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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain j

und den Beilagen:Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) undLandwirtschaftliche Beilage."

Marburg

Sonnabend, 7. August 1909.

Söhnen aus Meiningen nach Schloß Friedrichs- Hof zurückgekehrt. Gleichzeittg mit ihr kamen dal Erbprinzenpaar von Sachsen-Meiningen im Auto mobil zu mehrtägigem Besuche an.

Rumänischer Besuch. Berlin, 5. Aug."Di( Nordd. Allgem. Ztg." meldet: Der rumänischt Ministerpräsident Bratianu ist aus Karlsbad hiel eingetroffen, um dem Reichskanzler und dem Staatssekretär v. Schoen einen Besuch abzustatten. Zu Ehren Brattanus gab der Reichskanzler ei« Frühstück, tvozu auch die rumänische Gesandtschaft und andere geladen waren. Im Laufe des Nach-, mittags wird Bratianu vom Kronprinzen emp-' fangen. Abends geben« er nach Karlsbad zurück zukehrcn.

Matthias Erzberger. Wir gaben in unserer gestrigen Nummer Auslassungen des Abg. Erz­berger imMattn" über die Zusammenkunft del Zaren mit dem Präsidenten Fälliges wieder, ir deren er von einer Entwickelung des französisch russischen Einvernehmensin der von mir ange gebenen Richtung" sprach. Bitter bemertt dazl sein Parteiblatt dieKöln. Volks,stg.":Ma, kann unmöglich annehmen, daß der Abg. Erz­berger sich genau in dieser Weise geäußert habe« könnte, aber man hätte wohl erlvarten können, das der Abg. Erzberger nach verschiedenen frühere« unliebsamen Erfahrungen mit dem genannten Pariser Blatte endgülttg darauf verzichtet hätte, sich von Vertretern ausländischer Blätter ausfra gen zu lassen."

Fürst Eulenburg. Von den Rechtsanwäl­ten Justizrat Wronker und Ehodziesner habe« verschiedene Berliner Blätter folgende Mitteilung erhalten:Die Ende voriger Woche von einem hiesigen Mittagsblatt verbreitete Meldung, daß der Fürst eine Reise zu unternehmen beabsichtige, ist unrichtig. Der Zustand des Fürsten ist derart, daß er nicht in der Lage ist, irgend eine Reise M machen; er liegt fett , irriger Zeit dauernd zu Bett. Bei dieser Gelegenheit sei darauf hingewiesen, daß Fürst Eulenburg iveder Memoiren geschrte» ben hat, noch bei seinem Zustande in der Lage ist, solche zu schreiben, noch überhaupt die Absicht hat, jemals Memoiren zu verfassen."

Ein Politiker eigener Art ist in Cuxhaven ans Licht getreten. Wie ein Berliner Montags­blatt berichtet, ist dort nämlich «in Weinhändler namens Schlüter zum Stadtvev rd^eten gewählt worden, von dem sich kurz vor der Wahl bcraus- stellte, daß er Jahre hindurch gleichzeittg Mitglied der deutsch-sozialen und der freisinnigen Volks- Partei gewesen fei! Also gleichzeitig Antisemit und Anttantisemit. Wenn die Weine des Herrn Schlüter ebenso echt sind, wie seine politische Ge­sinnung, dann Gnade seinen armen Kunden!

Vom Vercinszollgesctz. Der Bundesrat hat die Aussührungsanweisung zum Vereinszollgesetz an einem Puirkte folgendermaßen abgeändertt Nach der Bestimnutng der »b-rsten LandeS- finanzbchörd. darf auch !** nicht zur Klasse bet Hauptämter g<ft gen Zollstellen, bei denen ei« Bedürfnis hierfür vorhanden ist, die Befugnis

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In der Erwiderung auf die Adresse der Lon­doner Handelskammer sprach der Kaiser die Ueberzeugung aus, daß die Handelsbeziehungen zwischen Rußland und England eine Förderung erfahren werden durch die jüngst erfolgte Bil­dung einer russisch-britischen Handelskammer in Petersburg und einer russischen Sektion in der Londoner Handelskammer.

Cowes, 5. Aug. DerStandart" mit den russischen Majestäten und der kaiserlichen Fa­milie an Bord ist um 3 Uhr 40 Minuten nach­mittags unter Ceschützsalut in See gegangen.

Cowes, 5. Aua. Der russische Minister des Aeußeren, Iswolski, gewährte dem Vertreter des Reuterfchen Bureaus eine Unterredung, in der er die große Eenuatuung betonte, die Kassel Nikolaus über den chm und der Kaiserin gebo­tenen Empfang empfindet. Der Minister fugte hinzu daß zwischen den Ländern ausgezeichnete Beziehungen beständen. Diese Beziehungen hätten keine Shitze gegen irgend einen anderen Staat Die Neihenfolae der kaiserlichen Besuche beweise daß die englisch-russischen Beziehungen mit den besten Beziehungen mit Deutschland, sowie jedem anderen Lande durchaus vereinbar seien. Wir sehen, fuhr der Minister fort, un­seren Weg auf ein ferneres enges Verständnis gerichtet und wir erkennen, keinen Grund zu einer Meinungsverschiedenheit.

lieber die zufriedenstellenden Ergebnisse des llebereinkommens betr. Persien sagte der M^ nister daß dies Uebereinkommen nunmehr auch auf andere politische Fraaen Anwendung finden werde die sich ergeben können. Wir haben den innigsten Wunsch, zur Festigung des neuen Re­gimes in der Türkei beizutragen und die Be­ruhigung der Lage im nahen Osten zu fördern. Hinsichtlich Kretas sind die vier Schutzmachte übereingekommen, den status guo und die Ho­heitsrechte der Pforte aufrecht zu erhalten. Wil hoffen, daß nichts geschehen wird, was diese Grenzlinien überschreitet. Die jüngste Krisis m Bosnien ist glücklich in friedlichem Sinne über­wunden worden, und solange keine europariche Mackt iraend ein besonderes Streben auf diesem Gebiete an den Tag legt, besteht ganz und gar kein Grund, zu glauben, daß Verwickelungen entstehen können. * Auf jeden Fall, wenn Wir­ren zutage treten sollten, werden England und Rußland' ihren Einfluß immer in demselben Sinne ausüben, nämlich für die Aufrechterhal­tung des status guo.

wegen der Höhe der geforderten Preise nur zu zwei oder drei Käufen übergegangen. Richt selten haben die fraglichen Händler heftige Vor­würfe erhoben, daß man sie bei solchen Preisen habe nach Berlin kommen lassen. Rur die selbst Steine verarbeitenden Fabrikanten konnten bei dem Preise der Regie ihre Rechnung finden. Nachfolgende Zusammenstellung der bisher er­zielten Preise beweist die Unhaltbarkeit der er­hobenen Kritik. Dabei ist zu beachten, daß die erste Sendung zum größten Teil minderwertige Ware enthielt, weil vor dem Inkrafttreten der Regie der damals bestehende Fixzoll die För­derer veranlaßt hat, die guten Steine herauszu- suchen und gesondert zu verkaufen, den Ueberrest aber zurückzubehalten und der ersten für die Regie bestimmten Menge zuzumengen. Es wur­den im Durchschnitt erzielt für die Sendung ca. 22, 25 Jt, für die zweite Sendung ca. 27,30, für die dritte Sendung 27,50 <M, für die vierte Sendung ca. 28,000 M, für die fünfte Sendung ca. 28,50 und für die sechste noch im Verkauf begrifseneSendung dürste als Durchschnittspreis etwa 29 M erzielt werden, obgleich die Steine derjenigen Gesellschaft, die bisher regelmäßig die kleinsten Steine geliefert hat, diesmal noch bedeutend kleiner ausgefallen sind. Die Stei­gerung der Preise von der ersten bis sechsten Sendung ist auf die Einlieferung von größeren und besseren Steinen eines erst allmählich zur Förderung eintretenden Hauptproduzenten, so­wie ferner auch auf die wohl mit dem plötzlichen Aufschwung des amerikanischen Geschäftslebens zusammenhängenden Neigung, höhere Kauf­preise für Diamanten zu bewilligen, zurückzu­führen. Die von der Regie erzielten Preise vergleichen sich mit den Erlösen aller anderen Provenienzen äußerst vorteilhaft in Anbetracht des Umstandes, daß vorläufig nur verhältnis­mäßig kleinere Steine auf den Markt gekommen sind. Die Premier-Company soll unserem Ver­nehmen nach für ihre Steine im Durchschnitt nur ca. 11 J*. pro Karat erzielen, obgleich bei jeder ihrer Sendungen ansehnliche Mengen so großer Steine, wie sie im deutschen Gebiete bis­lang nicht gefördert worden sind, enthalten zu sein pflegen. Hiervon abgesehen, ist ein Ver­gleich mit den für die Kap-Transvaal-Orange- Steine erzielten Preisen kaum anzustellen, weil die Art, Größe und Form der dortigen Steine sich von den aus dem deutschen Schutzgebiet hier­für verschifften Ware in wesentlichen Punkten unterscheiden. Schließlich ist noch zu bemerken, daß die Regie für ihre schlechteste Qualität dorr regelmäßig 5 bis 6 <M. pro Karat erzielt, wäh­rend solche von sämtlichen anderen Produzenten der Welt bis heute zu iy2 sh verkauft wird.

Der Zar in England.

Cowes, 5. Aug. Kaiser Nikolaus empfing heute vormittag an Bord desStandart" Depu- tationen der Städte London und Portsmouth sowie der Handelskammern von London und Liverpool, die dem Kaiser eine Willkommen­adresse überreichten. Der Kaiser verlas in eng­lischer Sprache die Erwiderung, in der er die Zuversicht aussprach, daß die freundliche Stim­mung zwischen beiden Ländern ihre glückliche Wirkungen weiterüben und der Aufrechterhal­tung des Weltfriedens erfolgreich dienen werde.

Wie entzückend es bei Ihnen ist, meine Gnädigste!" sagte der Fürst,"die Blicke durch die Behaglichkeit des Gemaches schweifen fassend und mit dem Ausdruck vollster Bewunderung auf der schönen Gebieterin desselben ruhend.

Wahrhafttg, diese ideale Gestalt, die mit leichter Anmut eben den Pflichten der Hausfrau nachkam, war wohl wert, daß man ihretwegen eine Extravaganz beging, und wenn der Prinz nicht schon seit einigen Tagen mit sich einig gewesen wäre, jetzt, so dicht vor all das gestellt, was mit dem Raffinement der Liebe für einen anderen ausgedacht war, wäre er es geworden.

Sie haben ein kleines Paradies um sich ge­schaffen! Es kommt mir, nachdem ick einige Tage fern von demselben lebte, bezaubernder wie je vor. Und auch Sie wenn Sie mir er­lauben, das zu sagen erschienen mir nie rei­zender wie heute!"

Der Fürst neigte sich dabei galant über die schöne Hand, die ihm den Tee bot, und seine Lippen ruhten etwas länger wie nötig auf den roeißen Fingern. Nora hätte ihm die Hand ent­reißen und in das blasierte, nichtssagende Ge­sicht schlagen mögen aber statt dessen lächelte sie liebenswürdig und ihm nur langsam, zögernd ihre Finger entziehend, antwortete sie in wei­chem Tone: > > .

Es freut mich, Hoheit, wenn es Ihnen bei mir wohl ist, aber ich meine darin nicht höher zu rangieren wie andere Leute. Wer konnte einem so verwöhnten Manne, wie Hoheit es find, etwas Neues und Reizevwes bieten? Habe ich mit doch erzählen lassen, haß Ihr Hotel an Schönheit und Geschmack der Einrichtung feine* gleichen sucht." .

Deutsches Reich.

Vom Kaiser. Swinemünde, 5. Aug. Der Kaiser unternahm heute Vormittag bei sehr schö­nem Wetter am Strande einen längeren Spazier­gang und hörte um 12 Uhr an Bord derHohen- zollern" den Vortrag des Marine-Stabsinge- nicurs Bock-Metzner von derHohenzollern" über moderne Dampsiurbinen und Transformatoren, Zum Vorttage waren die Ofiziere derHohen- zollcrn", derHamburg" und derSleipner" er­schienen.

Besuche. Cronberg i. T., 5. Aug. Die Kronprinzessin von Griechenland ist mit ihren

Der Prinz nickte befriedigt mit dem Kopfe; ja, es war sein Ehrgeiz, alles am schönsten und eic»nartigften zu haben, seine großartigen Mit­te! erlaubten ihm das, und eben deshalb wollte er auch seinen Schätzen die Krone aufsetzen und dieses berückende Geschöpf als lebendiges Mei­sterwerk ihnen einverleiben. Er durfte sich das erlauben, er war frei und unabhängig. In den Tar en feiner jetzigen Abwesenheit hatte er alles auf diesen Fall Bezügliche geordnet, und es galt jetzt nur, die Erkorene von dem großen, ihr be­vorstehenden Glück zu benachrichtigen. Dann konnte er seinem Gelüste folgen und die schlanke weiße Gestalt, die sich ihm gegenüber so lässig und anmutig in den Sessel schmiegte, in feine Arme ziehen und die Lippen, die sich eben so fest und kalt schlossen, mit seinen Küssen be­decken.

Der mit allem des Lebens fertige, ver­brauchte Mann fühlte bei diesem Gedanken einen lange nicht mehr gekannten, angenehm prickelnden Schauer durch seine Nerven ziehen, und sich etwas vorbeugend, sagte er mit selbst­zufriedenem Lächeln:

, Ja es ist wahr, was Geld und Macht er­reichen 'können, das habe ich zusammengetragen, aber was hilft das alles? Meinen Raumen fehlt doch der größte Reiz, ohne den kein rechtes Behagen und wahre Gemütlichkeit bestehen kann der Zauber der weiblichen Gegenwart und Anmut."

Nora lächelte höflich, aber vollkommen kühl, während sie den kleinen Fuß ungeduldig in den weichen Teppich drückte und den Besuch rn den Nordpol wünschte. <

4 .Da» ist doch wir ein selbstverschuldeter

Politische Umschau.

Staatssekretär » Schön und derDeutsche Verein für Schleswig".

Berlin, 5. Aug. DieNorddeutsche Allge­meine Zeitung" meldet: Gras Rantzau-Rastorf kommt in derDeutschen Tageszeitung' auf Die Feststellung zurück, die wir in unserer Nummer »m 3. August über das Gespräch des Staats­sekretärs Frhrn. v. Schön mit dem Abg. Dr. Stcuve gemacht haben. Zu den Ausführungen des Grafen Rantzau ist zunächst zu bemerken daß unsere Mitteilungen nicht korrekt zitiert sind. In unserem Text heißt es: Es ist an der Zeit, daß auf beiden Seiten tunlichst von aus­sichtslosem unfruchtbarem Streiten und Kämp- fen Abstand genommen werde. Der Staatssek­retär hat also betont, daß mit der Einstellung des Kampfes von dänischer Seite begonnen wer­den muß. Er hat damit anerkannt, daß die Deutschen im Erenzbezirke sich in der Vertei­digung befinden. Daß ferner auch der Staats­sekretär die Agitation auf dänischer Seite an der Fortdauer der Unruhe die Schuld beimitzt, er­gibt sich aus seinem Hinweis auf den Optanten­vertrag und andere Maßnahmen der preußischen Staatsregierung. Mit der Erwähnung dieser Maßnahmen ging der Staatssekretär ebenso­wenig über seine Zuständigkeit hinaus, wie die Tatsache seines Gesprächs mit einem freisinnigen Abgeordneten überhaupt zu der Vermutung An­laß geben konnte, er stände hinsichtlich der Ab­wehr der dänischen Jrredenta auf einem anderen Standpunkt als die preußische Staatsregierung. Der Wunsch nach ruhigeren Verhältnissen im Grenzgebiet schließt nicht die energische Abwehr von Uebergrissen und Herausforderungen aus. Es besteht auch nicht der mindeste Anlaß, an der Einseitlichkeit der in der preußischen Staats­regierung und on den Reichsstellen unverändert herrschenden Auffassungen in der Behandlung nationaler Fragen zu zweifeln. Diese Einseit­lichkeit aufrecht zu erhalten und das Deutsch­tum in unserer Nordmark durch positive Maß­regeln zu fördern, wird der Reichskanzler und der preußische Ministerpräsident in voller Ueber- «instimmung mit allen ihm Nachgeordneten Stellen andauernd bestrebt sein.

Die deutschen Diamanten.

Berlin, 5. Aug. Zu den in der Presse auf Grund einer Lüderitzbuchter Zeitungsmeldung erhobenen Angriffe gegen die Diamantenregie des südwestafrikanischen Schutzgebietes ist das B. T." in der Lage nachstehendes mitzuteilen: Gegen den Vorwurf der Verschleuderung der Diamanten durch die Regie spricht schon der Um­stand, daß von zahlreichen in Berlin eingetrof­fenen Kaufliebhabern aus Amsterdam. Ant­werpen, London, Paris, Rewyork mehr al» Dreiviertel unverrichteter Sache mit der Erklär­ung wieder abgereist sind, daß ihnen die Preise zu hoch bemessen sind. Die Qualität kann für sie keinen Grund zur Unterlassung des Ankaufs gebildet haben, weil die Ware von sämtlichen, auch den größten Gegnern der Regie, stets als erstklassig anerkannt worden ist. Fast sämtliche Großhändler Hollands, Belgiens und Englands find in den Kontors der Regie gewesen und

Gin Sommerlraum.

Roman von Ä. van Bettet.

(Fortsetzung.)

Sein forschender Blick überflog die regungs­los dastehende Gestalt nur in den Umrissen. Der hohe Herr war etwas kurzsichtig: was sich in den Zügen der Empfangenden malte,, das konnte er glücklicherweise nicht sehen, da die lange Lorg­nette, die er standhaft dem Binocle vorzog, noch unbenutzt in seiner Hand ruhte. Aber für den Moment reichte seine Sehkraft auch vollkommen aus, um ihm die richtige Direktion zu geben und Nora, vor das unumgängliche Gebot gesellschaft- lcher Formen gestellt, erzwang genügende Selbst" beherrschung, um mit einem harmlosenWill­kommen, Hoheit!" dem Nahenden die kalte Hand «ntgegenzustrecken.

Ihr war dabei zumute, wie in einem tollen Maskenspiel, all ihre Gedanken wirbelten form* lc > und unbestimmt durcheinander, und beinahe hätte sie auflachen mögen über die große Ko­mödie des Lebens, die in ihrem aufschreienden Herzen im selben Augenblick, da sie ihm die Todeswunde schlug, die lächerlickssten, banalsten Pflichten des Alltages aufzwang. Aber nun galt es, den eben so teuer bezahlten Künstlct- enthusiasmus voll in die Handlung treten zu lassen, mit keinem Zucken der Wimper, mit kei­nem Wort ein natürlicher Mensch, sondern nut eine große Schauspielerin zu sein, zu beweisen, daß sie ihr Glück nicht für ein Phantom fort­geworfen habe; und in diesem G^anken zwang sie ein Lächeln auf die farblosen Lippen, einen liebenswürdigen Ton in die gepreßte Kehle.

Mangel, dem H?heit jeden Augenblick abhelscn können!" ... . ,,

Sie wußte kaum, was sie sagte, und ihre Blicke irrten wählend dieser Worte ziellos über den Tisch: aber der Prinz sah in ihrer Teft- nahmslosigkeit nur Schüchternheit und hörte aus ihren Worten nur leises, verlockendes Eni gegenkommen.

Gewiß, man hätte das längst abändern > können. Ich bin ja kein Jüngling mehrt­et lächelte herausforderndaber unser Herz spricht nur einmal!"

Nora sah erstaunt auf. Das war ihr selbst in ihrer uninteressierten, weltverlorenen Stirn, murg etwas zu viel. Nur einmal während man dem sehr galanten hohen Herrn die Her- zensstimmen zu Dutzenden nachrechnete! , .

3a, fuhr dieser unbeirrt fort,nur einmal und nur vor dem Schönsten. Wissen Sie, holde1 Freundin, wen und was ich damit meine?"

Nein, war die kurze und teilnahmslose Antwort. Nora fing an, mit ihrer Geduld und ihrer Kraft am Ende zu sein. Wenn der lang- weilige Geck nicht bald ging, dann verließ sie ihre Fassung. , _

Der Prinz stand unruhig auf. So nahe dem großen Schritt bet Beglückung, kam nut doch auch eine Art von Erregung über seine so« mehr apathische, verbrauchte Natur, und bi« vor Nora yintretend, fuhr et mit gesteigerter Stimme fort: ....... ___

Nora, sollten Eie nicht längst wissen, w« Sie mit sind? Wie mein Hetz sich nach Ihn« sehnt? Sie sind es, Sie, die Schönste von all«, nach der ich meine Hand ausstrecke, die ich tl meim Seite ziehen will! __}

(Fortsetzung folgt) <

DieGbertzesstsche Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. Der Bezugspreis betragt merkt, jährlich durch die Post bezogen 2,95 Mk. (ohne Bestellgeld), bec unfern Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21,) 2 Mk.

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