MchM idtung
mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: „Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und „Landwirtschaftliche Berlage."
M 213
®ie „Gberhesstschr Zritmrg" erscheint täglich mit Ausnahme der I Sonn- und Feiertage. — Der Bez u g sp reis beträgt viertel- I jährlich durch die Bost bezogen 2,25 Mk. (ogne Bestellgeld), bei I unfern ZeitungSstellen und der Expedition (Markt 21,) 2 Mk. |
Marburg
Sonnabend, 11. September 1909.
Die Insertionsgebühr beträgt für di« 7gespaltene Zeile oder deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. — Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, Unioersitätsbu hdruckerei Inhaber Dr. C. Hrtzeroth, Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
44. Jahrg.
Der heutigen Nummer liegt bei Kreisblatt Nr. 71.
Deutsch-Ostafrika in englischerBelenchtuug.
Von der englischen Regierung (foreign office - fm Verein mit board of trade) werden von ' Seit zu Zeit Berichte über fremde Staaten, Kolonien, -- Handelszentren herausgegeben, die »^eren.wirtschaftliche Entwicklung in übersicht- Kcher und leicht verständlicher Art darstellen, auf Handelsmöglichkeiten für England Hinweisen und durch ihren außerordentlich geringen Preis nicht allein den Interessenten, sondern auch jedem zugänglich gemacht sind, der sich über die fremden Einrichtungen schnell und zuverlässig informieren will.
Nachdem ein solcher Bericht über Deutsch-Ost- afrika vor acht Jahren herausgegeben war,"ist ein zweiter im Mai dieses Jahres gefolgt, der, trotzdem er zum größten Teil aus deutschen Quellen schöpft, doch durch seine objektive Darstellung und im Verein mit dem kurz vorher herausgegebenen jährlichen Bericht über Englisch-Ostafrika manches Interessante für uns bietet.
Die Frage, ob die Hochlande im Innern dauernd für Weiße geeignet sind, hält bekanntlich unser Kolonialamt noch nicht für genügend geklärt. Unsere letzte Denkschrift sagt darüber, daß noch nicht bewiesen sei, daß eine vollkommene Akklimatisation ohne nachfolgende Degeneration stattfinden kann. Solange diese Vorfrage nicht in bejahendem Sinne entschieden sei, würde man eine Schuld auf sich landen, wenn man deutsche Familien in das Schutzgebiet locken wollte. Soweit sie sich freiwillig entschließen, würde selbstverständlich von den Behörden jede mögliche Unterstützung zuteil. In bezug auf dauernde Niederlassung haben erst in letzter Zeit sich gewichtige Stimmen für ein „non liquet“ ausgesprochen. — Im Gegensatz hierzu sagen die englischen Berichte, daß der größte Teil der Hochländer beider Kolonien gesund und geeignet für europäische Einwanderung seien. In bezug auf Britisch-Ostafrika wird als schlagender Beweis für die Vorzüglichkeit des Klimas das gesunde Aussehen der Kinder, die dort geboren sind und aufwachsen, angeführt. Ob diese Behauptung nicht zu optimistisch, muß die Zukunft lehren.
lieber die wünschenswerte europäische Einwanderung sagt der englische Bericht über un=, sere Kolonie dasselbe, was vorher schon in dem Bericht über Britisch-Ostafrika gesagt wurde. Abgesehen von der nötigen Erfahrung wäre auch hier vor allem Kapital nötig. Der Gouverneur von Britisch-Ostafrika hält für seine Kolonie als Minimum ein Kapital von 15000 bis 20 000 Mark nötig.
lieber die Einwanderung von Indiern glaubt der Bericht, daß sie unserer Kolonialregierung willkommen iei, eine Annahme, die wohl auf einem Irrtum beruhen dürfte. In unserer Denkschrift ist über die Einwanderung von Indiern nichts gesagt. Nach dem englischen Bericht
. (Nachdruck verboten.)
St-lr nm Stolz.
* Roman aus dem Leben von O. Elster.
tFortiehuna.)
Der Kommerzienrat beobachtete sie scharf. Ihr Erröten und ihre augenscheinliche Verlegenheit entgingen ihm nicht und er glaubte, ihren Beweggrund zu erraten.
Ein sonderbares Lächeln umspielt« seine Lippen.
„Das ist schade," versetzte er. „Ich würde sonst diesen Grund zu beseitigen trachten. Aber ich glaube Deinen Entschluß auch ohnedies erschüttern zu können. Ich bitte. Dich, mein liebes Kind" — dabei ergriff er ihre Hand und streichelte sie zärtlich — „über alles nochmals genau nachzudenken. Du bist mir — ich will lieber sagen meinem Hause — «unentbehrlich geworden. Du führst jetzt schon das Hauswesen in meisterhafter Weise, und ich werde Dir in dieser Beziehung noch weitere Befugnisse einräumen. Mary versteht nichts vom Haushalt, auf Frau Ritter ist kein Verlaß, ich habe niemanden als Dich, dem ich volles Vertrauen schenken kann. Ich ehre und liebe Dich, ich fühle mich verpflichtet, für Dich zu sorgen nach jeder Richtung hin, und ich werde Dir eine Stellung in meinem Hause schaffen, die Deinen Wünschen in jeder Weise entsprechen dürfte. Ich kann Dir meine Pläne für Deine Zukunft jetzt noch nicht auseinandersetzen, dazu ist es jetzt noch nicht Zeit; aber glaube mir, daß ich jederzeit Dein Interesse im Auge hatte und stets Dein bester Freund bleiben werde."
Seine Stimme bebte leise wie von unterdrückter Rührung, und er umschloß fest und warm die Hand Brunhildens mit der {einigen.
soll sie infolge der Abwehrmaßregeln in Britisch- Ostafrika etwas zugenommen haben. Da für das Jahr 1907 die indische Einwanderung aber nur 200 Personen betragen haben soll, so dürfte sie für die Kolonie bedeutungslos fein. Nach Britisch-Ostafrika wanderten 1907 4005 Indier ein gegen eine Auswanderung von 3356.
In seinem Gesamturteil kommt der Bericht zu dem Ergebnis, daß, so groß und vielversprechend die Fortschritte bis jetzt in der Entwicklung der Kolonien auch wären, es doch voreilig sei, schon jetzt ein Urteil für ihr zukünftiges Gedeihen abzugeben. Die Kolonie scheine heute in dem kritischen Stadium zu sein, in dem auf Grund des offenkundigen Erfolges von Versuchen große Kapitalien in sie hineingesteckt seien. Erst wenn genügende Zeit vergangen, würde man ihr die brillante Zukunft Voraussagen können, die man ihr nach ihrem jetzigen Aufblühen zuerkennen möchte. — Der endgültige Erfolg sei zum größten Teil abhängig von dem Gedeihen der europäischen Plantagen und der Notwendigkeit, die entgegengesetzten Elemente miteinander auszusöhnen, als da sind: Die Interessen der Eingeborenen als des früheren Besitzers, die Interessen des Europäers, der seine Hoffnungen und sein Vermögen in die Kolonie gesteckt und von seiner Regierung Beistand in seinen Unternehmungen verlange, und schließlich die Interessen des fremden Elements, wie die der Indier.
Die Kaiser-Manöver in Oesterreich.
Großmeferiffch, 9. Sept. Heute traten die Hanptkräste der beiden Manöverparteien den Vormarsch an, der nach der Disposition zu einem Zusammenstoß südlich von dem an der Straße Grotz- meseritsch-Trebitfch gelegenen Orte Badischau führen müßte. Demgemäß befindet sich die Manöverleitung nordöstlich von Turnara, wohin sich auch die beiden Kaiser samt Gefolge um 9 Uhr vormittags begaben. Der Thronfolger hatte sich schon um 6 Uhr vormittags mit dem Chef des Generalstabes in die Gegend von Großbittesch verfügt, wo große Kavalleriekörper zusammentreffen dürften. Auch der Chef des preußischen Generalstabes befindet sich in Großbittesch. Das Wetter ist prachtvoll.
Grotzmeseriffch, 9. Sept. Kaiser Wilhelm und Kaiser Franz Josef haben heute den Chef des rumänischen Generalstabes Generalleutnant Graf Crainiciano empfangen. Kaiser Wilhelm hat ihn eingeladen, auch den deuffchen Mauövern beizuwohnen.
Grotzmeseriffch, 9. Sept. Die beiden Kaiser, die gegen 9 Uhr vormittags im Manövergelände im Automobil eintrafen, bestiegen eine Anhöhe, wo die Manöveroberleittmg mit den ftemdländi- schen Offizieren versammelt war. Die beiden Kaiser mit Erzherzog Franz Ferdinand und Generalstabschef Conrad v. Hötzendorf, der an der Hand von Karlen die Situation erläuterte, verfolgten in ununterbrochenem Meinungsaustausch die Entwicklung des Gefechts, welches reich an
Sie war bewegt. Sie glaubte seinen Worten, denen sie einen geheimen Sinn unterlegte, der ihr Herz erbeben machte. Konnte er nicht mit seiner Gattin über Walters Liebe zu ihr gesprochen haben? Deuteten seine Worte nicht darauf hin, daß er diese ihre Liebe fördern und unterstützen wollte?
Jetzt, da erst einige Wochen seit dem Tode von Walters Mutter vergangen waren, konnte man ja allerdings noch nicht daran denken, ein Fest der Freude in dem Trauerhause zu begehen — aber des Onkels Worte waren ja nicht mißzuverstehen!
Sollte sie also bleiben? Sollte sie warten, bis die Zeit der Trauer vorüber war und Herz und Mund frei sprechen konnten?
Ihr Herz sagte ja, aber ihr Stolz bäumt« sich dagegen auf. Warum ließ sich Walter gar nicht mehr sehen? Warum hatte er kein einziges ermunterndes Wort der Hoffnung für sie? Warum überließ er es seinem Vater, die Hoffnung in ihrem Herzen neu zu beleben?
»Ich bin Dir von Herzen dankbar, lieber Onkel," entgegnete Brunhild« und erwiderte warm den Druck seiner Hand.
Er zog sie näher an sich heran und legte väterlich den Arm um ihre Schultern.
„Verlaß mich nicht, Brunhilde," sagte er in bittendem Ton. „Habe Vertrauen zu mir und glaube mir, daß ich Dich glücklich und zuftieden machen werde. Alle Hindernisse, alle Gründe, die Dich zum Verlassen meines Hauses bewegen könnten, will ich aus dem Wege räumen, Du allein sollst hier im Hause herrschen und gebieten, Dir soll alles gehorchen . .
„Aber, Onkel, das ist es nicht . . "
»Ich weiß es mein Kind, aber ich will es^o haben. Du hast mir in diese« schweren Tagen
abwechselungsvollen Momenten war. Nach einiger Zeit ritten die Monarchen auf. einen höheren Hügel bei Trnava, von wo aus das ganze Manövergelände zu übersehen war. Hier verabschiedete sich gegen 1 Uhr mittags Kaiser Wilhelm aufs herzlichste von Kaiser Franz Josef und begab sich mit dem Erzherzog Franz Ferdinand zu Fuß ins Tal, um in einem dort errichteten Zelte mit kleinem Gefolge das auf einer Feldküche hergestellte Frühstück einzunehmen. Kaiser Franz Josef verfolgte das Manöver weiter und kehrte gegen 3 Uhr ins Schloß zurück. Kaffer Wilhelm und Erzherzog Franz Ferdinand verblieben etwa eine Stunde länger int Manövergelände und besichtigten verschiedene Truppenteile. Vor der Rückkehr ins Schloß nahm der deuffche Kaiser in der Nähe des Babnhofes Großmeseriffch die auf freiem Felde errichtete Telefunkenstation in Augenschein. Der erste Manövertag war von herrlichstem Wetter begünstigt und nahm einen Überaus befriedigenden Verlauf.
Großmeseriffch, 9. Sept. Kaiser Franz Josef verlieb dem Chef des Generalstabes v. Moltke die Brillanten zum Großkreuz des Leopoldordens. Der deuffche Kaiser verlieh dem Grafen Harrach den Roten Adlerorden zweiter Klasse, dem Kriegsminister Frhrn. v. Schönaich den Verdienstorden der preußischen Krone und dem Landesverteidigungsminister Frhrn. v. Georgi die Krone zum Roten Adlerorden 1. Klasse. Ferner verlieh der deuffche Kaiser den Kronenorden 1. Klasse dein Statthalter von Mähren Frhrn. Heinold, den Roten Adlerorden 3. Klasse dem Bürgermeister von Jglmt Jndeka unb den Roten Adlerorden 4. Kl. dem Bürgermeister von Grotzmeserilsch Czermak.
Zur Entdeckung des Nordpols.
Kopenhagen, 9. Sept. Bei der von der Universität : veranstalteten Feier wurde Dr. Cook das Ehrendoktor-Diplom der hiesigen Universität überreicht. Erschienen waren der Kronprinz, Prinzessin Marie, Prinz Georg von Griechenland und seine Gemahlin, der Unterrichtsminister, der Handelsminister, der amerikanische Gesandte Egan, der Nordpolforscher Sverdrup und zahlreiche Professoren und Studenten. Universitätsrektor Torp hob in seiner Ansprache hervor, diese Auszeichnung fei eine Ehrenbezeugung für Männer, welche durch den Einsatz ihrer Person Bewunderung abzwingen. Daß auch ein anderer dasselbe Problem gelöst habe, vermindere keineswegs die Ehre Cooks oder die Bewunderung für seine Tat. Der Professor der Botanik Warming zollte Cook seine wärmste Anerkennung und hob seine Energie und Genialität lobend hervor. Mit einigen lateinischen Worten überreichte der Rektor Magnificus Dr. Cook das Ehrendiplom. Cook, von stürmischem Beifall begrüßt, dankte für die Ehre und bat, das endgültige Urteil über seine Reise erst zu fällen, wenn sein vollständiger Bericht vorliege. Er werde ein Schiff nach Grönland senden, um seine beiden Eskimos abholcn zu lassen, damit diese von unparteiischen Leuten verhört werden könnten. „Ich kann nicht mehr sagen", schloß Dr. Cook, „und nicht mehr tun, und ich danke Ihnen." Unter starkem Beifall verließ Dr. Cook die Tribüne. Die Feier war dann beendet.
Kopenhagen, 9. Sept. Nach den vorläufigen Bestimmungen wird Dr. Cook Freitag nachmittag nach Kriftianssand abreifen, von wo aus er an Bord des
ganz allein zur Seite gestanden. Du allein warst mein Trost und meine Stütze! Jetzt darfst Du mich nicht verlassen! Ich weiß nicht mehr, was ich ohne Dich beginnen soll — ich bin ja so einsam, daß Du mich nicht noch einsamer machen darfst. Bleibe bei mir . . . verlaß mich nicht..."
Brunhilde war wirklich gerührt von seinen Worten, die ihm aus dem Herzen zu kommen schienen. Sie hielt es für unmöglich, ihn jetzt zu verlassen, der so überaus gütig und freundläh zu ihr gewesen.
„Wenn ich Dir wirklich einen Dienst damit erweise, lieber Onkel," sagte sie, „so will ich bleiben und durch treue Pflichterfüllung Dein Vertrauen zu rechtfertigen suchen."
„Dank, tausend Dank, meine teure Brun- jilde!" rief er, zog sie in seine Arme und küßte t« auf die Stirn. „Ich atme wie von einer chweren Last befreit auf! Ich verspreche Dir, Du sollst glücklich werden, wie Du mich glücklich gemacht hast! Keiner Deiner Wünsche soll unerfüllt bleiben . . ."
„Onkel!"
„Ja, ja, warte nur noch einige Zeit, dann will ich Dein Glück begründen, mein teures Kind — meine liebe Brunhilde!" Dabei küßte er ihr« Hand und ein glückliches Lächeln lag auf seinem Gesicht und strahlte aus seinen Augen. Er sah um Jahre verjüngt aus und seine schlanke ©eftalt richtete sich straff empor.
In diesem Augenblick meldete der Diener, daß der junge Herr angekommen sei und seinen Vater zu sprechen wünsche.
Brunhilde errötete unwillkürlich.
Mit einem verschmitzten Lächeln sah der Kommerzienrat sie an.
dänischen Dampfers „Oskar II." dann direkt nach New-Dock in See gehen wird.
Der Herausgeber des „Newhork Herald" erhielt von Dr. Cook folgendes Telegramm aus Kopenhagen:
Ich bin ehrlich des Glaubens, daß ich den Nordpol gefunden habe, und ich bin willens, mein ganzes Beweismaterial den Gelehrten, Astronomen und Forschern zu unterbreiten und mit ruhigem Gewiss« ihren Ürteilsspruch und das Urteil der Welt abzuwarten. WennKommander Pearh sagt, er habe bei Nordpol entdeckt, so glaube ich es ihm. Obgleich ich es ablehne, mich mit ihm in Kontroversen einzulaffen, muß ich bestimmte Behauptungen, die Peary gemacht haben soll, zurückweisen. So vor allem die, daß ich ihm EÄimos und seine Vorräte fortgenommen habe. Die Eskimos sind Nomaden; sie gehören weder Peary noch mir und ich habe ihnen den zehnfachen Wert der mif ihnen zu Beginn der Fahrt vereinbarten Anzahl von^-Waffen und Messern gezahlt. In Erwiderung auf die närrische Anklage, daß ich das Festland nicht verlassen hätte, will ich heute nur erklären, daß ich im Begriff bin, eine Expedition auszurüsten, die unter dem Kommando des wackeren Forschers Kapitän Otto Sverdrup nach dem Norden gehen und die beiden Eskimos suchen soll, die mich nach dem Nordpol begleitet haben, um sie nach der kultivierten Welt zu bringen, damit sie dieser ihre Geschichte erzählen. Die beiden Eskimos werden jedes Wort meines Berichts bestätigen, und obgleich sie keine Gelehrten sind, wird man ihrer Aussage doch die Bedeutung beilegen, die Leuten gebührt, die mit den Verhältnissen des äußersten Nordens vertraut sind. Bis diese Eskimos -gekommen sind, bitte ich die Welt, mir zu glauben. Ich werde das von mir gesammelte und in meinen Berechnungen niedergelegte Beweismaterial produzieren und ich vertraue darauf, daß die ganze Welt das Urteil fällen wird, daß ich die Flagge meines Landes im Norden der Welt aufgepflanzt habe.
Der erste Bericht Pearhs.
London, 9. Sept. Eine Sonderausgabe der „Times" veröffentlicht nachfolgenden kurzen Auszug aus dem Bericht PearhS über seine Expedition, Der von Peary aus Battle Harbour als Einleitung seines vollständigen Berichtes telegraphiert wurde. Die „Roosevelt" verließ New-Dork am 6. Juli 1908 und Sydney am 17. desselben Monats, kam auf Cape Uork (Grönland) am 1. August an, verließ Etah (Grönland) am 8. August, traf in Cape Sheridan (Grantland) am 1. September ein und überwinterte daselbst. Pearh verließ mit Schlitten die „Roosevelt" am 15. Februar 1909, brach in nördlicher Richtung von Kap Columbia am 1. März auf, schlug den englischen Rekord am 2. März, wurde durch offenes Wasser vom 2. bis 11. März aufgehalten, überschritt am 11. März den 84. Breitengrad, traf einen offenen Kanal im Eise am 15. März, überfchritt den 85. Breitengrad am 18. März und vier Tage später den 86. Breitengrad, traf einen offenen Kanal am 23. März, schlug den norwegischen Rekord am 23. Mär» und am folgenden Tage den italienischen Rekord, traf einen offenen Kanal am 26. März, überschritt den 87. Breitengrad am 27. März, schlug den amerikanischen Rekord am 28. März, traf einen offenen Kanal am 28. März, wurde durch offenes Wasser am 29. März aufgehaltcn, überschritt den 88. Breitengrad am 2. April und den 89. Breitengrad am 4. April und erreichte den Nordpol am 6. April, am 7. April wurde der Pol verlassen, am 23. April Kap Columbia erreicht, am 27. April Wiedereinfchisfung an Bord der „Roosevelt", mit der ..Roosevelt" am 18. Juli Kap Sheridan verlassen, am 18. August Kap Sabine passiert, am 26. August Kap Dork verlassen. Alle Expcditionsrnitglieder sind in Indian Harbour bei guter Gesundheit eingetroffen mit Ausnahme bee Professor Marvin, der am 10. April infolge eins# Ilnglücksfalles 45 Meilen nördlich von Kap Columbia ertrank. \
„Er kommt zur richtigen Stunde," sagte er. „Nicht wahr, Brunhilde? Da kann , ich ihm gleich Mitteilung von unserem Uebereinkommen machen. Er wird sich gewiß auch freuen. Laß mich jetzt allein, mein Kind, ich werde Dir später sagen, was ich mit Walter verabredet habe."
Mit einem väterlichen Kuß auf die Stirn entließ er Brunhilde, die in größter Verwirrung davoneilte.
Als man sich einige Stunden darauf im Speisezimmer zum Abendessen versammelte, sah sich Brunhilde vergeblich nach Walter um.
Der Kommerzienrat zog sie in eine Fensternische.
„Walter wollt« nicht bleiben," sagte er leise. „Aber er war sehr zufrieden darüber, daß Du hier bleiben willst. Er hat eine mehrmonatliche Reise nach England vor — in Geschäften — et hofft aber, Dich bei seiner Rückkehr hier wieder begrüßen zu dürfen."
Brunhilde mußte ihre ganze Kraft zusammennehmen, um ruhig zu erscheinen.
„Wann reist Walter ab?" fragte sie.
„Heute nacht schon ... na, liebes Kind, hab« ich es recht gemacht?" setzte er mit einem schlaue* Lächeln hinzu.
Sie verstand ihn nicht. Nur ein ungewisses, dumpfes Schmerzgefühl preßte ihr das Herz zusammen, das von Zweifeln und düsteren Ahnungen erfüllt wat.
„Ich weiß es nicht, Onkel . - . aber wenn Du es für nötig hältst, daß Walter so rasch abreist, so wird es wohl das Rechte sein." i
„Ja, ja, das Rechte — ganz gewiß ist es da» Rechte," flüsterte der Kommerzienrat und tfefc sich wie in großer Zufriedenheit die Hände.
______(Fortsetzung folgt,)