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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain'

und den Beilagen:Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) undLandwirtschaftliche Berlage."

JVi. 212

DieGverhrsstsche Jeitmrg" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn» und Feiertcme. Der Bezugspreis beträgt viertel­jährlich durch die Post bezogen 2,25 Mk. (ohne Bestellgeld), bei unfern Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21,) 2 Mk.

Marburg

Freitag, 10. September 1909.

Die In sertio ns gebühr beträgt für die 7 gespaltene Zeile oder deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. Druck und Berlag: Joh. Auq. Koch, Universttätsbuchdruckerei Inhaber Dr. T. Hitzeroth, Marburg, Markt 21. Telephon 55.

44. Jahrg.

Kaiser Wilhelms Reise zu den Manövern in Oesterreich.

Uftotzrneseritfch, 8. Sept. Kaiser Franz Josef traf heute nachmittag um 1 Uhr auf dem Bahnhof «in und wurde von den Vertretern des Landtags und der Stadt begrüßt. Der Kaiser fuhr an der Seite des Erzherzogs Franz Ferdinand durch die dichtgedrängten Spaliere, in denen die malerischen Nationaltrachten besonders aufsielcn, nach dem Harrachschen Schoß. Nach der Ankunst empfing der Kaiser den Erzherzog Franz Ferdinand sowie den Generalstabschef Conrad von Hohendorf zur Entgegennahme des Berichtes der Manöverlei- iung. Um 2 Uhr begaben sich die Erzherzöge Franz Ferdinand und Karl Franz Josef, sowie der Statthalter und der Ehrendienst nach Jglau zum Empfange des deutschen Kaisers. Das SBet ter ist herrlich.

Grotzmcseritsch, 8. Sept. Der Empfang des deutschen Kaisers gestaltete sich zu einer spontanen, herzlichen Kundgebung durch die gewaltige längs der Jglauer Straße angesammelte Menschen­menge. Im Schloßhofe hatten sich zum Empfang eingefunden die Erzherzöge Karl Franz Josef und Leopold Salvator, die gesamte Manöverleitung usw. Kaiser Franz Josef, in der Uniform des Kaiser Franz Joses Garde Grenadier-Regiments? war in die Mitte des Hofes getreten. Die Maje­stäten eilten einander zu, schüttelten sich Warrn di« Hände und küßten sich auf beide Wangen. Hierauf begrüßte Kaiser Wilhelm den Erzherzog Karl Franz Josef, der preußische Husarenuniform an­gelegt hatte, und den Erzherzog Leopold Salvator herzlichst mit Handschlag. Dann wandle sich der Kaiser den anwesenden Generalen zu.

Großmeseritsch, 8. Sept. Am Fuße der Schloßtreppe wurde der Kaiser von dem Schlotz- herrn Grafen Harrach ehrfurchtsvoll begrüßt, der ihn dann nach dem im 1. Stock gelegenen Apparte­ment geleitete. Alsbald erschien Erzherzog Franz Ferdinand beim deutschen Kaiser, um ihm die Manöverdisposttionen mitzuteilen. Kurz danach stattete Kaiser Franz Josef dem Gaste seinen Be­such ab und verblieb mit ihm längere Zeit Im Gespräch.

Politische Umschau.

Die Kaiserin in Württemberg.

Langenburg, 8. Sept. Heute nachmittag be­gab sich die Kaiserin mtt den fürstlichen Herr­schaften im Automobil nach Rothenburg an der Tauber. Morgen wird voraussichtlich dem Schloß in Weikersheim ein Besuch abgestattet. Die Kaiserin traf um 11 Uhr 44 Mm. im Sonderzuge zum Besuche bei dem Fürsten zu Hohenlohe- Langenburg hier ein. Der Fürst zu Hohenlohe- Langenburg war der Kaiserin bis Blaufelden entgegengefahren, wo er den Zug bestteg und die

1® (Nachdruck verboten.)

Stolz um Stolz.

Roman aus dem Leben von O. Elster.

(Fortsetzung.)

Walter fühlte sich verletzt und hielt sich zu­rück. Er fand es nicht recht von seinem Vater, sich gleichsam allein als den Trauernden und tiefes Leid Tragenden hinzustellen; er, der Sohn der Verstorbenen, hatte sicherlich ebenso viel, wenn nicht noch mehr verloren, als sein Vater, dessen Verhältnis zu seiner Gattin doch sehr kühl und konventinonell gewesen war. Jeden­falls hatte der Sohn der Mutter in den letzten Jahren weit näher gestanden, als der Mann der Gattin.

Doch auf Walter lastete noch ein anderes Leid anher dem Verlust seiner Mutter. Er hatte nicht nur seine Mutter verloren, sondern auch die Hoffnung auf ein Glück, nach dem sich sein Herz seit dem ersten Tage der Bekanntschaft mit Brunhilde gesehnt hatte. Dieser doppelte Schmerz lieh ihn schweigsamer, düsterer erschei­nen, als es sonst wohl der Fall gewesen wäre, und machte ihm die Einsamkeit lieb, welche di« geflissentliche Tätigkeit des Vaters ihm aufer­legte.

Mary dagegen konnte dem Vater keine Hilfe gewähren. In ihrer lebhaften Weise gab sie sich ihrem Schmerz mit der ihr eigenen Ueber- treibung aller Gefühle hin. Je weniger sie an eine nahe Katastrophe geglaubt, desto heftiger schien jetzt ihr Schmerz, dessen Aeußerungen aber zu sehr zur Schau getragen waren, um tief empfunden zu sein. Nach wenigen Tagen war dieser Schmerz vielleicht schon überwunden, und Mary hieh vielleicht sogar die Befreiung on der mütterlichen Aufsicht willkommen.

Die Last, in diesen Tagen der Trauer dar Hauswesen zu besorgen, die Gäste zu empfange»

Kaiserin hierher geleitete. Auf dem Bahnhofe waren u. a. zum Empfange erschienen: Der Erb­prinz und die Erbprinzessin von Hohenlohe- Langenburg, die Tochter des Fürsten, die Fürstin zu Leiningen und die Erbprinzeflin zu Reuß j. 8., ferner die bürgerlichen Kollegien mit dem Stadt­vorstande an der Spitze. Am Bahnhofe trugen zwei Kinder, ein Knabe und ein Mädchen in der Langenburgschen Tracht, je ein Gedicht vor. Die Kaiserin zeigte sich durch die Begrüßung sehr er- fteut und küßte das kleine Mädchen sehr herzlich. Hierauf folgte die Fahrt nach dem Schlosse; auf dem Wege bildeten Kriegervereine und Schul­kinder Spalier. Die Stadt ist reich geschmückt. Um 12*4 U§t fand im Schlosse Galatafel statt.

Zur Talonsteuer.

Berlin, 6. Sept. Zu der Befreiungsvor­schrift des Reichsstempelgesetzes vom 15. Juli 1909, wonach die Gewinnanteilschein- und Zins­bogen, die vor Inkrafttreten des Gesetzes ausge­geben und von der Steuer befreit find, erließ der Bundesrat eine Bestimmung, daß die Steuer auch dann zu entrichten sei, wenn die Aktien­gesellschaften keine Cewinnanteilscheine aus­geben und daher die Steuer nicht nur einmal, sondern auf zehnjährige Zeiträume berechnet, wiederholt entrichtet werden muß. Zu der Be­stimmung gibt dieNordd. Allg. Ztg." eine Er­läuterung, die sich zunächst gegen die Auslegung von Professor Dr. Labande-Straßburg wendet, wonach dem durchaus eindeutigen Wortlaut der Vorschrift zufolge di« Befreiung für die Gewinn' anteilschein- und Zinsbogen, die vor Inkraft­treten der Vorschriften ausgegeben wurden, all­gemein und ohne alle Modalitäten zu verstehen ist. DieNordd. Allg. Ztg." sagt: Wenn der Zweck des Gesetzes in seinem Wortlaut nicht ausdrücklich genannt sei, liege hier nicht ein un­richtiger, sondern ein unvollständiger Ausdruck vor, dessen Bedeutung nur aus seinem Zu­sammenhänge mit dem Rechtsganzen, das jedes Steuergesetz darstelle, zu erforschen sei. Welchen steuerlichen Zweck das Gesetz mit der Zinsbogen­steuer verfolgt habe, sei klar. Er habe damit der in Aktien und in für den Handelsverkehr bestimmten Schuldverschreibungen angelegte Ka­pitalbesitz getroffen werden sollen. Ist es aber, so heißt es weiter, Tatsache, daß der Kapital- befitz, nicht di« Ausgabe von Eewinnanteil- schein- oder Zinsbogen das Wesentliche für die Steuerpflicht ist, so muß nach Ansicht des Gesetz­gebers auch der vor dem Inkrafttreten angelegte Kapitalbesih grundsätzlich von der Steuer mit- betroffen werden. Eine sinngemäße Einschrän­kung der Befreiungsvorschrift kann nur dahin gehen, daß allein die Zinsbogen befreit sind, welche vor Inkrafttreten des Gesetzes nach dem in Deutschland geschaftsiiblichen Verfahren aus- gegeben waren. Da die Zinsbogensteuer aber nichts weiter ist, als eine Wiederholung des Emisssionsstempels, so ergibt sich, daß die Zah­lungsperioden in der anschließenden ununter­brochenen Folge der ersten Ausgabe der Papiere anzurechnen sind und daß die Defreiungsvor- fchrift nut dort Anwendung finden kann, wo es

und zu bewirten, ruhte ganz und gar auf Brun- Hilde, die sich dieser Aufgabe mit der ihr eigenen Ruhe und Würde unterzog. Wohl fühlte sie tiefe Trauer um den Verlust der Frau, die ihr in ihren letzten Stunden noch eine mütterliche Freundin geworden war: wohl erzitterte ihr Herz, wenn ihr Auge zufällig dem ernsten, trau­rigen Blick Walters begegnete, wenn sie an die letzten Worte und Wünsche der Verstorbenen dachte, aber fie erfüllte ihre Pflichten mit ruhi­ger Würde. Ihr Stolz verbot ihr, der Welt ihren Schmerz, dem Geliebten ihren Kummer zu zeigen.

Und so kam es, daß sie Walter kalt und herz­los erschien, und er sich mehr denn je von ihr zurückzog.

Wer hätte ihm auch die Wahrheit Mitteilen sollen? Wer ihm sagen, welche Wünsche das mütterliche Herz in seinen letzten Stunden ge­hegt, welches Geständnis die mütterliche Liebe den Lippen Brunhildens entrissen? Der Mund der Toten war für immer verstummt, ihr müt­terlich sorgendes Herz hatte aufgehört zu schla­gen, das Geständnis Brunhilden war das Ge­heimnis eines Grabes geworden, in das es für alle Zeiten verschlossen zu sein schien.

Nur der Kommerzienrat erkannte die Tä­tigkeit Brunhildens während dieser Trauerzeit bewundernd und dankbar an. Er wandte sich nur an sie, wenn er irgend eines Rates bei dem Arrangement der Trauevfeierlichkeit oder der Vewittung der Trauergäste bedurfte, er legte alles vertrauensvoll in ihre Hände und wies die Dienerschaft an, ihr in allem Gehorsam zu lei­sten, so daß es fast schien, als nähme fie di« Stellung der Hausfrau «in.

In der Unruhe der ersten Tage empfand Brunhilde diese Bevorzugung nicht als ein Un- recht gegen die Kinder der Verstorbenen; fie glaubt« nur ihr« Pflicht zu tun, wenn fie ihrem

sich um regelmäßige, von der Ausgabe der Wert­papiere an beginnende Zeitabschnitte handelt und ein neuer Bogen erst ausgegeben wird, wenn der alte abgelaufen ist.

England und der Nordpol.

London, 8. Sept. (Unterhaus.) GUbett Par­ker richtete an den Ministerpräsidenten Asquith die Anftage, ob man annehme, daß das Land am Nordpol zu Kanada gehöre, falls festgestellt werde, daß Dr. Cook die amettkanische Flagge am Pol aufgepflanzt habe und ob alsdann dieser All den Vereinigtne Staaten irgend ein Recht auf die Be­sitznahme dieser Gegend geben würge. Der Mi­nister erhob sich unter allgemeinem Gelächter des Hauses und antwortete: In Erwiderung des ersten Teiles der Anftage bemerk ich, daß, wie ich gehött habe, am Nordpol kein Land ist. (Geläch­ter.) Der zweite Teil der Anftage enthält zu viel Hypothesen für mich, als daß ich eine defini­tive Antwort geben konnte. Der erste Lord der Admiralität Me Kenna erklätte im weiteren Ver­laufe der Sitzung auf eine Anfrage, daß die Auf- träge für die Geschütze und die Montiemng für zwei ursprüngliche Dreadnoughts im Programm dieses Jahres und für eins der vier weiteren Schiffe diefes Typs erteilt seien.

Deutsches Reich.

Der Kaiser und Stuttgart. Stuttgart, 8. Sept. Der Kaiser hat gestern folgendes Hand­schreiben an das Stuttgarter Stadtschultheißen- amt gerichtet:Der fürstliche Empfang, der mir und der Kaiserin, meiner Gemahlin, in der Haupt- und Reichsstadt des schönen Schwaben­landes bereitet worden ist, hat uns überaus wohltuend berührt und mit hoher Freude er­füllt. Bevor ich heute die herrlicke Stadt ver­lasse, ist es daher mein lebhafter Wunsch, allen Beteiligten hierfür meinen und der Kaiserin herzlichsten Dank zum Ausdrucke zu bringen und bitte ich dies bekannt zu geben. Stuttgart, den 7. September 1909. Wilhelm I. R."

Ordensauszeichnung. Stuttgart, 8. Sept. DemStaatsanzeiger" zufolge verlieh der König das Großkreuz des Ordens der Württembergi- schen Krone: dem bayerischen Kriegsminister von Horn, dem General der Kavallerie von Scholl, dem preußischen Kriegsminister von Hee- ringen. dem Eeneralstabschef von Moltke und dem General der Kavallerie von Kleist. Das Großkreuz des Friedrichsordens mit der Kron« erhielt der Chef des Militärkabinetts von Lyncker.

Graf Zeppelin und sein UIanenregi::tcnt. Stuttgart, 8. Sept. Graf Zeppelin besichtigte heute vormittag auf dem Schmiedenerfeld bei Fellbach das württembergische lllanenregiment Nr. 19, bei dem er a la Suite gestellt worden ist. Nach einer kurzen Ansprache des Regiments­kommandeurs, die mit einem Hoch auf den Gast schloß, erwiderte der Graf und brachte ein Hoch auf den König aus. Nach dem Abreiten der Fronten und nach dem Begrüßen der Kriegerver-

Oheim treu zur Seite stand. Aber die Augen anderer sahen schärfer als ihre eigenen. Auf dem vergrämten Gesicht der Frau Ritter er­schien zuweilen ein etwas spöttisches Lächeln, und das blasse Antlitz Walters verdüsterte sich noch mehr, wenn er sah, wie sein Vater Brun­hilde bevorzugte und fie bei allen Fragen, welche die Beisetzung und die Führung des Haushaltes betrafen, in Anspruch nahm.

Endlich war die Beerdigung vorüber, die Verstorbene ruhte in ihrem Grabe, für dessen kostbare Ausschmückung der Kommerzienrat ge­sorgt und für das er ein prachtvolles Monu­ment bei einem der ersten Bildhauer bestellt hatte.

In der Villa Hildebrandt war es still ge­worden. Die Verwandten waren abgereist, der Kommerzienrat ging wieder feinen Geschäften nach, Walter kam nicht mehr heraus er lebte jetzt ganz in der Stadt und Mary begann sich wieder mit ihren mancherlei Interessen zu. beschäftigen. Sie erfreute sich jetzt schon der Freiheit, di« ihr der> der Mutter gegeben hatte.

Brunhilde hatte das Gefühl, daß fie nicht mehr am rechten Platz in der Villa und in der Familie des Kommerzienrats war. Mary ent­fremdete sich ihr mehr und mehr; sie sah jetzt oft mit seltsamem Lachen auf di« frühere Freundin und machte Anspielungen sonderbarer Art. Wal­ter bekümmerte sich gar nicht mehr um Brun- hiilde; er hatte seit dem Todestage seiner Mut­ter nicht ein einziges Mal wieder das Wort an sie gerichtet. Frau Ritter ging lauernd und beobachtend um Brunhilde herum, als gelte es, ein Geheimnis zu erforschen .

Eine schwüle, drückende Lust herrschte in der Villa, in der ein Jeder heimlichen, argwöhni­schen Eedank« nachzuhängew schien. Es wat.

eine aus der Nachbarschaft begab sich Graf Zep­pelin mittels Automobils nach Stuttgart zurück, um von dort zum Empfange des heute abend in Friedrich^afen eintreffenden Königs von Sachsen sich dorthin zu begeben.

Felkchienstübungen bei der Hochseeflotte. Alpenrade 8. Sept. An den Felddienstübungen der Mannschaften der Hochseeflotte bei Apenrad« nimmt von morgen ab auch das 1. Seebataillon aus Kiel teil. Das Bataillon wird heute nach­mittag mit den KreuzernKönigsberg" und Danzig" nach Apenrad«, wo «s einquartiert wird, überführt.

Orville Wright. Berlin, 8. Sept. Bei den heutigen Flugversuchen auf dem Tempelho­fer Felde machte Orville Wright zwei glücklich verlaufene Aufstiege. Beim ersten Fluge bei günstigen Windverhältnissen erreichte Wright eine Höhe von mehr als 80 Metern und eine Flugdauer von 35 Minuten 52 Sekunden. Di« Landung erfolgte unmittelbar bei dem Start­platz. Nach ungefähr halbstündiger Pause stieg der Aeroplan abermals auf mit Hauptmann Hildebrandt als Passagier. Das Publikum brachte den Fliegern stürmische Ovationen dar. Nach 17 Minuten, während welcher der Wind wesentlich stärker geworden war, landete der Apparat in der Nähe des Schuppens. Mit stür. mischen Kundgebungen geleitete die begeistert« Menge Wright, welchem berittene Schutzleute Bahn machen mußten, zum Automobil.

Konkursstatistik. Nach der vorläufigen Mithcilung des Kaiserlich Statistischen Amts zur Konkursstatistik gelangten im 2. Vierteljahr 1909 im Deutschen Reich 2783 neue Konkurse zur Zählung, gegen 2905 im 2. Vierteljahr 1908. Es wurden 630 Anträge auf Konkurseröffnung wegen Massemangels abgewiesen und 2153 Kon­kursverfahren eröffnet; von letzteren hatte iw 1291 Fällen der Eemeinschuldner die Konkurs­eröffnung beantragt. Beendet wurden im 2. Vierteljahr 1909: 2213 (2. Vierteljahr 1908: 1994) Konkursverfahren, und zwar durchSchluß- perteilung 1477, durch Zwangsvergleich 517, in­folge allgemeiner Einwilligung 39 und wegen Massemangels 180. In 1013 beendeten Konkurs­verfahren war ein Eläubigerausschuß bestellt.

Don den 2783 neuen und Konkursverfahren betrafen:

den 2213 beendeten

Natürliche Personen

2015

1794

Nachlässe

555

247

Handelsgesellschaften

96

112

Genossmschaften

24

13

andere Gemeinschullmer

93

47

Ausland.

Lateinischer Kongreß. Paris, 8. Sept. Mi­nisterpräsident Briand übernahm das Ehrenprä­sidium des Kongresses der lateinischen Nationen, der aus Anlaß der bevorstehenden Jahrhundert­feier der Unabhängigkeit des lateinischen Ame­rika in Paris veranstaltet werden soll. Di« An­regung zu diesem Kongresse geht von der lateini­schen Union aus.

** Athen, 8. Sept. Die Dekrete, denen zu­folge der Kronprinz und Prinz Nikolaus zur

Brunhilde, als sei sie plötzlich die geheime Fein­din aller geworden.

Nur der Kommerzienrat war herzlich und freundlich zu ihr. Aber feine Freundlichkeit hatte einen merkwürdigen Charakter angenom­men. Bald war er herzlich wie zu einem Kinde, bald zuvorkommend wie zu einer Dame, bald von einer sentimentalen Zurückhaltung, die an die Schüchternheit eines Liebhabers erinnerte, der der Gegenliebe noch nicht gewiß ist.

Alles das schmerzte Brunhilde tief und ver­letzte fie in ihrem stolze. Nach einigen Wochen erbat fie sich von dem Kommerzienrat eine Un­terredung und teilte ihm mit, daß fie den Ent­schluß gefaßt habe, sein Haus zu verlassen.

Der Kommerzienrat antwortete nicht so­gleich. Sein Gesicht bedeckte sich mit einer leich­ten Blässe und er sah gedankenvoll und schein­bar tieftraurig in den Garten hinaus, der jetzt in der ersten Blüte des Frühlings prangte.

Dann sagte er mit einem leisen Seufzer:

Deine Mitteilung überrascht mich, lieb« Brunhilde. Welche Gründe hast Du, mein Haus zu verlassen? Ist man Dir nicht mit der gehörigen Achtung begegnet?"

Ich kann mich nicht darüber beklagen, lieber Onkel."

Oder hat man es Dir an Liebe fehlen lassen? Meine Frau hatte Dich lieb gewonnen, wenn fie auch anfänglich kalt gegen Dich war: Mary ist Deine Freundin geworden, und ich meinerseits glaube Dir stets mit Achtung und Liebe entgegengekommen zu fein.

Ja, Onkel, das bist Du.

Nun also," fragte er und errötet« leicht, warum willst Du uns verlassen? j

Ich kann Dir den Grund nicht angeben," entgegnete Brunhilde zögernd und die Auge» nieberschlagend. ,

. - . ^Fortsetzung folgt) 1