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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain U
und den Beilagen: „Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und.Landwirtschaftliche Beilage
Die InsertionSqebühr beträgt für die 7gespaltene Zette ____ cn____ ik oi-vr____ 'on
oder deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. — *A CV
Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, UnioersttätSbuchdruckerei ■O*y*,B*
Druck und Verlag: „ .
Inhaber Dr. (5. Hitzerotb, Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
Marburg
Sonntag, 15. August 1909.
Die „Sberhesstfche Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Son«, und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt viertel- jährlich durch die Post bezogen 2,25 Mk. (ohne Bestellgeld), bei unfern Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21.) 2 Mk.
Zweites Blatt
es
lichen Schar Ausflügler zusammen und die Kaiserstratze abioärts ziehend nach Hausen, ertönten fröhliche Weisen abwechselnd aus lustigen Kehlen. Im Dorfe Velmeden rasteten wir kurze Zeit, auf den Zug wartend, welcher uns kurz nach 4 Uhr zur ton reichen Stadt Großalmerode brachte. Fabriken für Schmelztiegel, Tonröhren, Tonpfeifen und Glastelegraphen- Stangeu beschäftigen hier eine große Arbeiterbevölkerung. Im Rathauskeller erwartete uns ein mit Liebe zubereitetes Esten, dem auch gut zugesprochen wurde. Ein Mitwanderer, der sich an beiden Tagen durch Auskneifen ausgezeichnet, wurde hier zu einer Runde verdonnert und in Knittelversen unter großer Heiterkeit besungen. Die Scheidestunde schlug nur zu bald und während 5 Teilnehmer mit dem Zügele über Walburg abfuhren, wanderten die anderen 4 über den Pfaffenberg nach Helsa, wo sie sich wieder mit ihren Genossen im Zug nach Cassel vereinten. Cassel und den Casseler Hof erreichten wir kurz vor 10 Uhr. Nach kurzem Abendschoppen war jeder froh ins Bett zu kommen, doch passen die Nachtgeräusche einer großen Stadt dem müden Wanderer schlecht und hatten die meisten nur wenig Schlaf gehabt, als wir uns um 5 Uhr morgens zum Kaffee setzten. Nachdem wir, wie an jedem Morgen, unsere Rucksäcke als Expreßgut aufgegeben, bestiegen wir das 5.48 Uhr-Zügele und langten gegen 7 Uhr in Wolfhagen an. Die Fahrt um den Habichtswald' herum bot schöne Blicke auf die 5—600 Meter hohen Berge Dörnberg, Bärenberg, Jsthaberg u. a. Von Wolfhagen schlugen wir zuerst einen Feldweg ein und später die Landstraße nehmend erreichten wir Ippinghausen und die 504 Meter hohe Weidelsburg um 8 Uhr 45 Minuten. Diese schon seit 300 Jahren in Trümmern liegende Burg ist durch dann und wann wiederholte Aus- speitzung immer noch in leidlichem Zustand erhalten und bietet von der Plattform des restaurierten ’-meS einen großartigen Rundblick. Nach hier ei1 mmencm Frühstück führte unser Weg steil den Berg :,inab nach einem Wäldchen und von da nach dem alten, am Berge hängenden Städtcken Naumburg, wo wir im Tale einzogen und in kwckfter Höbe hinaustraten auf die Straße durch herrlicken Wald zur Waldeckschen Grenze und von da abwärts nach Netze. Mittlerweile war es sehr heiß geworden und nachdem wir über den lang Hinziehenden Feldweg geschritten, die Straße vor dem Städtchen Waldeck erreichten, waren wir sehr froh, einen fließenden Brunnen vor einem Gutshof zu finden, wo wir den leckenden Gaumen an feudi ten konnten. Im Schlosse Waldeck fanden wir eine Anzahl Touristen aus anderen Gegenden, genossen von der Terrasse die herrlichsten Blicke auf die schöne Aue, welche bald mit Wasser gefüllt zur Edertalsperre wird, umrahmt von stolzen Höhen des Wildimaer und Heina-Gebirges. Unter guter Führung besuchten wir die alten Gelaffe, Kerker und Folterkammern der Burg, hörten zu, wie nach 10 Sekunden ein hinab ges-bütteter Becker voll Wasser auf dem Spiegel des 120 Meter tiefen Brunnens aufschlug und nachdem wir uns gestärkt, teilten wir unsere Kolonne wieder in zwei Teile, wovon der eine im Wagen nach Wildungen fuhr und der andere Teil nach Buhlen wanderte und mit der neuen Bahnstrecke nach Wildunqen fuhr, wo wir uns kurz nach 4 Uhr wieder vereinten, an der neuen Känigsquelle einen Becher Wasser tranken und den Klängen des Orchesters lauschten, dann die Brunnen-Allee entlang gingen und uns an der Georg Viktor-Quelle dem großen Haufen der Promcnaden-Bummler anscklos- sen. Um 6 Uhr speisten wir im Hotel Zimmermann in vorzüglichster Weise, trafen später nock mit einigen Herren der Sektion Wildungen des N. H. T. V. "im Deutschen Haus zusammen, welche uns von der von ihnen geplanten Tour nach Marburg am 22. d. M. Mitteilung machten und bestiegen um 8,37 den Zug, welcher uns nach kurzem Aufenthalt in Wabern
nennen, wenn Du hier und anderswo auf der Gesellenherberge kommst, die Gesellenlade offen steht, Büchse, Briefe, Siegel, Geld und Gut darinnen. Und draußen liegen günstige Meister vnd Gesellen, Jung und Alt um den Tisch herum sttzen und halten eine stille Umfrage, gleich wie hier geschehen?
Antwort: Mein Schmied, ich tu mich nennen, Ferdinand Silbernagel, dem Essen und Trinken Wohl tut. Este» und Trinken hat mich ernährt,
Der Wirtin Töchterlein.
Ich stand auf hohem Berge, Schaute hin und schaute her. Und da kam ein lust'ger Fuhrmann Im Tal gefahren daher.
Seine Peitsche tut schnalzen, Sein Wagen rauscht wie Panier Und ein Fuhrmann ist mir Hebet Al» von Andern drei und vier.
Marburg und Umgegend.
(Nachdruck aller Originalartikel ist gemäß § 18 de» Urheberrechts nur mit der deutlichen Quellenangabe „Oberheff. Ztg." gestattet.)
Marburg, 14. August.
■- * O. H. T. B. In drei Tagen quer durch Nieder- heffen zu reifen war die diesjährige Parole und fan-
sich 9 Teilnehmer am Samstag Abend 6,24 zur Abfahrt ein. Die gewöhnliche Samstag-Abend-Zug- verspätung war auch an diesem Abend da und so erreichten wir unsere Quartiere in Rotenburg a. F. erst gegen 10 Uhr. Nach einer kleinen Stärkmtg wurden die Betten aufgesucht und in aller Frühe am Sonntag Morgen ein Rundgang durch das alte Städtchen gemacht. Das Wandern am frühen Morgen in kühler, nebliger Luft war sehr wohltuend und erreichten wir den Turm auf dem Alheimer (548 m) kurz nach 8 Uhr. Unten wogte ein Nebelmeer, weiß wie Schnee, die verschiedenen Kuppen des Stölzn- zinger Gebirges und der Meißner ragten darüber heraus und beim Abstieg kam langsam die Sonne hervor und verdrängte den Nebel. Bon Rotenburg brachte uns die Bahn Über Bebra, wo wieder Zug- Verspätung eintrat, nach Hoheneiche. Der Aufstieg zur Boyneburg (512 m) wurde teils auf dem linken von der Straße abführenden Fußweg und vom anderen Teil über Wichmannshausen gemacht. Letzterer Weg ist viel bequemer und kaum länger. Nach Besichtigung der wenigen tteberreste dieser alten Bar- barossa-Burg und einem Rundblick auf die mit leichtem Nebel überzogenen Nachbarberge schlugen wir den schönen Waldweg über Hof Harmutshausen ein und erreichten unsere Kaffeestation Netra gegen 3% Uhr, wo wir unter schattigen Bäumen die heißen Sonnenstrahlen, durch die wir gewandert, vergaben und frisch gestärkt die Reise zum Glanzpunkt des Tages, dem Heldrastein, antraten. Der Heldrastein (501 m), dessen weiße Felsen, teils Überhän- gcnb, mehr denn 100 Meter sich über den von der Werra aufsteigenden Hochwald senkrecht erheben, bietet von seinem Karl Alexander-Turm eine herrliche^ Rundsicht und läßt sich auch von Marburg aus in einem Tage besuchen, allerdings ist die Bahnfahrt etwas länglich! Auf serpentinen Wegen hinab durch prächtigen Hochwald zum Ufer der Werra erreichten wir gegen 8 Uhr Großburschla und fuhren am hohen Karrenberg, der Plesse und den Leuchibergen vorüber nach Eschwege, wo wir kurz nach 9 Uhr eintrafen und uns zum wohlverdienten Mahle im Hotel Hartmann niederließen. Nach guter Ruhe und einem kleinen Rundgang durch die Stadt schritten wir zum Bahnhof und erreichten Albungen gegen 8 Uhr früh. An der Ruine Bilstein vorbei, das schöne Höllental aufwärts passierten wir die Pension Frau Holle und lenkten unsere Schritte links ab über Abterode und Vockerode z um Meißner, erreichten das verlassene Gasthaus Schwalbental und schritten an den mit Braunkohlendunst geschwängerten Senkungen vorüber hinauf zur Kalbe, dem schönsten Aussichtspunkte, welchen wir gegen 11 Uhr erreichten. Hier wurde eine längere Rast gemacht und dann der Weg zum Dieh- hans angetreten. An den großen Wiesen, wo überall Heu gemacht wurde, angekommen, grollte uns ein Donnerwetter entgegen, doch war dessen Enlladung auf dem Meißner nur wenige Tropfen und störte die Leute kaum in ihrer Beschäftigung. Im Diehhaus stärkten wir uns für den Weitermarsch nach der Kitzkammer und den Seesteinen, einem herrlich angelegten Picknickplatze an der Seesteinwand, gekrönt von dem Kaiserstein. Hier trafen wir mit einer fröh
"ns der Blütezeit I darüber hab ich manchen schönen Pfennig ver-
de§ «^dnt)tt)6rf§burj(5cnlcbcn§ unb bc3 I Diese Vexierfragen, deren Zweck wohl darin « I b^iand, 3“ prüfen, ob der Ankömmling einen
. I Hellen Kopf hatte, waren landauf und landab
Von L. Mü Her. I im Schwange. Auch die Fuhrleute hatte man in
lForttetzung.) I früheren Zeiten die Herren von der Landstraße
In den Eesellenstuben auf der Herberge ^"At. Wenn sie daherkamen, ließen sie lustig herrschte stets guter Humor. Kam ein Kunde I die Peitsche knallen und rhr Rößlein lustig rinder das. Wandern verstand, zugereist, so fand I hertraben Sie lagen das ganze Jahr wie die denn die Prüfung des Handwerkers statt. Von Handwerksburschen auf der Landstraße und bil- einer solchen ist uns noch eine solche von der beten wie diese eine feste Vereinigung, die erst edlen Schmiedezunst erhalten. Zwischen den Mit dem Beginn der Eisenbahnen ihr Ende er- Fremden und dem Altgesellen entspann sich fol- “x$te: Auf den Fahrmannskneipen hatten ste gendes Gespräch' I rhre eigene Berechnung, die ihnen der Wirt mit
Frage: Grüß Dich Gott, mein Schmied? Kreide auf den Tisch schrieb Jede Null bedeu- Antwort: Dank Dir Gott, mein Schmied' tete einen Taler X war gleich 10 gute Groschen, Frage: Mein Schmied, wo streichst Du her X gletd) 5 gute Groschen wahrend der vierfache
daß Deine Schuhe so staubig Dein Haar so 1 einen Groschen bedeutete, so daß z. B. krausig, Dein Bart auf beiden Backen heraus- ber hannoversche Taler zu 36 damaligen han- fährt? Du hast eine meisterliche Art und Ge- I noverschen Groschen angenommen, folgende statt: Du bist weder jung noch alt. Denkst Du I Reihe ergab: OOVIIXIVIIXOIIII mit der Zeit Meister zu werden? I und die Summe von 4 Taler und 3 gute Ero-
Antwort: Mein Schmied, ich streich' daher I ausmachte. Als Trinkgeld für die Magd mußte übers Land, wie der Krebs über den Sand I sorgens jeder Fuhrmann 1 Groschen für Stie- wie der Fisch übers Meer, daß ich mich jungen i 'e!tc^'5en bezahlen und in einen vom Wirt Hufschmied ernähr. Mein Schmied, ich gedenke I Kreide gezeichneten Ring legen, weßhalb Meister zu werden, Ist es gleich nicht hier, ist I rhn den Lochgroschen nannte. Auch ihre es wo anders schier. I Extra-Lieder hatten die Fuhrleute, wie z. B.
Frage: Mein Schmied, wie tust Du Dich I folgendes:
etwas nach 11 Uhr in der Heimat landete, Wohl befriedigt mit der so schön verlaufenen Wanderung. Frisch auf!
* Nachnahme auf Frachtgut und Barvor- Mffe. Nach der alten Verkehrsordnung konnte die Eisenbahn die Belastung des zu befördernden Gutes mit Nachnahme verweigern, wenn das Gut nach dem Ermessen der Bahn schnellem Verderben unterlag oder wegen seines geringen Wertes die Fracht nicht sicher deckte und deshalb die Fracht auf Verlangen vorauszuzahlen war. Diese besonders für kleinere Versandgeschäfte unangenehme Bestimmung ist durch die neue Eisenbahnverkehrsordnung rom 1. April 1909 in Wegfall gekommen. Die oben bezeichneten Güter können nunmehr mit Nachnahme belastet werden. Die Eisenbahn kann auch auf Sendungen, die mit Nachnahme belastet sind, dem Absender Barvorschüffe gewähren, und zwar bis zur Höhe von 10 Mark für eine Sendung. Auf Güter der obenbezeichneten Art aber, für welche die Eisenbahn die Vorauszahlung der Fracht verlangen darf, ferner für bahnlagernde Güter werden Barvorschüffe nicht gewährt.
* Fliegen. Als Fliegenvertilgungsmittel von ganz besonderer Wirksamkeit empfiehlt ein in Südfrankreich lebender Mitarbeiter der „Nature" das Formalin, dessen Verhalten gleichzeittg sehr intereffante Schlüsse auf den Geruchsinn der Fliege gestattet. Zwei Teelöffel Formalin in einem mit Wasser gefüllten Srtppenteller sind ausreichend, um einen Raum mit Fliegen zu säubern. Namentlich am fttihen Nachmittag ziehen die Fliegen heran, um davon zu trinken. Eine einzige solcher „Fallen" vernichtet in einem Raum täglich Hunderte von Fliegen. Das Formalinwaffer läßt zudem die unnütze Grausamkeit vermeiden, wie sie bei anderen Fanavorrichiunaen vorkommt, an denen die Tiere sich buchstäblich zu Todx, zappeln.
Milteilnnaen aus brüt Velerfreiie.
Unter dieser Rubrik veröffentlicht Sie Redaktion Stimmen aus ihrem Leserkreis. Für die hierin ausgesprochenen Ansichten und Tendenzen übernimmt die Redaktion <außer der preßgesetzlicken) keine Verantwortung, diese bleibt vielmehr dem Einsender Überlaffen.
Marburg, 14. August 1909.
Es unterliegt wohl keinem Zweifel, daß die Straßen deswegen einen Namen erhalten, um den allgemeinen Verkehr zu erleichtern. Aus diesem Grunde ist es auch notwendig, daß über die Bezeichnung einer Straße kein Zweifel herrschen kann, namentlich da nicht, wo es sich um die Verlängerung einer Straße handelt, die in vielen Fällen gar keine Verlängerung einer alten Straße, sondern eine Straße für sich ist.
Hier in Marburg haben wir ein solches Beispiel in der Wörth st ratze. Der Teil des Stratzenzugs, der zwischen Friedrichsplah und Schwanallee liegt, hat leider auch den Namen Wörihstraße erhalten; hierdurch wird aber das Auffinden der Bewohner in diesem Teile der Wörihstraße außerordentlich er- sckwert. Jeder, der in der Wörihstraße ein Haus sucht, denkt, daß diese Straße bei dem Friedrichsplatze endigt und nicht später noch weiter geht. So liegt das Haus Nr. 42 der Wörihstraße vor dem Friedrichs-
Platz, wie auch noch die Häuser Nr. 44, 46, 48 und 50. Die Häuser Wörihstraße Nr. 41 und 52 liegen aber hinter dem Friedrichsplatze und sind durch den Friedrichsplah und viele andere Häuser an diesem Platze von den vorhergehenden Häusern getrennt.
Welche Schwierigkeiten da beim Auffuchen der Häuser entstehen, kann man sich leicht vorstellen, denn wer in das Haus Nr. 41 will, nimmt doch mit Bestimmtheit an, daß es in der Nähe des Hauses Nr. 42 liegt, aber da kann er lange suchen.
Da nun der Straßenzug vom Friedrichsplatze bis zur Schwanallee nun alle Bedingungen dafür in sich trägt, daß er eine selbständige Straße ist, so möchten wir unsere Stadtverwaltung dringend bitten, dieser Straße auch einen eigenen Namen zu geben. Jetzt, wo erst zivei Häuser in diesem Teile der Wörihstraße stehen, ist die Namensänderung noch ohne große Schwierigkeiten durchzuführen.
Wir möchten Vorschlägen, dieser Straße den Namen Spichern zu geben, im Angedenken an die glorreiche Schlacht bei Spichern. In diesem Falle hätten wir Wörth, Weißenburg und Spichern, die drei ersten helleuchtenden Ruhmessterne aus dem stegdurchwebten Kriege von 1870 nahe zusammen.
Also frisch ans Werk, verehrte Stadtverwaltung; der Dank der Marburger Bürgerschaft ist dir für die Namensänderung sicher.
Einer aus der Wörth st ratze.
Literarisches.
’• Mit dem vorliegenden Hefte beginnt da» „Buch für Al l e" seinen fünfundvierzigsten Jahrgang 1910. Das allgemein auf das vorteilhafteste bekannte Unternehmen hat sich schon längst den Ruf erworben, das beste und gediegenste deutsche Familienblatt für die weitesten Kreise zu sein. Reicher Bilderschmuck macht es zu einem Prachtwerk in vollstem Sinne des Wortes, durch wirkungsvollen und spannenden Unterhaltungsstoff fesselt es den Leser, vom ersten bis zum letzten Heft. Der neue Jahrgang wird eröffnet mit den beiden großen Romanen „Der grüne Pompadour" von E. b. Adlersfeld Ballestrem und „Auf der Schwelle des Glücks" von Herman« Roemer. Das erste Heft, das in jeder Buchhandlung aufliegt,-kostet einschließlich der wettvollen Kunst» i beilagen nur 30 Psg.
Gegen das Altern
Dr. Hommel’s Haemato?en
WARNUNG! Man verlang; ausdrücklich den Namen Dr. HommeL
Verantwortlich für die Redaktion: Dr. pfjil. Carl Hitzeroth in Marburg.
V übertrifft alle Nachahmungen!
Ach Tochter, liebe Tochter, Was hast Du in Deinem Sinn, Daß Du Dein junges Leben, Dem Fuhrmann gibst hin?
Abends gehen sie spät schlafen. Sind des Morgens frühe auf. Und dann haben sie die Plage Den ganzen Tag vollauf.
Ach Mutter, liebe Mutter,
Ich bin ja dazu bereit, «
Denn die Landkutscher und die Fuhrleut Sind kreuzbrave gute Leut.
Denn sie haben ein reines Herze, Und dabei ein rMtzes Blut;
Drum bin ich ihm auch auf immer Und auf ewig, auf ewig gut.
Das Handwertsburschenleben oder Kundensprache.
Die Handwerksburschen hatten ihre eigene Sprache und ihre Lieder, welche sie sangen und die wohl über ganz Deutschland verbreitet waren. Folgendes sind Wörter aus der Kundensprache:
„Alte" hieß Meister: „anschmieren" betrügen; „Apotheker" Pillendreher: „acheln" essen; „abladen" bezahlen; „Asche" Geld; „Bienchen" Laus; „Butz" Polizeidiener: „Bankarbeit" auf der Bank schlafen; „Barack" Krätze, Grind; „blau pfeifen" Hunger leiden; „Blechling"Geld- stück; „berappen" bezahlen: „beschummeln" betrügen; „Barbier" Verschönerungsrat; „Ban- kerottsbrühe" Kaffee; „Beinlinge" Strümpfe; „Blechner" Klempner; „Berliner" Felleisen; „Kommando" auf dem Schub; „Schickse" Mädchen; „Doppelschickse", welche während des Dip- pelns, heißt Bettelns, stehlen; „Caroline" Schnapsflasche; »Dippeln, dappeln" wandern;
„Dallesbruder", der welcher schlecht gekleidet' und arm ist, wo lichte Kluft hat: „deutscher! Reichskäfer" Wanze; „Deckel" berittener Gen-s darm; „Dufter Kunde" schlauer Bruder; „Detz"! Kopf; „Ellenreiter und Dütcheskrämer" Kauf-! mann; „Rechtsverdreher" Rechtsanwalt; „Stop» pelhopfer" Oekonom: „Schwarzburger" Floh; „Konfustonsrat" Gelehrter; „Hans Tapps" der Unbeholfene; „Damian" einfältiger Kerl; „Drehscheibe, Drehwinde" Narrenhaus: „Draht" Geld; „einstellen" Gesellen annehmen: „Elementenfärber" Bierbrauer: „Elementendrechs- ler" Töpfer: „fegen" trinken; „Flebbe" Paß, Papiere: „fechten" betteln; „Flöte" Gefängnis, Krankenhaus; „fackeln" schreiben; „auf die Fahrt steigen" loslegen zum Betteln gehen; „auf die Falle springt er nicht" d. h. er läßt sich nicht erwischen; „filzen" auf der Herberge untersuchen lassen; „Finne" Schnapsflasche; „geflet- tert" gestohlen, genommen; „Flammer" Schmied; „linker Kunde" kein geriebener Handwerksbursche; „Flachs" Geldstück; „Galach" Pfarrer, Pfaff; „Ealachschickse" Pfarrköchin; „Ealachine" Pfarrfrau; „Ealgenposamentier" Seiler; „Gips" Geld; „Hanf" Brot; „hochgehen" beim Fechten erwischt werden; „Katzoff" Metzger; „Kunde" Handwerksbursche; „Katzenkopf" Schlosser; „Knopf" Pfennig; „Kies" Geld; „kaput" dem Tode verfallen; „Kluft" Anzug; „Kohl reißen" Lügen aufttschen; „Krauter" Meister; «Kohldampf schieben" Hunger leiden; „Kaff" Dorf; „Kaffer" Bauer; „Knopf steigen" fechten gehen; „Keimchen" Jude; „gekehlt" tot gemacht; „verkohlen" anlügen; „verkündigen" verkaufen; „Krone" Wirtin; „Unvernunft mit Feldhühner" i Wurst mit Kartoffeln; „Kittchen" Arresthaus; „Rumtreiber" Böttcher; „Kafferitsche" Bauer» । Mädchen; „Pechhengst" Schuster; „Kreuzspanne", Weste; »verkümmeln" verkaufen.
: .(Fortsetzung folgt.) 1