mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: „Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und Landwirtschaftliche Berlage."
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Die „Gberhesstsche Irttmng" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post bezogen 2,25 Mk. (ohne Bestellgeld), bei unfern Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21,) 2 Mk.
Marburg
Mittwoch. 28. Juli 1909.
Die Jnsertionsgebithr beträgt für die 7gespaltene Zeile ober deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen 80 Pfennig. — Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, UniverfitätSbuchdruckerei Inhaber Dr. C. Hitzeroth, Marburg, Markt 21. — Telephon 55. iwt—--mmiii» i » m ■i—i ■
44. Jahrge
Der heutigen Nummer liegt bei Kreisblatt Nr. 58.
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für He Monate August und September auf die
»Oberhessische Zeitung" nebst ihren Beilagen werder. noch von unserer Expedition (Markt 21) unseren Ausgabestellen in Kirchhain, Neustadt und Wetter, sowie von allen Postanstaiten und Landbriefträgern ent- gegengenommcn.
Türkisch-Griechisches.
Die Natur der türkischen Verwaltung unter Abdul Hamid ist stets eine solche gewesen, daß Auflehnungen der Bewohner gegen fiskalische Maßnahmen der türkischen Beamten periodisch stattfinden mutzten. Ob die derzeitige jungtürkische Regierung eine grundsätzliche Besserung durchführen kann, das mutz abgewartet werden, denn der Türke wird sehr schwer seine Herren- natur, seinen Koran und sein altes Sittengesetz verleugnen. Der beredte Verteidiger eines aufgeklärten Islam, Hodscha Mustapha Asstm, sagt zwar: „Es ist eine der heiligsten Pflichten des Menschen, dec Würd" und Ehre des Nächsten nicht zu nahe zu treten, alle Kinder des Vaterlandes haben dieselben Rechte, der eine Teil geht in die Moschee, der andirL in die Kirche, die Religion hat mit drc Ni^t nichts zu tun!" Sehr schön, aber wir werden gut tun, die Worte des klugen Hodscha für nichts anderes als für Worte und fromme Wünsch; zu nehmen, das straffe Jungtürkentum will zentsrl^eten und herrschen und duldet keinen Ste-it im Staate, deshalb die Abneigung der alba Elchen Häuptlinge und der Argwohn der füc ihre Schulen bangenden Griechen. Die Macht des Jungtür- kentums beruht auf der vortrefflichen Armee, die, unähnlich der spanischen, einen Krieg herbeisehnt. In Griechenland fürchtet man, datz, auf Anstiftung von Konstantinopel her, in Kreta Unruhen provoziert werden, um einen Krieg erklären zu dürfen. Die ärgste Verwilderung eines Landes sehen wir heute in Albanien, und die unmenschlichste Knechtung wurde bisher gegen die unglücklichen Christen von Epirus, des südlichsten Teils von Albanien, aus- geübt.
Die Zahl der orthodoxen Griechen und präzisierten Albanesen im Vilajet beträgt 307 000 gegen 265 000 Albano-Türken. In den Sandschaks Janina, Prevesa und Argyrokastron bildet die griechische Majorität eine feste Masse neben kleinen türkischen Enklaven bei Delvinon, Para- mythia. Philiataes und Margariti.
Schule und Kirche sind die festen Stützen des Hellenismus, es gibt im Vilajet 775 griechische Schulen mit 28 000 Kindern, und in der Hauptstadt Janina befindet sich ein schönes Gymnasium.
55 (Nachdruck verboten.)
Gin Sommertranm.
::>4 Roman von Ä. van Seele«.
(Fortsetzung.)
„Das glaube ich nicht, Heinz, da hängt eins zu fest mit dem anderen zusammen, und alles gehört zu sehr zu meinem ureigensten Wesen und Gefüge, als datz dabei viel zu ändern wäre. Du muht bedenken, mein Liebster, daß ich kein kleines unselbständiges und unbewußtes Mädchen mehr bin, das sich von der Hand des Geliebten formen und bilden läßt, wie es diesem gefällt, sondern datz Alter und Beruf mich fest auf eigene Füße gestellt und mir ausgeprägten Charakter gegeben haben!"
Stolz richtete sich Loris Gestalt empor, und hart wie Stahl blitzten Heinz die graugrünen, klaren Augen an. Rein, sie hatte recht, unbewußt und unselbständig war an ihr nichts; es hätte auch kaum zu der stolzen ijHyfiognomie des schönen Weibes gepatzt. Unwillkürlich und nicht gerade ermunternd zog es ihm durch den Sinn, daß sie älter wie er, und daß sie ihm in vielem voraus und überlegen sei. Und was dem Jüngling vor fünf Jahren als besonderer Reiz erschienen war, das legte sich dem Mann von heute beengend und beinahe erkältend auf das heitzpochende Herz. Ulli, ja die, mit ihrer weichen, biegsamen Natur, die wäre auch vielleicht in reiferen Jahren noch zu ziehen und zu ändern gewesen, oder vielmehr, bei der hätte er *s nie nötig gehabt.
Erschreckt hielt der Doktor auf seinem schnellen, flüchtigen Eedankengange ein. Wohin verirrte er sich? Konnte er neben diesem herrlichen Weibe, neben der ewigen Liebe seiner Jugend, an eine andere denken, sie mit einer anderen vergleichen? Und in aufwallender
Bis jetzt hat die türkische Verwaltung angesichts der Resignation der griechischen Bevölle» rung. nicht wie in Kleinasien gegen die Arme- niet, blutige Mittel zur UnteÄrückung des Hellenismus angewendet. Abdul Hamid konnte ober zu jeder Zeit die albano-türkische Miliz loslassen. und nur die sklavische Unterwerfung rettete vor Greuel.
Seitdem nämlich der Berliner Vertrag Epirus als eine griechische Landschaft angesehen hat, ist es als ein unsicherer Besitz bis auf den letzten Blutstropfen ausgepreßt worden, die Steuerlast soll bis auf 72 Prozent des Jahreseinkommens betragen haben.
Das Vilajet hat keine Eisenbahn, es besitzt nur drei einigermaßen fahrbare Straßen, von denen die nach Monastir im Winter unpassierbar wird. Das Land geht seit Jahrzehnten der äußersten Verarmung entgegen, die energischeren Christen verlaßen Epirus, und die übrigen sehen stumpfsinnig und hoffnungslos auf den Verfall ihrer Heimat. Willkürliche Enteignungen von Ländereien wurden im großen Maßstab durchgeführt, und vor einem Jahr war noch das Lesen einer ausr-ärtigen Zeitung in Janina äußerst gefährlich.
Werden nun jungtürkiscke Reformen dem unglücklichen Lande zu Hülfe kommen? Wir wallen gern anerkennen, daß bereits Wahlen stattfanden, :>nd daß in Janina zwei und in Argyrokastro ein Grieche gewählt werden durften. Die Volksstärke der Albanesen in der gesamten Türkei mag etwa 1 600 000 betragen, von denen ‘/s Muhamedaner. sind. Im Norden Hausen die Clans der fanatischen und rohen Gegen, bei denen noch Knabenliebe und Knabenraub vorkommen soll, und der kleine Volksstamm der katholischen Mirditen. Die im Süden wohnenden Tosken sind ritterlicher und toleranter als die Gegen, zu ihnen gehören alle griechisch-orthodoxen Albanesen und ebenso auch die Sulioten, deren Reste jetzt im Königreich' Griechenland leben, und die ehedem unter ihren Häuptlingen Marcos Botzaris und Tzavellas unvergänglichen Kri gsruhm gewannen.
Die Vorzüge der Albanesen sind Tapferkeit, Gastfreundschaft und Anspruchslosigkeit an das Leben, aber diesen Eigenschaften stehen das Feh" len jeglicher Kultur, der Clangeist, die religiösen Spaltungen, die Gewöhnung an Raub und Mord und die Verachtung der Gesetze gegenüber. Eine Nation bildet sich durch den festen Entschluß jedes einzelnen Individuums dieser und keiner anderen Nation angehören zu wollen, durch Sprache, durch günstige geographische und besonders volkswirtschaftliche Verhältnisse und wohl auch durch das gleiche Religionsbekenntnis. Kann man an ein albanesisches Staatswesen denken? Ich glaube kaum.
Bei einer Aufteilung der Europäischen Türkei wird der Anatom dereinst vor einer sehr schweren Aufgabe stehen. Sicher ist wohl nur, daß er Nord-Macedonien an Bulgarien, Epirus aber nebst den Geländen am Olymp und der Wistrizza und den türkisch gebliebenen Spora- den nach geographischen und nationalen Grundsätzen an Griechenland anschließen kann.
Boysen.
Reue sprang et hastig von seinem Sitz entpot, schlang die Atme um ihte Schultern und sagte mit weicher Zärtlichkeit: „Wir machen viel zu viel Worte, mein Lieb! Wir sprechen von Wollen und Nichtwollen, und schließlich lenken Leben und Verhältnisse alles Vornehmen in ihre Bahnen und machen die zusammenführenden Wege auch zu den gleichgeebneten. Laß die Zukunft ruhen, die Gegenwart ist ja so schön, daß wir uns an ihr genügen können?"
Sie schlug die Augen zu ihm auf, zweifelnde, unruhige Augen. Ganz so leicht wie einst war er nicht mehr zu bändigen, sie sah es wohl, daß seine Seele in Widerspruch mit seinen Worten stand. Würde es ihr gelingen, ihn zu ihren Wünschen zu bekehren? Sie hatte den weichen, träumerisch-phantastischen Knaben geliebt, und sie liebte jetzt den bewußten kraftvollen Mann, vielleicht heißer, begehrender, sehnsüchtiger, aber doch auch gemäß ihrer herrisch und willkürlich angelegten und erzogenen Natur trotziger, unfügsamer und tyrannischer wie damals, und sie war nicht blind für die Hindernisse, die sich im Laufe der Jahre in den Charakteren zwischen ihnen aufgebaut hatten. — Fort mit den Gedanken, für die ihr reichlich Zen blieb, wenn sie wieder allein war! Hatten Alter und Ueberlegung schon so von ihr Besitz genommen, daß sie erkältende Zweifel und Schatten sogar in das heiße Glück dieser so schwer errungenen Stunden hineimvarfen? Das durfte nicht sein, noch war sie jung, noch konnte sie glühen, lieben, beglücken und glücklich sein, und leidenschaftlich sich in di« umfangenden Arme schmiegend, erwiderte sie wortlos die heißen Küsse, mit denen er in ltckernder Zärtlichkeit ihr Mund und Augen bedeckte.
Endlich schob Lori tat Geliebten matt von sich. x .... . ... ... „
Der Flug über den Kanal.
Der von dem französischen Berufs-Lustschif- fet Bleriot ausgeführte Flug über den englischen Kanal darf auch in politischer Hinsicht eine Bedeutung beanspruchen, insofern, als sich zeigen muß, ob sich angesichts dieser Leistung lene Aeußerungen angstvoller Nervosität wiederholen werden, die in England nach der letzten großen Fernfahrt des Grafen Zeppelin an der Tagesordnung waren. Dabei hatte Graf Zeppelin nicht einmal den englischen Kanal oder die Nordsee überflogen. Er hatte, allerdings mit einer Fahrtleistung, die sehr viel größer und bedeutsamer ist als der unter ausnehmend günstigen Umständen ausgeführte Flug eines einzelnen Menschen über eine Strecke von etwa 42,6 Klm., den Beweis geliefert, daß es möglich ist, vom Kontinent aus auf dem Luftwege die englische Küste zu erreichen. Bleriot hat, wenn auch allein und auf einer noch nicht den zwanzigsten Teil der von Zeppelin zurückgelegten Entfernung ausmachenden Strecke, eine solche Fahrt und Landung tatsächlich ausgeführt und ist dafür zum Ritter der Ehrenlegion ernannt worden. Die englische Presse hätte also allen Anlaß, dieselben Angstrufe auszustoßen, ^dieselben Beschwörungen und Forderungen an die Regierung zu richten, in denen sie sich, als das Ergebnis der letzten Zeppelinschen Fernfahrt bekannt wurde, nicht genug tun konnte. Kehren diese Erscheinungen nicht wieder, so wird man in Deutschland wissen, daß die öffentliche Meinung Englands Frankreich und Deutschland mit zweierlei Maß mißt. Wenn das, was ein Fran' zose vollbracht hat, als Sieg der Technik als gen.ale Errungenschaft oder wie immer gefeiert wird, aber das was das Werk deutscher Tüchtigkeit und Arbeit ist, als eine Bedrohung der Sicherheit Englands, als ein Zeichen der deutschen Offensive hingestellt wird, dann wird auch die englische Presse nicht länger bestreiten können, daß Mißgunst und Befangenheit ihrer Haltung gegenüber Deutschland das Gepräge geben.
Paris, 26. Juli. Die gesamte heutige Morgenpost beschäftigt sich fast ausschließlich mit dem Fluge Bleriots und bringt enthusiastische Berichte darüber. Der „Eclair" sagt: In dem alten Europa, den Beziehungen der Völker unter einander sind sehr groß; Aenderungen vor fick, gegangen, seitdem Sangasse und Dover durch einen Weg verbunden worden find, den unsere Vorfahren nicht kannten und den unsere Nachkommen in Zukunft leichter nehmen werden als den Land- und Seeweg. — Der englische Kommandant der Küsienwache schildert die Ankunft Bleriots wie folgt: Um 5 Uhr wurde ich von dem Wachposten verständigt, daß ein Torpedojäger in vollster Geschwindigkeit von der französischen Küste herankomme und daß wahrscheinlich ein Aviatiker folge. Noch ist am Horizont nichts zu erkennen: plötzlich erscheint im Westen ein starker Punkt, der rasch größer wird und die Richtung nach der St. Margarethenbey einschlägt: feine Geschwindigkeit ist fabelhaft und man möchte darauf wetten, daß es ein großer Vogel ist. Angesichts der Bey wendet er plötz-
„Wenn Du nichts weiter kannst, als küssen, böser Mann, bann verschließe ich Dir künftig meine Tür und stelle Christel als Schildwache vor dieselbe!"
„Puh!" machte et und fuhr wirklich erschreckt zurück. „Lebt das Ungeheuer noch? Das ist. als wenn man eben Honig gekostet und bann Tinte trinken soll!"
Sie lachte lustig über sein aufrichtiges Entsetzen.
„Natürlich lebt sie, Gott sei Dank sogar; was sollte ich wohl ohne Christel anfangen? Sie ist meine Vorsehung, mein Schatzmeister, mein Toilettengewissen, mein Hausgeist! Außerdem mein Schutzengel seit den Kinderjahren, bet mich trotz seiner rauhen Außenseite so selbstlos liebt, wie sonst kein Mensch auf Erden! Ohne Christel kann ich mit meine Existenz garnicht ausmalen! “
Der Doktor hörte mit finsterem Gesichtsausdruck auf den enthusiastischen Lobgesang der Rednerin. Jedes ihrer Worte war ihm wie ein Schlag ins Gesicht. Er hatte Christels Eingriff an jenem Abschiedsabend nie vergessen, und es war eine Art von Haß, mit dem er an diese alte widerwärtige Person dachte. Dazu nun Loris warme Anerkennung, ihr direkter Ausspruch, ohne Christel nickt leben zu können; das alles brachte sein Blut so heih in Wallung, daß er zornig und unbedacht ausrief:
„Das wirst Du wohl müssen, liebes Kind, denn ich werde diese mit unausstehliche Petson niemals in meinem Hause dulden!"
Etstaunt schaute Loti zu ihm auf. Welchen Ton erlaubte er sich, welche Macht maßte er sich über sie an! Schon wieder ein Punkt, an dem st« zusammenstießen, und unwillig wallte er auch in ihr empor, ihr eine schroffe, letzte Antwort auf die Lippen drängend. Wenn et nut
lich und steuert mit derselben erstaunlichen Geschwindigkeit auf Dover zu. Trotz der großen Enffernung höre ich einen Lärm wie von einem Automobil. Noch niemals habe ich eine bet« c rtige Geschwindigkeit gesehen. — Heber seine Zukunft befragt, erklärte Bleriot, ich habe fünf Kinder und meine Frau hat mir das Versprechen abgenommen, daß ich nut noch an den Wettflügen in Reimes teilnehmen mb dann keine Flüge mehr unternehmen werde.
Deutsches Reich.
— Ein Beileidstelegramm des Kaisers. Köln, 26. Juli. Der „Kölnischen Zeitung" zufolge ist dem Kommerzienrat Max v. Guillaume vom Kaiser folgendes Telegramm zugegangen: „Jacht Hohenzollern, 25. Juli. Die Nachricht vom Tode Ihres Schwiegervaters, des von mit sehr geschätzten Mitgliedes des Herrenhauses, Geheimen Kommerzienrats Michels, hat mich aufrichtig betrübt. Ich spreche Ihnen mein herzlichstes Beileid aus und bitte Sie, gleichzeitig Ihrer Frau und den anderen Hinterbliebenen zu sagen, wie ich mit ihnen um den verdienstvollen Heimgegangenen trauere."
— Die Reise der Kaiserin nach Wilhelmr- hohe. '(Sabinen, 26. Juli. Die Kaiserin, di« Prinzessin Viktoria Luise und Prinz Joachim fuhren heute nachmittag nach dem Elbinger Stadtbahnhof, wo um 4 Ühr 35 die Abreise nach Wilhelmshöhe erfolgte.
— Keine Englandreife des deutschen Kronprinzen? Berlin, 26. Juli. Dem Vernehmen nach wird der deutsche Kronprinz im Verlaufe dieses Commers nicht mehr nach England reisen. Ob die Reise, die bekanntlich rein familiärer Natur fein soll, noch im Herbste dieses Jahres statffinden wird, steht augenblicklich noch nicht fest.
— Von unserer Flotte. Sto Holm, 26. Juli. Anläßlich der Anwesenheit bei deutschen Torpedobootflottille gibt der deutsche Gesandte Graf Pückler heute abend ein Souper, zu dem' Prinz Adalbert sein Erscheinen zugesagt hat. Unter den schwedischen Gästen befinden sich der Marineminister Graf Ehrensvard, unter den deutschen der Kommandant der Flottille, Korvettenkapitän Restorfs.
— Zur Talonsteurr schreibt eine Berliner Korrespondenz: „Infolge der Kundgebung bet .Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" scheint in bet weiteren vorzeitigen Ausgabe von Zinsbogen ein Stillstand eingetreten zu sein. Und diese Wirkung ist auch im Interesse der beteiligten Gesellschaften nut mit Genugtuung zu begrüßen. Wenn aber zur Begründung für die Rechtmäßigkeit bet vorzeitigen Ausgabe von Zinsbogen auf bk Zündholzsteuer hingewiesen wird, so übersieht man, daß es sich dabei um eine indirekte Besteuerung von Waren handelt,^ von denen jeder ein beliebiges Quantum W ziehen kann, während die Zinsbogensteuer eine direkte Steuer ist, für deren Erstattung die Steuerträger — die Gesellschaften — haftbar' sind. Es kann daher keinem Zweifel unterliegen, daß bet Bundesrat im Herbste eine gesetz-
nicht so männlich schön, so stolz gebieterisch vor ihr gestanden hätte!
Mitten in ihren Zorn hinein jubelte bas Entzücken an seiner kraftvollen, herrlichen Erscheinung, an bet echten, herrlichen Männlichkeit seines Wesens. Sie liebte ihn, sie liebt« ihn wirklich, wie sie in Leben noch nie Lebendiges geliebt, und vor diesem Gefühl schmolz alles andere in ihr dahin. Ihn zärtlich an sich ziehend, druckte sie seine hohe Gestalt auf den alten Citz zurück, strich ihn: liebevoll über das reiche, dunkle Haar unb sagte in weichem Ton:
„Trotzkops, Du kehrst ben Gebieter zu früh heraus! Sei froh, daß mein Ohr taub ist für Deine barbarischen Unliebenswürdigkeiten! — Und nun gelobst Du sogleich, den Mund nut zum Essen und Trinken zu öffnen und Dein« sanfte Braut mit keinem Worte zu kränken!"
Sie hatte den richtigen Ton getroffen, beschämt neigte er sick über ihre Hände, im Kuß Vergebung erbittend. Und wie süß ihn bas Wort „Braut" dutchzltterte! Es war bi« erste Zusicherung ihrer äußeren Zusammengehörig- kett, bas erste Recht, das sie ihm im Bereich bet allgemein gültigen Gesetze einräumte unb mit bem sie ihn so gefügig macht«, daß für heute kein weiterer Mission in bas Glück bet gemeinsam verlebten Stunden fiel. Freilich waren auch beide jetzt schon nicht mehr so unbefangen, wie im Anfang ihres Gespräches. Sie hatten die Dornen ihrer verschiedenen Anschauungen erkennen unb fühlen gelernt, unb' neben all' ihrem Lachen, Plaudern und Kosen, ging die grau« Gestalt bet Vorsicht, die mit kühler ftanb übet bte leuchtenden Farben ihrer Lieb« strich und ihnen ben schönsten Schmelz, ben bes rückhaltlosen vertrauens und Set«1 petzens, a-wischte, .,<>
(Fortsetzung folgt.)