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»«spaltens Zeile 80 Pfennig.

DieGberhesstsche Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der

44. Jahrg«

*W1 4 Sonn- und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt viertel» e/TÄ -1 vif jährlich durch dis Post bezogen 2,25 Mk. (ohne Bestellgeld), bei

unfern Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21,) 2 Mk.

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain?

und den Beilagen:Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) undLandwirtschaftliche Berlage.

Marburg

Donnerstag 26. August 1909.

Die JnsertionSgebühr beträgt für die 7gespaltene Zeile oder deren Raum15 Pfennig, für Reklamen 80 Pfennig. Druck und Verlag: Joh. Ang. Koch, UnioersitätSbuchdruckerei Inhaber Dr. C. Hrtzeroth, Marburg, Markt 21. Telephon 55.

Vor einigen Wochen, so schreibt dieOstdeutsche

von

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3.

beiterschast sich in einer außerordentlich günstige» materiellen Lage befindet. Wenn man ohne jede Schwierigkeit eine halbe Million Mark für ganz fernliegende Zwecke aufbringt und ihr immer neu«, ganz beträchtliche Summen folgen läßt, dann muß doch in der Arbeiterschaft Ueberfluß herrschen, und alle die haben Recht, die die gegen- tvärtige Lebenshaltung der Arbeiterschaft als verhältnismäßig besser bezeichnen, wie die des Mittelstandes.

Korrespondenz", wurde das dem Polen

Bom Hansabund.

Der Bund der Handwerker nahm am Sonn­tag in einer Sitzung des erweiterten Gesamt­vorstandes, an der Mitglieder und Provinzial­vorsitzend; aus allen Gauen teilnahmen, fol-

l zu enteignen und den Boden deutschen Bauern zu Zur Lage des Gütermarktes in den eröffnen.

Ostniarken. ''..... = - -

Politische Umschau.

Saatenstand im Reiche.

Berlin, 24. Aug. Um die Mitte des Monats August: Winterweizen 2,7 (im Vorjahr 2,4), Sommerweizen 2,4 (2,6), Winterspelz 2,2, Winter­roggen 2,5 (2,4), Sommerroggen 2,4 (2,5), Som­mergerste 2,3 (2,6), Hafer 2,2 (2,7), Kartoffeln 2,3 (2,5), Klee 2,9 (2,7), Luzerne 2,6 (2,4), Be­wässerungswiesen 2,3 (2,2), andere Wiesen 2,7 (2,8). In den Bemerkungen heißt es: In den ersten beiden Dritteln des abgelaufenen Berichts­monats herrschte fast im ganzen Reiche eine noch ungewöhnliche Kühle und nasse Witterung, welche auf die Entwicklung der Feldfrüchte außerordent­lich hemmend einwirkte. Erst anfangs August trat trockenes, warmes und sonniges Wetter ein, das das Reifen des Getreides beschleunigte. Be­richte über Hagelschaden an sich sind wenig zahl­reich, doch einzelne Gegenden sind recht schwer da­von betroffen. Tierische und pflanzliche Schäd­linge scheinen im allgemeinen keinen erhebliche« Schaden angerichtet zu haben. Mit dem Roggen­schnitt konnte größtenteils erst anfangs August be­gonnen werden. Dank dem günstigen Wetter gin­gen die Erntearbeiten dann aber, trotzdem sie viel­fach durch starke Lagerung des Getreides er­schwert wurden, so gut vonstatten, daß Mitte August schon ein großer Teil der Roggenernte gut geborgen war. Mit dem Schnitte des Wei­zens, der zum Teil von Rost befallen ist, war bei der Abgabe der Berichte meist erst be­gonnen worden. Ueber den Ausfall der Winter­getreideernte lauten die Berichte meist recht gün­stig, auch die Ernte des Sommergetreides war Mitte August in vollem Gange. Im allgemeinen hatte sich die in letzter Stunde schnell gereiste Sommerung günstig weiter entwickelt, besonders Hafer erfuhr eine wesentlich besiere Beurteilung, als im Vormonat. Der Stand der Kartoffeln wird gegenwärttg in manchen Gegenden etttrns ungünstiger beurteilt. Bei den Futterkräutr besserten sich die Aussichten auf den guten zweiten Schnitt erheblich. Ebenso ist der Stand der bei­den Wiesenarten ganz erheblich besser als im Vor­monat.

sitzer mit dem polnischen Käufer, der irgend einen Phantasie Preis zu bezahlen berett sei, fällt jetzt fort. Auch auf polnischer Seite stellt man nicht niehr so exorbitante Forderungen. Im Hinter- gmnde droht eben das Gespenst der Enteignung. Noch immer ist kein Fuß polnischen Bodens ent- I eignet worden, aber die Wirkungen, die wir und I andere Freunde des Enteignungsgesetzes voraus- I gesagt haben, sind schon eingetreten. Womit nicht I behauptet werden soll, daß es nicht endlich an der I Zeit wäre, den einen oder anderen großen gali- I zischen Magnaten, die Tausende oder Zehntau- I sende von Morgen in unseren Oftmarken besitzen, I

besser! Also Sie begleiten Brunhild«! Um sieben Uhr wird der Wagen da sein."

Wir werden uns die Ehre geben, Herr Kom­merzienrat," sagte der Maler mit komischer Würde.

Brunhilds entgegnete nichts. Sie war sich über ihre Gefühle diesem neuen Onkel gegenüber noch nicht klar. Sie empfand nur undeutlich, daß seine erste empfindsame Aufwallung einer kühlen Form gewichen war, und sie atmete er­leichtert auf, als sich der Kommerzienrat end­lich empfahl.

(Nachdruck verboten.)

Sto!x um Slots.

Niemojewski gehörige 800 Morgen große Gut Reudorf im Kreise Posen-Ost im Wege der Zwangsversteigerung von dem Direttor der Hermann-Mühlen, Nothoz, erstanden. Der pol­nische Besitzer ist ein sehr eifriger Förderer des Sokoltums in der Posener Gegend gewesen. In feinem Gutspark pflegte die Versammlungen der Sokol-Vereine stattzufinden. Man erinnert sich vielleicht noch, wie die letzte Sokol-Verfammlung dort polizeilich aufgelöst wurde und ein gericht­liches Nachspiel zur Folge hatte. War es denn den Volksgenossen des Herrn von Niemojewsfl nicht möglich,, ihren Patrioten zu retten, oder wollten sie ihn nicht retten? Warum vor allem griffen die polnischen Banken nicht ein? Der Fall traf Herrn von Niemojewsst um so härter, als bei der Zwangsversteigerung noch etwas über 100 000 Mark verloren gingen, die von seine» Verwandten auf das Gut eingetragen waren.

Die Geschichte dieses Verkaufs gibt in mehr Äs einer Hinsicht zu denken. Es krtsM in den Portemonnaies der Polen und in den Geld­schränken der polnischen Kampsbanken. Würde man sonst das freilich nur zur Neineren Hälfte er­tragreichen Boden bietende, aber dafür in vorzüg­licher Verkehrslage liegende Gut in deutsche Hände haben zurückgehen lassen? Wie groß waren seinerzeit der Triumph auf polnischer Seite, als das Gut aus der Hand des Deutschen Wildt in die des Herrn v. N. überging, und wie freudig hat man von polnischer Seite noch andere Grundstücke in jener Gegend, auch wenn sie noch leichteren Boden hatten, überzahlt.

Der Kaufpreis, den das Gut in der Subhasta- tion erzielte, betrug 217 000 X das macht auf den Morgen 271% X Wer das Gut mit den jetzt ausgefallenen Hypotheken von 103 000 Jl hätte kaufen wollen, würde den Morgen von Neu­dorf mit 400 M bezahlt haben. Ein Preis, der eben jeden Käufer minieren mußte.

Man sieht, wir nähern uns hier im Osten ge­sünderen Gütcrpreisen. Auch bei anderen An­käufen aus jüngster Zeit ist das hervorgetreten. Das einst so beliebte Drohen der deutschen Be-

Bestellungen für den Monat September auf die ^vterhessische Zeitung" nebst ihren Beilagen werden noch von unserer Expedition (Markt 21) unseren Ausgabestellen in Kirch- hain-, Neustadt und Wetter, sowie von allen Postanstaiten und Landbriesträgern ent» gegengenommLN.

Brunhiwe war überrascht, aber nicht ge­blendet von der Pracht, die in der Billa Hilde­brandt herrschte. In der stolzen Haltung einer Fürstin schritt sie die teppichhelegten Marmor­treppen hinauf, gefolgt von Christoph Wacker­nagel, der sich in seinem langen, schwarzen Ee- sellschastsrock so unbehaglich wie möglich fühlte.

Der Diener in dunkelblauer mit silbernen Borten besetzten Livree wollte den Besuch mit ziemlich hochfahrender Miene empfangen. Als et jedoch der königlichen Gestalt Brunhildens ge­genüberstand, di« ihm mit vornehmer, kühler Lässigkeit de« einfachen Abendmantel zuwarf, da verbeugte et sich tief und nahm den schon recht abgetragenen Mantel in Empfang, als sei tzs ein kostbarer Hermelin, so daß Christoph Wackernagel ihn höhnisch angrinste und ihm seinen Paletot mit stolzer Würde überreichte.

Die Kommerzienrätin empfing den Besuch in ihrem Boudoir. Sie reichte Brunhilde die Hand.Wollen Sie sich zu mir setze«, mein Kind," sagte sie, einen erstaunten Blick über die hohe Gestalt gleiten lassend, welche die ihrige Noch um eine Handbreit überragte.

< -Herr« Wackernagel bitte ich in da« Zimmer

gewandt?" fragte der Kommerzienrat.Das I war unrecht von Dir." I

Ich würde mich überhaupt nicht an Sie ge- I wattdt haben, entgegnete Brunhilds zurückhal- I tsnd,wenn es nicht der ausdrückliche Wunsch I meines Vaters gewesen wäre. Ich fühle mich I stark genug, allein für mich sorgen zu können." I

Das spricht sich sehr leicht aus, mein liebes I Kind," sagte Herr Hildebrandt lebhaft.Die I Jugend denkt sich das so ungemein leicht; es ist I ja auch das gute Recht bet Jugend, hoffen zu I dürfen. Für eine junge, alleinstehende Dame ist I es aber doppelt schwer. Du mußt mit also schon I erlauben, für Dich zu sorgen." I

Wenn Sie mir eine passende Stellung ver- I schaffen könnten, wäre ich Ihnen allerdings sehr I dankbar." I

Vor allem bitte ich Dich, mir das verwandt- I schafttiche Du nicht vorzuenthalten. Ueber alles I anders sprechen wir dann später. Einstweilen I möchte ich Dich bitten, heut« abend zum Tee zu I uns zu kommen. Ich werde Dir um sieben Uhr | meinen Wagen schicken Herr Wackernagel | wird uns gewiß auch das Vergnügen machen, I mitzukommen." I

Wenn ich Ihnen einen Gefallen damit tue, I werde ich gern mitkommen," sagte bet kleine I Maler.Nur dürfen Sie nicht verlangen, daß I ich im Frack komme." I

Ist auch nicht nötig," erwiderte Hildebrandt I lachend.Wir sind ganz unter uns mein« I Frau, unsere Tochter unb unser Sohn." I

»Ich kenne Ihre Herrn Sohn." I

Ah woher denn?" I

»Von den Festen der akademischen Gesell- I

schafft" I

. , »3?> richtig- Ich vergaß, daß Walter sich I sehr für Kunst intetessterft Run denn, um so

Der letzte Pfennig.

Die deutsche Soziademokratte hat sich von jeher durch ihre Uebertreibungen lächerlich ge­macht. Ihre neueste Leistung in dieser Richtung erreicht jedoch den Gipfel. Auf der einen Seite schreibt derVorwärts" wortwörüich davon, daß den Arbeitern der letzte Pfennig durch indirekte Steuern abgepreßt wird", auf der andern berichtet er, daß allein die Berliner Gewerkschastskommis- ston für die schwedischen, im Generalstreik befind­lichen Arbeiter 50 078,20 Jl gesammelt habe. Am Sonntag war von dem Kassierer der General- kommisston eine vorläufige Abrechnung über die gesamten, von deutschen Arbeiterkreisen für den schwedischen Generalstreik aufgebrachten Gelder aufgemacht. Demnach waren bis zum 21. August einschließlich 433 053,60 Jl für diesen Zweck ein­gegangen. Davon waren in drei Raten bereits 350 000 Jl nach Stockholm überwiesen; eine wei­tere Rate sollte folgen. Und nun stelle man diese beiden Vorgänge neben einander! DerVor­wärts", das Zentralorgan der deutschen Sozial­demokratie, behauptet einmal, daß dem deutschen Arbeiter durch indirekte Steuern jetzt der letzte Pfennig abgepreßt werde, sodann meldet er aber, daß derselbe deutsche Arbeiter jetzt schon nahezu eine halbe Million Mark für den schwedischen Generalstreik aufgebracht habe. Das Zentral- organ der Sozialdemokratte muß seine Leser für mehr als dumm halten, wenn es ihnen derartige einander völlig ausschließende Mitteilungen macht. Pressen die indirekten Steuern dem deutschen Ar­beiter den letzten Pfennig ab, so könnte er doch unmöglich eine halbe Million Mark für den ihm völlig fernliegenden Zweck der Unterstützung des schwedischen Abstandes aufbringen. Da er sie aber aufgebracht hat, so kann ihm doch unmöglich der letzte Pfennig" abgepreßt sein. Lächerlicher konnte sich das Zentralorgan der Sozialdemokratte nicht machen. Für alle aber, die sehen können, ergibt sich daraus, daß die deutsche« Arbeiter, sehr im Gegensätze zu den französischen und englischen, die für den Generalausstand recht Wenig aufge­bracht haben, derartige höchst unnötige Ausgaben machen können, die Lehre, daß die deutsche Ar-

Roman aus dem Leben von O. Elster.

(Fortsetzung.)

Je länger er sprach, desto mehr gewann er seine weltmännische Haltung und sein Selbstge­fühl zurück. Es lag in seiner Natur, sich leicht rüfiren zu lassen, aber ebenso rasch schämte et sich dieser Weichheit, die ihm in Anbetracht feiner Stellung nicht angemessen erschien. Et verfiel dann leicht in bas Gegenteil und zeigte eine Kälte, die ihm ursprünglich nicht eigen war. Aber jetzt hielt die weiche Stimmung doch länger an, da ihn die Erscheinung Brunhildes zu schr erschüttert hatte.

Er umarmte das junge Mädchen daher zärt­lich und küßte es auf die Stirn.

»Du sollst mir ein teures Vermächtnis meines atmen Arnold fein, sagte et, iljee schlanke, weiche Hand noch immer festhaltend und ihr freundlich in die Augen sehend.

Aber bei Brunhilde war die weiche Stim­mung schon wieder entschwunden. Sie erkannte mit scharfem Blick, daß die Rührung des On­kels nicht echt war. daß Re nicht aus der Tiefe eines warmen Herzens kam, sondern nur der Ausfluß einer Augenblicksstimmung gewesen war. Sie dachte daran, daß dieser Mann, der Jetzt mit scheinbar tiefem Gefühl von ihrem sätet sprach, sich niemals um das Wohl und Wehe desselben gekümmert, den er jetzt seinen treuesten Freund nannte, und ein erkältendes Gefühl schlich sich in ihr Herz.

Sie entzog sich seiner Umarmung unb zog »uch ihre Hände zurück.

Warum hast Du Dich nicht früher an mich

genbe Entschließung an gegen den Hansabund an:Der B. b. H. stellte fest, baß bet Hansabund auf keinen Fall sich als eine Vertretung des Handwerkerstandes betrachten kann, unb daß diejenigen Handwerker, die dem Hansabund Ge­folgschaft leisten, nicht berechtigt sind, sich als Vertreter des deutschen Handwerks zu bezeich­nen. Ganz besonders erhebt der B. b. H. Ein­spruch gegen bas Auftreten des Ehtcnobetmei- stsrs Richt und versichert, keineswegs zu jenen 300 000 Handwerkers zu gehören, die Herr Richt dem Hansabunde zuführen wollte. Die im B. d. H. vereinigten vielen Tausenden von deutschen Handwerkern warnen ihre Detufsgenossen, den Lockrufen der Warenhäuslet, Eroßbankists, Eroßindusttiellen ufw. Folge zu leisten. Ebenso spricht der D. b. H. seine Verwunderung darüber aus, daß der Berliner Jnnungsausschuß seinen Beitritt zum Hansabund vollzogen hat, womit der Jnnungsausschuß ein« ungesetzliche Hand­lung begangen, die umgehend durch Austritt aus dem Hansabund gutzumachen ist."

Deutsches Reich.

Geburt eines Prinzen in Sachsen-Koburg- Gotha. Reinhardsbrunn, 24. Aug. Die Herzogin Viktoria Adelheid von Sachsen-Koburg-Gotha wurde heute von einem Prinzen entbunden.

* Der erbliche Adel ist dem Besitzer des Audreaeschen Familienfideikommisses Mielen- forst" Christoph Paul Andreae, Rittmeister der Landwehrkavallert« a. D., zu Mielenforst, Bezirk Köln, und dem Besitzer desFrankschen Familien­fideikommisses Marschew" im Kreise Pieschen Carl Maria Alfted Frank verliehen worden.

Aus dem ReichSanzeiger. DerReichsanz." veröfientticht das Gesetz Über die Haftung deS Staates unb anderer Verbände für die Amts- Pflichtverletzungen von Beamten bei Ausübung der öffentlichen Gewalt. Das Gesetz tritt am 1. Oktober 1909 in Kraft.

Aus unseren Kolonien.

Der Handel Kameruns im Jahr« 1908.

Im Vergleich zum Jahre 1907 ist sowohl di« Einfuhr wie die Ausfuhr zurückgegangen; be­sonders beim Export zeigt sich eine beträchtliche Verringerung. Betroffen davon ist in erster Linie der Kautschuk, dessen Wert in der erwähn­ten Spanne Zeit um nahezu 3 Millionen Jl zurückging. In den Produkten der Oelpalrn« zeigt sich ein Nachlassen um rund 1 Million X Auch der Elfenbein-Export fr- rm fast 200 000 Jl verloren: Kakao ging zu- um rund 50 000 Jl. Ein Trost dürfte darin «legen, daß neuer­dings die Preise der Kameruner Produkte, be­sonders des Kautschuks, wieder angezogen haben, so daß die Aussichten für die Abschlüsse des lau- fenben Jahres gute find.

Eingeborenenerziehung in Togo.

Auf ber Tagesordnung bet letzten Eouverne- mentsratssitzung stand auch die Frage der Er­ziehung der Eingeborenen, insbesondere, als eine

meines Mannes zu treten," fuhr sie fort.Fried, rich wird Sie hinbegleiten."

Christoph Wackernagel verbeugte sich stumm und folgte dem voranschreitenden Diener.

Die beiden Frauen standen sich allein gegen­über unb ihre Augen schienen prüfend und fragend ineinander zu ruhen. Die dunklen, stechenden Augen ber Kommerzienrätin blickten kalt unb hochmütig, die blauen Augen Brun­hildens stolz und ruhig. Ihr Herz schlug aller­dings schneller und ihre Wangen überhauchte ein zartes Rot: sie ahnte, sie wußte, daß diese Frau ihr ferneres Schicksal bestimmen würde.

Wie schon so oft, fo war auch hier die erste Begegnung entscheidend für die zukünftige Siel' lang der beiden Frauen zueinander. Sie fühl­ten beide, daß Sympathie sie nicht verbinden würde, ja, in beiden keimte die Ahnung empor, daß sie sich einst als Feindinnen gegenüberstehen könnten.

Obgleich arm und verftlssen, wollte sich Brunhilde dieser stolzen und reichen Frau nicht beugen. Ein Gefühl wie leichter Trotz ein Gefühl, ihr Freiheitsbewußtsein dieser Frau gegenüber erst recht betonen zu sollen, schlich sich in ihr Herz und straffer richtete sich ihre hohe, fräftige Gestalt empor.

Die Kommerzienrätin dagegen erblickte in der Schönheit des jungen Mädchens und in ihrer stolzen Haltung eine Gefahr für sich selbst und für ihr ganzes Haus: eine Gefahr für ihr eige­nes Ansehen unb für ihre Herrschaft: denn sie hatte wohl bemertt, mit welcher unwillkürlichen Ehrerbietung ihr Diener Brunhilde in den Sa­lon geführt. Das war nur ein kleines Zeichen, aber es genügte bet klugen und argwöhnische» Frau, die Gefahr zu wittern.

(Fortsetzung folgt.)