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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: „Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und „Landwirtschaftliche Berlage-J
Marburg
Donnerstag, 5. August 1909.
Die „Gveehesstschr gdtnng“ erscheint täglich mit Ausnahme dec Sonn- und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post bezogen 2,25 Mk. (ohne Bestellgeld), bei unfern Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21,) 2 Mk.
Die Jnsertronsgebühr beträgt für die 7gehaltene Zelle »der deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen §0 Pfennig. — . *
Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, UnioersitätSbuchdruckere: «< <yUQlß«
Inhaber Dr. C. Hitzeroth, Marburg. Markt 21. — Telephon 55.
Die Lage der deutschen Seeschiffahrt im Jahre 1908
spiegelt sich am wirkungsvollsten in der Tatsache wieder, Latz die 7 größten deutschen Rhedereien auf ein Gesamt-Aktienkapital von 330 Millionen Mark im Jahre 1908 ein Dividendenerträgnis ton nur iy4 Proz. im Durchschnitt erzielten, während sie das gleicheKapital für 1907 noch mit 5V> Proz. und für 1906 ein Kapital von 276 Millionen Mark mit Sy4 Proz. verzinsen konnten. In anderen Ländern sieht es nicht Lesser aus. Nach einer Statistik der englischen Schifffahrtszeitschrift „Fairplay" mutzten sich 76 Frachtdampfrhedereien, die über 1,7 Millionen Lruttoregiftertonnen verfügten, mit einem Gewinn begnügen, der für eine der kaufmännischen Vorsicht entsprechende Abschreibung nicht ausgereicht haben würde. Gegenwärtig sind in den nordeuropäischen Häfen 2 Millionen Frachttonns beschäftigungslos) sie sind von ihren Rhedern stillgelegt worden, weil es absolut unmöglich ist, auch nur die Betriebskosten zu verdienen. Auf Grund dieser Tatsachen, die Herr V. Huldermann, Generalsekretär der Ham- Lurg-Amerika-Linie, auf dem ersten gemeinsamen Vereinstag des Deutschen Neutischen Vereins und des Verbandes Deutscher Seeschiffer-Vereine beleuchtete, zu folgendem Urteil gekommen: „Im Jahre 1908 war der größte Teil der Weltschiffahrt auf einem Nullpunkt des Verdienens angekommen, und auch die erzwungene beträchtliche Einschränkung ihrer Produktionsfähigkeit, wie sie in anderen Industrien meist in verhältnismäßig kurzer Zeit eine Sanierung herbeizuführen pflegt, hat nicht ausgereicht, eine durchgreifende Besserung herbeizuführen. Be- !anders schwer fühlbar war und ist die Depres- ion für die in freier Fahrt verkehrende Tonnage. Aus dieser bestehen mindestens zwei Drittel der englischen Handelsflotte, ferner ein großer Teil der skandinavischen Rhederei, und wenn auch in Deutschland dieser Zweig der Schiffahrt nur einen bescheidenen Umfang hat, fo hatte er doch gerade in den Jahren vor der gegenwärtigen Krisis erfreulich aufzublühen und namentlich an den Ostseeplätzen die so zurückgegangene Schiffahrt wieder zu beleben begonnen. Wenn es daher der internationalen Tramprhederei schlecht geht, so trifft das direkt auch einen Teil unserer Schiffahrt. Indirekt trifft es aber die ganze deutsche Schiffahrt, weil die englische Tramprhederei vermöge ihres kolossalen Umfanges auf den Frachtenmärkten der ganzen Welt eine dominierende Rolle spielt. Einzig und allein ihr Einfluß ist es gewesen, der die Frachtraten für Massengüter in den letzten Jahren allenthalben auf ein Niveau gedrückt bat, wie man es so niedrig nie zuvor gekannt hatte.
Der Vortragende erörterte bann weiter die gegenwärtige Depression, die Subventionspolitik, die besonders in England, Frankreich, Italien und Japan Anwendung gefunden hat, die freiwilligen Leistungen der Rhedereien auf dem Gebiete der Sicherheitsvorrichtungen und der sozialen Fürsorge — die Ausgaben für Krankengeld, Invalidenversicherung, Unfallversicher- »ng, Pensionsversicherung und Unterstützungen haben in den letzten Jahren durchschnittlich 1,3
62 (Nachdruck verboten.)
Cin SommerLranrn.
Roman von K. van Seele*.
(Fortsetzung.)
Wie eine verwundete kampfbereit« Schlange war Nora bei Heinzes Worten emporgeschnellt. Die Decke nichtachtend beiseite werfend und alle leidende Mattigkeit total vergessend, fragte sie mit funkelndem Blick: „Was meinst Du? Ich hoffe, Dich nicht recht verstanden zu haben; sprachst Du wirklich davon, daß ich der Bühn« den Rücken wenden soll?"
Er saß sehr blaß aber vollkommen ruhig da. „Gewiß, liebe Nora, und ich begreife nicht, wie Dich das so aufregen und überraschen kann! Du mußt Dir doch selbst sagen, daß ein« Vereinigung zwischen uns unmöglich ist, solange Du als ausübende Künstlerin dem Publikum unb einem Dich völlig in Anspruch nehmenden Beruf angehörst!"
„Warum? Nichst sehe ich ein. Mein Beruf und meine Künstlerschaft liegen aus einer ganz anderen Seite wie die Liebe zu Dir. Ich kann btm einen folgen, ohne den anderen zu schädigen. Mit gleichem Recht könnte ich erwarten, daß Du Deinen Beruf aufgibst und fortan nur mir lebst!"
„Ich denke, den Unterschied zwischen diesen beiden Forderungen siehst Du selbst, ohne daß Ich ihn Dir auseinandersetzen mutz! Der Mann hat andere Rechte und andere Pflichten wie eie Frau; ihn treiben dieselben nach außen, sie »ach innen, zu dem geschützten Kreise der Häuslichkeit, in dem sie ihre Welt und ihre Befrie- biguna finden soll."
Millionen Mark, die Steuern und Abgaben V/4 Millionen Mark betragen —, die Lohnbewegung, die Abnahme der Segelschiffahrt, die Gefahren, im besonderen die lohndrückenden Wirkungen zu rascher sozialpolitischer Fortschritte, die Bedeutung der Handelsschifsahrt als wertvolles Aktivum in der Bilanz unseres Nationalvermögens, die Verdienste der größeren deutschen Rhedereien für das jährliche Nationaleinkommen, die zum weitaus größten Teil im Auslande verdient sind, die repräsentierende und imponierende Stellung einer großen und glänzenden Schiffahrt gegenüber dem Auslande, die Aufgaben der Eeschäftsgebahrung inmitten der schärfsten internationalen Konkurrenz v. a. m. Herr Huldermann faßte bann seine Ausführungen in folgendem Schlußwort zusammen: „Unsere Schiffahrt ist eine reiche Quelle des Erwerbes für die ganze Nation und sie kann es bleiben, wenn man ihr die Lebensadern nicht unterbindet. Sie ist über diese materielle Seite hinaus noch weit mehr, sie ist eine der stärksten Stützen unseres Ansehens unter den Völkern der Erde und mit ihrem großen geschulten Personal die festeste Grundlage unserer Wehrmacht zur See. Möge sie es auch in Zukunft bleiben!"
Politische Umschau.
Der neue Unterstaatssekretär.
Man wird wohl in der Annahme nicht fehl- oehen, daß der neue Unterstaatssekretär 'm Reichsamt des Innern Dr. Richter die Leitung der vierten Abteilung übernimmt. Im Reichsamt des Innern gibt es vier Abteilungen. Zu dem Geschäftskreise der ersten gehören die auf den Bundesrat und Reichstag bezüglichen Geschäfte, Staatsangehörigkeitssachen, Freizügigkeitssachen und Armenwesen, die Preß-, Vereins- und Fremdenpolizei u. a.; der zweiten Abteilung liegen die sozialpolitischen Ausgaben ob; in der dritten werden Medizinal- und Vet."- rinärwesen, gewerblicher Rechtsschutz, Maß- und Eewichtswesen, Auswanderungswesen, See- und Binnenfischerei u. a. bearbeitet; die vierte Av- tei'.ung beschäftigt sich mit der Handelspolitik Der jetzig« Staatssekretär des Reichsfchatzanlls Wermuth war als Unterstaatssekretär in: Reichsamt des Innern Leiter der vierten Abteilung. Sein Nachfolger im Unterstaatssekre- tariat würde danach auch die handelspolitische Abteilung übernehmen. Als der jetzige Unter- staatssekretär Dr. Richter noch Direktor im Reichsamt des Innern war, war er Leiter der ersten Abteilung. Jetzt wird diese Abteilung tont Direktor Just, die zweite vom Direktor Caspar und die dritte vom Direktor von Jon- quiöres geleitet.
Reue Vorlagen.
Berlin, 3. Aug. Ebenso wie dem Reichstage wird auch dem preußischen Landtage in der nächsten Tagung voraussichtlich eine große Reihe von Vorlagen unterbreitet werden. Zu ihnen wird sicher der Staatshaushaltsetat für 1910 gehören. An der Begründung der Etats- Neuforderungen, die von den Einzelresiorts dem Finanzministerium eingereicht werden sollen, wird jetzt bereits überall eifrig gearbeitet. Während im Reiche die Frist zur Anmeldung dieser
Sie lachte kurz und hart auf. „Immer die alte Geschichte von der untergeordneten, nur auf die Häuslichkeit angewiesenen Stellung der Frau! Zugegeben, daß sie in ihrer althergebrachten Unverrückbarkeit für die Allgemeinheit paßt, aber Du vergißt immer wieder, daß ich zu derselben' ein- für allemal nicht gehöre. Ich kann nicht roieber in bie Kinderschuhe der Alltäglichkeit zurück; ich bin aus ihnen herausgewachsen, und wenn Du mich haben willst, so mußt Du dem Rechnung tragen und mich nehmen, wie ich bin!" Ihre Stimme brach in Aufregung und Tränen, und erschreckt, hingerissen von der überzeugungsvollen Gewalt ihrer Worte, schloß er sie zärtlich und angstvoll in feine Arme. „Aber Geliebte, das will ich ja auch. Alle Rücksicht, die Du verlangst, die möglich ist, will ich für Dich nehmen! Du sollst Deinen künstlerischen Neigungen nach wie vor folgen dürfen! Ich ziehe mit Dir, wo Du Dir eine Heimat gründen willst; und meine Ansprüche an das, was Du als Hausfrau leistest, sollen sich auf das Geringfügigste beschränken, die Dir ganze Zeit lasten zum Eingewöhnen und Finden. Nur bei der Bühne darfst Du nicht bleiben, das ist unmöglich!"
„Aber gerade von ihr kann ich nicht lasten. Ich finke in bodenloses Nichts, wenn Du mir meinen Beruf nimmst! Er ist mit mir verwachsen dis in den letzten Gedanken; ich wurzle in ihm, wie im Mutterboden, und wenn ich in meiner maßlosen, wahnsinnigen Liebe zu Dir mich aus ihm löste, bann wäre meine Lebenskraft gebrochen, ich wär« nicht mehr ich nicht mehr bas, was Dich entzückt und festelt! 'Heinz, Heinz, kannst Du es den« nicht verstehen?*
Neuforderungen bei der Finanzzentralstelle mit dem 1. August abläuft, erstreckt sie sich in Preußen bis zum 1. September. Von bann ab wird das Finanzministerium die Fertigstellung des Etats in die Hand nehmen. Er wird, wie gewöhnlich, um Weihnachten herum fertig werden und dem Abgeordnetenhause im Januar nächsten Jahres überreicht werden können. Außer dem Etat ist aber auch eineReihe von Gesetzentwürfen in Vorbereitung. Die hauptsächlichsten sind der Wassergesetzentwurf, das Fischereigejetz, der Entwurf über die Reorganisation der Gene- ralkommissionen, das Wohnungsgesetz, das Fidei- kommißgesetz, das Gesetz über die Mittelschulen und das über den Denkmalschutz. Für fast alle ist im Laufe der Verhandlungen des preußischen Landtages die Hoffnung ausgesprochen, daß sie seitens der Regierung in der nächsten Tagung werden vorgelegt werden können. Inwieweit sich diese Hoffnung wird verwirklichen lassen, bleibt abzuwarten. Jedenfalls werden die hauptsächlichsten dieser Entwürfe, das Waffer- und das Fischereigesetz, zusammen vorgelegt werden. Beide sind in ihrer Vorbereitung soweit gediehen, daß ihre Vorlage für den nächsten Winter als ziemlich sicher angesehen werden kann. Zu den neuen Vorlagen werden sich dann sicher auch noch einige andere, altgewohnte gesellen. Dazu ist in erster Reihe ein Eisenbahnanleihegesetz zu rechnen. Einzelheiten, die darin geregelt werden sollen, sind schon in der letztverflossenen Tagung besprochen worden. Ob, wie fast immer in den letzten Jahren, auch im nächsten dem Landtage noch ein Entwurf zur Bewilligung eines Kredits für die Förderung der Wohnungsverhältnisie der staatlichen Arbeiter und gering besoldeten Beamten unterbreitet werden wird, hängt von dem Zeitmaß ab, in dem die kürzlich erst gewährten und noch nicht aufgebrauchten Mittel zu dem angegebenen Zwecke werden hergegeben werden müssen. Aus jeden Fall wird man sich auch für bie nächste Tagung des preußischen Landtages auf eine große Mannigfaltigkeit bei den zu erwartenden Vorlagen gefaßt zu machen haben.
Kommunale Arbeitsnachweisestellen.
Nach der in der letzten Nummer des Ministerialblattes der Handels- und Gewerbekammer veröffentlichten „Ueberfidjt über die in Preußen vorhandenen kommunalen oder mit kommunaler Unterstützung betriebenen allgemeinen Arbeitsnachweisestellen nach dem Stande vom 1. Januar 1909" sind bei den allgemeinen Nachweisestellen im Jahre 1908 Stellen
angeboten: 606772 gegenüber im Jahre 1907: 686583 „ „ 1906: 671926
„ „ 1905: 567568
gesucht: vermittelt:
996600 459705
806752 489174
755255 460213
693186 390908
Mährend danach die Zahl der gesuchten Stellen auch im Jahre 1908 weiter gestiegen ist, weist unter dem Einflüsse der rückläufigen wirtschaftlichen Entwicklung sowohl die Zahl der angebotenen Stellen als auch, wenngleich nicht in gleichem M^ße, die Zahl der Vermittlungen einen Rückgang auf. Mehr als 10 000 Stellen haben im abgelaufenen Jahre vermittelt die 10 Arbeits
nachweisestellen in Berlin (88 767), Frankfurt a. M. (37 622), Köln (25 753), Düsseldorf (25 501),
Heinz drückte Nora fester an sich. Die Angst, fi« zu verlieren, schnürte ihm die Kehle zu. „Lori, Du täuschest Dich! Wenn Du mich wirklich liebst, bann muß diese Liebe Dir über alles geben, muß Dir alles ersetzen! Auf den Händen will ich Dich tragen, Geliebte so einhüllen in den Königsmantel meiner Liebe, daß nichts von den Versuchungen der Vergangenheit, von der Sehnsucht der Bühnenleidenschaft zu Dir heran kann! Habe nur den Mut, mit zu folgen, Dich von all dem zu lösen, was so lang« Dein Leben ausfüllte!"
Sie wand sich aus seinen Armen, totenblaß, die Augen mit einem verzweifelten Blick auf ihn gerichtet. „Ich kann es nicht, Heinz, ich kann es nicht! Es wäre ein Irrtum, den wir beide mit lebenslänglicher Qual büßen müßten. Ich weiß es! Es war das, was mich damals von Dir trennte, es wird uns auch diesmal trennen? Nein, nein, Geliebter, es ist nicht möglich, Du kannst mich nicht so kalt und schroff einem Prinzip opfern! Du kannst nicht meine Seele töten wollen, nur um meinen Körper zu besitzen? Heinz, denk« an unsere Liebe, denke an die Quak der Trennung, erhöre mich!" Leidenschaftlich warf sie sich an seine Brust, ihre weiche, zarte Gestalt bebte unb zuckte in seinen Armen.
Die von Nora ausströmende Glut, ihre Hingebung, ihre Beredtsamkeit fingen an, Heizens Sinne zu verwirren, die Angst, sie zu verlieren, feinen Widerstand zu lähmen. „Lori, so höre mich doch! Du sollst ja nicht der Kunst entsagen, nur diesem Zweig ihrer Ausübung! Du sollst ja nichts entbehren, als den gleichgiltigen Jubel unb Beifall der Menge! Wenn ich DK sonst mehr bin wie bi« ganze Welt, kann ich e
Posen (17474), Dortmund (17 369), Magdeburg (16 090), Breslau (12 526), Kiel (12 372) und Charlottenburg (11779), mehr als 5000—10 000 Stellen die 12 Arbeitsnachweise in Elberfeld (9814), Erfurt (9803), Cassel (9543), Hannover (9338), Schöneberg (9330), Wiesbaden (7970), Barmen (7360), Flensberg (6039), Bielefeld (5638), Königsberg (5569), Potsdam (5487) und Essen (5329). Während einige kleinere Nachweisestellen eingegangen sind, wurden 39 Arbeitsnachweisestellen neu begründet, davon im Regierungsbezirk Gaffet 17 und im Regierungsbezirk Wiesbaden 10, die zumeist dem Mitteldeutschen Arbeitsnachweisverband in Frankfurt a. M. an- geschlossen wurden, außerdem in einer Reihe mittlerer Gemeinden, so in Pankow, Kottbus, Schönebeck, Rendsburg und Leer. Die Gesamtzahl der Arbeitsnachweiseftellen ist im letzten Jahre von 222 am 1. Januar 1908 auf 254 am 1. Januar 1909 gestiegen. Hiervon sind 150 kommunale Arbeitsnachweise, die übrigen 104 Nachweise stellen werden mit kommunaler Unterstütz, ng betrieben.
Deutsches Reich.
— Eine neue Zusammenkunft des Kaisers mit dem Zaren steht bevor. Der Kaiser wird, tri; die „Voss. Ztg." meldet, am 7. August von feiner Nordlandreise nach Kiel zurückkehren und am folgenden Tage mit dem aus England heimkehrenden Zarenpaar zusammentressen. Die Rückfahrt des Zarenpaares erfolgt wieder durch den Kaiser Wilhelm-Kanal unter den gleichen Vorsichtsmaßregeln wie in der vorigen Woche. Di« Abfahrt des Zarenpaares erfolgt am 9. August. Während der Anwesenheit des Zaren» paares in Kiel wird die gesamte Flotte im Hr, fen sein.
— Angeblicher Botschafterwechsel in Paris. Nach der „Saalezeitung" soll der deutsche Botschafter in Paris, Fürst Radolin, bald nach der Rückkehr des Kaisers von der Nordla:idfahrt diesen seinen Posten verlassen und durch den jetzigen Staatssekretär des Auswärtigen Amtes Freiherrn von Schoen ersetzt werden. Daß Fürst Radolin nicht mehr lange auf seinem Bariftr Posten bleiben wird, ist bekannt. Ob die Abberufung jetzt oder in nächster Zeit erfolgen werde, steht noch nicht fest; wohl aber kann cs als ausgeschloffen gelten, daß der Staatssekretär des Auswärtigen Amtes sein Nachfolger werde» wird.
— Ans unseren Kolonien. Auf dem Per« bandstage des Alldeutschen Verbandes, der vom 3.—7. September in Schandau stattfindet, wird unter anderem ein Antrag der Ortsgruppe Darmstadt auf Festsetzung deutscher Ortsnamen m deutschen Kolonien zur Verhandlung kommen. Den Antrag wird Landgerichtsrat Ott«' von Pfister-Darmstadt vertreten. — Merkwürdige Auffassungen über Verbrechen scheinen auch heute noch die Behörden der Kapkolonie z» haben. Wie erinnerlich, mordete eine Hotten» tottenbande vor einigen Monaten deutsche Far« mer und Soldaten und schleppte Beute fort. Die Kappolizei nahm die Gesellschaft (9 Mann) fest, und in Deutschland quittierte man dankend für
Dir auch darin sein. Kann mein Entzückens mein Beifall Dir nicht all' das ersehen, was Dir sonst die Bühne bot?"
„Nein, das kannst Du nicht beurteile»! kannst es nicht verstehen! Es ist meine Lebens» lüft, ich brauche das große Publikum, ich brauch« dsn Jubel her Menge, die Aufregung, de» Rausch, all das, was mit meiner Bühnentätig» leit zusammenhängt und nichts auf der Wett kann mir das ersetzen!"
„Nichts. Lori? Dann liebst Du mich nicht, dann zieht Dich zu mir nicht das Herzensbedürfnis, sondern nur ein Rausch der Sinne, keine Notwendigkeit, sondern nur ein augenblickliches Verlangen, dann hast Du mich zum zweitenmal« getäuscht, mein Leben zerbrochen und ver» nichtet!" l
Zürnend, anklagend stand er vor ihr.
Aber jetzt richtete sich auch Nora gereizt und heftig auf. „Und Du, der Du nur Opfer verlangst und selbst keines bringen willst. Worauf stützest Du die vorwiegenden Rechte Deiner Forderungen? Nur auf die alte tyrannische Formel her verschiedenen Herrschaftsbedingungen von Mann und Weib! Ich aber breche mit den alte« Vorurteilen, ich stelle mich als Mensch dem Men- scheu gegenüber und verlange gleiches Recht für beide. Du willst meine Liebe, mein ganzes Leben als Nebenbedingung für Dein Wohlbehagen, mit aber verweigerst Du das gleiche und willst mich gegen mein« Natur in Formen jminJ gen, die mein innerstes Sein verkrüppeln, üßo ist da von Liebe die Rede? Ich sehe nut beei Eooi-imusl"
(Fortsetzung folgt.)