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Mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain >

unv den Beilagen:Nach Feierabend" (wöchenüiche Unterhaltungsbeilage) und Landwirtschaftliche Berlage."

DicGberhesstsche Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der

Tk/i iQ4 Sonn- und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt viertel- </=. lv 1 jährlich durch die Post bezogen 2,25 Mk. (ohne Bestellgeld), bei

unfern Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21,j 2 Mk.

Marburg

Dienstag, 17. August 1909.

Die JnsertionSgebübr beträgt für di« 7gefpaltene Zelle oder bereu Raum 15 Pfennig, für Reklamen 80 Pfennig. Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, Unioersttätsbu chdruckere t Inhaber Dr. ®. Hitzeroth, Marburg, Markt 21. Telephon 55.

44. Jahrg.

Umschau im Auslande.

Der griechisch-türkische Konflikt, die Unruhen in Spanien und seine maurischen Kämpfe und Der Generalstreik in Schweden sind auch heute noch die Hauptereignisse, welche die durchaus nicht hochsommerlich-stille äußere Politik beherr­schen. Im Gegenteil, der Konfliktstoff hrt sich ^eher noch vermehrt. Die Vereinigten " Staaten von Nordamerika sind dabei, ihren .-Dienen verschärften Hochschutzzoll zu inaugurie­ren und die mitteleuropäischen Staaten berei­ten Gegenmaßregeln vor. die hoffentlich zu ihrem engeren wirtschaftlichen Zusammenschluß führen, wie er vielen deutschen Politikern in der Form eines mitteleuropäischen Zollbundes als Gegengewicht gegen die großen Weltwirt­schaftsgebiete Rußlands, Amerikas, und bald auch Ereater-Britains vorschwebt. Ferner ist noch von einer Ministerkrisis in Dänemark und vom japanisch-chinesischen Gegensatz kurz zu be­richten.

Zweifelhaft ist der Verlauf der spanischen Kämpfe gegen die maurischen Rif- k a b v l e n. Während die aus französischer Quelle stammenden Nachrichten Spaniens gün­stig lauten, stellen die aus spanischer Feder kom­menden Schilderungen der spanischen Heeresver­waltung und Kriegsführung kein glänzendes Zeugnis aus. Brave spanische Soldaten, die ohne Begeisterung für eine ihnen gleichgültig«, wenn nicht unsympathische Aufgabe bleiben sollen, ohne Ausbildung im Gefecht und in der Waffenhandhabung werden gegen die Vater­lands- und freiheitsliebenden, krkegstüchtigen, gleich Artisten ihre Waffen handhabenden und ihr Roß tummelnden fanatischen und fatalisti­schen Moslems geführt. Auf wessen Seite schließ­lich der Erfolg bleiben wird, ist kaum zweifel­haft. Es müßten denn den Spaniern französische Bajonette und englische Moneten zur Hilfe eilen. Auf jeden Fall würde auch ein glücklicher Ausgang des Kampfes ein weiteres Versinken Spaniens in die französisch-englische Schuld­knechtschaft bedeuten.

Der General ft reik in Schweden nähert sich schnell und sicher seinem Ende, da die Kassen der Streikenden der Erschöpfung nahe sind. Auch der Versuch, die Postbeamten nach französischem Muster zum Streik zu verleiten, darf als gescheitert gelten. Trotzdem befürchtet die Regierung anscheinend noch einen letzten Wutausbruch und Gewaltstreich und hat die Verstärkung der Stockholmer Garnison und Ver­mehrung der Kriegsschiffe im Hafen befohlen. Auf jeden Fall ist die schwedische Industrie durch diesen schweren Schlag um Jahre zurückgewor­fen und die Arbeiter sind ihr Gell» los. In­teressant wäre es, genau festzustellen, wieviele deutsche Arbeitergroschen ins Ausland gegangen find.

^Bedeutungsloser ist die Kabinettskrisis in Dänemark. Der bei allen Parteien ange­sehene Graf Hosstein-Ledreborg hat sich der Aufgabe unterzogen, ein Koalitionsmini, sterium zu bilden. Man hofft, daß seine mit allen Parteiführern gepflogenen Konferenzen

Küche und Wissenschaft.

Erst seit verhältnismäßig kurzer Zeit beschäf­tigt sich die Wissenschaft, wie mit der Ernährung überhaupt, so mit den naturwissenschaftlichen Grundlagen für die Zubereitung unserer Nahr­ung. Aber immer größere Bedeutung gewinnen die hierauf gerichteten Forschungen, und so darfl das bereits in 2. Auflage vorliegende Bändchen von Professor Dr. Johannes Frentzel. Ernähr­ung und Volksnahrungsmittel, neubearbeitet von Prof. Dr. N. Zuntz, (Sammlung wissen­schaftlich-gemeinverständlicher Darstellungen aus allen Gebieten des WissensAus Natur und Eeisteswelt". Bd. 19. 8. 1909. Verlag von D. E Teubner, Leipzig. Preis geh. <M 1., in Leinwand geb. M 1.251 das eine Darstellung der gesamten Ernährungslehre gibt, indem zu­nächst die Körper- wie die Nährstoffe besprochen, die Zubereitung der Nahrung erörtert und ein­gehend der Verdauungsapparat und die chemisch« Wirkung der verschiedenen Verdauungssüste unter Darstellung der hierbei anzuwendenden Untersuchungsmethoden sowie die Frage des Nahrungsbedarfs behandelt wird, während eine Besprechung der einzelnen Volksnahrungsmittel nach Eigenart und Bedeutung jene Darstellung ergänzt, vielfach willkommen sein wird. Wir entnehmen ihm die nachstehcndenAusführungen, die das Wichtigste über die wissenschaftlichen Grundlagen des Kochens zusammenfassen.

Die Nährstoffe werden uns von der Natur meist nicht in einem solchen Zustande geliefert, daß wir sie ohne weiteres genießen können. Einerseits ist die mechanische und chemische Be­schaffenheit der von uns benutzten Nahrungs­mittel vielfach eine solche, daß es gewisser vorbe­reitender Veränderungen bedarf, um sie der Leistungsfähigkeit unserer Kau- und Verdau-

zum Ergebnis und zur Bildung eines neuen Ministeriums führen werden.

Mit einer vorbildlichen Energie haben die gesetzgebenden Faktoren der Vereinigten Staaten von Nordamerika die Vorbereitun­gen zur Einführung des neuen verschärften Schutzzolltarifs erledigt. Das Handels­provisorium mit dem Deutschen Reich ist ge­kündigt und auch die Handelsbeziehungen mit Frankreich werden verschlechtert. Diese ener, gische Schutzzollpolitik wird den amerikanischen Staatsmännern nur dadurch ermöglicht, daß sie die Masse der zwar geistig sehr indolenten, aber kulturell und politisch sehr hoch stehenden Ar­beiterschaft hinter sich, haben. Sie lassen sich von allgemeinen in der praktischen Politik sehr we­nig angebrachten Gefühlsduseleien nicht leiten, sondern richten ihr Verhalten nach praktisch- nüchternen Zweckmäßigkeitserwägungen mit dem Ausland«. Unsere Arbeiter verfolgen meist das entgegengesetzte Prinzip, sind unleidsam und hart gegen ihre Volksgenossen, fließen aber von Sentimentalität und Nachgiebigkeit gegen Fremde über treiben also eine unpatriotische Politik und machen sich dadurch im Jnlande verhaßt und im Auslande lächerlich.

Kreta.

Konstantinopel, 14. August. Der Turguie" zufolge wurde die definitive Ant­wortnote der Türkei gestern Abend nach Athen telegraphiert. Anschließend führt das Blatt aus: Wenn die Großmächte einem bewaffneten Konflikt vorbeugen wollen, so müssen sie di« bona fides Griechenlands garantieren und mit der Türkei über ein definitives Autonomie- statut für Kreta verhandeln.

Paris, 14. Aug. Infolge der Mitteilung der kretischen Regierung beschlossen die Schutz­mächte, je ein zweites Kriegsschiff nach Kanea zu schicken. England ordnete die sofortige Ab­fahrt eines bei Malta stationierten Schiffes an und hält ein drittes bereit. Frankreich ließ heute Vormittag den PanzerkreuzerVictor $ugo* von Toulon nach Kanea abgehen und hält ebenfalls ein drittes Schiff bereit. Italien wird gleichfalls ein zweites Schiff entsenden und trifft dieselben Vorbereitungen wie Eng­land und Frankreich. Rußland wird bis zur Ankunft des zweiten russischen Kriegsschiffes in den kretischen Gewässern ein Kanonenboot dort­hin beordern. Sobald die Verstärkung der See­streitkräfte in den kretischen Gewässern voll­zogen ist, wird zur gewaltsamen Entfernung der Strittigen griechischen Flagge geschritten werden, wenn diese bis dahin von den Kretern nicht be­reits niedergeholt sein sollte.

Kanea, 14. Aug. Die kretische Regierung benachrichtigte die Generalkonsuln der Schutz- mächt«, daß ihr Zureden erfolglos gewesen sei und daß sie nicht in der Lage sei, die auf der Festung Kanea gehißte Flagge zu entfernen. Die kretische Regierung berief für heute di« kretffch« Deputiertenversammlung «in; sie wird ihre Demission geben.

Paris, 14. Aug. Der Korrespondent der Temps" in Konstantinopel telegraphiert: Er

ungsapparate anzupassen, andererseits bezweckt die küchenmäßige Zubereitung der Speisen ge­wisse Veränderungen des Geruchs und Ge­schmacks, welche notwendig find, damit wir sie mit Lust aufnehmen, und endlich haften den Nahrungsmitteln häufig schädliche Eigenschaften an, welche erst durch die Zubereitung beseitigt werden müssen. Durch das Kochen, Backen und Rösten der vegetabilischen Nahrungsmittel wird der Nährstoff, welcher in ihnen in größter Menge enthalten ist. die Stärke, unter Wasser­aufnahme zum Quellen gebracht, sie wird, wie das die Hausfrauen an der bei der Wäsche und zur Bereitung vieler süßer Speisen benutzten reinen Stärke beobchten können, verkleistert. Stärkekleister wird aber durch den Mund- und Vauchspeichel sehr viel schneller gelöst als die un­veränderten Stärkekörner. Ein zweites Moment, welches hauptsächlich bei planzlichen aber auch bei vielen tierischen Nahrungsmitteln in Be­tracht kommt, ist die Eröffnung der die Nähr­stoffe einschließenden Zellmembran. Diese Er­öffnung geschieht ja bis zu einem gewissen Grade durch das Kauen, und darum fft sorgfältiges Kauen besonders bei Pflanzenkost die Vorbe­dingung einer guten Verdauung und Bekömm­lichkeit.

Aber auch die besten Kauwerkzeuge des Men­schen reichen vielfach zur Erzielung einer aus­reichenden Zertrümmerung der oft sehr zähen Membrane nicht aus, viel weniger noch kann die-" ser Erfolg erreicht werden, wenn, wie das so häufig der Fall ist, einzelne Zähne fehlen oder schadhaft sind. Bei der küchenmätzigen Zubereit­ung der Speisen bewirken wir die Zertrümmer­ung vielfach durch Hacken, Zerwiegen, Durchtrei­ben der Stoffe durch Siebe verschiedener Fein­heit. Das wichtigste Mittel zur Eröffnung der Zellhüllen ist aber das Kochen. Der in den

könne, daß, wenn die Antwort Griechenlands auf die neue türkische Note nicht befriedigend ausfalle, der diplomatische Bruch zwischen der Türkei und Griechenland unmittelbar folgen werde. Die Session des türkischen Parlaments ist bis zum 21. Argust verlängert worden. Auf einem Bankett, das gestern von Offizieren zu Ehren des Generalissimus Schewket Pascha ver­anstaltet wurde, wurden kriegerische Reden ge­halten, welche hier viel kommentiert werden. Selbst wenn die Intervention der Mächte in Kanea zu einem prompten Resultat führt, so schreibt dieTemps" bleibt als großer Brenn­punkt bestehen die türkische Note, welche von Griechenland eine formelle Erklärung bezüglich Kretas fordert. Auch in Athen ist die Stimmung heute nicht weniger erregt als in Konstantino­pel und zwar ebensowohl in Offizierskreisen, wie in der Bevölkerung.

Rom, 14. Aug. Wie dieTribuna" aus Neapel meldet, hat der KreuzerFerrusio" Neapel mit einer geheimen Order verlassen. Der Kreuzer begibt sich, gemäß der von den Schutzmächten getroffenen Vereinbarung, als zweites italienisches Kriegsschiff nach den kreti­schen Gewässern, wo sich der KreuzerVettor Pisani" bereits befindet.

Konstantinopel, 14. Aug. Den Vor­stellungen, die die Botschafter der Schutzmächte, wie bereits gemeldet, bei der Pforte gehabt haben, ist gestern eine gemeinsame Beratung Über die Maßnahmen zur Vermeidung eines bewaffneten Zusammenstoßes vorangegangen. Für die Vorstellungen wurde die Form einer gemeinsamen Note gewählt, in welcher erklärt wird, die Schutzmächte gewährleisten der Türkei die Oberhohheit über Kreta, seien jedoch ent­schlossen, den Ausbruch eines Krieges zu ver­hüten. Sie lenkten die Aufmerksamkeit der Re­gierung darauf, daß ein Erscheinen der türki­schen Flotte vor Kreta die Eesahr ernster $er« Wicklungen mit sich bringe und forderten die Pforte auf, die Flotte aus den kretischen Ge­wässern zurückzuziehen, sowie Maßregeln zur Beruhigung der kriegeriscken Stimmung im Lande zu ergreifen. Aus Anatolien sind große Truppentransporte nach Saloniki unterwegs. Nachrichten aus Kanea besagen, daß auf der ganzen Insel starke Erregung herrsche; täglich finden Versammlungen statt.

Paris, 15. Aug.Petit Parisien" schreibt: Voraussichtlich wird das internationale Ge­schwader am Dienstag in einer Stärke von acht Schiffen vor Kreta vollständig fein. Es mirb, wenn bis dahin di« Kreter den Forderungen der Mächte nicht nachgegeben haben, zu energi­schen Maßnahmen greifen. Am Dienstag wer­den wenigstens gegen 1000 Mann Landungs­truppen zur Verfügung stehen. Wenn Truppen gelandet »erben, wird man einfach auf den Status zurückgreifen, wie er vor dem 27. Juli bestanden hat.

Konstantinopel, 15. Aug. Wie die Blätter mellten, richtete die Pforte an die Pro- vinzbehörden die Aufforderung, der Bevölker­ung zu empfehlen, daß sie ihr« Kaltblütigkeit bewahren und antigriechische Kundgebungen oder Akte, welche Mißverständnisse veranlassen

Knuten, vermeiden, weil die Bezkehungen zwi. scheu Griechenland und der Türkei normal seien.

Kanea, 15. Aug. Während der Ankunft der Mitglieder der Deputiertenverfammlung drang gestern Abend ein« Bande bewaffneter Landleut« in die Stadt und besetzte die Festung, um die Flagge zu schützen.

Politische Umschau.

Som Generalstreik in Schweden.

Stockholm, 14. Aug. Auch der zehnte Tag des Massenstreiks ist ohneStörung der Ord­nung verlaufen. Die Streikende bewahren eine besonnene Haltung, viele machen Ausflüge in die Umgebung von Stockholm, fischen hier und genießen in aller Ruhe das prächtige Wetter. Die organisierten Arbeiter beharren noch im­mer fest auf ihrem Standpunkt, zeigen aber keinerlei Enthusiasmus, die Nicht-Organisierten siild bereits wankend geworden. An mehreren Plätzen wurde die Arbeit wieder ausgenommen. De Typographenstreik hat seinen Zweck ganz verfehlt; vielfach wird hier nicht gestreikt. Viel­fach wird der Bruch des Vertrages scharf verur­teilt, und di« Wiederaufnahme der Arbeit ge­wünscht. Die Zeitungen erscheinen täglich regel­mäßig. Die Abstimmung unter den organisier- ten Eisenbahnarbeitern dürfte nach den bis jetzt bekannten Ergebnissen gegen den Streik ausfallen. Sollte der Streik der Landarbeiter Wirklichkeit werden, so wird er trotz scharfer Agitation auf wenige Gegenden einzelner Pro­vinzen beschränkt bleiben. Die staatlichen Werk« und Institutionen arbeiten ohne jede Betriebs, störung. . Die Streikleitung versucht, jetzt die Straßenfeger in den Streik hineinzuziehen, wahrscheinlich aber ohne Erfolg. Sollten die Straßenfeger Montag nicht zur Arbeit zurück- kehren, ist die Bürgerwehr bereit, auch dielen Dienst auszuüben. Der Zuzug ausländischer Arbeiter wurde hier niemals erörtert, da für ihn keine Notwendigkeit besteht. Der König unb die Regierung., stimmen in ihrer Stellung zur Streitfrage vollständig überein. An eine Ver­mittlung zwischen den Parteien kann wohl nicht gedacht werden, so lange keine von beiden hier­um Bittet. Das Straßenleben hat seine ge­wöhnliche Physiognomie angenommen: Ver­kehrsmittel aller Art sind wieder im Betrieb«. Zur Aufnahme der Arbeit im Hafen meldeten sich am Montag genug nichkoroonisierte Arbei­ter. Die Kohlendampfer werden ihre Ladungen löschen können. Die Zufuhr von Lebensrnitteln, Milch. Brot und Eis ist reichlich. Der Geist des Militärs in der Hauptstadt und in den Pro­vinzen ist vorzüglich. Es iss von dieser Seite niemals zu Demonstrationen oder Sympathie­kundgebungen für die Streikenden gekommen.

Göteborg, 14. August. 10 organisierte Hafenarbeiter nahmen gestern tr»tz des Pro­testes des Fachvereins die Arbeit wieder auf; außerdem meldete sich eine Antahl Nichtorgani­sierte Arbeiter zur Arbeit im Hasen, sodaß dort jetzt insgesamt etwa 200 tätig sind. Die Nicht, organisierten beschlossen, am Montag die Arbeit allgemein wieder aufzunehmen.

Zellen sich entwickelnde Dampf und das starke Aufquellen der Stärkekörner und einiger an­derer Jnhaltsstoffe bewirkt ein Platzen der Zell­membranen.

Ein gutes Beispiel, welches das eben Gesagte illustriert, liefert unter anderem der käufliche Reis. Das Reiskorn ist derart hart und fest, daß es selbst recht wirksamen mechanischen An­griffen erheblichen Widerstand bietet; kochen wir es aber nut kurze Zeit mit Wasser, so quillt das Reiskorn auf, zerplatzt und wird so weich, daß wir es ohne die geringste Mühe zu Brei zer­drücken können.

Auf technischem Wege wird dieser Zweck des Freimachens der Nährstoffe bis zu einem ge­wissen Grade durch mechanische Vorgänge er­reicht. wie das z. B. bei der Herstellung der Mehle der Fall ist.

Beim Fleisch wird durch das Kochen, Rösten usw. die Schmackhaftigkeit, aber oft auch die Verdaulichkeit erhöht.

Es ist hier vielleicht am Platze, an den Un­terschied zu erinnern, der besteht, wenn man rohes Fleisch mit kaltem oder heißem Wasser aufsetzt. In heißem Wasser wird ziemlich sofort das Eiweiß, welches im Fleischsaft enthalten ist, am äußeren Rande zum Gerinnen gebracht, die Poren des Fleischstückes verstopfen sich auf diese Weise, die Extraktivstoffe des Fleisches können nicht weiter ausgelaugt werden, Saft und Ex­traktivstoffe bleiben im Fleische, und wir er­halten schließlich ein weiches, saftiges, wohl­schmeckendes Stück Fleisch und eine sich nur wenig von warmem Wasser unterscheidende Brühe.

Das kalt« Wasser laugt, bis es heiß wird, ziemlich vollständig den Fleischsast und die Ex­traktivstoffe aus; sobald das Wasser heiß genug ist, gerinnen die in die Lösung Lbergegangenen

Eiweißstoffe; weil dieselben aber ein unansehn­liches Aeußere haben, werden sie von der Köchin zumeist durch Abschäumen entfernt und der ent­stehenden Fleischbrühe so der wesentlichste Nähr- stoff genommen. Wir erhalten hier schließlich em ausgekochtes Stück Fleisch und eine wohl, schmeckende oder, wie das Volk sagt, kräftige Brühe. Daß aber Fleischbrühe einen ernstlich in Betracht kommenden Wert als Nahrungsmit. tel habe,, ist eine unberechtigte Annahme, de. man immer noch in den weitesten Kreisen b«. gegnet. Ich konnte zwar durch Ernährungsver­suche am Hunde mit großen Mengen konzentrier­ter Fleischbrühe nachweisen, daß ein erheblicher Terl der darin enthaltenen sogenannten Extrak­tivstoffe im Körper zersetzt wird und dabei die Bedeutting einer Kraftquelle hat, aber in den Quantitäten Fleischbrühe, welche wir aufzuneh- men pflegen, ist doch die M nge dieser Stoff« äußerst gering int Vergleich zur Gesamtmenge unserer Nährstoffe. Das, was der Fleischbrühe ihren Wert verleiht, find die Würz- und Genuß­stoffe, die in ihr enthalten sind, und in geeig­neter Konzentration oder auch in fester Form als Fleischexttakt in den Handel gebracht wer­den. Die Fleischbrühe regt im Magen die Ab­sonderung großer Mengen an Pepsin und Salz­säure besonders reichen Magensaftes an, sie för­dert deshalb die Verdauung der Einweißkörper, regt zur Aufnahme wetterer Nahrung an und ist also ein Eenußmittel par excellence; deshalb ihr« große und seaenbrtngende Verwendung am Krankenbett und bei der Ernährung von Rekon­valeszenten; die Kraft, d. h. der Nährstoff, liegt S»m Teil im Ascheneimer in Form des bei der Zubereitung abgeschäumten Eiweißes; die meist« Kratt enthält aber das ausgekocht« RindfleisL, »«1^« hart und zäh ist und uns nicht irorije schmeckt. (Fortsetzung folgt.) !