Geistlichkeit aller Konfessionen empfangen worden. Line nach Tausenden zählende Volksmenge aus allen Landstetten brachte dem Kaiser aus seiner Fahrt durch die geschmückten Straßen begeisterte Ovationen dar. In der Bezirkshauptmamffchast, vor welcher Vorarlberger in ihrer schmucken Tracht die-Ehrenwache hielten, sand ein Empfang statt, an dem der Hof, die Staatswürdenträger, die Landtagsabgeordneten, die höheren Staatsbc' amten und eine Abordnung der Larwesverttibiger von 1859 teilnahme». Aus die Ansprache des Landeshauptmannes antwortete der Kaiser: .Meine lieben Vorarlberger! Mit Dank und Freude nehme ich Eure Huldigung entgegen. Sie ist mir ein Bürge, daß di« Lieb« zum Vaterlande und die Treue zu meinem Hause, die vor hundert Jahren Eure Voreltern zum Heldenhasten Kampfe mit dem übermütigen Feinde begeisterte, auch heute noch in Euch ungeschwächt sortlebt. Der Erinnerung an jene ruhmvolle opferschwere Zett, an jene wackeren Männer, die im Jahre 1809 Leben und Gut mutig in die Schanze schlugen, um treu bei meinem Hause zn verbleiben, gilt heute vor allem meine Anwefenhett und um so mehr er- fiillt es mich mit Genugtuung, bei diesem Anlasse das Gedeihen des Landes zu sehen und mich von Eurem Fleiß und Eurer Rührigkeit zu überzeugen, durch die sich Eure Heimat de« großen Industriegebieten meines Reiches ebenbürtig an die Sette stellt. Die Förderung dieses Strebens, sowie des Ausblühens der Landwirtschaft, die für diesen Teil des Landes die Haupterwerbsquelle bildet, kann stets meiner angelegentlichsten Fürsorge sicher sein. Bewahrt Euch die Tugenden Eurer Väter, lehret Eure Kinder Gotesfurcht und Liebe zur Arbett und Anhänglichkeit zum Vaterlands, so wird Vorarlbergs Zukunst gesegnet sein. Gott mit Euch!* Die Rede des Kaisers wurde mit brausendem Jubel ausgenommen. Um 3 Uhr nachmittags fand der historische Festig statt, welchen der Kaiser von dem auf dem Kornmarktplatze errichteten Pavillon aus bettachtete. Dem Kaiser wurden von den verschiedenen Gruppen die lebhaftesten Ovationen ^argebracht. An dem Zuge beteiligten sich 2000 Schützen des Landes und 2500 Veteranen. Um 6 Uhr abends fand Hofbqll statt, wozu außer den Hof- und Staatswürdenträgern die Spitzen der Zivil- u. Militärbehörden, der Landesverttettlngen, Landtagsabgeordnete und die Landesverteidiger vom Jahre 1859 geladen waren.
Deutsches Reich.
— Flottenparade vor dem Steife». Binz, 30. klug. Der Kaifer traf, von Swinemünde kommend, um 9 Uhr bei der vor Binz verankerten deutschen Flotte ein und nahm nach einer viertel stündigen Rundfahrt die Parade über sie ab; in drei Rotten von je sechs Kilometern Länge lagen die Linienschiffe und Kreuzer der Hochseeflotte, die acht Küstenpanzer und sämüiche Schul- und Versuchsschiffe mit gehißten Toppflaggen in nordwest kicher Richtung vor Anker. Bei der Annäherung der „Hohenzollem" feuerten sämtliche Schiffe den Kaisersalut von 33 Schutz. Die Kaiferjacht durchfuhr, beim Flaggschiff des Flottenchess des Prinzen Heinrich von Preutzen beginnend, die von den Linienschiffen des ersten und zweiten Geschwaders und dem Küstenpanzergeschwader gebildeten Reihen, drehte dann mtf und kehrte dann in die von dem zweiten Geschwader und den Kreuzern gebildete zweite Schiffssttaße zurück. Beim Passieren Seiner Majestät sentten die Schiffe die Topp- und Heckflaggen zum Gruße und die in Weiße Paradehemden gekleideten Mannschasten brachten unter dem Schwenken der Mützen drei Hurras aus ihren Kriegsherrn aus. Die Torpedoboots- stottille" beide Minenfuchsdivisionen und die Unterseeboote mit dem Dockschiff „Vulkan" waren der Kaiser?acht entgegengefahren und hatten bereits vorher beim Passieren paradiert. Die „Hohenzollern" wurde begleitet von dem Kreuzer .Emden", zwei Depeschenbooten und dem »Sleip- ner". Rach Beendigung der Parade stteg der Kaiser, gefolgt von dem Staatsfekretär des Reichsmarineamts, v. Tirpitz, und dem Chef des Admiralstabes, Grafen von Baudissin, von der „Hohenzollern" aus das Flottenflaggfckiff „Deutschland" über, um von hier aus zunächst an den vom Flottenchef geleiteten Uebungen der Linienschiffe der Hochseeflotte und des Küstenpan^rgeschwaders teilznuebmen.
— Der Handelstag an Graf Zeppelin. Berlin, 30. Aug. Der Präsident des Deuffchen Handelstages richtete an den Grafen Zeppelin folgendes Telegramm: „Industrie und Handel Deuffchlands beglückwünfchen Eure Exzellenz aufs herzlichste zu dem jüngsten Woßen Erfolg in der Lustfchiffahrt. Eure Exzellenz haben mit der ttotz aller Hinder- uisie erfolgreich durchgesührten Fahrt nach der Reichshautpstadt erneut den Beweis prakttscher Verwendbarkeit des Luftschiffes erbracht. Dadurch haben Eure Exzellenz der für Industrie und Handel so wichttgen Enüvickelung des Verkehrs neue Wege gewiesen und der Menschheit Aussicht auf neue Kulturfortschritte eröffnet."
— Landtagsersatzwahl. Köln, 30. Aug. Bei der Landtagsersatzwahl im Wahlkreise St. Goar Wurde der bisherige Abgeordnete Wellstein (Ztt.) wiedergewählt.
— Deutscher Katholikentag. Breslau, SO. Aug. In der ersten geschlosienen Generalversammlung der Kacholiken Deutschlands wurde zum Präsiden der Reichstags- und Landtagsabgeordnete, Gutsbesitzer Herold-Münster in Westsalm, zum Ehrenpräsidenten Gras Ballestrem, der srühere Reichstagspräsident, zum ersten Vizepräsidenten Gras Valenttn von Ballestrem und zum zwetten Vizepräsidenten der Reichsrat der Krone Bayerns, Dr. Freiherr von Areti« gewählt. Zn Beisitzenden wurde gewählt: Fürst Alexis von Loewen- stein und Reichstagsabgeordneter Graf Praschma.
Alsdann wurde beschlossen, die folgende« Huldi- gnngsdepeschen abzuseude« an den Kaiser: Eurer Majestät bringen ist« zur 56. Generalversammlung der Katholiken Deuffchlands in der Hauptstadt Schlefieus, unter dem Schutze der heilige« Hevteig, der Landespattonin, versammelten deutschen Ka- choliken ehrerbiettAe Huldigung entgegen. Getreu ihrer Traditio« will auch diese Gmeralver- sommlung im Sinne und nach dem Vorbilde Eurer Meyestät der Versöhnung der Kousessionei, und der sozialen Gegensätze zu dienen bestrebt sein zum Heile des teuren deuffchen Vaterlandes. — An den Papst wurde folgendes Telegramm obgesandt: Viele tausende von Männern, zu Breslau in der 56. Generalversamnckmg der Katholiken Deutschlands vereinigt, entbieten Dir, Heiliger Vater, als dem Oberhaupte unserer Kirche und dem Stellvertreter Jesu Christi hiermtt freudig aus ttesswr Seele den Ausdruck ihrer Ergebenhett und in unüberwindlicher Treue erbitte« wir demütig Deinen, den Berattmgen der Versammlung so förderlichen apostoftschm Segen. — Die Versammlung brachte hierauf auf den Kaiser und auf den Papst ein dreifaches Hoch ans. — Es folgte alsdann die Auffahrt des katholischen Skudenteu- vereincs, die dem Fürstbischof Dr. Kopp eine Ovation darbrachten und am Denkmale Kaffer Wilhelms des Großen Kränze uiederlegten. — In der heutigen ersten äffend. Versammlung hielt der Präsident Abgeordneter Herold eine Ansprache, in der er ausfiihrte, daß die Generalversammlung nur dem Frieden dienen solle. Jetzt sei noch mcht die Freiheit der katholischen Kirche gewährlefftet, aber diese Forderung werde immer wieder von neuem erhoben werden, mit zunehmendem Nachdruck. (Stürmischer Befall.) Kardinalfüfftbischos Dr. v. Kopp schloß sich diesen Ausführungen an. Die Generalversammttmaen der Katholiken hätten noch nie den konfessionellen oder den bürgerlichen Frieden gestört. Der Kardinal Fürstbischof legnete schließlich die Versammlung. Abgeordneter Füfft Alois Löwenstein sprach hierüber über das Mff- sionswesen. Abgeordneter Oberlandesaerichtsrat Marx Düffeldors sprach über die Schulfrage und betonte die Notwendigkeit, das gesamte Schulwesen konfessionell zu gestalte«.
Ausland.
** Die Cholera i« Holland. Rotterdam, 30. August Gestern zeigten sich bei der Frau und der Tochter eines Schifführers Eholerafymp- tome. Das Schiff wurde sofort bei den Baracken festgemacht. Die beiden Erkrankten find gestorben In der Nacht kam noch außerdem hier ein Eholertodesfall vor. — Nach einer amtlichen Mitteilung des Bürgermeffters befinden sich in den hiesigen Baracken 11 Tholerakranke und 3 Tholervei'dächtiae. 90 Personen befinden sich unter Beobachtung. Seit 28. August sind drei Todesfälle und feit 20. August insgesamt acht Todesfälle festaestellt, wovon die Mehrzahl auf den Genuß von ungereinigtem Flußwasser W- rückzufübren ist. — Amsterdam, 30. Aug. In Geringen ist ein Cholerafall festgestellt worden; das Befinden des Erkrankleir ist zufriedenstellend
*•' Zum Generalstreik in Schweden. Stockholm, 30. Aug. Nachdem die Freisinnige Landesvereinigung und der sthw^nsche Friedens- und Schiedsgerichtsverein die Regierung ver- schiedeinlich um Vermittlung in dem Generalstreik ersuchte, erfolgte heute die Erklärung der Regierung, die es ablebnte, die Initiative zur Vermittelung zu ergreifen. Der Minister des Innern begründet das Verhalten in längeren Ausführungen damit, daß es, wenn die Initiative zur Vermittlung von der Regierung ausqinge, den Anschein erwecken konnte, als batten die Arbeiter h* ihrem durch den Generalstreik gegen die bürgerliche Gesellschaft aufgenommenen K mpfe gesiegt.
** Internationale Arbeitern ereinignng. Paris 30. Aug. Der hier tagende internationale Vertretertag der Arbeitervereinigungen drückte in einer Resolution seine lebhafte Sympathie für die spanischen Sameraden ans, welche mit dem Generalstreike der Mobimachungs- oder begegneten. Die Resolution gibt ferner der Hoffnung Ausdruck, daß es den organisierten Arbeitern aller Länder gelingen möge, mit allen Mitteln einen Krieg zu verhindern. Auf An rag des österreichischen Delegierte« Huber ferner eine Zrotestresolufion gegen die Annexion von Bosnien und der HerzeMwina be- schloffsn.
“ Ein Unfall m her russischen Sterin«. Sewastopol, 30. Aug. Das am 12. Juni bei einer Angriffsübung gegen ein in den Hafen anlaufendes Geschwader gesunkene Unterseeboot „Äamfcafa“ wurde heute gehoben.
** Marokko, London, 30. August. (Unterhaus.) In Beantwortung einer Anfrage über die auf Befehl des Sultans von Marokko an den Kriegsgefangenen vorgenommenen Verstümmelungen erklärte der Parlamentssekretär Mac Kinnon Wood, der englische Konsul in Fez fei beauftragt, sich dem Vorgehen des ftanzöfischen Konsuls bei dem Protest gegen derartige Ver- ftümmklungen an Gefangenen anzusthließen. Ein weiterer Protest durch das ganze diploma- fische Korps in Tanger würde erwogen. — Paris. 30. Aug. Der „Teps" meldet aus Madrid: Die Regierung dementiert die Blättermeldungen, nach denen Frankreich das Borrücken der spanischen Truppen im Teile von Muluya ungern sehe. Die Kolonnen der Divi- fion des Generals Orozco bestraften energisch die Kabylen im Gebiete zwischen Melilla und Mulupa und zwangen zahlreiche Kabylen zur Unterwerfung. Verstärkungen werden nur auf besonderes Verlangen des Generals Marina entsandt werden. Für diese Eventualität ist die Division Sotomayor in Viktoria und Galacien bereit und auf vollständige Effektivstärke von 8000 Mann, 20 Geschützen und vier Eskadrons Jäger zu Pferde gebracht worden.
Feier des Sedan-Festes.
Man schreM mb: Zum 39. Male jährt sich der Tag, an welchem durch die blutigen Schlachten des 1. und 2. September 1870 auf den Höhen um Seban das Geschick über das zweite französische Kaiserreich entschied. Wo deutsche Tapferkeit, Manneszucht und Ausdauer unter der unvergleichlichen Führung unseres vor 21 Jahren Heimgegangenen Heldenkaisers, Wilhelm des Großen, die Offensivkrast der tapferen französischen Armee brach, so daß diese hinter den Festungswällen von Sedan Schutz suchen und sich nach mehreren, mit Energie, Umsicht und teilweise todesverachtender Tapferkeit unternommenen Durchbruchsversuchen am 2. September den deutschen Siegern ergeben mußte.
Auch der Kaiser Napoleon, der sich bei der Armee des am 1. September verwundeten Rarschalls Mac Mechon befand, übergas seinen Degen Sr. Majestät, dem damaligen König Wilhelm von Preußen, der dieses wichtige Ereignis seiner hohen Gemahlin in Berlin telegrafisch mit den Warten mitteilte: »Welch eine Wendung durch Gottes Fügung."
Wenn auch als Tag der Wiedergeburt des Deutschen Reiches der 18. Januar 1871 mit goldenen Buchstaben in das Buch der deutschen Geschichte eingetragen ist, so ist doch immerhin der Tag von Sedan, durch den die in Frankreich herrschende Dynastie hinweggefegt wurde, als der Tag der Grundsteinlegung des Deutschen Reiches anzusehen.
Daher hat auch das deutsche Volk alle berechtigte Ursache, diesen Tag als National-Festtag zu feiern. Richt im llebermute des Siegers, sondern, wie es.einer großen Nation geziemt, unter Achtung des Gegners von 1870/71, aber stolzen Gedenkens all der Tapferen aus allen deutschen Gauen, die an diesen Tagen für Deutschlands Einheit gelitten, geftritten und geblutet haben.
Auch hier in Marburg soll das Sedan-Fest, wi. alljährlich, auf Veranlassung der drei hiesigen Kriegervereine am Sonnabend, 4. September, durch einen gemeinschaftlichen Kommers, am Sonntag, 5. September, durch Kranzniederlegung und Kirchgang gefeiert werden.
Aber nicht nur die Mitglieder der drei Kriegervereine, alte Kameraden, die die Tage von Sedan oder andere Schlachttage mit durchgekämpft, sowie junge, die mit Ehren des Kaisers und Königs Rock getragen, sondern die gesamte Bürgerschaft sollte sich beteiligen an dem Kommers am Sonnabend, sowie am Festgottesdienst am Sonntag, um Anteil zu haben an der Begeisterung. die die alten Kämpfer von 1870/71 sowie die übrigen Festteilnehmer durchglüht, und um den im Herzen schlummernden Pattiotismns durch die kernigen Worte der Festredner einmal aufrütteln zn lassen.
Auch ist es sehr erwünscht, wenn die Einwohner Marburgs am 2. September durch Aushängen der Fahnen rc. zeigen, daß sie alle, ohne Ausnahme, das patriotische Fest von Herzen mitfeiern und nicht gewillt find, jenen Nörglern zu folgen, die, ob teiufen, oder unberufen, schon oft dazu aufgefordett haben, die Sedan-Feier ganz fallen zu lassen, damit ja unser westlicher Nachbar nicht vielleicht dadurch gekränft wird.
Marburg und Umgegend.
(3tad68ruct aller CrigmaUtrtifel ist gern ätz § 18 des Urheberrecht» nur mit der deutlichen QuelleuonKlbe .Oberheff. Zig." gestattet.)
MarsturW, 31. August.
* 3er Stomti September. Der September oder „Herbstmend" hat dreißig Taze und stammt bezüglich seines Namens von septem: der fwbentc fMonat «ach der altrömischen, ab März beginneichen Iahresrechnung). In diesem Monat wird der Niedergang des Sommers deutlich bemerkbar. Die Singvögel verlassen uns; auch die Hausschwalbe zieht fort. Die Blumen treiben nur noch spärlich neue Knospen. Das Laub der Bäume färbt sich. Die Herbstzeitlose blüht. Kühle Winde streifen über die schon recht stille und verödete Landschaft. Büchsen knecklen. Papierdrachen schweben in den Lüften. Die Spätfrüchte, Aepfel und Wein, reffen. Der Sonnenbogen wird jetzt schon recht auffällig kleiner und der goldene Schein entwickelt nur noch selten sommerliche Gluten. Gerade aber darum (unb wegen der Beständigkeit der Witterung, die den September kennzeichnet) ist diese Zeit zam Wandern und Reisen wie geschaffen!
)( Tie diesjährige Diözesansyuode wurde heute in der lutherische« Pfarrkirche abgehalten. Da die Verhandlungen sich länger hinzogen, werde« wir darüber b^ncfNfctt.
* Auszahlungen der A lterszulag en-ßtech- zahkungen an geltet. Die Schulabteilung der Königlichen Regierung zu Tasse! hat die Königlichen Kreiskasftn angewiesen, die Mehrbeträge an'Mterszulagen für die Bolksfchullehrer für das erste und zweite Vierteljahr des laufenden Jahres an die Empfangsberechtigten — vorbehaltlich der demnächstigen endgültigen Gehalts- regefung — nachzuzahken. Ebenso können die Nachzahlungen der StaatsSeittäge znm Lehrerdiensteinkommen für die Rechnungsjahre 1908 und 1909 abzüglich der im vorigen Jahre an die Elementarschullehrer gezahlten einmaligen Zulagen von den Schulverbänden ans den Königlichen Kreiskaffen abgehoben werden.
)( Bau der Feuerwehr! Gestern war em großer Tag. Seit langer Zeit trat wieder einmal die jetzt gründlich reorganisiette Pflichffeuerwehr ins Leben. Früher hatten wir in Marburg auch schon einmal lauge Jahre hindurch eine Pflichffeuerwehr. Es war nicht die Mechteste Truppe und wenn es gatt, einmal zu zeigen, was sie konnte, fo tat sie es. In den letzten Jahren wars mit der Feuerwehr hier etwas eigenartig bestellt. Die Freiwillige Feuerwehr nunhte wegen den bekannte« Schwierigkeiten nnt den Geräten, die nunmehr gehoben find, ehre Krise durch und bei dieser Gelegenhett ging die alte Pflichtfeuerwehr ganz in die Brüche. Sie wurde wengstens nicht «ehr einberufe«. Es war eine Neugestaltung des Feuerlöschwesens in Aussicht genommen und diese ist jetzt erngetteten. Ei» Teil der Wünsche der
Freiwilligen Feuerwehr bezüglich der Ausstattunst rntt neuen und zettg«näße Geräten wurde Dank besserer Einsicht Rechnung getragen und so ist dies« Truppe jetzt wieder, wie die letzten Uebungen zeig« ten, so intakt, daß sie Wohl jedem Brande mit Erfolg entgegentreten kann. Trotz der besten Einrichtungen im Häuserbau, trotz Hydranten und Wasserleitungen, komme« aber auch Fälle vor, wie man ja täglich lesen kann, daß größere Brände ausbrechen. So etwas kann — wir hoffen und nmnschen es nicht — auch einmal in Marburg passieren. Aus diesem Grunde ist eine Wohl organisierte Pflichffeuerwehr am Platze. Alle Männer im Mer von 25—45 Jahren, mit Ausnahme der gesetzlich Befreiten, sind zum Feuerwehrdienst verpflichtet. Gestern Nachmittag um 6 Uhr fand auf dem lutberischeu Kirchhofe die erfte Musterung und Einteilung der Mannschaften aus dem erften Bezirk statt. Es war em Bataillon in Friedensstärke, das dott antrat. Es erfolgte die Verlesung der Namen und dann schloß sich eine Einteilung in drei Züge, einen Spritzenzug, eine Rettungs- und eine Absperrnngsmannschast an. Der Oberbürgermeister, der gleichfalls erschienen war, hielt eine Ansprache, in welcher er auf die Bedeutung des Feuerlöschwesens hinwies. Ein Platzregen, der plötzlich eintrat, fühtte einen eiligen Schluß der Uebung herbei. — Die Pflichffeuerwehr des 2. Bezirks versammelt sich heute auf der Ketzerbach und die des 3. Bezirks morgen auf dem Wehr. Wir hoffen und wünschen, daß die Marburger Pflichffeuerwehr eine tüchtige allen Gefahren gewachsene Truppe dafftellt und — daß sie niemals im Ernstfälle benötigt wird.
* Landwirtschaftliche llnfallberuisgenoffen* schäft. Der Landeshauptmann der Provinz Heft sen-Nassan hat der Landwirtschaftskammer mit* gtteilt, daß die Beratung der Eingabe bist Landwirtschaftskammer betreffend die Vorsorge gegen eine weitere Steigerung der Bett rag« zur Unfallberufsgenossenschaft einer besonderen Kommission überwiesen worden sei, welche int kommenden Herbst zusammentreten werde.
* Ssmmcrtheater Marbach. Heute, Dienstag, bat 31. August, geht als vorletzte Vofftellung Max Halbes dreiaktiges Liebesdrama „Jugend" in Szene, worauf hierdurch nochmals ganz besonders anfmerffam gemacht sei. Mit dem sünsattigen reizenden Lustspiel „Doktor Klaus" schließt am Donnerstag, den 2. September, die diesjährige Spielzeit.
• Volksvorstellung in den Stadffälen. Morgen, Mittwoch, den 1. September, wird als letzt« Volksvorstellung in den Stadffälen der amüsant« Schwank „Frauen von heute" gegeben. Da di« Nachfrage nach Billets bereits eine sehr rege ist, dürfte es sich empfehlen, rechtzeitig Plätze M sichern. Der Vorverkauf befindet sich in der A-> werffchen Buchhandlung, Reitgaffe 9.
)( Bierabschlag. An einem Restaurant in bet oberen Reitgaffe bemerkte man am Sonnabend ein großes Plakat, auf dem zu lesen stand, daß das Bier hier nicht teurer geworden fei, sondern den alten Preis habe. Das Plakat fand lebhafte Beachtung.
• Triebwagen. Bor kurzem ging durch mehrere Blätter, daß die Handelskammer Friedberg erneut bet der Königlichen Eifenbahndirektion Frankfurt a. M. vorstellig geworden fei um Einführung elek- irischer Triebwagen auf den Strecken: Friedberg—Bad Rauheim, Friedberg — Nidda — Schotten, Friedberg—Hungen, Heldenbergen—Stockheim und Friedberg—Hanau. Nachdem sich dieses neue System von Beförderungsmitteln auf anderen Strecken sehr gut bewährt hat und die Eisenbahnverwaltung zu bedeutender Vermehrung der Triebwagen veranlaßt ist, hält die Handelskammer den Zeitpunkt für gekommen, den in ihrem Bezirk befindlichen Bahnstrecken m ausgedehntem Maße die Annehmlichketten des Triebwagenverkehrs zu verschaffen. Die Handels», kammer hält Pausen bis zu 5 Stunden zwischen den Zügen auf belebteren und dichtbevölkerten Strecken für viel zu lang und meint, daß es im eigenen Interesse der Bahnverwaltung liege, den Verkehr durch häufigere und einfachere Züge zu entwickeln und zu beleben. Die Handelskammer Friedberg hat durchaus recht, wenn sie sich so um die Zuweisung von Triebwagen und Einrichtung von Triebwagenverkehr für die Strecken chres Bezirks bemüht. Zweifellos hat der Triebwageubetrieb eine große Zukunft und scheint die zweckmäßigste Verkehrseinrichtung gerade für die Nebenbahnen werden zu sollen. — Die Rebenbahnlinien werden dadurch zu einer ganz anderen Bedeutung für ihre meist ländlichen Bezirke sich entwickeln. — Mehr erwünscht wäre es, wenn die zuständige Handelskammer sich auch um Einführung des Triebwagenverkehrs auf den um Marburg und Kirchhain befindlichen Haupt- und Nebenbahnen bemühen wollte. Auch hier finden wir, sogar auf der Hauptbahn Zugspausen von mehreren Stunden und auf den Nebenbahnen fast durchweg. Hier wäre die Einführung eines Triebwagenverkehrs recht notwendig und sehr erwünscht. Hoffen totr, daß diese erneute Anregung den gewünschten Erfolg hat.
)( Strafkammer. (Feriensitzung.) Ein Ein- totimer ans Frankenberg stand unter der Beschuldigung, sich der Erpressung schuldig gemacht zu haben. Es handelte sich um eine Streitigkeit, die der Betteffende mit einem anderen Frankenberger Bürger wegen einem Grundstück hatte. Er soll bei dieser Gelegenheit dem letzteren durch Drohung veranlaßt haben, ihm das Grundstück abzutteten. Nach Vernehmung einer ganzen Anzahl Zeugen kam das Gettcht zu einem freispre- cheuden Erkenntnis. — Zwei Knechte, die früher bei einem Landwirt in Rockshaufen bei Homberg gebient hatten, benutzten die Kenntnis der Wurstkammer unb stahlen dott bei günstiger Gelegenheft 90—100 Pfund Würste. Sie wurden jedoch ermittelt unb heute zu je 4 Monaten Gefängnis bet* urteilt.
B. Roth, 30. Aug. Gestern fand in der Wenzfcheit Gastwirffchrst hier unter dem Vorsitz des Herrn Geh. Reg.-RatS Landrat von Stegelein, die 3. Wanderver- sammluug' des Kreisziegenzuchtvereins Marburg unter fehr starker Beteiligung der Vereinsmitgliedet und zahlreicher Gäste statt. Vertreten waren die Ortsgruppen Cappel, Cölbe, Dreihausen, Fronhansen, Marbach und Roth. Nach vorausgegangener Begrüßung der Erschienenen hielt der Geschäftsführer deS Vereins einen Borttag: „Wie ist die Ziegenzucht ztt betreibe«, damit sie Nutzen bringt?“ Zunächst fühtte der Vortragende au«L an welchen Mängeln jatfert