mit -em Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain T
M 187
unö den Beilagen: „Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und.Landwirtschaftliche Berlage."
Die „Gverhrlftsche Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn» und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich ourch die Post bezogen 2,25 Mk. (ohne Bestellgeld), bei unfern Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21,) 2 Mk.
Marburg
Donnerstag. 12. August 1909.
Die Insertionsgebühr beträgt für die 7gespaltene Zeile oder deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. — Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, Universitätsbuchdruckerel Inhaber Dr. E. Hrtzeroth, Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
44. Jahrs»
Des Kaisers Fahrt durch die Grafschaft Mark und die 300 jährige Jubelfeier auf Hohensyburg.
Arnheim, 10. Aug. Heute morgen ist das Kaiserpaar von De Steeg abgereist. Dem Kaiser war gestern telegraphisch mÄtz'teilt worden, daß Graf Zeppelin gestorben sei. Als er später das Dementi empfing, sagte er: Das ist noch ein langes Leben. Kurz nach 2 Uhr traf der kais^- liche Sonderzug in Wetter a. d. Ruhr ein. Das Kaiserpaar begab sich sofort in Automobilen mit dem Gefolge nach Hohensyburg.
Hohensyburg, 10. Aug. Der Kaiser und die Kaiserin, sowie Prinz Oskar von Preußen, die ans de: Station Wetter von dem Oberpräsidenten Freiherrn v. d. Recke und dem Eeneralleub- nanl Sixt v. Arnim empfangen worden waren, und auf der Fahrt durch Herdecke das dortige Kriegerdenkmal b-sich-.igt hatten, trafen um 2 Uhr 45 Min unter Glockengeläuts, Böllerschüssen und Hurrarufen von einer nach vielen Tausenden zählenden Menschenmenge, die sich auf dem ganzen Wege fortgesetzt hatten, auf der Hohen- sybnrg ein. Sofort flogen viele Hubert Brieftauben auf, um die Nachricht von der Ankunft der Majestäten in die Lande zu tragen. Die Vertreter des Festausschusses mit dem Landrat Harrmann an der Spitze begrüßten die Majestäten am Eingänge des Festplatzes. Ehrenjungfrauen überreichten Blumen und die Ehrenkompagnie vom Infanterieregiment Freiherr von Sparr (3. Westfälisches) Nr. 16 erwies die Honneurs. Die Majestäten begaben stch in das Prunkzelt, das dem Niesenbau des Denkmals harmonisch vorgefügt ist und nahmen daselbst Platz.
Hierauf richtete Oberbürgermeister Dr. Schmieding-Dortmund namens der Grafschaft Mark an die Majestäten die Bitte, die von den angesehenen Männern der ehemaligen Grafschaft km Einvernehmen mit den Gemeindevertretungen und den staatlichen Behörden zu Füßen der alten Wittekindburg und des Denkmals des großen Kaisers veranstaltete Jubelfeier aller- gnädigst entgegenzunehmen als Akt der Dankbarkeit gegen das Herrscherhaus und als Betätigung und Befestigung der Treue sowie als Kundgebung des Willens, auch in aller Zukunst festzuhalten an dem angestammten Hause Hohen- zollern. Seit im Juni 1609 ein brandenburgischer Prinz die Hand gelegt habe auf di« Grafschaft Mark, weise diese dank der schützenden Fürsorge ihrer Landesherren eine stetig fortschreitende Entwickelung auf. Der Redner schloß mit dem Gelöbnis unwandelbarer Treue und Anhänglichkeit an den Kaiser und das kaiserliche Haus. Namens der Grafschaft Ravensberg sprach Landrat Graf v. Korff-Schmistng den tiefgefühlten Dank für das reiche Glück aus, daß die Erasichaft aus der Vereinigung mit der Krone mtt Preußen und Brandenburg verwachsen sei und erneuerte den Schwur unentwegter Treue, welchen die damaligen Vertreter des Minden- Ravensberger Landes am 30. November 1609 oem Kurjürsten Johann Sigismund geleistet haben Nachdem sodann Oberbürgermeister Schmieding den Ehrentrunk dargeboten hatte hielt Seine Majestät folgende Rede: „Namens
Ihrer Majestät der Kaiserin und in meinem Namen spreche ich den Markanern, den Minden- Ravensberg und allen, die hierher gekommen find, um heute die 300jährige Zugehörigkeit zur Krone zu feiern, den herzlichsten, ttefgefühltesten Dank aus. Tiefergriffen von dem spontanen Ausbruch der Begeisterung der Bevölkerung bitt« ich alle Anwesenden, Dolmetsch zu sein davon, wie tief uns das gerührt hat. Ich ersehe daraus, daß die 300 Jahre nicht vorübergegan- gen sind, ohne die Zugehörigkeit meiner Untertanen aus diesem Teile unseres Vaterlandes mit meinem Hause fest zusammengefügt zu haben, so fest, daß ein Auseinandergehen unmöglich ist. Gerade der Umstand, daß mein weiser Ahne, Kurfürst Johann Sigismund, die Hand auf die hiesigen Land« und auf die clevischen legen mußte, war gewisiermaßen ein Werk der Vorsehung, welches zum ersten Male has Haus Brandenburg darauf hinwies, daß feine Aufgaben nicht nur östlich der Elbe, sondern jenseits bis an den Rhein lagen. (Bravorufe.) Und dieser Schritt den mein Haus damals getan hat, hat dazu geführt, daß mit Gottes Hilf« trotz vieler schwerer Kämpfe Preußens Königsthron und schließlich der Kaiferthron hat wieder aufgerichtet werden können. (Bravorufe.) So wollen wir am heutigen Tage dankend aller derer gedenken, die vor uns dahingegangen sind und an dem Werke mitgearbeitet haben und nicht zum geringsten dankend gedenken Kaiser Wilhelms des Großen und feines siegreichen Heeres (Bravorufe), in dem so viele Markvner haben mitfeckten können (brausende Bravorufe), um so die Kaiserkrone und die Kaiserwürde aus dem Rheine wieder emporzuheben. Möge Gottes Segen über diesen schönen Ländern ruhen und möge es mir vergönnt sein,auch ferner in Frieden zu regieren und dem Lande dadurch zu ermöglichen, in Frieden zu leben und zu schaffen. Das ist mein Gebet. Ich trinke auf das Wohl der Mark."
Nach der Kaiserrede brachte Oberbürgermeister Schmieding ein Hoch auf den Kaiser aus. Die Musik spielte die Nattonalhymne. Nachdem der Kaiser den Oberbürgermeister Schmieding und den Grafen Korff begrüßt hatte, machten die Majestäten einen Rundgang um das Denkmal. Aus der Hanl des Superintendenten König-Witten nahm der Kaiser eine Adresse von den Pfarrern und Kirchenältesten der Eraf- sck>aft Mark entgegen: ferner eine Festschrift der Mark von Professor Meister in Münster, namens der Mitarbeiter und endlich ein Festbuch von Ravensberg durch Regierungsrat Dr. Kruse- Minden. Hierauf überreichte Kommerzienrat Funke aus Hagen das schon erwähnte Ehrengeschenk der märkischen Kleineisenindustrie, das die Inschrift trägt: „Märkische Arbeit, 300 Jahre feuererprobt unter Preußens Aar." Um 4 Uhr bestiegen die Majestäten unter erneuten brausenden Hochrufen das Automobil zur Fahrt nach Schwerte, wo sie den Hofzug zur Reise nach Wilhelmshöhe bestiegen.
Eassel, 10. Aug. Der Kaiser und die Kaiserin trafen mittels Sonderzuges um 7 Uhr 55 Min. auf dem Bahnhöfe Wilhelmshöhe ein und begaben sich im Automobil nach dem Schlosse.
63 (Nachdruck verboten.)
Gin Sommerirmim.
Roman von K. van Beeker.
l/Fortsetzung.)
Die Geheimrätin war die erste, die mit ihrer etwas harten, scharfen Stimme das Schweigen brach. „Das ist aber wirklich allerliebst! Der junge Mann versteht die Dinae nach seinem Willen zu lenken, und Du läßt Dir solche Veränderungen ruhig gefallen?"
. Der Geheimrat zuckte die Achseln. „Ich mag kernen halten, der gehen will. Ersatz für ihn habe ich, und er hat mir, als Mann dem Manne, seine Beweggründe für diese Aenderung so überzeugend vorgetragen, daß ich nicht anstehen konnte, ihn ireizugeben." —
Leise fiel die Zimmertür ins Schloß. Sie wußten es alle, Ulli war hinausgegangen und Rita. Tränen des Zornes in den" funkelnden Augen, rief heftig auf: ..Dann nimmt er auch hoffentlich seine teuere Freundin Nora Linden mit sich?"
Erstaunt sah der Geheimrat auf. Woher weißt Du etwas von seinen Beziehungen zu Nora?"
„Nun, wenn die ganze Stadt von einer Sache spricht, dann kann man sie am Ende doch auch totffen."
„Ich weiß nicht, was die ganze Stadt spricht, Sber sicher ist sie im Unrecht, wenn sie Doktor Kerner mit Fräulein Linden in intime Verbindung bringt. Seine Abreise spricht am ficher- ffen dagegen."
„Möchtet Ihr nun einmal so freundlich sein ßnd mit auch eine Frage erlauben? Was find
das für, dumme Reden mit Nora?" Die Ee- heimrättn sagte es scharf und sah ihre erregte Schwiegertochter nicht gerade freundlich an. Rita drückte sich fest gegen Max. Sie fand gar- nicht mehr, daß die Geheimrätin eine bezaubernde Frau war, und diesen herrischen Blick und Ton mochte sie schon um die Welt nicht leiden. Trotzig warf sie daher die Lippen auf: „Gar keine dummen Reden, und ich bin überrascht, daß sie Dir neu find. Ich habe immer gedacht, Deinem Scharfblick könne dergleichen nicht entgehen! Doktor Werner verbringt seit Deinem letzten Gesellschaftsabend jeden seiner Abende bei Nora Linden!"
„Ah," machte die Geheimrätin und überhörte in ihrer Ueberraschung ganz die ziemlich offen- kundige Impertinenz Ritas. Dann lächelte sie 'pöttisch verständnisvoll: „Sieh, sieh, dieser anscheinend« Duckmäuser, welch einen guten Geschmack er hat!"
„Jawohl," brauste Rita auf ihre Hand Maxens beschwichtigendem Drucke entziehend. ..Einen ausgezeichneten und so amüsant abwech- sE/nd. Erst geht «r ganz in Ulli auf, und kaum lauft ihm diese Theaterprinzesstn über den Weg, da wirft er sich der zu Füßen!"
Der spöttische Ausdruck im Gesicht der Schwie- germutter wurde noch ausgeprägter. „Ja, was willst Du, liebes Kind, es schwärmt nicht jeder für unbedeutende kleine Mädchen. Doktor Werner hat einen ausgesprochenen Zug nach dem Höheren. Ich finde es nicht sehr verwunderlich daß ihm Nora bester gefällt, wie Ulli!"
„Und das kannst Du als Ullis Mutter sagen? Denkst Du denn garnicht an das was er Ulli damit antut?" Rita war ganz blaß vor
Die Kretafrage.
Paris, 10. Aug. Eine offenbar offiziöse Not« des „Temps" bestättgt die bereits von einem heutigen Morgenblatte gebrachte Meldung, daß Frankreich mit den drei anderen Schutzmächten Kreta bestimmt« Vorschriften zur Regelung der Kretafrage unterbreitet hat, nämlich erstens betreffend der Vannerfrage Rückkehr zu dem Zustande vor dem 27. Juli d. I. und zwar die Entfernung des griechischen Banners von den öffentlichen Gebärwen, die sie nicht schon früher getragen haben; zweitens hält Frankreich den Moment für gekommen, die bereits feit Wochen von der Pforte aufgeworfene Frage eines Statuts zu entscheiden; drittens hat Frankreich den drei anderen Schutzmächten den Gedanken nahe- gelegt. Deutschland und Oesterreich-Ungarn zur Mitwirkung bei dieser allgemeinen Lösung des Kretaproblems einzuladen.
Paris, 10. Aug. Der Korrespondent des drahtet seinem Blatt« aus Kan«a, die Sch'-tzmächte hätten stch soeben Über den französischen Vorschlag ins Einvernehmen gesetzt, d. h. alle vier Mächte fordern von der kretischen Regierung die Zurückziehung aller Maßnab' :en, welche von ihr seit dem 27. Juli d. I. gei-^en worden sind. — Wie von berufenster Sette mit» geteilt wird, sind di« vier Mächte, um ihren Willen durchzusehen, entschlosten, alle ihnen zu Gebote stehenden Machtmittel anzuwenden. Man spricht hier sogar von einer Truppenlandung.
Paris, 10. Aug. Gegenüber anders lautenden Meldungen ausländischer Blätter teilt die Agence Havas mit, es ist nicht richtig, daß Frankreich bisher England, Rußland und Italien offiziell den Vorschlag gemacht habe, die Kabinette in Wien und Berlin zur Teilnahme an der Lösung des Kretaproblems einzuladen. Es liegt jedoch in der Absicht Frankreichs, sobald die Frage erhoben wird, an Deutschland und Oesterreich-Ungarn das Ersuchen zu richten, sich mit den Schuhmächten an der Regelung der Kreta- fiage zu beteiligen.
Politische Umschau.
Der Deutsche Verein für das nördliche Schleswig und Frhr. v. Schoen.
In einer Versammlung, die am Sonnabend in Rothenkrug stattfand, nahm der Deuffche Verein für das nördliche Schleswig zu den bekannten Erklärungen der „Nordd. Allg. Ztg." in folgender Form Stellung: „Die Grundlagen der Ansicht des Staatssekretärs v. Schoen sind nicht gutreffenb. Nach dem Mißerfolg des Optantenvettrags ist dem Deutschtum ein Verzweiflungskampf aufgedrungen, den es für das ganze Vaterland fühtt. Es verdient also den Dank aller Deuffchen, nicht aber darf fein Kampf als „aussichtslose Bestrebungen und unfruchtbares erbittertes Kämpfen und Streiten" bezeichnet werden. Denn ohne den furchtbaren Abwehrkampf würden die deutschen Verluste aus Anlaß des Entgegenkommens noch weit größere fein bezw. werden. Die Waffen können erft niedergelegt werden, wenn das Dänen- tunt im Inlands auch durch die Tat sich loyal erweist. Und das geschieht niemals, solange dä-
Aufregung, und auch Max biß ganz zornig auf seine Lippen.
„Liebes Kind, nimm nur die Sache nicht so tragisch! Wenn Ulli wirklich so töricht war, seine sehr mäßig« Huldigung für einen Heiratsantrag in spe zu nehmen, so ist ihr diese Lehre für ihren Verkehr mit Männern ganz gesund, fie wird nicht daran sterben. Aber «hEch gestanden, halte ich meine Tochter für viel zu nüchtern, um sich solchen Träumen und Illusionen hinzugeben."
„Ich habe geglaubt, lieb« Sophie, daß Du eine zu gute Beobachterin wärest, um Werners Benehmen als eine mäßige Huldigung anzusehen," klang hier des Geheimrats grollende Stimme dazwischen. „Er selbst hatte es auch anders aufgefaßt und — aber das gehört nicht hierher. Die ganze Sache ist durchaus nicht von Belang und fällt mit Werners Abreise in nichts zusammen. Aber immerhin scheine ich als Vater im Herzen meiner Tochter bester Bescheid zu wissen, wie Du als Mutter, denn ich halte bei einer Natur wie Ulli solche Lehre durchaus nicht für gesund und gäbe etwas darum, wenn dieser Doktor uns nie in den Weg gekommen wäre!"
„Ich auch, Papa!" Und Max legte seine Hand beteuernd auf des Vaters Arm. „Ich habe ihn lieb gehabt und von ihm gehalten, was ich von keinem anderen hielt — es trifft mich wie ein Schlag in das Gesicht!"
„Mein lieber Junge, das soll und darf es nicht. Mögen di« Verhältnisse für uns so traurig und unangenehm liegen, wie fie wollen, auf Deinen Freund dürfen wir deshalb doch keinen Stein werfen. Er selbst ist vielleicht mehr zu
Nische Mehrheit vorhanden ist. Denn der dänische Nationalismus sucht seit dem Verlust Norwegen- Ersatz in Schleswig-Holstein, er verzichtet — auch nach dem Zeugnis des Exministers Christensen — niemals auf die Hoffnung, Nordschleswig wiederzubekommen. Deutschland muß aber das deuffche Blut dort schützen. Die Nordmärker halten stch selbst für die besten Kenner dessen, was für ihre Heimat nötig ist." Schließlich wurde dem Vorsitzenden, Landgerichtsrat Dr. Hahn, einstimmig für feine hingebende Arbeit der Dank der Ver- sammlung und ein Vertrauensvotum für fein Verhalten ausgesprochen. Ferner wurde der ge- fchästsführende Ausschuß gebeten, dem Grasen v. Rantzau ein Dankschreiben zu übermitteln.
Abzug bet Teuerungszulage.
Die „Berl. Pol. Nachr." schreiben: In der Presse wird Beschwerde darüber erhoben, daß den Volksschullehrern di« für das Jahr 1908 bewilligten Teuerungszulagen von dem Gehalt abgezogen bezw. auf dieses angerechnet werden sollen. Diese Beschwerden sind grundlos, denn jene Teuerungszulage ist, und zwar ebenso für die Beamten wie für die Lehrer lediglich als Abschlagszahlung auf die ihnen für das Zahr 1908 zu gewährende Gehaltsaufbesserung gewährt worden. Das ist bei Einbringung der betreffenden Vorlage im Landtage deutlich hervorgehoben worden und auch sonst ist über die Natur dieser Zahlung als Abschlagszahlung aus di« künftig« Gehaltszulage kein Zweifel gelassen worden . Auch wird durch die Verrechnung der Teuerungszulage auf diese Eehaltsverbesserung durchweg nur ein Bruchteil der letzteren in An. spruch genommen. Der Lehrer z. B., der sich in der Presse besonders lebhaft über die Verrechnung der Teuerungszulage von 150 X beschwert, hat bis dahin zweifellos höchstens ein Grundgehalt von 1200 X bezogen. Da dieses mit rückvirkender Kraft vom 1. April 1908 auf 1400 X erhöht ist, verbleiben ihm mithin von dem Grundgehalt noch mindestens ein Betrag von 50 X und außerdem der volle Betrag der - Erhöhung der Alterszulage. Dieser beträgt j aber in dem vorliegenden Falle, wenn, wie tn i der Regel bei 1200 X Grundgehalt die Alters- : zulage bis dahin 150 X betrug, weitere 50 X , für jede Dienstaltersstufe, bei 6 Dienstalters-; stufen also weitere 300 X. War das Dienstcin- kommen des Lehrers aber niedriger als 1200 X Grundgehalt und 150 X Alterszulage, so erhöht sich natürlich der Betrag, der ihm von feiner Eehaltsverbesserung für 1908 verbleibt, ent- sprechend. Ein Lehrer mit dem Mindestgehalt für alleinstehende und erste Lehrer behält nach Abzug der Teuerungszulage noch 150 X von der Erhöhung des Grundgehalts und daneben noch eine Erhöhung der Alterszulage von je 80 X für jede Altersstufe, bei 6 Altersstufen mithin 480 X. Diese Darlegungen werden beweisen, daß in der Verrechnung der Teuerungszulage auf die Gehaltsverbesserung auch nach keinerlei Richtung hin die mindeste Unbilligkeit liege.
Der Liberalismus und bi« Polen.
Ein tolles Doppelspiel treibt die liberale Presse gegenwärtig mit den Polen: auf der einen Seite wirst sie den Konservativen rot, daß diese „gemeinsam mit den Polen" gegen die Erbschaftssteuer stimmten. Als ob den Konser- beklagen wie Ulli — das glaube mirt Es gibt eben Verhältnisse und Schicksale, die starker sind wie wir. Man soll nicht richten, ohne zu verstehen?"
Die Geheimrätin war in übelster Laune. Dieses Geschrei um ein einfältiges, verliebtes Mädchen? Und alle nahmen Partei gegen sie. Von den anderen konnte sie es ertragen, aber von ihrem Sohne war es ihr unerträglich. Mache Dir doch deshalb keine Vorwürfe, Max, dergleichen kommt alle Tage vor, und Du kannst meiner besseren Einsicht vertrauen, trotzdem es Papa beliebt, mich als eine Rabenmutter hin- zuftellen, Ulli wird nicht daran zugrunde gehen! Sie ist keine so heftige Natur„ wie ihr sie zu taxieren scheint, und wenn auch im Augenblick ihre Eitelkeit etwas verletzt ist —sie findet sich schon schnell wieder zurecht."
„Erlaube, Mama, daß ich darin anderer Am . sicht bin? Ich halte Ulli auch nicht für eine heftige, aber für eine sehr zarte und tief empfindende Natur ,die von diesem Schlage bis in den Kernpunkt getroffen wird. Und darum tut «s: mir so unendlich weh, daß ich die eigentliche Ur* : fache ihres Kummers verschuldet Haie."
„Laß gut fein, mein Junge, das ist SoM- fterei! Ebenso kannst Du annehmen, daß Dn nur Werkzeug in der Hand des Schicksals warst! i Wer kann da berechnen und den verschlugen«« j Pfaden des Lebens nachgehen? Begraben wir; die Sache und behalten fie nur in (Erinnerung! um Ulli mit unserer Siebe und Fürsorge bce* über hinweg zu helfen!" j
(Fortsetzung W-V,