Marburg
Die „GbertsEsche Zetta««" erscheint täglich mit Ausnahme der
44. Jahrg
mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain 1 und den Beilagen: „Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und.Landwirtschaftliche Benage.
MÄ OüQ Sonn, und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt viertel. eVTS fcvO jährlich durch die Post bezogen 2,25 Ml. (ohne Bestellgeld), bei R 1QAQ
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Erstes Blatt.
Der Kamps nm die Fortbildungsschule.
Seit Monaten ist wieder der alte Kampf ent« trannt um die Fortbildungsschule und namentlich den damit verbundenen Schulzwang. Gegen diesen wttd seitens der Gegner geltend gemacht, daß die jetzigen Handwerksmeister auch keine KachbiA«rg im Zwangswege genossen hätten und-doch tüchtige Fachleute geworden wären. Dieses Argument ist aber ein Trugschluß. Es find Ausnahmen, die aus eigener Kraft und mit außerordentlicher Willensstärke begabt, es ermöglicht haben, in kärglichen Freistunden fich weiter fachlich und kaufmännisch fortzubilden. Dagegen ist gerade die Klage der Arbeitgeber allgemein, daß die Gesellen schlecht ausgebildet find und den Anforderungen ihrer Meister nicht genügen. Der Schulzwang hat unser Vaterland groß gemacht, auch dem Handwerk kann nur geholfen werden, wenn sein Nachwuchs geradezu gezwungen wird, sich weiter fortzubilden. — Die Staatsregierung hat überall in Preußen damit gute Erfolge erzielt und stellt daher jedes Jahr größere Summen für diese Zwecke in den Ettt ein. Im Jahre 1908 hat der Staat für die Errichtung, Unterhaltung und Beaufsichtigung von Fortbildungsschulen 2 765 000 M Zuschüsse gezahlt, 1907 2 390 000 M. Für Ausbildung und Fortbildung der Lehrkräfte waren 860 000, 1907 260 000. K bestimmt. Dazu kommen die gewaltigen Zuwendungen seitens der Kommunen. Streiten läßt sich über die Aufgaben und Ziele dieser gewerblichen Schulen. Einerseits wird die Befestigung und Vertiefung des allgemeinen Wissens als erstrebenswertes Ziel hingestellt, andererseits die Ausbildung in dem betreffenden Fache. Auf dem Lande und in kleineren und mittleren Städten wird wegen der geringen Gliederung nach Berufen der Unterricht allgemeiner gehalten sein müssen. Zu hohe Ziele und unnötige Belastung des Gedächtnisses mit Wechsellehre u. dergl. m. müsien ausgeschaltet werden, Kenntnisie in Buch- und Rechnungsführung, Eeschästsempfehlungen, Ar- beits- und Preisangeboten, Bekanntschaft mit Maß, Gewicht und Geld dagegen verlangt werden, analog den Eesellen-Prüfungsordnungen. Eine schwierige Frage ist die Wahl der Lehrkräfte. Die Tüchtigsten sind meist mit ihrem eigenen Geschäft überlastet und dem Wunsche, möglichst Handwerker und Praktiker dazu heranzuziehen, muß Rechnung getragen werden. Ein wichtiges Kapitel ist ferner das der Schulstrafen, die Lehrlinge wie Lehrherren treffen. Die Fortbildungsschule darf mit ihrer Arbeit nicht stets der Werkstatt vorangestellt werden. Triftige Entschuldigungen wegen Versäumnis müsien in angemesiener Frist auch nachträglich angenommen werden, vor dem Erlaß vor Strafbefehlen bc • Polizei und Gerichte schriftliche Mahnungen an die Lehrherren gesandt werden. Namentlich Bestrafungen wegen versäumter An- und Abmeldung besonders der oft wechselnden Arbeitsburschen sind recht unangenehm empfunden worden. Die oft erwähnten Klagen wegen Verrohung der Jugend durch die Fortbildungsschule find stark übertrieben. Rohlinge und Rüpel finden sich wie überall auch hier, die Schule 'fttnn dafür nicht verantwortlich gemacht
werden. Jedenfalls ist die Errichtung von Fortbildungsschulen mit Dank für die großen Opfer, die sie verlangen, zu begrüßen; vorhandene Mängel mögen unter Berücksichtigung der Wünsche einsichtiger Fachleute recht bald aller Arten beseitigt werden. — lieber das Fortbildungsschulwesen in Preußen liegen folgende Zffern vor: 1904 gab es 1290 Schulen mit 202 716 Schülern, 1905 1395 Schulen mit
226 574 Schülern, 1906 1535 Schulen mit
261 341 Schülern, 1907 1579 Schulen mit
280 427 Schülern.
Deutsches Reich.
— Der Besuch des Kaisers im Stuttgarter Rathaus. Stuttgart, 3. Sept. An dem Besuch des Kaisers auf dem Rathaus beteiligt sich auch die Kaiserin. Die Feier wird entsprechend dem Wunsch des Kaiserpaares in ganz einfacher Form gehalten. Das Kaiserpaar wird am Portal des Rathauses vom Oberbürgermeister und Bürgerausschußobmann begrüßt. Im Festsaale hält der Oberbürgermeister eine Ansprache, nach der dem Kaiser aus einem Trinkgefäß des alten Silberschatzes der Stadt Stuttgart ein Ehrentrunk verabreicht wird. Die Stadt hat zu den Veranstal- Mngen den Montag Nachmittag in Aussicht genommen, doch hat sich das Kaiserpaar bezüglich der Zeit freie Hand Vorbehalten.
— Graf Zeppelin und Berlin. Berlin, 3. Sept. Der Magistrat von Berlin hat an Zeppelin folgendes Telegramm gesandt: „Zu glücklicher Heimkehr von schwieriger Fahrt, zur neuen bewundernswerten Leistung, sendet Ihnen in dankbarer Erinnerung an den unvergeßlichen Tag herzlichen Glückwunsch der Magistrat von Berlin." — In der Sitzung des Magistrates verlas Bürgermeister Dr. Reicke ein ihm von dem Grafen Zeppelin zugegangenes Schreiben, in dem der Graf seinen herzlichsten Dank ausspricht sür die Begrüßungsworte des Bürgermeisters und den ganzen ihm in Berlin zuteil gewordenen Empfang, der den über- wälttgenden Abschluß bilde zu dem Eindrücke, wie das gesamte deutsche Volk sich darüber freue, daß es einem Deutschen gegeben war, zu dem langersehnten Ziel der sicheren Durchquerung des Luftraumes die entscheidenden Schritte zu tun. Dann heißt es in dem Briefe: „Dzr Kaiser hatte die Gnade, es mir aus Rücksicht auf meine Ge- ftmdheit fteizustellen, mit der Eisenbahn anstatt mit meinem Luftschiff nach Berlin zu kommen. Aber nicht um Jahre meines Lebens möchte ich die Stunden des Hinunterschauens auf die meiner in festlichem Schmucke harrenden Riesenstadt und den Eindruck missen, daß die Herzen der dort unten winkenden und rufenden Millionen in jubelnder Begeisterung mir und meinem Werke zugewandt waren."
— Graf Zeppelin Ehrenbürger von München. Friedrichshafen, 3. Sept. Eine Deputation aus München, an deren Spitze der Oberbürgermeister v. Borscht und der erste Vorsitzende im Gemeindekollegium, Schwarz, standen, überreichte heute Nachmittag dem Grafen Zeppelin die Urkunde, durch welche er zum Ehrenbürger der Stadt München ernannt wird. Die prächttg ausgestattete
14 (Nachdruck verboten.)
Stolz «m Stolz.
Roman aus dem Leben von O. Elster.
<Fortsetzung.)
Die Kranke schien jetzt in einen tiefen Schlummer der Erschöpfung gefallen zu sein. Die zuckenden Bewegungen ihrös Körpers wurden immer seltener, der Atem ging ruhiger, der Pulsschlag des Herzens leiser und regelmäßiger. Brunhilde atmete auf; sie hoffte, daß dieser tiefe Schlummer die furchtbar erregten Nerven beruhigen und damit jede Gefahr beseitigen würde.
Wenn Brunhilde auch keine innige Zuneigung zu ihrer Tante empfand, die ihr namentlich im Anfang ihres Aufenthaltes in der Villa Hildebrandt mit kalter Zurückhaltung entgegengetreten war, so mußte sie doch Achtung haben vor dem stolzen und festen Charakter diesem Frau die sie niemals ungerecht behandelte. Brunhilde hatte ja keine Liebe von dieser ihr bis dahin völlig fremden Frau gefordert, sie selbst hatte ihr auch keine Liebe entgegengebracht, ihr Verhältnis zueinander war nur auf gegenseitiger Achtung begründet gewesen. Aber diese Achtung Brunhildens steigerte sich fast zur Bewunderung, als sie mertte, wie sich unter den Schmerzen der körperlichen Leiden bei Frau Hildebrandt ihre Charakterfestigkeit bewährte; als sie sah, mit welcher ruhigen Würde sie, die Gleichgültigkeit ihres Gatten und die leichtfertige Flatterhaftigkeit im Wesen ihrer Tochter vertrug und mit welcher tiefen Liebe und In
nigkeit sie an ihrem Sohne hing, der den Ernst unb die Tiefe ihres eigenen Wesens geerbt zu haben schien.
Als Brunhilde dann die Tante während ihrer schweren Krankheit im letzten Winter gepflegt hatte, war ihr Verhältnis zueinander naturgemäß ein innigeres geworden. Sie hatten fich beide näher kennen, schätzen und lieben gelernt.
Brunhilde hatte das Gefühl, als ob ste ttotz der Schroffheiten in dem Charakter ihrer Tante bei ihr Schutz suchen müsse und finden werde gegen Erfahren, die sie selbst noch nicht deutlich ettannt hatte und nicht nennen konnte.
„Ich denke, Frau Ritter," sagte Brunhilde leise, sich von ihrem Platz neben dem Krankenlager erhebend, „meine Tante wird jetzt einige Zeit ruhig schlafen. Ich will mich rmch umziehen, damit ich mich später nicht mehr zu entfernen brauche. Natürlich werde ich die Nacht über bei der Kranken bleiben."
„Ich bin Ihnen sehr dankbar, gnädiges Fräulein," entgegnete die Kammerfrau mit einem scheuen, sorgenvollen Blick, „wenn Sie hier bleiben wollen. Ich hätte dann die Verantwortung nicht allein zu tragen und — und wenn der Herr Kommerzienrat kommen sollte, so könnten Sie ihn eher zurückweffen, als ich."
„Ich weiß nicht, Frau Ritter, ob ich das Recht dazu habe. Aber der Sanitätsrat wird es meinem Onkel selbst gesagt haben, daß die Kranke vollständige Ruhe nötig hat/
»3a, ja — der Herr Sanitatsrat weiß auch
Urkunde mit dem Familienwappen des Grasen ist mit dem Reichsadler, mit dem württembergischen Staatswappen und mit dem Münchner Stadtwappen geschmückt. Graf Zeppelin dankte bewegt für die ihm zuteil gewordene Ehrung, indem er hervorhob, daß ihm die Ehrung von München besonders freue, weil München die erste Stadt sei, in der ihm die Huldigung einer größeren Menschenmenge entgegengebracht wurde.
— Spaltung im Polenlager. Aus zuverlässiger Quelle will die „Umsch. i. P." erfahren haben, es sei ausgefchlossen, daß die Abgeordneten Kor-» santy und Brejski bei den kommenden Wahlen vom polnischen Zenttalkomitee als Kandidaten der polnischen Fraktion wieder ausgestellt werden; ihre Sünden gegen die Patteisolidarttät seien so groß. — Als ebenso sicher gelte es aber, daß die neubegründele polnisch-demorkratische Partei dann diese abgesägten polnischen Volksvettreter zu ihren Kandidaten erheben und daß, da beide einen starken Anhang besitzen, dies zu einer SpalMng des preußischen Polenlagers führen werde.
— Wiedereiustellung enUaffener Reservisten bei der Bahnverwaltung. Der Minister der öffentlichen Arbeiten hat neuerdings wieder Verair- lassung genommen, die preußisch-hessischen Direkttonen der Staatsbahnen auf die bereits bestehenden älteren Bestimmungen, bett, die Wiedereinstellung entlassener Reservisten (ehemaliger Eisenbahner) hinzuweisen. Hiernach sollen bereits einige Zeit vor der Reservisten-Entlassung fteige- wordene Stellen nicht gleich wieder besetzt, sonder es soll auf den Wiedereintritt der Reservisten Rücksicht genommen werden. Außerdem soll ein an einzelnen Stellen etwa bestehender Ueberfluß an solchen Arbeitskräften mit Hilfe der neuerrichteten Arbeitsausgleichsstellen aus diejenigen Stellen Verteilt werden, wo Bedarf vorliegt. Rach Möglichkeit sollen die Reservisten sogleich nach ihrer Entlassung, ..,id zwar an ihren alten Sta- ttonsotten, beschäftigt werden. Gesuche um Wiederaufnahme sind von den Betteffenden baldigst an ihre alte Dienststelle zu richten.
— Der Aqua-Prozetz. Hamburg, 2. Sept. DaS hanseatische Oberlandesgericht hat heute die Berufung des Negers Aqua, des Sohnes des Kameruner Oberhäuptlings Aqua, gegen das Urteil des Landgerichts, das den Kapitänleutnant a. D. Liersemann von der Anklage der Beleidigung frei- gesprochen hatte, verworfen. Liersemann hatte in der „Preußischen Korrespondenz" Aqua als ein minderwertiges Subjett bezeichnet unb behauptet, daß er mehrfach wegen Diebstahls bestraft worden sei.
Ausland.
* ♦ König Eduard. Marienbad, 3. Sept. König Eduard von England ist abgereist.
* * Die Cholera in Holland. Rotterdam, 3. Sept. Seit der letzten Meldung wurde ein Kranker in die Baracken eingeliefert. Außerhalb der Baracken wurde ein Todesfall an Cholera festgestellt. Seit 20. August sind somit 12 Personen an der Cholera gestorben, während die Gesamtsterblichkett
in dieser Zeit 216 betrug. Vier Personen wurden als geheilt entlassen, 16 befinden sich noch in Behandlung, davon geht es dreien leidlich, zweien zufriedenstellend, den übrigen gut. Alle in Beobachtung befindlichen Personen sind gesund.
• • Das Ende des Generalstreiks? Swckholm, 3. Sept. Auf Anregung des staatlichen Vertrauens« Mannes Cederborg hat die Streikleitung beschlossen, die Arbeit spätestens am 6. September aus allen Gebieten wiederaufzunehmen, ausgenommen bei den Mitgliedern des schwedischen Arbeitgebervereins (Svenska Arbetsgifvareseerening). Die Arbeitgebervereine, bei denen ein Sympathiestreik stattgefunden hat, wollen ihre alten Arbeiter nach Möglichkeit wiedereinstellen. Da der Generalstreik auf diese Weise beseittgt ist, bleibt nur noch der Konflitt zwischen dem Svenska Arbetsgifvareseerening und seinen Arbeitern übrig. Die Streikleitung HM den staatlichen Vertrauensmann gefragt, ob unter diesen veränderten Verhältnissen eine Vermittelung durch die Regierung zu erwarten fei. Dieser antwortete, er habe die feste Neber- zeugung, daß die Regierung die Vermittelung übernehmen wolle, wenn der Konflitt auf die von Anfang an streitenden Parteien, nämlich auf den genannten Arbeitgeberverein und feine Arbeiter, beschräntt werde. — Während der Verhandlungen, die durch Vermittlung des staatlichen Vertrauensmannes Cederborg zwischen den Vertretern der im Generalstreik verwickelten Parteien stattgefunden, gaben die letzteren Erklärungen ab, welche die Beilegung des Kampfes In Aussicht stellen.
* * Spanien und Marokko. Paris, 3. Sept. Der „Mattn" meldet aus Madrid: Nach gestern ftüh eingegangenen Depeschen übten die Kämpfe bei El Arber eine bedeutende Wirkung auf die Eingeborenen aus. Zahlreiche Mauren aus der Provinz Quedana, unter anderen die Söhne des Kaids dieses Gebiets und mehrere Führer der Ar- kaman, die an den letzten Kämpfen teilgenommen hatten, kamen nach Resttnga und erbaten die Ermächtigung, sich nach Melilla begeben zu dürfen, um General Marina ihre Unterwerfung anzn- bieten und mit ihm zu unterhandeln, was ihnen auch bewilligt wurde. Auch Abgesandte der Beni KiMen boten dem Obersten Larrea ihre Unterwerfung an. Diese Vorgänge beweisen, daß die Lage im Osten sich gebessert HM, während die Lage um Melilla stationär geblieben ist. Aus den letzten Ereignissen geht hervor, daß die Spanier in der Ebee leichtes Spiel haben, daß sie sich aber in größere Schwierigkeiten begeben würden, sobald sie beginnen würden, die Umgebung von Melilla zu säubern, da die Artillerie wegen der Terainver- hältnisse weniger wirkungsvoll sein würde.
* * Marokko. Tanger, 3. Sept. Mnlay Hafiv erteilte die formelle Zusicherung, daß Züchttgungen in der von den Konsuln beanstandeten Art nicht mehr Vorkommen würden. — Wie aus Fez vom 1. September gemeldet wird, sind alle Soldaten des Roghi, die gefangen genommen waren, in Freiheit gesetzt worden; sie wurden in verschiedene Bataillone eingereiht. s
gen .während Walter ruhig in einer Fenster- nische stehen blieb und Mary in nervöser Erregung hin und her lief.
„Wie geht es oben, Brunhilde?" fragte der Kommerzienrat, und sein scharfgeschnittenes Gesicht verzerrte sich auf seltsame Weise.
„Augenblicklich schläft die arme Tante," entgegnete Brunhilde, „und ich glaube, die Gefahr ist vorüber, wenn nicht neue Erregungen eintreten."
„Ja, so sagte der Arzt auch. Nun, Gott sei Dank! Aber, Du siehst angegriffen aus, mein Kind, willst Du nicht etwas genießen?"
„Ich danke, Onkel, ich habe keinen Hunger. Ich bin nur heruntergekommen, um Euch Nachricht zu bringen. Nun will ich mich rasch umziehen. um die Nacht bei der Tante zu wachen."
„Ich will mit Dir wachen, Brunhilde!" rief Marv lebhaft.
„Ich bitte Dich, davon abzustehen, liebe Mary. Du weißt, ich bin eine zuverlässige Krankenpflegerin, und Deine Mama ist an meine Pflege gewöhnt."
„Ja — Du bist ein Engel an Gute!" tief der Kommerzienrat, ergriff ihre Hand und küßte sic.
Brunhilde zog ihre Hand rasch zurück. Diese Huldigung erschien ihr übertrieben und überflüssig.
„Ich tue nut meine Pflicht, Onkel, entgegnete sie kühl, „welche Liebe und Dankbarkeit mir auferlegen."
„Liebe — Dankbarkeit? Meine Frau hat Dir wenig Liebe erzeigt..." (Forts, folgt) \
Bescheid, wie es zwischen dem Herrn Kommerzienrat und bet gnädigen Frau steht."
„Was wollen Sie damit sagen, Frau Rittet?"
„Nun, Fräulein Walterling, Sie müssen es doch auch schon bemerft haben, daß das Verhältnis kein seht inniges ist. An der gnädigen Fra.: liegt die Schuld nicht! Aber der Herr Kommerzienrat wat gerade kein musterhafter Ehemann..."
„Frau Ritter!"
„Ich will ja nichts gesagt haben. Aber wenn man fünfzehn Jahre in einem Hause gelebt hat, so hört und sieht man doch manches. Und schließlich hat er sie doch nur um ihres Geldes willen geheiratet! Der letzte Stteit zwischen ihnen betraf wieder so einen Seitensprung des Herrn Kommerzienrats."
„Still, Frau Ritter! Ich will solche Worte nicht hören. Ich glaube, wir find nicht berechtigt, uns in die Geheimnisse anderer Menschen einzudtängen."
' „Gewiß nicht. Das hat mir auch stets fern gelegen. Ich habe an meinem eigenen Leben schwer genug zu tragen gehabt. Gehen Sie nur, Fräulein Walterling, und kommen Sie bald wieder."
Brunhilde entfernte sich. Sie fühlte sich verpflichtet, den Angehörigen bet Kranken Bericht zu erstatten, und begab sich in das Wohnzimmer, wo fie die Familie versammelt fand. Auch Walter war auf die telephonische Nachricht von der Erkrankung seiner Mutter herbeigeeilt.
Der Kommerzienrat eilte Brunhilde entge-