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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain M

und den Beilagen:Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) undLandwirtschaftliche Berlages

Jti 166

DieGberhesstsche Bettung erscheint täglich mit Ausnahme der L-onn» und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt viertel­jährlich durch die Post bezogen 2,25 Mk. (ohne Bestellgeld), bei unsern Zeitirngsftellen und der Expedition (Markt 21',) 2 Mk.

Marburg

Sonntag. 18. Jnli 1909.

Zweites Blatt

ten Kinde gerufen wird

ich spreche aus

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Und doch macht in letzter Linie der Reichtum der Städte allein nicht den Reichtum des Volkes. Man braucht sich z. V. nur daran zu erinnern, mit welcher Spannung die Börse den Stand der

Saaten und der Ernte im preußischen Staate zu verfolgen pflegt, um zu erkennen, daß für Preu­ßen auch jetzt noch der Satz gilt:hat der Bauer Geld, hat's die ganze Welt".

Erheblich günstiger schneidet das Land ab, wenn man nicht die Resultate der Einkommen­steuer, sondern diejenigen der Ergänzungssteuer (Vermögenssteuer) zu Grunde legt.

Das gesamte steuerpflichtige Vermögen in Preußen beträgt rund 92 Milliarden Mark und weist gegenüber der letzten Veranlagung ein Mehr von rund 9y2 Milliarden (10%) auf. Hiervon entfallen auf die Städte 58y2, auf das Land 33*4 Milliarden. Das gesamte Sollauf­kommen an Ergänzungssteuern beträgt 45 Mil­lionen Mark.

Die verhältnismäßig am meisten reiche Pro­vinz ist, was wohl kaum der Erwähnung bedarf, Rheinland. Doch ist z. B. auch Hessen-Nassau und Brandenburg (letzteres wegen der Berliner Vorortkreise) mit einer stattlichen Summe am Eesamtvermögen beteiligt.

Als Kuriosum sei zum Schluß noch erwähnt, daß wir in Preußen 3083 Millionäre haben. Da die Eesamtbeoölkerung Preußens rund 38 Mil­lionen Köpfe zählt, sind die Aussichten, es ein­mal zum Millionär zu bringen, für den Einzel­nen vorerst noch ziemlich gering. Es ist auch hier, wie überall, dafür gesorgt, daß die Bäume nicht in den Himmel wachsen.

(Nachdruck verboten.)

Mn Sommerlraum.

Roman von St van Beeter.

eigener Erfahrung: er spritzt ihm jetzt das Heilserum ein und erhält den Eltern ihr letztes Kind, dann würden Sie nicht den Stand­punkt vertreten, den ein Herr, wie Professor Förster, einnimmt. Er ist nicht mein Kollege, er ist nicht Universitätsprofessor, er ist auch nicht Professor der Medizin, er ist einer der vielen Titularprofessoren, die jetzt wie Pilze aus der Erde wachsen. Meine Herren, ich halt« es für notwendig, zu betonen, was der Staat gerade der Vivisektion verdankt. Die Gesetze der Volks­ernährung find durch kalorimetrische Versuche an Tieren gefunden, wir können solche Versuche gar nicht an Menschen machen. Ich könnte noch vieles andere nennen, aber ich will Zeit und Geduld nicht in Anspruch nehmen. Alles das zeigt die Notwendigkeit der Vivisektion, nicht aber deren Einschränkung ja nicht ein­schränken!" Damals hat das Herrenhaus ..in Anbetracht dessen, daß die Königliche Staats­regierung zur Regelung der Vivisektion geeig­nete Maßahmen getroffen habe", die Petition durch Uebergang zur Tagesordnung erledigt, und neuerdings ist die Petitionskommffsion des Abgeordnetenhausesin der Ueberzeugung von der Unentbehrlichkeit der Vivisektion für die Forschungen der medizinischen Wifienschaft" die­sem Beispiel gefolgt.

Marburg und Umgegend.

(Nachdruck aller Originalartikel ist gemäß § 18 des Urheberrechts nur mit der deutlichen Quellenangabe Oberheff. Ztg." gestattet.)

Marburg, 17. Juli.

* Schont die Felder! Obwohl häufig darauf hingewiesen wird, daß es eine grobe Unsitte ist, beim Pflücken von Kornblumen, Mohn, Kornraden und Ackerwinden den Fuß ins Ge­treide zu setzen, kann doch mit jedem Jahre aufs neue beobachtet werden, daß manches Korn­feld durch Kinder arg beschädigt wird. Run ist es allerdings auch ost das Wild, das die Ee-

Abschaffung oder Einschränkung der Vivisektion.

I Alljährlich werden die Staatsbehörden und I die Parlamente mit Eingaben wegen Ab- I schaffung oder Einschränkung der Vivisektion I überschwemmt. Was die preußische Regierung I anlangt, so hat sie keine Veranlassung, solchen I Gesuchen näher zu treten. Gegen Ausschreitungen I bei Ausführung der Vivisektion bietet hinrei- I chend Schutz ein seit Februar 1885 bestehender I Erlaß, in welchem es heißt: 1. Die Versuche an I lebenden Tieren dürfen nur zu ernsten Forsch- I ungs- und wichtigen Unterrichtszwecken vorge­nommen werden. 2. In den Vorlesungen sind Tierversuche nur in dem Maße statthaft, als dies zum vollen Verftändniffe des Vorgetrage­nen notwendig ist. 4. Tierversuche dürfen nur von den Professoren und Dozenten oder unter deren Verantwortlichkeit ausgeführt werden | 5; Versuche, welche ohne wesentliche Beeinträch­tigung des Resultates an niederen Tieren ge­macht werden können, dürfen nur an diesen und nicht an höheren Tieren vollzogen werden. 6. In allen Fällen, in welchen es mit dem Zwecke des Versuchs nicht schlechterdings vereinbar ist, müssen die Tiere vor dem Versuche durch Anästhetika vollständig und in nachhaltiger Weise betäubt werden. Es darf auch daran erinnert werden, daß Professor Dr. v. Bergmann gegen die Einschränkung der Vivisektion vor we-

wirtschaftliche und finanzielle Schwergewicht, lügen Jahren im preußischen Herrenhause an- mehr^ und mehr in die Städte verschoben hat. | läßlich einer von Professor Dr. Paul Förster- m-v v-x. 5 x Friedenau überreichten Petition ausgeführt

(Fortsetzung.)

Die Operation des Fürsten, die sehr gut ausgefallen, und die darauf folgenden Tage steter Sorge und Mühe um den ihm fett jener Unterredung geistig und seelisch sehr nahestehen­den Patienten waren eine Erholung für Wer­ner und zogen ihn von jenen Gedanken ab die ohne Milderung und linderndes Gewöhnen rast­los und ohne Resultat ihn in ibren Banden hielten.

Desto sonniger lag das Leben vor Max, der zwar uon selten beider Mütter erst noch etwas Kamps und Gewitterschauer durchzumachen qe- haot, aber, wie er ganz richtig -/phezette, mit j Shlje seines Maßliebchens ebenso glücklich wie standhaft überwanden batte. Er und Rita waren ein strahlend seliges Paar, das sich nicht wenig darauf zugute tat, den alten, bei allen Verlobungen angebrachten Satz aller Unbetei­ligten:Das haben wir längst vorausgesehen," I mit einer so glänzenden Ueberraschung zunichte I zu machen. ' I

,Weißt Du," sagte Mar, in Werners Wohn- I jimmer sich behaglich auf dem Sofa dehnend, I legt begreife ich selbst nicht, wie ich mit dem I Getuhl für Rita in meinem Herzen noch an I rc denken konnte! Ich finde es uner- I

- ai$r. tiefer darüber Nachdenken-, bin I Abirrung meiner Gefühle, ober, besser I nJrf.jutn-ne beinahe dankbar. Ja, sieh I £ $ «o erstaunt es ist doch fa Ein I

«Sh, ^Apilz wie ich brauchte erst Dege, an dem sich die Flüchtig- I feines Empfindens scharf und zugleich die I

I Ist Dir irgend etwas passiert, und kann ich Dir I irgendwo helfen? Zu solchem Egoisten hat I das Glück mich noch nicht gemacht, daß ich an I dem Ergehen meines besten Freundes keinen I Anteil nehmen sollte. Also wenn Du irgend I etwas hast, so sprich frisch von der Leber weg?" I Der Doktor bemühte sich eifrig, eine Zigarre I in Brand zu setzen und sein dem Lampenkreis etwas entfernt stehendes Gesicht mit Rauchwol­ken noch mehr zu verhüllen.Ich danke Dir. Es ist ganz körperlich. Mein altes, nervöses

I Kopfleiden, das mich seit kurzem wieder quält I und gegen das leider meine eigene Kunst ebenso wie die größerer Meister ganz hilflos ist. Das muß seine Zeit ausdauern, und meine Freunde müssen Geduld mit mir haben. Möglich, daß ich auch das hiesige rauhe Klima nicht vertrage ich muß das eben ausprobieren." Wie er sich um all dieser kleinlichen Lügen verachtete! Aber wie sollte er anders sein Aussehen, sein v«r-

! undertes Wesen entschuldigen? Ueber seinen Gemütszustand mit Mar zu sprechen, war un­möglich. Erst lag es überhaupt außerhalb seiner Natur, irgend wem einen Einblick in fein tief­stes Fühlen -su gestatten, zweitens war Max, als Ullis Bruder, kaum ein passender Vertrau- I ter. >ar das, was des Freundes Seele bewegte und dessen Macht einzugestehen dieser sich ge­schämt hätte. Es mußt« durchgefochten und Überwunden werden, das war der Punkt um den sich alles Mühen und alle Kraft des Doktors « - ^eilich ohne vorläufig bemerkenswerte Resultate erreicht zu haben.

,.,§ür sein Fernbleiben von dem geheimrät- nchen Familienkreis kam dem Doktor Maxens Verlobung sehr zustatten^ der zu Ehren die ganze große beiderseitige Verwandtschaft in Festen wetteifert«, an denen die Eeherrnrättn,

I Sicherheit ^des Selbstbewußtseins etwas stumpf I fähff-. Ohne diesen Zwischenfall hätte ich nie I erkannt welch nichtsnutziges Subjekt ich bin und I wie trotzdem die Liebe zu Rita echt und fest in I PVr fit. ^ch weiß nicht, ob Du es verstehst, wie ich es meine! Rita, der ich natürlich alles ge-

I beichtet haoe, will von dieser tiefsinnigen I ~peorte auch nicht viel wissen und meint, meine I Liebe wäre ihr mindestens ebenso lieb, wenn sie I "2$ durch die Versuchung eines anderen I Eindrucks gegangen wäre; aber ich weiß das I besser Für mich ist die Begegnung mit Nora eine Art Abklärung gewesen, ich möchte sagen I Liu Filtrrerapparat, den meine Liebe benutzen I wußte, um zu ihrer ganzen Klarheit und Rein- I heit zu kommen."

I Werner, der von einem weiten Spaziergang I im Schnee zurückgekehrt war, bei dem er Ruhe und wenigstens körperliches Ermüden gesucht hatte, uni) in bet Nähe bes Ofens die erstarrten Hande rieb, lachte kurz und nervös auf Das mutz man sagen Max, Du hast eine Bienen- natur, Du verstehst aus allem Honig zu saugen!

I erhalte Dir Derne Gemütsart und behüte M* 3 beneiden, wozu ich wirklich

manchmal verzweifelte Anwandlungen wu meiu sonst so philosophischer Freund," sagte Max, sich etwas aus seiner bequemen Stellung aufrichtend und dem Doktor .aufmerk- sam in das bleiche, ermüdete Gesicht blickend es scheint mir beinahe, als hättest Du zu die^ sein Neid auch alle Ursache, denn von Süßigkett I ""d Zufriedenheit ist nichts in Deinen Zügen M leien! Du siehst ja miserabel aus, lieber Kerl, unb ich fürchte beinahe, Ulli hat recht wenn sie mernt, daß Du krank bist! Wo steÄs wo fehlts Du läßt Dich nirgends mehr fthenl'

I treidefelder mit häßlichen Lücken versieht, und I besonders sind es die Rehe, die sich gern zwischen I den Aehren aufhalten. Sehr viele Verwüstun- I gen rühren aber doch von mutwilligen Kindern I her, denen noch nicht beigebracht worden ist, daß I es dem Landwirt viel Mühe macht, ein Feld I zu bebauen, und daß es einem Vergehen gegen I fremdes Eigentumsrecht gleichkommt, wenn man I Zehn Halme oder noch mehr niedertritt, um zu I einer Blume die vielleicht dann mit den an« I deren Blumen noch weggeworfen wird zu ge- I langen. Das ist Frevel! Mögen gleich die I Blumen im Getreidefeld als schädliches Unkraut I betrachtet werden, so ist doch der Schaden, der I mit dem Entfernen dieses Unkrauts leichtsinnig I verübt wird, oft noch viel größer. Es muß I jedem Kinde genügen, die Blumen zu pflücken, I Sie bis zur Armeslänge zwischen den Halmen I stehen. Ganz unverantwortlich ist es aber, I wenn selbst Erwachsenedas Brot mit Füßen I treten, was leider auch vorkommt. Bedauer- I licherweife ist der Landwirt derartigen Schädig- I ungen meist wehrlos preisgegeben, da er gerade I zur Zeit der Kornblumenblüte mit Arbeit über- I laden ist und weil Blumenpflücker erst dann I zwischen die Halme treten, wenn im weiten I Gesichtsfeld kein Mensch zu erblicken ist. Schone I fremdes Eigentum, auch das des Landmannsl I Dieser Satz sollte den Kindern schon frühzeitig I eingeprägt werden.

I * Der Eisenbahnverein Erndtebrück, zu wek- I chem die Stationen nach den drei Richtungen I bis Hilchenbach, Raumland und Amalienhütte I gehören, hatte seinen diesjährigen Ausflug nach I hier unternommen. Während ein ich am I vorigen Sonntag, ein zweiter am letzten Mitt« I woch fuhr, traf der letzte gleich den anderen in einer Stärke von ca. 200 Personen am heutigen

I Samstag mit dem 1 llhrzug hier ein.

* Erfahrungen mit dem Erholungsurlaub städtischer Arbeiter. In dem Organ der Zentral- stelle des deutschen Städtetages, denMittsilun- gen, werden die Ergebnisse einer Rundfrage über die Erfahrungen einer Reihe von Städten mit dem Arbeitererholungsurlaub mitgeteilt. Es erhalten jetzt in mehr als 40 deutschen Stäb« ten die Arbeiter jährlich einen Urlaub unter I Fortbezug bes Lohnes. Die Dauer des Urlaubs schwankt zwischen 3 bis 14 Tagen unb roirb nach der Maßgabe der Dienstzeit, der besonderen Kategorien von Arbeitern, des Grades der Ge- sundheitsschädlichkeit der übertragenen Arbeit abgestuft, die Urlaubserteilung hier und da auch erst vom vollendeten 25. Lebensjahre ab er­teilt. Für gewisse Arbeiterkategorien setzen die betreffenden Bestimmungen schon nach einem Dienstjahr die Erlangung eines zwei- bis drei­tägigen Urlaubs fest, nämlich in den Städten Altona, Dessau, Karlsruhe, Mülhausen i. Els. unb München. EinenAnspruch" auf den Ur­laub gewährt nur Mainz den städtischen Arbei­tern; Colmar, Mülhausen i. Els. und Straßburg bestimmen, daß der Urlaub gewähtt werden soll"; in Köln, Dessau, Elberfeld, Ludwigs­hafen, München, Nürnberg, Schöneberg unb Würzburg findet sich die Wendung:jeder Ar. beiter erhält" oderes wird nachstehender Urlaub gewährt", ebenso in Heidelberg mit der Einschränkungsoweit es die Verhältnisse des

hat:Wir brauchen die Vivisektion notwendig zur Erforschung der Wirkung von Krankheits­ursachen. Die moderne naturwissenschaftliche Medizin hat den Kampf gegen drei der furcht­barsten Geißeln des Menschengeschlechts ausge­nommen. Obgleich es nur wenige Jahre her sind, seitdem sie den Kampf aufnahm, hat sie doch schon sehr viel erreicht. Ich meine den Kampf gegen die Tuberkulose, gegen die Syphi­lis und gegen die Krebskrankheit. Wir wissen jetzt, was die Ursache der Tuberkulose ist, wir kennen den Krankheitserreger auch außerhalb des Körpers und können Maßnahmen treffen, ihn zu vernichten......Unser« heutigen

Vivisektionen sind meistens Tierimpfungen. Allerdings sind die Krankheiten, die eingeimpft werden, schwer quälende. Aber wenn Sie nach- sühlen können, was es für einen Arzt bedeutet, der in einer Familie drei Kinder tracheotomiert hat, um di« Diphtherie zu heilen, und bei kei­nem einen Erfolg gehabt hat und nun nach Jahr und Tag zu dem vierten ebenso erkrank-

(Nachdruck verboten.)

Wesen und Bedelitung der direkten Steuern

bie eine so große Rolle bei den gegenwärtigen parlamentarischen Verhandlungen spielen, wer­den^ in der bekannten Zeitschrift für allgemeine RemiskundeGesetz und Recht" (Breslau, viertklj. 2 zum Gegenstände sehr anschau- licher und für den Steuerzahler höchst lehrreicher Untersuchungen gemacht. Ueberraschend sind die im letzten Hefte veröffentlichten Resultate, in welcher Weise Stadt und Land an der Aufbring­ung der staatlichen Einkommensteuer in Preußen sich beteiligen. Es heißt dort u. a.:

An den rund 273 Millionen, welche die phy­sischen und nichtphysischen Personen in Preußen in Stade und Land im Jahre 1908 aufbrachten, find die Städte mit 208. das Land mit 65 Mil­lionen beteiligt. An der Spitze der Städte steht natürlich Berlin mit ru«d 33 Millionen. Nichts zeigt die überragende wirtschaftliche Bedeutung der Reichshauptstadt zahlenmäßig in hellerem Lichte als die Einkommensteuerstatifttk; Berlin bringt dem Staate mit seinen 33 Millionen mehr ein, als die fünf Provinzen Ostpreußen, Westpreußen. Pommern, Pofen und Schleswig- Holstein. sowie Hohenzollern zusammen. Hier­bei sind die Leistungen der Vororte noch nicht berücksichtigt, deren Steuerertrag mit 16 bis 18 Millionen eher zu niedrig als zu hoch veran­schlagt sein dürfte. Danach bringt Groß-Berlin runb ein Fünftel der gesamten preußischen Staatseinkommensteuer. Gewaltiger Reichtum herrscht auch in Frankfurt a. M. (9% Mill.), Köln, Breslau, Düsseldorf, Hannover, Erfurt Charlottenburg, Wiesbaden unb Bonn. Ins­besondere die beiden letzten Städte zeichnen sich durch eine außerordentliche Höhe bes durch­schnittlichen Einkommens aus. welches auf jeden Steuerpflichtigen entfällt. Das durchschnittliche Einkommen zur Einkommensteuer veranlagten Zensiten beträgt in den Städten etwa 2500 M, auf dem Lande etwa 1800 X Es ist am höch­sten in Deutsch-Wilmersdorf, Charlottenburg und Bonn, am niedrigsten in Königshütte- Rir- dorf und Linden vor Hannover. Die Durch­schnittszahlen sind natürlich um so höher, je mehr sehr reiche Zensiten in einer Stadt woh­nen, sie geben aber von der Wohlhabenheit der gesamten Bevölkerung kein richtiges Bild. Eine I Stabt 3. B., in der 80% der Einwohnerschaft Mr Einkommensteuer veranlagt sind, ist wohl- I habender als eine solche, in der nur 20% der I Einwohnerschaft veranlagt sind, selbst wenn in I der letzteren wegen einzelner dort wohnender I «ehr reicher Leute das Durchschnittseinkom- I men hoher wäre, als in der ersteren. Der Durch- I fchnittsbetrag. der an Einkommensteuer auf den I Kam der Bevölkerung entfällt, beträgt in den S.ta.bAe 10> auf dem Lande 3 M, also durch­schnittlich 61/0 JL ' 1 I

Die Einkommensteuer-Statistik beweist, wie I |ie mit der fortschreitenden Entwickelung Preu- I Bens vom Ackerbaustaat zum Industriestaat das |

I deren Gesundheit zurzeit auf einem ziemlich I schmerzensfreien Punkte stand, nie fehlte, unb I Ulli infolgedessen stets teilnehmen mußte. Die I direkte Verlobungsfeier in beiden Familien I hatte der beste Freund des Bräutigams gleich- I falls freilich nicht versäumen dürfen, ebenso I wenig bei derselben der als selbstverständlich I angenommenen Zusammengehörigkeit mit Ulli I entgehen können. Aber so schrecklich ihm auch gerade dieser Puntt in der Voraussicht erschie­nen war, so angenehm hatte er ihm schließlich über bas unbequeme Zusammensein mit an­deren Menschen hinfortgeholfen.

I Ulli, die unter der unerklärlichen Umwand- I lung seines Benehmens, die sie bis in die fein­sten Schattierungen hinein fühlte, unsäglich litt, wußte mit bewunderungswürdiger Selbstbe­herrschung und echt weiblichem Takt ihre ganze Art unb Weise den eingetretenen Veränderun­gen anzupassen. Kein Vorwurf, keine Frage traf jemals den Doktor. In vollkommen gleich, mäßig fteundschaftlicher Art wußte sie. ihrem i Verkehr einen so unbefangenen Anstrich zu j geben, dabei so geschickt allen anderen gegen« I übet die Zerstreutheit unb Steifheit ihres Parte ners zu decken und zu mildern, daß dieser in aufwallender Dankbarkeit und Anerkennung zuletzt wieder ganz in den alten Ton verfiel und für die Zeit des Zusammenseins mit Ulli manchmal fast vergessen konnte, daß Lori wieder > feinen Weg gestreift und all seine Zukunstsge» j danken umgeworfen und zerstött hatte. Hinter». ! her kamen dann die Vorwürfe und Selbstanklq« ! gen, bi« Erkenntnis keines Doppelfühlens und | feiner Doppelzüngigkeit mit verstärkter Qual über ihn, und die nächste Begegnung mtt UN 1 schroffer, zurückhaltender und u* * verständlicher wie je. (Forts, folgt.) '

Die JnsertionSgebühr beträgt filt die 7gespalten- Zeile oder deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. 4 4

Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, UniversttätSbuchdruckerel 44.

Inhaber Dr. C. Httzerotb, Marburg, Martt 21. Telephon 55