mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: „Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und „LandwirtschastUche Beilage.
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Die „Gverhrlftschr Jettuug" erscheint täglich mit Ausnahme der Sann» und Feiertage. — Der Bezugspreis betragt viertel» jährlich durch die Post bezogen 2,25 Mk. (ohne Bestellgeld), bei unfern Zeitungsitellen und der Expedition (Markt 21,) 2 Mk.
Marburg
Donnerstaq 9. September 1909.
Die Jnsertionsgebitbr beträgt für die 7 gespaltene Zeile oder deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. — Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, Universitätsbuchdruckerei Inhaber Dr. E. H i tzer o th, Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
44. Jahrg.^
Das Kaiserpaar in Württemberg.
* Sie Parade.
Stuttgart, 7. Sept. Der Kaiser ttug die Uniform seines 120. Infanterie-Regimentes mit den Abzeichen eines General-Feldmarschal- tes, der König Generalsuniform. Die Kaiserin »nd die Königin erschienen auf dem Parades elde in vierspännigen Wagen. Nach dem Abreiten der Fronten erfolgte eine zweiter Vorbeimarsch. Hierbei ritt der König an der Spitze seiner wütt- Sembergischen Truppen. Die anwesenden fürstlichen Chefs führten ihre Regimenter, während die ä la Suite stehenden Herrschaften mit ihren Regimentern vorbeigingen. Mit dem Grenadier- Regiment Königin Olga ging Generaloberst von Lindequist vorbei, mit dem Infanterie-Regiment 125 Prinz Eitel Friedrich von Preußen, den der König <\ la Suite dieses Regiments gestellt hat. Der Prinz trug bereits die Uniform des Regiments. Das Infanterie-Regiment 121 führte fein Chef, der König von Sachsen, hinter dem Prinz Georg von Sachsen ritt. Das Füstlier- Regiment No. 122, dessen Chef der Kaiser von Oesterreich ist, wurde von Erzherzog Friedrich geführt. Das Grenadier-Regiment 123 führte der König von Württemberg, das Infanterie- Regiment 120 der Kaiser, das Dragoner-Regiment Ro. 25 ebenfalls der Kaiser. Der König hat dem Kaiser dieses Regiment verliehen. Das Dragoner-Regiment No. 26 und das Ulanen- Regiment No. 19 führte der König von Wütt- temberg; hinter dem König ritt General Graf Zeppelin. Das zweite württemchergische Feld- artillerie-Regiment No. 29, dessen Chef der Prinzregent von Bayern ist, führte Prinz Ludwig von Bayern, das Feldattillerie-Regiment König Karl No. 13 der König von Württemberg. Das Publikum begrüßte den Kaiser und oen König mit herzlichen Zurufen, ebenso den Grafen Zeppelin. Bei dem ersten Vorbeimarsch marschierte die Infanterie in Kompagniefronten iw halben Abständen, die Kavallerie in Eskadronsfronten, die Artillerie in Batteriefronten, alles im Schritt. Beim zweiten Vorbeimarsch kam die Infanterie in Regimentskolonnen, die Kavallerie in Eskadronsfronten, die Artillerie in Abteilungsfronten und die berittenen Truppen im Trabe vorbei. Die Parade gewährte bei dem günstigen Wetter, bei dem Fehlen der Staubentwickelung und der malerischen, hügel- umkränzten Lage des Paradefeldes ein wirklich schönes Schauspiel. Rach dem zweiten Vorbeimarsch ritt der König mit dem Kaiser die Front der Kriegervereine entlang; den Majestäten folgten hierbei die Mitglieder des Königlichen Hauses. Auch Prinz Eitel Friedrich und Graf Zeppelin befanden sich in der Suite. — Rach der Parade kehtte der Hof im Königlich württembergischen Hofsonderzuge nach Stuttgart zurück. — Die Majestäten trafen kurz vor 1 Uhr, vom Paradefelde kommend, auf dem Hauptbahnhofe ein, fuhren ins Schloß und begaben sich dann ins Kronprinzenpalais, wo bei dem kommandierenden General Herzog Albrecht von Württemberg Paradetafel stattfand.
Stuttgart, 7. <5ept. Nach dem „Schwab. Merkur" hat der König den Prinzen Ludwig von Bayern ä la Suite des Artillerie-Regiments No. 29 gestellt, dessen Chef Prinzregent Luitpold
17^ =~- (Nachdruck verboten.)
Stolz um Stolz.
Roman aus dem Leben von O. Elster.
(Fortsetzung.)
„Weiß ich denn, ob Walter mich liebt?*
„Er liebt Dich, glaube es mir. Ich habe es in seinen Augen gelesen, und das Auge einer Mutter täuscht sich nicht. Das war ja bisher meine Sorge — jetzt aber ist es mein Glück — und die letzte Aufgabe meines Lebens soll es sein, Euch glücklich zu machen. Ich will mit Walter sprechen! Rufe ihn! “
„Ich glaube, er ist nach der St<ü>t zurückgefahren, . Tante," entgegnete Brunhilds zögernd, da sie eine innere Erregung der Kranken fürchtete.
„So soll er so rasch wie möglich hierher kommen. Sage es der Ritter, sie soll an ihn telephonieren — ich will ihn noch vor Tagesanbruch sprechen — ich muß ihn sprechen! Es könnte sonst zu spät sein . . ."
„Walter wird morgen früh gewiß von selbst kommen."
„Nein, nein, ich will ihn noch heute nacht sprechen! Wecke die Ritter! Sie soll telephonieren, oder noch bester, meinen Wagen sofott hinschicken."
Um sie nicht noch mehr zu erregen, kam Brunhilds ihrem Wunsche nach. Frau Ritter taumelte aus tiefem Schlafe empor und verstand kaum, was Brunhilds sagte.
„Aber, Fräulein Walterling," meinte sie dann, „spricht die gnädige Frau nicht im Fieder? Das ist doch ein sonderbares Verlangen. Was wird der Herr Kommerzienrat dazu sagen?
von Bayern ist. — Prinz Eitel Friedrich von Preußen wurde ä la Suite des Infanterie-Regiments No. 125, Erzherzog Friedrich von Oesterreich ä la Suite des Füsilier-Regiments No. 122 gestellt, dessen Chef Kaiser Franz Josef ist. Kaiser Wilhelm beglückwünschte nach der Parade den König und den kommandierenden General, Herzog Albrecht von Württemberg, zu der ausgezeichneten Parade aller Waffen.
Stuttgart, 7. Sept. Der „Staatsanzeiger" schreibt: Der König hat durch allerhöchste Order von heute als dem Tage, an dem die württem- bergischen Truppen vor dem Kaiser in Heerschau gestanden haben, den Kaiser zum Chef des Dragonerregiments Königin Olga No. 25 ernannt.
Stuttgart, 7. Sept. Der Kaiser verlieh dem Herzog Wilhelm v. Urach ä la Suite des Dragoner-Regiments Königin Olga den Schwarzen Adlerorden und dem Fürsten Karl v. Urach das Eroßkrsuz des Roten Adlerordens. Der Kaiser -verlieh ferner an Offiziere seines Dragoner-Regiments eine Anzahl Ordensauszeichnungen, ferner dem Kriegsminister v. Marchtaler das Großkreuz des Roten Adlerordens, dem Kommandanten von Stuttgart, Generalleutnant v Scharpf den Kronenorden zweiter Klaste mit Stern und dem württembergischen Militärbevollmächtigten in Berlin Oberst von Dogger die Brillanten zum Kronenorden zweiter Klaste.
Stuttgart, 7. Sept. Die Kaiserin besichtigte heute nachmittag mit der Königin die Kleinlinderschule Paulinenpflegs. Am Pottal wurden sie vom Anstaltsvorstand Landgerichtsrat Klein begrüßt.
Stuttgart, 7. Sept. Um halb 7 Uhr abends fand beim König und der Königin im weiten Saale des Restdenzschlostes Paradetafel statt. An der Längsseite hatte der Kaiser in der Mitte Platz genommen. Nach rechts folgten zunächst die Kaiserin, der König, die Herzogin Vera, nach links die Königin, der König von Sachsen und die Herzogin Robert. Gegenüber nahm der Oberhofmundschenk Graf von Stauffenberg zwischen den Generalobersten Lindeguist und von Vock und Polach Platz. Im Verlaufe des Mahles erhob sich der König zu folgendem Trinkspruch:
Gestatten mir Ew. Majestät, in unserem Namen, meines Hauses, meines Armeekorps und meines ganzen Landes allerherzlichsten warmen Dank auszusprechen für den so gnädigen und huldvollen Besuch, den Ew. Majestät uns in Gemeinschaft mit der Kaiserin gemacht haben. Ew. Majestät wiffen und werden sich heute wieder aus den Zurufen der Menge überzeugt haben, in welchem Geiste und mit welchen Gefühlen unsere hochverehtten lieben Gäste in Stuttgarts Mauern willkommen geheißen werden. Ew. Majestäten haben auch meiner Haupt- und Residenzstadt den Beweis aufrichtigster und gnädigster Gesinnung und Zuneigung gegeben, indem Allerhöchstdie- selben auch dem Rathause einen Besuch abstatteten, wofür ich nicht versäumen möchte, meinen herzlichsten Dank auch an dieser Stelle auszusprechen. Der Besuch Ew. Majestät gilt aber insonderheit der Armee und ihren Leistungen, wovon wir heute die ersten Proben gesehen und wovon weitere noch bevorstehen werden. Wenn das Armeekorps bisher die Zufriedenheit seines obersten Kttegsherrn gefunden hat, so ist der größte Ruhm und der höchste Lohn errungen, nach dem ein Soldatenherz am Ende eines an Mühe und Arbeit reichen Jahres streben kann. Möchten Ew. Majestät aus den Leistungen des heutigen Paradetages, dem Ehrentage eines jeden Soldaten, die Ueberzeugung gewonnen haben, daß nicht nur auf dem Paradefelde, sondern auch im Ernstfälle des
Ich glaube, es hat Zeit bis zum Morgen. Jetzt kann ich doch nicht mehr telephonieren. Es ist fast zwei Uhr nachts."
„Sie haben recht. Ich werbe meine Tante beruhigen. Telephonieren Sie aber so früh als möglich."
„Ja ja — das soll geschehen. Um sechs Uhr werde ich telephonieren."
Brunhilde begab sich wieder zu ihrer Tante, die mit ruhigem Lächeln dalag.
„Wird Walter kommen?"
„Ja, Tante — sobald als möglich."
„Das ist gut — das ist gut. Gib mir noch einmal zu tttnken. Dann will ich versuchen zu schlafen. Ich bin sehr müde — aber ich darf noch nicht sterben — ich muß Euch vorher glücklich sehen . . .“
„Aber, wer spricht denn vom Sterben, liebe Tante! Du wirst wieder gesund werden und Dich unseres Glückes freuen. Hier, trink' einmal, und dann nimm diese Tropfen, sie werden Dich beruhigen. "
Geduldig gehorchte die Kranke und ließ sich dann in die Kiffen zurücklegen, die Brunhilde mit sanfter und geschickter Haiü) ordnete.
Mit einem tiefen Seufzer der Zuftiedenheit sank die Kranke in die Kiffen zurück, schloß die Augen und lag ganz still da, ein leises Lächeln auf den eingefallenen Zügen. ...
Eine Weile horchte Brunhilde auf die immer ruhiger werdenden Atemzüge; dann, als sie sich überzeugt hatte, daß ihre Tante eingeschlummert war, setzte sie sich in den tiefen Sessel zu Füßen des Bettes und lehnte erschöpft das Haupt gegen die hohe Lehne.
Erschöpft, ermattet und doch glücklich — un-
Krieges, wenns gilt, Blut und Leben für seinen Kaiser und sein deutsches Vaterland hinzugeben, der Schwabe nicht hinter anderen Volksstämmen zurück- stehen will. Ich hoffe, daß auch in der kommenden Woche auf dem Manöverfeld die Truppen, die sich vor den Augen Ew. Majestät zeigen sollen, in demselben Maße die Zufriedenheit Ew. Majestät finden werden, wie dies nach den liebenswürdigen und anerkennenden Motten Ew. Majestät heute der Fall war. Alle Gefühle herzlichsten Willkomms und wärmsten Dankes für den hohen Besuch, der für alle Zeit dem Armeekorps und dem ganzen Volke in dankbarer, unauslöschlicher Erinnerung bleiben wird, faste ich zusammen in den Ruf: Ihre Majestäten der Kaiser und die Kaiserin Hurra, Hurra, Hurra!
Die Musik spielte die Nationalhymne.
Auf die Rede des Königs antwortete der Kaiser:
Ew. Majestät bitte ich zugleich int Namen der Kaiserin aus tiefstem Herzen warmen Dank entgegenzunehmen für die heutige Einladung nach Stuttgart, für den herrlichen Empfang der Bevölkerung und für den schönen Tag in militärischer Beziehung, den wir heute erlebt haben. Es ist mir eine besondere Freude gewesen, wiederum auf Wunsch Ew. Majestät meine Schritte in Ihre gastliche Hauptstadt zu lenken. Die Beziehungen zwischen Eurer Majestät und mir datieren weit zurück. Eure Majestät waren der Zeuge der ersten militärischen Schule meiner Kindheit, als ich im 10. Jahre den ersten Parademarsch beim ersten Garderegiment übte. Seither ist es mir wiederholt vergönnt gewesen, freudige und ernste Tage an Euerer Majestät Seite hier in Stuttgart zu verleben. Am heutigen Tage hat das 13. königlich württembergische Armeekorps eine ganz hervorragende Haltung und Leistung aufzuweisen gehabt. Ich möchte nochmals Euerer Majestät aufrichtige Befriedigung und herzlichen Glückwunsch zu diesem Erfolge, dem Ergebnis intensiver, hingebender, treuer Pflichterfüllung und Arbeit aussprechen. Ich würde aber eine Pflicht der Dankbarkeit versäumen und meiner Bewunderung für Württemberg nicht voll gerecht werden, wenn ich nicht auch an dieser Stelle seines berühmten Sohnes gedächte, des Grafen Zeppelin, dem es vom Himmel vergönnt war, für unter Volk und Vaterland so Schönes zu vollbringen und dem wir es zu danken haben, daß sich das deutsche Volk wieder einmal in einem großen patriotischen Gedanken zusammen- gefunden habe, und dafür möchte ich ihm als Kaiser noch besonders danken. Euere Majestät! Ich bin gern hierher eingekehrt in diese Gaue, von deren Höhen die Türme meines Stammschlostes herabgrüßen. Tie Wurzeln meiner Familie senkten sich schon in grauer Vorzeit in diesem Boden. Hier ist auch die deutsche Kaiseridee und die deutsche Neichsidee lebendig, das sieht man an den Gesichtern, das sieht man an der ganzen Haltung des Volkes. Diese Ideen sind gehegt und gepflegt worden und tragen immer neue schöne Blüten. Möge dieses herrliche Land, möge dieses kerndeutsche Volk unter der gesegneten Regierung Euerer Majestät blühen und gedeihen, möge über Euerer Majestät, dem ganzen königlichen Hause und dem württembergischen der Schuh und der Schirm Gates auch fernerhin walten! Seine Majestät der König und gijre Majestät die Königin hurra, hurra, hurra!
Peary oder Cook?
London, 7. Sept. „Evening News" veröffentlicht folgendes, an den „Newyork Sun" gerichtetes Kabeltelegramm aus St. Johns (Neufundland): Peary und feine Anhänger bezeichnen den Bericht Dr. Cooks als gänzlich unglaubwürdig. Sie erklären, daß Cook nicht die für ein derattiges Unternehmen notwendigen Ausrüstungen befeffen habe und nicht bis in die
endlich glücklich. Das Geständnis ihrer Liebe, das ihr die Erregung des Augenblicks entrißen, hatte sie frei gemacht von dem dumpfen Druck, der feit jener Stunde auf ihr gelastet, da ihr Stolz die Liebe Walters zurückgewiesen. Sie selbst hatte unter diesem Stolze gelitten, sie selbst hatte gefühlt, daß sie zu weit gegangen sei, daß sie ihren Stolz übertrieben und daß sie den aufs tiefste verletzt haben mußte, der ihr voll inniger Liebe entgegengekommen war.
Jetzt hatte sie ihren Stolz vor seiner Mutter gedemütigt, sie war frei von Schuld, da seine Mutter ihre Liebe gesegnet hatte.
Unter diesen glücklichen Gedanken, entschlum- mette Brunhilde sanft, und freundliche Träume umschwebten sie.
Plötzlich fuhr sie empor. Es war ihr, als habe jemaich ihren Namen gerufen. Erstaunt sah sie sich um; das helle Tageslicht schimmert; durch die geschloffenen Jalousien.
In der Tür stand Frau Ritter.
„Fräulein Walterling," flüsterte sie und winkte mit der Hand, „der junge Herr ist gekommen. Ist die gnädige Frau schon wach?"
Ein Zittern ging durch Brunhildens Glieder. Mit einem Schlage entsann sie sich der Vorgänge der letzten Nacht und sie bangte vor dem Augenblick des Glückes.
Aufmerksam lauschte sie nach dem Lager der Kranken.
Noch war alles still — ihr« Tante schien noch in tiefem Schlummer zu ruhen.
Sollte sie zu Walter gehen? Sollte sie ihm sagen, was zwischen ihr und seiner Mutter gesprochen worden war? Sollt« st« auch tot ihm demütig ihren Stolz beugen?
Nähe des Pole» gelangt sei. Cook habe einer Weg eingeschlagen, der westlich von den Wege» aller vorangegangenen neueren Polarforscher g» legen sei, um sich einen Teil de, nördlichen Ti» meeies zu sichern, wo seine Beobachtungen nhat leicht durch die etwaigen Rivalen nachgeprüft werden könnten. (Cook war viel ftoenswürbw ger; er erkannte Herrn Pearys Verdienste sofort neidlos an. Vielleicht kommt jetzt noch ein Dritter, der erklärt, beide Fahnen nirgends in der Nordpolgegend gefunden zu haben. D. R.)
London, 7. Sept. Wie dem Neuterschen Bureau aus St. Johns auf Neufundland gemeldet wird nimmt es Peary für sich in Anspruch, den Nordpol als erster erreicht zu haben. Er hat sich mit dem zu seiner Hilfe entsandten Schooner „Jeanie" an der Küste Grönland» vereinigt.
Newyork, 7. Sept. Eine weitere Depesche Pearys aus Jndianharbour ersucht den Sekretär des Peary-Arktikklubs, den geographischen Gesellschaften der Welt die Erreichung des Pols mitzuteilen. Der Klub hat den Marineminister offiziell von der Entdeckung des Pols in Kenntnis gesetzt.
Die Zweifel an der Zuverlässigkeit des Cookschen Berichtes über feine Entdeckung des Nordpols haben sich, wie die „Franks. Ztg." schreibt, in den letzten Tagen noch erheblich verstärkt. Sowohl in englischen, wie besonders auch in amerikanischen Blättern finden diefe Zweifel den lebhaftesten Ausdruck. Der „Daily Chronicle" führt in einem langen Bericht aus Kopenhagen aus, daß die Kopenhagener Erklärungen CookS genau analysiert worden seien, und daß sich dabei sehr schwerwiegende Widerspräche gefunden hätten. Die Mitteilungen, welche Cook in Kopenhagen den Journalisten machte, zeichneten sich durch einen auffälligen Mangel an beweisbaren Tatsachen aus, und an deren Stelle seien rein sentimentale Schilderungen seines Seelenzustandes, seiner Hoffnungen und Besürch- i»tungen getreten; und von diesen wenigen Tatsachen hielten so manche einer kritischen Beleuchtung nicht stand. Die „New JOorf Sun" hebt hervor, daß die angebliche Besteigung des Mount Me Kinely durch Dr. Cook keine offizielle Anerkennung gefunden habe, weil Cook sie nicht beweisen konnte. Die „Sun" war zuerst eines der Blätter, die für die Glaubwürdigkeit der Behauptung Cooks warm einaetreten waren. An-' dererfeits depeschiert der Kopenhagener Korrespondent der „Daily Mail", also eines Blattes, welches von Anfang an der Behauptung Cooks mit großer Skepsis entgegengetreten war, feinem Blatte, daß Dr. Cook, auf die Mehrzahl der Journalisten einen überaus günstigen Eindruck gemacht habe und daß diese Mehrzahl ihn in der festen Ueberzeugung verließ, daß feine Schilderung glaubwürdig fei, in ähnlicher Weise wird in der „Times" über Cook berichtet. Dr. Fridtjof Nansen, der letzten Samstag in Beraen eintraf, wurde begreiflicherweise bestürmt, seine Ansicht über Cook bekannt zu geben. Nansen mußte indessen alle diese Wünsche ablehnen, da er, wie er sagte, noch nicht genügend Anhaltspunkte zur endaültiaen Beiitteilung der Frage besitze. Er sagte nur, daß er persönlich davon überzeugt sei, daß man den Nordpol mit Hilfe von Hunden erreichen könne. „Ich bin überrascht", fuhr er fort, „ zu vernehmen, daß Cook einen versiegelten Bericht über seine Fahrt in ein Loch in dem Eise gelegt hat, welches letztere fortwährend nach Osten getrieben wird. Sollten diefes Dokument und die amerikanische Flagge je aufgefunden werden, fe wird dies weit weg von der Stelle geschehen, wo Cook sie niebergetegt hilf, und' dies wird unnötigerweise Zweifel auf die Wahrheit feiner Darstellung werfen."
Frau Ritter war näher getreten.
„Mein Gott, Fräulein," flüsterte sie, „wie bleich die gnädige Frau aussieht! Sehen Sie doch nur . . . um des Himmelswillen, ft« ist tot!"
Brunhilde eilte auf das Bett zu und stürzte mit einem Schrei vor demselben nieder.
Die Tante war sanft entschlummert, um nie mehr zu erwachen.
8.
Die Beisetzung der Verstorbenen fand unter Entfaltung großen Gepränges und unter zahlreicher Beteiligung statt. Der Kommerzienrat schien sich nicht genug tun zu können in der Ehrung der Dahingeschiedenen und den Zeichen seines Schmerzes. Er allein bestimmte und leitete die Trauerfeierli."k?"<>n; er empfing die Verwandten und die übrigen zahlreichen Trauergäste; er arrangierte die prunkvolle Ausbohrung des Sarges in dem großen Salon des Erdgeschosses, er legte selbst mit Hand an bei der Befestigung der Kränze und Trauerdekoratio- nen, er bestimmte die Ordnung des Trauerzu-, ges, er suchte den Text zu der Gedächtnisrede des Pfarrers und die Lieder aus, die gesungen und gespielt werden sollten, er drückte jedem schweigend die Hand, während sich seine Augen mit Tränen füllten und sein Gesicht sich in schmerzliche Falten legte, als wollte er sagen: „Verzeih mir, daß ich meinen Dank für Dein Erscheinen nicht in Worten ausdrücken kann, aber der Schmerz läßt mich verstummen" — kurz, er war, überall, er besorgte alles, er bestimmte alles, und wies sogar seinen Sohn ziemlich barsch zurück, als dieser ihm seinen Beistand anbot.
^Fortsetzung folgt)