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44. Jahrg«

Die InsertionSgebühr beträgt für bte 7 gespaltene Zeile oder deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, Unioersttätsbuchdruckerei Inhaber Dr. C. Hitzeroth, Marburg, Markt 31. Telephon 55.

Marburg

Donnerstag. 16. September 1909.

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhains

und den Beilagen:Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) undLandwirtschaftttche Beuage.

DieGbrrchesstsche Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt viertel­jährlich durch die Post bezogen 2,25 Mk. (ohne Bestellgeld), bei unfern Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21,) 2 Mk.

Die starken Wurzeln unserer Kraft.

In der Zeitschrift desKöniglich preußischen statistischen Landesamts" ist für das 3. und

Vierteljahr 1907 die durch Geburten und Eterbefälle bedingte Bewegung der städtischen ^Bevölkerung, und zwar zunächst nur für die Stadtkreise, sodann auch für die gesamte, fast die Hälfte der Bevölkerung Preußens bildende Ctadrbevölkerung zusammengestellt worden. Eb lebten danach in den Stadtkreisen etwa 28,75 o. H. sämtlicher Bewohner des Landes, nämlich am 1. Januar 1907 a) im Landes- polizeibezirk Berlin 2 733 929 Personen, b) in den übrigen 89 Stadtkreisen 8 170 058 Personen. Während des 2. Halbjahres 1907 wurden in diesen Gebieten lebend geboren a) 33 799, b) 129 059 Kinder, tot geboren a) 1196, b) 3869 Kinder, mit hin sind von je 1000 geborenen Kindern a) 34,2 b) 29,1 als tot geboren ge­meldet. Es starben aus allen Altersklassen a) 19 801, b) 71 908 Personen, davon im ersten Le­bensjahr a) 5664, b) 25136 Personen, im Alter von mindestens 70 Jahren a) 2550, b) 8480 Personen, in unbekanntem Alter a) 21, b) 276.

Die auf je 1000 Lebendgeborene errechnete Ziffer der Säuglingssterblichkeit war hiernach ä.) gleich 16,7, b) gleich 19,5, und das höchste Lebensalter von 70 oder mehr Jahren hatten zu a) 12,9 v. H., zu b) 11,8 v. H. aller Gestorbenen erreicht; die Verhältnisziffern waren mithin für Berlin günstiger als für die Gesamtheit der übrigen Stadtkreise.

Vergleicht man nach den für Stadt und Land vorliegenden Angaben die Bevölkerungs­bewegung in den Städten, deren Gesamt­einwohnerzahl zu Beginn des Jahres 1907 an­geblich 17 400 944 betrug, d. h. 45,88 v. H. der Gesamtbevölkerung des Staates ausmachte, mit den für die nichtstädtische, sogenannte Landbe­völkerung errechneten Ziffern, so zeigt es sich, daß in beiden Vierteljahren auf dem Lande weit mehr Kinder als in den Städten lebend geboren wurden, nämlich in den Städten 30,76 und 29,76 pro Tausend der Einwohner, dagegen auf dem Lande 36,49 und 34,63 pro Tausend, obgleich die Eheschließungsziffern auf dem Lande (5J6 und 9,45 pro Tausend) erheblich niedriger waren, als in den Städten (7,92 und 11,19 pro Tausend). Die Eesamtsterbeziffern für die Stadt- bevölkerung (16,74 und 18,15 pro Tausend) wei­chen nur ganz unerheblich von denen für die Landbevölkerung (16,35 und 17,94 pro Tau­fend) ab.

Was die Fruchtbarkeitsziffer, d. h. die auf je 1000 weibliche, im Alter von 15 bis 45 Jahren stehende Personen umgerechnete Zahl der Le­bendgeborenen in Stadt und Land betrifft, so werden für 1900/01 folgende Fruchtbarkeitszif­fern angegeben: in den Großstädten 177,77, in den Mittelstädten 148,29, in den Kleinstädten 148,95, in den Städten überhaupt 135,25, auf dem platten Lande 183,41, im Staate überhaupt 160,67, und vom Jahrfünft 1896/1900 bis zum Jahrfünft 1901/05 ist diese Fruchtbarkeitsziffer gesunken in den Städten von 136,59 bis auf 129,12, auf dem Lande von 183,06 bis auf 178,72, in Stadt und Land von 161,58 bis auf 154,83. Die Fruchtbarkeitsziffer in Berlin hat vom Jahrfünft 1896/1900 bis zu dem von 1901/05 sogar um 8,2 v. H., nämlich von 96,73 bis auf 88,78 sich verringert.

23 (Nachdruck verboten.)

Htsl? nm Slsljr.

Roman aus dem Leben von O. Elster.

(Fortsetzung.)

Auf der Treppe, die zu den Logierzimmern im ersten Stock hinaufführte, blieb der Kom­merzienrat schwer atmend stehen.

Er rang nach Luft; der Zorn und die Furcht vor der Entscheidung seines Schicksals, der er entgegenging, raubten ihm den Atem. Er sehnte diese Entscheidung herbei, die er doch stets wie­der hinausgeschoben hatte, da er sich über die Gesinnung Brunhildens noch nicht klar geworden war. Jetzt blieb ihm nichts weiter übrig, als an Brunhilds die folgenschwere Frag« zu richten, nachdem er sich von seinen Kindern durchschaut sah. Doch wollte er ruhig und würdevoll vor Brunhilde erscheinen. Darum bekämpfte er seine wilde Erregung mit Gewalt und verbarg sie unter der Maske sanfter Traurigkeit und zarter Rücksichtsnahme für Brunhilde.

Er hatte es von jeher verstanden, seine leiden­schaftliche Natur, seine Wünsche und sein Seh­nen unter einer kalten Außenseite zu verstecken, welche Eigenschaften ihm in seinem Fortkommen stets wesentliche Dienste geleistet hatten. Kühn und leidenschaftlich in seinen Wünschen, in sei­nem Streben, in seinem privaten- und geschäft­lichen Leben, war er doch stets der scheinbar kühl berechnende Geschäftsmann und Gesellschafts­mensch geblieben, so daß niemand ahnte, welche Flammen in seinem Innern brannten.

Aus dieser statistischen Zusammenstellung ergibt sich, daß das platte Land ein weit stärkerer und bedeutsamerer Faftor der Volks­kraft ist als die Stadt und besonders die Groß­stadt. Bedauerlich und bedenklich ist es aller­dings, daß die Fruchtbarkeitsziffer auch auf dem Lande nicht unerheblich zurückgegangen ist, wenn auch diese Abnahme verhältnismäßig weit ge­ringer ist als in den Städten,

Kaisermanöver.

Mergentheim, 14. Sept. Der Kaiser begab sich heute Vormittag auf der Straße nach Craisheim bis an die Wegegabelung drei Kilo­meter nördlich von Herbsthausen, ließ hier das im Vorbeimarsch auf Mergentheim begriffene bayerische 1. Armeekorps (blau) unter dem Be­fehl des Prinzen Rupprecht von Bayern in der Zeit von 10 bis 1 Uhr an sich vorbeimarschieren. Ungeachtet der bereits voraufgegangenen star­ken Marschleistungen einzelne Truppenteile der 2. Division waren bereits um 2 Uhr 30 Min. nachts aufgebrochen war die Haltung der Truppen ausgezeichnet und erregte sichtlich die Zufriedenheit des obersten Kriegsherrn. Prinz Ludwig von Bayern begleitete den Marsch des Korps etwa bis zur Spitze des Eros. Der Kaiser kehrte mittags nach Mergentheim zurück. Der Regen hat nachgelasien und das Wetter klärt sich jetzt.

Mergentheim, 14. Sept. Blau steht heute abend mit der Front nach Norden in einer Linie Mergentheim, bayerisches 1. Korps Box­berg, württembergische 26. und 27. Division und etwas nach Süden abfallend bei Merchingen das Kavallerkorps. Von Rot steht die 5. Divi­sion bei Grünsfeld südöstlich Tauberbischofsheim und anschließend nach Westen die 6. und 4 Di­vision, die Kavallerdivision A im rechten Flügel bei Eberstadt. Die übrigen Teile von Rot find noch im Marsch begriffen. Allerseits wird be­stätigt, daß der Anmarsch des bayer. 1. Korps in Marschordnung frisch und vortrefflich war bis zum letzten, dem 20. Regiment. Auch die Kolonnen waren in bester Verfasiung gut be­spannt und diszipliniert.

Mergentheim, 14. Sept. Erzherzog Thronfolger Franz Ferdinand mit Gefolge ist um 5 Uhr 53 Min. auf der Haltfftelle Karlsbad bei Mergentheim eingetroffen. Zum Empfang waren erschienen der Kaiser, der die Campagne- adjustierung des österreichischen Fcldmarschalls trug, Prinz Oskar und die Herren der Um­gebung. Eine Ehrenkompagnie erwies die Hon­neurs. Nach überaus herzlicher Begrüßung ge­leitete der Kaiser den hohen East zu Fuß nach dem Kurhaus Karlsbad, wo der Erzherzog Woh­nung nahm. Bei der Abendtafel saßen der Kaiser und der Erzherzog einander gegenüber; der Erzherzog zwischen dem Prinzen Oskar und dem Fürsten von Fürstenberg, der Kaiser zwi­schen dem österreichischen Eeneral der Infan­terie von Hoetzendorf und dem österreichischen Eeneral der Kavallerie Bruedermann. Eeladen war auch der österreichische Attache Hauptmann von Bienerth.

Würzburg, 14. Sept. Im Laufe des Nachmittags find hier eingetroffen: Um 1 Uhr 25 Min. der Fürst von Hohenzollern, um 3 Uhr Eeneralfewmarschall Haeseler und General­oberst v. Lindequist, um 4 Uhr der Eroßherzog

Er klopfte leise und diskret an die Zimmer­tür Brunhildens.

Ein scharfesHerein!" tönte ihm entgegen und in bescheidener und doch würdevoller Hal­tung trat er ein.

Brunhild« sprang von dem Stuhl amSchreib- tisch empor, vor dem sie schreibend geseffen.

Ihre Wangen glühten.

Du bist es, Onkel!" rief sie erstaunt.Dich hatte ich allerdings nicht erwartet!"

,Serzeih, wenn ich Dich störe," entgegnete er sanft.Da Du nicht zum Abendessen erschienst, wollte ich Mary zu Dir schicken; sie weigerte sich jedoch zu gehen, und so erfuhr ich, daß es einen Streit zwischen Euch gegeben hat. Es tut mir aufrichtig leid, daß Mary sich soweit hat hin­reißen lasten."

Ich weiß von keinem Streit," versetzte Brun­hilde kalt.Aber Mary hat mir ein paar Worte gesagt, die es mir unmöglich machten, zu Euch hinunterzugehen ja, länger mit Euch zu- sammmenzuleben, rotnn sich diese Worte bewahr­heiten!"

Welcher Art waren diese Worte?"

Sie oezogen sich darauf, daß Du mein Ver­trauen in arger Weise getauschte hast in einer Weise, die mich kompromittieren mußte!"

Ich bin erstaunt! Ich weiß wahrhaftig nicht, in welcher Weise ich Dein Vertrauen ge­täuscht haben sollt«. Im Gegenteil ich bin mir bewußt. Dir stets mein vollstes Vertrauen geschenkt zu haben in der Hoffnung, daß uns einst noch ein engeres Band verknusen werde, als es jetzt schon zwischen uns besteht."

von Mecklenburg-Schwerin, um 5 Uhr nachmit. tags der Großherzog von Hessen und Prinz Leo­pold von Preußen; außerdem Hausmarschall Freiherr v. Lyncker.

Würzburg, 14. Sept. Heute abends 3 Uhr fand im HotelRussischer Hof" ein« kai­serliche Hoftafel statt, welcher Prinz Friedrich Leopold von Preußen als Vertreter des Kaisers präsidierte. Es sind 69 Personen geladen.

Deutsches Reich.

Fürst Bülow Reichstagskandidat? Die Leipziger Neuesten Nachrichten" machen den Vor­schlag, die bürgerlichen Parteien möchten sich da­hin einigen, den früheren Reichskanzler Fürsten von Bülow im Reichstagswahlkreise Eisenach- Dermbach als gemeinsamen Kandidaten auszu stellen. Dieser Vorschlag dürste aber, da das Zen­trum eine Ausschlag gebende Stellung im Wahl­kreise inne hat, wenig Erfolg versprechen, wenn­gleich gewünscht werden kann, daß dem Für­sten irgendwo einmal Gelegenheit gegeben wird, als M. d. N. wieder seinen Rat zu geben. Wie dieVosstsche Zeitung" aus Hamburg meldet, hat Fürst von Bülow auf eine Anfrage, ob er das 'Reichstagsmandat von Eisenach übernehmen würde, erwidert, er würde eine Kandidatur nicht annehmen und bitte, von einer solchen abzu­sehen. Nachdem er seine Aemter niedergelegt hätte, würde er politisch nicht mehr tätig sein.

Reichstagsersatzwahl. Koblenz, 14. Sept. Bis abends 8 Uhr wurden bei der heute stattge­habten Reichstagsersatzwahl im Wahlkreise Kob- lenz-Sankt Goar für den Schatzpräsidenten Well­stein (Ztt.) 3595 und für den Gewerkschaftssekrctär Haß (Soz.) 1616 Stimmen gezahlt. Ein großer Teil der Ergebnisse in Koblenz-Land steht noch aus.

Eine englische Einladung an Dcrnburg. Liverpool, 13. Sept. Staatssekretär Dernburg nahm die Einladung der Handelskammer an. Die Schule für tropische Medizin veranstaltet zu Ehren des Staatssekretärs am 8. Novemb er ein Bankett.

Die Staatshilfe für die Hochwasserschäden. Sämtliche Gutachten der Oberpräsidenten der von dem Hochivasserschaden betroffenen Provinzen sind jetzt bei der zuständigen Behörde eingegangen. Der Staat hat allen vom Hochwasserschaden bettoffe­nen Gemeinden und anderen öffentlichen recht­lichen Verbänden in den Provinzen Sachsen, Hessen-Nassau, Westfalen und in der Rheinprovin; bereits unverzinsliche und nach drei Jahren in fünf gleichen Jahresraten rückzahlbare Darlehen gegeben, an denen sich die Provinzen mit einem Drittel beteiligt haben. Teilweise ist auch für die notwendig gewordenen Flußkorrettionsarbeitcn Geld ä fonds perdu vom Staate gegeben wor­den, wobei sich die Provinzen in gleicher Weise be­teiligt haben.

Das Weingesetz und Hessen. Darmstadt, 14. Sept. Das Grobherzogliche Ministerium des Innern macht in derDarmstädter Zeitung" be­kannt, daß im Einvernehmen mit dem Reichskanz­ler bestimmt wird, daß im Großherzogtum Hessen als am Weinbau beteiligte Gebiete im Sinne des neuen Weingesetzes anzuschen sind: die Provinz

Brunhilde errötete noch tiefer; sie fühlte das Blut heiß in ihre Stirn fluten. Ihr Herz er­bebte. Zugleich sagte sie sich aber auch, daß sie ja selbst eine solche Hoffnung gehegt die sich allerdings nach anderer Richtung hin bewegte, als die seinige. Wer durfte sie ihm deshalb seine Hoffnung so sehr übel nehmen? War sie nicht in demselben Maße schuldig wie er?

Mit unsicherer Stimme entgegnete sie:

Ich danke Dir für Deine Worte; aber ich habe Dein Vertrauen inbezug auf diese Hoff­nung nicht verdient!"

Brunhilde!" bat er.Höre mich an!"

Wozu? Laß uns in Frieden scheiden, Onkel!"

Du sprichst von Scheiden! Du willst mich verlassen?"

-Ich muß es, Onkel. Ich darf nicht länger in Deinem Hause bleiben. Ich war soeben im Be­griff, Dir das zu schreiben und Dich zu bitten, damit einverstanden zu sein, daß ich morgen früh mit dem ersten Dampfer abreise."

Wohin willst Du? Was willst Du be­ginnen?"

Ich weiß es noch nicht. Ich werde mir eine Stellung suchen!"

Da brauste er auf.

Das ist dummes Zeug, Brunhilde! Du sollst Du darfst mich nicht verlassen! Du machst Dich und mich unglücklich!"

Ich würde unglücklich werden, wenn ich noch länger in Deinem Hause bleiben müßte."

Stu ich Dir denn gar nichts, Brunhilde?

Starkenburg und Rheinhessen sowie die zur Prs- vinz Oberhessen gehörigen Kreise Büdingen und Friedberg. Das innerhalb der gesetzlichen Grenz« überhaupt zulässige Zuckern deutscher Weinba» erzeugniffe darf also im Großherzogtum Hesse» nur in diesen Gebieten vorgenommen werden.

Groß II." Oberschlüpf, 14. Sept. Das MilttärluftschiffGroß II", das, wie bereits ge­meldet, um 11 Uhr 10 Min. ausgestiegen war, ist um 12 Uhr 35 Min. in Geilenkirchen wieder glatt gelandet. Heute Abend soll nochmals ein Aufstieg erfolgen.

Eine Kundgebung der Deutsche« Elsass- Lothringens. In Sttaßburg wird ein Aufruf einer neuen Vereinigung veröffentlicht, die sich gebildet hat, um dereinflußreichen Minderheit entgegen­zutreten, die zurzeit mit allen Kräften dabei ist, dem Elsaß eine französische Marke aufzudrücken, aus dem Elsaß eine französische Kulturprovinz auf deutschem Boden zu machen." Der Aufruf ist unterschrieben von folgenden acht Vorstandsmtt- gliedern: Kapp, ^Oberlehrer, Mühlhausen, Braun, ev. Pfarrer, Sttaßburg-Könighofen, D. Grünberg, ev. Pfarrer, Sttaßburg, Hauptmann, Rektor, Straßburg, Dr. Harville, Archivdirektor, Mess Rcichardt, katholischer Pfarrer, Hohwald, Dr. Rn- land, Justizrat, Colmar, und Truschel, Lehrer, Straßburg.

Eine englische Abordnung kn Stuttgart. Stuttgart, 14. Sept. Eine hier eingettoffene Ab­ordnung aus England besichtigte unter der Füh­rung der Stadtverwaltung die Sttaßenbauten und Wohlfahrtseinrichtungen Stuttgarts.

Ein bestrafter polnischer ReichstagSabge- ordneter. Posen, 14. Sept. Wegen Aufreizung zu Gewalttätigkeiten und Gefährdung des öffent­lichen Friedens durch eine Rede in einer polni­schen Wählerversammlung zu Polaiewo am 20. Januar 1907 verurteilte die hiesige Straflammrr den Reichstagsabgeordneten Grasen Mielzynski zu 150 M Geldstrafe.

Ausland.

** Frankreich und seine Kolonien. Paris, 14. Sept. Die letzten Stämme im Adrargebiete, die sich bisher noch nicht unterworfen haben, sind jetzt in der Nähe von Turin geschlagen worden. Sie ließen 31 Mann auf dem Platze. Der Feldzug im Wrargebiete wird daher bald beendet sein.

** Der Schluß der französischen Manöver. Vichy, 14. Sept. Eeneral Tremeau, der Leiter der großen Manöver, die in diesen Tagen hier abgehalten werden sollen, gab den fremden Offi­zieren, die an den Manövern teilnehmen wer­den, ein Frühstück. Eeneral Tremeau führte in seiner Begrüßungsansprache aus, wie die Liebe zur Fahne zwischen den Vertretern der verschie­denen Armeen eine aufrichtige Kameradschaft herbeiführe und erhob darauf sein Elas zn Ehren der Souveräne der hier vertretenen Armeen. Der italienische Eeneral di Majo dankte als Doyen der fremden Offiziere mit herzlichen Worten und versicherte den französi­schen Offizieren die kameradschaftlichen Gefühle der fremden Offiziere. Dann trank er auf bas Wohl des Präsidenten Fallibres und der fran­zösischen Armee.

Habe ich es verdient, daß Du mich so kalt, so undankbar behandelst?"

Ich bin nicht undankbar, Onkel. So lange Du Dich meiner als der armen Verwaisten tn verwandtschaftlicher Liebe annahmst, konnte ich Dir Liebe und Dankbarkeit entgegenbringen. Aber Du forderst etwas von mir, was ich Dir nicht geben kann! Niemals!"

Ist es ein Verbrechen von mir, wenn ich Dich lieb gewann lieber, als es meinem Alter vielleicht zusteht?"

Onkel!"

Nein, Brunhilde, laß mich jetzt sprechen offen und ehrlich, wie es uns beiden geziemt. Ich weiß, daß manche Leute, wenn sie mich so. sprechen hörten, über mich lachen, daß sie sagen würden, eine solche Sprache gezieme einem ' fünfzigjährigen Manne einem Mädchen von zwanzig Jahren gegenüber nicht. Aber was; wissen diese Leute von meinem inneren Leben? j Von meinen Empfindungen, von meinem Her- ! zen, von meiner Leidenschaft? Sie haben mich; stets nur als kühlen Geschäftsmann kennen ge- ' lernt, sie haben mich nie als fühlenden, leiden- ; den, sehnsüchtig verlangenden Menschen gekannt. Zu Dir will ich als Mensch sprechen, Brun- ; Hilde?" - l

Ich bitte Dich, Onkel, schweige!" bat Brun« ' Hilde, erschrocken vor dem Glühen seiner Augen,f vor der Leidenschaft seines ganzen Wesens zurückweichend.Ich will Dich nicht anhörens"

...(Fortsetzung folgt^,