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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

und den Beilagen: »Mach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) undLandwirtschaftliche Berlage.

Jtl 227

DieGderhesstfche Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt viertel­jährlich durch die Post bezogen 3,25 Mk. (ohne Bestellgeld), bei unfern Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21,) 2 Mk.

Marburg

Dienstag. 28. September 1909.

Die Insertionsgebühr beträgt für tue 7gespaltene Zeile oder deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, Universttätsbuchdruckerei Inhaber Dr. E. Hitzeroth, Marburg, Markt 21. Teftphon 55.

44. Jahrg.

Bestellungen

aus das vierte Quartal 1909 auf dieOberhessische Zeitung" nebst ihren Beilagen werden von unserer Expedi­tion (Markt 21), unseren Ausgabestellen in Kirchhain, Reustadt und Wetter, sowie H»<--»on allen Postanstalten und Landbriesträgern *. »ntgegengenommen.

Der Unfall des französischen Lenkballons.

Wie wir bereits im Depeschenteil der Sonn« tags-Nummer noch mitteilen konnten, hat ein schrecklicher Unglücksfall den französischen Lenk- ballonRepublique" betroffen und das Leben von vier Luftschiffern gefordert. lleberall in der zivilisierten Welt wird das Unglück herzliche Teilnahme und Bedauern wecken. Unser Kaiser hat bereits Jein Beileid über die Katastrophe dem französischen Kriegsministerium ausdrücken lassen und auch das deutsche Volk nimmt trotz allem, was uns von unseren Nachbarn jenseits der Vogesen trennt, Anteil.

Umsomehr als das allgemeine Jnterejse ner- anlatzt durch den Aufschwung, den die Luftschiff­fahrt genomen hat, sich diesen Problemen und ihren Erfolgen zugewandt hat. Die glücklich ausgeführten Fahrten unseres Grafen Zeppelin haben uns bereits vergessen lassen, welchen Ge­fahren eigentlich die Luftschiffer ausgesetzt sind. Der jetzige Fall zeigt aber, wie sehr die Sicher­heit doch noch zu wünschen übrig läßt.

Ueber den Unfall liegen folgende ausführ­liche Meldungen vor:

Paris, 25. Sept. Aus La Palisse wird über die Ballon-Katastrophe der die ..Republique" und seine Besatzung zum Opfer fiel, gemeldet: Der Aufstieg er­folgte bei schönem Wetter. In der Gondel befanden sich Hauptmann Marchal, Leutnant Charar und zwei Unteroffiziere. Um 8 Uhr 25 Min. passierte die ..Re­publique" ' Moulins in einer Höhe von 120 Metern, wobei die Leichtigkeit, mit der das Luftschiff ma­növrierte, Und die außerordentliche Stabilität deutlich in die Erscheinung trat. Die gesamte Bevölkerung war auf die Straßen geeilt und bereitete den Luft- schiffern lebhafte Ovationen, die von der Gondel aus mit Grüßen erwidert wurde. Alles ließ erwarten, daß die Heimfahrt glücklich von statten gehen werde, als plötzlich die gemeldete Katastrophe eintrat.

Paris, 25. Sept. Die verunglückten Offiziere, welche beide dem Luftschifferbataillon des ersten Genieregiments angehörten, waren unverheiratet, die Unteroffiziere dagegen verheiratet und Familienväter. Von einem Augenzeugen wird berichtet, daß die Lei­chen der Verunglückten furchtbare Verletzungen auf­weisen. Hauptmann Marchall hatte mehrere Schädel­brüche erlitten, dem Leutnant Chaure waren die Brust und die Beine zerschmettert. Die beiden Unteroffi­ziere waren von dem Motor förmlich zerquetscht wor­den. Ein Blatt weist darauf hin, daß dieLa Re­publique", welche auf ihrer Fahrt nach dem Manöver­gelände einen Unfall erlitten hatte, in aller Eile aus­gebessert worden sei und fragt, ob bei dieser Ausbesse­rung vielleicht die erforderliche Gründlichkeit außer Acht gelassen worden sei.

Paris, 25. Sept. Kaiser Wilhelm hat den Mili­tärattache von Winterfeld beauftragt, dem franzöfi- - sehen Kriegsministerium anläßlich der Katastrophe der La Republique" das Allerhöchste Beileid auszu- drücken.

Frankfurt a. M., 25 .Sept. Der Kommandeur Maates französischen Luftschifferbataillons Boyer und der Kommandeur des Luftschiffparkes Bauttteux besuchten heute Nachmittag dieJla". Hier traf sie die Nach­richt von dem Untergang des französischen Militär- luftschifsesLa Republique", was die Herren zur so­fortigen Rückkehr nach Paris veranlaßte.

Paris, 26. Sept. Der Kriegsminister schickte heute früh den Chef des Militärkabinetts General Touchee zum deutschen Botschafter, um ihm den Ausdruck seiner Rührung über die. Bcileidskundgebung Kaiser Wilhelms zu überbringen.

Moulins, 26. Sept. Der Jngenieuroffizier, der den Schraubenflügelbruch an derLa Republique" untersuchte, erklärte, die Annahme im Metall sei eine brüchige Stelle, müsse fallen gelassen werden. Die Bruchstelle weise keinerlei Spuren einer solchen auf.

Moulins, 26. Sept. Die Katastrophe des Lenk­ballonsLa Republique" ereignete sich genau um 8 Uhr 35 Min., 9% Kilometer von Moulins. Die Offiziere, die zwei Militärautomobile bestiegen, sahen das Luftsckiff schwanken und plötzlich mit großer Ge­schwindigkeit niederfallen. Die Automobilisten kamen fast sogleich an dem Unglücksorte an. Die Ballon­hülle bedeckte vollständig die Gondel, die die vier Lei­chen barg. Kapitän Marchall befand sich in sitzender Stellung, die Augen weit geöffnet; er hatte einen Schädelbruch erlitten. Leutnant Chaure batte eine tiefe Wunde am rechten Auge und eine große Wunde in der Leistengegend. Die beiden Mechaniker lagen unter dem Motor und hatten Wunden am Kopfe und den Beinen. Das Unglück wurde dadurch veranlaßt, daß die rechte Schraube, die aus der Achse gesprungen war, in die Ballonhülle geschleudert wurde und diese zerriß. Die Leichen wurden nach dem benachbarten Schloß gebracht. Präsident Fallieres und Minister- Eäsidcnt Briand haben den Angehörigen der Opfer r Beileid aussprcchen lassen.

Moulins, 26. Sept. Ministerpräsident Briand traf zestern Nachmittag hier ein und besichtigte die Un- »lücksstätte. Er begab sich ins Krankenhaus, um den kpfern der Katastrophe, an deren Bahren Offiziere

und Unteroffiziere Totenwache halten, seinen letzten Gruß zu entbieten. Er wird auf dem Sarge des Hauptmanns Marchall das Offizierskreuz und denen der anderen Verunglückten das Ritterkreuz der Ehren­legion niederlegen lassen. Das Leichenbegängnis wird rn Versailles veranstaltet. Die Trümmer deS Lenk­ballons wurden von Soldaten gesammelt und nach Moulins gebracht. Der Schraubenflügel, der die Be­schädigung des Ballons verursachte, wurde hundert Meter von der Unglücksstätte entfernt aufgefunden,- er soll Spuren eines alten Bruches aufweisen.

Paris, 26. Sept. Ein Berichterstatter desMatin", der dem BallonLa Republique" im Automobile folgte, schildert die Katastrophe in folgender Weise: Der Ballon schwebte über dem Schlosse Avrillh, als er sich plötzlich von rechts nach links neigte und sich dann wieder, wie einem kräftigen Ruck des Steuers gehor­chend, gerade richtete. Einige Sekunden später sahen wir, wie etwas von dem Korbe absprang, in der Sonne erglänzte und gegen die Ballonhülle flog. Einer der Flügel der rechtsseitigen Schraube hatte sich los­gelost; tote ein Rasiermesser hatte er die Ballonhülle durchschnitten, die unter dem furchtbaren Drucke des Wasserstoffgases vollständig zerriß. Es war furchtbar. Wie ein Riesenpfeil stürzte der Ballon in rasender Schnelligkeit senkrecht zu Boden. Mit einem schreck­lichen Getöse, in eine Staubwolke gehüllt, schlug die Eisenmassc des Luftschiffes auf, das sofort von der Ballonhülle, wie von einem Leichentuche zugedeckt wurde. Andere Augenzeugen erzählen, sie hätten ge­sehen, wie Leutnant Chaure aus dem Korbe zu springen versucht habe, und wie sich die beiden Unter­offiziere während des Todessturzes umfangen hielten, ^ch habe davon nichts gesehen.

Es steht nunmehr außer Zweifel, daß die Kata­strophe in der Tat durch einen abgesprungenen Schraubenflügel verursacht wurde. Der abgesprungcne Flügel, der etwa 100 Meter von der Unglücksstelle entfernt in dem Geätze eines Baumes gefunden wurde, war noch mit einem Stück Kautschukseide umhüllt, das er aus der Ballonhülle herausgerisscn hatte. Der Flügel wurde für die von Sachverständigen vorzuneh­mende Untersuchung unter gerichtlichen Verschluß ge­nommen. Einzelne Leute behaupten, sie hätten an dem Flügel einen schon alt scheinenden Sprung und an der Bruchfläche einen Fleck gesehen.

Der Luftschiffer Kapferer äußerte zu einem Inter­viewer, aus der Katastrophe könnte vielleicht die Lehre gezogen werden, daß die Holzschrauben den Metall­schrauben vorzuziehen seien. Mehrere Fachleute be­rührten in Unterredungen mit Zeitungsberichtcrstat- tern, daß auch derZeppelin 3" durch einen Schrau­benflügel beschädigt worden sei, daß aber dank seinen Ballonets eine Katastrophe vermieden wurde.

Der Kriegsminister General Brun erklärte einem Mitarbeiter desEcho de Paris", daß seiner Ansicht nach die Lenkballons in einer nahen Zukunft vor den Aeroplanen das Feld räumen müßten. Der Lenk- ballon sei allzu sehr verwundbar. Die Aeroplanc, wenn sie auch noch nicht die Vollkommenheit erreicht haben, kämpften siegreich mit dem Winde und könnten sich zu beträchtlicher Höhe erheben. In Kriegszciten könne ein Offizier mit einem Aeroplane drei- bis viermal täglich auffteigen und Aufklärungsflüge un­ternehmen. Und wenn es das Unglück wolle, daß die Leinwand von ein paar Kugeln zerrissen werde, dann könne der Aeroplan noch immer fliegen. Gewiß, die Lenkballons sind sehr nützlich. Wir werden die nötigen Opfer bringen, um dieRepublique" zu ersetzen. Aber ich beschäfttge mich schon jetzt mit dem Ankäufe von Aeroplanen, die dazu dienen werden, unsere Sol­daten einzuüben, und wenn sie ordentlich geschult sind, dann werden wir Aeroplane neuesten Modells an« schaffen. Ich glaube fest an die Zukunft der Flug­maschinen für militärische Zwecke.

Paris, 26. Sept. DerTemps" leitet infolge einer ihm aus seinem Leserkreise zugegangenen Aufforde­rung, zum Andenken an die Opfer der Katastrophe der La Republique" eine Sammlungfür die Ausge­staltung des nationalen Werkes der militärischen Luftschiffahrt" ein. Auch für die Errichtung eines Denkmals zu Ehren der verunglückten Lenker der La Republique" wurden bereits verschiedene Beträge gezeichnet.

Paris, 26. Sept. Der von der Militärverwaltung bestellte LenkballonColonel Renard", welcher sich in einem Schuppen auf dem Manöverfelde bei Reims befindet, sollte gestern eine Probefahrt unternehmen. Dieselbe unterblieb jedoch, da festgestellt wurde, daß der Ballon Wasserstoffgas verlor. Der Erbauer des Ballons, Ingenieur Kapferer, sowie die mit der Ueber- nahme des Luftschiffes betrauten Offiziere erklärten, daß nach der Katastrophe derLa Republique" dop­pelte Vorsicht geboten sei.

Em schwedisch-holländischer Zwischenfall.

Amsterdam, 24. Sept. Das Fischerboot Vlaardingen 51 begegnete am 21. September unter dem 52. Gr. 28 M. nördlicher Breite dem schwedischen UnterseebotHvalen, das durch Signale um Hilfe bat, weil es Schaden am Steuerruder hatte. Die beiden Kapitäne sollen vereinbart haben, daßVlaardingen 51" das Unterseeboot gegen eine später festzusetzende Entlohnung in den Waterweg schleppen sollte. Vor der Einfahrt in den Waterweg mutzte die Vlaardingen" wegen Windstille vor Anker gehen. In dem dortigen ruhigen Wasser gelang es der Mannschaft des Unterseeboots, das Ruder in Ordnung zu bringen und als die Manns^rft desVlaardingen" am anderen Tage die Reis» fortsetzen wollte, ritz die Schlepptrosse. Das Unterseeboot lehnte es nun ab, weiter geschleppt zu werden und fuhr davon. An Bord des Vlaardingen" stellte man fest, daß die Schlepp­trosse durchgeschnitten worden war und das Boot fuhr nach Vlaardingen, um den Behörden den Vorfall zu melden. Inzwischen hatte sich

Hvalen" nach Ymuiden begeben, wo man frst- stellte, datz das Steuerruder sich noch in defektem Zustande befand. Die Reeder derVlaardingen beauftragten auf die Nachricht von der Ankunft des Unterseebootes einen Rechtsanwalt und einen Eerichtsdiener, das Unterseeboot mit Be­schlag zu belegen. Die beiden Herren wurden aber von dem Kapitän weggewiesen. In Be­gleitung des schwedischen Vizekonsuls in Ymni- den begab sich der Kapitän nach dem Haag, um sich bei dem schwedischen Gesandten zu beklagen. Heute nun haben der schwedische Geschäftsträger und der Kapitän im Ministerium des Aeußeren einen Besuch abgestattet, wo der Vertreter des Ministers ihnen vorläufig sein Bedauern aus- sprach und die Zusicherung gab, daß die Unter­suchung über den Vorfall eingeleitet werden solle.

A m st e r d a m. 25. Sept. Der Kapitän des schwedischen UnterseebootesHvalen" erklärt in seinem Bericht, datz das FischerbootVlaardin­gen 51 gezwungen gewesen sei, vor Waterweg vor Anker zu gehen und die Besatzung des Unter­seebootes begonnen habe, sein Steuerruder aus­zubessern. Ehe die Arbeit beendet gewesen sei, begannVlaardingen" das Unterseeboot weiter zu schleppen und dabei seien die Schleoptrosse ge­rissen. Er habe für die Hilfeleistung zehn Pfund Sterling geboten, das sei vomVlaardingen aber zurückgewiesen worden.

Amsterdam, 25. Sept. Der Kommandant der Festung Pmuiden begab sich auf Befehl des Kriegsministers an Bord des schwedischen UnterseebootesHvalen", um im Namen des Ministers dem Kapitän das Bedauern über den Zwischenfall mit dem FischerbooteVlaacdin- gen" auszudrücken.

Politische Umschau.

Hudson- und Fulton-Feker.

N e w y or t, 25. Sept. Anläßlich der Hud­son- und Fulton-Feier prangen die Stadt und die Ufer des Hudsonflusses in Festschmuck. Auf der breiten Wasserfläche liegt eine stattliche Flotte von Kriegsschiffen: 54 amerikanische. 4 deutsche, nämlich die KreuzerDresden,Bre­men",Hertha" undViktoria Luise", 8 fran­zösische, 5 englische, 3 österreichische, 2 italienische und je ein holländisches, argentinisches, mexika­nisches und kubanisches. Bei herrlichem Wetter holten heute Torpedoboote die im unteren Hafen liegenden Nachbildungen desHalve Maen", des Seglers, auf dem Hudson vor 300 Jahren die Erforschung des Hudsonflusses unternahm, und desElermont", des Fultonschen Dampf­schiffes, das vor 100 Jahren die erste Fahrt machte, feierlich ein. Beide Fahrzeuge fuhren an der Flotte vorüber, von jedem der Kriegs­schiffe mit Salut empfangen und wurden bann von der Stadt entgegengenommen. DieHalve Maen", ein Geschenk Hollands, kollidierte auf der Vorbeifahrt mit demClermont", wodurch beide Schiffe leicht beschädigt wurden. An der nun folgenden Flottenparade nahmen sämtliche Kriegsschiffe und gegen 100 Kauffahrteischiffe teil, lieber zwei Millionen Menschen wohnten mittags dem Schauspiele bei. Die offiziellen Gäste, unter ihnen der Vertreter des deutfchen Kaisers, Großadmiral v. Köster, wurden vom Gouverneur, den städtischen Behörden und der Hudson-Fulton-Kommission empfangen. Abends hatten alle Kriegsschiffe und die anderen Fahr­zeuge illuminiert, während die Stadt im Licht­meere erstrahlte. Gleichzeitig mit dem Beginn ginn der Festlichkeiten zu Wasser erfolgte im Metropolitan-Kunstmuseum die Eröffnung der Hudson-Fulton-Ausstellung von holländischen und amerikanischen Kunstwerken. Die offiziellen Feierlichkeiten dauern bis zum 9. Oktober und fassen die verschiedenartigsten festlichen Veran­staltungen.

Deutsches Reich.

Der konservative Verein von Grotz-Lichtsr- felde faßte folgenden Beschluß: 1. Der Konser­vative Verein von Groß-Lichterfelde nimmt von der Erklärung des Vorstandes Kenntnis, datz sich die Worte in dem an die Mitglieder gerichteten Schreiben vom 28. September dieses Jahres: Er sagt sich daher von der jetzigen Parteilei­tung los, nicht auf die Parteileitung überhaupt beziehen, sondern auf die Leitung der konser­vativen Reichstagsfrattion, auch datz damit nicht eine Lossagung von der deutsch-konservativen Partei, sondern von der Richtung gemeint ist, welche die genannte Fraktionsleitung bei dem Abschluß der Reichsfinanzreform eingeschlagcn hat- .2. Der Verein erklärt, daß er im Einver­ständnisse mit dem Vorstände nach wie vor an feiner Zugehörigkeit zur deutsch-konservativen Partei und den Grundsätzen des Tivoli-Pro­gramms festhält und eine Einigung der inner­halb der Partei sich gegenwärtig bekämpfenden Richtungen für unbedingt notwendig erachtet. 3. Der Verein hält es aber für unerläßlich, daß

die Parteileitung den Wünschen treu konserva» tiver Kreise so entgegenkomme, daß die schweren Schädigungen, welche jetzt die konservative Werbekrast bedrohen, verhütet werden.

Die Veteranenbeihilfe. Der Bundesrat wird bei Wiederaufnahme der Arbeiten km Oktober, wie verlautet, zunächst einigen im Juli vom Reichstage genehmigten Gesetzen seine Zu­stimmung erteilen, in erster Linie dem Entwurf« über die Gewährung von Veteranenbeihilfen, der den Invaliden einen Jahresehrensold von 120 Mark gewährleistet. Diese Materie muhte leider im Sommer wegen der eintretenben Sommerferien des Bundesrats unerledigt bleiben.

International« Elektrizitäts-Ausstellung in Dresden. Dresden, 25. Sept. Wie von maß­gebender Seite mitgeteilt wird, ist für das Jahr 1913 auf Anregung aus beteiligten Kreisen die Veranstaltung einer Internationalen Elektrizi­täts-Ausstellung in Dresden geplant. Der Rat befaßte sich bereits mit dem Projekt und steht der Verwirklichung, nachdem mehrere deutsche Elektrizitätsgesellschaften ihre tatkräftige mate­rielle Förderung des Unternehmens zugesichert haben, sehr sympathisch gegenüber. Es wird be­reits in den nächsten Tagen auf Einladung des Oberbürgermeisters Feutler eine Vorbesprechung mit den maßgebenden Vertretern der Industrie und der Wissenschaft stattsinden.

Vorsichtsmaßregeln gegen die Cholera. Berlin, 25. Sept. DieNordd. Allg. Zeitung schreibt mit Bezug auf das Vorkommen verein­zelter Fälle der asiatischen Cholera in den öst­lichen Provinzen Deutschlands: Abgesehen von umfassenden Schutzmaßregeln an Ort und Stelle wird der Schisfahrts- und Flößereiverkehr ge­sundheitlich überwacht und sind Stromüber­wachungsstellen eingerichtet am Melfluß bei Schmalleningken, Tilsit, Russ. ßapienen, -it der Weichsel bei Schillno, Thorn, Schulitz, an der Oder hei Wollin, Swinemünde, Ückermünde, Kratzwieck, Stettin, Piepenwerder. Podejuch, Gartz. Außerdem findet mit Rücksicht auf die Cholera in Holland gesundheitliche Heber« wachung der auf dem Rhein aus Holland kom­menden Fahrzeuge bei Emmerich statt. Es darf angenommen werden, daß es gelingen wird, etwaige weitere Choleraeinschleppungen in kür­zester Frist unschädlich zu machen .

Dementi. Berlin, 25. Sept. DieNordd. Allg. Zeitung,, schreibt: DieRheinisch-West­fälische Zeitung" hehauptet, daß zwischen dem Staatssekretär des Reichs-Kolonialamts, Dein« bürg, und dem llnterstaatssekretär Dr. v. Linbe- Quift ein Gegensatz bestehe daß der Staatssekre- tär Dernburg aus feinem Amte scheiden und an seine Stelle der llnterstaatssekretär im Auswär­tigen Amte Dr. Stemrich treten solle, daß fer­ner Unterstaatssekretär v. Lindequist im diplo­matischen Dienst Verwendung finden und durch den Gouverneur von Deutsch-Ostafrika Frhrn. v. Rechenberg ersetzt werden soll. Wir sind er­mächtigt, alle diese Angaben in das Reich der Fabel zu verweisen.

Ausland.

** Die ungarisch« Krise. Wien, 25. Sept Ministerpräsident Dr. Wekerle wurde vom Kai­ser in Audienz empfangen und übereichte die Demission des ungarischen Kabinetts. Buda­pest, 25. Sept Der König traf über die Demis­sion des ungarischen Kabinetts noch keine Ent­scheidung. Sie dürfte Montag erfolgen, da Dr. Wekerle am Dienstag im Abgeordnetenhause Miteilung über die Demission des Kabinetts macht. Es verlautet, daß Koffuth als Führer der Majorität zum König berufen wird.

** Die Spanier in Marokko. Alhucemas, 26. Sept Die Spanier wiesen wiederholte An­griffe der Mauren unter großen Verlusten für die letzteren zurück. Melilla, 26. Sept Die spanischen Truppen nahmen gestern nach leichtem Feuergefecht und einem Kavallerieangriff die Position Tamina, die südlich von Mar Chicar am linken Ufer des lled Seluan nahe dessen Mündung liegt Die Verluste der Spanier sind gering, die des Feindes bedeutend. Die wich­tige Positton Tamina, die verstärkt wird, soll den künftigen Operationen als Basis dienen.

Madrid, 26. Sept. Wie aus Melitta amtlich gemeldet wird, besetzten die Spanier Nador und die umliegenden Anhöhen. Zahlreiche Mauren wurden unterworfen und lieferten sechzig Ge­wehre aus.

** Von Piraten gekapert. Manila, 25. Sept An amtlicher Stelle traf die noch unbestätigte Nachricht ein, daß der ZollkutterSora" auf der Höhe von Borneo von Piraten gekapert worden ist. Kapitän Magerley und die ganze aus 18 Mann bestehende Besatzung feien ermordet. Ei« Kanonenboot ist zur Untersuchung der Ange­legenheit abgesandt.

** Serbien. Belgrad, 25. Sept. Der König hat im Einvernehmen mit der Regierung ent­sprechend der bezüglichen Bestimmungen der Ver- I fassung ein Hausgesetz erlassen, daß die Hans, I