? mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain L
und den Beilagen: „Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und Landwirtschaftliche Berlage
44. Jahrg.
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Die Jnsertionsgebiihr beträgt für die 7gefpaltene Zeile oder deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. — Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, UntverfltätSbuchdruckerei Inhaber Dr. C. Hrtzeroth, Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
Marburg
Mittwoch, 8. September 1909.
Die „Gberhesftfche Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der 91 n Sonn- und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt viertel» wi=. Älv jährlich durch die Post bezogen 2,25 Mk. (ohne Bestellgeld), bei unfern Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21,) 2 Mk.
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sich plötzlich
Kranke an, zu finden, in hohem
Stückzahl, sowie des Aufbewahrungsraumes anmelden. Dir Vordrucke für die Anmeldungen werden von den Hedestellen unentgeltlich geliefert. Hinterziehungen der Nachsteuer werden nach den Strafvorschriften des Zündwarensteuergesetzes geahndet.
Walter Deine Liede, Dein Vertrauen erwidert — dann ist es mein Wunsch und Wille, daß Ihr Euch heiratet . . ."
„Tante!" rief Brunhild« heiß errötend und am Bett der Kranken in die Kni« finkend, „das ist unmöglich!"
„Unmöglich? So liebst Du Walter nicht?" »Frage mich nicht, Tante!" flehte Brunhild«, ihr Gesicht in den Händen verbergend.
Das entstellte Gesicht der Kranken nahm einen furchtbaren, zornigen Ausdruck an.
Entsetzt starrte Brunhilds die ohn« in ihren Worten einen Sinn Sie glaubte, die Tante spräche Fieber.
»Ja, ja, so ist es! Er wartet auf meinen Tod!«
Sie weinte wieder in nervöser Erregung. Brunhilde war tief erschüttert. Sie hatte ihr« Tante stets nur hart, stolz, fast gefühllos gesehen, und nun lag sie vollständig gebrochen unter der Wucht der stets unterdrückten und jetzt jäh hereinbrechenden Gefühle in ihren Armen und schluchzte fassungslos wie ein Kind.
Es war ein erbarmungswürdiger Anblick.
Nach und nach beruhigte sie sich etwas. Si« schmiegte sich eng an Brunhild« an und flüstert« fast schmeichelnd:
„Ach, könntest Du Walter lieb gewinnen?" Da hielt sich Brunhilde nicht länger.
„Ich liebe ihn ja — ach, so heiß, so von Herzen liebe ich ihn!" rief sie und brach ebenfalls in Tränen aus.
Da leuchtete es in den halb erloschenen Augen der Kranken auf. Ein seliges Lächeln flog über ihre eingesunkenen Züge.
„Du liebst ihn? Liebst Du ihn wirklich? Und würdest ihn auch lieben, wenn er arm uick verlasien wäre?" fragte sie.
„Ich liebe ihn, Tante! Seit heute ist es mir zur Gewißheit geworden! Heute bin ich über meine Herzensgefühle mit mir erst ins Klare gekommen. Und wenn er arm und verlasien wäre, würde ich ihn noch inniger lieben und mit ihm arm sein, mit ihm arbeiten und ihn trösten unb aufrichten in Unglück und Elend."
„Du Gute, Du Liebe, Du Edle," flüstert« bU Kranke und streichelte des Mädchens Hände. „Nun kann ich ruhig sterben — Du wirst Walter glücklich machen und selbst glücklich werden," :
; „ . (Fortsetzung folgt.) I
Der heutigen Nummer liegt bei Kreisblatt Nr. 70.
Der Kaiser in Württemberg.
Stuttgart, 6. Sept. Der Kaiser und die Kaiserin sind mittels Sonderzug um 2 Uhr 50 Min. auf dem hiesigen Hauptbahnhofe eingetroffen. Der Kaiser trug die Uniform seines 120. Infanterie-Regimentes. Zum Empfang hatten sich eingefunden: der König in der Uniform der Leibgaü>e-Husaren, die Königin, die Mitglieder des Königlichen Hauses, die hier anwesenden Prinzen und Fürstlichkeiten, die Minister mit dem Ministerpräsidenten Dr. von Weizsäcker an der Spitze, die gesamte zum grohen militärischen Empfang befohlene Generalität mit dem Kommandierenden General Herzog Albrecht von Württemberg an der Spitze, sowie andere Persönlichkeiten, unter denen sich auch Graf Zeppelin befand, in der ihm neuerdings verliehenen Uniform des 19. (1. württembergisches) Ulanenregiment. Nach herzlicher Begrüßung erfolgte die Fahrt zum Residenzfchlosie, wo der Kaiser und die Kaiserin Wohnung genommen haben. Mit dem Kaiser ist auch der Fürst von Fürstenberg eingetroffen.
Stuttgart, 6. Sept. Um 12 Uhr 17 Min. traf mit dem bayerischen Hofzug Prinz Ludwig ein, empfangen vom König und diplomatischen wie militärischen Persönlichkeiten. Der König geleitete den Prinzen, der sich ebenso wie Prinz Eitel Friedrich einen offiziellen Empfang verbeten hatte, in das Residenzschloß, wd Prinz- Ludwig die französischen Kaiserzimmer bezogen hatte.
Stuttgart, 6. Sept. Vom Residenzschloß begab sich das Kaiserpaar zum Rathause, auf dem Wege dorthin begeistert begrüßt. Am Hauptportal des Rathauses begrüßte Oberbürgermeister Dr. von Gauß das Kaiserpaar und gelitete es in den glänzend geschmückten Festsaal.
Der Oberbürgermeister hob in seiner Ansprache hervor, grade im Süden des Reiches fei es bedeutsam, vor dem Kaiser Zeugnis dahin abzulegen, daß das Bewußtsein, nur das Glied eines großen Ganzen zu sein, in Schwaben stets lebendig gewesen sei, daß aber dieses Gefühl dieser Stammeszugehörigkeit in Nord und Süd und der Glaube an die Reichseinheit und der Wunsch nach einem Zusammenarbeiten mit den übrigen deutschen Stämmen in den letzten 20 Jahren nicht nur keine Abschwächung erfahren habe, sondern noch gewachsen sei. Der Redner schloß mit dem besonderen Danke dafür, daß auch die Kaiserin in Schwaben erschienen sei und bat den Kaiser, den Ehrentrunk der Stadt Stuttgart entgegenzunehmen.
Der Kaiser antwortete, den versammelten Vertretern der Bürgerschaft Stuttgarts spreche er der Kaiserin sowie seinen herzlichen Dank aus für den Empfang, den Stuttgart ihnen soeben bereitet habe, Jung und Alt, Groß und Klein.
Bestimmungen über Nachbesteuerungen.
$ e 11 i n, 4. Sept. Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: Nach dem Leuchtmittelsteuergesetz« unterliegen der Nachsteuer alle Vorräte an elektrischen Glühlampen, Brennern zu Rernstlam- p«r,--Glühstrümpfen und Vrennstiften zu Bogenlampen und Queckstlberverdampflampen, die am 1. Oktober 1909 außerhalb des angemeldeten Herstellungsbetriebes oder der Zoll- oderSteuer- niederlage sich befinden, soweit sie nicht für den (»rivaten Haushalt ihrer Besitzer (physischer Per- onen) bestimmt sind. Das Gesetz erwähnt ausdrücklich als nachsteuerpflichtig sowohl die zur Veräußerung bestimmten, als andere Vorräte. Es unterliegen also der Nachsteuer insbesondere auch die für gewerbliche oder Handelsbetriebe und für öffentliche Zwecke beschafften Vorräte; ausgeschlossen von der Nachsteuer sind die bereits in Benutzung gewesenen Glühlampen, Glühstrümpfe usw. Die der Nachsteuer unterliegenden Vorräte sind von demjenigen, der sie in Besitz oder Gewahrsam hat, spätestens am 7. Oktober bei der zuständigen Steuererheberstelle anzumelden. Die Anmeldungsvordrucke werden von den Steuerstelleil unentgeltlich abgegeben. In den Anmeldungsvordrucken werden Angaben verlangt über den Raum, in dem die Vorräte lagern, über die Art der Beleuchtungsmittel und über die Stückzahl der Glühlampen, Glühstrümpfe usw. Das Gewicht der Brennstifte zu Bogenlampen, für elektrische Glühlampen und Quecksilberverdampflampen ist die Wattzahl, die der Eebrauchsspannung entspricht, oder es ist die Kerzenstärke anzugeben. Die angemeldeten Vorräte werden einer Nachprüfung durch die Steuerbehörde unterzogen. Hinterziehungen der Nachsteuer werden gemäß den gesetzlichen Vorschriften geahndet.
Berlin, 4. Sept. Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: Nach dem Zündwarensteuergesetz unter« ligen die Zündwaren, die sich im Besitze von Herstellern außerhalb der Räume ihres Fabrikbetriebes oder im Besitze von Händlern, Wirten, Komsumvereinen. Kasinos und Logen usw. befinden, der Nachsteuer. Als Händler im Sinne genannter Vorschrift sind alle Personen anzusehen, die Zündwaren in größeren Mengen rn- gekaust haben, um sie nach dem 1. Oktober wieder ,',u verkaufen. Der Nachsteuer unterliegen auch die Zündwaren in Automaten usw., die sich in Privaträumen der Händler, Wirte usw. befinden. Von den Züirdkcrzen, die nach dem 1. Oktober sich im Besitze von Straßenhändlern, Hausierern und ähnlichen Kleinhändlern ohne festen Verkaufsstand befinden, bleibt der Vorrat bis 200 Stück von zum Einzelverkaufe bestimmten Schachteln von der Nachsteuer befreit. Die zur Nachversteuerung verpflichteten Personen müßen die Vorräte bis spätestens 5. Oktober 1909 bei der Steuerhebestelle ihres Bezirks schriftlich unter Angabe der Art der Zündwaren und der Anzahl der Einzelpackungen und der in jeder E'nzelpackung durchschnittlich enthaltenen
Deutsches Reich.
— Prinz Heinrich. Wie das Militärwochenblatt meldet, ist Prinz Heinrich von Preußen in der Marine zum Großadmiral ernannt, in der Armee zum Generaloberst mit dem Range als Generalfeldmarschall befördert worden.
— Ordensauszeichnungen in der Marine. Bersin, 6. Sept. Laut Allerhöchster Kabinetts»
i (Nachdruck verboten.)
Stolz um Stolz.
Roman aus dem Leben von O. Elster.
Politische Umschau.
Tabakbau und Tabakerute km Erntejahr 1968.
lieber den Tabakbau und die Ergebnisse bet’ Tabakernte im deutschen Zollgebiet enthält da» 3. Viertelsjahrheft zur „Statistik des Deutschen Reichs", Jahrgang 1909, eine Ueberficht für bas. Erntejahr 1908, wonach insgesamt 88 656 Tabakpflanzer 136 941 Grundstücke mit einem Flächeninhalt von 14525 ha mit Tabak bepflanzt hatten (1907 : 96 870 Pflanzer, 148925 Grundstücke mit 15 405 ha Flächeninhalt). Von den Pflanzern hatten 25 294 je eine Gesamtfläche bis zu 1 a, 6158 über 1 bis 5 a, 14115 über 5 bis 10 a, 27 086 über 10 bis 25 a, 14 662 25 a bis 1 ha und 1341 über 1 ha mit Tabak bebaut. Die Ernte ergab einen Ertrag von 344 185 dz Tabak in dachreifem, trockenem Zustande, also auf 1 ha einen Durchschnittsertrag von 24 dz (1907 : 288 394 dz bezw. 19 dz). Der Gesamtwert der Tabakernte einschließlich der Tabaksteuer wurde auf 30 041 425 Mark (1907: 27 012 668 Mark) ermittelt; der mitlere Preis für 1 dz Tabak betrug demnach 99 Mark (1907: 94 Mark).
Sozialdemokratische Ehrlichkeit.
Einen deutlichen Beweis für die skrupellose Heuchelei der Sozialdemokratie erbringt ein Artikel der sozialdemokratischen „Arbeiterzeitung" in Essen. Unter der Ueberschrift „Immer mit Maß" schreibt das Blatt unter anderem: „Wenn wir das allgemeine, gleiche, geheime und direkt« Wahlrecht für alle gewählten Körperscyaften verlangen, so tun wir es nicht deshalb, weil dieses Wahlrecht allein der Gerechtigkeit entspricht, sondern weil es den Klassenkampf der Arbeiter zu fördern geeignet ist, und weil schon der Kampf um dieses Wahlrecht ungemein auf. rüttelnd und aufklärend wirtt. also wiederum ein Hilfsmittel im Klassenkampfe ist." Und weiter heißt es: „.....es existiert eben kein ge
meinsames Wohl der Gesamtheit. Die Gesamtheit besteht aus einer Anzahl verschiedener Wittschaftsgruppen mit gegensätzlichen Interessen. Deshalb gibt es auch keine für alle herrschende Gerechtigkeit in politischen Dingen. Denn was der einen Gruppe nützt, schadet notwendig der anderen." Mit anderen Worten: Die Sozialdemokratie kämpft um das Reichstagswahlrecht für die Einzelstaaten im angeblichen Interesse der politischen Gerechtigkeit und Gleichheit aller Bürger, und gibt aber zu, daß ein« solche unmöglich ist. Wo bleibt da die Logik? Das Zugeständnis, daß das Reichstagswahlrecht hauptsächlich ein Agitationsmittel ist zur Aufreizung der verständigen Genossen, wird man sich merken müssen.
„Sollte Dein Ehrgeiz noch höher gehen, Mädchen?" stieß sie hervor. „Noch lebe ich! Noch will ich nicht sterben!" rief fi« mit dumpfer, schauerlicher Stimme und richtete kerzengerade empor.
(Fortsetzung.)
, Ich bin Dir viel Dank schuldig, lieb« Kind," fuhr die Kommerzienrätin fort.
Brunhilde bat sie, nicht zu sprechen, da sie das aufregen könne.
..Rem, laß mich nur sprechen ... es schadet mir nichts . . . und wenn auch, so macht es nichts ob ich einige Stunden früher oder später sterbe . . es ist hohe Zeit, daß ich spreche . . ."
„Aber, liebste Tante . . .«
„Unterbrich mich nicht," fuhr diese mit ihrer alten Energie fort. „Ich weiß, daß meine letzte Stunde bald geschlagen haben wird — heute oder morgen — und ich bin bereit. Ich habe nur noch eine Aufgabe zu erfüllen — noch eine Bitte zu stellen — noch ein Unrecht wieder gut zu machen — und das soll geschehen, jetzt, wo wir allein sind. Wo ist die Ritter?"
„Sie schläft im Nebenzimmer."
„Gut, sie braucht nichts zu hören. Sie weiß ohnehin genug von meinem armseligen Leben. Ich habe Dich oft durch meine Kälte verletzt, Brunhilde," fuhr sie nach einer Weile fort.
• „Aber, ich bitte Dich, Tante, sprich doch nicht so,« suchie Brunhilde abzuwehren.
„Doch, laß mich davon sprechen.. Laß Dir aus meinem Leben erzählen, dann wirst Du mich verstehen und mit verzeihen. Ich war die Tochter sehr reicher Eltern, war stolz und zurückhal- fenb und erreichte mein fünfundzwanzigstes Jahr, ohne einen Mann gefunden zu haben, Sem ich Herz und Hand hätte schenken mögen. De lernte ich Hildebrandt kennen, der damals
Er habe schon oft zu seiner Freude Gelegenheit gehabt, die schön« Hauptstadt Schwabens zu besuchen und stets sei ihm die warme Anteilnahme der Bürgerschaft angenehm aufgefallen. So auch heut«. Er freu« sich, der Einladung der Bürgerschaft in ihr schmuckes Rathaus gefolgt zu sein. Das Rathaus versinnbildliche die Bürgertugenden: Fleiß, Arbeitsamkeit und Stolz auf Vergangenheit und Tradition. Schön und herrlich tage dieser Bau empor. Daß unsere deutschen Städte sich so mächtig entwickeln konnten, daß sie in der Lage seien, sich so prächttge Rathäuser zu bauen, liege daran, daß, seitdem di« deutschen Stämme wieder einige geworden seien, unser deutsches Vaterland einen einigen festen Grund darstelle. Durch die Einigkeit des deutschen Volkes sei auch der Friede in der Welt gesichert. Unter dem Schutze dieses Friedens sollen die Bürger arbeiten, die Städte sich entwickeln. Es möge auch in Zukunft des FriÄens reicher Schutz über Stadt unb Land walten. Er wünsch« dafür Gottes Segen herab auf die Bürgerschaft, vor allem aber auf den ersten Bürger dieses Landes und dieser Stadt, Se. Majestät den König und die Königin und das ganze königliche Haus. Er bitte nochmals, den herzlichsten Dank für die Einladung der Bürgerschaft und nicht zuletzt den lieben Stuttgarterinnen mitzuteilen.
Darauf leerte der Kaiser den Pokal. Die Tochter des Oberbürgermeisters überreichte der Kaiserin mit einem kleinen Gedicht einen prächtigen Blumenstrauß und dem Kaiser einen Rebenzweig. Das Kaiserpaar zog hierauf niete der Anwesenden längere Zeit ins Gespräch. Bür- gerausschußobmann Dr. Erlanger brachte ein Hoch auf die Majestäten aus, die sich Johann wieder unter dem Geleite der Stadtgarde und den Ovationen der Bevölkerung zum Residenzschlosse zurückbegaben.
Karlsruhe, 6. Sept. Die „Karlsruher Zeitung« veröffentlicht das offizielle Programm für die bevorstehende Kaiserparade. Danach wird die Kaiserin am Freitag, den 10. September um 7 Uhr 2 Min. abends in Begleitung des Prinzen Oskar von Preußen hier eintreffen. Der Kaiser trifft mit Sonderzug am Samstag, den 11. September, um 9 Uhr 10 Min. auf dem Bahnhof in Forchheim ein und wird daselbst von der Kaiserin, dem Eroßherzogspaar und dem Prinzen und der Prinzessin Max begrüßt. Ferner werden anwesend sein die Gefolge und der zum Ehrendienst beim Kaiser befohlene großherzogliche Gesandt« in Berlin, Gras Berckheim. Um 6 Uhr abends findet im großherzoglichen Schloß Paradetafel statt; um 9 Uhr beginnt der große Zapfenstreich im Schloßgarten. Am Sonntag vormittag um halb 10 Uhr ist im Schloßgarten Feldgottesdienst, um 1 Uhr Familienfrübstück beim Prinzen Max in dessen Palais und gleich- zeittg Marschalltafel im großherzoglichen Schloß; sodann findet abends um 6 Uhr in diesem Schloß Familien- und Marschalltafel statt. Um halb 8 Uhr nimmt bi« Festvorstellung im Hoftheater ihren Anfang. Um 10 Uhr 40 Min. reist bie Kaiserin ab. Die Abreise bes Kaisers erfolgt Montag, den 13. Sept., um 8 Uhr 50 Min. vormittags.
»Ich glaube Dir jetzt," sagt« sie. „Du brauchst es mit nicht zu versichern. Aber meine Ansicht über btefe Sache hat sich ganz geändert. Ich weiß, daß eine glückliche Ehe nur auf Grund inniger Liebe unb gegenseitigen Vertrauens geschlossen werben kann. Wenn Du diese Li«be, dieses Vertrauen zu Walt« hast — unb wenn
„Ich bitte Dich, liebst« Tante — beruhige Dich," bat sie und legte den Arm um die Schultern der Kranken.
Diese sank kraftlos in Brunhildens Armen zusammen und begann bitterlich zu weinen. Das junge Mädchen suchte sie mit sanften Worten zu trösten und zu beruhigen.
Nach einer Weile flüsterte die Krank«:
„Weißt Du, was mich auf bas Krankenlager geworfen hat?"
„Du hattest eine heftige Erregung, Tante?«
„Ja, ich war heftig erregt infolge der Er- fenntnis, daß bet, dem ich mein ganzes Leben geopfert habe, dem ich schon so viel in meinem Leben verzieht habe, bie Stunde nicht erwarten Hann, da ich nicht mehr sein «erbe."
jfcante! Liebe Tantek* *
Prokurist in einem Bankgeschäft wat. Seine Erscheinung gefiel mir, sein Wesen schmeichelte meinem Stolze unb meiner Eitelkeit, ich glaubt« mich geliebt unb reichte ihm die Hand. Nach kurzer Zeit schon erkannt« ich, daß ich mich ge- täuscht, und daß er mich nur um meines Geldes willen genommen hatte . .
„Liebste Tante, ich bitte Dich . »
„Laß mich sprechen," fuhr Frau Hildebrandt eigensinnig fort. „Du wirft schon begreifen, warum ich Dir das alles sage. Seit jenem läge wurde ich die stolze, kalte, mißtrauische, harte Natur, als welche Du mich kennen gelernt hast. Ich mißtraute meinem Gatten, meinen Kindern, aller Welt — unb auch Dir mißtraute ich, als Du in mein Haus tratest. Ich zweifelte nicht, baß Du selbstsüchtige Pläne verfolgtest, und das um so weniger, als ich den vertrauten Verkehr zwischen Dir und meinem Sohne sah."
Brunhilde erhob sich rasch. Eine heiße Glut überflammte ihre Wangen. Mit bebender Stimme sprach sie:
„Wenn es Dich beruhigen kann, Tante, so versichere ich Dich bei dem Andenken an meinen teuren Batet, daß Du Dich in bezug auf diesen Verkehr getäuscht hast. Ich habe niemals daran gedacht..."
Die Kranke erhob mit Anstrengung ihre Hand, dem jungen Mädchen Schweigen gebietend.