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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

und den Beilagen:Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) undLandwirtschaftliche Benage."

Jg 188

DieGberhesftsche Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt viertel- jährlich durch die Post bezogen 2,25 Mk. (ohne Bestellgeld), bei unfern ZeitungSstellen und der Expedition (Markt 21,) 2 Mk.

Marburg

Freitag. 13. August 1909.

Die JnsertionSgebühr beträgt für di« 7 gespaltene Zeile oder deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, UniversttätSbuchdruckerei Inhaber Dr. C. Hitzeroth, Marburg, Markt 21. Telephon 55.

44. Jahrg<

Deutsche Hilfe für Dänen.

Man schreibt uns aus der Nordmark: Der Staatssekretär v. Schoen stellt nach der letzten Auslassung derNordd. Allgem. Ztg." nicht «ehr in Abrede, daß er die Dänen in Nordschles­wig für den Angreifer hält und anerkennt, daß die Deutschen lediglich ihre Rechte verteidigen. Co wird auch die Mahnung, den aussichtslosen und unfruchtbaren Kampf aufzugeben, in erster Linie an die dänische Adresse gerichtet gewesen sein. Es wäre richtiger gewesen, das einige Wochen früher zu sagen, dann wären dem für nationale Ehre kämpfenden Deutschen Verein manche Vorwürfe und Verdächtigungen erspart geblieben, und bann wäre au'ch für die Dänen jeder Grund weggefallen, im Lande die Mei­nung zu verbreiten, die deutsche Regierung miß- billige das Vorgehen des deutschen Vereins, und dadurch dem Deutschtum einen Schabern zuzu­fügen, der nicht im Handumdrehen wi«er gut zu machen ist.

Es mutz aber doch der freisinnige Abgeord­nete Struve aus den Aeutzerungen des Staats­sekretärs eine Mißstimmung gegen den Deut­schen Verein und seinen Vorsitzenden Dr. Hahn der übrigens Landgerichtsrat in Flensburg ist und mit dem gleichnamigen Direktor des Bundes der Landwirte nichts zu tun hat, was freisinnige und sozialdemokratische Blätter nicht alle zu wisien scheinen heraus gehört haben, wenn auch der vom Abgeordneten Spethmann kolportierte Ausspruch:Schaffen Sie mir den Dr. Hahn da fort," nicht gefallen und der Deutsche Verein nicht gemeint worden ist. Es war von vornherein unvorsichtig, sich in dieser Weise einem Freisinnigen gegenüber auszu­sprechen. Der Staatssekretär mutzte doch wisien, datz gerade der Freisinn gern die Geschäfte der Dänen macht und am ehesten geneigt ist, den Deutschen und einer kraftvollen Regierungs­politik in den Rücken zu fallen. Von dieser Seite her waren seine Worte am leichtesten^Mihdeu- tungen ausgesetzt und find auch Ins an die Grenze des Möglichen übertrieben worden.

Zu einer Besprechung der Dänenfrage im Reichstage, wie fie von freisinniger Seite ge- - plant war, als die Unterredung des Staatssekre­tärs mit dem Abgeordneten Struve stattfand, lag eigentlich kein Grund vor. Einmal ist die nordschleswigsche Politik nicht Sache des Rei­ches, sondern des preutzischen Staates und mutz im Landtage und nicht im Reichstage zur Sprache gebracht werden, was auch geschehen ist. Zweitens ist uns und der Regierung die Stellung des Freisinns zur Dänenfrage hin­länglich bekannt, auch wenn er diesmal im Land­tage keine Gelegenheit fand, sich zur Sache zu äußern. Der Abg. Leonhart, der ja als eine Autorität in Dänensachen gelten mag, weil in dem von ihm vertretenen Wahlkreis Tonbern Dänen wohnen, meint ja, wenn auch die Dänen auf Wiedervereinigung Nordschleswigs mit Dänemark hoffen und die Deutschen davon nichts wisien wollen, so könnten Deutsche und Dänen sich doch brüderlich vertragen. Würde Dr. Leonhart anstatt in Kiel seine Ideen zu

9 , (Nachdruck verboten.)

Girr Sommerlraum.

Roman von K. van Beriet.

r~~' (Fortsetzung.)

Ach, Papa, dann nehmt mich als dritte in Euren Bund! Mir kommt in diesem Augenblick mein eigenes Glück wie eine Schuld gegen Ulli vor, und nicht wahr, Max, wir beide wollen gar nicht mehr an uns denken, sondern alles tun, um unserer armen Ulli den Kummer fort» zulächeln und ihr das Leben zu verschönen?" Mit tränenden Augen sah das kleine heißblütige Msidchen zu ihrem Bräutigam auf, der sie ge­röhrt und hingerissen in seine Arme schlah und ihr zärtlich die Tränen von den Wimpern küßte. Vereint mit einem schönen, echt mensch^ lichen Gefühl, standen die Drei da, und die Ee- heimrätin allein, ausgeschlosien, durch Maxens erste direkte Parteinahme gegen sie bis in den tiefsten Punkt ihres hochmütigen, selbstsüchttgen Empfindens getroffen, pretzte die kranken Hände so fest ineinander, datz die Tränen des Schmerzes sich mit denen des Zorns in ihren Augen ver­mischten.

Die Eeheimrätin war auch noch den folgen­den Tag hindurch in der übelsten Laune; ihre Häuslichkeit, ihre Familie war ihr verleidet. Ulli, die nur im müden, glanzlosen Blick der Augen die durchwachte unb durchweinte Nacht verriet, bekam kaum ein Wort von der verletzten, verstimmten Mutter zu hören. Bei Tisch, wo der Geheimrat und Max den kleinen Familien­kreis vergrötzerten, schaute die Hausfrau mit matter, leidender Miene über ihre Umgebung hinweg, unb als sie sich nachmittags iu einer ent öfter Uhr tagenden Vorstandssitzung eines wohltätigen Vereins ankleiden lieh und Ulli schüchtern auf die scharfe Luft hinwies, bei der «im Ausfahrt bester unterbleibe, bekam sie die

Papier zu bringen, sich im Norden seines Wahl­kreises aus eigener Anschauung über das Dänen- tum unterrichten, so würde er bald merken, datz die Dänen sich nicht mit platonischen Hoffnun­gen begnügen, sondern recht tüchtig dabei sind, die Bevölkerung durch Wort und Tat gegen Deutschland unb das Deutschtum zu verhetzen unb in ihr das Bewußtsein zu kräftigen, sie könne nicht glücklich werden, bevor sie wieder unter dänischer Herrschaft stehe.

Wenn die Dänen sich als harmlose Leute hinstellen, die nur ihre Sprache und ihr Volks­tum hochhalten und dafür von den bösen Deut­schen das Niederträchtigste angedichtet unb die bafür aufs schärfste bekämpft und drangsaliert werden, so Begreifen wir das, sie wollen eben der Welt Sand in die Augen streuen. Wenn aber der Freisinn das Gerede vom harmlosen Dänentum unbesehen weiter verbreitet, obgleich er sich bei seinen, freilich wenig zahlreichen Par- teigenosien in der Nordmark besser unterrichten könnte, so ist das nur daraus zu erklären, daß er alles vom Standpunkt des Parteiprogramms und der Parteischablone betrachtet. Danach hat jeder das Recht, nach seinen Anschauungen zu leben und die Regierung hat nichts dreinzu- reben, unb wer bie Ziele einer nicht nach dem freisinnigen Programm regierenden Regierung fördert oder gar darüber hinausgeht, ist ein Streber, der ohne weiteres zu bekämpfen ist. So hat natürlich nur der Däne das Recht, dä­nisch sein zu wollen und weder die Regierung noch der Deutsche darf ihn daran hindern. Daß durch die Verbreitung solcher Ansichten in deut­schen Blättern den Dänen ein bedeutender Vor­schub geleistet wird, ist klar. Sie behaupten mit einem Schein des Rechts, daß der einsichttge Teil der Deutschen auf ihrer Seite steht.

Neudings hat ein anonymer Nordschleswiger, eines Predigers Sohn aus dem Kreise Haders­leben, dem Dänentum durch eine Artikelserie in derChristlichen Welt" allerlei Vorspann ge­leistet. Danach sollen die Dänen viel kirchlicher und Überhaupt bester sein als die eingewander­ten Deutschen, wobei aber vergesten wird, datz die eingewanderten Deutschen die grötztenteils dänische Kirchensprache nicht verstehen. Auch Über die Willkür und Mitzregierung der Beam­ten wird geklagt, obgleich den Dänen, falls diese Klagen berechtigt wären, dasselbe Recht zusteht wie den Deutschen. Endlich wird behauptet, die Rufer im Streit seien Beamte und Eingewan­derte. während doch der einheimische Deutschge­sinnte von den Dänen am schärfsten angegriffen wird und sich seiner Haut am kräftigsten wehrt und der Deutsche gern im Frieden lebte, wenn der Däne nur Ruhe halten wollte.

Wer über nordschleswigsche Dinge reden und schreiben will, sollte sie aus eigener Anschau­ung kennen und den nötigen vorurteilsfreien Blick haben. Wer unberechtigter Weise dem Dänentum Vorschub leistet, erschwert uns Deut­schen den nationalen Kampf mehr, als die Dänen es können. Fernstehende sehen gern in diesen Berichten die Wahrheit und die Dänen verstehen sie meisterhaft auszubeuten.

unwirsche Antwort:Was tut das? Ob mein Leiden etwas vermehrt wird oder nicht, das kümmert ja doch keinen! Je schneller es mit mir zu Ende geht, desto bester!"

Aber, liebe Mama, was bringt Dich nur auf solche ungerechtfertigte Ideen? Du weißt doch, datz Du der Mittelpunkt bet Familie unb uns Dreien das Teuerste bist, was wir besitzen!"

Die Lippen der Geheimrätin kräuselten sich verächtlich und aus ihren Augen flog ein böser, feindseliger Blick über die vor ihr Knieende, die eben beschäftigt war, ihr die warmen, pelzge­fütterten Schuhe über die Füße zu ziehen.Das Teuerste, was Ihr besitzt? Nur daß jeder von Euch etwas hat, was ihm unendlich teurer ist und dem es mich kaltblütig opfern würde! Der Papa feine Wissenschaft, Max seine Braut und Du einen ungetreuen Liebhaber, mit dem Du ohne Sorge um mich in die Welt hinauslaufen möchtest, wenn et Dich nur mitnähme!"

Mama!" Sie wat aufgesprungen und ihre Augen sprühten in einem ihnen sonst fremden, zornigen Feuer. ,Zch habe Dich nie mit meiner Liebe und meinem Kummer belästigt, ich er­laube Dir aber auch nicht, dieselben in den Staub zu ziehen und in solch wegwerfendem Tone darüber zu reden!"

Sehr hübsch, wenn eine Tochter ihrer Mut­ter gegenüber von Erlaubtem spricht die Welt kehrt sich um! Du brauchst übrigens diese tragische Haltung, die zu Deiner sonstigen Haus- backenheit wenig patzt nicht mehr in Bereitschaft zu halten! Ich werde mir Deine Befehle für künftig merken und mir nicht mehr erlauben, Deine Herzensangelegenheiten zu berühren!"

Mama, liebe Mama, kannst Du nicht ein freundliches, herzliches Wort für mich haben? Wenn Du wüßtest, wie ich mich danach sehne! Rechne doch nicht mit der unüberlegten Redens­art, die aus einer tief verwundeten Seele tarn!

Politische Umschau.

Rücktritt des preutzischen Kriegsministers.

Berlin, 11. Ang. General der Kavallerie v. Einem ist auf feinen Wunsch von seiner Stel­lung als Kriegsminister entbunden und mit der Vettretung des beurlaubten komandierenden Ge­nerals des 7. Armeekorps beauftragt worden.

Der Rücktritt des Kriegsministers kommt jetzt unerwartet. Da Herr v. Einem aber nicht in die patteipolittsche Arena hinabgestiegen war, liegt kein Grund vor, seinen Rücktritt zu dem Kanzler­wechsel in Beziehung zu bringen. Herr v. Einem ist seit 14. Aug. 1900 Kriegsminister, Nachfolger Herrn v. Goßlers, und erfreute sich im Reichstage auch bei den Gegnern mancher Sympathien. Er ist jetzt 57 Jahre alt und war, ehe er als Abtei­lungschef in das Kriegsministerium übertrat, von 18951898 Generalstabschef des 7. Armeekorps, dessen Kommando er jetzt übernimmt.

Der Abgeordnete Erzberger veröffentlicht imDüsseldorfer Tageblatt" fol­gende Erklärung:Eine Anzahl von Slottern bringen aus einem längeren politischen Gespräche, das ich mit einem französischen Politiker hatte, vollständig entstellte Teile dieser Unterredung, und zwar deratt entstellt, daß der gesunde Menschen­verstand jedem Denkenden hätte sagen müssen, daß ich mich nicht deratt habe auslassen können. Aber diesen Anlaß benützt nun zum wiederholten Male dieKölnische Volkszeitung", um in anmaßendem Tone mir politische Ratschläge zu erteilen. Ich erkläre hiermit ein- für allemal, daß die Auslas­sungen dieses Blattes an meiner politischen Be­tätigung nicht das mindeste ändern werden, was man nachgerade auch in Köln wissen könnte. Aber das gesamte Vorgehen derKölnischen Volks­zeitung das bestätigen mir sehr zahlreiche Zu­schriften aus unserer Pattei trägt nicht dazu bei, die Einigkeit zu erhalten, da sie sich immer mehr eine Art Zenforenamt über Zentrumspartei und Zentrumsabgeordnete beilegt, wozu ihr Auf­trag und Beruf gleicherweise fehlen. In eine wettere Presseerötterung lasse Ich mich im Jnter- effe der Partei nicht ein. M. Erzberger, M. d. R." Hierzu bemertt das Blatt:Wir wissen nicht, was der Abg. Erzberger wirklich gesagt hat, tote seine Aeußerungen tatsächlich gelautet haben. Hierüber hätte uns die Erllärung aufklären sollen. Der Abg. Erzberger will sich auf eine weitere Presseerötterung nicht etnlaffen im Interesse der Partei. Aber der Abg. Erzberger Ist nicht die Pattei. Darauf hat die Zentrumspresie schon öfter mit allem Nachdruck Hinweisen müffen ein erstes Mal schon gelegentlich jenes ersten Matin- Jnterview und jüngst noch anläßlich jenes un­glückseligen Artikels imTag" zur Beamtenbesol­dungsfrage. Der Abg. Erzberger ist, wir haben es damals schon gesagt, oft nicht glücklich in der Handhabung der Feder, er ist es zuweilen auch

Sei doch milde mit mir und hilf mir tragen! Aufschluchzend stützte sie den Kopf gegen die hohe Lehne des Fahrstuhles.

Wir stimmen in unseren Anschauungen ein­mal nicht überein," war die kalte Antwort.Ich verstehe Deinen sentimentalen. Du meinen kräf- tigen Zug nicht! Ich würde Dir sagen: Was Deiner nicht wert ist, das mußt Du vergesien! Du würdest Dich dagegen in der sogenannten Ewigkeit und Egoismuslosigkeit Deiner Gefühle auflehnen es ist zwischen uns gar keine Mög­lichkeit des Verstehens. Es tut mir leid, aber es ist nicht zu ändern; also lasten wir alle solche Themata beiseite! Deine unkindliche Bemerkung soll Dir vergeben sein, aber über das mit ihr Zusammenhängende wollen wir ein- für allemal nicht mehr sprechen! Und nun rufe mir Zöllner, damit ich in meiner Verpackung so schnell wie möglich aus dem heißen Zimmer komme!"

Erkältet bis ins tiefste Herz folgte Ulli still­schweigend dem Befehl der Mutter, unb als die Tür sich hinter derselben schloß, sank sie zitternd und erschöpft auf einen Sessel. In ihr war alles wie zerbrochen. Wo gab es noch einen Halt in der Welt, wenn selbst Mutterliebe unb Treue trog? Sie hatte es immer gewußt, wie wenig sie der Mutter war, aber vor dem Abgrunde der Herzlosigkeit, der sich heute in betreiben offen, bart hatte, ftanb sie doch fassungslos unb er­schüttert. Die ganze Wett um sie kam ihr wie ein großes Leichenfeld vor, alles tot, alles, woran sie geglaubt, was fie geliebt hatte, zer­trümmert, unb eine eisige Kälte kroch langsam vom Herzen aus durch ihren ganzen Körper. Draußen brach die Dunkelheit ein, unb der Schnee schwebte langsam in großen, gespenstigen Flocken durch dke srüfT, von denen air und zu eine wie ein verirrter Sommerschmetterling sich zitternd gegen eine Fensterscheibe drückte unb in langen, tränengleichen Tropfe» «» derselben

nicht in feinen politischen Gesprächen. Die Ze» trumspreste so gut wie die liberale haben alst Grund, den Abg. Erzberger und die Zentrum» Pattei von Fall zu Fall scharf auseinander z» halten."

DieKölnische Volkszeitung" schreibt dazu neue Erklärungen:Diese Bemerkungen treffen den Nagel auf den Kopf. Wir fügen lediglich hinzu: DieKölnische Volkszeitung" hat gegen den Abg. Erzberger persönlich ganz und gar nichts. Was sollten wir gegen ihn haben! Sie hat es nur mit feinen leider allzu häufigen Un­besonnenheiten zu tun, die von den Gegnern regelmäßig dem Zentnlm aufs Konto gesetzt wer- den und der Zentrurnspattel Verdrießlichkeiten bereiten. Da muß immer wieder im Interesse der Zentrurnspattel betont werden, daß, wie auch dasDüsseldorfer Tagebl." zum Ausdruck bringt, das Zentrum für die Entgleisungen des Abg. Erz­berger nicht verantwottllch ist und nicht verant­wortlich gemacht werden kann."

Zu den Unterschleifen auf her Kaiserlichen Werft in Danzig,

deren Aufdeckung sich anscheinend erst im Anfangs­stadium befindet, ist nach demGes." ergänzend folgendes zu bemerken: Die ersten verdächtigen Spuren haben seinerzeit bet der großen Unter­schlagungsangelegenheit auf der Kieler Werst nach Danzig herübergeleitet. Im Mai d. I. logiert« sich der Berliner Kriminalkommissar Wannotvski in Zoppot ein und leitete von hier das Ermit­telungsverfahren, das dann vor einigen Tagen, wie gemeldet, zunächst zur Verhaftung des Werst­buchführers Ewett führte, in dessen Büchern Un­regelmäßigkeiten in Höhe von mehreren tausend Mark entdeckt wurden, die der Verhaftete auf un­ordentliche Buchführung zuttickführen will. Fer­ner wurde in einem Versteck auf dem Holm eine Menge gestohlener Metallteile und Apparate ge­funden, die dott anscheinend der Weiterbeför­derung harrten. Inzwischen waren auch Nach­forschungen bei hiesigen Produkten- und Altmetall- Händlern erfolgt, bie dann zur weiteren Verhaf­tung der Gebrüder Kronhelm, Mitinhaber bei größten Danziger Produktenhandlung und Metall- fchmelze S. A. Hoch, fühtten. Die Verhaftung wurde allerdings nur bis gestern mittag aufrecht erhalten, doch wurde der eine Bruder nur geget; Stellung einer hohen Kaution entlassen. Du Untersuchung, die sehr geheim geführt wird, lieg, ausschließlich in den Händen der Berliner Polizei, denn auch aus der hiesigen Kaiserlichen Werst be finden sich, tote auf allen Kaiserlichen Wersten zum laufenden Dienst ausschließlich Berliner Po- lizeibeamte. Bemerkenswert ist, daß nach Aus- deckung der Kieler Unterschleife auf sämtlichen Kaiserlichen Wersten vorn Relchsmarineamt ein« eingehende Revision auch in Danzig vorgenom­men wurde, die aber nichts zutage förderte. Die Betrügereien sollen vornehmlich durch zu geringe Deklarierung der mit der Bahn versandten Alt-

niederschmolz. Ullis Blick folgte traumverloren dem stetigen, langsamen Flockenfall. Die abge- riffene, zusammenhanglose Strophe eines irgend­wo gelesenen, halb vergessenen Gedichtes klang in steter-, eintöniger Wiüterholung durch ihre* Sinn:War es denn einmal selige Zeit?"

Quallvvll immer wieder dieselbe bange Frage, und es tauchten wie eine Illustration die fonnigen, goldenen Tage des Sommers vor ihr auf; all' die lichte, wunschlose Seligkeit jener kurzen Zeit, in der ihr Herz so unbewußt ihm entgegen gewachsen war und kein Gedanke sehn­süchtig ober sorgend die Zukunft gestreift hatte. Vorbei!

Einst war es Sommer mein Herze schweig!" Sie schauerte zusammen, das Lied, das sie gesungen hatte. Wie kam es ihr in die Ge­danken, das kleine, traurige Lied? Mit bet ganzen sehnsüchtigen, entsagenden Schwermut, mit der Nora es damals gesungen hatte, klang es ihr damals in den Ohren, und plötzlich ging ihr die Ahnung auf, daß jene vielleicht ebenso gelitten habe wie fie. Der Zorn unb Groll, bie quälende Eifersucht gegen Nora, die all in den letzten Tagen so stürmisch ihr Herz bewegt hat­ten, schmolzen vor diesem Gedanken hin wie draußen die Flocken an der Festerscheibe. Ein Weib fühlt mit dem andern. Wenn er jetzt hin- auszog in die weite Welt blieb jene nicht ebenso verlassen zurück wie sie? Vielleicht waren sie beide gleich unglücklich!

Das mit der Lampe eintretende Mädchen schreckte Ulli aus ihren Gedanken auf. Es war eine Schwäche, zu fitzen und zu träumen. Das Leben verlangte seine Rechte, und mit dem Taschentuche lelfe unb verstohlen über die feuch- ren trugen wkMenö. moste JTe sich Lv die Ord­nung des Kaffeetlsches 'damit Der Tsaier, Bin« er käme, nichts an feiner gewohnten Bequem­lichkeit entbehre. (Schluß folgt.)