JUL 225
mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: ,Mch Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und „Landwirtschaftliche Benage."
Die „Gbrrhefstsche Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post bezogen 2,23 Mk. (ohne Bestellgeld), bei unfern Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21,) 2 Mk.
Marburg
Sonnabend, 25. September 1909.
Dse Insertionsgebühr beträgt für die 7gespaltene Zeile oder deren Raum "15 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. — Druck und Verlag: Joh. Auq. Koch, Universitätsbuchdruckerei Inhaber Dr. C. H itzeroth, Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
44. Jahrg.
Der heutigen Nummer liegt bei Kreisblatt Nr. 74.
Bestellungen
,t auf das vierte Quartal 1909 Wf die „Oberhessische Zeitung" nebst "Ihren Beilagen werden von unserer Expedition (Markt 21), unseren Ausgabestellen in Kirchhain, Neustadt und Welter, sowie von allen Postanstalten und Landbriefträgern entgegengenommen.
Frankreich und England.
Seitdem die Etablierung der entente cor- dia le zwischen Großbritannien und Frankreich für die französische Republik ein starkes Interesse an der militärischen Rüstung des eng befreundeten Staates begründet hat, sind in der französischen Presse informierende und kritisierende Artikel über englisches Heerwesen an der Tagesordnung. Wichtiger als die Aeutzerungen der Tagespreffe sind aber zweifelsohne die Ansichten, die drei militärische Autoritäten Frankreichs über Beschaffenheit und Leistungsfähigkeit des englischen Üandheeres kürzlich der Oeffent- lichkeit übergeben haben. Es find General Langlois in der Opinion, Reginald Kane im Temps und ein ungenannter französischer Offizier in der Revue de Paris. Sie alle gründen ihre kritischen Betrachtungen auf die Beobachtungen, die sie während der diesjährigen englischen Manöver gemacht haben. General Langlois sagt u. a.: Wir waren in der Erwartung gekommen, in der Territorialarmee eine unzureichend organisierte, schlecht befehligte, ungenügend ausgebildete Truppe, mit einem Worte eine Art wertloser Nationalgarde zu finden.....Nunmehr aber habe ich die Heber--
zeugung gewonnen, daß die Territorialarmee, die England gegenwärtig besitzt, sehr wohl geeignet ist, ein sehr hügeliges Gelände, wie es der Süden Englands ist, wirksam zu verteidigen; England kann sich also in jeder Beziehung auf seine zweite Küstenverteidigungslinie gegen einen vom See her eindringenden Feind verlassen."
Die genannten militärischen Autoritäten beschäftigen sich mit der Frage des Zusammenwirkens der englischen und französischen Armeen in einem Kriege gegen Deutschland. General Langlois sagt: „Die englische Feldarmee würde eine ernstliche Verstärkung unserer Truppen bedeuten." In der Revue de Paris urteilt der ungenannte französische Offizier in einem Artikel, der die Ueberschrift trägt „Die Landung der Engländer in Deutschland", über die Möglichkeit gemeinsamer Jnvasionsoperationen: 80 000 Mann englischer Feldtruppen würden genügen, um einen schweren Schlag gegen Deutschland zu führen. Mit einer französischen Division vereint, würde die so geschaffeneOperations- armee von der Nordsee oder der Ostsee schnelle
30 (Nachdruck verboten.)
* Stolr um Stolz.
Roman aus dem Leben von O. Elster.
(Fortsetzung.)
Es war noch der frühere, prächtig ausgestattete Salon, aber Todesschweigen herrschte auch hier, wie in dem ganzen Hause. Sogar die Standuhr auf dem Marmorkamin war stehen geblieben.
Unwillkürlich erschauerte Brunhilde. Das Unglück, das die Familie betroffen schien sogar mit unheimlichem Druck auf den leblosen Gegenständen zu lasten.
Nach einer Weile wurde die Portiere des Nebenzimmers zurückgeschlagen und Brunhilde sah sich Walter Hildebrandt gegenüber.
Sein geistvolles Gesicht sah schmaler und blaffer aus, als früher. Um seine ernst und traurig blickenden Augen lagen dunkle Schatten.
Brunhilde errötete in höchster Verlegenheit, als sie sich so plötzlich dem Manne gegenüber stehen sah, dem sie noch immer mit inniger Liebe zugetan war.
„Mary bat mich, Dich zu empfangen," begann er mit müder Stimme, „da sie das Krankenlager unseres Vaters nicht verkästen kann."
„Der Onkel ist erkrankt?"
„Ja," entgegnete Walter kurz. „Was führt Dich nach so langer Zeit wieder zu uns?"
„Kannst Du es wirklich nicht erraten, Walter?" fragte sie mit schmerzlichem Lächeln.
„In der Tat — nein. Unsere Verhältnisse haben sich wesentlich verändert und der riall, daß alte Freunde sich ihrer Mitmenschen erinnern. wen» diese in» Unglück geraten sind, ist selten.-
Vorstöße zu führen und mit Hilfe englischer oder französischer Kriegsschiffe sich auf einer der Küste benachbarten Inseln, etwa Rügen oder Fehmarn festsetzen und von dort aus Angriffe auf deutsche Häfen und Küstenplätze auszuführen haben. Die deutsche Heeresleitung würde dadurch gezwungen werden, große Truppenmassen zum Schutz der Küsten an der Nord- und Ostsee im Norden des Reiches zu konzentrieren. Auf diese Weise könnten die eigentlichen französischen Operationsarmeen wesentlich entlastet werden. Der Verfasser des Artikels „Die Landung der Engländer in Deutschland" muß aber trotzdem wenig Vertrauen zu der englischen Hilfe haben. Denn er erörtert des weiteren die Möglichkeit, Belgien und die Niederlande an einem Krieg gegen Deutschland zu beteiligen; ja, er beschäftigt sich mit der Perspektive, daß Spanien und Portugiesen wie zur Zeit Philipps II. an den Mündungen der deutschen Ströme erscheinen könnten.
Auch General Langlois und Mr. Kann haben mancherlei Mängel in der taktischen Ausbildung der Truppen der Territorialarmee herausgefunden; andrerseits äußern sie die Ansicht, daß in einigen Punkten seger -dis srgnzösiHe Arm,es von dieser Truppe noch etwas lernen könne. Bezeichnend genug ist, daß die englische Presse ihren Lesern die Auslassungen der genannten Autoritäten in der ausdrücklich betonten Absicht vorsetzt, zu zeigen, welche militärische Unterstützung Frankreich von England im Falle eines kontinentalen Kriegs erwarten könne!
In Deutschland wird es trotzdem weiter Leute geben, die an den ewigen Frieden weiter glauben.
Politische Umschau.
Dernburgs Reise nach Amerika.
Hamburg, 23. Sept. Der Staatssekretär des Reichs-Kolonialamtes Dernburg hat, wie gestern angekündigt, heute in Begleitung des Regierungsrates Dr. Busse auf dem Dampfer „Cleveland" der Hamburg-Amerika-Linie die Reise nach den Vereinigten Staaten angetreten, um dort die Verhältnisse der Baumwollkultur und die Einrichtungen zu studieren, die in bett verschiedenen Gegenden geschaffen worden sind zur Hebung des Kulturniveaus der schwarzen Bevölkerung. Trotz der gebotenen Beschleunigung der Reise hat der Staatssekretär nicht den kürzesten Weg zur Einschiffung in Cherbourg gewählt, sondern ist zunächst nach Hamburg gekommen, da er den Wunsch hatte, vor seiner Reise noch mit den führenden Persönlichkeiten des Hamburger überseeischen Handels zusammen zu sein. Eine gesellige Zusammenkunft, der auch verschiedene Mitglieder des Senates, sowie der preußische Gesandte v. Goetzen sich angeschloflen hatten, fand, wie wir erfahren, gestern im Hause des Herrn Max Warburg statt. Der Staatssekretär gab dabei den hamburgischen Kaufleuten eine eingehende Darlegung seiner Ansichten über die Entwicklungsmöglichkeit für unsere Kolonien und die Mittel, durch die man sie zur Verwirklichung bringen könnte. Er nahm besonders Bezug aus den Zweck seiner bevorstehen-
„Denkst Du so niedrig von mir?"
„Die Menschen sind nun einmal so," entgegnete er achselzuckend. „Wir haben gerade in diesen Tagen Erfahrungen genug gesammelt. Wenn man niemandem mehr nützen kann, wird man eben zum alten Eisen geworfen."
„Du sollst nicht so bitter sprechen, Walter, wenigstens mir gegenüber nicht. Ich habe das Haus Deines Vaters verlassen, als es noch in Glanz und von Reichtum erfüllt war. Ich kehre roieber zurück, da es vom Unglück betroffen ist. Ich las in der Zeitung von dem schweren Schicksalsschlage . .
„Ja, für Papa ist der Schlag sehr schwer. Er hat ihn auf das Krankenlager geworfen. Doch ist Papa nicht ohne Schuld. Ich habe ihn vergebens gewarnt, aber es schien, als wollte er durchaus in fein Verderben rennen. Er nahm keinen guten Rat mehr an — und nun liegt er zusammengebrochen da. Wir anderen werden uns schon durchkämpfen, aber seine Kraft ist gebrochen."
„Ich beklage ihn von ganzem Herzen — und wenn ich ihm oder Mary in irgendetwas nützen kann, so will ich es von Herzen gern tun."
„Das ist sehr freundlich von Dir. Aber wir haben Deine Hilfe nicht nötig."
„Walter, warum bist Du so hart, so kalt zu mir? Tat ich unrecht. Euch in Eurem Unglück aufzusuchen?"
Da flammte es in seinen dunklen Augen auf und eine leichte Röte überhauchte seine bleichen Wangen. Er schien Brunhilde die Hand entgegenstrecken zu wollen, doch zog er sie plötzlich zurück.
„Wir danken Dir für Dein Mitgefühl," sagte et mit verschleierter Stimme. »Aber Du
den Reife, die für die weitete Entwicklung bet Probuktionsfähigkeit unserer Kolonien von großer Bedeutung fein könne. Im allgemeinen betonte er, was mit besonders freudiger Zusttmmung ausgenommen wurde, daß er auch weiterhin bei der Führung feines verantwortlichen Amtes sich kaufmännische Grundsätze zur Richtschnur nehmen werde. Zum Schlüsse gab et der Freude darüber Ausdruck, daß ihm Gelegenheit geboten worden sei, wertvolle Anregung ans direttem Verkehr mit denjenigen Kreisen zu erhalten, die selbst und durch ihre Firmen feit Jahrzehnten in den engsten Beziehungen zum überseeischen Geschäft stehen.
Saalenftand im Reich.
Berlin, 23. Sept. Nach dem „Reichsanzeiger" war der Saatenstand des Reichs Mitte September (wobei 2 gut, 3 mittel bedeutet): Kartoffeln 2,5 (Vorjahr 2,6), Klee 2,8 (2,6), Luzerne 2,6 (2,4), Bewässerungswiesen 2,3 (2,2), andere Wiesen 2,7 (2,7). Unter den Bemerkungen heißt es: Die Ge- treibeernte war bei bet Berichtsabgabe im großen ganzen gut eingebracht; bie Herbstbestellung ist vielsäch NSch. Zsicht weit fortgeschritten. Die Kartoffelernte liefert nicht durchweg befriedigende Erträge, die Knollen sind vielfach klein geblieben und fast durchgängig durch die nasse Witterung der letzten Wochen angegriffen. Aus den meisten Staaten wird stellenweise über beginnende Fäulnis der Kartoffeln berichtet. Klee und Luzerne lieferten bei dem letzten Schnitte im allgemeinen befriedigende Erträge. Der Stand des jungen Klees wird im allgemeinen besser beurteilt als der des vorjährigen Klees. Bei den Wiesen sind die gewonnenen Erträge meist zufriedenstellend, stellenweise aber auch nur mangelhaft.
Zu dem Militärputsch in Griechenland schreibt man uns: Die griechische Armee hat es seit ihrem Bestehen den unbefangenen Phil- hellenen schwer gemacht, Gutes von ihr zu berichten. Ihr Verhalten bei der Vertreibung König Ottos 1862 und während der Augusttage 1909 war keineswegs rühmlich. Vom unglücklichen Kriege des Jahres 1909 muß man absehen, er war bei kraftloser Leitung, mangelhafter Erziehung des Soldaten und fehlerhaftem Aufmarsch gegenüber einer erdrückenden Uebermacht von vornherein aussichtslos. Das Triptychon, welches uns Regierung, Parlament und Heer vor die Augen stellt, ist häßlich, — die Regierung ist kraftlos, das Parlament wird von ehrgeizigen Rednern beherrscht und die Armee ist rückständig und treibt Politik; ihr famoser Oberst Zocbas gehört der französischen Schule an. Aber wir brauchen die Hoffnung auf Besserung nicht aufzugeben, da sich im Kerne des Volkes, dem Bauernstand und den Seeleuten, so viele herzerfreuende Eigenschaften bemerkbar machen, uni) weil das geistige Kapital der Griechen hoch bewertet werden muß. Uebrigens ist die Offizier- beroegung nicht ohne Widerspruch geblieben, die Aktiven, General Dimopoulos, Oberstleutnant Metaxas und Zophiropulos, Eskadronschef Ka- linski, Leutnant Vassos und Hadschijiannou nebst den Offizieren der 1. Kompagnie des 1. Regiments traten ihr offen entgegen. Alle
weißt, Mitleid erniedrigt leicht — und wir haben auch unseren Stolz!"
„Walter?"
„Den Stolz der Armut," fügte er mit einem schmerzlichen Lächeln hinzu. „Du selbst hast ihn mich gelehrt."
„Walter, Du zerreißt mir das Herz!"
Die Tränen traten ihr in die Augen; sie preßte ihr Taschentuch vor das Gesicht und meinte leise und bitterlich.
Er betrachtete sie mit einem Blick voll tiefer Leidenschaft. Seine ganze Gestalt erbebte und es hätte nicht viel gefehlt, so würde et vor ihr niedergesunken sein.
Was hatte er alles um dieses Mädchen gelitten!
Von dem ersten Tage an, da er sie gesehen, hatte er sie geliebt, hatte er die Hoffnung, das Glück seines Lebens in ihrer Liebe gesehen. Mit kalten, stolzen Worten hatte sie ihn zurückge- wiesen, als er sich ihr in inniger Hingabe näherte.
Und dann hatte er mit ansehen müssen, wie sein eigener Vater sich um Brunhildens Liebe bewarb. Er erkannte vom ersten Tage an, welche Beweggründe der Handlungsweise seines Vaters zugrunde lagen.
Deshalb hatte er das väterliche Haus gemieden und war aus Reisen gegangen. Er wollte ihrem Glücke nicht im Wege stehen. Er glaubte, daß Brunhilde mit seinem Vater einverstanden sei; er hatte sie in dem gleichen schmählichen Verdacht, den auch Mary hegte. Er zwang sich, sie zu verachten; er glaubte, sie zu verachten und doch mußte er sich gestehen, daß er nie aufhören werde, sie zulieben.
Deshalb war er aus dem Geschäft seine» Ba-
einsichtigeren Griechen trauern über die Vorkommnisse, deren Hauptursache in der Behandlung der Kretafrage seitens der Schutzmächte zu suchen ist. Bei den Offizieren spielt noch die Hoffnung auf Avancement und eine Erbitterung gegen die Umgebung der Prinzen eine gewisse Rolle. Die Offiziere müßten dienstlich mit Arbeiten aller Art so beschäftigt werden, daß ihnen die Lust zum Politisieren verginge, jetzt aber steht z. B. der Leutnant Karaiskakis, Deputierter von Karditsa in Thessalien, an der Spitze einer sog. politischen Liga. B.
Freisinnige Heeresverbesserungen.
Was unserer Armee bevorstände wenn sie vom Liberalismus abhängig wäre, davon gibt das neue Blatt des linksliberalen Flügels, betitelt „Der Demokrat", recht erbauliche Proben. Hier macht Herr Richard Eädke folgende Armeeverbesserungsvorschläge: „Keine Frage, daß die militärische Dienstzeit ohne Schaden noch weiter verkürzt werden kann und darum im Interesse des einzelnen wie unserer Volkswirtschaft verkürzt werden muß. Das gilt in erster Linie von den berittenen Waffen, wird aber auch bet den Fußtruppen durchzuführen fein. Wenn die Engländer glauben, mit einer vierzehntägigen Zussrnmenherusung ihrer Territorialausbildung in Verbindung mit wenigen Stunden wöchentlicher Einzelausbildung leidlick? Hrdebnifle erzielen zu können, wenn der Schweizer, SKuiä* soldat mit recht gutem Erfolge nur eine Rekrutenausbildung von 75 Tagen erhält, und selbst in der alten friderizianischen Armee der dem Lande zwangsweise entnommene Ersatz nut ein Jahr diente (in den späteren nur gut sechswöchigen Exerzierzeit wieder einruckte), so wird nickt wohl abgestritten werden können, daß auch unser Heer mit einer kürzeren Dienstzeit sich begnügen tonnte.“
Deutsches Reich.
— Der Verband der Windthorstbunde Deuffch» lands hielt in Bonn vom 18. bis 21. September feinen 10. Vertretertag ab. Der Verband zählt heute 162 Bunde mit 11000 Mitgliedern gegen 143 Bunde mit 10 000 Mitgliedern im Vorjahre. Beschlossen wurde, vom 1. Oktober ab neben de« „Windihorstblättern" eine neue politische Wochenschrift „Das Zentrum" heranszugeben und 305 gegen 8 Stimmen die Zulassung der Frauen als Bundesmitglieder. Als Ort der nächsten Tagung wurde Bochum gewählt, als Vorort wurde Köln beibehalten.
— Zur Affäre deS Abg. Schack berichtet die Korrespondenz zur Abwehr des Antisemittsmus, die sich mit der Sache natürlich lebhaft beschäftigt, daß Herr Schack nicht nur im „Hamb. Fremdenblatt", fonbern auch schon viel stüher, in Nr. 28 der Münchener „Jugend", ein Inserat veröffentlicht habe, in dem er unter „Hbg. 36" eine „heitere, finnenfrohe, gebildete junge Dame als Gesellschafterin in vornehmem Hause" suchte. Dies« Annonce ist um den 15. Juni herum ausgegeben worden, während Schack einen anderen Brief, in dem er innigen Anschluß „in jeder Beziehung,
ters ausgetreten — das war zur Zeit ihre» Aufenthaltes auf Norderney gewesen. Er ging ins Ausland, nachdem ihm sein Vater ein Kapital ausgezahlt hatte, von dessen Zinsen et leben konnte.
Und einige Zeit später mußte er erfahren, daß Brunhilde seinen Vater verlassen! Da flammte seine ganze Liebe wieder auf. Er veranlaßte Mary, an Brunhilde zu schreiben; aber ihre kühle, kurze Antwort verletzte ihn von neuem und ließ ihn verstummen. Er glaubte sich nicht geliebt und stolz zog er sich zurück.
Jetzt stand sie wieder vor ihm in schmerzlicher Bewegung — jetzt merkte er, daß ein tieferes Gefühl für ihn in ihrem Herzen lebte — und jetzt konnte und durfte er sich ihr nicht nähern.
Er war ja ein Bettler und sah einer ungewissen Zukunft entgegen, denn das Kapital, das ihm sein Vater vor einiger Zeit gegeben, hatte er geopfert, um eine gerichtliche Verfolgung zu vermeiden.
Er besaß nichts mehr.
„Dein Mitgefühl tut mir wohl, Brunhilde,“ entgegnete er in milderem Tone, „aber helfen kannst Du uns nicht. Ich will Dir nicht weye tun; ich danke Dir, daß Du gekommen bist, aber unsere Wege haben sich nun einmal getrennt und dürften uns schwerlich wieder zusammen- fübren."
Brunhilde sah ihn mit großen erschrockene» Augen an.
Siebte er sie nicht mehr?
Ihr Herz pochte fast hörbar, so daß fit bi» Hand auf bas Herz pressen mußte.
(Fortsetzung folgt)