Einzelbild herunterladen
 

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

und den Beilagen:Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) undLandwirtschaftliche Beilage

«HZ 173

DieGverhrsstschr Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt viertel- jährlich durch die Post bezog«« 2,25 Mk. (ohne Bestellgeld), bei unfern ZeitungSstellen und der Expedition Markt 21,) 2 Mk.

Marburg

Dienstag, 27. Juli 1909.

Die Insertionsgebühr beträgt für btt 7gespaltene Zelle oder deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, Unioersttätsbuchdruckerei Inhaber Dr. C. Hitzeroth, Marburg, Markt 21. Telephon 55.

44 Jahrg.

Bestellungen str die Monate August mW September auf die

»vberhessische Zeitnng- nebst ihre» Beilagen werder. noch von unserer Expedition (Markt 21) unseren Ausgabestellen in Kirch, Hain, Reust <dt und Wetter, sowie von allen PostanÄ alter und Landbriefträgern ent« gegengenominen.

Käggg i---

Zum Kamvf der Spanier mit den marokkanischt« Rif-Kabyleu.

Der Schauplatz der K imp>r bet Melilla, in denen Spanier und Kabyi-u einander gegen­überstehen, ist ein baumloses, -tei, stellenweise böllig wasserloses Bergland, in das die Spanier von dem am Südrande des Mittelländischen Meeres gelegenen Melilla auS eine Eisenbahn hineiuführen wollen, um zum Zwecke einer be­schleunigten und möglichst erttagreichen Aus­beutung der Bergwerk- bei Beni Buifrur be­queme Beförderungsverhältniffe zu schaffen. Diese Eisenbahnlinie, durch die eine nahezu 20 Kilo­meter lange Schicnenstmße hergestellt werden soll, bat bi; im Süden und Südosten von Melilla an­sässigen ^-'-S.ämme zum Aufstand veranlaßt. Die H rnvtmacht hat der Stamm der Tetuan-Ka- bhlen gestellt. Bei ibren Unternehmungen gegen die sp mischen Truppen kommt ihnen vor allem der Wasserm^l des Hinterlandes zu statte. Die auf dem parallel der Küste verlaufenden Bergrücken entfi-ringenden Wasser fließen nämlich nahezu sänttlich n dir itnir den- Namen Ma Chica bekannte ein mächtiges Wasser­

becken in utunittelbarer B-He des Mittelmeeres, ab. Hier hat auch der Höchstkommandierende der spanischen Truppen, General Marina, sein Haupt­quartier und Standlager aufgeschlagen. Die Kampsesiveise der Kabylenstämme gleicht der aller Bergvölker und erinnert lebhaft an die aus dem südwestafrikanischen Kampfe genugsam be­kannte Herero-Taktik. Die spanische Operations- armee hat in den beiden befestigte*, itnb mit ziemlich starken Besatzungen versehenen festen Plätzen Ceuta und Melilla einen werwollen Rück- halt. Die aegenwärti, verfügbaren spanischen Truppen sollen einfd ießlich der in den letzten Tagen eingetroffenen '^rstä-kungen bereits gegen 25 000 Mann zählen. Berei >7 aber wird ange­kündigt, daß weite-- 25 000 Mann auf den Kriegs­schauplatz entsandt Werd a sollen, und zwar wird ein hoher Offizier aus dec unmittelbaren Um­gebung des S7cnio§. Gene-'tl Echague, gegen­wärtig Chef des Milit' >^<bi.--t-s des Königs, als der zukünftig- Oberbefehlshaber der marok­kanischen Ex.-e' ittonsannee genannt. Gene-al Marina hat nach einem Bericht des Madrider Jmparcial die Ansicht geäußert, daß voraussicht-

64 (Nachdruck verboten.)

M« Sommertraum.

Roman von K. van Beeker.

_ (Fortsetzung.)

Er küßte thre Hände.Ja, Lori, fast glaube ich es auch. Es gibt Berhättniffe, di« so stark und zugleich so grausam sind, daß vor ihnen alle unsere Kräfte zersplittern. Damals war es meine Jugend, die in ihrer Unfertigkeit und Haltlosigkeit uns trennte, wenigstens nach Dei­ner Idee, wenngleich ich glaube, Geliebte, es wäre besser gewesen, Du hättest mir schon da­mals vertraut und nicht so schroff jebe Verbin­dung zwischen uns zerrissen. Es wäre uns beiden damit sehr viel Leid und vielleicht auch mancher Irrtum erspart geblieben. Aber ich fühle es wohl, von Deinem Standpunkt aus konntest Du nicht anders handeln!"

Lori hatte die feinen Braunen finster zu- fammengezogen und sah mit einem schwer zu enträtselnden Blick zu Heinz auf. Durch ihre Seele zog es in diesem Augenblick mit banger Ahnung, daß es für sie beide das beste gewesen wäre, sich niemals zu begegnen, und daß hinter dem goldenen Glück dieser Stunde, genau wie damals nach jenem Sommertraum, ein Meer von Leid, Entsagen und Enttäuschungen die Zu­sammengehörigkeit ihrer Herzen grausam ver­schlingen werde. Erschauernd schloß sie die Augen, und ihr Gesicht gegen seine breite Brust drückend, rief sie mit angstvollem Beben der Stimme aus: ,.O, Liebster, laß uns an nichts Mehr denken, weder an Vergangenheit noch an Zukunft, sondern jetzt nur der Gegenwart leben, das tiefe, köstliche Glück genießen, uns wieder gefunden zu haben und beieinander fein zu dür­fen? Komm?" Sie zog ihn zu dem zierlich ge­reckten Teetisch.Jetzt soll es ganz so werden

| lich mit einer langen Dauer der Operattonen wird gerechnet werden müssen, und König Alfonso hat bekanntlich seine Reise zum Besuch der Regatta in Cowes, die in den nächsten Tagen angetreten werden sollte, anläßlich der ernsten Lage im Auf­standsgebiet aufgegebe«.

lieber die neuesten Kämpfe wird gemeldet:

Melilla, 25. Juli. Nach dem Bericht des Generalftabs richtete sich der Kampf gegen die Stellung des Generals Isa vornehmlich gegen Sidt Meussa. Die aus 6 Kompagnien und einer Abteilung Arttllerie bestehende Kolonne warf den Feind zurück und verfolgte ihn zwei Kilometer. Die spanischen Truppen besetzten die Linie der I vorgeschobenen Posten. Ein Oberst, ein Haupt­mann und zwei Leutnants sind gefallen, 13 wur­den verwundet. Das Gewehrseuer dauerte bis nachmittags an. Nach einer späteren amtlichen Meldimg gaben die spanischen Truppen die vor­geschobenen Stellungen, die sie im Laufe des ge­strigen und heuttgen Kampfes besetzt hatten, wie­der auf, weil es unmöglich war, sie wirksam zu befestigen.

Paris, 24. Juli. Wie dieAgence Havas" aus Madrid meldet, soll Marina das Oberkom­mando über die spanischen Truppen in Mellilla behalten und zum Generalleutnant befördert werden. Nach amtlichen Mittellungen wird die Regierung darauf verzichten, für die Expedition in Marokko Reservisten einzuberufen.

Paris, 25. Juli. Aus Madrid wird ge­meldet, die spanischen Offiziere seien über die Vollkommenheit der Waffen und den Ueberfluß an Munitton erstaunt, welche den Rifleuten zur Verfügung stehen. Es sei zweifellos, daß dieses Kriegsmaterial von Häfen. Eirropas uus nachts an die Riftüste geschmuggelt worden sei.

Melilla, 25. Juli. Gestern nachmittag ivurde wieder Geschützfeuer aus den spanischen Stellungen gehört. Die Schiffsbesatzungen sind gelandet. Die Harka soll bedeutende Verstärkun­gen aus dem Zentralriff erhalten haben.

Malaga, 25. Juli. Hier eingetroffene Reisende erzählen: In Melilla herrscht Panik. Der gestrige Kampf soll furchtbar gewesen fein. Die Zahl der gefallenen und verwundeten Spanier übersteigt 280; die Mauren haben die dreifachen Verluste. Die Harka der Kabhlen versuchte, die Verbindungen der Stellung bei Atalahon mit Melilla zu unterbrechen. Die Spanier mußten zum Teil die Stellungen räumen, in denen sich die Kabhlen festsetzten. Der vom Oberst Cabrera mit dem Bajonett geführte Gegenangriff, bei dem Cabrera getötet wurde, brachte sie wieder zum Weichen, doch erhielten sie neue Verstärkunaen ! und umzingelten nun die Kolonne Cabera, die schließlich von den gerade in Mellilla ausgeschiff­ten Truppen aus ihrer mißlichen Lage befreit wurde. Die Mauren wurden wiederum zurückge- worfe -, doch immer wieder erneuerten sie ihre Angriffe. An vielen Stellen wurde ohne Ge­wehre mit blanker Waffe gekämpft.

wie einst, nur tausendmal süßer und schöner! D^e Welt draußen versunken, und wir beide allein in unserem kleinen, traulichen Heim, in

I dem ich es Dir so bezaubernd gemütlich machen will, daß mein finsterer Ritter Blaubart alles vergißt, was außerhalb desselben liegt!"

Heinz zog Lori zu sich nieder auf die Lehne des kleinen Seffels, in den sie ihn liebkosend ge­drückt hatte.Finster? Liebchen, das paßt nicht mehr seit gestern, aber Ritter Blaubart paßt mir schon recht, dann könnte ich mein süßes, holdes Weib allein nur für mich haben; sie mit dem goldenen Schlüssel meiner Liebe von der ganzen Welt abschließen und nur der Sonne und dem Mond vergönnen, außer mir in ihr i geliebtes, schönes Gesicht zu schauen." .

Tyrann," lächelte sie glücklich und doch bei­nahe etwas bang vor dem leidenschaftlichen Blick der ihre ganze Gestalt umfing.Wie gut, daß die Blaubartzeiten vorüber sind und wir in ge­sitteten Verhältnssen leben. Es scheint mir überhaupt notwendig, daß ich das Zepter meiner Hausfrauenwürde in die Hände nehme und Dir all die eigenmächtigen Ideen mit einer milden Taffe Tee sänftige! Laß mich los, Gebieter, das I Waffer kocht sich sonst zu Tode, und der Tee wird I so heiß, daß Du Dir daran den nichtsnutzigen I Mund verbrennst?" I

So, wird das Waffer immer heißer, je I länger es kocht? Das ist ja eine ganz neue Ent- I deckung, Du ausgezeichnete kluge Hausfrau! Da | zieh ich es denn doch vor, mir die Lippen an I Deinen Küssen zu verbrennen, ehe ich mich an I den Tee mache!" Und ihren Kopf zu sich hinab­ziehend, ließ er den Worten die Tat folgen.

Erglühend wand sich Lori aus Heinzens Ar­men.Du bist gar nicht mehr das artige Kind von einst, das sich leicht und hübsch im Zügel halten ließ. Meine Haare hast Du zerzaust und

Paris, 23. Juli. DerAgence Havas" wird aus Madrid über San Sebastian gemeldet, daß die Kundgebungen, die sie anläßlich der Ab- sendung der Reservetruppen nach Melilla ereig­neten, einen sehr heftigen Charakter trugen. Am 21. und 22. Juli habe König Alfons mehrere Ka­sernen besucht und sei dort Gegenstand wenig freundlicher Kundgebungen gewesen. Drei Kom­pagnien Jäger so wird weiter gemeldet hätten versucht zu meutern und ihre Vorgesetzten bedroht. Arn 21. Juli abends kam es im Augen­blick der Abfahrt eines Reservistenzuges zu sehr heftigen Auftritten. Die Menge drang in den Bahnhof ein und warf Schwellen auf die Schie­nen. Die Polizei erwies sich als machtlos. Die Bürgergarden erst machten die Schienenwege mit Kolbenschlägen frei. Nach einer aus Melilla auf brieflichem Wege eingegangenen Meldung soll General Marina telegraphiert haben, er brauche 40 000 Mann. Der Platz könne den Mauren, die durch das defensive Verhalten der Spanier er­mutigt würden, nicht mehr lange widerstehen.

Zmn Regierungswechsel in Frankreich.

Paris, 24. Juli. Ministerpräsident Briand hat heute nachmittag 3y2 Uhr dem Präsidenten Fälliges die Attenftücke über die Konstituierung des Kabinetts zur Unterschrift unterbreitet und um 6 Uhr feine Mitarbeiter im Elysee vorgestellt. Admiral Bons de Lapehrere übernahm das Portefeuille der Marine und General Brun das des Krieges. Saaraut wurde zum Unterstaats- sekretär im Kriegsministerium und Cheron zum Unterstaatsfekretär im Marineministerium er­nannt. Die Minister und Unterstaatssekretäre traten heute vormittag 11 Uhr im Justizmini­sterium zu einer Sitzung zusammen. Der radi­kale Deputierte Lasierte, Obmann des Durch- führungsausschuffes der radikalen Partei, erklärte dem Ministerpräsidenten Briand auf deffen Be­fragen, daß die Zusammensetzung des Kabinetts seine Partei nicht befriedige, da sie in demselben fast gar nicht vertreten sei. Er halte es für not­wendig, Aufklärungen über die Haltung des neuen Ministeriums zu erlangen, und werde des­halb am nächsten Dienstag eine Interpellation über dessen allgemeine Politik einbringen. Während einzelne radikale Organe der combMti- schen Richtung dem neuen Ministerium unver­hohlenes Mißtrauen entgegenbringen, wird das­selbe von gemäßigten Blättern wieTemps" und Journal des Dubais", nicht ungünstig beurteilt. DerTemps" schreibt: Ministerpräsident Briand habe bei der Zusammensetzung des Kabinetts den Elementen der Mäßigung und Besonnenheit einen beträchtlichen Platz eingeräumt. Die mutige Wahl zweier militärischer Minister für das Kriegs- und Marinemmisterium beweise, daß der neue Ministerpräsident trotz seines Sozialismus dem Antipatriotismus Hcrv6s keine Zugeständ-

mein Kleid zerdrückt! Es scheint, ich muß Dir mal erst wieder ein bißchen Manieren bei- bringen!"

Das ist zu spät, Lori; warum hast Du mich fünf Jahre lang aus Deiner Erziehung ent­lasten? Nun find die Kinderzeiten und die Kindermanieren verloren gegangen. Aber sei unbesorgt, meine holde Prinzessin, ich werde jetzt zahm sein wie «in Lamm, und wenn Du befiehlst, sogar eine sanfte Taffe Tee trinken, wenngleich ein feuriger Grog mir lieber wäre, wenn Du das nicht zu prosaisch und bei all dem angesammelten Zündstoff für zu gefährlich hälft!"

Aber. Heinz, Du bist ja ein ganz schrecklich wilder, genußsüchtiger Geselle geworden? Meine Haare sträuben sich vor Entsetzen und mein mütterliches Herz blutet. Grog, schauderhaft! Aber, wenn es sein muß, so will ich als treues Weib Dich auch auf diesem gefährlichen Pfid begleiten!"

Lori bog sich lachend mit der zierlichen Rum­karaffe zu Heinz herüber.Erst Zucker, Leicht­sinniger, sonst gibt es eine unglückliche Liebe, und man soll das Schicksal nicht herausfordern!"

Bist Du abergläubisch?" Er nahm ihr die Karaffe lachend aus der Hand, und ehe sie noch Zucker in fein Glas werfen konnte, hatte er schon mit einem übermütigen, spöttischen Blick dem Waffer den nötigen Rum zugesetzt.

Ach, Heinz, Du solltest doch nicht!" Und sie sah ganz erschreckt und anklagend zu ihm auf.

Aber, Lori, meine kluge Lori, ist es möglich, daß Du an solch dumme Kleinigkeiten glauben kannst! Und besonders hier, unserer großen, starken Liebe gegenüber, di? doch wahrhaftig nicht von dem regelrech-en Gebrauche eines Stückchens Zucker beeinflußt werden kann!"

Du hast recht. Liebstet, «s ist ein Unsinn,

niste machen »volle. DasJournal des D6bats* spttcht seine Beftiedigung darüber aus, daß die Anhänger Combes', obgleich sie den Sturz des Ministeriums Clemenceau herbeigefühtt haben, im neuen Kabinett lediglich durch den . vas farb­losen Kolonialminister Trouillot vertreten feien. Das neue Kabinett soll in einer Erklärung vor der Kammer, wie dieAgence Havas' meldet, den festen Willen bekunden wollen, das vom Ka­binett Clemenceau begonnene Werk mit allen Kräften fottzusetzen, in erster Linie die von der Regierung auf dem Gebiete der Alterssürforge für Arbeiter geplanten Reformen. Ebenso würde es sich die Reform der Kriegsgerichte angelegen sein lasten und sich bemühen, in großem Maß­stabe in gemeinsamer Arbeit mit dem Parlament die sittliche nnb materielle Hebung des Arbeiter- staudes zu fördern. Die Erklärung der Minister soll ferner den Willen der Regierung ausdrücken, rmverzügli^>Abhilfe zu schaffen für die durch die parlamentarische Enquete in der Organisation der Marine aufgedeckten Schäden, um das Land mit einer Seemacht auszurüsten, die allen G-ffabren zu trofien vermöchte. Am Schluffe der Erllärung würden die Minister den aufttckstiaen Wunsch aus- sprechen, auch ferner mitzuarbeiten au der F--M- gnng des Friedens und an den Bündnissen und Freundschastsverhältniffeu festzuballen lieber die Angelegenheit der anläßlich des Sir-iks ent- laffenen Postbeamten würde die Erklärung kein Wott enthalten.

Politische Umschau.

Die Reise des Zaren.

DieNeue Freie Presse" meldet aus Peters- bürg: Das Zarenpaar verläßt am 24. Juki Peterhof und fährt auf der JachtStandatt* von Kronstadt aus, begleitet von zwei Panrerkreuzem, zunächst nach Kiel. Dott verbringt es ans bet Besitzung des Prinzen Heinrich Hemmclnrark. zwei Tage. Am 31. Juli trifft es in Cherbourg ein und begibt sich nach Cowes, wo es fünf Tage verweilt. Am 10. August fährt das sta^eupaar nach Peterhof zurück. Am 27. August reift der Zar in den Belowesher Wald zur Jagd. Don dott begibt sich das Zarenpaar nach der Kttm. Am 3. September reift das Zarenpaar von Balta nach Gttechenland und Neapel, wo eine Flotten­schau stattfindet. Am 21. Oktober kebtt das Zaren­paar nach Dalta zurück, und am 18. November nimmt es seinen Winteraufenthalt in Zarskole Sselo. Wie ein hiesiges Blatt dazu melbet, reist der russische Minister des Aeußern Iswolski am 24. Juli nach Frankreich und kehtt über Livadia, wo sich das Zarenpaar dann aufhalten wird, nach Pttersburg zurück.

Der Saatenstand im Reich.

Berlin, 24. Juli. Saatenstand im Deutschen Reich um Mitte Juli: Winterweizen 2,8 (im Vormonat 3,0); Sommerweizen 2,5 (2,7;) Win-

aber man löst sich niemals ganz von den Ein» drücken feiner Kindheit, und durch die meine hat sich viel Aberglauben und Mystizismus gezogen. Außerdem sagt man uns Künstlern allen einen unerklärlichen Hang zum Aberglauben nach. Bei uns spielt der Zufall, das ewige Jagen und Wagen eine so große Rolle, daß wir unwillkür­lich dazu gedrängt werden, auf Zeichen zu lau­schen, Formen zu beachten und an übernatürliche Bestimmungen zu glauben. Es ist das ein Stückchen der Poesie und der Torheit, die mit unseren immer etwas zigeunerhaft angehauchten Existenzen eng zusammenhängt und über alle Weltklugheit und Vernunft hinfort uns nie ganz von ihrem Einfluß fceiläßt."

Ihre Anschauungen waren doch recht ver­schieden und Loris unbefangener Hinweis auf die Eigenart ihres Lebensweges berührt« Heinz fast unangenehm. Es würde nicht leicht fein, sie von all dem loszulösen. Er mußte sehr vor­sichtig und sehr liebevoll dabei zu Werke gehen. In dieser Erkenntnis drängte er das tadelnde Wort das ihm als Entgegnung auf der Lippe schwebte, energisch zurück. Wie schön sie mar,' wie entzückend ihr die hausftäuliche Anmut stand, mit bet sie auf dem Teetisch herumhan­tierte und ihn bediente? Wahrlich, es gab kein Opfer, das zu schwer war für die Erringung ihres Besitzes. Es würde sich auch alles machen laffen, denn eine liebende Frau sei weich wie Wachs, hatte er oft gehört, und in diesem Ge­danken sagte er sanft und zärtlich:Ich hoffe, der Einfluß meiner Liebe wird stärker fein aw der Deines Berufes, Lori und Dein Geist wirb, in andere Bahnen gelenrt, sich bald von solch kleinlichen, beengenden und törichten Fessel» frei machen!- f

' ~ H (Fortsetzung