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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain |
und den Beilagen: „Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und Landwirtschaftliche Beuage.-
Ji 171
Die „Gberhesstsche Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn« und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch dir Post bezogen 2,25 Mk. (ohne Bestellgeld), bei unfern ZeitungSftellen und der Expedition (Markt 21,) 2 Mk.
Marburg
Sonnabend. 24. Juli 1909.
Dis JnfertionSgebühr beträgt für die 7gespaltene Zeile oder deren Raum 16 Pfennig, für Reklamen 80 Pfennig. — Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, UnioersttätSbuchdruckerei Jnbaber Dr. T. Hitzeroth, Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
44. Jchrg.
Der heutigen Nummer liegt bei Kreisblatt Nr. 57. .
Die nächste Tagung des Reichstages.
Wie immer, so wird auch diesmal, kaum daß der Reichstag seine Tagung beendet hat, an die Vorbereitung der für die nächste Tagung be- Kivmten Entwürfe gedacht werden. Eine dieser Vorlagen braucht nur vom Bundesrate an den -levvstag gebracht zu werden, weil der erstere G«se^;ebungsfaktor sie bereits genehmigt hat, er ist Hr deutsch-portugiesische Handelsvertrag. Er wird allerdings erst dem Reichstage unter- brsttet werden, nachdem die portugiesischen Lortes ihre Zustimmung gegeben haben werden. Dies könnte aber in der Zwischenzeit wohl der Fall sein. Auch andere Vorlagen auf handelspolitischem Gebiete werden den Reichstag in der nächsten Tagung beschäftigen. Ganz sicher und zwar noch in der Zeit vor Weihnachten ein Gesetzentwurf. der die deutsch-britischen Handelsbeziehungen betreffen wird. Bekanntlich besieh' zwischen Deutschland und Großbritannien schon längere Zeit kein Handelsvertrag mehr. Trotzdem werden im deutschen Zollgebiet die britischen Provenienzen im allgemeinen als Waren einer meistbegünstigten Ration behandelt und zwar, weil von Zeit zu Zeit ein besonderes Gesetz erlassen ist, das den Bundesrat ermächtigt, für einen bestimmten Zeitraum die britischen Erzeugnisse derart behandeln zu lassen. Das letzte dieser Gesetze läuft mit dem Ende 1909 ab. Da sich in den deutsch-britischen Handelsbeziehungen seit dem Erlasse des genannten Gesetzes nichts geändert hat, ist als sicher anzunehmen, daß ein weiteres Gesetz das alte um die nächste Jahreswende ablösen wird? Ferner ist anzunehmen, daß der Reichstag sich in seiner nächsten Tagung auch mit der Neuregelung der deutsch-amerikanischen Handelsbeziehungen befassen wird, weil die amerikanische Zolltarifrevision demnächst beendigt sein dürfte. Auf finanzpolitischem Gebiete wird im kommenden Herbste der nächstjährige Reichshaushaltsetat besonders interessieren, da er sich an den verschiedensten Punkten auf die soeben zustande gekommenen Finanzgesetze beziehen wird. Glücklicherweise wird er sich bezüglich der Deckung der Ausgaben durch die eigenen Reichseinnahmen recht vorteilhaft von feinen letzten Vorgängern unterscheiden. Die Sozialpolitik wird, wie in den letzten Jahren stets, auch in der nächsten Tagung des Reichstages eine große Rolle spielen. Es ist mit ziemlicher Sicherheit zu erwarten, daß die Reichsverstcherungsodnung, die gegenwärtig im Bundesrate steckt, möglichst frühzeitig an den Reichstag gebracht werden wird. Da aber der Reichstag sie unmöglich vor dem 1. Januar 1910 erledigen können wird, wird es sich als notwendig Herausstellen, ein Abänderungsgesetz zum bekannten § 15 des Zolltarifgesetzes. der sogenannten lex Trimborn, zu erlassen. Der Entwurf dazu würde dann zu den ersten Vorlagen gehören, die im Herbste dem Reichstage zugehen sollen. Er müßte vor den Weihnachtsferien ebenso wie der die deutsch- i britischen Handelsbeziehungen betreffende Entwurf erledigt werden. Der am 13. Juli ge-
63 (Nachdruck verboten.)
Gin Sorrrnrertrairnr.
Roman von Ä. van Beeker.
(Fortsetzung.)
In dem Gefühl des stürmischen Jubels, der ihn bei tiefem Gedanken durchströmte, kam ihm die Erinnerung an jenen Nachmittag, da er Loris Bild gesehen hatte, an die Augenblicke, die dem vorangegangen waren und in denen er still zufrieden mit seinem gegenwärtigen Schicksal sich selbst die Fähigkeit für sein leidenschaftlicheres Begehren, ein gewaltiges Glück abgesprochen, im Gefühl seines Alters sich darüber hinaus erklärt hatte. Unwillkürlich mußte er jetzt auflachen, und doch legte sich im selben Moment der Gedanke an die Person, die er damals mit all seinen Zukunsts- und Glücksideen eng verbunden hatte, wie eine kalte, mahnende Geisterhand auf sein heißes Herz und das Lachen erstarb auf seinen Lippen. Ulli! — Da war der tiefste Schatten in der Sonnenglut seiner augenblicklichen Gefühle, und zusammenschauernd stockte sein Schritt. Wie sein Auge über den Raum flog, dessen trauliches Gepräge aus ihren Händen hervorgegangen war, stand plötzlich ihr liebliches, sanftes Gesicht mit dem tiefen, jungen Blick der blauen Augen in greifbarer Deutlichkeit vor ihm, und eine heiße Reue zuckte durch sein Herz. Armes, armes Veilcym, mußte fein Fuß es wirklich rücksichtslos zertreten? Ging alles Glück der Erde über Trümmer und Leichen? Welch grausamer Führer »ar das Leben, wie gewissenlos schritt es über Blüten und Saaten hin!
Der Rückschlag seiner himmelstürmenden
schlossene Reichstag hat drei sozialpolitische Entwürfe unerledigt gelassen. Darunter befindet sich einmal der größere Teil der Gewerbeord- nungsnovelle, aus der der Abschnitt über die Frauenarbeit vorausgenommen war. Sie dürfte mit Ergänzungen, die sich aus der inzwischen notwendig gewordenen Neuregelung von Einzelheiten ergeben, wieder an das Parlament ge» bracht werden. Der zweite der in Rede stehenden Entwürfe ist das Arbeitskammergesetz und der dritte die Hilfskassenvorlage. Letztere ist beinahe ganz vergessen, daß sie im letzten Tagungsabschnitte überhaupt nicht wetter in Behandlung genommen war, jedoch hat noch im Februar des laufenden Jahres der jetzige Reichskanzler als Staatssekretär des Innern im Reichstage erklärt, daß ihre Erläigung notwendig fei. Weiter ist als sicher anzunehmen, daß die im Reichstage in erster Linie beratene Novelle zum Strafgesetzbuch, die bekanntlich der allgemeinen Revision einige Einzelheiten vorweggenommen hat, demnächst wieder erscheinen wird. Nimmt man noch hinzu, daß einige kleinere Entwürfe, wie das kürzlich erwähnte Seeunfallgesetz, auch das Kurpfuschergesetz soweit vorbereitet sind, daß sie in legislatorische Behandlung genommen werden können, so wird man sich sagen müssen, daß dem Reichstage auch in seiner nächsten Tagung ein Beratungsmaterial sicher ist, zu dessen Bewilligung eine längere Zeit nöttg sein wird.
Politische Umschau.
Zum Sturz ClemenceauS.
Eine Erinnerung.
L ond o n, 2. Juli. In einer Zuschrift an die „Daily News" fühtt ein gelegentlicher Mitarbeiter aus, daß es zur Zeit der Marokkokrists einzig und allein dem energischen Eingreifen Cle- meneeaus und Campbell-Bannermans zu verdanken gewesen sei, wenn ein Krieg vermieden wurde. Das französische Kabinett hatte dMnals int Vertrauen aus die Unterstützung Englands Delcassös Rückttittsgesuch znrückgewiesen und war entschlossen, auf den deutschen Protest keine Rücksicht zu nehme. König Eduard kam damals nach Paris und frühstückte mit Delcasiö, wodurch die Lage noch verschlimmett wurde. Da griffen die beiden Genannten ein, fest entschlossen, den Frieden aufrecht zu erhalten. Cambell-Bannerman erklärte, er werde sich auf keinen Fall an einer Handlung beteiligen, die für Deutschland beleidigend sein würde. DeleassS mußte ein zweites Mal sein Abschiedsgesuch einreichen, welches diesmal genehmigt wurde.
Zur Talonsteuer.
Berlin, 22. IM. Die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" schreibt: In steigendem Umfange hat man in den letzten Tagen den Druck und die Ausgabe neuer Gewinnanteilscheinbogen und Zinsbogen lediglich zu dem Zwecke bewirft, um der mit dem 1. August in Kraft tretenden Zinsbogensteuer auf eine Reihe von Jahren hinaus zu entgehen. Es kann kein Zweifel darüber bestehen, daß der Gesetzgeber nur solche Unternehmungen
Seligkeit kam plötzlich mit voller Gewalt Über Heinrich, und aufstöhnend schlug er die Hände vor das Gesicht. Würde nicht künfttg über aller Farbenpracht seines Lebens ein grauer Schleier liegen. Durch den Jubelgesang seiner Seele ein zerrissener, banger Ton klagen? Das trauliche Eckchen im Wohnzimmer der geheimrätlichen Wohnung stand klar vor seinem geistigen Auge, und in sein Ohr klangen die Worte: „Immer, wenn ich Nora sehe, kommt ein eigentümliches, angstvolles Gefühl über mich, etwas wie die Ahnung eines Unheils, eines bitteren Wehs, das mit ihr zusammenhängt und mich treffen wird." Ahnendes Kinderherz — es war alles erfüllt! Sie brachte ihr das bitterste Weh — und er war der Mitschuldige dabei. Nie hatte et tiefet wie in diesem Augenblicke empfunden, welch reichen Schatz ihm das Schicksal mit Ullis Liebe zugeschoben hatte, und es war ihm, als versänke in den wilden Wogen seines aufgeregten Gefühles rettungslos eine köstliche Perle, die bestimmt wat, in der Krotttz feines Lebens den schönsten Schmuck zu bilden. Vorbei! Weichliches Hin- und Herschwanken lag nicht in seiner Natur. Das Stärkere hat stets der Schwächere unterdrückt — das ist der Lauf der Welt, den et auch hier nicht hemmen konnte. Er wat gewillt, seinen Weg unbeirrt zu gehen, und mit fester Hand das Bild des bleichen Mädchens von sich schiebend, arbeiteten seine Gedanken weiter an dem neuen Bau, der seine Zukunft sein sollte.
Es wat kein Schlaf in Heinrichs Augen gekommen, als der neue Tag anbrach, und mit einem erfrischenden Bade sich übet den verlorenen Schlaf hinfort helfend, empfand et es jum erftenmale als eine Last, an feinen Beruf
von der Steuer freilassen wollte, deren Bogen tm natürlichen Verlause der Dinge vor dem 1. August durch neue ersetzt werden mußten. Es ist deshalb als sichet vorauszusetzen, daß bei der Handhabung des Gesetzes durch die Behörden die nicht zweifelhafte Absicht des Gesetzes zu Grunde gelegt werden wird. Sollten sich der Ausführung Schwiettg- keitne entgegenstellen, so wird im Herbst ohne Verzug eine authentische Erläuterung durch die gesetzgebenden Fattoren herb'eigeführt werden müssen. Dies könnte, da die Steuer die Dividendenschein- und Zinsbogen rein körperlich erfaßt, voraussichtlich nur dahin gehen, daß die vorzeittg ausgegebenen Bogen alsbald vom Zeitpunfte ihrer Ausgabe an für die gesamte Zett, für die sie Scheine enthalten, zu versteuern wären. Es kann daher nut dringend geraten werde, von einem Vorgehen Abstand zu nehmen, welches zwar auch den Steuerbehörden Weiterungen, im Endergebnisse aber zweifellos den Interessenten die schwersten Nachteile bereiten würde.
MinistergehLtter.
Nachdem jüngst unrichtige Mitteilungen über die Gehälter des Reichskanzlers, der Staatssekretäre und der preußischen Minister verbreitet toor« den sind, dürste es von Interesse sein, die betreffenden Gehälter wiederzugeben, wie sie in den neuen Besoldungsordnungen verzeichnet sind. Nach der Besoldungsordnung im Reiche erhalten ein Gehalt von je 30 000 M die Staatssekretäre des Reichsmattneamts, des Reichsjustizamts, des Reichsschatzamts, deS Reichskolonialamts und deS Reichspostamts, von je 36 000 M der Reichskanzler und die Staatssekretäre des Auswätttgen Amts sowie des Innern. Zu diesen Gehältern treten allerdings noch besondere Repräsentattonskosten. Sie betrugen beim Reichskanzler 64 000 M, bei den Staatssekretären je 14 000 M. Außerdem haben Reichskanzler sowie die Staatssekretäre deS Auswärttgen und des Innern freie Dienstwohnung mit Geräteausstattung, die übrigen Staatssekretäre freie Dienstwohnung. Die preußischen Minister erhalten durchweg je 36 000 M nebst einer nicht pensionsfähigen Stellenzulage von 14 000 M; außerdem freie Dienstwohnung. Besonders zu bemerken ist dabei, daß für den preußischen Minister des Auswärttgen Amts kein Gehalt im Etat ausgeworfen wird, weil dieses Amt vom jedesmaligen preußischen Ministerpräsidenten mit bekleidet wird. Das Gehalt des preußischen Kriegs- ministers ist jedesmal im Reichshaushaltsetat enthalten, weil die Heeresverwaltung eine Reichsangelegenheit darstellt.
Ein vernünftiges Wort zur englische« Jnvastonsfurcht.
Angesichts der Tatsache, daß zu derselben Zeit, wo im Außenfahrwasser der Thern'e und in der Nordsee nahezu die ganze englische Seekriegsmacht vereinigt ist, die deutschen Flottengeschwader im Atlantik Manöver abhalten, schreibt der über die Flottenschau berichtende Mitarbeiter des Londoner Daily Telegraph folgendes den englischen Bangbüxen ins Stammbuch: „Die britische Flotte ist in ihrer ganzen gewaltigen Stärke versammelt, aber dieses Er-
gebunden zu sein und vor ihm zurückschieben zu müssen, was trotz all' der durchwachten Stunden noch ohne alle Einschränkung seine ganze Seele einnahm. Und doch, als er wieder im gewohnten Pflichtenkreffe des Alltags drin war, gab ihm dieser auch einen Teil der verlorenen Ruhe zurück und half ihm mit seinen Anforderungen über die Stunden hinfort, die, ihn von Lori noch trennend, sich sonst ins Unendliche gedehnt hätten.
Das Zusammentreffen mit dem Geheimrat, dessen freundschaftliche Behandlung sonst Heinrichs Stolz war, wurde ihm heute zur Qual, denn zugleich verband sich damit der Gedanke an Ulli und an die Unmöglichkeit, unter den so veränderten Verhältnissen die ihm lieb gewordene Stellung länger einnehmen zu können. Natürlich mußte er alles mit Lori besprechen; aber am Ort würde sie sicher nicht bleiben, das hatte er in der Nacht überlegt, und er wollte ihr ganz die Wahl lassen, den künftigen Wohnsitz auszusuchen. Eine große Stadt würde es wohl auch sein müssen, denn sie würde neben ihm immer noch die Kunst lieben und die Verbindung mit ihm nicht aufgeben wollen. Er seufzte bei diesem Gedanken, und seine Stirn runzelte sich bei dem eifersüchtigen Empfinden, das in ihm aufwallte. Das Bewußtsein, sie nie ganz zu besitzen, immer ihr tiefstes Sein mit der Kunst teilen zu müssen, war nicht das kleinste Hindernis und Schreckgespenst, das sich auf dem Zukunftswege gegen fein Glück erhob. Aber Nora war ein Aüsnahmewesen, er sah wohl ein, daß er ihr auch eine Ausnahmestelle gönnen mußte: und schließlich wog der Genuß, den sie ihm «-it ihrem Gesang bereitete, auch manches
Deutsches Reich.
— Bon der Nordlandsreise des Kaisers. Aalefund, 22. Juli. Die Jacht „Hohenzollern" mit dem Kaiser an Bord ist heute um 2% Uhr mit den Begleitschiffen hier eingetroffen.
Entsagen auf, das durch ihn bedingt wurde. Wie konnte er sich überhaupt an Entsagen von seiner Seite stoßen, da et doch fühlte, daß sie dabei den viel schwereren Teil tragen wurde. Denn wenn er auch so glücklich war, durch den Besitz eines ganz hübschen Vermögens ihr die Sorgen des Alltags fernhalten zu können, so war doch das Los, welches er ihr bot, klein und arm gegen das, was sie seinetwegen aufgebe« mußte. Das war kein leichter, ermutigender Gedanke für ihn, und nur das seit gestern utw umstößlich gefestigte Bewußtsein ihrer gegenseitigen Liebe konnte ihm darüber hinweghelfen.
Es mochte trotz aller Selbstbeherrschung doch wohl ein Schein dieser Ueberlegungen und Sorgen auf seinem Gesichte zurück eblieben sein, al» der Doktor seinen täglichen Besuch bei dem Fürsten Urusoff machte, denn dieser, seit einige« Tagen vom Augenschirm befreit, hob die noch immer etwas unsicheren, brillengeschmückte« Blicke prüfend zu ihm auf und sagte kopffchüt- telnd: „Doktor, Eure Kunst taugt nichts! Ich sehe überall noch Schatten, sogar auf Ihrem Gesicht! Da steckt irgendwo ein Fchler entweder noch in meinen Augen oder in Ihren» Gemüt!"
„Ich hoffe, in letzterem, Durchlaucht", lächelte der Doktor etwas gezwungen. „Wenigstens überroiegt in diesem Punkte der Arzt in mir den Menschen, und ich möchte die Trübung lieber auf meine Schultern nehmen, als sie auf bte* Wissenschaft schieben. Aber immerhin werde ich' mir erlauben, Ihre Augen zu untersuchen!" i
.. _______(Fortsetzung folgte
eignis hat im Auslande keinerlei Mißverständnis oder Unjufriedenheit hervorgerufen. Die gesamte deutsche Hochseeflotte befindet sich weit vo» hier im atlantischen Ozean, wo sie unter dem Kommando des Prinzen Heinrich von Preuße« Uebungen abhält. Das trifft sich glücklich, weil es dazu dienen kann, jene nervös erregten Poli- ttker unter uns zu beruhigen, die Überall und immer nach einem Blitz aus heiterm Himmel Ausschau halten. Sie mögen sich die Ruhe und Gelassenheit des deutschen Volkes zur Lehre dienen lassen. Die britische Kriegsflotte hat die ganze Nordsee, von keinem Gegner bedroht, zu ihrer Verfügung. Die deutsche Flotte ist soweit entfernt, daß sie zur sofortigen Hilfeleistung nicht zeitig genug erscheinen könnte, und doch ist Deutschland nickt beunruhigt. Wir Engländer können die Marinebehörden in Berlin und die Nation, welche sie vertreten, nur beglückwünschen zu dieser taktvollen Aeußernng des friedfertigen Vertrauens, das zwischen zwei benachbarten Nationen obwalten kann, obwohl sie auf den Gebieten des Handels, der allgemeinen Politik und sogar der Flottenrüstung in scharfem Wettbewerb stehen."
vo« der Eisenbahn.
Nach amtlichen Angaben hat die Einnahme der preußisch-hessischen Eisenbahngemeinschaft im ersten Vierteljahre des laufenden Jahres 482,6 Millionen M oder 15,8 Mill. M. mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres betragen. Von der Gesamteinn^dme kommen 151,6 Mill. oder 7,1 Mill. M mehr auf den Gepäck- und Personenverkehr 304,5 Mill. <M oder 10,4 Mill. oM. mehr auf den Güterverkehr und 26,5 Mill. «M. oder 1,7 Mill. M weniger auf andere Quellen. Da die Einnahmen der Eisenbahnverwaltung, namentlich soweit sie den Güterverkehr betreffen, einen Gradmesser für den Stand der wirtschaftlichen Konjunktur darstel- leir so wird man erfreulicherweise an den Einnahmen für das erste Viettel des laufenden Finanzjahres eine Wendung zum Besseren ablesen können. Für die preußischen Finanzen dagegen ist noch immer kein günstiger Umschwung eingetreten. Im StaatÄhaushaltsetat für 1909 ist die Einnahme schon um etwa 100 Mill. M geringer als für das Jahr 1908, für das ja auch ein ganz bedeutender Ausfall festzustellen gewesen ist, veranschlagt. Immerhin macht ein Siertel des Etatsvoranschlages für 1909 noch 19,6 Mill, oll aus. Da sich die tatsächliche Einnahme im ersten Viertel nur auf 482,6 Mill. M belaufen hat, so steht die Wirklichkeit hinter der Erwartung immer noch mit 7 Mill. M zurück. Allerdings wird matt bedenken müssen, daß die Haupteinnahmezeiten in der Eisenbahnverwal- tung der Herbst und der Winter sind. Es läßt sich hoffen, daß die kleinen Mindererträge, die jetzt noch gegenüber dem Etat festzustellen find, dann werden ausgeglichen werden. Der Haupteinnahmeposten des preußischen Etats dürfte also für 1909 erreicht werden.