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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

und den Beilagen:Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) undLandwirtschaftliche Beuage-

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DieGbrrhesstschr Zeit«««" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. Der B e z u g s preis beträgt viertel- jährlich durch die Post bezogen 2,25 Mk. (ohne Bestellgeld), bei unfern Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21,) 2 Mk.

Marburg

Mittwoch. 11. August 1909.

Die InsertionSgebühr beträgt für die 7gespaltene Zeile oder deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, UniversitätSbuchdruckerei Inhaber Dr. C. Hitzeroth, Marburg, Markt 21. Telephon 55.

44. Jahrg<

Der heutigen Nummer liegt bei Kreisblatt Nr. 62.

Die 300 Jahrfeier in Cleve.

Eleve, 9. Aug. Die Ausschmückung der Stadt zum Empfang des Kaiserpaares zeigt über- all ein großzügiges, künstlerisches Gepräge. Das Kaiserzelt ist dem Denkmal gegenüber errichtet. Das Denkmal selbst ist ein etwa 3% Meter hoher, abgestuster Granitsockel mit dem Reiterstandbild des Großen Kurfürsten. Am Fuße deS Sockels tst ein Brunnenbecken, in dessen Wänden die Wap­pen der Städte des ehemaligen Herzogtums Cleve gehauen sind. Auf der einen Seite des Sockels befinden sich die Medaillonbilder des ersten Gra­sen und des ersten Herzogs von Cleve, darunter das achtteilige Zepter (Clevifches Landeswappen). Auf der anderen Seite sind die Medaillonbilder des Kurfürsten Johann-Sigismund von Branden­burg und des Herzogs Wilhelm von Cleve, dar­unter der kurbrandenburgifche Adler, angebracht. An der Stirnseite befindet sich die Inschrift:Den ruhmreichen Hohenzollern zur Ehre und zum treuen Gedenken an die 3Ovjährige Jubelfeier haben die Bewohner des Herzogwms Cleve dieses Denkmal errichtet unter der Regierung ihres Königs und Herzogs, des Kaisers Wilhelm II., im Jahre 1909.*

Um 11 Uhr trafen der Kaiser und die Kaiserin mit Gefolge im Sonderzuge von Berlin aus hier auf der Station Cleve-Tiergarten ein. Kur; vor­her war Prinz Oskar eingetroffen. Zum Emp­fange auf dem Bahnhöfe waren erschienen der Oberpräsident der Rheinprovinz Frhr. v. Schor- lemer-Lieser und der Stellvertreter des komman­dierenden Generals, Generalleutnant Sixt von Arnim. Als das Kaiserpaar den Bahnhof verließ, wurde es lebhaft begrüßt. Am Amphitheater er­warteten die Stadtverordneten, an ihrer Spitze Bürgermeister Wulff, das Kaiserpaar. Der Bür­germeister hielt dabei eine Begrüßungsansprache, in der er nach einem historischen Rückblick aus- sührte: Vieles habe sich in den Jahrhunderten ge­ändert. Eines jedoch habe sich im Laufe der Zeit, in guten wie in bösen Tagen, in Cleve nimmer geändert, die seit nunmehr 300 Jahren sturm­erprobte, allezeit gut clevisch-brandenburgisch- preußische Gesinnung. Das Kaiserpaar möge heute den feierlichen Ausdruck der auch fürderhin un­wandelbaren Treue und unverbrüchlichen An­hänglichkeit zu dem angestammten alten Herzogs­geschlechte entgegen nebmen. Was Cleve seinem Herrscherhause verdanke, insbesondere auch dem Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm, dessen Standbild demnächst zu besitzen die Stadt sich glücklich schätzen wird, künden die Geschichte der letzten drei Jahrhunderte. Wie die Stadt dem Kaiser sirr seine persönliche landesvätcrliche Für­sorge zu Dank verpflichtet sei, zeigt ihr Aufblühen auf allen Gebieten in den letzten 21 segensreichen Friedensjahren.

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67 (Nachdruck verboten.)

Ein Sommerlraum.

Roman von Ä. van Beetee.

(Fortsetzung.)

O nein? Frauen sangen das viel geschick­ter an, nicht so direkt zutappend. Aber, nimm es mir nicht übel, Liebster, für Ulli hat Deine Mama überhaupt nicht viel Herz, sonst hätte ste die Sache schon früher selbst in die Hand ge­nommen!"

Aber, Nita, ich glaube, meiner Mama ist nach keiner Seite hin ein Vorwurf zu machen? Sie benimmt sich immer tadellos und ist für Ulli eine ebenso zärtliche, sorgsame Mutter wie für mich."

So? Mir ist es freilich immer vorgekom­men, als wenn sie Dich bedeutend vorzieht, aber ich bin die letzte, die sie deshalb tadelt.' Nur soll man nicht schwarz weiß niachen und Ulli für ebenso liebevoll behandelt ansehen wie Dich!"

Es ist das ein Punkt, Rita, in dem ich keine Scherze vertrage. Meine Mutter ist das Voll­kommenste, was ich kenne, und an ihrer Gerech­tigkeit oder Güte zu zweifeln, ist in meinen Augen ein Verbrechen."

Rita sah Max mit einem schnellen, forschen­den Blick von der Seite an. Was solch ein Mann blind ist, es geht über die Möglichkeit! dachte ste heimlich bei sich. Run, die Anbetung für das Vollkommenste soll schon mit der Zeit Gegenstand wechseln. Wart nur, Schätzchen, aber dann will ich mich der Sache würdiger er- «er,en? Laut sagte sie mit freundlichem Blick: »Ser nicht böse. Liebster, ich will mich vor allen

Auf die Begrüßungsansprache dankte der Kaiser mit freundlichen Worten. Der Zug ging dann unter dem Jubel der Bevölkerung Wetter bis zur Sttftkirche, wo das Kaiserpaar den Wagen verließ. Unter Glockengeläut erschien das Kaiser­paar auf dem Festplatz, woselbst der Kaiser zu­nächst einige Herren ansprach und dann mit der Kaiserin im Festzelt Platz nahm. Unter den Ehrengästen befanden sich u. a. Bischof Dingelstad von Münster in Begleitung der Domkapitulare Genscher und Gotzes, eine Deputatton holländi­scher Offiziere, ferner das Offizierkorps des 56. Infanterie-Regiments und des Feldartillerie-Re­giments 43, sowie der Oberbürgermeister von Köln, Wallraf. Ruf die Ansprache des Vorsitzen­den des Festausschusses, Landrats Geh. Regie- mngsrat Eich, antwortete der Kaiser etwa folgen­des:Es ist mir und der Kaiserin, meiner Ge­mahlin, ein Herzensbedürfnis gewesen, der Ein­ladung zur heuttgen Feier der 300jährigen Zuge­hörigkeit des ehemaligen Herzogtums Cleve zum brandenburgisch-preußischen Staate und zu mei­nem Hause Folge zu leisten. Ans das Freudigste bewegt über den herzlichen Empfang, der uns von der Stadt und den Bewohnern des Cleverlandes bereitet wurde, spreche ich, zugleich im Namen der Kaiserin, unseren wärmsten Dank aus, besonder« auch für die uns gewidmeten schönen Begrüß­ungsworte. Der Rückblick auf die wechselvolle Geschichte Cleves in den vergangenen Jahrhun­derten läßt uns deutlich das gnädige Walten der göttlichen Vorsehung erkennen, welche die ur­sprünglich kleine Grafschaft zu einer wichttgen Rolle in der preußisch-deutschen Geschichte be­stimmte. Mr gedenken bei diesem Rückblicke gern des ältesten Clever Grafengeschlechtes, das sich an den Schwanenritter der Graalssage knüpft, und seiner Nachfolger, der Grafen von der Mark, die die Würde eines Herzogs von Cleve durch Kaiser Sigismund auf dem Constanzer Reichstage er­hielten, und besonders des Herzogs Wilhelm III. von Jülich, Cleve, Berg, Mark und Ravensburg, welcher in weiser Fürsorge bemüht war, der Zer­splitterung seines Landes vorzubeugen, und durch ein kaiserliches Privileg zugunsten der weiblichen Nebenfolge die Grundlage für die Einigung der­selben mit dem Staate der Hohenzollern schuf. Diesem Fürsten verdantt mein Haus neben der niederrheinischen Erbschaft auch den Namen Wil­helm, den nach seinem Enkel der spätere Kurfürst Georg Wilhelm als erster Hohenzollern führte. Wir gedenken ferner mit vielem Danke des Kur­fürsten Johann Sigismund, dessen Klugheit, Ent­schlossenheit und Mäßigung es schließlich gelang, die mannigfachen Hindernisse, die sich der Besitz­ergreifung und Verwaltung des ihm zugefallenen Erbes entgegenstellten, glücklich zu überwinden. Woher er die Kraft dazu schöpfte, das besagt sein Hohenzollern-Bekenntnis: Ich bin meines lieben Gottes Diener und Statthalter. Vor allem aber tritt uns hier angesichts der alten Schwanenburg die herrliche Gestalt des Großen Kurfürsten ent­gegen. Hier in der Nähe der ihm eng verbunde­nen Niederlande hat er ost geweilt und das junge

Verbrechen hüten, und wenn ich Deiner Mama Unrecht getan habe, so will ich ihr die Hand jetzt reumütig zweimal küssen und einen tiefen Kurknix dazu machen, mehr kannst Du doch nicht von mir verlangen!"

Sie waren eben an der Tür des geheimrät- lichen Hauses angelangt, und da sie sich heute zum Kaffee bei den Eltern angesagt hatten, sprang Rita lustig lachend dem Verlobten vor­aus die breite Treppe empor. Im Hause brann­ten schon überall die Lampen, da das junge Paar in seinem eifrigen Gespräch sich etwas ver­spätet hatte. Die Eeheimrätin in einer weiß­seidenen, reichgestickten Bluse, einen weichen, roten Kragen leicht um die Schultern gelegt, bot sich den Blicken der Eintretenden viel frischer, jugendlicher und lebenslustiger als Ulli, die in einem schmucklosen, dunkelblauen Kleide am Kaffetisch die Tassen ordnete und den Ankommenden freundlich zunickend sich an die Bereitung des erwärmenden Getränkes machte.

Max, ganz unter der Nachwirkung des eben gehabten Gespräches, musterte, während er der Mutter die Hand küßt« und Ritas lustiges Ge­plauder sekundierte, erregt Ullis Erscheinung und mußte sich erschreckt zugestehen, daß er wirk­lich blind gewesen sei, die Veränderungen in derselben nicht schon früher bemerkt zu hckben. Wie schmal und blaß war das sonst so runde, rosige Gesicht geworden, welch tiefe, dunkle Schatten umrahmten die viel größer gewordenen Augen, deren Blick so unjugendlich ernst, so ab­weisend über die Umgebung hinschweifte! Sie schien ihm gewachsen, gereifter, so ganz anders wie sonst, obgleich ihr Wesen genau so sanft, liebevoll und teilnehmend war wie immer. Darin merkte man nichts von den Kämmen, die

Erbe seinem Hause auch innerlich erworben und die weitausschauenden Pläne entworfen und ge­fördert, deren unbeirrte Verfolgung in sturmbe­wegter Zeit ihn zum wahren Begründer des preu­ßischen Staates gemacht hat, und das haben auch seine Nachfolger, die Könige aus dem Hause Hohenzollern, nie vergessen, welch ein Juwel durch diese niederrheinische Landschaft ihrer Krone zu­gefügt worden war. Als Ausdruck der Dankbar­keit für die landesväterliche Fürsorge der Fürsten meines Hauses ist das vor uns stehende monu­mentale Bauwerk mit dem Reiterstandbild des Großen Kurfürsten von bewährter Künstlerhand errichtet. Die Clever Bevölkerung hat sich damit zugleich selbst ein Denkmal gesetzt, ein Wahrzeichen für die Treue und Liebe, mit denen die Clever in guten und bösen Tagen zu ihrem Landesherrn ge­standen und Gut und Blut eingesetzt haben. Heute sind die Träume vergangener Zeiten etfflCt. Aus dem zerstreuten und zerrissenen Lande, dem Tum­melplatz fremder Völker, ist ein achtunggebieten­des, einiges Deuffches Reich geschaffen worden. Der vielumstrtttene, sagenumwobene Rhein ist unveräußerliches Gemeingut aller Deutschen, und nur in seinen poesievollen Liedern, die deuffchen Rebensaft als Quelle deuffcher Heldenkraft prei­sen, streiten sich in friedlichem Wettbewerb, wie jüngst in Frankfurt a. M., mtt den sangeskundigen Rheinländern die Sänger der übrigen deuffchen Gaue, und wie in meinem Wappen die goldenen Linienstäbe des Herzogtums Cleve mtt dem bran­denburgischen Adler und mit den anderen Landes­emblemen ein harmonisches Ganzes bilden, so werden auch für alle Zukunft die treuen Söhne des Niederrheins Sette an Seite mit den übrigen Landeskindern fest zusammenstehen, wenn es gilt, Vaterland, Thron und Altar zu schützen. In dieser Zuversicht ergreife ich den erinnerungsrei­chen Ehrenbecher des gastfreien Cleve und ttinke den deuffchen Wein auf daS Wohl des Herzog­tums Cleve!*

Der Kaiser nahm nach seiner Rede aus den Händen deS Landrats Eich den Pokal und trank ihn leer, worauf der Landrat ein Hoch auf das Kaiserpaar ausbrachte. Nachdem der Kaiser die Erlaubnis zur Enthüllung des Denkmals gegeben hatte, fiel die Hülle und das Reiterstandbild des Großen Kurfüfften, das mit einer Brunnenanlage am Fuße des granitenen Sockels verbunden ist, zeigte sich den Blicken der Anwesenden. Das Denkmal ist von Professor Breuer-Berlin entwor­fen und von dem Architetten Jennen, einem ge­borenen Clever, ausgeführt worden.

Das Kaiserpaar begab sich dann zum Bahn­hofe Cleve-Tiergarten und fuhr mittelst Sonder­zuges nach 1 Uhr ab. Die Majestäten begaben sich zu der holländ. Statton De Steeg, um den Gra­fen und der Gräfin von Benttnk zu Waldeck-Lim­burg auf Schloß Middachten einen Besuch abzu­statten. Hier sand um 2 Uhr ein Festessen statt, an dem auch der Oberpräsident der Rheinprovinz, Freiherr v. Schorlemer-Lieser und die Spitzen der Behörden teilnahmen.

durch ihre Seele gegangen waren, und mit einer Art schmerzlicher Bewunderung, in die sich «in stiller Groll gegen den Freund mischte, folgte er Ullis anmutigem Walten, sich dabei heimlich gelobend, daß er als Bruder ihr natürlicher Schutz fei und, was auch die Vernunft dagegen rede, doch Werner vornehmen und ein ernstes Wort mit ihm sprechen wolle.

Eben reichte Ulli der Mutter die zierliche Kaffeeschale, und den Stuhl bequemer an den Tisch schiebend, rückte sie mit sorgsamer Hand das Rückenkissen zurecht, dabei leicktt die Schul­ter der Sitzenden streifend.Immer ungeschickt in Deinen Bewegungen!" sagte diese, un­freundlich die Stirn runzelnd.Komme mir nur nicht mit Deinen eiskalten Händen zu nahe, die sind mir wirklich ein Greuel!"

Ach, entschuldige, liebe Mama, ich werde sie mir gleich wärmen," war die freundliche'' Ent­gegnung, mit der Ulli zum nahestehenden Ofen schritt, während Max, einen schnellen Blick Ritas auffangend, hastig und dunkelrot in seine Kaffeetasse blies und zum erstenmal in seinem Leben seine Mama nicht ganz so anbetungs­wert fand wie gewöhnlich. Sollte Rita recht haben? Es wäre ihm ein unerträglicher Ge­danke, wenn er sich fein Leben lang auf Kosten der Schwester in der mütterlichen Liebe gesonnt hätte!

Mitten in diese unbequemen Gedanken hinein trat der Geheimrat ins Zimmer und Rita, die am Schwiegervater viel mehr hing wie an der Schwiegermutter, flog ihm mit einem zärtlichen Willkommen entgegen. Er erwiderte dasselbe auch sehr herzlich, aber das gewöhnte, neckende Scherzwort, mtt dem et jedes Zusammensein

De Steeg, 9. Aug. Am Schlosse wurde« der Kaiser und die Kaiserin durch Verwandte des Grafen Benttnck empfangen. Die Kapelle bei Haager Grenadiere spielte die deutsche National Hymne. Abends findet Galatafel und darauf eit Feuerwerk statt. Zum Besuche der kaiserlicher Majestäten sind das Schloß Middachten und da/ Dorf De Steeg festlich geschmückt. Viele Tribüne, sind aufgerichtet. Eine ungeheure Menschenmenge hat sich eingefunden und die Hotels sind überfiilli

Die Kretafra^e.

Konstantinopel, 9. Aug. Die Botschafter bet Schutzmächte hielten gestern eine Beratung ab; sie hatten sodann sämtlich Unterredungen mit dem griechischen Gesandten. Heute werden bit Botschafter der Schutzmächte auf der Pforte gleich­lautende Erklärungen abgeben. Alle diploma- tischen Beziehungen zielen darauf hin, so­wohl Griechenland wie die Türkei vor der Er­greifung extremer Maßregeln zu warnen und einen Konflikt zu verhüten. Unterrichtete tür­kische Kreise rechnen mit der Möglichkeit, daß, falls die Antwort der griechischen Regierung auf die letzten Vorstellungen der Pforte nicht befriedigend sein sollte, die Pforte von den Schutzmächten volle Handlungsfreiheit verlangen und Kreta besetzen lassen werde. Die Besetzungs­expedition soll von Smyrna erfolgen, wohin seit zwei Tagen zahlreiche Truppentranspo'te unterwegs finb; auch die Flotte ist entgegen an, deren Meldungen vor Smyrna vereinigt. Rach Meldungen, die der Pforte zugegangen sind, ist seit gestern keine griechische Flagge mehr auf Kreta sichtbar. Die Zunft der hiesigen Bar« kenführer gibt bekannt, daß in acht Tagen der Boykott sämtlicher griechischer Schiffe beginnen wird; auch Meldungen aus der Provinz besagen, daß der Boykott gegen die griechischen Waren größeren Umfang angenommen hat.

Konstantinopel, 9. Aug. Nachmittags stick die Botschafter der Schutzmächte auf der Pforte erschienen und gaben die bereits angekündigten gleichlautenden Erklärungen bezüglich der Kre, tafragr ab. Der Kernpunkt der Erklärungen be« steht in dem erneuten Hinweis darauf, daß di« endgültige Regelung der Kretafrage Sache der Schutzmächte fei, die diese Aufgabe auf Wunsch der Pforte selbst übernommen hätten. Die Auf­fassung der Pforte in dieser Frage erhellt au? iolgenden Darlegungen des Großwesirs gegen« Übet Journalisten: Die Schutzmächte hätten bei der Räumung bet Insel ben Geist der dortigen Bevölkerung außer Acht gelassen; es sei voraus, zusehen gewesen, daß türkische Rechte verletzt würden. Die« sei durch die Hissung der griechl« schen Flagge geschehen Die Pforte sei nunmehr entschlo*..», di« türkischen Rechte selbst zu vet« leidigen. Für die Türkei sei die Lösung der Kretafrage nur annehmbar durch die Vertei« digung der Autonomie unter einem Eourver« neur, der rttomanffcher Untertan sein müsse. Ebenso müßten alle anderen Beamten der Insel Ottomanen sein. Unruhen unter der Bevöl» kerung der Insel seien vorauszusehen, doch könne dies die Türkei nicht zurückhalten. Zwei Dioi« fronen würden genügen, die Ruhe auf der Insel

mit der kleinenEidechse", wie er Rita noch immer nannte, sonst einzuleiten pflegte, blieb heute aus. unb auf seiner Stirn lag ein Schat­ten Her selbst vor bem ihn umgebenden Beha­gen unb dem lebhaften Gespräch, bas sich schnell entspann, nicht ganz weichen wollte.

Jeder zerbrach sich heimlich den Kopf darüber, was dem Hausherrn, der nie einen Mitzton seines Berufslebens in den gemütlichen Rahmen des Hauses mitbrachte, fehlen könne, aber keiner hatte den Mut, deshalb eine Bemerkung zu machen; und nut Ulli, die jede Schattierung in der Stimmung des Vaters besser kannte wie alle anderen, strich ihm, die fttschgefüllte Tasse bringend, liebevoll mtt> mit leise fragendem Blick über seine so sorgenvoll gefurchte Stirn. Er hielt ihre Hand fest, unb sie warm drückend, seufzte er leise auf:Mein gutes Kind!" Und unruhig streichelte er ihre Finger, die in plötz­licher banger Ahnung zu zittern begannen unb sich ängstlich ihm entzogen.

Ich muß Euch auch eine Neuigkeit mittei­len!" Seine Stimme klang gepreßt unb et räusperte sich heftig, indes Ulli, jetzt vollkommen auf einen Schlag vorbereitet, nach dem Ofen zutrat unb mechanisch ihre Hände an dessen warme Kacheln drückte.Dein Freund Werner, Max, tritt mit bem morgenden Tage aus seiner Stellung bei mir und begleitet den Fürsten Utusoff als dessen Leibarzt auf einet Reise um die Welt!"

Einen Augenblick herrschte lautlose Stille. Ulli stützte sich fest, ganz fest gegen ben Dfer unb verharrte regungslos, während die andere« überrascht und verständnislos einander ansahe«.

(8r«tfe|ung folgt) )