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mit dem Kreisblatt für dre Kreise Marburg und Kirchhain

und den Beilagen:Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) undLandwirtschaftliche Beilage."

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DieGbrrhrlstsche 3eitung erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn« und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt viertel­jährlich durch die Post bezogen 2,25 Mk. (ohne Bestellgeld), bei unfern Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21,) 2 Mk.

Marburg

Sonnabend, 4. September 1909.

Dre JnsertionSgebühr beträgt für die 7gespaltene Zeile oder deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. Druck und Berlag: Joh. Aug. Koch, UntoersttätSbuchdruckerei Inhaber Dr. T. Hitzeroth, Marburg, Markt 21. Telephon 55

44. Jahrg<

Der heutigen Nummer liegt bei Kreisblatt Nr. 69.

Besteuerung der Filialbetriebe.

In der verflossenen Session hatte der kon­servative Abgeordnete Hammer einen Antrag eingebracht, in dem die Regierung ersucht wurde, tunlichst bald einen Gesetzentwurf vorzu­legen, der die steuerliche Bevorzugung der Fi- Äalbetriebe durch das Komunalabgabengeseh vom 14. Juli 1893 und durch das Eewerbesteuer- tzesetz vom 24. Juni 1891 tunlichst bald beseitigt.

Es irt eine allgemein anerkannte Tatsache, daß der gegenwärtige Zustand eine steuerliche Dcverzugung der Filialen bedeutet. Der Ab­geordnete Hammer betonte in der Begründung seines Antrages, daß sich auch die Regierung der Erkenntnis dieser Tatsache nicht verschloßen habe. An einer großen Reihe von Beispielen konnte vom Redner nachgewiesen werden, daß Filialbetriebe vielfach erheblich geringere Steuern entrichten, als die selbständigen Ge- schaftsbeiliebe von gleichem Umfange. Durch diese Bevorzugung der Filialen, die doch ge­wiß nicht beabsichtigt ist, sondern lediglich durch Mängel der Gesetzgebung bÄingt ist, werden aber nicht nur die kleinen, selbständigen Ge­schäftsleute geschädigt, sondern auch der Staat und namentlich die Kommunen. Durch die ganz erheblich geringeren Steuern, die die Fili­alen im Verhältnis zu den selbständigen Ge­schäften aufbringen, gehen Staat und Kommune jährlich große Summen verloren. Die Wander­gewerbetreibenden müßen verhältnismäßig be- deutend mehr Steuern zahlen, als die Filial- betricbe. Der Abgeordnete Hammer erkannte in seinen Ausführungen an, daß die Be­steuerung der Filialen eine schwer zu bearbei­tende Materie und gewiß eines der schwierig­sten der ganzen Steuergesetzgebung sei. Er sei deshalb der Frage ungern näher getreten; die Gerechtigkeit verlange es aber, daß man die Angelegenheit einer gründlichen Prüfung und diesen Teil der Steuergesetzgebung einer durch­greifenden Revision unterziehe, um damit einem schwer bedrückten Teil des Mittelstandes etwas Erleichterung zu schaffen.

Der Geheime Finanzrat Strutz, der diesem Antrag gegenüber die Regierung zu vertreten hatte, wies darauf hin, daß zwischen zwei Steuern zu unterscheiden sei, der Gewerbesteuer und der Einkommensteuer. Die Einkommen­steuer komme bei der in Frage stehenden Ange­legenheit kaum in Betracht, wohl aber die Ge­werbesteuer. Die Gewerbesteuer beruhe auf dem Grundsatz der gleichmäßigen Heranziehung aller Betriebe, gleichviel, ob ße selbstäiidig oder Filialbetriebe sind. Die Besteuerung erfolge nach Maßgabe des Ertrages, wobei es gleich­gültig sei, wo der Ertrag erzielt worden sei. Demnach sei die Zerlegung des Ertrages nach den Einnahmen des Hauptgeschäfts und der Fi­lialen für die staatliche Besteuerung ohne Ein­fluß. Der Regierungsvertreter mußte aber zu­geben, daß der Geschäftsinhaber es durch seine Buchführung in der Hand habe, die Einnahmen

13 - (Nachdruck verboten.)

_ Stotz um Stolz.

Roman aus dem Leben von O. Elster.

(Fortsetzung.)

In dem Salon, der vor dem Boudoir und dem Schlafzimmer der Kranken lag, traf Brun- Hilde ihren Onkel, der am Fenster stand und leise mit den Fingern auf die große Spiegel­scheibe trommelte.

Bei Brunhildens Eintritt wandte er sich hastig um und eilte auf sie zu.

Es ist gut, daß Du kommst, Brunhild«," sagte er tief aufatmend.Meine Frau hat nach Dir verlangt. Sie hatte einen plötzlichen Ner­venanfall, während wir zusammen sprachen es war schrecklich! Aber wo wäret Ar nur so lange?"

Bei Walter."

Ah! Sein Gesicht wurde noch bleicher, als es schon war, und seine Augen blickten sie mit zornigem Ausdruck an. Sollt meine Frau doch recht haben? Was machtest Du bei Walter?"

Wir sahen uns feine Sammlungen an. Aber ich denke, Onkel, es ist jetzt keine Zeit zu Aus­einandersetzungen. Laß mich zu der armen Tante hingehen."

Ja geh zu ihr . . . sie verlangt nach Dir . . . höre auf ihre Worte . . . oder viel­mehr höre nicht auf sie . .. ich glaube, sie spricht im Fieber . . . .

Unter anderen Umständen wär« Brunhilde ohne Zweifel das seltsame, zerfahren«, hastige Wesen ihres Onkels aufgefallen. In diesem Augenblick jedoch achtete sie nicht darauf, son­dern entledigte sich schnell ihres Hutes und Mantels und trat rasch, aber leise it das Krankenzimmer «in.

des Hauptgeschäftes und der Filialen so zu zer­legen, daß die Einnahmen immer dort am höch­sten erscheinen, wo der geringste Zuschlag zu den Staatssteuern von der Kommune erhoben wird.

Bei der Buchführung also, die bezüglich der Verteilung der Einnahmen zwischen Hauptge­schäft und Filialen kaum kontrollierbar ist, liegt für den Geschäftsinhaber die Möglichkeit, seine Heranziehung zu den Kommunalsteuern so nteb« rig wie möglich zu gestalten, eine Möglichkeit, die von vielen Geschäftsleuten wahrscheinlich ausgenutzt wird und dann gewiß ein« erheblich geringer« Kommunalbesteuerung gegenüber dem kleinen Detailisten bedeutet, dem sich diese Möglichkeit nicht bietet. Darin liegt aber nicht nur eine ungerechte Benachteiligung des Mittel­standes gegenüber dem Großkapital, sondern auch ein ganz bedeutender Steuerausfall an Kommunalabgaben. Es wurde deshalb auch vom Regierungsvertteter betont, daß dem Uebel- stande nur durch Abänderung des § 32 des Kom­munalabgabengesetzes abgeholfen werden könne, indem die Veranlagungsbehörde die Zerlegung des Steuersatzes nach anderen Merkmalen vor­zunehmen haben wird, als nach dem Erttage. Eine derartige Maßnahme könne aber nicht ohne weiteres herausgerißen werden, sondern nur im Rahmen einer einheitlichen Regelung des Kommunalabgabengesetzes erfolgen. Je­denfalls meinte auch Geheimrat Strutz, daß die ganze Frage einer erneuten Erwägung wohl wett fei.

Es ist deshalb nur eine Forderung der aus­gleichenden Gerechtigkeit, wenn eine möglichst beschleunigte Revision des Kommunalabgaben­gesetzes verlangt und die Vorlage eines dies­bezüglichen Gesetzentwurfes schon in der näch­sten Session des Abgeordnetenhauses erwartet wird.

Der Antrag Hammer wurde auch von den Rednern der anderen Parteien des Hauses un­terstützt. Rur der freisinnige Abgeordnete Ro- senow sah im Geiste seine geliebteGewerbefrei­heit" schon wieder bedroht und meinte, das Kleingewerbe leide hauptsächlich darunter, daß ihm vielfach untüchtige Kräfte angehören, die nicht fähig wären, ihr Gewerbe ordentlich aus­zuüben. Es handelt sich bsi dem Antrag Ham­mer lediglich um ein mittelstandsfreundliches Werk, bei deßen Durchführung von einer Be­einträchtigung der Eewerbefreiheit wohl kein« Rede sein kann!

Politische Umschau.

Der Welternteertrag.

Budapest, 31. Aug. Das Ackerbaumini- stettum veröffentlicht die Schätzung des Wett- ernteertrages für das laufende Jahr. Danach btträgt das Gesamtergebnis der Welternte an Weizen 939,32 Millionen Meterzentner (gegen 867,95 des tatsächlichen vorjährigen Ettrages). Roggen 447,25 Millionen Meterzentner (gegen 432,08). Gerste 337,40 Millionen Meterzentner (gegen 326,54). Hafer 651,75 Millionen Meter­zentner (gegen 563,66). Mais 1039,66 Mil­lionen Meterzentner (gegen 976,11). Sämtliche Körnergattungen zeigen gegen das Vorjahr

Die Vorhänge vor beiden Fenstern waren zugezogen, so daß in dem Zimmer ein dämmert- ges Halbdunkel herrschte. Wie durch einen Rebel sah Brunhilde den Arzt, Sanitätsrat Dr. Brackebusch, und die Kammerfrau ihrer Tante an deren Lager beschäftigt. Der Arzt saß neben dem Bett, die linke Hand der Kranken haltend und deren Pulsschlag aufmerksam verfolgend, die Kammerfrau stand zu Häupten des Bettes und legte einen mit kleinen Eisstückchen gefüll­ten Eummibeutel auf die Stint ihrer Herrin, die bleich und mit geschloßenen Augen dalag.

Wenn nicht zuweilen eine zuckende Beweg­ung durch ihren Körper gegangen wäre, hätte man sie für eine Tote halten können.

Der Arzt erhob sich beim Einttttt Brun­hildens und legte die Hand der Kranken leis« und vorsichtig auf die seidene Steppdecke zurück.

Da sind Sie ja, Fräulein Brunhilde," sprach er leise.Wir haben da eine nette Be­scherung. Ihre Tante bat einen Nervenchock ge­habt^ von dem fit sich nicht so leicht erholen dürfte."

Um Eotteswillen, Herr Sanitätsrat es ist doch kein« Gefahr?"

Bei der Konstitution Ihrer Tante ist stets Gefahr vorhanden. Sie erinnern sich wohl, daß ich Ihnen währeich deren letzterKrankheit sagte: Die geringste Auftegung könne Sie an den Rand des Grabes bringen. Run und heute scheint es ein« ziemlich heftige Aufregung hier gegeben zu haben."

Was ist vorgefallen?"

Fragen Sie Frau Ritter da."

Frau RUter, die Kammerfrau, di« schon fett »Jahren im Dienste der Kommerzien- nd, nickte ernst mit dem ergrauten Kopf.

einen Mehrertrag von 282,04 Millionen Meter­zentner. Auf die europäischen Staaten entfallen auf Weizen 524,27, Roggen 408,86, Gerste 250,37, Hafer 427,37 und Mais 157,64 Millionen. Die aus dem Vorjahre vorhandenen Vorräte werden beziffert für Weizen auf 16,21, Roggen 4,69, Gerste 2,12, Hafer 4,90 und Mais 6,32 Millionen. Es zeigt sich ein Bedarf für 1909/10 an Weizen von 933,80, Roggen 430,77, Gerste 361,40, Hafer 600,51 und Mais von 994,24 Mil- Honen. Der wahrscheinliche Import beträgt in Weizen für Deutschland 25, England 58, Frank­reich 8, Oesterreich 13, Italien 8, Niederlande 4,30, Schweiz 4,80, Belgien 13,50 und Spanien 8 Millionen Meterzentner. In Gerste für Deutschland 20, England 10 und Frankreich 1 Million in Mais für Deutschland 8, in Eng­land 24, Frankreich 3,50, Oesterreich 5. Nieder­lande 4,50, Belgien 4 und Dänemark 4 Mil­lionen Meterzentner.

Dr. Schücking als Konzerttedner.

Der bekannt« frühere Bürgermeister von Husum, Dr. Schücking, gedentt Deutschland durch Vorträge zu beglücken. An politische Vereine, auch an solche der nationalliberalen Partei, ist wie wir derDeutschen Tagesztg." entnehmen, folgendes Rundschreiben einer Konzertdirektion gesandt worden:

Die ergebenst gefertigte Konzertdirektion nimmt Anlaß, Sie hiermit von einem aktu­ellen Ereignis in Kenntnis zu setzen, nämlich, daß der frühere Bürgermeister von Husum, Herr Dr. Schücking, auf vielseitiges Drängen seiner ungezählten Verehrer und Freunde sich entschloßen hat, in den kommenden Winter- inonaten eine Anzahl Vorträge in Deutsch­land abzuhalten.

Das hoch aktuelle und intereßante Thema dieser Vorträge wird hauptsächlich die be­kannte Schückingsche Kritik der Verwaltung enthalten, welche seinerzeit den Konflikt von Dr. Schücking mit der Regierung herbeiführte.

Dr. Schücking besitzt di« Sympathien des deutschen Volkes und man sieht seinen Vor­trägen mit größter Spannung entgegen.

Da die Anzahl der Vortragsabende, für welche Dr. Schücking sich entschloßen hat, be­grenzt ist, könnte ein Vortrag bei Ihnen nur stattfinden, falls Sie in der Lage sirü>, .sich ehe­stens hiettür zu entscheiden.

Nach Nngang Ihrer gefälligen Rückäuße­rung kann die geschäftliche Frage der Ange­legenheit ventiliett werden.

Hochachtungsvoll und ergebenst Konzertdirektion Norbert Satter, Berlin." Ob dieaktuelle" Attraktion heute noch zieht?! Im Übrigen ist jeder Kommentar über­flüssig.

Deutsches Reich.

Kaisermanöver der Flotte. Arkona, 2. Sept. Die Kaisermanöver nehmen heute ihren Fort­gang mit einer mehttägigen strategischen Hebung. Der Kaiser bleibt auf derHohen- zollern", auf der sich auch die Manöverleitung unter dem Chef des Admiralstabes, Admirals Grafen von Baudisfin, befindet. Die aus dem

Ich weiß natürlich nicht die Einzelheiten,", sagte sie leise, von dem Lager der Kranken, die ruhiger geworden war, forttretend,aber es mu;z ein erregtes Gespräch zwischen dem Herrn Kommerzienrat und der gnädigen Frau stattge­funden haben. Ich hörte die laute Stimme der gnädigen Frau bis in die Garderobe, wo ich be­schäftigt war plötzlich vernahm ich einen lau­ten Schrei dann wurde heftig geklingelt, und als ich eilig in den Salon trat, lag die gnädige Frau bewußtlos und in schrecklichen Krämpfen auf dem Teppich und der Herr Kommerzienrat lief außer sich im Zimmer auf und ab. Wir brachten die gnädige Frau schnell zu Bett und telephonierten an den Herrn Sanitätsrat. Als di« gnädige Frau einige Zeit später die Be­sinnung wieder erlangte, verlangte sie heftig nach Än«n Fräulein Walterling. Dann fiel sie in die Bewußtlosigkeit zurück."

Da haben wir also die Ursache dieses An­falls," sprach der Arzt.Mir scheint, der Herr Kommerzienrat hat nicht vorsichtig gehandelt, als er seiner Gattin Grund zu einer solchen Auf­regung gab. Nun, Fräulein Brunhilde, Sie kennen ja die Verhaltungsmaßregeln unbe­dingte Ruhe Eisumschläge auf den Kopf wenn nötig, auch auf das Herz dann alle zwei Stunden zehn von diesen Tropfen da. Sollten sich wieder Krämpfe einstellen, so müßen wir zu energischeren Maßregeln greifen. Aber ich hoffte daß es nicht nötig sein wird; denn bei einer Wiederkehr der Krämpfe stehe ich für nichts. Ich überlaße Ihnen jetzt die Pflege der Kranken, Fräulein Brunhilde. Frau Ritter, die eine erfahrene Frau ist, wird Ihnen behilf­lich sein. Sonst darf niemand in das Kranken­zimmer, auch die Kinder nicht und der Herr Kommerzienrat erst recht nicht! Jede Erregung

Küsten- und Panzergeschwader, Schul- e* Versuchsschiffen gebildet« feindliche Flotte unter dem Befehl des Vizeadmirals Zeye hat Ne Reede von Swinemünde noch gestern wieder ver, laßen. Die blaue Partei wird von der gesamte« Hochseeflotte dargestellt und vom Prinzen Hei», rich befehligt. Die Aufklärungsschiffe sind vor­mittags in See gegangen. Die Linienschiffe wer« den am Nachmittage folgen. Die Torpedoboots- streitkräfte sind auf beiden Seiten »erteilt. Auf derHohenzollern" befinden sich außer dem mitt« tärischen Gefolge des Kaisers noch Staatssekre­tär Admiral v. Tirpitz, Admiral v. Fischel.

Deutscher Katholikentag. Breslau, 2. Sept. Präsident Abgeordneter Herold wies in seiner Schlußrede auf die Tätigkeit der Generalver­sammlung hin. Der wichtigste Gegenstand der Berattngen war die Schulfrage. Der Kampf für die Schule sei ein Kampf für das Christen­tum. Der Vorsitzende dantte dann der Bevöl­kerung von Breslau und den städttschen Behör­den mit dem Bemerken, daß auf eine Begrüßung seitens der städtischen Behörden leider verzichtet werden mußte, obwohl sie allen Generalver­sammlungen zuteil geworden sei. Ein Mißklang sei in die Generalversammlung nur gekommen durch das Verbot der Regierung, den polnischen Glaubensgenoßen zu gestatten, in ihrer Mutter­sprache hier zu sprechen. Kardinal Kopp erteilt« dann der Versammlung den Segen unter Assi­stenz des Bischofs Giesen. Mit dem Gesang Großer Gott, Dich loben wir" schloß die dies­jährige Tagung.

Von den Reichseinkiinsten. Berlin, 2. Sept. DerReichsanzeiger" veröffentlicht die Ergeb« niße des Reichshaushalts für das Rechnungs­jahr 1908. Im ganzen sind an ordentlichen Einnahmen, soweit sie dem Reiche verbleiben, 185115 000 J*. weniger aufgekommen. Da der Ausgabebedarf um 63119 000 M. hinter dem Anschläge zurückgeblieben ist, ergibt sich für das Rechnungsjahr 1908 ein Fehlbetrag von 121996 000 JL Mehrerträge brachten die Zi­garettensteuer, die Zuckersteuer, die Salzsteuer. Zurückgeblieben gegen den Voranschlag sind die Zölle um 121 018 000 <M., die Brausteuer, di« Erbschaftssteuer und die Fahrkartensteuer.

Die Erziehungsbeihilfen. Bei Prüfung der Zivilpensions- und Witwen- und Waifen- gelderrechnungen ist die Wahrnehmung gemacht worden, daß bezüglich der für Waisen unmittel­barer Staatsbeamten bewilligten Unterstützun­gen, der sogenannten Erziehungsbeihilfen, dann, wenn die Mutter der Kinder sich wieder verhei­ratet, nicht gleichmäßig verfahren wird. Teils sind die Unterstützungen ohne ministerielle An­weisung in Abgang gestellt worden, teils hat überhaupt keine Prüfung dahin stattgefunden, ob die Mutter unter den veränderten Verhält­nissen der Unterstützung noch bedarf. Zur Her­beiführung eines einheitlichenVerfahrens haben daher der Finanzminister und der Minister des Innern angeordnet, daß im Falle der Wieder­verheiratung der Mutter stets von neuem in eine Prüfung der Frage der Bedürftigkeit e:n» zutreten ist. Ist nach dem Ergebnisse der Er­mittelungen Bedürftigkeit zweifelsohne nicht als vorliegend zu erachten, so sind die Erzieh- ungsbeihilsen ohne weiteres in Abgang zu brin.

selben ahnten.

(Fortsetzung folgt.)

in diesem Zustande kann tödlich sein. Ich werd« mit Herrn Hildebrandt sprechen. Da ich gleich nebenan wohne, kann ich ja jederzeit zur Hand sein."

Damit entfernte sich der Arzt.

Hrunhilde nahm ihren Platz an dem Kran­kenbette ein, während Frau Ritter geräuschlos ab und zu ging, um das Zimmer aufzuräumen, welches durch die letzten Ereigniße in Unord­nung gekommen war.

Frau Ritter war eine stille, einfache Person, die bessere Verhältnisse gekannt hatte. Ihr Mann war Beamter gewesen, der, nicht ohne eigenes Verschulden in Eeldschwierigkeiten ge­raten, sich zu Unterschlagungen hatte verleiten laßen und infolgedeßen zu mehrjähriger Ge­fängnisstrafe verurteilt worden war. Im Ge­fängnis war «r dann gestorben. Seine Fra» stand nun mit zwei unmündigen Kindern mit­tellos da. Der Kinder hatten sich Verwandte angenommen, Frau Ritter mußte eine dienend« Stellung annehmen.

Diese traurigen Erlebniße hatten ihrem We­sen eine Gedrücktheit verliehen, die sich mit den Jahren in eine stille Resignation verwandelt hatte. Für «ine reizbare, nervöse Natur rote die Kommerzienrätin war diese stille, wortkarge Frau di« richtige Dienerin und Gesellschafteri» gewesen. __

Aber so still Frau Ritter ihren Weg ging, (o beobachteten ihre Augen doch sehr scharf, und ie wußte vielleicht mehr von den intimen Ver­hältnissen dieses Hauses, als di« Bewohner des-