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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: „Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und „Landwirtschaftliche Berlage.'
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Sie „Obechesstschr Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. — Der Bez u g s preis beträgt vierteljährlich durch die Post bezogen 2,25 Mk. (ohne Bestellgeld), bei unfern Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21,) 2 Mk.
Marburg
Lonntast, 1. August 1909.
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Die JnsertionSgebühr beträgt für di« 7gespaltene Zelte oder deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. — Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, Universttätsbuchdruckerei Inhaber Dr. E. Hitzeroth, Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
U. Jahrg.,
Erstes Blatt.
Umschau im Auslande.
Aus Spanien kommen Nachrichten, die für die innere Zukunft dieses Landes, ja für die Dynastie das Schlimmste befürchten lassen. Durch einen Teil des Landes tobt der Bürgerkrieg in seiner schärfsten Form, in Barcelona haben die Revolutionäre anscheinend bereits die Oberhand gewonnen, sie haben den Gouverneur ermordet, eine provisorische Regierung eingesetzt, und eS läßt sich nicht übersehen, ob es den energischen und drakonischen Maßregeln der Regierung gelingen wird, die Ruhe wiederherzustellen. Das spanische Volk ivehrt sich gegen einen unpopulären Krieg. Es hat den unglücklichen Krieg auf Kuba und auf den Philippinen noch nicht verschmerzt. Dazu kommen trostlose wirtschaftliche Zustände im Innern des von Parteihader und Parteileidenschaft zerrissenen Landes, das neue pekuniäre Opfer für einen Krieg überhaupt nicht aufzubringen vermag. Das spanische Volk will auch nicht seine Söhne und sein Geld dem „Abenteuer h: Marokko" opfern. So stehen dem Lande noch schwere Stunden bevor, zumal überhaupt noch nicht abzusehen ist, welchen Ausgang die Kämpfe mit den Rifkabylen nehmen werden. Bis jetzt sind die Kämpfe, wie immer mit den Marokkanern, mörderisch gewesen; viele spanische Offiziere und Soldaten sind getötet worden, noch mehr aber sind die Unglücklichen M_hebWern, die lebendig in die Hände der bestialischen Gegner fallen. Die außerordentlich strenge Zensur, die ht Spanien zurzeit geübt wird, läßt für den Ausländer eine genauen Neberblick nicht zu, jedenfalls «ber scheint der Rücktritt des Ministeriums Maura bevorzustehen. Rach einer bisher unbe- glaubigten Meldung will König Alfons wider den Willen des Ministerpräsidenten die Cortes einberufen.
In Frankreich hat sich inzwischen die neue Regierung konstituiert. In der kurzen Zett von drei Tagen ist es dem neuen Ministerpräsidenten Briand gelungen, sich seine Mitarbeiter zu verpflichten. Doch ist zu bemerken, daß weder die Leute um Delcaflö, noch die reinen radikalen Sozialisten durch den Sturz Clemenceaus mehr Einfluß auf die Regierung erlangt haben, als vorher. Briand gehört zu den gemäßigten Nationalsozialen, und die beiden anderen Minister, die man zu den Sozialisten zählt, sind ebenfalls dieser Gruppe zuzuzählen. Millerand, der bereits ein- nml Handelsminister war, hat die öffentlichen Arbeiten vernommen mtb wird bestrebt sein, die deutsche sozialpolitische Gesetzgebung, deren eifriger Bewunderer er ist, trotz aller Gegnerschaft auch in seinen! Vaterlande einzuführen. Der neue sozialistische Kultusminister Viviani gilt als einer der schärfsten Kulwrkämpfer, und man befürchtet, daß er noch radikaler gegen die Kirche vorgehen
wird, als dies unter dem Ministerium Clemen- ceau iiblich war. Anderseits hat sich die neue Regierung, Wohl zum Segen des Landes, entschlossen, das Kriegs- und das Marineministerium wieder einmal mit Fachleuten zu besetzen, die das Vertrauen der ihnen unterstellten Organisattonen besitzen. An Stelle des nur dem früheren Drey- fus-Rummel seine Stellung verdankenden Pic- quart ist General Brun getreten, der Artillerist und im Heere als „petit pörc Brun* sehr beliebt ist, und dem neuen Marineminister, Admiral Bou6 de Lapeyrtzre, der den Professor Picard ersetzt, geht ein guter Ruf als glänzender Seemann voraus, dem ein neues größeres Kommando lieber gewesen wäre, als das Minister- Portefeuille.
Auch in England ist ein bedeutungsvoller Wechsel in höheren Militär-Kommandostellen eingetreten. Ser Bruder des Königs, Herzog von Connaught, der übrigens mit einer Tochter des Prinzen Friedrich Karl verlobt ist, hat das Kommando über die Mittelmeergarnisonen in Malta abgegeben. Der Herzog gilt allgemein für einen der fähigsten britischen Offiziere und für einen Befürworter der Einführung der allgemeinen Dienstpflicht nach kontinentalem Muster. Da das liberale Ministerium Gegner dieses Planes ist, erwartete man schon lange den Rückttitt des Herzogs, den übrigens auch das Kommando über die 18 000 Mann starke, auf das ganze Mittelmeergebiet zerstreute Garnison kaum befriedigt haben dürste. Die meisten Sorgen macht aber augenblicklich dem liberalen Ministerium die von den Arbeitern heftig betriebene Agitation gegen den Zarenbesuch in England, der immer bedenklichere Formen annimmt und kaum eine richtige Festesfreude aufkommen lassen dürste.
Der Kretazwist, welcher eine Zeitlang den Frieden Südosteuropas zu bedrohen schien, ist durch die Ernennung des ensschieden türkenfeindlichen griechischen Ministerpräsidenten Rhallies erfreulicherweise wieder einmal beigelegt worden, so daß die junge Türkei am 23. Juli friedlich die einjährige Wiederkehr der Einführung der Konstitutton feiern konnte.
Spanien und Marokko.
Madrid, 30. April. Nach einer Meldung des „Imperial* aus Melilla beteiligt sich jetzt auch der Kreuzer „Numancia* an dem Kampf und hält die Höhen von Gurugu, wo starke Abteilungen des Feindes sichtbar sind, unter Feuer.
Paris, 30. Juli. Die Agence Havas meldet aus Malaga: Nach Privatnachrichten vom 28. Juli aus Mettlla, die amtlich nicht bestätigt sind, worden die spanischen Verluste auf 20 Offiziere tot ober verwundet, 200 Mann tot und 800 verwundet angegeben. Es ist jedoch nicht bekannt, ob diese Angaben eine Berichtigung der bereits gen'.cldeten Verluste int Kampfe vom 27. Juli bedeuten ober ob es sich babei noch um einen neuen Kampf handelt.
Paris, 30. Juli. Ein amtlicher Bericht anS Melilla vom 29. Juli meldet: Nach Angaben der Eingeborenen soll die Harka im Kampfe vom 27. Juli hundert Tote und mehrere hundert Verwundete gehabt haben. Eine Anzahl Kabhlen soll wieder in ihre Dnars zurückgegangen sein. Der Platzkommandant von Alhucemas teilt mit, daß die Artillerie das Feuer gegen die Küste wieder eröffnete, da die Führer des Axdir-Stammes sich wegen des gestrigen Angriffes nicht enffchuldigten.
C e r £ r e, 30. Juli. Heute ist von hier kein Zug nach Spanien abgegangen.
H e n d a y e, 30. Juli. 3000 fahnenflüchtige spanische Reservisten überschritten in den letzten Tagen die französische Grenze, mehrere hundert heute vormittag. Die meist.n erklärten, sie würden mit Don Jaime zurttükehren.
Bremen, 30. Juli. Der Norddeutsche Lloyd beschloß, bett Mittllmeer-Levante-Dampfer „Therapia* wegen ber in Barcelona ausgebrochenen ilnruhen nicht bort anlaufen zu lassen, son- bem in Marseille, wo er heute fällig ist, anzuhalten unb ihn am 12. August statt von Barcelona ans von Marseille wieder nach der Levante zu erpedieren.
Die Rifkabylen.
Heber die Rifkabylen teilt ein Mitarbeiter der „N. Fr. Pr " folgendes mit:
„Die Landschaft Er Rif (vom lateinischen ripa, die Küste) erstreckt sich am Mittelländischen Meer vom Kap Tres Forcas bis zur Meerenge von Gibraltar in einer Länge von 300 Kilometern und einer Breite von 52 Kilometern. Felsige, kahle Höben steigen mauerartig vom Meere auf, sie geben der Küste ein unheimliches Aussehen. Aber die Unwirtlichkeit des Landes allein würde ihm nicht die Abgeschlossenheit sichern, diese wird von den Bewohnern, den Kabylen, herbeigeführt. Wilhelm Joest erzählt in seinen „Weltfahrten", die zu Beginn der neunziger Jahre des verflossenen Jahrhunderts erschienen, daß die Spanier sich nicht über die Grenze hinauswagen durften, ohne sich der Gefahr auszusetzen, daß ihnen von den Höhlen bewohnenden, stets lauernden Kabylen die Hasse abgeschnitten werden, und das trifft noch heute zu, und daher kommt es, daß dieses Gebiet, das nur wenige Stunden von der europäischen Küste entfernt ist, heute noch so unerforscht ist, wie das innerste Polargebiet. Die Bewohner sind Berber, die sich von allen Stämmen die Rassenreinheit am meisten gewahrt haben. Sie sind groß und kräftig gebaut, ihre helle Gesichtsfarbe wird von Gönne und Luft gebräunt. Mehr noch als andere Stämme sind sie eifersüchtig auf ihre Freiheit und ihre Unabhängigkeit bedacht. Sie unterwerfen sich keinem Zwang, sie wehren sich gegen jede Aenderung, gegen jeden Fortschritt. Sie sind kühn und tapfer, aber auch gewalttätig und grausam. Der Sultan hat bei ihnen keine Autorität, sie müssen gezwungen werden, Steuern zu zahlen, und das ist bei der Natur des Landes sehr schwierig. Seit jeher waren sie als Piraten gefürchtet. Um sich vor ihren Seeräubereien zu schützen, erzwang sich Spanien die Presidios. Auch Preußen ist, wie wir schon
'59 (Nachdruck verboten.)
Gin Somurertrannr.
Roman von Ä. een Beeter.
(Fortsetzung.)
Im Lause des hin- und herfliegenden Gespräches kam Heinz auch darauf, Lori die Per- srnlichkeit des Fürsten zu schildern und ihr von dem Anerbieten desselben zu erzählen.
„Ach, mein armer Liebling," sagte sie, bedauernd seine Hand fassend, „welche Opfer Du mir bringen mußt! Wie soll ich die vergelten? Cine Reise um die Welt kann ich ja niemals mit meiner Persönlichkeit auf wiegen! Was meinst Du, soll ich mein Gewissen erleichtern und Dich noch für ein Jahr freigeben?" Neckisch sah sie ihn an, und er zog sie stürmisch in seine Arme. „Die Welt bist Du, mein süßes Weib!" flüsterte er leidenschaftlich. „Was kann ich da draußen finden, das Dich ersetzen könnte? O Lori, Lori, böse Hexe, Du hast leicht meinet spotten, da Du weißt, wie ganz ich Dir mit Haut und Haaren verfallen bin!“
„Wirklich!" Ihre Augen leuchteten im seligen Triumph.
„Und die Wissenschaft, die großartige, ba- zillenumgürtete Wissenschaft?"
Heinz lachte. „Die muß diesmal mit all' ihren interessanten Bazillen vor einem ewigen, törichten Liebesbazillus zurückstehen!"
Leise wagte sich Lori auf das gefährliche Gebiet. „Liebhaberworte, in den Sand geschrieben! Wenn in den nächsten zwei Minuten ein blinder, schmutziger Krüppel Deine Hilfe verlangt, so siehst Du nicht mehr Schönheit, fühlst nicht mehr den Druck meiner Arme, son
dern wirfft all' das eben Gesagte kaltblütig um für die Idee Deines Berufes!" Sie warf es halb fragend hin, kokett mit ihrer Macht spielend, ohne ernsthaft an das, was sie sagte, zu glauben. Er sollte widersprechen, sollte noch weiter zugeben, daß sie ihm über allem stände, und daran wollte sie den Faden knüpfen, mit dem sich vielleicht der Gedanke eines Loslösens von seinem Beruf weiterspinnen liefe. Denn so opfermutig sie gestern Christel gegenüber getan hatte, im Grunde ihrer Seele fühlte sie doch eine unverminderte Abneigung gegen das Eebunden- sein an einen Ort und vor allen Dingen gegen die Unbequemlichkeiten und den Ernst dessen, was ihn stets von ihr ablenken und seine Zeit vielleicht auch dann in Anspruch nehmen würde, wenn sie sich ihm widmen und ihn für sich haben wollte.
Sehr gegen Loris Annahme wurde Heinzens eben noch lachendes Gesicht ernste „Da sprichst Du wahr, und es freut mich, dafe Du den ernsten Seiten meines Berufes schon jetzt so verständnisvoll Rechnung trägst! Die allgemeine Menschenliebe, der ich mein Leben gewidmet habe, besitzt die ersten Rechte auf mich, und neben ihren gewaltigen Forderungen wird freilich manchmal selbst Deine liebe holde Person etwas beiseite treten müssen! Natürlich nur äußerlich, Geliebte! Und nicht wahr, Du denkst zu edel und groß, um das anders zu wünschen, und wirft nicht nur freiwillig den ernsteren Pflichten weichen, sondern mir auch dabei hilfreich zur Seite stehen?"
Sie sprang enttäuscht, entrüstet auf. „Ich Dir zur Seite stehen? Ich mit kranken, elenden Leuten mich befassen? Ist es nicht schon zuviel rerlangt, dafe ich ihnen Überhaupt Rechte auf
Dich gönnen soll? Rechte, die Du mir entziehst! Niemals!"
„Aber, Lori, wo bleibt Dein gutes Herz? Ist es nicht der schönste, segensreichste Beruf der Frau, zu helfen, Leiden zu lindern, Kranke zu pflegen?"
„Vielleicht für andere Frauen, nicht für mich! Du vergiefet, dafe ich nicht im allgemeinen Glieds rangiere! Ich hasse alles, was siech, unvollkommen, leidend und schwach ist!"
Erschrocken hielt Lori inne, Heinzens Blick traf sie so entsetzt, so strafend. Er stand so bleich und abweisend vor ihr. — Himmel, welch eine Närrin sie war, sich so von der Entrüstung des Augenblicks hinreifeen zu lassen, so ihre innerste Meinung zu enthüllen. Wenn er sie nun deshalb weniger liebte, wenn sie sich in feinen Augen erniedrigt hätte!
Reuig flog sie auf ihn zu: „Liebster, sieh mich nicht so hart an? Du mußt es doch wissen, dafe cs nicht so schlimm gemeint war! Deine Lori ist ein verwöhntes, leidenschaftliches Geschöpf, das in dem Gedanken, Dich mit irgend einem Dinge der Welt teilen zu sollen, so er« zittert, daß sich ihre Stimme verwirren und sie gegen ihr eigenes Herz spricht. Heinz, lieber Heinz, habe mich wieder lieb! Es war nut mein Mund, der da redete, nicht mein Empfinden! Ich will ja alles lernen, was Du von mir »erlangst, habe nur Geduld mit mit!“
Er widerstand ihren Schmeicheleien und Küssen nicht; et zwang sich dazu, an die Wahr- leit ihrer jetzigen Beteuerungen zu glauben, Ober es blieb ein Druck auf ihm liegen, den all Pre Liebkosungen, all ihre Schönheit nicht ganz (Jktnebmen konnte.
Und wieder tarn ihr Beisammensein tu die
kurz erwähnt haben, einmal mit den Rifleuten ’ in Konflikt gekommen. Im Jahre 1856 wurde die preußische Brigg „Flora" von Kabylen g* kapert, und Prinz Adalbett veranstaltete eine Strafexpedition gegen sie, bei der er eerrou» bet wurde.“
Politische Umschau.
Reue Finanzgesetze.
Daß infolge der letzten Reichsfinanzresonn noch weitere Finanzgesetze werden borbereitet werden, ist ganz sicher. Das nächste wird das Ergänzungsgesetz zur Talonsteuer fein. Seine Inangriffnahme ist bereits angekündigt. Weiter wird man sich recht bald an die Lösung der Deckungsfrage für die aufgeschobene Erhöhung der Mannschaftslöhne machen. Diese Erhöhung wird ja formell im Etat des Reichsheeres erfolgen, die Ausgabedeckung wird aber besonders geregelt werden müssen. Wenn auch nicht gleich, so doch in absehbarer Zett wird an die Aufstellung eines Gesetzes über die Reichswettzuwachs- fteuer gedacht werden müssen. Das neue Reichs- stempelgesetz verlangt ausdrücklich, daß ein derartiges Gesetz dem Reichstage bis zum 1. April 1911 vorzulegen ist. Schon aus den Verhandlungen übet die Reichsivertzuwachssteuer bei der (Erörterung der letzten Reichsfinanzreform im Reichstage wird man entnommen haben, daß vor der Ausstellung eines derartigen Gesetzentwurfs noch mannigfaltige und langwierige Vorarbeiten werden erledigt werden müssen. Die Inangriffnahme dieser Vorarbeiten wird denn auch nicht lange auf sich warten lassen. Schließlich wird auch die Neubestimmung über den Zeitpunkt bet Herabsetzung ber Zuckersteuer ein Finanzgesetz nötig machen. In ber Zuckersteuergesetznovelle dorn 19. Februar 1908 war bekanntlich bestimmt, baß bie Herabsetzung ber Zuckersteuer auf 10 Mk. dann zu erfolgen hätte, wenn ein bie Einnahmen des Reiches um 35 Millionen Mark jährlich erhöhendes Gesetz zustande käme. Die Herabsetzung hätte also jetzt erfolgen müssen, ihr Zeitpunkt ist aber im letzten Finanzgesetze auf den 1. April 1914 verschoben worden. Bis dahin wird bann auch bie Frage bet Deckung von 35 Millionen erledigt fein müssen.
Deutsches Reich.
— Graf Zeppelin lud den Reichstag zur Besichtigung feines Luftschiffes nach Friedrichshafen auf den 4. September ein.
— Zur Talonsteuer. Mehrere Gesellschaften gingen mit dem Plane um, die Talonsteuer da- durch zu vermeiden, daß sie Zinsen und Dividenden ohne die Ausgabe von Zinsbogen aus- schütten wollten. Demgegenüber ist dem „Reichs, boten" zufolge folgende Festsetzung in den Aus- fühtungsbestimmungen zur Talonsteuer vorgesehen: „Inländische Aktiengesellschaften und Kommanditgesellschaften auf Aktien, die keine Gewinnanteilscheine ausgeben, haben binnen drei Monaten nach Eintragung der Gesellschaft
Bahnen der Vorsicht, und wieder erstanden neue Gebiete vor ihnen, die sie nicht streifen durste«, wollten ste den Frieden und das auf so schwankendem Grunde errichtete Gebäude ihres Glücke« aufrecht erhalten. Sie fühlten es beide, unb trotzdem ihre Herzen vielleicht noch heifeer entflammt waren wie gestern und das Zusammensein sie ebenso beglückte wie früher, war « ihnen doch eine Art von Erleichterung, als Lori dem Eeilebten mitteilte, daß sie morgen abend sänge und ihn deshalb leider nicht empfangen könne. „Aber nicht wahr, Heinz, Du kommst morgen ins Theater? Vandale, der mich noch niemals da bewundert hat, wo ich herrsche und den Schwerpunkt meines Lebens habe!“
Heinz überhörte geflissentlich den chlufe ihrer Frage, trotzdem ihn dieser fast noch unangenehmer berührte wie der Aufaig, bei gleichfalls all seinem Empfinden widersprach. Lori auf der Bühne zu scheu, war ihm ein schrecklicher Gedanke. Am liebsten hätte er sie aus allem, was sie jetzt umgab und fesselte, mit einem Ruck herausgerissen und wäre weit fort mit ihr gezogen, irgend wohin, wo kein Mensch sie beide kannte und nichts an ihre Vergangenheit erinnerte. Aber die Verhältnisse waren stärker wie er, und vorläufig mufete er si > ihnen fügen. Daher versprach er fein Kommen, wollte aber nichts von einer Platzbestimmung wissen, an dem sie ihn scheu und finden konnte, sondern blieb hartnäckig dabei, sich aus dem Verborgenen an ihr und ihrer Kunst zu erlaben so dafe sie endlich ihn halb erzürnt, halb lachend, „einen alten Philister und Trotzkopf“ j.geltend, von ihrem Verlangen abstehen und ihn zieh« lass« mufete,
(Fortsetzung folgt.)