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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: „Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und.Landwirtschaftliche Berlage."
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Die „Gberhesksche Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. — Der Bezugspreis betrügt viertel- jährlich durch di« Post bezogen 2,25 Mk. (ohne Bestellgeld), bei unfern Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21,) 2 Mk.
Marburg
Mittwoch, 4. August 1909.
Die Jnsertionsgebühr beträgt für die 7gehaltene Zeile oder deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. — Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, llnioersitStSbuchdruckerei Inhaber Dr. C. Hitzeroth, Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
44. Jahrg.
Der heutigen Nummer liegt bei Kreisblatt Nr. 60.
Groß- und Kleinbetriebe.
Schon so manche sozialdemokratische Theorie ist als falsch erkannt und in die Rumpelkammer gerrorfen. Das Lassalschc eherne Lohngesetz spielte eine ganze Zeit hindurch in der Sozial- poltik eine Rolle. Heute weiß jedes Kind, daß in Wirklichkeit der Arbeiter weit mehr verdient als sein Existenzminimum, und daß das eherne Lohngesetz nichts weiter als ein Phantasiegebilde war. Auch mit der Theorie von der Veredelung der Massen haben die sozialdemokratischen Führer viele Jahre hindurch Propaganda getrieben. Heute braucht man sich doch nur den Standard of life der breiten Schichten der deutschen Bevölkerung anzusehen, um zu wissen, daß auch diese Theorie von der Wirtlichkeit ad absurdum geführt ist. Eine Theorie aber, mit der die sozialdemokratische Wissenschaft immer noch kokettiert, ist die von der Aufsaugung der Klein- durch die Eroßbe- triebc. Vor kurzem ist im Reichsanzeiger das Ergebnis der gewerblichen Betriebsstatistik vom 12. Juni 1907 veröffentlicht. Was zeigt sie? Zu dem genannten Zeitpunkt waren im Ee- fmntgewerbe 3 124 198 Kleinbetriebe, 267 430 Mittel- und 32 007 Großbetriebe vorhanden gegen 2 882 768 Klein-, 112 715 Mittel- und 9974 Großbetriebe im Jahre 1882. Diese Zahlen lassen erkennen, daß zwar die Großbetriebe am stärksten zugenommen haben, daß aber an der Zunahme auch die Mittel- und Kleinbetriebe beteiligt waren. An gewerbetätigen Personen waren 1882 in den Kleinbetrieben 4 335 822, in den Mittelbetrieben 1391720 und in den Großbetrieben 1613 247 beschäftigt. Diesen Zahlen standen im Jahre 190. bei den Kleinbetrieben 5 353 576, bei den Mittelbetrieben 3 644 751 und bei den Großbetrieben 5350 025 gegenüber. Auch hier ist die gleiche Steigerunacantwicklung wie bei den Betriebszahlen innerhalb der drei verschiedenen Betriebsarten zu bemerken. Immerhin beträgt die Zahl der in Klein- und Mittelbetrieben beschäftigten Personen noch fast das Doppelte der in Großbetrieben gewerbtätigen Personen. Nimmt man hinzu, daß in der Landwirtschaft an eine Aufsaugung der Kleinbetriebe durch die Großbetriebe erst recht nicht zu denken ist, so muß man zu dem Schluffe kommen, daß auch die sozialdemokratische Theorie von der Aufsaugung dc. Klein- durch die Großbetrieb mit der Wirklichkeit nicht übereinstimmt. Gewiß wird die Sozialdemokratie auf die verhältnismäßig schnellere Zunahme der Großbetriebe und der in ihnen beschäftigten Arbeiterzahl Hinweisen, aber wenn die daraus etwa konstruierte „Aufsaugung" weiter so vorwärts geht wie in den letzten 25 Jahren, dann wird man doch eine recht lange Zeitspanne ohne Sorge um die aus der Erfüllung sozialdemokratischer Prophezeiungen etwa entstehenden Gefahren schlafen fcrnttn.
kl (Nachdruck verboten.)
Ei« Somrnertraum.
Roman von K. van Beeker.
(Fortsetzung.)
Christel mit kurzer Handbewegung zurückweisend, schritt Nora dem Teezimmer zu. Nur noch fünf Minuten, dann mußte er, der stets Pünktliche erscheinen. Ihr Herz klopfte wild und unruhig. Wie sie ihn liebte! Jeder Fiber an ihr bebte in Sehnsucht nach ihm; und noch lebte in ihr nur der eine Gedanke, ihn zu unterjochen, ihn sich und ihrer Art untertan zu machen. Trotz allem kam zuerst sie, und dann erst er. Anders war es nicht denkbar, anders hatte sie es nie gekannt. Sie war der Mittel- xuntt, um den sich die Welt drehte. Wenn sie ihn auch liebte — dieser Weltordnun ; mußte auch er sich fügen. Dabei schüttelte die Aufregung sie aber doch wie Fieber, und sie fühlte sich matt und schwach wie eine Sterbende. Erschöpft warf sie sich auf die neben den Teetisch gerückte Chaiselongue und zog eine türkische, weiche Decke um ihre Knie. Es war kein Fehler, wenn sie ihm leidend und hilfsbedürftig erschien; er würde demgegenüber weicher und nachgiebiger sein. Schwache Frauen, sie wußte es wähl, waren immer verführerischer und mächtiger wie gesunde, im Vollbesitz aller Kräfte stehende, und heute, wo jedes Mittel galt, war sie bereit, auch zu diesem zu greifen, das sonst ihrer tatkräftigen, stahlharten Natur direkt widerstrebte. Es galt Sieg oder — nein, das konnte sie nicht ausdenken, es war Nacht d«d Tod, was dahinter lag! Fort mtt solchen Wtufat,
da nicht die Glocke? War er nicht w*|W Schritt? Ja. da trat er ein. Lori
Die Fahrt des „Z II'.
Frankfurt«. M., 2. Aug. Als heute abend gegen 7 Uhr bekannt wurde, daß „Z 2" die Rückfahrt nach Frankfurt a. M. angetteten habe, strömte sofott eine zahlreiche Menschenmenge nach dem Ausstellungsgelände der „Jla". Das Betteten des Flugplatzes erwies sich jedoch als unmöglich, da derselbe polizeilich abgespertt wurde. Zur Landung waren Mannschaften des 81. Jefanterieregiments seit %7 Uhr bereitgehalten worden. Um 8 Uhr 45 Min. verkündeten Böllerschüsse das Herannahen des Luftschiffes, das nach Ablauf weiterer 4 Mimtten glatt landete. Man spricht von einem Motordefett, doch ist bis zur Sttmde genaues hierüber nicht zu erfahren.
Neuwied, 2. August. Soeben, um 2 Uhr 50 Min. nachmittags, fliegt „Z 2“ über Neuwied. Das Luftschiff hat mit einem hefttgen Gewitterregen zu kämpfen. Man glaubt, aus den Ma- növern des Luftschiffes auf eine Landung bei Neuwied schließen zu sollen.
Neuwied, 2. Aug. Augenblicklich, um 3y2 Uhr nachmittags, treibt das Luftschiff zwischen Andernach und Weißenturm.
Köln, 2. Aug. „Z 2" wurde soeben, 4 Uhr 20 Min., über Remagen gesichtet. (Remagen liegt etwa in der Mitte des Weges Neuwied- Bonn; die Luftlinie Remagen-Köln mißt einige vierzig Kilometer. D. R.)
Köln, 2. Aug. Nachdem das Luftschiff „Z 2* von 4 Uhr 55 Min. ab längere Zeit über Remagen, Kripp und Linz manövriette und mit heftigem Winde zu kämpfen hatte, ist es um 5 Uhr 10 Min. oberhalb in Honnef gesichtet worden.
Linz, 2. Aug. Seit 4 Uhr 55 Min. manövriert „Z 2* über Linz und Remagen. Er hat mit heftigem Wind zu kämpfen.
Bonn, 2. Aug. „Z 2" wird erst 5 Uhr 35 Min. von hier aus sichtbar.
Koblenz, 2. Aug. Um 6 Uhr 50 Min. fuhr das Luftschiff in sehr schneller Fahtt über Niederlahnstein und nahm die Richtung in den Taunus.
Rüdesheim, 2. Aug. Das Luftschiff hat soeben, 7 Uhr 15 Min., in rascher Fahtt die Stadt überflogen.
Ober-Ingelheim, 2. Aug. „Z 2“ hat auf der Rückfahtt nach Frankfutt a. M. um 7 Uhr 45 Min. die Stadt passiett.
Wiesbaden, 2. Aug. „Z 2" überflog um 8 Uhr die Stadt.
Frankfurt, 2. Aug. Wie die Leitung der „Jla" mitteilt, ist „Z. 2" infolge Motordefekts auf der Rückfahtt nach Frankfutt begriffen.
Frankfurt, 2. Aug. Wie die Kgl. Waffer- bauinspektton mitteilt, überflog „Z 2" um 8 Uhr 10 Min. bei Mainz die Kostheimer Schleuse.
Frankfurt, 2. Aug. Um 8 Uhr 45 Min. verkündeten Böllerschüsse das Herannahen des Luftschiffes „3 2*. Um 8 Uhr 50 Min. landete cs glü.lich auf dem Fluggelände der „Jla*.
sah es auf den ersten Blick, auch er war kampfbereit, ernst und mit einer gewiffen künstlichen Zurückhaltung im Wesen, die freilich vor ihrer auf dem Ruhebett hingestreckten Gestalt und der matten Anmut, mit der sie ihm beide Hände entgegenstreckte, im ersten Moment zusammenbrach und dem Ausdruck zärtlichster Besorgnis vollkommen Platz machte. „Liebste, was hast Du? Ist Dir nicht wohl?"
Wie gut, daß die Ermattung sie gefeffelt hatte! Sie fühlte es wohl, daß diese leidende Hilflosigkeit ihr zur besten Bundesgenoffin wurde; und ihr Gesicht in seine Hand schmiegend, lächelte sie beruhigend zu ihm auf: „Ach. es ist nichts! Ein bißchen Müdigkeit, ein bißchen Erkältung. Ich hätte dem garnicht nach- geben sollen, aber ich baute auf Deine Nachsicht und bin meiner Bequemlichkeit gefolgt. Nur dieser, Du brauchst Dich deshalb nicht zu sorgen!"
Er fühlte ihren Puls. „Nein, Fieber hast Du nicht, es scheint wirklich nicht schlimm zu sein!" Dabei preßte er seine Lippen auf den weißen, in seiner Hand ruhenden Arm; erst einmal auf das feine Gelenk, dann höher hinauf bis in die weiche, rosige Biegung, immer heißer und leidenschaftlicher. Sie ließ es widerstandslos geschehen, und als er den Blick zu ihr hob, lag ein so sehnsüchtiges, zärtliches Lächeln auf ihrem blaffen Gesicht, daß ihm das Blut heiß zu Kopfe schoß und er verwirrt und hastig zu- rücktrat. Jetzt erst sah er, wozu ihn der Schreck des ersten Augenblicks garnicht hatte kommen laffen, wie wunderbar, wie berückend schön sie aussah, und das Herz wurde ihm bang und schwer bei dem Gedanken an sein Bornchmen und in der Angst, vor ihrem Zauber nicht die
Frankfurt, 2. Aug. An den Kaffen gingen in ben Zeppelintagen für Eintrittsgelder 70 895 Mk. ein. Hierzu kommen dann noch die Einnahmen für Tribünenplätze von rund 20 000 Mark. Im ganzen mögen an den drei Tagen 150 000 Personen die Ausstellung besucht haben.
Spanien und Marokko.
Paris, 2. Aug. Der hiesige spanische Botschafter äußette sich einem Mitarbeiter des „Temps" gegenüber ziemlich optimistisch über die Lage in Spanien und im Gebiete von Melilla; der Aufstand in Barcelona werde gewiß in keinen Bürgerkrieg ausarten. Es handelt sich nicht um eine von einer organisierten Pattei ausgehenden Bewegung, sondern um einen Ausbruch von anarchistischem Fieber. In Melilla fei die Ehre Spaniens engagiert. Trotz der numerischen Uebermacht der Rifleute und trotz der ungünstigen Stellung fei die spanische Armee im Vorteil geblieben. Die spanischen Verluste feien von der Presse außerordentlich übertrieben worden. Ein ihm zugegangenes Telegramm bestätige, daß dieselben niemals 300 überstiegen haben. Man wolle die Risleute züchttgen und dafür genügen die gegenwärtig an Land gebrachten Truppen. In finanzieller Beziehung würde es selbst wenn eine größere Kraftanstrengung nötig wäre, weder neuer Steuern, noch eines Anlchens bedürfen, der Staatsschatz verfüge über einen Ueberfchuß von 80 Millionen, davon 60 Millionen in Gold. Diese Reserve werde für alle Fälle genügen. Es ist auch nicht die Rede davon, um einen auswärtigen Beistand anzusuchen, Spanien rechne bloß auf die moralische Unterstützung Europas und ich hege die Zuversicht, daß sie uns nicht fehlen wird. Besonders Frankreich wird, so hofft ich, immer fest an unserer Seite stehen, der Gerneinbürgfchast treu, welche in Marokko feine und unsere Interessen bereinigt.
San Sebastian, 2. Aug. Der Eisenbahnverkehr zwisch.:: Barcelona, Cerbere, Saragossa und Valencia wird am Dienstag wicderhergesteltt fein. Der Nahverkehr um Barcelona ist bereits wieder im Betrieb. Die Nachricht, daß Maffen- Hinrichtungen vollzogen worden seien, ist unzu- frcffenb. Die Urteile des Kriegsgerichts harren noch ber Bestätigung bes Ministers.
Melilla, 2. Aug. Bei bem Angriff auf einen Proviantzug in ber Nähe ber ersten Station ber Bergbahn würbe ein spanischer Hauptmann getötet und zwei Soldaten verletzt. Die Angreifer wurden in die Flucht geschlagen.
Fez, 2. Aug. Drei Kaids werden mit einer Keinen Mahalla nach bem Rif gehen, um bie Bewohner zur Einstellung ber Feindseligkeiten aufzufordern. Aus ber Umgebung von Seftu wird gleichfalls der Abmarsch der Eingeborenen in das Risgebiet gemeldet. In Albucemas haben die Mauren ein leichtes Gewehrfeuer gegen den Ott eröffnet.
Kraft zu behalten, die er zur Durchführung seines Verlangens so unbeeinflußt nötig hatte.
„Rück' Deinen Stuhl zu mir, Liebster, bis das Waffer kocht, können wir noch ein Weilchen plaudern! Bitte, lege die Decke etwas mehr um meine Füße, mich friert!" Lori schauerte leicht zusammen, und Heinz beugte sich gehorsam nach ber Decke, neben der, achtlos abgestreift, einer der pelzverbrämten, zierlichen LÄerpan- tofseln am Boden lag. Er hob ihn zugleich mit der Decke auf und streifte ihn sorgsam über den kleinen, durch den feinbegitterten Strumpf rosig hervorschimmernden Fuß, aber seine Hände zitterten dabei; und als er nach der Ordnung der Decke den Kopf hob, war sein bräunliches Gesicht von tiefem Rot übergoffen, und seine Augen hatten einen flimmernden, heißen Glanz. Sich mit der Hand mechanisch über die Stirn treichend, atmete er tief und schwer auf und chritt hastig auf den Kamin zu, um den davor agernden Troll mit unruhigen Fingern zu tieicheln und seine Blicke von der im rosigen Lichtkreis ruhenden verführerischen Gestalt wenigstens für eimge Minuten fortzuzwingen.
Da rief auch schon Loris Stimme: „Bist Du unter die Trappisten gegangen Heinz, oder macht Dich irgend sonst ein Gelübde zum stummen Mann? Mein hoher Herr bewegt sich wie ein Automat und macht Troll den Hof, während er mich hier einsam und krank liegen läßt! Wie willst Du das als LieHaber und Arzt verantworten, Bösewicht? Gleich tue Buße, setze Dich ganz nahe zu mir und halte eine hübsche enthusiastische Kritik über meine gestrige künstlerische Leistung!" Schlimmer für sich, besser für ihn hätte sie den Schlußsatz nicht wählen können, und wenn sie, statt der Eingebung de» Augenblicks zu folgen, drei Stunden
Paris, 2. Aug. Eine Madrider Havad- depesche erklätt, die dem Ministerpräsidenten Maura von einem französischen Blatte zugeschrie- benen Aeußenmgen über die Haltung Frankreich» in der Melilla-Angelegenheit beruhen ewf Erfindung.
Politische Umschau.
Staatssekretär v. Schön.
Berlin, 2. Aug. Die „Nordd. Allgem. Ztg." schreibt: Einzelne Blätter beschäfitgen stch noch immer mit angeblichen Aeußenmgen des Staatssekretärs v. Schon über den deutschen Verein für bas nörbliche Schleswig. In ber „Deutschen Tagesztg." nimmt Graf Rantzau Rastorf unbeglaubigte Wiebergaben zum Anlaß von Angriffe« auf ben Staatssekretär des Auswärtigen Amtes, dem er sachlich unbegründetes, taftisch verfehlte-, überdies verfassungswidriges Verhalten vorwirft. Wir sind nach Erkundigungen an maßgebender Stelle in der Lage, festzustellen, wie es sich mit jenen umstrittenen Aeußenmgen taffächlich verhält. Während einer Reichstagssttzung in bew letzten Märztagen richtete der Abg. Dr. Struve tm Namen seiner schleswig-holsteinischen Pattei- frcunbe an ben Staatssekretär des auswärtigen Amts schriftlich drei Fragen, von deren öffentlicher Verhandlung der Abgeordnete mit Rücksicht auf die Geschäftslage des Hauses Abstand nehme« wollte. Zwei dieser Fragen betrafen unstreitig Gegenstände de : auswättigen Politik, von der dritten konnte dies zweifelhaft sei«. Staatssekretär Schön gab Herrn Struve mündlich und vettraulich Bescheid auf die beiden in fein Ressort fallenden Fragen. Bezüglich der dritten verwies er ihn an bie mehr zuständig scheinende Stelle. Im Lauft ber sich hieran knüpfenden Unterhaltung gab ber Staatssekretär, angeregt durch eine Bemerkung Struves, bem Bedauern Ausdruck, baß ttotz bes Optantenvettrages und anderer versöhnlicher Maßnahmen der preußischen Staatsregierung noch immer nicht die erhoffte Beruhi- gung im nördlichen Schleswig eingetreten sei, eher vielleicht eine Verschärfung der Gegensätze zwischen Deuffchen und Dänen. Es fei an der Zeit, daß auf beiden Setten, zunächst auf dänischer, aber auch auf deutscher, von aussichtslosen Bestrebungen, unfruchtbaren und verbitterten Streiten und Kämpfen Abstand genommen werde, damit die reichen Kräfte des schleswigschen Volkstums in positivem Schaffen zur Entfaltung gelangen. Vom Deutschen Verein hat der Sla^'s- sekretär nicht gesprochen. Hiernach erscheinen die Vorwürfe Rantzaus in allen Punkten als unbegründet.
Der Aar und Frankreich.
Cherbourg, 2. Aug. An Bord der „Sdritä*. Eine Havasnote besagt: Die Enttevue des russischen Kaisers mit dem Präsidenten Falliöres gestattet wieder einmal, die Solidität der Bande feft- zuflellen, die Frankreich und Rußland miteinander
darüber nachgedacht hätte. Mit einem Schlage löste et die sinnverwirrende Betäubung, mit der ihre Schönheit und der gefährliche Reiz ber Situation den Doktor gefangen genommen hatte. Jetzt wußte er wieder, was er wollt« und sollte. Sie hatte den Ton angeschlagen, aus den er gestimmt war, und sich einen moralischen Ruck gebend, wandte der Gerufene sich kurz von dem Kaminfeuer ab, zog einen ber Sessel in die Nähe ihres Ruhebettes und richtete den ernsten, klaren Blick auf das ihm lächelnd und lieblich zugewandte Gesicht. Er übersah dabei ben : eifert Wink, mit dem sie ihn näher zu sich jerandirigierte, ebenso wie die weiche, schmieg- ame Dehnung bes schönen Oberkörpers, ber sich einen Armen entgegenbog und ben sie, befremdet und verletzt von seinem geringen Entgegenkommen, hastig in die weichen Kiffen zurück- lehnte, während ein zorniger, erstaunt fragender Blick zu ihm herüberflog. Er achtete auch nicht auf diesen. Für Aeußerlichkeiten war im Moment sein Sinn verschloffen. Das, was nun vor ihm stand, nahm ihn ganz in Anspruch, et mußte es endlich von der Seele los werden, und hastig begann er: „Du verlangst von mir eine Kritik Deiner gestrigen Leistung, liebe Nora, ■ und legst mir damit Worte auf die Zunge, die mir feit unserem Wiederfinden angstvoll im Herzen brennen, und solange sie ungesprochen bleiben, mich nicht zum reinen Eenuffe unsere» Glückes kommen lassen. Kurz und gut, Geliebte, um alles knapp zusammenzufassen — wann gedenkst Du der Bühne den Rücken zu wenden und in das bürgerliche Leben, dem Deine Zn« tauft an meiner Seit« fortan gehört, überzutreten?"
. - ' ” (Fortsetzung folgt)