MchjW Jeilmg mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain und den Beilagen: „Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und „Landwirtschaftliche Benage"
Jti 202
Die „Gverhesst siche Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post bezogen 2,25 Mk. (ohne Bestellgeld), bei unfern Zeitungsstellen und' der Expedition (Markt 21,) 2 Mk.
Marburg
Sonntag, 29. August 1909.
Die JnsertionSgebühr beträgt für die 7gespaltene Zeile oder deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. — Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, UniversttätSbuchdruckerei Inhaber Dr. E. Hitzeroth, Marbrvcg, Markt 21. — Telephon 55
44. Jahrg.
Erstes Blatt.
Das Kaijerpaar in Fischbeck.
Fischbeck, 27. Aug. Das Kaiserpaar mit der Prinzessin Viktoria Luise und dem Prinzen Oskar trafen um 12% Uhr mittags im Hofzuge, von Wilhelmshöhe kommend, ein und fuhren in pffenen Wagen unter Glockengeläut« nach dem Stift Fischbeck, wo nach altem Zeremoniell die Uebergabe des Aebtiffinnenstabes an die älteste Stiftsdame Frau v. Buttlar durch den Kaiser erfolgte. Nach der kirchlichen Feier pflanzte der Kaiser auf dem Gutshof deS Stifts eine Lind«. In den festlich geschmückten Straßen bildeten die Schulkinder des Kreises RiMeln und Kneger- dereine Spalier. Das zahlreiche aus der Umgegend herbeigeströmte Publikum brachte dem Herrscherpaar lebhafte Ovationen dar.
Fischbeck, 27. Aug. Der Kaiser hielt bei der Ueberreichung des Aebtissinnenstabes an die Aeb- tissin des adeligen Damenstifts Fischbeck, Frau V. Buttlar, folgende Ansprache: Meinem lebhaften Interesse an dem adeligen Damenstist Fischbeck mit seiner fast tausendjährigen, sagenumwobenen Geschichte und seinen wechselvolleu Schicksalen habe ich bereits vor fünf Jahren Aus- druck geben können, als ich in Gemeinschaft mit Ihrer Majestät der Kaiserin und Königin, meiner Gemahlin, hier an der Jubelfeier des Sttftes und der Wiedereinweihung der altehrwürdigen Stists- kirche teilnahm. Damals habe ich, wie einst König Otto I., der spätere erste Kaiser deutscher Nation, durch seinen Gnadenbrief vom 10. Januar 954, Has Stift unter meine besondere landesherrliche Schirmherrschaft gestellt. Heute bin ich in Ihrer Mitte erschienen, um Ihnen einen neuen Beweis meiner Huld und Gnade zu geben. Ich habe beschlossen, dem Stift einen Aebttflinnenstab zu verleihen, welcher von der jedesmaligen Aebttssin bei feierlichen Gelegenheiten als Zeichen ihrer Würde getragen werden soll. Rehmen Sie, hochwürdigste Frau Aebttssin, auS meiner Hand diesen, mit meinem kaiserlichen Wappen und demjenigen deS Sttsts geschmückten Stab. Möge er Ihnen und den Ihrer Leitung anverttauten Damen, wie allen Ihren Nachfolgerinnen ein Sinnbild sein des göttlichen Stecken und Stabes, dessen wir alle auf unserer Pilgerfahrt zur ewigen Heimat so dringend bedürfen; möge Gottes Segen allezeft aus dem Stift und seinen Insassen ruhen! Das walte Gott!
Fischbeck, 27. Aug. Die Majestäten begaben sich bei trübem Wetter im offenen Vierspänner bon der Station zur Abtei. Kriegervereine, Schulen und Bevölkerung der Umgegend, darunter viele Bäuerinnen in ihrer malerischen Landestracht, begrüßten die Majestäten stürmisch. Der Hof hielt dann seinen feierlichen Einzug in die Stiftskirche, empfangen und geleitet von dem Oberprästdenten v. Hengstenberg und dem Schirm- Vogt des Stiftes Staatsminister Freiherr v. Fei- litzsch-Bückeburg und dem Landrat v. Dttfurth-
8 (Nachdruck verboten.)
Stal; um Stols.
Roman aus dem Leben von O. Elster.
(Fortsetzung.)
4.
„Wollen wir heute nicht endlich unseren Besuch bei Walter machen, den wir ihm schon lange versprochen haben, Brunhild«?" fragte Mary, von dem Buch aufsehend, in dem sie eifrig gelesen hatte, während Brunhild« an einem kleinen Aquarellbilde arbeitete."
„Ich fürchte, liebe Mary," entgegnete Brun- Hille, „daß Dein.' Mutter mtt diesem Besuch nur wenig einverstanden sein dürste."
„Haben wir es denn nötig, Mama unsere Abjccht mitzuteilen? Ich glaube, wir sind beide alt genug, um allein zu wissen, was wir tun oder lassen sollen."
„Gewiß, Mary, wenn wir für uns allein lebten; da wir aber in dem Hause Deiner Eltern und in Abhängigkeit von ihnen leben, so haben wir Rücksicht auf" ihre Wünsche zu nehmen."
„Ach, diese Abhängikeit? Wie ich diesen Zwang hasse?" tief Mary heftig aus, indem sie aufsprang und erregt im Zimmer auf und ab lief.
• Brunhilds lächelte und beugte sich wieder über ihre Arbeit. Diese Ausbrüche des unbändigen Temperaments Marys hatte sie in den Monaten, die sie bisher in dem Hause des Kom- tnerzienrats zugebracht, bereits zur Genüge ken- ten gelernt. In der ersten Zeit hatten sie Brun-
Rinteln. Die Kirche war von der Gemeinde gefüllt, am Altar stand die Aebtiffin, Frau v. Buttlar, mit den Stiftsdamen. Die Feier begann mit dem Vortrag „Salvum fac regen" durch den Hamelner Männerchor. Nach einem Gemeindegesang und der Lichurgie hielt Pfarrer Heermann eine Ansprache. Der Fischbecker Kirchenchor sang „Du Hirte Israel!" Dann erfolgte die Uebergabe des Stabes durch den Kaiser an die Aebtiffin, wobei der Kaiser, vor den Altar tretend, die gemeldete Rede hielt. Der Schirmvogt, Staatsminister v. Feilitzsch, dankte namens der Aebtiffin in kurzer Rede, nachdem die hochbetagte Aebtiffin selbst mit wenigen Worten ihren allerinnigsten Dank ausgesprochen hatte. Das niederländische Dankgebet schloß die Feier. Beim Verlaffen der Kirche bot erst die Kaiserin, später der Kaiser der Aebtiffin den Arm. Nach der Feier besichtigten die Majestäten den schönen erneuerten Kreuzgang der Abtei und nahmen den Imbiß bei der Aebtiffin ein, wobei Staatsminister v. Feilitzsch ein Hoch anf die Majestäten ausbrachie. Weißgeflei- dete Schülerinnen überreichten der Kaiserin und der Prinzessin Viktoria Blumen. Junge Bäuerinnen in der reichen Brauttracht der Gegend überreichten ein Trachtenalbum. Der neue Aebtiffinnen- stab ist nach einem Entwurf des Professor Rohloff gefertigt. Unter andauernden Kundgebungen der Bevöllerung fuhren die Majestäten, Prinz Oskar und die Prinzeffin Vittoria Luise zur Bahn, wo die Abreise nach Berlin gegen 2 Uhr erfolgte.
Deutsches Reich.
— Som Kaiserpaar. Berlin, 27. Aug. Das Kaiserpaar und die Prinzeffin Viktoria Luise trafen heute abend 7 Uhr 45 Min. auf dem Potsdamer Bahnhof ein.
— Kaisermanöver-Konserenz. Stuttgart, 27. Aug. In Freudenstadt fand, wie der „Schwab. Merkur" berichtet, unter der Leitung des preußischen Ministeriums der öffentlichen Arbeiten und des Eisenbahnzenttalamts in Berlin die Kaisermanöver-Konferenz statt, die alljährlich im Bereiche derjenigen Eisenbahnverwaltung abgehalten wird, in deren Bereich die Kaiferrnanöver sich abspielm. Es waren 62 Vertreter sämtlicher deuffcher Eisenbahnverwaltungen anwesend, die ihre Arbeit in dreitägigen Verhandlungen erledigten. Es hat sich dabei insbesondere um den Bedarf an Personen- und Güterwagen für den Rücktransport der Truppen gehandelt. Morgen schließt sich eine von 20 Vertretern besuchte Konferenz der süd- und westdeutschen Eisenbahnverwaltungen an, in der die Zusammensetzung der durchlaufenden Schnellzüge unb Maßregeln zur Beseitigung von Verspätungen vereinbart werden.
— Der Wechsel im Kriegsministerium. Berlin, 27. Aug. Der neue Kriegsminister v. Herringen hat bereits in vollem Umfange die Geschäfte des Kriegsministeriums übernommen. Der bisherige Kriegsminister, General der Kavallerie v. Einem, wird dem Vernehmen nach am 28. August an dem Schauplatze seiner neuen Tätigkeit als Komman-
hill»e erschreckt; dann aber sah sie, daß die Aus- hrüche einem Strohfeuer glichen, das rasch verflackerte. Der Freiheitsdrang in Mary war nicht stark genug, um die sanften Bande zu sprengen, welche Reichtum, Wohlleben und Luxus um ihr Leben gewoben hatten. Brun- Hildens scharfer Verstand erkannte wohl, daß die einzige Person, di« ihr Ziel konsequent verfolgte, die Kommerzienrätin war. Und wenn dieses Ziel, das darin bestand, eine hervor- ragsnde Stellung in der Gesellschaft zu gewinnen und alles fernzuhalten, was diese Stellung schmälern konnte, auch keine Sympathie bei Brunhilde zu erwecken vermochte, so mutzte sie iwch die Ausdauer anerkennen, mit der die Kommerzienrätin es verfolgte.
Walter und Mary waren moderne Menschen die sich von den Strömungen der Gegenwart bald hierhin, bald dorthin treiben liehen; die heute für Kunst und Literatur schwärmten, morgen die sozialen Pflichten gegen die leidende Menschheit als die höchsten Lebensaufgaben betrachteten; die heute auf die tiessinigen Gedanken eines ernsten Schriftstellers schwuren und sich morgen für eine lustige Posse begeisterten. Es war nichts Beständiges in ihrem Wesen; sie waren liebenswürdige Menschen, die aber an der Krankheit der Gegenwart litten, kein festes Ziel vor Augen zu haben.
Auch der Kommerzienrat zeigte in gewisser Weise die Symptome dieser Krankheit: einerseits der zähe, kühne Geschäftsmann, liefe er sich andererseits auch durch seine weichen Gefühle beeinflussen, die sich allerdings fast stets nut in Worten betätigten.
beut des 7. Armeekorps in Münster i. W. eintreffen.
— Der Verein zur Wahrung der wirtschaftlichen Interessen deuffcher Apotheker (E. V. Leipzig) hält am 5. unb 6. Sept, in Berlin feine dritte Hauptversammlung ab. Auf der Tagesordnung stehen u. a. folgende Fragen: Deuffche Arzneitaxe, Stellungnahme zu dem Entwurf der Reichsversicherungsordnung, Krankenkaffenangelegenhei- ten, Arzneimittelhandel außerhalb der Apotheken, Stellungnahme zur Spezialitätenindustrie.
— Der Verfassungskonflikt in Mecklenburg, der schon mehrere Jahrzehnte dauert, nimmt gegenwärtig schärfere Formen an. Wie die Blätter melden, sollen in den Versaffungsreforrnverhand- lungen am 26. d. M. zu Schwerin dem Vernehmen nach die Bürgermeister, also die Vertreter der Landschaft, den Regierungskommissaren gegenüber erklärt haben, daß sie fest entschlossen seien, auf.dem nächsten Landtage im Herbst die Bewilligung der Steuern zu verweigern, wenn die Regierung nunmehr keine energischen Anstalten treffe, die Verfassungsänderung durchzusetzen. Man hofft damit einen Druck auf die Ritterschaft ausüben zu können. Die letzten Verhandlungen sollen noch ergebnislos verlausen sein.
— Die sächsischenLandtagswahlen. Dresden, 27. Aug. Die Neuwahlen zur Zweiten sächsischen Kammer sollen am 22. Oktober stattfinden. In- landwirtschaftlichen Kreisen ist man von dieser Festsetzung des Wahltermins nicht sonderlich erbaut, da er noch in die Kartoffelernte bezw. in die Zeit der Herbstbestellung fällt.
— Der 56. Deutsche Katholikentag tritt am Sonntag, den 29. August, in Breslau zusammen.
— Von den Radbod Witwen. Die Klage der Radbod-Witwen hat jetzt ihr Ende gesunden. Wie ein Telegramm aus Hamm meldet, hat in dem Prozeß der Radbod Witwen gegen das Hammer Lokalkomitee aus sofortige Auszahlung der ein- gelausenen Spenden der Vertreter der klägerischen Partei bie. Frist zur Einreichung der Berufungsschrift verstreichen lassen. Das abweisende Urteil der ersten Instanz ist dadurch rechtskräftig geworden.
— Deuffche im Auslande. Der bayrische Nationalverband in New-York hat die deutsche Verhandlungssprache durch die englische ersetzt. Dieser Vorgang der süddeutschen „Eigenbrödler" erregt mit Recht in deutschen Kreisen unangenehmes Aufsehen.
— Eisenbahnfragen. Die Ständige Kom- mision der deutschen Eisenbahnen und der ihr beigeordnete Ausschutz der Verkehrsintereffenten werden am 3. und 4. September d. I. in Rostock ihre 99. ordentliche Sitzung abhalten. Aus der Tagesordnung stehen, wie die „Ztg. des Ver. D. Eisenb.-Verw." meldet, nicht weniger als 38 Gegenstände. Den Personenverkehr betreffen davon u. a. die folgenden: Berechnung des Fahrpreises für Fahrten zu wissenschaftlichen und belehrenden Zwecken; Fahrpreisermäßig- ungen für kranke Arbeiter zum Besuche von Walderholungsstätten und für kranke Kinder, die zum Aufenthalt in ländliche Verhältnisse entsandt werden; Zurücknahme won Fahrkarten
Im allgemeinen fühlte sich Brunhilde aber ganz wohl und zufrieden in dem Hause und in 5er Familie. Der Kommerzienrat, Walter uns Mary kamen ihr mit größter Herzlichkeit entgegen und die kühle Zurückhaltung der Kommerzienrätin schwand immer mehr und mehr, als sie Brunhildens korrektes Wesen, ihre sich stets gleich bleibende Ruhe und ihre stolze Bescheidenheit anerkennen mußte. -
Und diese Anerkennung wandelte sich fast in warme Sympathie um, als sie sah, wie unermüdlich Brunhilde sie in einer schweren Krankheit pflegte, welche sie mehrere Wochen lang uus das Krankenlager geworfen. Während dieser Krankheit erkannte Frau Aurelie die großherzige Natur Brunhildens; und wenn die Kommerzienrätin das junge Mädchen auch nicht lieben konnte, so mußte sie ihr doch die Gerechtigkeit widerfahren lassen, zuzugestehen, daß Brunhilde einen groß und tief angelegten Charakter besaß. Aber ihr Mißtrauen, das mit in ihrer steten Kränklichkeit begründet war, ließ die warme Neigung für Brunhilde, die sich während ihrer Krankheit in ihr Herz schleichen wollte, nicht weiter gedeihen. Sie war während ihres ganzen Lebens mit allzu visl Plänen und Bestrebungen eigensüchtiger Art beschäftigt gewesen, als daß sie bei anderen Menschen eine völlige Selbstlosigkeit für möglich hielt.
Nach einer Weile sagte Brunhilde zu der noch immer im Zimmer herumwirbelnden Mary:
„Interessiert Dich das Buch über die sozialen Aufgaben der modernen Frau, dessen Studium Du doch zuerst mit solchem Eifer begonnen hattest, nicht mehr. Mary?"
aus Billigkeitsgründen; Aenderung der Ersah. kosten-Beiträge für die Beschädigung von Fahr, zeugen oder Ausrüstungsstücken; Aufnahme einer neuen Ausführungsbestimmung zu § 33 der Eifenbahn-Derkehrsordnung (Gebühren für die Zoll- oder steueramtliche Abfertigung von Reisegepäck) usw.
— Die Bevölkerung Deutschlands. Gegen 64 Millionen Menschen leben zurzeit im Deutschen Reiche. Das „Stat. Jahrbuch für das deutsche Reich" gibt die Bevölkerung, die das Reich um Mitte dieses Jahres gehabt hat, auf 63 886 000 Perfonen an. Für Mitte 1908 war die Bevöl- kerung auf 62 982 000 geschätzt, sodaß im Lause des letzten Jahres eine Zunahme um 896 000 Köpfe stattgefunden haben würde. Seit Gründung des Deutschen Reichs hat sich die Bevölkerungsziffer um rund 23 Millionen vermehrt.
Ausland.
“ Keine Monarchenbegegnung. London. 27. Aug. Es wird nunmehr offiziell bestätigt, daß König Eduard am Freitag, den 3. September, von Marienbad abreist und sich direkt nach London begibt, wo er am 4. nachmittags eintrifft. Von einer Zusammenkunft mit Kaiser Franz Josef, welche die englischen Blätter immer wieder in sichere Aussicht stellten, ist nicht mehr die Rede.
“ Vom österreichischen Heer. Wien, 27. Aug. Wie nunmehr amtlich festgestellt ist, sind die Zeitungsmeldungen über die Gewaltmärsche der Truppen bei den Manövern in Süddalmatien entstellt und aufgebauscht gewesen. Richtig ist allein, daß einzelne Truppenteile infolge ungünstiger Witterungsverhältnisse zeitweise eine über die Norm hinausgehende Anzahl von Maroden gehabt haben, die jedoch wieder auf das Normale zurückgegangen sind. Die sensationellen Gerüchte, die von Hunderten von schweren Erkrankungen und Todesfällen zu berichten wußten, sind dahin zu berichtigen, daß im Lager ein Landwehrmann durch Blitzschlag getötet und zwei schwer verletzt worden sind.
** Vom Generalstreik in Schweden. Stockholm, 27. Aug. Nach den Angaben des Mini, steriums des Innern beträgt die Zahl der Strei. kenden zur Zeit 255 668, sie hat demnach mit dem 18. August um 23 468 abgenommen. In Stockholm selbst hat sich die Zahl der Ausständigen nur wenig vermindert. Die öffentliche Meinung wendet sich gegen eine Bermitte'img der Regierung, solange Vertragsbrecher am Streik teilnehmen. Die Ernte wird bei schönstem Wetter eingebracht. Der Ackerbaustreik hat nicht die geringste Bedeutung zu erlangen ver- macht. — Wie das Svenska Telegram erfährt, beriet die Regierung einige Vorschläge zur Ber- mittlung im Generalstreik, kam aber za dem Schluss?, daß die Vorschläge der Regierung nicht zur Vornahme irgend welcher Schritte veranlassen dürften.
** Die englische Reichsoerteidigungs-Kon- ferenz. London, 27. Aug. In der gestrigen Sitz- tzung des Unterhauses machte Premierminister Asquith Mitteilung von den Ergebnissen der Reichsverteidigungs-Konferenz. Er nannte das Ergebnis der Beratungen einen Plan, die Kräfte der Krone so zu organisieren, daß sie
Mary warf das Buch, in dem sie gelesen, zornig beiseite.
„Phrasen — nichts weiter als Phrasen?" tief sie. „Wie sollen wir Frauen und Mädchen, die wir durch allerhand Rücksichten und Gewohnheiten eingeengt werden, diese sozialen Aufgaben erfüllen? Wir können höchstens unser Geld zur Verfügung stellen, und wissen nicht c'n.url, ob es in die richtigen Hände kommt."
„Wenn ein jeder an seiner Stelle nur das Gute und Edle täte, dann würde es besser in der Welt aussehen," entgegnete Brunhilde ruhig.
„Ja, wenn ein jeder so wäre wie Du, Brun- Hilde! Aber wir anderen haben leider mehr Temperament als Du."
„Glaubst Du?"
„Nun, Du besitzest doch wirklich eine klassisch« Ruhe! Doch genug! Willst Du mich auf einer Ausfahrt begleiten? Ich habe mehrere Besorgungen zu machen."
„Sehr gern."
„So komm; wir wollen uns anziehen."
Sie klingelte und befahl ihrer Zofe, den Wagen anspannen zu lassen.
„Mama braucht ja den Wage nicht," wandt« sie sich an Brunhilde. „Bei dem scharfen Vorfrühlingswetter fährt sie doch nicht aus. Mama ist wirklich in letzter Zeit recht kränklich geworden."
„^a, Mary — und wäre es deshalb nicht besser, ich bliebe zu Hause?" " j
„Nein — weshalb? Mama hat ja ihrs Kammerfrau. Also komm nur mit“
(Fortsetzung folgt.)