben . . ." und zog sich in die Stube Marys zurück, wo sie mit ihren Ermahnu'geu von neuem anfing, so daß Mary manchmal wütend Hut und Jakett nahm und hinauslies, um ziellos durch die Straßen der Millionenstadt zu wandern, nur um dem Elend ihres Heims zu entfliehen.
S- der sie stieg eine Treppe höher hinauf zu Wera Komorowska, einer jungen Russin, die sich Studien halber in Deutschland aufhielt.
Wera war jetzt ihre einzige Freundin.
Die ernste Russin mit dem gelblich-blasie.r Gesicht, aus dem zwei graue Augen melancholisch blickten und dessen niedrige und breite Stirn kurzgeschnittenes schwarzes Haar umrahmte, war freilich eine seltsame Genossin für die einst so lebenslustige, lebhafte Mary Hildebrandt. Aber dieses ernsthaft vorwärtsstrebende, sich in philosophische und chemische Studien vertiefende Mädchen, das mit seinen fünfundzwanzig Jahren die Reife und Erfahrung eines langen Lebens zu verbinden schien, das Mangel und Entbehrungen geduldig ertrug, nur um ihr Ziel zu erreichen, übte einen großen Einfluß auf Marys beweglichen Geist aus.
Marys frühere Freundinnen aus der Gesellschaft waren ihr entfremdet worden. Sie wollre pe nicht mehr sehen aus Scham über rhre jetzigen Verhältnisse. Weras Lage war aber
nifche Fortschritte nicht lange auf sich warten lassen werden. Handelt es sich doch darum, ein neues und aller Voraussicht nach wichtiges militärisches Hilfsmittel zu bekommen.
Das gilt namentlich auch für den Seekrieg, in dem in Zukunft, nach den Erfahrungen in den russisch-japanischen See-Operationen zu urteilen, Sprengversuche, die von Unterseebooten und durch schwimmende Minen ausgeftihrt werden, in großem Umfange vorgenommen werden dürften. Die Rücksicht auf die Besatzung und das kostbare Schiffsmaterial — die Kosten für ein Hochsee- Linienschiff erster Ordnung sind in den letzten zwanzig Jahren von 36 auf über 50 Millionen M gestiegen — nötigen zur Heranziehung aller nur irgendwie brauchbaren Abwehrmaßregeln. Der lenkbare, zu größerer Höhe aufsteigende Ballon gewährt die Möglichkeit, anfahrende Unterseeboote, verankerte und treibende Seeminen rechtzeitig zu sichten und so das in Fahrt befindliche Geschwader vor schwerem Schaden zu bewahren. Signal-, Fernsprech- und Photographie-Apparate können den Wert des lenkbaren Ballons für die Kriegsflotte noch ganz erheblich steigern. In jedem Falle ist ihnen die Verwendung im Rahmen der See- rüstung sicher. Ob allerdings der Luftkreuzer eine kriegsmäßig brauchbare Waffe werden kann, steht dahin. Ehe nicht, wie gesagt, die verschiedenartigen Mängel beseitigt sind, die gegenwärtig noch die Leistungsfähigkeit und die Sicherheit des zu irgendwelchen militärischen OperaHonen zu verwendenden Luftschiffes beeinträchtigen, werden von ihnen weder für die Nachrichtenbefördemng, noch für Ausklärungszwecke, ganz abgesehen von der Verwendung als eigentliche Kriegswaffe, zuverlässige Dienste erwartet werden dürfen.
Der Unfall der „RepMiqlle".
Paris, 27. Sept. Anläßlich der Katastrophe des Lenkballons „La Republique" werden in der französischen Presse Stimmen laut, welche für die Vorzüge des starren Systems des Zeppelinschen Luftkreuzers Eintreten. Heute führt auch der bekannte Luftschiffer Graf der la Vaul im Leitartikel des „Mattn" aus, den der Unfall, wie er der Republique passierte beim Zeppelinschen Luftschiff mit seinen getrennten Ballonetts keine solche Folgen gehabt hätte. Es wäre daher von Frankreich von großem Wert, daß entweder die Regierung oder Privatleute den Bau von Luftschiffen starren Systems in Angriffs nehmen. Wie man in der französischen Kriegsmarine erkenne, daß nur große Panzerschiffe oder Torpedoboote wirklichen Wert hätten, so sollte man auch zum Zweck der Militär- luftfchiffahrt nur Dreadnoughts der Lust und kleine Lenkballons bauen; die mittleren Lnftschiffe seien in der Luftflotte zwecklos.
Paris, 27. Sept. Mehrfach verlautet, der Kriegsminister beabsichtigt die Opfer der „Republique" noch dadurch zu ehren, daß ihnen ein höherer Grad zuerkannt werden soll. Hauptmann Marchal würde den Majorsrang, Oberleutnant
noch weit schlimmer, sie hungerte und fror, um ihrem Studium obliegen zu können. Sie verschaffte sich durch Stundengeben eine kleine Nebeneinnahme, da ihre Eltern ihr nicht genügend Geld schicken konnten. Und doch war sie stets gleichmütig ruhig und geduldig und murrte nie mit ihrem Schicksal.
„Was willst Du, Mary?" sagte ste eines Tages mit ihrem ernsten Lächeln, „Du hast es doch noch weit besser, als viele andere Mädchen und Frauen. Du hast ein Heim, Du bist vor Rot und Sorgen geschützt . . ."
„Und doch ertrage ich dieses Dasein n'cht länger!" rief Mary, erregt in dem dürftig möblierten Zimmer ihrer Freundin auf- und abgehend. „Am liebsten möchte ich in die Welt hinaus, nur um diesem entsetzlichen, öden Leben zu entfliehen um nicht mehr die Klagen meines Vaters und oas ewige Lamentieren der Frau Ritter zu hören."
„Dir fehlt ein festes Ziel," entgegnete Wera ernst.
„Welches Ziel könnte ich wohl haben?"
„Du hast mir doch erzählt, daß Du früher mancherlei Studien getrieben hättest?"
„Ja — alles durcheinander — nichts ordentlich — nichts von Grund aus, wie Du."
„So fange von vorn an und bringe Ordnung in Dein Wissen. Dann wird sich auch schon ein Ziel finden. Oder könntest Du nicht eine Stelle als Gesellschafterin oder als Erzieherin bei Kindern annehmen, um eine Aufgabe zu haben?"
Mary lachte spötttsch auf.
„Gesellschafterin bei einer alten Dame, die hochmütig auf mich herabblickt — Erzieherin von unbändigen Kindern, die einen zur Ver-
Chaurö den Hauptmannsrang und ben Unteroffizieren Reaux und Vincent der Leutnantsrang verliehen werden.
M o it l i s, 27. Sept. Die Leichen der im Ballon „La Republique" vemnglückten Lustfchiffer wurden heute früh zum Bahnhof überfühtt. Dort hielten General Goiränd im Namen des Kriegsministers und Bouttiaux im Namen der Luftschif- ferabtcilung Ansprachen. Die Truppen defilietten alsdann an den Särgen vorüber.
Politische Umschau.
Einigung der Liberalen.
München, 26. Sept. Heute tagte hier der Viererausschuß der freisinnigen Fraktionsge- meinfchaft,'um zu der Frage einer Vereinigung der freisinnigen Gruppen Stellung zu nehmen. Es wurde nach dem „Verl. Tgbl." ein Einverständnis darüber erzielt, daß der Zusammenschluß durch einfachen Uebertritt der beiden anderen Gruppen zur Freisinnigen Volkspartei nach der Lage der Dinge ebenso ausgeschlossen fei, wie eine ungenügend vorbereitete Verschmelzung ohne vorherige Verständigung über die wesentlichsten programmatischen, organisatorischen und taktischen Fragen. Der Vierer- ausschuß betrachte es deshalb als seine Ausgabe, diese Verständigung unter Mitwirkung der zuständigen Parteiorgane zu betreiben. Er ist in die Beratung der in Betracht kommenden einzelnen Fragen eingetreten unb wird demnächst die Verhandlungen fortsetzen. Ferner hat der Viererausschuß beschlossen, dahin zu wirken, daß ohne Verzug eine volle Verständigung der linksliberalen Patteien über ein gemeinsames Vorgehen bei den Wahlen herbeigesührt werde.
Louis Botha über die Zukunft Südafrikas.
Southampton, 27. Sept. Der Premierminister der Transvaal-Kolonie, General Louis Botha, der am Samstag an Bord der „Keittl- worth Castle" die Rückreise nach Südafrika angetreten hatte, empfing zuvor noch den Vertreter des Reuterschen Bureaus, der ihn um feine Ansicht über die verschiedenen Probleme der südafrikanischen Politik fragte. Botha sprach zunächst den lebhaften Dank Südafrikas für die freundliche Forderung des Einigungswerkes durch den König, die Regierung und das Volk des Mutterlandes aus und äußerte sich sodann dahin, daß ihm die Frage der künfttgen Regierung Südafrikas ebenso wenig Sorge mache, wie die Arbeiterfrage. Das Volk, das so kurz nach dem schrecklichen Kriege solche Mäßigung, so viel gesunden Menschenverstand gezeigt und das ihm erwiesene Vertrauen so glänzeiü» gerechtfertigt habe, könne wohl sich selber überlassen werden. Er glaube fest an eine gedeihliche Entwicklung Südafrikas. Die Auslassungen, die einen Arbeitermangel befürchten ließen, hatten vielleicht zum Teil den Zweck gehabt, den Minenmarkt zu beeinflussen. Er glaube an die immer befriedigendere Gestaltung der Eingeborenen-Arbeit, halte es aber auch für möglich, einen Stamm weißer Arbeiter zu schaffen. Der Minister schloß mit den Worten: „Ueberlassen Sie Südafrika sich selbst, ziehen wir einen Vorhang über die
zweiflung bringen — o, nein, dafür danke ich. Lieber gehe ich als Probiermamsell in ein Konfektionsgeschäft!"
„Mary, Du bist töricht! Du hast viel gelernt, Du hast gute Anlagen, warum nutzest Du das nicht aus?"
„Ich habe von allem etwas gelernt, aber nichts gründlich," entgegnete Mary niedergeschlagen.
„So hole das, was Du versäumt hast, nach. Besuche die Vorlesungen der Universität, studiere daheim. Ich will Dir gern behilflich sein. Entscheide Dich für ein Fach, welches Du ordentlich und von Grund aus studieren willst."
„Ich möchte schon Medizin studieren," sagte Mary nachdenklich. „Aber daran ist in Berlin nicht zu denken. Alle Augenblicke würde ich mit früheren Bekannten zusammentreffen — ihr neugieriges Fragen, ihre falsche Teilnahme, ihr heimliches Spotten — das könnte ich nicht ertragen!"
„Ich will Dir einen Vorschlag machen, Mary. Ich gehe im nächsten Semester nach Zürich, begleite mich dorthin."
„Ach, es war schon von jeher mein Wunsch, in das Ausland zu gehen," rief Mary lebhaft. „Aber wie sollte ich es möglich machen? Mein Vater kann mir nichts geben, dazu ist er krank
„Frau Ritter ist ihm eine bessere Pflegerin, als Du," entgegnete Wera lächelnd. „Und was die Mittel anbelangt — Du hast mir einmal eine Kassette gezeigt, die ganz angefüllt war mit Kostbarkeiten . . ."
„Ja, meine Schmucksachen von früher."
„Run, allein von de« Geld, das Du für bas
Mitzhelligkeiten der Vergangenheit, vergessen Sie uns für eine Weile und geben Sie uns dir Möglichkeit, unsere Schwierigkeiten selbst z» lösen. Ich weiß, daß dem britischen Volke daran liegt, ein starkes, gesundes Volk in Südafrika entstehen zu sehen. Die beiden weißen Rassen in Südafrika verlangen heute nichts alt Politik gegenseitiger Geduld, Versöhnung uni Zusammenwirkens. Erfüllt von diesem Geiste, dieser Politik kehre ich zurück in die Heimat."
Anfitt>elung deutscher Eisenbahnarbeiter in bet Ostmark.
Wie die „Schles. Ztg." mitteilt, haben die vor etwa drei Jahren begonnenen Versuche, in der Ostmark auf Bahnhöfen und in deren Nähe deutsche Eisenbahnarbeiter anzusiedeln, bisher ein gutes Ergebnis gehabt. Der erste Versuch wurde auf acht Bahnhöfen der Strecke Ostrowo- Krotoschin-Lissa-Ventschen des. Eisenbahndirek- tionsbezirks Posen gemacht. Ebenso sind im Eisenbahndirektionsbezirk Bromberg an den Strecken Enesen-Hohensalza und Hohensalza» Elsenau-Rogasen derartige Arbeiteransiedlungen geschaffen worden. Die Wohnhäuser sind geräumig gebaut und reichen auch für verheiratete Arbeiter mit einer größeren Kinderzahl aus. Jedem Arbeiter wird außer einem Stück Gartenland ein Landstreifen zugeteilt, der die nötigen Feldfrüchte für den Haushalt, sowie Futter für eine Kuh oder Ziege und etwa zwei Schweine liefert. Die Miet- und Pachtbeding. ungen sind sehr günstig. Für die Ansiedler- stellen kommen nur deutsche Arbeiter in Frag« die in sittlicher, gesundheitlicher, dienstlicher uni politischer Hinsicht einwandfrei sind. Bevorzugt werden Eisenbahnarbeiter oder Hilfsbedienstete, die erst von außerhalb in die Provinz Posen übersiedeln.
Deutsches Reich.
— Die Staatssekretäre Delbrück und Wermuth beim König von Sachsen. Dresden, 27< September. Der König hat heute Mittag im Residenzschlosse die Staatssekretäre Delbrück und Wermuth in Audienz empfangen. Anschließend daran fand eine königliche Frühstückstafel statt, wozu außer den Genannten der preußische Gesandte, sowie Minister Dr. v. Rneger und Gras Vitzthum von Eckstädt geladen waren.
— Ans der nationalliberalen Partei. Der am 25. b. M. in Darmstadt znsammengettetene San- besparteitag der Naitonalliberalen Hessens nahm eine Resolution an, worin der Haltung der nativ» nalliberalen Reichstagsfraktion bei der Reichsfinanzreform zugestimmt und bedauett wird, dass Gras Oriola und Frhr. v. Hehl den Standpunkt der nattonalliberalen Partei in dieser Frage nicht geteilt haben und ihren Austtitt aus der Pattei erbeten haben.
Ausland.
** Serein für Sozialpolitik. Wien, 27. Sept. Die für drei Tage berechnete Generalversammlung des Vereins für Sozialpolitik ist heutt Vormittag in Anwesenheit der Minister Bros
Perlenkollier erhältst, würde ich ein halbe» Jahr lang leben können."
„Du meinst, ich soll meine Schmucksachen ver taufen? Ach, Wera, sie bilden ja die einzi- Erinnerung an mein früheres Leben! Es fini Geschenke meiner Eltern und ich hänge so seh, an ihnen."
„Was nützen Dir die glitzernden Dingel jetzt? Tragen kannst Du sie doch nicht, ohn< Dich lächerlich zu machen. Hängt Dein Hen wirklich noch an solchen Nichtigkeiten, dann bist Du nicht reif für den Ernst des Lebens."
Damit wandte sich Wera wieder ihrer Büchern zu.
Mary ließ den Kopf hängen, sie schmollt» über die ernsten Worte der Freundin, deren Be, rechtigung sie doch innerlich zugeben mußte, Aber noch war ihr Herz zu sehr von den Gefühlen eines falschen Stolzes erfüllt, als daß sie sich zu einem neuen, von ernsten Zielen er« füllten Leben aufraffen konnte.
»Ich werde mir Deine Worte fiberlegeiL Wera," sagte sie nach einer Weile und verließ bas kleine dürftige Zimmer der Russin.
In die väterliche Wohnung mochte sie nicht gleich zurückkehren. Sie fürchtete sich vor dem sauertöpfischen Gesicht der Frau Ritter und de» mürrischen Klagen ihres Vaters.
Sie verlies das Haus und schritt ziellos weiter, bis sie ben belebteren Teil bet Fried, richstraße erreicht hatte. !.
Blendendes Licht umflutete sie, der Menschen- strorn wogte an ihr vorüber oder trug sie mH vorwärts, in den hellerleuchteten Schaufenster» lockten die ausgelegten Waren, glanzten elegante Kleidungsstücke, funkelten Gold »nG Brillanten. : . lSortsetzung folgt.) j