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Marburg

Dienstag. 31. August 1909.

Die Jnsertiousgebüdr beträgt für die 7gespaltene Zeile oder deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. 1A Druck und Verlag: Joh. Auq. Koch, Universttätsbuchdruckerei Inhaber Dr. E. H itzero th, Marburg, Markt 21. Telephon 55.

I mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain W und den Beilagen:Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) undLandwirtschaftliche Benage."

DieGberhesftsche Zeituug" erscheint täglich mit Ausnahme der >2 61AQ Sonn« und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt viertel- e/f®. MvO jährlich du.g die Post bezogen 2,25 Mk. (ohne Bestellgeld), bei unfern Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21,) 2 Mk.

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für den Monat September 'T: i aus die

^vberhessishe Zeitung" nebst ihren Beilagen werder. noch von unserer Expedition Markt 21) unseren Ausgabestellen in Kirch­hain, Neustadt und Wetter, sowie von

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= --"i. .............

DK Fahrt desZ III* nach Berlin.

Bitterfeld, 28. Aug. Zwischen 3 Uhr uno 3% Uhr ist Graf Zeppelin im Automobil dem Luftschiff entgegengefahren.

Bitterfeld, 28. Äug. Der Kronprinz und dir Kronprinzessin trafen nach 1 Uhr nach- mii 10.(5 hier ein und nahmen im Hotel Kaiser- Hof '-?-^-.ung.

Altenburg, 28. Aug.Z. 3" hat zwischen L«! mi tschau und Altenburg in der Nähe von Schiuölln einen Propeller verloren. Er fährt langsam weiter, vermutlich zur Landung in Leipzig.

V i t t e r f e l d , 28. Aug., 4.40 nachm. Nach hierher gelangten Nachrichten wurdeZ. 3 gegen 4% Uhr über Borna gesichtet. Ingenieur Kober telegraphiert, daß zwei Propeller je einen Flügel verloren haben.

Bitterfeld, 28. Aug. Z. 3" war um 5 Uhr 30 Min. über Leipzig-Eutritzsch sichtbar und fährt mit drei Schrauben in der Richtung auf Bitterfeld weiter. Eine ist gebrochen, doch erfolgt keine Zwischenlandung. Graf Zeppelin, der persönlich in Leipzig ist, war mit der Ge­schwindigkeit des Luftschiffes zufrieden.

Bitterfeld, 28. Aug,. 6.25 nachm. Graf Zeppelin und* der Kronprinz trafen in Auto­mobilen gleichzeitig mit dem Luftschiff ein.

Bitterfeld, 28. Aug. Als kurz vor 6 Uhr auf der Ballonhalle die emporsteigende Fahne das Nahen des Luftschiffes verkündete, entstand unter den gewaltigen Menschenmassen, die in weitem Umkreis den vor der Halle lie­genden, abgesperrten Landungsplatz umsäumten, eine fieberhafte Erregung. Bald darauf sah man am Horizont ein kleines, helles Wölkchen, das sich allmählich vergrößerte, und näher kam. In der Mitte des Platzes, wo Soldaten bereit stan­den, nahmen Hauptmann von Kehler und In­genieur Kiefer Aufstellung. Um 6 Uhr 20 Min. traf Graf Zepeplin sen. in einem Automobil auf dem Landungsplätze ein, bald darauf der Kron­prinz im Automobil, beide von jubelnden Zu­rufen der Menge begrüßt. Die Musik spielte die Nationalhymne; inzwischen war das Luftschiff näher herangekommen, deutlich konnte man das Feblen des linken vorderen Propellers sehen. 6 Uhr 25 Min. befand sich das majestätische Luft­schiff unmittelbar über der Landungsstelle. Die Soldaten ergriffen die herabgelassenen Taue und zogen das Luftschiff auf den Landungsplatz^ herab. In diesem Äugenblick durchbrach die Menge den gebildeten Kordon und brach in be­geisterte Ovationen aus. Der Kronprinz be­grüßte die Insassen des Lufffchfffes, während die Musi! die Nationalhymne spielte und sich die ju­belnden Zurufe der Menschenmenge immer

9 (Nachdruck verboten.)

Stolz um Stolz.

Roman aus dem Leben von O. Elster.

(Forffetzung.)

Nach kurzer Zeit saßen die beiden jungen Damen in dem eleganten und bequemen Kupee der Kommerzienrätin und fuhren im raschen Trabe durch die Alleen des Erunewaldes und dann über den prächtigen Kurfürstendamm dem Innern der Stadt zu, die sich gleich einem un­absehbaren steinernen Meere, über das Nebel 1;.. und her wallten, vor ihren Blicken aus­breitete.

Brunhilde saß still da und dachte an die große Veränderung, die ihr Leben in den letzten Monaten erfahren hatte. Sie dachte an die be­scheidene Künstlerwohnung ihres Vaters in Düsseldorf, an den harten Kampf, den sie Seite an Seite mit ihrem armen Vater um das Da­sein gekämpft, sie dachte an die Schmerzen, di« Enttäuschungen des Künstlerlebens, an den letz­ten großen Kummer ihres Vaters, der ihm das Herz gebrochen, als eine in ängstlichen Vorur­teilen befangene Prüfungskommission ihm den Preis in einer Konkurrenz um Ausmalung eines Schwurgerichtssaales versagt hafte, und sie fragte sich, ob ihr jetziges, von allen Bequem­lichkeiten des Reichtums erfül le Leben nicht glücklicher fei. Aber dann sagte sie sich, daß «uch jetzt, da sie von Glanz und Reichtum um» geben, die Sorgen nicht fehlten, daß Angst und Not, Krankheit und Tod auch dieses Leben um­schwebten, ohne daß das Gegengewicht vorhan«

wieder erneuerten. Um 6% Uhr bat Graf Zep­pelin, der inzwischen die vordere Gondel des Luftschiffes bestiegen hatte, durch das Sprach­rohr die Menge, zurückzutreten und das Luft­schiff nicht zu gefährden. Dieser Aufforderung konnte indessen nur langsam Folge geleistet werden. Unmittelbar darauf begab sich der Kronprinz mit dem Grafen Zeppelin im Auto­mobil nach dem HotelKaiserhof". Hierbei mußten berittene Offiziere dem Gefährt einen Weg bahnen. Graf Zeppelin hat den Kaiser um Befehl gebeten, wann die Äbfahrt erfolgen soll. Um %8 Uhr wurde mit dem Nachfüllen von Wasserballast begonnen.

B e r l in, 28. Aug. Berlin hatte sich auf den Empfang des Grafen Zeppelin wohl vorbe­reitet. Die Häuser wiesen reichen Flaggen­schmuck auf, namentlich in den Straßenzügen, worüber das Luftschiff passieren sollte. Bereits in den ersten Nachmittagsstunden war auf den Straßen lebhafte Bewegung und bot ein fesseln­des Bild, nicht zum wenigsten infolge des hellen Sonnenscheins, der feit Mittag die Stadt über­flutete. Trotzdem die Nachrichten von dem lang­samen Fortschreiten des Luftschiffes auf seinem Wege die Wahrscheinlichkeit stark verminderten, daß der Luftkreuzer zur angekündigten Zeit in Berlin eintreffen werde, hatte der Verkehr in der vierten Nachmittagsstunde ungeheure Di­mensionen angenommen. Der Hauptstrom der Schaulustigen wälzte sich nach dem Süden zum Tempelhofer Felde und nach dem Norden in der Richtung zum Tegeler Schießplatz. Die fliegen­den Händler hatten natürlich einen guten Tag. Deutsche Fähnchen mit dem Bildnis des Grafen und Papiernachbildungen, sowie kleine Luft­ballons in der Form des Lustkreuzers fanden reißenden Absatz. Sowohl in Tempelhof als in Tegel waren die Absperrungsmannschaften be­reits stühzeitig zur Stelle; auch die fliegenden Sanitätswachen hatten allenthalben ihre Posten eingenommen, die durch lustig im Winde flat­ternde weiße Flaggen mit rotem Kreuz bezeich­net waren. Die ungefähr um vier eingetroffene Nachricht, daß Zeppelin wegen Propellerver­lustes heute nicht mehr in Berlin erwattet wer­den könne, schien, obwohl sie sich mit Windeseile in der Stadt verbreitete, bei den erwartungs­frohen Massen zunächst keinen Glauben zu fin­den, wenigstens trat in dem gewaltigen Verkehr keine merkhare Stockung ein. Trotz der durch Extraausgaben der Blätter verbreiteten Nach­richt pilgetten noch lange immer weitere Tau­fende und Abertausende nach den Aussichtspunk­ten der Stadt. Auf die nach Hunderttausenden zählenden Massen, die das Tempelhofer Feld belagerten, übte die Nachricht zunächst keine Wirkung aus, sie wurde wie ein Gerücht aufge­nommen, das keinen Glauben verdiente. Erst nach geraumer Zeit, als an der Hiobsbotschaft nicht mehr gezweifelt werden konnte, lichtete sich das Gewimmel und in merklicher Enttäuschung traten die zum zweitenmale in ihrer Erwartung betrogenen Massen den Rückzug an, der sich in aller Ruhe vollzog. Die meisten gingen bei dem schönen Wetter zu Fuß zurück. Eine endlose Reihe von Droschken und Automobilen roaiti) sich durch die Straßen der elektrischen Straßen­bahnlinien; die von der Äutoomnibusgesellschast gestellten Wagen leisteten ihr möglichstes in der Rückbeförderung der Personen. Auf dem ganzen Wege besorgten berittene Schutzleute für die

den war, welches das ideale Streben, der hohe Flug schöpferischer Gedanken und die innige, er­hebende Freundschaft über ein gelungenes Werk ihrem früheren Leben gegeben hatten.

Dann zweifelte sie an ihrem jetzigen Glück und wünschte sich fast zurück in den Kampf, den sie in ihrer früheren Existenz geführt hatte.

Mary plaudette inzwischen in ihrer kindffch- lebhaften Art von diesem und jenem, sah aus dem Fenster, nickte grüßend mtt der Hand vor­übergehenden Bekannten, lachte über kleine komische Ereignisse des großstädtischen Straßen­lebens kurz, sie gab sich ganz dem Vergnügen hin, das eine Fahrt in einem eleganten Wagen durch das Getümmel einer Weltstadt gewährt.

Vor mehreren Läden wurde gehalten und Mary kaufte eine Meng« Dinge, die an sich sehr hübsch, aber dennoch völlig nutzlos waren. Hier waren es kostbar« Spitzen, di« ihre Kauflust reizten, dort elegante Handschuhe, hier ein Schal und dort ein Pelzboa.

Endlich schien Marys Kauflust befriedigt und man fuhr wieder dem stilleren westlichen Stadtteil zu. Vor einem großen, eleganten Hause einer ruhigen Nebenstraße, di« mit Pla­tanen bepflanzt war, hielt der Wagen. Kauf­läden waren in diesem Hause nicht vorhanden, und erstaunt fragte Brunhilde, warum Mary hie, halten lasse.

Einen Besuch will ich machen," entgegnet« diese lachend.

Muß ich Dich begleiten?"

Freilich Du bist ja die Hauptperson 6d dem Besuch."

»Ich verstehe Dich nicht. Wer wohnt hier?"

Aufrechterhaltung der Ordnung. Am Hauptver­kehrspunkt am Halleschen Tor wurde der Ver­kehr durch ein starkes Schutzmannaufgebot unter dem Befehl mehrerer Polizeioffiziere geregelt. Die Unfallstationen waren nur bei einigen leich­teren Ohnmachtsanfällen und geringfügigen Verletzungen in Anspruch genommen. Die all­gemeine Stimmung der Menge war: Morgen kommt er sicher.

Bitterfeld, 28. Aug. Wie von zustän­diger Stelle mitgeteilt wird, ist der Aufstieg des Z. 3 für morgen früh 7 Uhr in Aussicht ge­nommen.

Bitterfeld, 29. Aug.Z. 3" ist um y28 Uhr nach Berlin abgefahren.

B i t t e r f l e d, 29. Aug . Auf die gestrig« Anfrage des Grafen Zeppelin an den Kaiser sandte der Kaiser ein langes, überaus liebens­würdiges Telegramm, in dem er die Hoffnung aussprach, den Grafen gegen 12 Uhr über dem Tempelhofer Felde zu sehen. Der Kronprinz ist gestern zwischen y4 und %8 Uhr im Automobil wieder nach Berlin gefahren. Die Nacht ver­lief ruhig, Pioniere, die sich stündlich ablösten, hielten bei dem Ballon Wache, der trotz der feuchten Nachtlust von vielen Zuschauern um­lagert wurde. Noch vor y25 Uhr kam Graf Zep­pelin im Automobil an, worauf sofort mit der Nachfüllung von Gas begonnen wurde. Die Ab­fahrt soll um 7 Uhr angetreten werden, ohne den verlorenen Propeller zu ersetzen.

Bitterfeld, 29. Aug. Der dichte Nebel, der schon bei Sonnenaufgang herrschte, verdich­tete sich immer mehr, so daß das Luftschiff nur teilweise sichtbar war. Graf Zeppelin, der sehr wohl aussah, unterhielt sich freundlich mit zahl­reichen Herren, die ihn begrüßten. In der vor­deren Gondel befinden sich Graf Zeppelin sen., Graf Zeppelin jr., die Oberingenieure Dürr und Kober, Ingenieur Lau, Steuermann Hacker und die Monteure Schwarz und Laburda; in der hinteren Gondel Direktor Colsmann, Inge­nieur Stahl und Monteur Käst. Auf alle Fälle fft das Pionierbataillon beordert worden, so lange in Bitterfeld zu bleiben, bis die glückliche Ankunft in Berlin gemeldet wird.

Berlin, 29. Aug., 11 vorm. Das Luft­schiff manöverierte um 10 Uhr 45 Min. über dem Fichteberg bei Steglitz, erschien 5 Minuten vor 11 Uhr über Schöneberg und begann sodann seinen Flug über Berlin. Der Kaiser ist soeben von der Garnisonskirche nach dem Tempelhofer Feld gefaxten. Gegen 12 Uhr manöverierte das Luftschiff noch immer westlich vom Tempelhofer Felde, ohne sich dem letzteren erheblich zu nähern. Es scheint, daß Graf Zeppelin die Ab- stch hat, pünttlich um 12y> Uhr, wie vorher an­gekündigt, nach dem Tempelhofer Felde zu kommen.

Berlin, 29. Aug. Um y2l Uhr kam das Luftschiff aus dem Tempelhofer Feld zur Be- grüßunq des Kaisers. Es verneigte sich mehr­mals und fuhr dann unter dem Elockengeläute der benachbarten Kirchen und dem Jubelrufen Hunderttausender auf den Straßen und Dächern der Gebäuden dem Tempelhofer Feld nach dem Kreuzberg und kehrte dann ffiieber nach dem Standplatze des Kaisers zurück, wo es die ver­schiedensten Wendungen und Manöver aus­führte. Es herrscht prachtvolles Wetter.

Tegel, 29. Aug, 1 Uhr 50. Das Luftschiff

yDu wirst es schon sehen komm nur!"

Sie stiegen aus. Ein Portier in Livree empfing sie.

Wir wollen in die dritte Etage," sagte Mary.Können wir den Fahrstuhl benutzen?"

Bitte, meine Damen," entgegnete der Mann und öffnete die Tür zu dem mit roten Cammet- bänken ausgestatteten Fahrsttlhl.

Sie wissen doch Bescheid damit, meine Damen? Oder soll ich mstfahren?"

Nicht nötig," antwortete Mary und drückt« äui den Knopf der elektrischen Leitung. Sanft und geräuschlos schwebte der Fahrstuhl empor, um in der dritten Etage anzuhalten, nachdem Mary wieder auf den Knopf gedrückt hatte.

Jetzt standen sie in einem geräumigen Treppenflur.

Zwei Korridortüren fühften zu den Wohn­ungen. Auf dem Schild der einen stand: v. Wassow, Geh. Regierungsrat, auf dem Schild der anderen der einfache Name Walter Hilde­brandt.

Brunhilde erschrak.

Wir gehen zu Deinem Bruder?" fragte sie.

Ja, ist Dir das so schrecklich? Walter hat uns doch schon öfter «ingeladen, seine Samm­lungen und sein Atelier zu besuchen."

Allerdings aber Du weißt auch, daß Dein« Mutter uns begleiten wollte, wenn wir diesen Besuch"

..Ich liebe die Beausstchtigung nicht," unter­brach sie Mary.Sei doch kein Kind, Brunhilde! Was ist denn nur dabei zu finden, wenn Du in meiner Gesellschaft meinen Bruder be­suchst?" . .... ..... ........

Z. 3" ist auf dem hiesigen Schießplatz soeben glücklich gelandet.

Der Tegeler Schießplatz ist seit den ftühen. Morgenstunden abgesperrt. Sorgfältig wacht eine dreifache Kette von Gendarmen und Trup­pen darüber, daß von Zivilpersonen nur die In­haber der Karten des Generalkommandos den Platz betreten dürfen. Das weite von Föhren umsäumte Heidegelände bietet mit seinen Zelt-, fachen, mit den zusammengestellten Gewehren und den umherstreifenden Kavalleriepiketts ein ganz kriegsmäßiges Aussehen. Der voraussicht­liche Landungsplatz ist mit Draht umzäunt. In seiner Nähe sind Wagen mit neuer Easladung aufgefahren. Am Landungsplätze versammelten sich um 11 llhr die zum Empfang erscheinen­den Persönlichkeiten. Vom Tempeihofer Felde fuhr das Luftschiff etwa 10 Minuten vor 1 Uhr Über dem Belle-Älliance-Platz Richtung Mark­grafenstraße nach dem königlichen Schloß, um», fuhr, die Spitze abwärts neigend, das Schloß, wandte sich sodann gegen das Rathaus, dessen Turm ebenfalls umfahren wurde. Der Turm« war von Mitgliedern des Magistrats, derStadt-' Verordnetenversammlung, den Beamten und Gästen dicht besetzt. Eine Musikkapelle begrüßte das Luftschiff mit dem Liede:Deutschland, Deutschland über alles!" Der Ballon umkreiste, dann den Turm der Petrikirche, wandte sich von. hier zur Straße Unter den Linden und fuhrs über diese hinweg bis zum Brandenburger Tor. Vom Brandenburger Tor fuhr das Luftschiff in großem Vogen über die nördliche Friedrichsstadt und die Oranienburger Vorstadt und bog dann wieder nach Süden dem Schloß zu. DerZ. 3". wandte sich hierauf nach dem Friedrichshain, wo. eine große Menge Schulkinder zur Begrüßung des Ballons Aufstellung genommen hatten. Da»! Luftschiff machte dort verschiedene Wendungen,' nahm dann wieder die Richtung über das Rat­haus nach der Leipziger Straße über die FriÄ-i richstadt hinweg nach dem Tiergarten und wandte sich sodann über Moabit nach Norden.

Um 1 Uhr 15 Min. kamen in Automobilen vom Tempelhofer Felde der Kaiser, die Kai­serin, Prinzessin Viktoria Luise, der Kronprinz» die Kronprinzessin, Prinzessin Eitel Friedrich, sowie die unverheirateten Prinzen nebst Eefoh gen. Kurz vorher war Herzog Adolf Friedrich von Mecklenburg eingetroffen, der vom Geheim-! rat Lewald begrüßt wurde. Mit der kaiserlichen Familie war Generaloberst von Kessel einge» troffen. Das Luftschiff erschien ab «nd zu über den Föhren, die das Schießgelände umgeben. Um 1 Uhr 40 erschienZ. 3" über dem Ostrandei des Exerzierplatzes, machte einen Bogen nach' Norden und schwenkte dann von Norden nach; dem Ankerplatz ein. Um 1 llhr 46 Min. wurde, aus der vorderen Gondel das erste Tau gewor-i fen. Hierauf senkte sich die Spitze des Luftschiffes,' da in der vorderen Gondel mit Ausnahme eines Fahrtteilnehmers alle anderen Platz genommen, hatten, so stark, daß das Luftschiff in steilem) Winkel zur Erde stand. Als der vordere Teil^ des Luftschiffes an dem Ankertau festgehalten I war, gingen die Fahrtteilnehmer nacheinander durch den Verbindungsgang nach der zweiten Gondel und brachten durch diese Eewichtsver- änderung auch den hinteren Teil des Luftschiffes der Erde näher. Auch hier ergriffen Soldaten die Ankertaue und führten das Luftschiff nach dem zum Ankern vorgesehenen Platz. Um 1 Uhr

Im Grunde genommen hatte Mary recht. Brunhilde würde sich gewiß nicht geärgert haben, diesen Besuch zu machen, wenn sie nicht an die argwöhnischen Blicke gedacht hätte, mit denen di« Kommerzienrätin den Verkehr Wal­ters mit ihr zu überwachen schien. Walter war jetzt viel öfter als sonst in dem elterlichen Hause; er verlebte fast jeden Abend dort, kam schon am Nachmittag, wenn die Bank geschlossen war, musizierte und malte mit Brunhilde, unterhielt sich mit ihr angelegentlich über Kunst­werke und dergleichen, brachte ihr Photogra­phien und andere kleine Kunstgegenstände mit kurz, er zeigte das Interesse, welches er für die schöne Kusine empfand, in einer Weise, di« wohl dazu angetan war, die Aufmerksamkeit einer Mutter zu erregen.

Brunhilde hatte die argwöhnischen Blicke ihrer Tante schon lange bemerkt und suchte dem Verkehr mit Walter auf alle erdenkliche Weise auszuweichen. Sie war viel zu stolz, um auch nur den leisesten Anschein zu erwecken, als strebe sie danach, sich in der Gunst des reichen Erben festsetzen zu wollen, obgleich es ihr tiefenSchmerz bereitete, ihre Empfindungen zu unterdrücken und da, wo sie warme und herzliche Zuneigung mit denselben Gefühlen zu erwidern geneigt war, nur eisige Zurückhaltung zeigen zu müssen.

Noch konnte das Gefühl, das sie zu Walter hinzog, nicht Liebe genannt werden, aber Brun«. Hilde selbst ahnte die Gefahr eines näheren Ver­kehrs mit dem ihr fo sympathischen jungen Mann und sie bebte in ihrem jungfräulichen Empfinden vor einem öfteeren Zusammensein -urück. Entsetzung folgt.)