mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain * <
und den Beilagen: „Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und „Landwirtschaftliche Vellage."
jn wo
Die „Sbeehesstsche Jetttmg" erscheint täglich mit Ausnahme der Toni- und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch dis Past bezogen 2,25 Mk. (ohne Bestellgeld), bei unfern Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21,) 2 Mk.
Marburg
Donnerstag, 22. Juli 1909.
Die JnsertionSgebühr beträgt für die 7gespaltene Zeile oder deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. — Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, UniversttätSbuchdruckerei Inhaber Dr. T. H itzeroth, Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
44. Jahrg.^
।
c) Erhöhung des Zolls auf Kaffee und Tee.
die
51
(Nachdruck verboten.)
der pro im der
Haushalt unter 10 Kilogramm find von Nachverzollung befreit.
d) Schaumweinsteuer.
Mn Sommerlraum.
Roman von K. van Beeter.
t Fortsetzung.»
„Nehmen Sie doch Ihren Nachbar zur Linken einmal in Dressur, gnädige Frau!" antwortete Nora lächelnd, mit einem Anfluge boshafter Neckerei, indem ein scheuer, halb herausfordernder Blick zu dem Aufgeforderten hinüberflog. „Laß er seine Theorie einmal in die Praxis übertragen! Für junge Aer : ist das ein ganz passendes, stilvolles Unternehmen!"
„Sie haben ganz recht, meine Gnädige!" Und der Doktor lächelte gleichfalls, aber kühl und ihren Blicken trotzig gleichgültig erwiderrid. „Wenn unsere verehrte Hausfrau mein Dilettantentum in den Künstlerrahmen ihrer Abende aufnehmen will, so bin ich vollkommen bereit, mich hören zu lassen. Freilich nur unter einer Bedingung, deren Kosten die leichtsinnige Anstifterein dieses Wagnisses tragen soll."
„Ah — und die wäre?" Wie unruhig ihre Augen fragten, wie schnell ihr Atem ging! —
„Ich werde irgend eine Melodie spielen, sie variieren und verschlingen, um mein Publikum nicht durch Eintönigkeit zu ermüden, aber immer nur diese eine Melodie,, und Sie sollen mit ^hrem musikalischem Ohr dieselbe nicht nur in sich ausnehmen, sondern, wenn ich mein Spiel beendet habe, ein passendes Lied zu ihr fingen!"
„Nun, hören Sie, lieber Doktor, banal und bescheiden, sind Sie mit Ihren Bedingungen rief die Eeheimrätin interessiert und imüsiert aus. „Was sagen Sie dazu, liebe i *ora? Wenn Sie auf den Kampf eingehen, so *
Es werden erhöht der Kaffeezoll von 40 auf 60, der Teezoll von 25 auf 100 M pro Doppelzentner. Kaffee und Tee, die am 1. August sich im freien Verkehr befinden, unterliegen Nachverzollung (Kaffee 20 -st, Tee 75 M Doppelzentner). Kaffee- und Teeoorräte
2,9 (um Mitte Juli 1908 3,2) Sommerweizen 2,6 (2,8), Winterspelz 2,5 (2,4), Winterroggen 2,7 (2,9), Sommerroggen 2,9 (3,0), Sommergerste 2,5 (2,7), Hafer 2,6 (2,7), Erbsen 2,5 (2,8), Ackerbohnen 2,6 (2,8), Wicken 2,6 (2,9), Kartoffeln 2,5 (2,8), Zuckerrüben 2,5 (2,8), Winterraps und Rübsen 3,4 (3,5), Flachs 2,6 (2,9), Klee 3,3 (3,5), Luzerne 8,1 (3,3), Rieselwiesen 3,2 (3,3) und andere Wiesen 3,4 (3,7). — In den Bemerkungen der „Statistischen Korrespondenz" heißt es: Zahlreiche NiÄerschläge, die sich nach und nach über das ganze Staatsgebiet verteilten, find für die Witterung in dem eben abgelaufenen Berichtsmonat bezeichnend. Obgleich die Befeuchtung bei zumeist nur mäßigen Wärmegraden das Wachstum nicht in dem Maße förderte, wie dies bei seiner Rückständig
Die neuen Steuern vom 1. August.
In Kraft treten mit dem 1. August das Brausteuergssetz, die Reichsstempelnovelle, mit Ausnahme der Bestimmungen über den Scheck- Eempel, die Kaffee- und Teezollerhöhungen und ie Schaumweinsteuererhöhung.
Wir geben zur Orientierung eine kurze Uebersicht über diese Steuern:
a) Brausteuer.
Die Brausteuer betrug bisher nur 4 bis 10 vW pro Doppelzentner und soll nunmehr 14 bis 20 cM. betragen, sie bedeutet also eine bedeutende Verteuerung des Bieres. Im allgemeinen werden vom 1. August nur noch für 15 Pfg. drei Zehntel Liter Bier verschentt, auch der Preis für Flaschenbier wird erhöht und beträgt für drei Flaschen Lagerbier 35 Pfg. Gleichzeitig mit der Brausteuer tritt das neue Schankgefäßgesetz in Kraft, das eine Eichung der Biergläser nach Zwanzigstel zuläßt und den Eichstrich weiter unter den Rand des Glases setzt, um ein betrügerisches Einschenken zu verhindern. Die Vorschriften sind aber nicht obligatorisch für das Reich, sondern ihre Einführung bleibt den Landesregierungen überlassen. — Die Staffelung bei der Brausteuer richtet sich nach der Höhe der Produktion. Neuerrichtete und neuzuerrichtende Brauereien zahlen bis 1915 einen Zuschlag von 50 Proz., von 1915 bis 1918 einen solchen von 25 Prozent zu der erhöhten Brausteuer. Sogar das im Haushalt bereitete obergärige Vier wird mit 4 t«. pro Doppelzentner besteuert, wenn der Jahreskonsum unter 5 Doppelzentnern bleibt. Dieses Vier darf aber nicht verkauft werden. Die Erhöhung der Ausschankpreise tritt sofort mit dem 1. August in Kraft.
b) Reichsstempelnovelle.
1. Effektenstempel: Steuersatz für Aktien und Anteilscheine 3 Proz., für Kuxscheine 5 J*. pro Urkunde, für inländische Renten- und Schuldverschreibungen 2 Proz., für ausländische, die von Staaten und Kommunen ausgegeben, 1 Proz., im übrigen auch 2 Proz.
2. Talonstempel: Bei der Erneuerung der Talons wird alle 10 Jahre ein Stempel erhoben, der bei Aktien 1 Proz., bei Renten- und Schuldverschreibungen 5 vom Tausend beträgt (bei Schuldverschreibungen von Kommunen und Landschaften usw. im Inland 2 vom Tausend). Befreit sind Talons von Reichs- und Staatsanleihen, sowie Zinsbogen, die bei der ersten Ausgabe der Wertpapiere mit diesen in Verkehr gesetzt werden.
3. Erundstücksstempel: Der Stempel beträgt bei Erundstücksübertragungen V, Prozent. Vis MM Inkrafttreten einer Reichswertzuwachssteuer, die spätestens bis zu„i 1. April 1912 in Kraft treten soll, wird ein Zuschlag von 100 Prozent zum GrundstücksumsaWempel erhoben. Die Reichswertzuwachssteuer soll 20 Mill. M j bringen und den Gemeinden, die vor dem 11 ^5^1909 eine solche Steuer besaßen, soll sie von 1912 ab noch 5 Jahre lang in d^r alten Hohe vom Reiche vergütet werden. Von 1912 ab soll der Stempel für Erundstücksstempel alle sechs Jahre um den Betrag herabgesetzt werden, I den die Zuwachssteuer von 20 Millionen üb-r- steigt. Es tritt also ein allmählicher Abbau I des Stempels ein. I
kann sich die Sache eigenartig und interessant I Was galt ihr das Publikum? Und außerdem I gestalten." I kannte sie ja seine weit über das Dilettanten- I
Nora saß mit gesenkten Augen. Verstand I tum hinausgehende Kraft. Was würde er spie- I sie ihn richtig? War es möglich, daß er die ein« I len? Hatte sie richtig gehofft? Würde es das I
mal gehörte Melodie so fest in seinem Gedacht- I Lied aus ferner Jugendzeit sein? I
uisse trug, daß er imstande war, sie nach langen I Werner wußte selbst nicht, was ihn plötzlich I Zähren wiederzugeben? Oh, wenn das war, I gepackt und dazu getrieben hatte, so ganz aus I
dann lieble er sie noch, dann hatte er nie auf- I seiner Reserve herauszutreten. Es war Noras I
gehört, sie zu lieben, trotz seines finsteren Blickes I Gegenwart, es war das Aufbäumen gegen den I unbjciner eisigen Zurückhaltung. I Wirrwarr feiner Gefühle, der trotzige Wille, |
. Ihr Herz jauchzte auf bei dieser finnver- I mit einem Schlage alle Unsicherheit zu zerreißen I wirrenden, beglückenden Hoffnung, und hastig I und Klarheit in ihre gegenseitigen Empfindun- I den Kopf hebend, antwortete sie, ihn fest und I gen zu bringen. Sang fie ibm jetzt das alte I fragend ansehend: „Ich weiß zwar nicht, ob ich Lied im alten Ton, dann war ihr Herz noch sein der mir gestellten Aufgabe gewachsen bin, aber I und was sich ihm auch an Vorurteilen, Hinder-' I ich wag' es! Sollte mich die Kunst im Stiche I Nissen und Gewissensbissen entgegenstellte, dann I c^en. so gibt es vielleicht noch andere Mächte, I war er bereit, alles zu zertreten und nieder- I
«h Mr Hilfe beschwöre — ich wag's! Aber, zureißen für ihren Besitz. Nur Klarheit, nur I mtte, kern Ausrufen des Kampfes; wir machen I endlich fest wissen, was er wollte so oder so. I bas unter uns ab fangen Sie nur an!" Und in diesem ihn über seine Umgebung fort-
Er neigte nur leicht den Kopf und schritt dem I tragenden Gefühl setzte er sich an das Klavier. I M x c, . I Zögernd, unsicher waren die Eingangs- I
»;* t u^nn er sich und uns nur I akkorde, ein Suchen und Irren in fragenden I
- -ifA » ' faste die Hausfrau etwas I Tönen, aus denen sich dann sieghaft und leiden- I angitlidj. as hier Detiammelk Publikum ist, I schastlich eine einfache Melodie hervorrang ■ eine I ^LnnfmXn- ehDas W» u£> nur.durch die Melodie, die in altbekannten Lauten an Noras ^^^machung eines Zielpunktes wäre eine Herz klopfte und darin einen so stürmischen Ju- SrLnt« rt 1 9 fetnes Dilettantismus zu bei erweckte, daß sie, den Kopf zurücklehnend, ... . , ! die Augen schließen mußte, um die Tränen einer I
NH« "s- Jirä”9-’ fie.ht "'Atb?uach I grenzenlosen Seligkeit zurückzudrängen. Ton I
pSLÄV1 lreiwilllg einem spöttischen für Ton hatte er im Gedächtnis behalten. Wie LKl",aus'etzt und ettoas unternimmt was er oft ach, wie oft mußten seine Finger sie wieder- doch, dann I hoü haben, daß die Verschlingungen und Varia- I „;irLU£.«n™mei no$ ^ie Erklärung seines Wag- I tionen darüber mit solch tadelloser Leichtigkeit I , , „ . _ , „ I und nie stockender Sicherheit jetzt seinen Händen I -
Nora saate das nur noch bald tn Gedanken. I entouoOenf ‘Immer di-l-ib- qr.lnhi» immer I
Die Schaumweinsteuer beträgt für Flasche bis 4 Preis 1 <M, von 4—5 M 2 M, mehr als 5 M 3 <«. Die bekannten deutschen Marken kosten also 3 M Steuer pro Flasche. Der Eingangszoll für Schaumwein beträgt 180 M pro Dopelzentner. 10 Flaschen Schaumwein in NLKLL? | -ÄH«-»»--w-i«.&
Dies wären die wichttgsten Bestimmungen «roßen und ganzen eine nicht unbedeutende der neuen am 1. August in Kraft tretenden I ®cijcr“n« ;iU.rJ:r^.nn^"n Steuern I Nutzpflanzen ist ine nasse Witterung den Un«
V — I trautem förderlich gewesen. Weiter litten die
—--------------------- - I Früchte je nach ihrer Art durch Blattrost und
«Rpt* I Flugbrand, Klekrebs und Meltau; bei frühen
^euifryes Kartoffeln zeigte sich vielfach Fäulnis. Von
— Von der Nordlandsreise des Kaisers. Ber- I Winterhalmfrüchten haben Weizen und Roggen, gen, 20. Juli. König Haakon stattete heute Vor- I obgleich beide nicht mehr verdichten konnten, mittag dem deutschen Kaiser an Bord der „Hohen- I sich im großen und ganzen recht erfreulich wei- zollern" einen Besuch ab, den der Kaiser bald er- I ter entwickelt, indem die Körnerbildung besser widerte. Um 1 Uhr gingen die Majestäten an Land. geworden Weizen geht zur Seit in Blüte Um 2 Uhr gab der König zu Ehren des Kaisers I loggen hat überall zumeist obgebluht, kan auk boi I aber bei dem unfreundlichen Wetter schwer
auf M°tten bei Bergen em Fruhsiuch reifen. Sämtliche Sommerfrüchte haben eben-
«aller ^"^banzlers bei I falls großen Nutzen davongetragen; man er«
20-‘ 'm1!' 4. e*n I wartet bei ihnen, wenn baln gedeihliches Wet-
. ttu^^fuch des I ler eintritt, noch weitere gedeihliche Entwick-
I lung. Hackfrüchte stehen beide durchweg bedeu- von Veth- lend über mittel. Obgleich auch den Fuiter- £tnts r°o<en I Pflanzen und Wiesen die Niederschläge in der füfrrinm W I Befruchtung Vorteile brachte, waren diese bei
£5Ä ^beuso ist fef)r dürftigen Stande doch bei weitem nicht ^eÄn,’ ct ^€l* I hinreichend, um schon für den ersten Schnitt neu Wunsch, sich dem König von Italien vorzu- I
stellen, ausführt. Vermutlich erfolgen beide Be- *ne Ausgleichung herbeizuführen.
suche im Herbst 1909. I 1 - ■■ ■-............ ■ - —-
— Besuch bei Zeppelin. Stuttgart, 20. Juli. I Musfatlb
Die Mitglieder der Ersten und Zweiten Kammer I
machen am Donnerstag einen Ausflug an den I ** Frankreich und seine Marine. Paris, Bodensee. Auf Einladung des Grafen Zeppelin 20- Juli. Im Laufe der Beratung über die werden in Friedrichshafen die Luftschiffwerst und Marine erklärte Emanuel Brousse, Frankreich die Reichsluftschiffhalle besichtigt. Das Mittag- ^e zehn Milliarden für die MMine atu ge« r, . I wendet, besitze aber tn Mavrhett keine Marine, offen wird im Jnselhotel m Konstanz emgenom- I Heilmittel schlägt der Redner vor, die Po-
en- _ _ I litik aus der Marine zu verbannen.
— Deutscher Staatswagenverband. (Stuttgart, I ** Die Spanier und Marokko. Melilla. 20. 20. Juli. Die Finanzkommission der Ersten Kam- I Juli. Der bereits gemeldete Kampf zwischen mer bat einstimmig beschlossen, von ber Denkschrift I den Spaniern und Mauren dauerte 12 Stander Regierung über die Bildung eines deutschen I den; im Ganzen waren daran zweitausend Spa- Staatswageuverbandes Kennmis zu nehmen un- I nier und sechstausend Mauren beteiligt. Diese ter folgender Erklärung: Die Kommission sieht in I bewiesen eine ganz hervorragende Taktik, indem Verband einen ersten Schritt auf dem Weg dem sie unter guter Benutzung des Geländes zu einem engeren Zusammenschluß der deutschen Kurch Scheinangriffe die Aufmerksamkeit von der Eisenbahnen. Sie ersucht die Regierung auf die I roi? ^e,r ^"Uptangriff erfolgen soll,?., ab«
/ I zulenken suchten. Dieser begann gegen 9 Uhr
SC fU,S uattonaleu tote aus Volk»- I abends. Trotz des mörderischen Artilleriefeuers wirtschaftlichen und finanziellen Gründen dringend drangen die Mauren mit größter Todesverach- erstrebenswetten Zieles ihrerseits mit aller Kraft I tung durch die Drahthindernisse der spanischen hinzuwirken. I Hauptstellung vor, so daß es an vielen Orten,
— Saatenstand in Preußen. Berlin, 20. I auch bei den Geschützen, zum Handgemenge kam. Juli. Saatenstand in Preußen Mitte Juli I General Marina war unaufhörlich tn der vor- (wenn 2 gut, 3 mittel bedeutet); Winterweizen I bersten Front und spornte die Truppen zum Aus
halten in der Verteidigung an. Um drei Ahr morgens war der Angriff abgeschlagen. — Barcelona, 20. Juli. Bei der Einschiffung der Truppen nach Melilla kam es heute zu Zwischenfällen. Junge Leute rotteten sich zusammen und zogen mit dem Rufe: „Nieder mit dem Krieg!" durch die Straßen. Die Polizei trieb die Menge auseinander und verhaftete mehrere Personen.
*• Türkei. Konstantinopel, 20. Juli. Die Kammer hat mit 90 Stimmen gegen 9 Stimmen den Artikel 4 des Vereinsgesetzes, durch den ncttionalpolftische Vereine verboten werden, angenommen. Die Verhandlung verlief sehr stürmisch. Der llnterstaatssekretär des Innern verteidigte den Artikel als notwendig für die Einigung der Ottomanen, Griechen, Armenier und Bulgaren; ein Teil der Araber und Alba- net, sowie einige Türken bekämpften ber. Artikel, mit dem nur die entgegengesetzte Wirkung erzielt würde. Zwischen den kretischen Moha- medanern Mehmed und Ali, sowie dem Griechen Kosmidi entstand eine lebhafte Kontroverse, da Kosmidi die kretischen Mohamedaner blutdürstig nannte und erklärte, die Kretafrage sei nut aufgeworfen worden, um Zwietracht zu säen. — Saloniki, 20. Juli. Die Haussuchungen bei der griechischen Bevölkerung werden energisch fortgesetzt. In der Umgebung von Karaferia beschlagnahmten Soldaten versteckt gehaltene Gras-Gewehre und verhafteten mehrere griechische Dorfbewohner. — Konstantinopel, 20. Juli. Der Vertrag mit den Orienttahnen wurde durch eine Stabe des Sulcktans bestätigt.
Die Raiffeiseritage in Marburg.
)( Marburg, 20. Juli.
ES ist schon lange her, wenigstens 10 Jahre, daß der Verband hessischer Genossenschaften hier seinen Verbandstag abhielt. Damals waren eS schon recht viele Raiffeisenmänner, die ans alle« Teilen Hessens und der Nachbargebiete zusammengeströmt waren, diesmal sind es noch viel mehr, die an dem 27. ordentlichen Verbandstage teilnehmen. Zu den heutigen Verhandlungen hatten sich auch- der Regierungspräsident Graf Bernstorff, der Vorsitzende der Landwittschastskammet für Kur- Hessen, Herr v. Stockhausen, der Generalsekretär der Landwittschastskammet, Oekonomierat ©erlaub und viele andere an der Spitze der landwitt- schastlichen und genossenschaftlichen Bewegung in Hessen stehende Herren, die der Verbandsanwalt der hessischen Raiffeisen-Genossenschaften, Herr Rexrodt begrüßen konnte.
Der Ausschuß des hessischen Verbandes ländlicher Genossenschaften versammelte sich bereits am Spätnachmittage des 19. Juli in einem Zimmer der Stadtsäle zu eingehenden Beratungen über den Stand bet Organisation unb nottoenbige, demnächst vorzunehmende Maßnahmen im Interesse der vielen hessischen Vereine unb ber annähernb 50 000 Mitgliebet. Um die Mittagsstunden begann die geschlossene Vettreter-Vetsammlung. Die größte Zahl der Genossenschaften war durchaus vorschttstsmäßig durch fe ein Mitglied vertreten. Mit unausgesetztem Interesse wurden die Bettchte
bas alte Lied der Liebesfrage unb Liebesani- wort.
„Aber er spielt ja wie ein Künstler, dieser heimtückische Mensch!" rief die Eeheimrätin ganz aufgeregt, als die Hände des Spielenden von den Tasten sanken, und er, dem enthusiastisch gespendeten Beifall der Zuhörer mit einem gleichgültigen Kopfneigen dankend, wieder sei. nem alten Platze zuschritt. „Ich wußte es immer, Doktor, daß Sie zu den stillen Wassern mit dem tiefen Grund gehören; aber was alles auf diesem besagten tiefen Grund lebt und webt, das ahnte ich doch nicht. Man muß es Ihnen lassen, Sie verstehen sich auf Ueberraschungen!"
Der Doktor lächelte über sie hin. „Die richtige Aebenaschung wird uns jetzt erst Fräulein Linden bereiten! Gedenken Sie für Ihren Vortrag einzugestehen und ist die Melodie fest genug in Ihr Empfinden übergegangen? Er stand vor ihr und ihre Blicke trafen sich in* rückhaltlosen Verstehen und Bekennen.
„Mein Gedächtnis ist stark und treu, wie —• Sie vollendete nicht, aber er wußte, was sie hatte sagen wollen, und seine Finger umschlossen mit heißem Drucke ihre ihm entgegen« gestreckte Hand, während sein Blick in auflodernder Leidenschaft auf ihrem schönen, von ber Erregung getöteten Gesicht ruhte. Keiner ' von all den lebhaft zusammen Sprechenden, benen die Dame des Hauses doch nun den eigentlichen Zweck des eben vollendeten Vortrages mitteilte, fing diesen Blick auf. Jeder war mehr mit der Sache, wie mit den Personen beschäftigt.
(Fortsetzung folgt.)