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44. Jahrg.

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

«nd den Beilagen:Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) «nd.Landwirtschaftliche Benage.

Die IasertionSgebühr beträgt für di« 7gespaltene Zeile oder deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. Druck und Verlag: Iah. Aug. Koch, Unwersttätsbuchdruckerei Inhaber Dr. T. Hitz er oth, Marburg, Marft 21. Telephon 55.

W* 1 Sonn» und Feiertage. Der Bezugspreis betragt viertel. I

J1B. LSO «jährlich durch di- Post bezogen 2,25 Mk. (ohne Bestellgeld), ber I DttttttpfSttta IQ 1909

j unfern Zeitungsftellen und der Expedition (Markt 21,) 2 Mk. | ^vIMLlvlUA 1«/. ZlUgUll

Streiks und wirtschaftliche Notlage.

Der neueste Band der Statistik des Deutschen Reiches gibt deinokratischen und liberalen Blättern Stoff zu einigen lehrreichen Fest­stellungen in bezug auf die Streiks. Die allge­meine ungünstige wirtschaftliche Konjunktur bes Jahres 1908 spiegelt sich in der Streikbeweg- UNg wider. Gegenüber dem Vorjahre ging die Zahl der Streiks um 919 zurück, nämlich von 2296 auf 1347.Ein Angriffsstreik bietet eben mu dann Aussicht auf erfolgreiche Durch­führung, wenn die Industrie mit Aufträgen reichlich versehen, das Angebot von Arbeits­kräften infolge davon gering und deshalb die wirtschaftliche Schädigung des Arbeitsgebers wahrscheinlich recht groß rft. Wie bekannt, war das Wirtschaftsjahr 1906 gut, dementsprechend hoch war auch die Zahl der Streiks, nämlich 3328. Diele Tatsachen geben Stoff zum Nach­denken auch für die Arbeiter. Sie zeigtzp näm­lich die Schädlichkeit der Streiks im hellsten Lichte. In Zeiten, wo der Arbeiter reichlich Verdienst hat, zwingt ihn die Sozialdemokratie zum Streik und nimmt ihm das Brot, während sie in Zeiten der Not es ihm überläßt, sich Ver­dienst zu suchen. Das ist doch der Helle Wahn­sinn! Interessant ist auch die Feststellung der Jahreszeit, in der mit Vorliebe gestreikt wird. Von den 1347 Streiks des Jahres 1908 fielen in das Frühjahr (März bis Mai) 496 37

v. H., in den Sommer (Juni bis August) 336 29 v. H. Herbst und Winter blieben hiergegen mit nur 241 und 224 Streiks erheblich zurück. Die günstigste Streikzeit erscheint der Arbeiter­schaft sonach das Frühjahr, speziell der Mai brachte das Maximum mit 201 Streiks. Die schöne, zur Arbeit geeignetste Zeit des Jahres, ist also diejenige, in der die Arbeit gewaltsam durch Streiks lahmgelegt wird. Das, ist die Wirtschaftspolitik der Sozialdemokratie. Es wird die Arbeiter sicherlich auch interessieren zu erfahren, was sie mit den teuren Streiks er­reichen: Von den 1347 Streiks des Jahres 1908 hatten 206 15 v. H. einen vollen, 437 83 v. H. einen teilweisen und 704 52 v. H., über die Hälfte, keinen Erfolg. Nur 11 v. H. der Streikenden konnten ihre Forderungen ganz durchsetzen, 41 v. H. zum Teil, 48 v. H. betei­ligten sich ergebnislos. Derartige Mißerfolg« sollten doch den sozialdemokratisch irre geführ­ten Arbeitern zu denken geben.

Politische Umschau.

Reichssonds.

Im Reiche besteht seit seiner Wiedererrichtung die Instituten von Reichsfonds zur Erreichung bestimmter Zwecke. Aus der französischen Kriegs­kostenentschädigung wurde eine ganze Reibe solcher Fonds dotiert. Davon war recht bald aufge­braucht der Eisenbahnbau- und der Festungsbau­fonds. Zwei dieser Fonds werden demnächst wei­ter eingehen, es sind der Invaliden- und der Reichstagsgebäudefonds. Im letzteren ist nur noch eine ganz bescheidene Summe enthalten, deren Verrechnung demnächst schon erfolgen soll. Der

Reichsinvalidenfonds, der seinerzeit mit 561 Mil­lionen Mark errichtet wurde, hat jetzt bekanntlich nur noch einen Bestand von 70 bis 80 Millionen Mark. Es ist sicher, daß er im Jahre 1911 auf. gebraucht sein wird. Von da ab werden die Aus­gaben, die aus ihm zu bestreiten sind, auf den all­gemeinen Reichshaushaltsetat gebracht und aus den allgemeinen Einnahmen gedeckt werden. Diese Aussicht war ja mit ein Grund zur Durch­führung der diesmaligen Reichsfinanzreform. Die Summe, die aus dem Jnvalidenfonds bestritten wird, beläuft sich noch immer auf jährlich etwa 37 Millionen Mark. Sein Ende ist aber, wie ge­sagt, für das Jahr 1911 vorauszusehen. Ein weiterer Reichsfonds wurde durch das Zolltarif­gesetz vom Jahre 1902 geschaffen, der Hinter- dliebenenversicherungsfonds. Die Summen, die ihm seit denc Inkrafttreten des neuen Zolltarifs, also seit dem 1. März 1906 zugeführt wurden, haben den Erwartungen, die man bei seiner Ein­richtung hegte, nicht entsprochen. Nur im Jahre 1907 ist ein wesentlicher Betrag in ihn gelegt. Man wird seine jetzige Höhe mit etwa 45 Mill. Mark annehmen können. Daß ihm im Sommer beim Finalabschluß der Reichshauptkaffe für 1908 eine bedeutende Erhöhung zuteil werden wird, ist nicht anzunehmen. Immerhin kann er aus dem Jahre 1909 noch mehrere Millionen zugeführt be­kommen. Wie groß oder klein aber diese Neuzu- fiihrungen sein werden, auch dieser Reichsfonds dürfte in seiner bisherigen Gestalt nicht lange mehr existieren. Sobald nämlich die Hinterbliebenen­versicherung, die bekanntlich in der neuen Reichs- Versicherungsordnung ihre Verwirklichung finden soll, eingeführt sein wird, wird er hierfür Ver­wendung finden. Es ist anzunehmen, daß das Hinterbliebenenversicherungsgesetz, wenn auch nicht zu Anfang des Jahres 1910, so doch zu Be­ginn 1911 in Kraft treten wird. Da im Jahre 1911 auch der Jnvalidenfonds aufgebraucht sein wird, so wird von da ab, menschlicher Voraus­sicht nach, in seiner ursprünglichen Gestalt lediglich noch der aus der französischen Kriegskostenent­schädigung mit 120 Millionen Mark dotierte Reichs-Kriegsschatz bestehen.

Kreta.

Konstantinopel, 17. Aug. Sämtliche im hiesigen Hafen liegenden griechischen Schiffe wurden gestern abend boykottiert. Der Boykott, der auf das Schärfste durchgeführt wird, wird auf die Anordnung des jungtürkischen Komitees in Saloniki zurückgeführt.

Smyrna, 17. Aug. Das türkische Geschwa­der, bestehend aus zehn größeren und kleineren Schiffen, sind von hier in See gegangen, wie es heißt, mit der Bestimmungsordre nach Kar- pathos. Die ottomanischen Gesellschaften be­teiligen sich an dem Boykott der Schiffahrt durch Entlastung ihrer griechischen Arbeiter.

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Deutsches Reich.

Vom Reichskanzler. Berlin, 17. Aug. Der Reichskanzler begab sich zum Vortrage beim

Kaiser und zur Teilnahme an der Feier des Ge­burtstages des Kaisers Franz Joseph an der Feier nach Wllhelmshöhe. Der Reichskanzler ist von seinem persönlichen Adjutanten Hauptmann v. Schwartzkoppen begleitet.

Zur Tabaksteuer. Berlin, 17. Aug. Um einem in Jnterestentenkreisen verbreiteten Irr­tum entgegenzutreten, teilt dieNordd. Allgem. Ztg. mit, daß zur Anmeldung unverzollter aus­ländischer Tabakblätter bis zum 21. August 1909 nur jeder Verarbeiter (Fabrikant), nicht auch der Verkäufer oder Händler verpflichtet ist, so­fern er diese Tabakblätter in einer öffentlichen Niederlage oder seinem Privatlager unter amt­lichem Mitverschluß lagern hat.

Versuchte Zollhinterziehung. Schwerwie­gende Folgen werden, wie dieKöln. Ztg." mit­teilt, für eine Kölner Kaffeerösterei dadurch ent­stehen, daß sie den Versuch gemacht hat, Kaffee der Nachverzollung zu entziehen. Um den Nachzoll für etwa 5000 Kilogramm rohen Kaffee zu erspa­ren, hatte die Handlung diese Menge in einen weit ab vom Geschäft liegenden Keller, der zu diesem Zweck besonders angemietet war, versteckt. Bei einer eingehenden Durchsuchung des Hauses durch Beamte des Hauptzollamtes Apostelnkloster nach nachzollpflichttgen Waren wurden in dem erwähn­ten Keller noch 500 Ballen Kaffee im Gewichte von 3000 Kilogramm vorgefunden, 2000 Kilo­gramm waren in der Zwischenzeit bereits heimlich wieder entfernt und verkauft worden. Aus der Signatur der Säcke gelang es den Beamten, den Eigentümer des Kaffees zu ermitteln. Die ©träfe, die der Eigentümer, unter Umständen auch der Besitzer des Kellers, zu erleiden haben, beträgt neben Einziehung des vorgefundenen Kaffees, Wetterfatz für die der Beschlagnahme entzogene Menge von 2000 Kilogramm etwa 10 000 X

Nachklänge zu den Streikunruhen in Ba- disch-Rheinfelden. Wie die Genoffen bei den Stteikunruhen in Badifch-Rheinfelden gehaust ha­ben, kann man aus einem Berichte der sozial­demokratischen FrankfurterVolkssttmme" ersehen. Es heißt da u. a.:Die Gendarmerie war zu schwach, um den Ansturm abzuhalten. Sosott wurde auf die Kanttne und den dazu gehörigen Konfumladen ein Steinbombardement eröffnet. In der Kantine und dem Laden ist keine Fenster- fcheibe mehr ganz, die Kreuzstücke zertrümmett durch mannskopfgroße Steine. Ebenfo schlimm sieht es im ersten Stock dieses Gebäudes aus; hier wohnt ein Fabrikbeamter mit Frau und drei Kin­dern. Auch hier wurde alles kurz und klein ge­schlagen. Bilder und Spiegel und andere Möbel­stücke liegen zertrümmett am Boden zwischen den eingeworfenen Steinen. Viel fchlimmer sieht es aber in den abseits der Fabrik gelegenen Woh­nungen der Fabrikauffeher aus. Es ist kaum zu beschreiben, wie hier die Zerstörungswut gehaust. Fenster. Türen, Bilder und Hausgeräte liegen zer­trümmett da, im wilden Chaos durcheinander, vermengt mft den eingeworfenen Pflastersteinen. Wie groß die Wut der Angriffsmenge gewesen fein muß, erhellt daraus, daß selbst große Karbid­

büchsen und zweiräderige Handkarren durch die Parterrefenster hineingeworfen wurden."

Das Auto auf öffentlicher Sttaße. Ueber den Automobilverkehr auf öffentlichen Straßen hat der Minister der öffentlichen Arbeiten und der Minister des Innern folgende Verfügung erlaßen: Wiederholt ist bei uns Klage über das Verfahren geführt worben, welches die polizei­lichen Exekuttvbeamten angeblich an manchen Orten anwenden, wenn sie der Ansicht find, daß Kraftwagenführer sich nicht innerhalb der vorze- fchriebenen Schnelligkeitsgrenzen halten. Die Boomten vermeiden es dann, wie behauptet wird, bes< öfteren mit voller Absicht, sich zu zeigen oder die Jnsaffen des Kraftwagens darauf aufmerksam zu machen, daß sie Straf­anzeige zu erstatten beabsichtigen. Ein solches Verhalten würde nur geeignet sein, Bestrafun­gen herbeizuführen, nicht aber, llebertretnngen vorzubeugen. Auch ist zuzugeben, daß es den Automobilisten, wenn sie von der behaupteten Zuwiderhandlung erst durch die oft nach län­gerer Frist eingehende Strafverfügung Kennt­nis erhalten, praktisch nahezu unmöglich gemacht wird, sich der zulässigen Rechtsmittel mit Erfolg zu bedienen, selbst wenn sie sich einer Hebet» treiung nicht schuldig gemacht haben. Wir er­achten es deshalb für zweckmäßig, daß die Be­amten in ähnlicher Weise, wie dies in anderen Ländern dem Vernehmen nach mit ausgezeich­netem Erfolge geschieht, die Jnsaffen der Kraft­wagen, welche die Schnelligkeitsgrenze zu über­schreiten scheinen, soweit es nach Lage des ein­zelnen Falles angängig ist, durch Erheben de» Arms, durch Abgeben eines Signals mit weit, hin hörbarer Pfeife oder dergl. darauf aufmerk­sam machen, daß das Automobil nach Ansicht des Beamten zu schnell fährt. Ein solches Ver- halten der Beamten wird voraussichtlich zugleich das im öffentlichen Jntereffe höchst wünschens, wette Ergebnis haben, daß diejenigen Automs- bilfahrer, welche den guten Willen haben, sich im Rahmen der gesetzlichen und polizeilichen Vorschriften zu halten, sich warnen lassen und weitere Uebertretungen vermeiden werden. Euere (Tit.) ersuchen wir ergebenst, gefälligst zu veranlaßen, daß die Gendarmen, Schutzleute, kommunalen Exekutivbeamten usw. innetthalb des ihnen unterstellten Bezirks mft einer ent­sprechenden Anweisung versehen werden.

Ausland.

* * Oesterreich. Wien, 17. Aug. Einer heute stattfindenden Konferenz der Parteiführer de» Abgeordnetenhauses zur Besprechung der Frage, wie das Parlament arbeitsfähig zu machen fei, gingen Besprechungen der einzelnen Parteien voraus. Die parlamentarische Kommission der slawischen Union beschloß gegen die Stimmen der Tschechisch-Radikalen an der Konferenz teil­zunehmen. In dem Beschluß beharrt die Union auf dem Standpuntt der entschiedenen Gegner­schaft gegen das jetzige Regierungssystem und behält sich Beschlüffe vor. Der Vollzugsausschuß der deutschen Partei beschloß, alles zu ver­suchen, um die Arbeitsfähigkeit des Hauses her­beizuführen und eine baldige Einberufung des Reichsrates zu ermöglichen.

Küche und Wissenschaft.

* l Fortsetzung.)

Die Bedeutung des Geruchs und Geschmacks und der durch solche Sinneseindrücke erzeugten Lustgefühle für die Verdauung hat der russische Physiologe Pawlow in präzisester Weise darge­tan. Er zeigte durch meßende Versuche an Tieren welche derart operiert waren, daß bald diese, bald jene der Verdauungsdrüsen ihre Ab­sonderung nach außen entleeren mußten, daß der Sinneneindruck nicht nur die Menge der Ab­sonderungen günstig beeinflußt, wie wir dies in unserem eigenen Munde an der Speichel­bildung beobachten können, sondern daß auch die Zusammensetzung des Sekretes durch die Ee- schmacksstoffe viel mehr noch als durch die eigentlichen Nährstoffe beeinflußt wird. So be­wirken die Bestandteile des Fleischextraktes und nicht die geschmacklosen Eiweißstoffe des Flei­sches die Absonderung eines an Säure und Pepsin besonders reichen und daher im Fleisch kräftig vorhandenen Magensaftes. Besonders bemerkenswert ist, daß die Geschmacksstoffe auck bei diretter Einbringung in den Magen, wobei die Wirkung uns nicht zum Bewußtsein kommt, die Absonderungen beeinflußen. Das^ bewerft am besten, daß die Sorge für guten Geschmack ber Speisen, für deren genügenden Gehalt an Würzstoffen nicht als Verwöhnung, als unbe­rechtigter Sinneskitzel betrachtet werden darf, daß sie vielmehr eine Notwendigkeit ist, wenn wir uns normal ernähren wollen und unser Verdauungsapparat dauernd seine Schuldigkeit tun soll. Andererseits kann ein Uebermatz von Reiz- und Würzstoffen wie jede Ueberreizung «ine» Organes schwere Schädigungen der Ver­dauung bewirken.

Unter den reinen Nährstoffen haben nur die Zuckerarten einen ausgesprochenen fast jeder­mann angenehmen Geschmack und der Zucker wird deshalb in großem Umfange als Würzstoff benutzt. Bekanntlich hat die chemische Industrie eine Reihe von Stoffen hergestellt, welche 200 bis 400 mal süßer sind als Zucker. Obwohl diese Stoffe in den Mengen, welche zur Süßung der Speisen nötig sind, keine giftigen Wirkungen entfalten, hat doch das Gesetz ihre Verwendung statt des Zuckers verboten, weil den mit ihrer Hilfe gesüßten Speisen unb Getränken der Nähr­wert des Zuckers fehlt. Eine sehr nützliche Ver­wendung finden aber diese Süßmittel zur Be­reitung von Speisen und Getränken für Zucker­kranke welch« bekanntlich ost lange Zeit keine Kohl^ydrate, also auch keinen Zucker genießen dürfen. Solche Kranke find wesentlich leichter zu ernähren, wenn man ihnen einige Gerichte durch Sacharin versüßen kann, was durchaus unbÄenklich ist. Auch wo es gilt, Fettlebigkeit durch knappe Diät zu bekämpfen, kann es nütz­lich sein, den Zucker in den Getränken und Kom­potts durch nicht nährendes Sacharin zu ersetzen.

Die Eiweißkörper und Fette find an stch ge­schmacklos; die durch Spaltung des Eiweißes gebildeten Pepton« schmecken bitter; Spuren dieser bitterschmeckenden Stoff find uns ange­nehm; sie entstehen beim Braten und Rösten des Fleisches. Durch Spaltung und Oxydation entstehen aus den Fetten die ranzig schmecken­den niederen Fettsäuren; in geringeren Mengen und kombiniert mit anderen schmeckenden Stof­fen tft uns auch dieser Geschmack angenehm .mb wir erzeugen ihn beim sog. Reifen de» Käses.

Der Geschmack und der Geruch unserer ge­wöhnlichen Nahrungsmittel wird durch Sud- Hunzen, welche deu eigentlich« Nährstoffen tu

den Speisen beigemengt sind und weder als Bauelemente des Körpers noch als Brennstoffe >eutung haben, erzeugt. Bei den pflanzlichen Nahrungsmitteln find es namentlich die orga­nischen Säuren uüd die aus ihrer Vereinigung mit dem gewöhnlichen Alkohol hervorgehenden sogenannten Ester, ferner gewiße Aldehiche, so­wie endlich eine Reihe von sogenannten Kohlen­stoffringen stch ableitender Körper (Benzalde­hyd, Kumarin,' Terpene), welch« als Eesch-macks- und Geruchsstoffe wirken.

Im allgemeinen aber genügen die in den Hauptnahrungsmitteln von vornherein enthal­tenen Würzstoffe unserem Bedürfnis nicht, wir setzen noch besondere Stoffe von starkem Geruch oder Geschmack den Nahrungsmitteln zu.

In dieser Gruppe steht obenan das Koch­salz; ich sagte schon bei der Besprechung der Nährsalze, daß di« Hauptmenge dieses in unseren Speisen dem Körper zugeführten Salzes als Würz- und Eenußstöff und nicht als Nährstoff zur Geltung kommt; wir führen also, und darauf möchte ich besonders Hinweisen, unserem Körper stets erheblich mehr Kochsalz zu, als er brauchen würde, wenn dies Salz nur als Nähr­stoff in Betracht käme.

Zur Gruppe der Würz- und Genußstoffe ge­hören ferner als Bestandteile von Nahrungs­mitteln die schon erwähnten organischen Säuren, di« Essigsäure im Esstg, bi« Zitronen­säure in bet Zitrone, überhaupt die mancherlei Fruchtsäuren unserer Obstsotten, dann bis scharf unb bitter schmeckenden Stoffe, wie solche im Pfeffer, im Senf, im Hopfen vorkommen; ferner müßen hierher auch die ätherischen Oele gerech- net werben, welche den Eenustwett z. B. der Vanille, des Kardamomen und ähnlicher Körper bedinge». Ei» Teil der Würzstoff« «ntsteht.

wie schon angedeutet, erst bei der Zubereitung der Speisen, so bi« Würzstoffe in ber Braten- und Brotkruste, so die Würzstoffe, welche bei der Gärung und Säuerung des Brotes sich bilden; alle diese bisher erwähnten Substanzen wirken schon im Munde durch ihren eigenartigen Ge­schmack und weiterhin im Magen, fie verdienen also den Namen Reiz- ober Würzstoffe.

Ein anderer Teil der hierher gehörenden Stoffe wirkt nicht allein anregend in unserem Verdauungsapparat, sondern auch oder gar vor­wiegend erst, nachdem er vom Darm in das Blut übergetreten ist und dem Zentralnervensystem, dem Gehirn, zugeleitet wurde. Dieser Teil bildet die im engeren Sinne so genannten Genußstoffe. Hierher gehören die Alkaloide des Kaffee, Tee, Kakao; hierher gehött Alkohol, über den wir noch sprechen werden; hierher ist auch das Niko, tin zu rechnen, dem die Tabaksblätter eine» Teil des Genußwertes verdanken.

Man kann, um auf das Beispiel von der Dampfmaschine zurückzukommen, die Genußstoffe mit dem Schmieröl vergleichen, welches, in die Achsenlager gebracht, die Reibungswiderständ« verringert, und, ohne selbst Kraft zu liefern, den Gang der Maschine erleichtert unb der Ab­nutzung der Maschinenteil« vorbeugt. Es wär« also durchaus falsch, den mäßigen Gebrauch solcher Eenußmittel verwerfen zu wollen; fi< sind leicht entbehrlich, wo die Anforderung a» das Nervensystem bei streng geregelter Lebens­weise täglich dieselben bleiben, fie tun dagea« ausgezeichnete Dienste, wo es notwendig wird, einmal vorübergehend die Anforderungen z» steigern. Gleichwohl gilt hier wie wohl kau« sonst der Warnungsruf Mtchts im Uebermatz^

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