mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain I
und den Beilagen: „Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und „Landwirtschnstucye Beuage."
M 206
Die „Gberhesstsche Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn« und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Bost bezogen 2,25 Mk. (ohne Bestellgeld), bei unfern Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21,) 2 Mk.
Marburg
Freitag. 3. September 1909.
Die Jniertionsgebübr beträgt für bte 7gespaltene Zeile oder deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. — Druck und Verlag: Joh. Au7. Koch, Universitätsbuchdruckere« Jndaber Dr. C. Hitzeroth, Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
44. Jahrg.^
Die Unzufriedenheit in dem griechischen Offizierkorps.
Die griechische Armee hat das Unglück, daß ihre bisherigen obersten Kriegsherren, Otto I und Georg I., keine Soldaten waren, und daß der Geist und die Organisation des Offizier- torps schon in der Wurzel verdorben wurden.
Die griechischen Offiziere find von heißer Va- -kerlandsliede entflammt, aber sie hängen zu sehr mit den, Volke zusammen, mischen sich in die politischen Händel und sind nicht wie bei uns die stille« Vertreter eines im Grunde konservativen Prinzips.
König Otto I. liebte sein Volk aufrichtig, ober er war ein energieloser Regent und lebte in einer kinderlosen Ehe. Die Griechen ehren das Andenken des selbstlosen Mannes, der in den Jahren 1866—1869 aus seinem Exil große Summen Geldes heimlich für die unglücklichen Kreter nach Griechenland sandte. Dem König Georg kann man den Vorwurf nicht ersparen, daß er leine Sohne zu Drohnen des Landes aufwachsen ließ und das schwere Kriegsjahr 1897 konnte das Ansehen der beiden Prinzen Konstantin und Nikolaus keineswegs heben: heute fordern nun die schon lange gereizten Offiziere die Entfernung der Prinzen aus der aktiven Armee. Ei ie schmachvolle Sachei —
Sehr bezeichnend ist die Unzufriedenheit der hdyer«n Marineoffiziere mit dem Marine- minisier, Fregattenkapitain Miaulis. Dieser schneidige Enkel des alten Seehelden Miaulis rsi den höheren Marineoffizieren scharf auf den Leib gerückt, er hat sie aus dem Capua-Athen fort auf die Schiffe geschickt und hat ihnen den großen Generalstab von Matrosen als Köche und Kammerdiener auf dem Lande entzogen. Seine Undeliebtbeit erinnert an den Haß, den sich Griechenlands bester Kriegsminister zu König Ottos Zeit, der Oberst Demetrius Votzarts, durch feinj energische Verwaltung zuzog; er war eine durchaus vornehme Persönlichkeit und Sohn des Adlers von Suli, Marcos Botzaris.
Wie es den Anschein hat, so fühlen sich die griechischen Offiziere mehr zu den leichtlebigen Franzosen als zu den straffen Preußen hinge- gogen, aber nur eine strenge Selbstüberwindung und eine militärische Schulung des aanzen Volkes tunn den Griechen helfen. Freikorps und Milizen sind heute minderwertig. Griechenland hat kürzlich aus Frankreich die neuen Feldbatterien, System Schneider-Canet, erhalten, und ein Major Lacombe richtet augenblicklich eine Jnfanteriefchießschule ein.
Es ist zu wünschen, daß sich die Erregtheit der Offiziere nach dem Rücktritt des Ministeriums Rhaüys legt, und daß die Dynastie, deren Haupt- verdienst freilich nur in ihren Familienbeziehungen zu den ersten Höfen Europas besteht, dem Lande erhalten bleibt.
Der feurige und griechenfreundliche Erbprinz von Meiningen, der Griechenland genau kennt und sogar die griechische Sprache beherrscht, würde der geeignetste Organisator der griechischen Armee sein, er würde eine solche schwere Aufgabe entweder erfolgreich durchführen, oder
11 (Nachdruck verboten.)
Stolz um Stolz.
Roman au» dem Leben von O. Elster.
< Fortsetzung.)
„Was kann ich tun? Was kann ich Dir sein?" . t.. .....
„Alles!" - 7'
„O, Walter!"
„Darf ich weiter sprechen, Brunhilde?"
Seine dunklen Augen waren mit fast angstvoller Frage auf ihr tief erglühendes Antlitz gerichtet. Er hatte unwillkürlich die Hände vor der Brust gefaltet und stand fast wie ein Flehender vor ihr. Er war ein ganz anderer geworden, als er ihr bisher erschienen. Der in seinem Auftreten so sichere und gewandte Weltmann mit dem blasiert-spöttischen Lächeln in dem klugen Gesicht und dem stets spottbereiten hatte sich in einen Jüngling verwandelt, der schüchtern und bewegt um Liebe bittet.
Brunhilde, die dem geistreichen, jungen Mann stets schon warmes Interesse entgegen- ge .acht hatte, fühlte sich seltsam bewegt und erschüttert. Jetzt erst erkannte sie sein wahres Wesen, das sich unter der Maske des Welt- r-cn-.es verborgen hatte. Jetzt erst wurde ihr die tiefe Innigkeit seines Gemüts bewußt, die der spottlustigen Welt zu zeigen er sich gescheut. Jetzt erst erkannte sie sein edles Streben, das ich bisher in Nichtigkeiten verzettelt hatte, und e t erst sah sie die Tragik eines Lebens, das in einen Aeußerlichkeiten in grellem Gegensatz zu einem inneren Fühlen stand.
Eine Flut heißer Liebe wallte in ihrem Herzen auf. Sie sah die ergreifende innere Aehn- lichkeit feines und ihres Lebens und es fehlte «iht viel, fo hätte ste ihm impulsiv beide Hände entgegengestreckt.
er würde ein End« mit Schrecken dem unrühmlichen Schrecken ohne Ende vorziehen.
An der unglücklichen Kreta-Angelegenhett ist König Georg völlig unschuldig, konnte doch niemand ahnen, daß die Schutzmächte ihre Versprechungen angesichts der drohenden Jungtürken nicht einlösen würden; aber die Mächte er- niebeiten sich, und sie begehen «in« häßliche Unwahrheit, wenn sie islamittsche Staaten, wie die Türkei, Persien und Marokko, in die Rechtsgemeinschaft der Kulturstaaten aufnehmen. B.
„Z III*.
Landungsstelle des „Z. 3" bei sülzig, 1. Sept. Der rechte vordere Dreiflügel-Propeller aus Köln wurde im Laufe des Nachmittags wieder abmontiert und durch einen Zweiflügel-Propeller aus Friedrichshafen ersetzt. Auch der noch fehlende vierte Propeller ist von innen her montiert worden. Die Hülle ist gleichfalls vollkommen wiederhergestellt. Die Flickarbeiten sind so geschickt ausgeführt, daß die Hülle den Eindruck macht, als sei ste nie beschädigt gewesen. Alle Monteure haben das Luftschiff bereits verlaffen. Es liegt vollkommen fahrtbereit. Der Wind hat beinahe unvermittelt wesentlich abgeflaut; es dürfte zur Zeit nur noch sechs Sekundenmeter Stärke haben, doch läßt die Wolkenbildung noch bevorstehende Böen als nicht ausgeschlosten erscheinen. Oberingenieur Dürr hat die Mannschaften des Luftschiffes bis 10 Uhr zum Schlafen beurlaubt. Von dann an ist die Abfahrt zu erwarten. — Auf der Landungsstelle hat sich ein schwerer Unfall zugetragen. Ein elfjähriges und ein vier Monate altes Kind wurden durch Explosion eines Spirituskochers schwer verbrüht und in einem sofort zur Verfügung gestellten Automobil in die elterliche Wohnung in Zahn« geschafft.
Bülzig,!. Sept., 5.20 N. Etwa um 3 Uhr nachmittags wurde der neu anmontierte rechte Vordermotor angelassen; er soll zur Feststellung seiner Fahrtüchtigkeit einige Stunden lang ausprobiert werden. Die letzte Wetternacht lautet wiederum ungünstig. Es herrscht Südwestwind von 10 Meter Geschwindigkeit, in 50 bis 100 Meter Höhe Westsüdwest von 17 Meter Stärke, also überall ungünstiger Gegenwind. Das ganze Luftschiff ist auf dem Feld wie im Kriegsfall« ausgebeffert worden. Es könnte bei günstigem Wetter in einer Viertelstunde fahrtbereit sein. Auf dem Anschlußgeleis der Herbig- schen Ziegelei liegt eine Lokomotive mit Wagen unter Dampf; der Wagen enthält Ersatzteile und wird das Luftschiff auf seiner Fahrt begleiten, damit, falls infolge eines neuen Defektes eine Landung nötig werden sollte, die Reparatur umgehend vorgenommen werden kann.
Landestelle des „Z. 3" bei Bülzig, 1. Sept. (Abends 6 Uhr.) Das Luftschiff ist fahrtbereit; es wird abfahren, sobald das Wetter es gestattet. Um 5 Uhr setzte eine heftige Gewitterbö« ein, di« es notwendig machte, daß die Bewachungsmannschaften und auch die gerade anwesenden Annaburger Unteroffizierschüler zur Hilfe herangezogen werden mußten.
Doch in diesem Augenblick ertönte die helle Stimme Marys vom Eingang her und riß Brunhilde rasch in die Gegenwart, in die WirL li hkeit zurück.
„Ihr bleibt aber schrecklich lange," rief Mary. „Dauert es denn so ewig, sich zu verständigen?" setzte sie lachend hinzu. „Unsere Zett ist abgelaufen, und wenn wir uns jetzt nicht beeilen, kommen wir zu spät zum Diner."
Brunhilde atmete tief auf. Die Schleier sanken von ihren Augen, sie sah wieder klar und hell. Sofort erinnerte sie sich der argwöhnischen Blicke der Kommerzienrätin und der seltsamen Urruhe des Onkels, wenn er sie mit Walter zusammensah: sie erinnerte sich ihrer eigenen Vorsätze und ihre» Stolzes.
„Du hast recht, Mary," erwiderte sie, ihre Erregung gewaltsam niederdrückend. „Walter hat mir so viel des Schönen gezeigt, daß ich darüber die Zeit ganz vergessen habe. Leb wohl, Walter. Ich danke Dir für Deine Freundlichkeit, mir alles das zu zeigen. Es war mir wirklich ein hoher Genuß, alle diese schönen Dinge zu sehen."
Sie reichte ihm die Hand, aber in so kühler und lässiger Weise, daß er es kaum über sich gewann, sie zu ergreifen. Anscheinend leblos, bewegungslos lag ihre Hand in der seinen, ihre Augen schweiften dabei zu Mary hinüber, die sich mit einigen orientalischen Schmuifftücken beschäftigte.
.Ist das die einzige Antwort, die Du für mich hast, Brunhilde?" fragte Walter mit schmerzlichem Lächeln.
„Welche andere Antwort erwartetest Du von mir?" entgegnete sie, sich stolz emporrichtend.
„Brunhilde, Du bist grausam!"
„Sticht grausam, Walter, sondern nur ver- ständig. Laß uns Freunde bleiben, Walter,
Das Luftschiff bestand auch diese Probe gut. Im Laufe des Nachmittags wurde eine leicht« Eas- füllung vorgenommen. Man hofft, daß der Aufstieg heute Abend 10 Uhr stattfinden kann. Major Sperling weilt auf dem Landungsplatz.
Landungsstelle des „Z. 8" bei Bülzig, 1. Sept. „Z. 3" ist um 10 Uhr 58 Minuten unter den Hurrarufen des Publikums und den Klängen der Musikkapelle zur Fahrt nach Friedrichshafen aufgestiegen.
Landungsstelle des „Z. 3" bei Bülzig, 1. Sept. Um 10 Uhr hatte sich die Besatzung eingefunden. Um y4ll Uhr wurden die Motors ausgeprobt und erwiesen, daß sie gut funktionierten. Um %11 Uhr erfolgte das Kommando: „Anlüften!" und der Befehl: „Auswiegen!" Nach etwa 10 Minuten kam die Ant- wort: „Luftschiff ist ausgewiegt". Die elektrische Signalglocke setzt« sich in Bewegung und der Graf in der vorderen Gondel schwenkte die weiße Flagg«. Im Augenblick der Abfahrt intonierte die Kapelle des 20. Infanterie-Regiments „Deutschland, Deutschland über alles!", in das alles einstimmte. Die letzte Windmessung aus Bülzig berichtet 9 Meter bis zu einer Höhe von 500 Metern bei Südwestwind, 15 Meter bis zu einer Höhe von 1000 Metern bei West- Südwestwind. Zur Zeit yerrscht am Landungsplätze Westwind. Der Landungsapparat für die Heimfahrt ist vorhanden in Nürnberg. Leipzig und Bitterfeld. Di« erfolgte Abfabrt vom Landungsplätze wurde dem Kronprinzen und dem Grafen Zeppelin telegraphisch mitgeteilt.
Leipzig, 2. Sept., 4 Uhr 20 Minuten. Das Luftschiff befand sich nur wenige Minuten über der Stadt und fuhr dann langsam nach dem Süden.
Deutsches Reich.
— Herbstparade des Eardekorps. Berlin, 1. Sept. Die heutige Herbstparade des Garde- korps war im allgemeinen vom Wetter begünstigt. Die Parade wurde kommandiert vom kommandierenden General des Gardekorps General der Infanterie v. Löwenfeld. Gegen 834. Uhr erschienen die Kaiserin, die Kronprinzessin, die Prinzessin Eitel Friedrich und die Prinzessin Viktoria Luise, der Großherzog von Oldenburg, die Prinzessinnen August Wilhelm und Oskar. Der Kronprinz war als Führer der erstenAbteilung des ersten Earde-Feldartillerie- Regiments eingetreten. Prinz Ettel Friedrich tat bei dem Leibgardehusaren-Regimeni Dienst. Der Kaiser erschien um 9 Uhr. Er führte der Kaiserin und den Fürstlichkeiten das erste Earde-Dragoner-Regiment, der Eroßherzog von Oldenburg das erste Garde-Regiment bei beiden Vorbeimärschen vor. Nach der Kritik um 12 Uhr setzte sich der Kaiser an die Spitze der Fahnen und Standarten und führte die Feldzeichen nach dem Schlosse zurück.
— Militärisches. Berlin, 1. Sept. Prinz Eitel Friedrich wurde zum Chef der Leibeskadron des Leibgardehusaren-Regiments, der Chef des Militärtabinetts Eeneraladjutant Frhr. v. Lyncker zum General der Infanterie ernannt.
wie bisher. Etwas anderes kann ich Dir nicht bieten."
„Und keine Hoffnung?"
„Keine — es sei denn ..... doch wozu verlieren wir noch Worte darüber?"
„So hast Du einen Vorhalt, Brunhilde?" fragte er rasch. „Was bedeutet Dein „es sei denn" .... Bitte, sage es mir!"
„Es ist nichts, Walter. Es ist eine Unmöglichkeit. Du und ich, wir können auf dem Boden, auf dem wir beide stehen, niemals zusammenkommen. Zwischen uns stehen unüberwindliche Schranken!"
„Aber nein — ein Nichts — Schranken kann man überwinden."
„Diese nicht!"
„Nenne ste mir!"
„Wenn Du denn durchaus willst — Dein Reichtum und — mein Stolz!"
„Brunhilde!"
Doch ste hörte nicht mehr auf ihn, sondern trat rasch von ihm fort zu Mary, die lächelnd zu ihr emporsah.
„Nun? Seid Ihr im Reinen?" fragte ste.
„Ja," entgegnete Brunhilde. „Wir haben uns verständigt. Und nun komm!"
„Ja, aber was ist denn nur mit Euch? Ich glaube gaif Ihr habt Euch gezankt?"
„Nicht im geringsten, liebe Mary. Wir scheiden als Freunde — nicht wahr, Walter?"
Dieser verbeugt« fich und entgegntte nur: ,Lch hoffe es."
Dann begleitete er die beiden jungen Damen zur Tür.
Als diese int Wagen saßen, fand Mary die Sprache wieder.
„Nun sage mir bloß um des Himmels willen, was hat es zwischen Euch gegeben?" fragte ste erregt
— Das „Militärwochenblatt" meldet: v. Bern-' hardi, kommandierender General des 7. Armeekorps, wurde der Abschied bewilligt und von Einem, General der Kavallerie, zum kommandierenden General des 7. Armeekorps ernannt; n. Böhm, Kommandeur der 18. Division, unb v, Linstngen, dieser unter Ernennung zum kommandierenden General des 2. Armeekorps, wurden zu Generalen der Infanterie befördert.
— Born Reichskanzler. Berlin, 1. Sept Reichskanzler v. Bethmann-Hollweg traf heute vormittag zu kurzem Aufenthalte ein.
— Graf Zeppelin. Friedrichshafen, 1. Sept. Zu einer Blättermeldung, daß Kaiser Fran- Josef den Grafen Zeppelin für das kommende Frühjahr zu , einem Besuch mit dem Luftschiff nach Wien eingeladen habe, erfahren wir von zuständiger Stelle, daß eine ähnliche Aeußerung des Kaisers nut in scherzhaftem Eesprächstone gefallen ist, daß weder eine Zusage des Grafen Zeppelin, noch überhaupt ein ernsthaftes Gespräch über diesen Punkt erfolgte. — Die Luftschiffbau-Gesellschaft teilt mit: In Abänderung der Absicht, den Bundesrat nach Besichtigung des Luftschiffes am 4. September, dem ursprünglichen Plan gemäß, zu einem Abendessen nach Lindau zu laden, beschloß Graf Zeppelin nunmehr, den Bundesrat und den Reichstag zu einem Essen im Juselhotel zu Konstanz zu vereinigen. Für die Herren, die abends nach Lindau zurückzukehren wünschen, wird ein Dampfboot bestellt.
— Eine Vesoldungsordnung für die Ober« lehrinnen hat der Kultusminister nach einem Runderlaß, der jetzt von den Provinzial-Schul- kollegien den Stadtgemeinden mitgeilt worden ist, festgesetzt. Nach dieser Ordnung sollen sie ein Gehalt von jährlich 2000 Jl, steigend in 18 Jahren auf 4200 J*., erhalten und daneben noch den vollen Wohnungsgeldzuschuß der staatlichen Oberlehrer. Danach würden die Oberlehrerin- nen in Berlin, der „Voss. Ztg." zufolge, nach, 18 Jahren ein Höchstgehalt von 5400 Ä beziehen, einschließlich des Wohnungsgeldzuschusses von 1200 d. h. 200 cÄl mehr als der Ma- gistrat seinerzeit beschlossen hatte. Die auswärtige Dienstzeit als festangestellte Oberlehrerin im öffentlichen Schuldienst des Deutschen Reiches soll den Oberlehrerinnen angerechnet werden. Infolge diess Runderlasses müssen zahlreiche Gemeinden ihre Besoldungsordnungen ändern.
— Aus Sachsen. Chemnitz, 1. Sept. Unter großen Feierlichkeiten, welche durch di« Anwesenheit des Königs einen besonderen Glanz erhielten, wurden hier heute die von der Stabt; auf dem Neustädter Markt mit einem Kosten-1 aufwand von 3% Millionen Mark errichteten Monumentalgebäüde, das König Albert- Museum und das Neue Stadttheater, einge- weiht. Abends findet im Theater eine Festvor- stellung statt. Zur Aufführung kommen:, „Wallensteins Lager" und der letzte Akt aus den „Meistersingern von Nürnberg". 1
— Deutscher Katholikentag. In der heutigen dritten geschlossenen Versammlung des Katholikentages lagen mehrere Anträge betreffend die
„Ich versichere Dir," entgegnete Brunhilde ruhig, „nichts, was Dich erregen könnte."
Dann lehnte sie sich in die Kissen zurück und begann von gleichgültigen Dingen zu sprechen.
6.
Als Mary und Brunhilde in den Hof der Villa Hildebrandt einfuhren, sahen sie ein Kupee vor dem Portal halten.
„Das ist ja her Wagen des Arztes!" tief Mary erschrocken aus. „Und zu dieser Stunde? Hoffentlich ist Mama nichts Ernstliches zuge- stoßen." e
Sie sprang rasch aus dem Wagen, noch eh« der herbeieilende Diener die Tüt öffnen konnte."
„Weshalb ist der Arzt hier?" fragte fi« hastig.
„Die gnädige Frau ist plötzlich erkrankt," antwortete der Diener mit ernstem Gesicht.
„Ah — so will ich rasch zu ihr?"
„Gnädiges Fräulein verzeihen, der Herr Sanitätsrat hat befohlen, niemanden zu der Kranken zu lassen. Nur Fräulein Walterling erbittet sich der Herr Sanitätsrat als Hilfe, da das gnädige Fräulein die gnädige Frau schon in ihrer letzten Krankheit gepflegt hat."
Brunhilde war schon auf dem Wege zum Krankenzimmer. Sie wußte, daß Gefahr im Verzüge war, denn sie war während der letzten Ertränkung ihrer Tante die Vertrauten des Arztes geworden, der ihr allein die Wahrhett über den Zustand der Kranken gesagt hatte. Wenn die Neroenttämpfe, die während der Krankheit mehrmals aufgetreten, fich wieder eingestellt hatten, dann schwebte das Leben der KoMmerzienrätin. in ernster Gefahr.
lFortjetzung folgt.)