rotungen bet englischen Reichsverteidigungskon- ferenz ersehen kann. Als ihr Ergebnis ist der Plan zu betrachten, die Heereskräfte zu organi- sieren, daß sie schnellstens in eine einzige homogene Reichsarmee zusammengezogen werden können. Hinsichtlich der Seekräfte konnte eine Einigung nicht erzielt werden. Neuseeland will bei dem jetzt üblichen Modus verbleiben, zu den Kosten der gemeinschaftlichen Seemacht einen Beitrag zu leisten, während Kanada und Australien eigene Flotten begründen wollen. Die Furcht vor der o st a s i a t i s ch e n „gelben" Gefahr kam auch bei diesen Verhandlungen zum Durchbruch. Es wurde die Errichtung einer pazifischen Flotte, bestehend aus drei Einheiten für die ostindischen, australischen und chinesischen Eewäsier, beschlossen. Die weit vor- wärtsschauende britische Politik ist bemüht, den Ereignisien gegenüber, die sich notgedrungen in absehbarer Zeit in China und Japan entwickeln müssen, nicht untätig und ohne Vorbereitung zuzusehen. Von besonderem Interesse dürfte es daher fein, auf die Rede hinzuweisen, die ein hervorragender japanischer Staatsmann, Marquis Ito, vor kurzem über die Entwicklung der chinesisch-japanischen Verhältnisse gehalten hat, und in der er seinem Zweifel darüber Ausdruck gab, daß es möglich sein werde, in den weiten Gefilden Chinas ein konstitutionelles Regime einzuführen. Wir gehen also schweren inneren und äußeren Kämpfen in Ostasien entgegen.
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Politische Umschau.
Die Feier in Tirol.
Bregenz, 30. Aug. Kaiser Franz Josef ist heute Mittag zur Jahrhundertfeier der Tirolei Befreiungskämpfe hier eingetroffen und auf dem Bahnhofe von den Spitzen der Behörden, bee Hof- und Staatswürdenträgern und der hohen
Der heutigen Nummer liegt bei Kretsblatt Nr. 68.
Marburg
Mittwoch. 1. September 1909.
folgen trete das relativ kleine Mißgeschick völlig in den Hintergund.
Zahn«, 30. Aug. Dem Vernehmen nach wird Graf Zeppelin heute noch hier eintreffen. Ein Telegramm von der Katastrophe hat ihn noch in dem Eisenbahnzuge auf der Fahrt nach Lindau erreicht. Graf Zeppelin machte sofort Kehrt und fuhr in einem Separatzuge nach Zahna.
Zahn«, 30. Aug. Das Luftschiff macht int ganzen den Eindruck, als ob es vollständig intakt wäre. Die nähere Untersuchung ergibt allerdings, daß eine Gaszelle durchschlagen und ferner, daß die Hülle des Luftschiffes an den Stellen defekt ist, an denen der Propeller hinein und wieder hinausfuhr. Von furchtbaren Verheerungen, über die von hier nach auswärts berichtet wird, kann keine Rede fein.
Bülzig, 30. Aug. Der rechte vordere Propeller des „Z. 3" ist gebrochen und damit ist nun das ganze vordere Propellerpaar vollständig zerstört. Der eine Flügel des Propellers saust« mit voller Gewalt durch die Hülle des Ballons, riß auf der einen Seite ein drei Meter langes Loch in die Hülle, flog dann durch den sechsten Vallonett, den er vollständig aufriß, und riß noch auf der anderen Seite der Hülle ein Loch von einem Meter Länge. Die Gasfüllung des verhetzten Ballonetts ist vollständig entwichen. Das Luftschiff verlor infolgedessen etwas dar Gleichgewicht. Die vordere Gondel neigte sich verhältnismäßig stark, so daß der ganze Wasser- ballast der Gondel hinausgeworfen werden mußte. Die Insassen warfen einigen in der Nähe der Bahnstation tätigen Bahnarbeitern Taue herunter, mit denen diese das Luftschiff glatt herunterzogen. Ersatzpropeller sind aus Bitterfeld und Friedrichshafen telegraphisch be. ordert worden. Aus Wittenberg ist ein Detachement des 20. Infanterieregiments zur Absperrung hier eingetroffen.
Bülzig, 30. Aug. Am frühen Nachmittag weilte Major Groß einige Zeit auf der Lan- ungsftelle des "Z. 3". Die Ausbesserungsarbei. ten der Luftschifferabteilung sind im Laufe bei Nachmittags rüstig vorangegangen. Die verletzte Gaszelle ist bereits vollständig ausgeflickt. Das notwendige Gas ist auf der Landungsstell« eingetioffen. Die aus ca. 500 Flaschen bestehende Füllanlage ist bereits fertiggestellt. Eine Anzahl Ersatzteile, so vor allem ein Vorgelege und ein Neservepropeller sind gleichfalle schon zur Stelle. Mit den beiden Propellern bee „Z. 2" fährt abends ein Mann aus Köln al und trifft Dienstag früh 6 Uhr in Wittenberc ein. Ein unaufhörlich niedergehender Reger erschwerte während des Nachmittags die Reparatur. Abends war das Wetter trübe, aber trocken.
schiff liegt hinter Bülzig auf einem vollkommen ebenen Heidegelände, das ringsum weder Baum noch Strauch aufweist. Der zuständige Freiherr v. Badenhausen weilt seit heute früh auf der Unfallftelle. Auch Hauptmann v. Kehler ist bereits seit dem frühen Morgen zugegen. Es wurde telegraphisch ersucht, den Reservepropeller von „Z. 2" hierher zu senden. Man hofft, daß er möglichst bald hier eintreffen wird. Auch die übrigen erforderlichen Reserve- und Ersatzteile mit den notwendigen Werkmannschaften sind von Friedrichshafen unterwegs.
Zahna, 30. Aug. Der Kronprinz verließ die Unfallstelle nach etwa anderthalbstündigem Aufenthalt. Zur festen Verankerung des Luftschiffes dient ein Leiterwagengestell, das von Leuten des 20. Infanterie-Regiments eingegraben wurde und an dem die vordere Gondel mit Drahtseilen befestigt ist. Im übrigen wird die Verankerung durch Festhalten seitens der Soldaten besorgt, die — wie dies, auch in Berlin geschah — sorgfältig dem Winddruck nachgeben. Auf das Telegramm, das Oberingenieur Dürr nach Berlin sandte, trafen etwa fünfzig Mann vom Luüschifferbataillon mit dem um 10 Uhr 45 Minuten aus Berlin abgehenden Schnellzug in Wittenberg ein; sie mußten den Weg von dort hierher teils zu Fuß, teils in Wage» zurücklegen
Wittenberg, 30. April. Als die Nachricht von der Landung des „Z. 3" heute vormittag in Wittenberg bekannt wurde, schlossen fofoit sämtliche Schulen; auch die Fabriken und Geschiffte stellten zum Teil die Arbeit ein. Dom Oberpräsidenten wurde aus Magdeburg folgendes Telegramm an das Landratsamt im Wittenberg erichtet: „Ich darf voraussetzen, daß von dort dem Vertreter des Grafen Zeppelin alle nur mögliche Hilfe angeboten und geliefert wird." Im Laufe des Nachmittags wachst die Volksmenge, die zur Besichtigung herbeiströmt, . immer mehr an.
Friedrichshafen, 30. Aug. Graf Zeppelin traf um 11 Uhr 15 Min. mit dem kaiserlichen Salonwagen hier ein. Er wurde von seiner Nichte, der jungen Gräfin Zeppelin, und einigen Herren seiner Kreise empfangen. Graf Zeppelin hörte erst hier die näheren Umstände des Mißgeschicks , das dem Luftschiff zqgestoßen ist. Es sei klar, so meinte et, daß die Propeller nicht so bleiben könnten, sie müßten gewisse Abänderungen erfahren, vor allem wohl etwas be- fchnitten werden. Ein definitives Urteil darüber, sowie über die Frage, ob der neue Antrieb beibehalten oder ob auf den alten zurückgegriffen werde, sei natürlich ohne weitere Praxis nicht zu entscheiden. Er habe nicht mit völliger Zuversicht auf die Durchführung des Pro- gramn-s mit dem ungenügend ausprobierten Fahrzeug gerechnet. Es sei aber unmöglich gewesen, jetzt zum zweitenmal Berlin eilte Enttäuschung zu bereiten und den Termin erneut hinauszuschieben, zumal da schlimmstens wie jetzt einige Havarien eintreten konnten. Er freue sich, daß er so bis Berlin habe Vordringen können, das ihm einen Empfang bereitet habe, der ihm stets unvergeßlich bleiben werde. Gegenüber dieser Landung und den anderen Er-
Der Unfall des „Z IIP auf der Rückreise.
Bitterfeld, 30. Aug. „Z. 3" ist um 6y2 Uhr bei Station Zahna an der Linie Jüterbog- Wittenberg infolge Beschädigung eines Propellers gelandet. Der Schaden wird sofort repariert werden. Gas zum Nachfüllen wird dorthin transportiert.
V er l i n, 30. Aug. Wie von authentischer Seite mitgeteilt wird, hat „Z. 3" einen Bruch des zweiten vorderen Propellers erlitten. Ein Stück des Propellers durchschlug die Hülle. Infolgedessen strömte Gas aus, doch konnte man sich durch Ballastausgabe oben halten. Es mürbe aber vorgezogen, bie Fahrt nicht fortzusetzen. Das Luftschiff ist auf einer Heide bei Bülzig niedergcgangen. Die Reparatur wird dort zwei Tage in Anspruch nehmen, da Gas herbeigeholt und b're Hülle geflickt werden muß.
Bülzig, 30. Aug. Um 12 Uhr traf der Kronprinz in Begleitung seines persönlichen Adjutanten Oberstleutnant v. Oppen und zweier anderer Offiziere im Automobil an der Unfallftelle ein, von der aus Wittenberg und der übrigen Umgebung zufammengeströmten Volksmenge jubelnd begrüßt. Der Kronprinz nahm den Vorirag des Oberingenieurs Dürr über die Ursache des Unfalls entgegen und bestieg sodann die Gondeln des Luftschiffes, um den Defekt im einzelnen zu besichtigen. Zweihundert Mann des in Wittenberg garnisonierenden 20. Infanterie-Regiments sind unter dem persönlichen Kommando des Obersten Vollbrecht eingetroffen, un. die notwendigen Sicherungs- und Ab- fperrungsmaßregeln vorzunehmen. Das Luft-
mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain i
ttnt) den Beilagen: „Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und „Landwutschaftliche Benage
Englands diplomatische Arbeit.
Die Rührigkeit und Unermüdlichkeit der Englischen Diplomatie läßt sich auch ifetzt in den Hundstagen feststellen. Der Kur- - «ufenkhalt König Eduards dient, wie stets, zu jSufammentünften mit den ihm eng befreundeten Ministern der Staaten, die sich heute mehr ,eder weniger an die englischen Nockschöße gehängt haben. In diesem Jahre kommt noch hinzu, daß der König es als seine Hauptaufgabe betrachtet, den seit dem letzten Herbst bestehenden englisch-österreichischen Antagonismus zu beseitigen. Wann wir die Spuren englischer „Aufklärungsarbeit" etwas weiter verfolgen, so sehen wir denn, daß auch in den Vereinigten Staaten Kräfte an der Arbeit sind, die im allgemeinen deutschfreundliche Stimmung der Bevölkerung zu einer uns feindlichen umzuwandeln. In einigen angesehenen und besonders viel gelesenen Zeitschriften sind nämlich in der letzten Zeit mehrere Artikel erschienen, die sich mit dem Anwachsen der europäischen Flotten beschäftigen und sich dahin pussprechen, daß nicht die stärkere englische, sondern lediglich die starke deutsche Flotte von Amerika zu fürchten sei, da diese im Falle eines amerikanisch-japanischen Kampfes ihr Betätigungsfeld in Südamerika suchen und die Monroe- Doktrin — Amerika den Amerikanern — verletzen würde. In den Artikeln wird ganz offen bingestanden, daß die deutsche Flotte keineswegs kn dieser Absicht gebaut werde, aber sie würde eben ganz impulsiv zu dieser Betätigung ge= orängi werden. Für deutsche Leser ist ja ein- solche Behauptung einfach glatter, Unsinn — nicht so für den Amerikaner. Bei seinem unglaublichen Mangel an Bildung ist dem Amerikaner jedes gedruckte Wort eine Offenbarung —, und wird ihm erst einmal etwas auseinandergesetzt, was von der Bedrohung amerikanischen Einflusses handelt, dann ist sein energischer patriotischer Geschäftssinn erwacht, und er sucht mit aller Energie dieser drohenden Gefabr zuvorzukommen. Da ferner wegen des bevorireh'enden Zollkrieges die Stimmung sowieso etwas gereizt ist, bedarf es keiner beson- dercn Mühe, Onkel Jonathan gegen den deutschen Konkurrenten aufzustacheln. Gleichzeitig mit dieser neuen Deutschfeindlichkeit kommt aber auch eine schon lange geschwundene Britenfreundlichkeit plötzlich wieder zum Vorschein, und so ist es nicht schwer, festzustellen, daß diese Stimmungsmache englische Arbeit ist. Zweifelhaft bleibt aber der Erfolg bei so gerissenen Leuten, wie die Amerikaner sind, stets, und jedenfalls wird ja auch der vor feiner Berufiing fo vielfach gepriesene deutsche Botschafter Graf Bernstorff nicht verfehlen, auf der Hut zu fein mb die ihm anvertrauten deutschen Interessen energisch zu vertreten. Inzwischen fassen die ^deen Jos Chamberlains, England mit seinen Kolonien durch ein festes Band zu verbinden, immer mehr Fuß, wie man auch aus den Be-
I Die „Gberhrsstfche Iettwrg" erscheint täglich mit Ausnahme der 'M« Oft! I Sonn- und Feiertage. — Der Bezu g sprers betragt viertel- J12. MUT I jährlich durch die Post bezogen 2,25 Mk. (ohne Bestellgeld), bei I unfern Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21,) 2 Mk.
10 * (Nachdruck verboten.)
, Slot? um Slot,.
Roman aus dem Leben von O. Elster.
(Fortsetzung.)
Mary hatte sie heute überrumpelt. Sollte 4e umkehren? Sollte sie sich beleidigt zurück- -iehen? Aber sie fühlte, daß ein solches Verhalten kleinlich und ihrer unwürdig war. Hätte sie dadurch nicht gerade das verraten, was sie herbergen mußte und wollte? Und war sie sich »icht ihres Stolzes, ihrer- Kraft, ihrer Reinheit tewußt? Sollte sie schmählich einem Zusammentreffen ausweichen, das doch früher ober später Antreten mußte?
„Ich finde es nicht gerade sehr taktvoll von fbir, Mary," sagte sie mit finster zusammenge- zogenen Augenbrauen, „daß Du mich in dieser Weise getäuscht hast. Ich wünsche nicht, gegen den Willen Deiner Mutter zu handeln."
„Sei keine Närrin, Brunhilde," lachte Mary. .Wir find nun einmal hier und bleiben hier."
Bei diesen Worten zog sie bie Klingel an Tür Walters.
Gleich darauf hörte man einen leichten, eschen Schritt, bie Tür würbe geöffnet unb Walter selbst stand vor den beiden jungen Rädchen.
„Da sind wir, Walter?" rief Mary luftig.
Eine leichte Röte huschte über das hübsche Gesicht Walters.
Er streckte Brunhilde die Hand entgegen.
„Wie freundlich von Dir, meiner Einladung Du folgen," begann er, brach aber plötzlich ab und errötete noch tiefer, als Brunhilde ihm die Hand nicht reichte und in kühl« Zurückhaltung entgegnete: . - , .
„Mary hat mich getäuscht. Ich wußte nicht, daß ihr Besuch Dir galt, sonst wäre ich nicht mit« gekommen."
„Brunhilde ist eine Närrin!" rief Mary lebhaft. „Es ist doch kein Verbrechen, wenn wir meinen Bruder besuchen! Laß uns eintreten!"
„Muß ich unter diesen Umständen auf das Vergnügen Deines Besuches verzichten, Brun« Hilde?" fragte Walter und seine Stimme klang traurig.
Er tat ihr leid.
„Da wir einmal hier find, so können wir ja bie Gelegenheit benutzen, Deine Sammlungen zu bHichttgen," versetzte sie.
Man trat ein. Mary eilte sofort in das Wohnzimmer ihres Bruders, während Brunhilde langsamer folgte.
Walter ging an ihrer Seite. Aber fein anfangs so freudestrahlendes Gesicht war ernst unb trübe geworden. Mit einer stummen Hand- bewegung lud er fie ein, in sein Zimmer zu treten.
5.
Walter, der Teilhaber der Firma Hildebrandt u. Sohn — oder wie die Spötter sagten, „Hildebrandt und sein Sohn Hadubrandt" — brauchte sich nicht mit einem kleinen Junggesellenlogis zu begnügen; er hatte die eine Hälfte der Etage für sich allein gemietet. Links neben dem Empfangszimmer lag das Speisezimmer, rechts das Arbeit^immer, der gewöhnliche Aufenthalt Werners. An dieses schloß sich im rechten Winkel ein großes Atelier, dann folgten das Schlafzimmer, Toilette unb andere Räumlichkeiten, Küche unb Dienerzimmer.
Alle Räume waren mit künstlerischem Geschmack eingerichtet. Man merkte nicht nut. daß bet Inhaber der Wohnung an künstlerischen
Dingen Geschmack fanb, sondern daß er auch die ersten Künstler in dem Fache bet Wohnungs- Einrichtung zu Rate gezogen haben mußte.
Ueberall herrschte eine sanfte Wärme. Das Haus besaß Zentralheizung, trotzdem befand sich in jedem Zimmer ein Kamin mit loderndem Holzfeuer, welches den Räumen einen ungemein behaglichen Eindruck gab.
Der runde Eßtisch des Speisezimmers war wunderhübsch gebedt; in bet Mite desselben stand eine Jardiniete mit den köstlichsten Früchten — man merfte, daß Walter den Besuch der beiden jungen Damen erwartet zu haben schien, denn auf zweien der Gedecken lag je ein Strauß duftender Rosen.
Brunhilde bemerkte mit raschem Blick diese Zurichtungen, die ihr bewiesen, daß die Geschwister in stillem Einvernehmen gehandelt hatten, um sie hieicherzubringen. Infolgedessen wurde fie noch zurückhaltender in ihrem Wesen. Ihr Herz klopfte lebhafter, als sie an Walters Seite diese geschmackvoll ausgestatteten Räume durchschritt und an vielen Anzeichen merkte, daß er sie erwartet unb Freube baran gefunben hatte, für ihren Empfang alles auf das schönste vorzubereiten.
Aber bet Ausdruck der Freude wat aus seinem Gesicht verschwunden unb stumm ging et an ihrer Seite einher.
Um so lebhafter wat Mary. Sie eilte von einem Gegenstand zum anberen, fanb alles wundervoll, naschte von dem Obst, blätterte in den auf den Tischen liegenden Prachtwerken, betrachtete die Bildet und Photographien, schließlich warf fie sich in einen der tiefen Ledersessel, bie um den Karnin in Walters Arbeitszimmer standen, und zündete sich eine Zigarette an.
«Hier bin ich und hi« tieibe ich!" tief fie
lachend. „Es ist wundervoll hier! Wenn D» mir nun noch ein Glas Sherry geben möchtest Walter, so fehlte mir nichts an bet irdische» Glückseligkeit."
Lächelnd stellte Walter ein Glas mit dem goldgelben Wein auf ein kleines Tischchen, das im Bereich Marys stand.
„Darf ich Dir auch ein Glas anbieten, Brunhilde?" wandte er sich an diese.
Um nicht unhöflich zu erscheinen, nahm sie an und trank ein wenig v« dem feurigen Wein.
War es der Wein oder der Einfluß der ganzen, vom feinsten künstlerischen Geist erfüllten Umgebung — ihr Unmut und ihre Kälte schwanden mehr und mehr dahin und sie begann sich mit Interesse umzuschauen.
Walter bemerkte es unb in seinen Augen leuchtete es freudig auf. Dann öffnete er die Tüt, die in das Atelier führte.
„Hier habe ich den Hauptteil meiner Sammlungen," sagte er. „Vielleicht interessiert es Dich, einen Blick darauf zu werfen."
Brunhilde trat ein und blieb erstaunt stehen. Ein wunderbar ausgestatteter Raum umfing fie. In einer geräumigen Nische mit einem gro, ßen, nach Norden gehenden Fenster stand Walters Staffelei — hier schien fein Arbeitsplatz zu fein. Den Fußboden bedeckten weiche, türkische Teppiche, echte Kelims hingen an den Wänden, die sonst nur einige vortreffliche Gemälde schmückten, Divans und Sessel standen umher, und auf den Tischen und in stilvollen Schränken befanden sich Kostbarkeiten aller Art — herrliche Gläser, orientalisches Geschmeide, alte Waffen, kleine Statuetten unb was Walter sonst noch von seinen Reisen mitge» gebracht hatte. . (Forts, folgt.) ;