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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

und den Beilagen:Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) undLandwirtschaftliche Beilage."

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DieGberhrsstschr Zettmrg" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn« und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt viertel­jährlich durch die Post bezogen 2,25 Mk. (ohne Bestellgeld), bei unfern Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21,) 2 Mk.

Marburg

Sonntag, 25. Juli 1909.

Die JnsertionSgebühr beträgt ftir dte 7gehaltene Zeile oder deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. Druck und Verlag: Iah. Auq. Koch, llniversttStsbuchdruckerei Inhaber Dr. C. H itzeroth, Marburg, Markt 31. Telephon 55.

44. Jahrg.

W Blatt.

Bestellungen

für dte Monate Angust und September auf dte

»VVertzessische Zeitung" nebst ihren Beilagen werden noch von unserer Expedition (Markt 21) unseren Ausgabestellen in Kirch- Iain, Neustadt und Wetter, sowie von allen Postanstaiten und Landbriesträgern ent« gegengenommcn.

Umschau im Auslande.

Dem Ausscheiden des deutschen Reichskanzlers Gl der Rücktritt seines französischen Sollegen, des Ministerpräsidenten Clem eneeaus unmittelbar Gefolgt. Dte UmMnde, unter denen dieser Rück­tritt so plötzlich und unerwartet geschah, entbehren nicht besonderer Bedenken für unsere auswärttge Politik. Ist es doch der alte Deutschenhasier und stets nur in dieser Eigenschaft gleichzeitig mit König Eduard von England genannte frühere französische Minister, der Abg. Delcassck, der es fettig gebracht hat, noch in letzter Stttnde, bevor die französische Kammer in die Ferien ging, den viel­gehaßten und energischen Ministerpräsidenten zu stürzen, und zwar bei einer geringfügigen Ange- kegenheit, während er in den großen prinzipiellen Fragen vor kurzem erst noch einen durchschlagen­den Erfolg über seine sozialistisch-monarchistische Gegnerschaft errungen hatte. Kaum ist Delcassö wieder Herr der Situation, so beginnt auch schon von neuem die Deutschenhetze. Vor allem macht man England scharf und ermuntert es zur Ein­führung der allgemeinen Dienstpflicht, indem man ganz unverhohlen der Meinung Ausdruck verleiht, daß der Entscheidungskampf zwischen England mit seinen Freunden und Deutschland mit seinem An­hang in der Maasebene ausgefochten werden müsse. Aus diesem Grunde ist für uns und die Leiter unserer auswärtigen Politik von besonderer Wichtigkeit, diesem Wechsel in Frankreich ein be­sonders scharfes Augenmerk zu widmen. Die Stunde der in letzter Zeit leidlichen deutsch-stan- zösischen Beziehungen dürste wohl geschlagen haben -Tfeitnb ei« gesundes egoistisches Mißtrauen ist wohl mtehr als je am Platze.

Mtt Mn Namen DelccM ist Der Marokkos eng verknüpft. Während Frankreich dort anschei­nend jetzt eine mehr passive Rolle spielt und auf stiedlichem Wege seinen Einfluß durchzusetzen sucht, ist auf Englands Ansporn hin Spanien aktiv vorgegangen und befindet sich augenblicklich im heftigsten Kampfe mit den Riffkabylen, die ihm einen ganz energischen Widerstand entgegensetzen

Silber aus Marburgs Vergangenheit.

(K. H e n h e - Marburg.)

(Schluß.)

Unsere Stadt wurde seit dieser Zett das Ziel zahlreicher Pilger. Dieselben fanden bei den deutschen Ordensrittern und auch in dem Gottes­hause in Weidenhausen Aufnahme. Da manche von ihnen in Marburg starben, wurde für sie um die Michaeliskapelle herum ein besonderer Totenhof angelegt, Marburg galt bald in der ganzen Chri- stenhett als eine heilige Stadt, die gleich nach Jeru­salem und Rom genannt wurde. Es kann nicht wundcrnehmen, daß infolgedessen in Marburg eine ganze Reihe von Klöstern entstand. Die Franzis­kaner, welche dem deutschen Orden hatten Platz machen müssen, ließen sich an der Südwestecke der Stadt, an der nach ihnen benannten Barsüßer- straße, nieder. Von ihrem Kloster sind noch die Gebäude am Plan erhalten, in denen jetzt die Uni- vcrsitätsseminare sind. An der Stelle ihrer Kirche wurde später der sogenannte Saal- bau errichtet. An sie erinnert auch noch der Bar- füßerkirchhof mit seiner keinen Begräbniskapelle. Die Dominikaner- oder Predigennönche erhielten 1290 die Erlaubnis, sich an der Stelle niederzu- lassen, wo sich jetzt das Universitätsgebäude be­findet. Ihre Kirche ist noch heute als reformiertes Gotteshaus erhalten; ihr Totenhof wurde aber später in den Kornmartt umgewandelt. Rach 1477 bildete sich auch auf dem Burgsitze der Herren von Imhof eine Niederlassung der Brüder vom gemeinsamen Leben, die vom Volke Kugelherren genannt wurden und noch heute in dem Namen tzer Kugelgafle fortleben. Außerdem gab es in Marburg mich einige Schwesteefthäuser, z. B. Nie-

nnd nur mit großen Opfern und verstärkter Trnp- pcnmacht niedergezwnngen werden können. Ob dieses afrikanische Abenteuer dem an Leuten und Geld armen Spanien gut bekommen wird, ist zum mindesten sehr zweifelhaft; gewiß ist aber, daß es »«och mehr in die Schulknechtschast geraten und gleich Portugal zu einer englischen Satrapie herabsinken wird.

Richt nur im europäischen Okzident, an den Säulen des Herkules, sehen wir unsere englischen Vettern Ränke spinnen, sondern auch im Orient. Das Wiederaufrollen der K r e t a f r a g e ist ledig­lich auf ihre Umtriebe zurückzuführen, doch schei neu hier die Tage gezählt zu sein, daß man blind­lings englischen Einflüsterungen gehorcht. Die T ü r k ei hat gezeigt, daß sie Mannes genug ist, sich nicht länger bei lebendein Leibe sezieren zu lassen, und auch Griechenland hat eingesehen, daß es besser tttt, sich mit dem großen Nachbarn im Guten zu einigen. Von großem Erfolg ist ferner der türkische Einfluß in Persien gewesen, wo der aus seine englisch-russischen Freunde sich stützende Schah hat abdanken müssen, während die von der türkischen Sympathie getragenen Ratio nalisten den Sieg davongetragen und einen 13- jährigen Prinzen zum Herrscher aitsgerufen haben.

Trotzdem eigentlich die Zeit der Reise in der auswärtigen Politik eingetreten sein sollte, sehen wir also überall, wohin wir blicken, Konflikte im Gange, oder zum Ausbruch drohend. Auch Süd- a m e r i k a ist davon nicht verschont und der Streit zwischen Argentinien und B o l i v i a, den man im Küme erstickt zu haben hoffte, ist von neuem aufgelodert. Die diplomatischen Be­ziehungen zwischen den beiden Ländern sind ab­gebrochen worden. Ursache des Zwistes sind Grenzftteitigkeiten über den Besitz besonders wert­voller Ländereien, deren bergbauliche Ausbeutung dem glücklichen Ausbeuter großen Gewinn ver­spricht. Man hofft noch immer, den Ausbruch krie­gerischer Verwicklungen verhindern und die Streit« frage dem Haager Schiedsgericht unterbreiten zu können.

Politische Umschau.

3« den neuen Steuern.

Außer für die neuen Steuern enthalten die jüngst veröffentlichten Reichsfinanzreformgesetze auch Jnkraftsetzungstermine für andere Bestim­mungen. Mit dem Tage der Verkündung des sogenannten Reichsfinanzgesetzes ist der tz 3 des Reichsfinanzreformgesetzes vom 3. Juni 1906 außer Kraft getreten und gleichzeitig haben die neuen Vorschriften über die Matrikularbeiträge Geltung erlangt. Im 8 3 des erwähnten Ge­setzes war bekanntlich bestimmt, daß die Einzel­staaten bei etwaiger Unzulänglichkeit der Reichs­einnahmen Matrikularbeiträge bis zu 40 Pfen­nigen auf den Kopf der Bevölkerung zu zahlen gezwungen seien und daß von ihnen darüber hinaus aufzubringende Beträge auf drei Jahre

derlassungen von Augustinerinnen in der Unter­gasse und von deutschen Ordensschwestern im Nürnberger Hofe an der Ketzerbach. Die Calands- brüder besaßen ein Haus in der Ritterstraße, die Kiliansbrüder wohnten in der Nähe der Kirche ihres Pattons. Selbstverständlich verliehen diese zahlreichen Mönche und Nonnen im Verein mit den nie fehlenden Pilgern dem Sttaßenbilde ein ganz eigenartiges Gepräge. Für die große Menge der Gläubigen reichte natürlich der Kilian bald nicht mehr aus; deshalb errichtete man im 13. Jahrhundert auf einer mit vieler Mühe geebneten Terrasse am Südabhange des Schloßberges eine Mene große Pfarrkirche, deren Chor am 1. Mai 1297 geweiht wurde.

Dem Wachstum Marburgs kam noch ein an­derer Umstand zugute. Es wurde die Residenzstadt der hessischen Landgrafen. Das ging fo zu. Rach dem Tode des Landgrafen Ludwigs IV. von Thü­ringen und Hessen, des Gemahls der heiligen Elifabeth, übernahmen dessen Brüher Konrad und Heinrich die Regierung, weil fein Sohn Hermann noch ein Kind war. Nachdem aber zuerst dieser, dann Konrad und 1247 auch Heinrich Raspe ge­storben war, ging Thüringen in den Besitz des Markgrafen von Meißen über. Die hessischen Stände riefen aber den 3jährigen Grasen Heinrich von Brabant, den Enkel der heiligen Elisabeth, als den rechmiäßigen Erben des Landes aus. Unser 3. Bild zeigt uns in einer bewegten Volksszene, wie Sophie von Brabant, die 1248 mit 800 Ge- wasfneten herbeigeeilt war, um die Rechte ihres Sohnes wahrzunehmen, diesen den Marburger Bürgern als ihren künftigen Landesherrn vor­stellt. Weil Sophie und ihr Sohn hier in Marburg so freundlich aufgenommen wurden, erhob die tat­

gestundet werden sollten. Rach den neuen Be­stimmungen sind die für 1906 bis 1908 gestunde­ten Beträge auf Anleihe zu übernehmen; für 1909 haben die Einzelstaaten gegebenenfalls 48,5 Millionen M Matrikularbeiträge an das Reich zu zahlen. Eine rückwirkende Kraft ist der Bestimmung über die Erbschaftsbesteuerung gegeben. Es ist bekanntlich im neuen Finanz­gesetz angeordnet, daß voll dem Roherträge, der aus der Besteuerung der Erbschaften aufkommt, das Reich drei Viertel erhält und den Einzel­staaten ein Viertel ihrer Roheinnahmen ver­bleibt. Diese Anordnung hat ihre Geltung schon am 1. April 1909 erlangt. Sie gilt also für das ganze laufende Finanzjahr und wird dessen Eesamtberechnung zwischen Einzelstaaten und Reich auf dem Gebiete der Erbschaftsbe­steuerung zu Grunde gelegt werden. Mit dem 1. Januar 1910 wird die Bestimmung in Kraft treten, wonach die Zentralpostbehörden von jebem Träger der Unfallversicherung einen Betriebsfonds einziehen können. Die Berufsge» nossenfchasten und sonstigen Träger der Unfall­versicherung haben danach nahezu ein halbes Jahr Zeit, sich auf die Neuerung einzurichten. Mit dem 1. April 1911 tritt die jetzige Be­stimmung des Reichsfinanzreformgesetzes vom Jahre 1906, wonach die Reichsanleiheschuld all­jährlich in Höhe von mindestens drei Fünfteln vom Hundert zu tilgen ist, außer Geltung. Da­für treten dann die neuen Tilgungsoorschriften in Kraft. Schließlich ist in diesem Zusammen­hänge noch zu erwähnen daß die neuen Bestim­mungen über die Abgabenerhebung vom Bier für Rechnung der Gemeinden und über die Ge- weindeblerbesteuerung in Elsaß-Lothringen vom 1. April 1910 ab Geltung erlangen.

Deutsches Reich.

Begrüßung des Kaisers Franz Josef durch deutsche Bundesfürsten. Am 30. August werden sich, wie aus Wien gemeldet wird, mehrere deutsche Bundesfürsten zur Begrüßung des Kaisers Franz Josef nach Bregenz begeben. Es sind der König von Württemberg, der Großherzog von Baden und Prinz Ludwig von Bayern, der Erbe der bayrischen Krone. Den Anlaß der Reise des greifen österreichischen Monarchen bilden die Jahr­hundertfeiern zum Gedächtnis der Freiheits­kämpfer in Tirol und Vorarlberg.

Vorstellung des Reichskanzlers beim Prinz regelten von Bayern. Wie eine Berliner Sorte« fpendenz erfährt, wird der Reichskanzler v. Beth- mann-Hollweg sich gelegentlich der Mitte Septem­ber in München erfolgenden Eröffnung der Schack- Galerie dem Prinzregenten von Bayern vorstellen. Herr v. Bethmaun-Hollweg werde den Kaiser zur Eröffnungsfeier nach München begleiten. Ob der Reichskanzler im Anschlüsse daran auch die Höfe von Stuttgart und Karlsruhe besuchen werde, stehe noch nicht fest.

Austtitt aus dem Bund der Landwirte. Halle a. S., 23. Juli. Die Mitglieder des Bundes

kräftige Fürstin Marburg zu ihrer Residenz. So ivurde unser Bergschloß die Wiege des hessischen Fürstenhauses. Weil aber die alten Burggebäude den gesteigerten Ansprüchen nicht mehr genügten, wurden sie abgerissen und durch größere und schö­nere ersetzt. Unter diesen zeichneten sich besonders der Rittersaal und die Schloßkapelle aus. Die hessischen Landgrafen bewohnten das Schloß mit Unterbrechungen bis zum Jahre 1604; ihre letzte Ruhestätte aber ließen sie sich in der Elisabethkirche bereiten, so daß für sterben unter ihnen die Redens­art aufiamnach Marburg reiten." Sie waren ein lebenslustiges, kunstsinniges Geschlecht, was noch jetzt die von ihnen aufgesührten Bauten be­weisen. (Till Eulenspiegel beim Bischof Ludwig von Münster im Rittersaale.) Biele von ihnen lagen mit Eifer der Jagd ob. Andere machten Kahnfahrten nach Wehrda, badeten in der Bade­stube am Bulkenstein, machten Ausflüge nach dem Glaskopfe, hielten ihre Bälle in dem ihnen ge­hörigen steinernen Hause am Martte und verkehr­ten aufs leutseligste mtt den Bürgern der Stadt, mit denen sie manchen Becher leerten. In späteren Zeiten errichteten sie westlich vom Schlosse eilte Rennbahn, einen Springbrunnen und einen Tier­garten, die sogenannteTierwiese". Daß ihre Hof­haltung nicht allzu einfach gewesen ist, beweist die stattliche Zahl der Hofämter. Dieselben waren in den betreffenden Familien erblich und verliehen hohes Ansehen. In den Chroniken werden oft er­wähnt der Schenk von Schweinsberg, der Mar­schall von Rotenstein, der Truchseß von Rune und der Kaplan von Schröck oder auch der Hofjäger­meister von Dörnberg. Infolgedessen kehrten auch viele angesehene Gäste bei den Landgrafen ein, die 1296 hi den Reichsfürstenstand erhoben worden

der Landwirte in Obhausen bei Querfurt beschlos­sen, wegen der Haltung des Bundes in der Reichs­finanzreform aus dem Bunde auszutreten.

Gesetzveröffentlichung. Die heutige Nummer 43 des Reichsgesetzblattes enthält die Bekannt­machung betreffenb die Fassung des Bransteuer- gesetzes vom 21. Juli 1909.

Ausland.

* * Spanien in Marokko. Madrid, 23. Juki. Rach einer amtlichen Meldung aus Melilla fand gestern Abend ein Gelchützkampf statt, bei welchem ein Soldat verwundet wu:be: Vier Verwundete sind heute im Hospital g estorben. Die in zwei Abteilungen vorrückende Hurka ver­suchte nachts wiederum, die spanischen Stel- hingen anzugreifen. Aus Malaga wird ge­meldet: Die Einschiffung der von Madrid nach Melilla bestimmten Truppen ist ohne weiteren Zwischenfall verlaufen. Ferrol, 23. Juli. Der Generalkapitän lud die Offiziere der hier vor Anker liegenden deutschen Kriegsschiffe zu Einern Frühstück ein, wobei Trinksprüche auf Kaiser Wilhelm, König Alfons, sowie auf Deutschland und Spanien ausgebracht wurden.

* * Verzicht. Lissabon, 23. Juli. Der älteste Sohn Don Miguels von Braganza, Don Miguel, verzichtet int Hinblick auf seine bevorstehende Verheiratung mit der Amerikanerin Anita Ste­wart auf alle Rechte auf die Krone Portugals.

* * Die Indier in England. London, 23. Juli. Der indische Student Dhingra wurde he» Mordes an dem Obersten Curzon Wollte, ver­übt am 1. Juli, für schuldig befunden uni zum Tode verurteilt. Rach der Urtellsverkiindigung erklärte Dhingra: Ich bin glücklich, die Ehre zu haben, für mein Vaterland zu sterben! Arthur Borsley, der Herausgeber des bis vor kurzem hier erschienenenIndian Socioloc/, ist wegen Veröffentlichung aufrührerischer Schmäh­schriften zu vier Monaten Gefängnis verurteilt worden. Die fraglichen Artikel stammten aus der Feder eines in Paris lebenden indischen Agitators.

* * Türkei. Konstantinopel, 23. Juli. 72 bul­garische Offiziere sind hier eingetroffen, um dem Verfassungsfest und der Truppenschau beizn- wohnen. Die Truppenschau ist ohne Zwischen­fall verlaufen. Die Truppen wurden von der Bevölkerung lebhaft akklamiert. Der Suita.i bekundete feine Zufriedenheit mit der Haltung und dem Aussehen der Truppen. Anläßlich d 5 heutigen Jahrestages der Einführung der Verfassung ist die Stadt festlich geschmückt. Der Festparade, die auf den Freiheitshügeln von Schifchli ftattfanb, wo sich die Grabstätten der bei dem letzten Aufstand gefallenen "olhaten befinden, wohnten außer dem Sultan und dem Thronfolger, alle anderen Prinzen des Kaiser­hauses, der Khedioe und Frhr. v. d. Goltz, dieser in deutscher Uniform, bei. Für das diplematische Korps und die anderen Geladenen waren Ute aufgeschlagen. Die Teilnahme seitens der Be- völkerung war außerordentlich groß. Vc der Parade begab sich der Sultan zum Selamik.

waren, und die Burgräume hallten oft wieder von Saitenspiel und Gesang. Im Jahre 1357 hielt hier sogar der deutsche Kaiser Karl IV. mit bet Königin Elisabeth von Ungani Einkehr, nachdem er vorher in der Elisabethkirche seine Andacht ver­richtet hatte. 1399 wurde auf dem Schlosse die Ab­setzung Wenzels des Fmilen beschlossen; 1410 schloß hier Ruprecht von der Pfalz mit dem Land­grafen Hermann gegen den Erzbischof von Mainz ein Bündnis. Am höchsten ging es aber wohl her, wenn hier ein Turnier veranstaltet wurde. Das­selbe wurde entweder auf dem Kämpfrasen oder auf der Ketzerbach abgehalten. 1454 fand unter dem Landgrafen Ludwig II. ein Turnier auf dem Kämpfrasen statt. Im Jahre 1466 erschien zn einem Turnier, zu dem Heinrich III. eingeladen hatte, der Herzog Wilhelm von Sachsen mit s» zahlreichem Gefolge, daß in der Stadt 1400 Pferde untergebracht werden mußten. Das Verhältnis der Landgrafen zu den Bürgern der Stadt blieb fast immer ungetrübt; freilich mußten meistens die Bürger die Kosten desselben bezahlen. 1372 Nagte Hermann der Gelehrte auf dem Marktplatze über die Treulosigkeit der im Sternerbunde bereinigten Ritterschaft und erhielt von den Bürgern die er­betene Hülse.

Die Marburger aber benutzten solche Gelegen­heiten geschickt zur Erlangung weiterer Rechte. Bis gegen das Ende des 13. Jahrhunderts wurde die Stadt von dem Schultheißen verwaltet, der ein landgräflicher Beamter war; an dessen Stelle trat dann einer der 12 Schöffen, der jährlich am Jakobstage von Zünften und Gemeinen erwählt und Bürgermeister genannt wurde. Zum ersten Rathaus ward ums Jahr 1350 die Kapelle iw Kerner eingerichtet; das neue Rathaus wurde in