Bestellungen
für Me Monate August und September auf die
6ereffIf.fje Zeitung- nebst ihren Beilagen werden noch von unserer Expedition (Markt 21) unseren Ausgabestellen in Kirch- Kain, Neustadt und Wetter, sowie von allen Postanstaiten und Landbriefträgern ent* gegengenommcn.
Das Kabinett Biiand.
DaS Kabinett Briand sieht an seiner Spitze einen Mann, der in seiner Eigenschaft als Unterrichts- und Kultusminister im Kabinett Sarrien berufen war. das Gesetz über die Trennung von Staat und Kirche durchzusühren, und der gerade durch die bei der Lösung dieser Aufgabe bewiesene Geschicklichkeit und Energie die Aufmerksamkeit auf sich gelenkt und seinen staatsmännischen Ruf begründet hat. Doch diese Entwickelung kann vorläufig als abgeschlossen gelten. Die Trennung ist Gesetz. Für den neuen Ministerpräsidenten gilt es jetzt zunächst, der ungeheuren Erregung ein Ende zu machen, die sich des Landes angesichts der Berichte der Marine-Unter- suchungskommission und der anschließenden Kam- mervcrhandlungcn bemächtigt hat. Die Nation wird von ihm erwarten, daß er nicht bloß einen tüchtigen, pflichgetrerien Fachmann, der in der Person des Admirals Bou6 de Lapehrtzre geftm- den zu sein scheint, mit der Reorganisation der Flotte beauftragt, sondern, woran es sein Amts- Vorgänger Georges Elemenceau hat fehlen lassen, dessen Tätigkeit unausgesetzt überwacht. Im Anschluß an die pessimistische Darstellung, die in der Deputtertenkammcr der frühere Minister des Auswärtigen, Delcassch gegeben hat, ist aus dem Munde des vorigen Ministerpräsidenten das Wort von der Demütigung von Algeciras gefallen. Es erscheint folgerichtig, daß dem Manne, den der Präsident der Republik auf den höchsten Verantwortlichen Posten gerufen hat, nur dann das Vertrauen der Kammer dauernd werden kann, wenn er der Nation das Bewußtsein zu geben vermag, daß jenes schwerwiegende und verhängnisvolle Wort der Vergangenheit angehärt und in der Gegenwart und Zukunft keinerlei Daseinsberechtigung hat. Herr Briand ist also mit der Sorge für die Kriegsbereitschaft der Marine die Sorge für die Wiederherstellung des polittschen und militärischen Ansehens der Republik anvertraut.
Man darf einigermaßen neugierig sein, wie Herr Briand, der ehemalige enragierte Vorkämpfer der Idee des Generalausstandes und spätere sozialistische Reformer, diesen Teil seiner p.- f;x,cn Obliegenheiten absolvieren wird. Der
57 (Nachdruck verboten.)
Girr Sommerlraum.
Roman von Ä. van Beelet.
f Fortsetzung.)
Nora sprang heftig auf. „Za, wenn er mich liebt, dann wird er es tun! Und er liebt mich, ja, ja, ich weiß es, et liebt mich!"
„Ich glaube es wohl, aber ich habe immer gehört, daß einem echten, richtigen Mann das Los eines Schleppenträgers nicht behagen soll, und daß meistenteils eine echte, richtige Frau dergleichen auch nicht verlangt von dem Manne, den sie liebt und achtet!"
„Du hast recht! Er soll das auch nicht tun! Meine Liebe ist auch zu Opfern bereit! Ich will mich seinetwegen hier oder wo er sonst will, in irgend einer großen Stadt fest engagieren lassen! Dann sind alle Hindernisse mit einemmale beseitigt! Es ist doch gut, daß ich mit Dir sprach, nun hast Du mich gleich auf den schwachen Punkt meiner Zukunftsträume aufmerksam gemacht, und ich brauche Heinz nicht mehr mit einer zu schweren Forderung zu quälen und zu erschrecken! Das war es eben, was mich beunruhigte, was mich in Verwirrung brachte! Wie dumm man manchmal ist, auf das Einfachste nicht zu kommen!"
„Wenn damit wirklich alle Verwirrung und Unruhe gelöst wäre, so sollte es mir für. Sie lieb sein, trotzdem es mir dann auch um die schöne, große Berühmtheit, der Sie entgegen gingen, nm die schwebenden verlockenden amerikanischen Anträge sehr leid wäre! Aber jedes Glück will ja sein Opfer haben, und es würde mich freuen, wenn Sie mit einem so billigen abkämen! .Nur seien Sie mir nicht böse, ich glaube es nicht!"
„Aber, was willst Du denn noch mehr, Du nnheilkrächzender Rabe! Mußt Du gewaltsam immer neue Steine auf meinen Lebenspfad werfen?*
Politische Umschau.
Der Zar auf Besuch beim Prinzen Heinrich von Preußen.
Schleswig, 28. Juli. Die Herren und Damen der Umgebung des Kaisers von Rußland besuchten heute in ^Begleitung des Oberhofmarschalls v. Seckendorfs Schleswig. Oberpräsident v. Bü- lotv, Regierungspräsident Udert und der Garnisonälteste Oberst Jsbert waren zur Begrüßung auf Schloß Gottorp, dem Stammschloß des Kaisers, erschienen. Hierauf erfolgte die Besichtigung der Schloßkirche untet Führung des Missionspfarrers Buesfel. Im Dom fand sich Dompastor Sievcftng zur Begrüßung und Führlrng ein.
Eckernförde. 28. Juli. Der Großherzog und die Großherzogin von Hessen, Prinzessin Heinrich
Lek-ens sprechen und ihre Verlobung veröffentlichen.
So kam Nora gleicher Zeit zur gleichen Erkenntnis wie Werner, und beide beendeten den ersten Tag ihres neuerftandenen Glückes mi einem Entschluß, dessen Tragweite keiner von ihnen kannte und der in ferner Ausführung dem kaum begonnenen seligen Anfang eil schnelles, bitteres Ende zu bereiten drohte.
Als sich Werner am folgenden Nachmittag pünktlich wieber im kleinen Teezimmer einfand, lag trotz der sein ganzes Wesen durchdringenden Innigkeit, mit der ihn Nora an sich zog, dow über beiden eine leise Befangenheit und 'Unruhe, die aber jeden so für sich einnahm, dass er ihr Vorhandensein bei dem andern nicht bemerkte.
Es war in dem reizenden, kleinen Gemach ebenso gemütlich und traulich wie gestern, und Werner gab sich heute sogar mit ruhigerem Behagen dem Genüsse der luxuriösen und kapriziösen Einrichtung dieses lauschigen Schmollwinkels hin, den Nora bis in die geringsten Kleinigkeiten nach ihrem Geschmack und ihrem, fflri Schönheit ebenso wie für Bequemlichkeit empfänglichen Sinne sich zusammengetragen hatte. Alles in warmen, oft bizarren Farbentöneil, olles weich und gepolstert, eine Fülle von Teppichen, Fellen, Decken und Portieren, dazwischen hohe Palmen schwulduftende Tuberosen, farbenschillernde Chrysanthemen, berauschende Hyazinthen und tot verhangene kleine Lampen, die das Ganze in rosigen Schimmer hüllten und vereint mit dem auflodernden Kaminfeuer dem kleinen traulichen Raum einen bezaubernden Reiz verliehen. Ein Ort zum Träumen, Lieben und Schwelgen aber für den täglichen Gebrauch wie Werner, ihn musternd, sich selbst eingestand, ebenso unmöglich wie unerträglich.
(Fortsetzung folgt.)
44. Jahrg«
1 Sonn- und Feiertage.
*/■=?. 11 v jährlich durch die Po!
einer der politischen seine Vergangenheit, ausgesprochen revo- Herr Briand Vergeb
glied und Vertreter irgend Parteien zu gelten. Aber die Vergangenheit eines lutionären Politikers, wird
ärgste Feind des Militarismus ist der Sozialismus. Und hier bietet sich das eigenartige Schauspiel, daß ein Mann, der noch vor zehn Jahren zu den schärfsten und rücksichtslosesten Vertretern der sozialistischen Kampfbewegung gehört haj, in der Hauptsache im Sinne eines entschiedenen und tatkräftigen Militarismus wirken soll. Kein Zweifel, daß Herr Briand ehrlich und eifrig bemüht sein wird, den Erwartungen zu entsprechen, die ihm von der Natton entgegengebracht werden. Er hat bereits in einer gemeinsamen Sitzung der vier linksstehenden Fraktionen der Kammer erklärt, daß seine Politik eine Polittk der republikanischen Versöbnung und Sammlung sein werde und er hat ausdrücklich abgelehnt, als Mit-
Die „Gberhefüsche Zelt«»«" erscheint täglich mit Ausnahme der ~ ~ , — Der BezuaSprerS betragt wertet«
-vo't bezogen 2,25 Mk. (ohne Bestellgeld), bei unfern Zeitungsstellen und der Expeditton (Markt 21,) 2 Mk.
mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: „Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbellage) und „LondwirtschastUche Benage.
Marburg
Freitag. 30. Juli 1909.
Paris, 28. Juli. Wie aus Cerbete gemeldet wild, ist der Eisenbahnverkehr Mischen Barzelona und der französischen Grenze vollkommen unterbrochen. Die Bevölkerung von Eulera hat die Eisenbahnlinien auf mehrere Kilometer stark beschädigt.
Paris, 28. Juli. Einem amtlichen Bericht aus Melilla zufolge haben die Matokkanei die Schienen der nockafrikanischen Eisenbahn entfernt. Dadurch ist der Zugverkehr gehindert. Zwei spanische Abteilungen trieben die Marokkaner zurück und stellten den Zugverkehr triebet her. Die Verluste der Marokkaner waren zahlreich, auch die auf spanischer Seite sind bebeuteiw.
Barzelona, 28. Juli. Beim Rathause fand zwischen Arbeitern unb der Zivilgarde ein Zusammenstoß statt. Auf beiden Seiten gab es viele Verletzte: bedeutende Truppenmasien kamen in Katalonien an.
Madrid, 28. Juli. Die Lage in Barze- kona ist noch immer ernst. Die Menge griff heute das Nonnenkloster an.
Geriete, 28. Juli. Der Expreßzug nach Spanien mußte zwanzig Kilometer von der Grenze entfernt anhalten, da der Stteckenbau zerstört und mehrere Brücken zwischen Ceron« unb Barzelona gesprengt find.
H e n d a y e, 28. Juli. Aus Madrid wird gemeldet: Strenge Zensur isoliert Madrids und das übrige Spanien. Da genaue Nachrichten aus Melilla fehlen, wächst die große Aufregung. Seit 24 Stunden hat man auch keine Nachrichten aus 'Barzelona. Die Blätter berücksichtigen die Weisungen des Ministeriums des Innern, aber alle, selbst die gemäßigten, kritisieren die überaus scharfen Maßnahmen gegen die liberal« Presse. „Correspondencia", „El Pais", „Diario Universal" protestieren scharf gegen das Vorgehen, das bet Verfassung widerspreche. Di« „Correspondencia" wurde gestern, „El Pais" bisher jeden Tag beschlagnahmt.
Madrid, 28. Juli. Der König unter- zeichnete heute ein Dekret, wodurch die konstitutionellen Garantien für ganz Spanien aufgehoben werden.
Erfolg der Spanier, welche neue Stellungen besetzt bähen, gewesen zu sein scheint.
P a r i s, 28. Juli. Dem „Matin" wird aus Oran gemeldet, daß nach vertrauenwürdigen Nachrichten die Lage der Spanier in Mellilla eine sehr gefahrvolle sei. An einem einzigen Tage am 24. Juli, seien 800 Mann kampfunfähig' geworben. General Marina sei sehr un- beliebt. Eine Kompanie hatte sich geweigert, zu marschieren.
Hendaye (Dev. Basses-PyrenSes), 27. Juli. Aus Melilla wirb gemeldet: Der Kampf am 23. Juli war der erbittertste feit Beginn der Feindseligkeiten. Die spanische Abteilung wurde in einem Hohlweg überrascht und von den auf den benachbarten Höhen im Hinterhalt liegenden Mauten dezimiert. Die Verluste betrugen mehr als 400 Tote und Verwundete. Ein Offizier erzählt, auch die Verluste in den Kämpfen vom 20. unb 21. Juli seien viel höher, als der amtliche Bericht angab. Es erscheint unvermeidlich 14 000 Mann Verstärkungen nach Melilla zu schicken und sich des Euruguberges zu bemächtigen, an dem die Mauten einen Stützpunkt haben. Die Leiche des vermißten Obersten wurde aufgefunben. Wie es heißt, hat der Obberst einem Sergeanten befohlen, ihm den Gnadenstoß zu geben, um nicht in die Hände der Eingeborenen zu fallen.
Cervere fCTtpnrenäen), 27. Juli. Der um 6 Uhr morgen« von hier nach Barzelona abgehende Zug kam mit einer Schutzwache von. 25 Mann erst um 10 Uhr abends in Portbou (Provinz Corona) an; auf der Station Riguei' tos wurde der Zug von der Menge angegriffen. Die Wache hafte gefeuert und zwei Personen verwundet! Die Verbindunaen zwischen Cerona und Barzelona sind unterbrochen.
Perpignan, 27. Juli. Auf der Eisenbahnlinie Eerhere-Barzelona sind in der Richtung nach Fiaueros die Eisenbahnschienen an mehreren Stellen aufgerissen worden. Die Ausständigen verhindern allen Eisenbahnverkehr und überwachen die Bahnlinien. Nach Berichten aus Barzelona herrscht dort in den Straßen wenig Verkehr. An einzelnen Stellen wurden Angriffe gegen die Gendarmerie verübt. Diese machte darauf von der Schutzwaffe Gebrauch, wobei mehrere Personen verletzt wurden. In den Vororten San Andres und San Martin kam es ebenfalls mehrfach zu Zusammenstößen mit der Gendarmerie, wobei mehrere zufällig vorübergehende Personen verwundet wurden. Der Straßenbahnverkehr ist unter-
Die JnsertionSgebühr beträgt für die 7gehaltene ßeile oder deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen 80 Pfennig. Druck und Verlag» Joh. Aug. Koch, Unioersttätsbuchdruckeret Inhaber Dr. T. Hitzeroth, Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
lich zu leugnen suchen. Unvergessen ist, wie er — es wat auf dem Pariser Sozialistenkongreß von 1899 — den Generalstreik als siegreiche Revolution feierte und ungescheut die Propaganda der Tat predigte. Wenn dieser Mann jetzt zur Leitung der Staatsgeschäfte in Frankreich berufen ist, so wird seine Amtsführung ein lebender Zeuge für die Richtigkeit der Ansicht fein, daß sozialistische Theorien und Programme vor der Wirklichkeit bet Tatsachen keinen Bestand haben. Vor einigen Monaten, Ende März d. I., hat der damalige Justizminister Briand in einer öffentlichen Versammlung erklärt, daß die Ordnung als die wesenil'che Voraussetzung aller Verbesserungen und Fottschritte unter allen Umständen ausrecht erhalten lverden müsse, unb heute begrüßt bie radikale „Aurore" den neuen Ministerpräsidenten mit den verttauensvollen Worten: „Eine feste und gleichzeitig freundliche Hand wird für immer die Ordnung sichern, die eine Zeitlang geftört war.'
Mit dem ans dem Ministerium Clemeneeau übernommenen Arbeitsminister Viviani unb bem an bie Spitze des Ministeriums der öffentlichen Ar- unb ber Postverwaltung, an Stelle Bar- thous, berufenen ehemaligen Hanbelsminister Milleranb, ber sich der Gruppe der unabhängigen Sozialist:» zuzählt, wird somit Herr Briand den Beweis liefern, daß auch eine demokratische Politik sich nicht vorr den Grundlagen der bürger
lichen Staats- und Wirtschaftsordnung entfernen darf, und so wird seine Amtsführung und sein Aiegicrungsproaramm, sofern es den Lebensinteressen der Republik gerecht werden soll, eine einzige entschiedene Absage an den revolutionären Sozialismus sein müssen.
Spaniens Bedrmmnis.
Madrid, 28. Juli. Amtlich wird rnit- geteilt, daß der letzte Kampf bei Melilla ein
brochen.
Madrid, 28. Juli. Im heuttgen Ministerrat teilte der Minister des Innern mit, daß in Alcoy und Rioja Unruhen ausgebrochen feien die jedoch weniger bedrohlich als die in Barzelona feien. Zu ihrer Unterdrückung feien strenge Maßnahmen ergriffen worden.
San Sebastian, 28. Juli. Wie aus Bilbao gedrahtet wird, herrscht in dem ganzen Minendistrikt starke Erregung. Die Sozialistenkomitees in der Provinz Biskaja beschlossen, den Generalstreik zu erklären.
„Ich nicht, aber ich fürchte, der Herr Bräu- ttgam und künftige Gemahl, der sich wahrscheinlich für die Ehe eine Hausfrau, aber keine ausübende Künstlerin wünscht!"
„Haha, eine Hausfrau! Nein, Christel, so töricht ist kein Mensch, daß er mich zur Hausfrau in des Wortes alltäglicher Bedeutung machen will! Das wäre gerade so, als wenn man die Rose zum (Suppentraut, den Adler zum Haushuhn benutzen wollte! Heinz muß wissen, wie weit meine Opferfähigkeit und mein Können geht! Mehr kann und wird er nicht von mir verlangen!"
„Das bleibt doch, ehe es zwischen Ihnen und ihm erörtert ist, eine sehr offene Frage! Vielleicht denkt der Herr Dottor ebenso über seinen Beruf wie Sie über den Ihren, und hält sich an die alte Formel, daß die Frau dem Manne untertan sein und ihm folgen soll! Wer kann das wissen? Zuviel würde et damit ja auch kaum verlangen, und wenn Sie ihn wirklich lieben, wäre das Opfer nicht so unmöglich und groß —"
„Genug, Christel, Du willst mich rerzen und gegen meinen Bräutigam einnehmen! Es scheint mit, als warst Du eifersüchtig auf ihn und die Stellung, die er sich in meinem Leben erobert hat! Sei aber nicht zu eifrig in Deinen Wühlereien gegen ihn, Du könntest dabei selbst in die Grube fallen, die Du ihm graben willst! Ertte Nacht — ich will jetzt allein sein."
Stumm verneigte sich die Alte und verließ lautlos das Zimmer. Sie wußte, das jede Gegenrede momentan nur Noras Trotz und Zorn geschärft hätte; und da sie für heute erreicht hatte, was sie wollte, nämlich der Blinden die Augen zu öffnen und ihr die Tragweite ihres Handelns klar zu legen, war sie auf eine Fortsetzung des Gesprächs nicht weiter bedacht. Was nun noch dazu gehörte an Erkenntnis und Ueberlegung, dar konnte Nora sich allein zu
sammensuchen, und in der Stille der Nacht, das wußte sie wohl, würden ihre Worte auch ohne ferneren Zusatz klärend und quälend weiter wirken.
Christel hatte nicht falsch gerechnet. Empört, aus allen Fugen gehoben, schritt die Zurückbleibende im Zimmer auf und ab. Diese widerwärtige alte Person! Hatte Heinz nicht Recht gehabt, wenn er gegen sie auftrat? War sie nicht hinterlistig, und verstand sie nicht, über die blühendste Seligkeit den Mehltau des Zweifels unb düsterer Ueberlegungen zu werfen? Wie tückisch hatte sie an die amerikanischen großartigen Pläne gemahnt, mit denen Nora freilich gehofft hatte, auf dem Wege zum Wettruhm einen gewichtigen Schritt vorwärts za machen! — Pah! Was war aller Ruhm der Wett gegen das Gluck, sein Weib zu sein? Sie warf ihn in stolzer Großmut dem Geliebten in den Schoß. Sie war sogar bereit, für ihn ihre lustige, sehnsüchtige Wandernatur zu bändigen und'sich in Ketten zu legen. Nicht nur in die der Ehe, sondern auch in die langjähriger Kontrakte und ständigen Aufenthaltsortes. Sie seufzte schwer. Ja, Opfer mußte sie bringen, und leichte waren s nicht; sie warf viel in die Wagschule ihrer Liebe — mehr konnte, mehr durfte er nicht verlangen? Es wat ja auch undenkbar und von Christel nur ersonnen, um sie zu quälen und sie zu ängstigen. Unsinn! Nicht einen Moment hatte die bösartige Person ihren Zweck damit erreicht; aber vielleicht war es doch besser, wenn sie den Auseinandersetzungen übet ihre gemeinsame Zukunft nicht länger aus dem Wege ging. Sie hätte der Sorglosigkeit ihres Glückes gerne noch ein Weilchen alle Alltäglichkeiten ferngebalten, aber Klarheit war deck' wohl unter allen Verhältnissen das Beste, und wenn er wiederkam dann wollten sie nicht nur tändeln und kosen, sondern wie zwei ernsthafte Menschen über die Gestaltung ihr«