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44. Jahrg.

Jti. 166

Marburg

Sonntag, 18. Juli 1909.

Die JnsertiouSgebühr beträgt für bl« 7gespaltene Zeile oder deren Raum 16 Pfennig, für Reklamen 80 Pfennig. Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, UnioerfitätSbuchdruckerei Inhaber Dr. T. Hitz er o th, Marburg, Markt 21. Telephon 65.

D!eGbrrhrsstsche Jetten,g" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt viertel- jährlich durch die Post bezogen 2,25 Mk. (ohne Bestellgeld), b«, unfern ZeitungSstellen und der Expedition (Markt 21,) 2 Mk.

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain^

und den Beilagen: .Mach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und Landwirtschaftliche Benage

Erstes Blatt.

Umschau im Auslande.

Nach den letzten Erfolgen in dec äußeren Po- Rtik scheint die österreichisch-ungarische Doppelmonarchie wieder ihren alten schlechten Ruf der inneren Zerfahrenheit von neuem bewahrheiten zu wollen. Dirslawische Union" in der österreichischen und dieUnabhän- tzigkeitspartei" in der ungarischen Reichshälfte sind die Verkörperungen derjenigen Elemente, die der gegenwärtigen staatsrechtlichen Gestaltung deS Reichs feindlich gesinnt sind und nach Neubildung streben. Dabei tritt die Frage der Ersetzung des staatlichen Dualismus durch einen TrialismuS derrnittels Bildung eines selbständigen südslawi­schen Reichsdrittels immer mehr in den Vorder­grund, nnd von besonderer Bedeutung dürste es sein, daß die stärkste deutsche Partei, die Christlich- Sozialen, mit diesen Bestrebungen sympathisieren, da sie davon eine Schwächung des übermütigen Maguarentnms erhoffen. Dieses selbst strebt immer mehr nach der Alleinherrschaft in Ungarn, die es schon jetzt dank seiner politischen Energie und dank der politischen Zerfahrenheit der anderen völkischen Elemente des Landes der Stefanskrone besitzt. Aber auch in die inneren Wirren dieses Landes wird Ruhe und Stetigkeit gelangen, sobald der -"-ergische und durchgreifende Erzherzog- Thronfolger Franz Ferdinand seinen Einfluß in der inneren, wie bereits in der äußeren Politik durchgesetzt haben wird. Sein letzter Besuch am rumänischen Königsbofe hat das freund­schaftliche Verhältnis dieses Donauftaates zum Doppeladler und zum Dreibund noch herzlicher gestaltet, als es bisher schon war. Daran wird auch der Demonstrationsbesuch nichts ändern. den zahlreiche rumänische Abgeordnete und radikale Parteiführer in der serbischen Hauptstadt gleichzeitig veranstaltet haben, um gegen Oester­reich zu opponieren.

Nicht so ruhig wie in den nördlichen Balkan- staaten ist gegenwärtig die Stimmung in Grie­chenland und in der Türkei. Diese will natürlich die schöne Insel Kreta um keinen Preis fahren lassen und sie noch dazu an einen um so viel sstwächeren Konkurrenten wie Griechenland, übergeben. Die von den vier Schutzmächten über­gebene Note, die die Reckte des Halbmonds stark einschränkt, stößt in Konstantinopel auf starken Widerspruch, wo man zu einer Entscheidung durch das Schwert mebr als je entschlossen ist. Hoffeitt-

Vor hundert Jahren.

Unter französischer Herrschaft.

Von L. Müller.

(Schluß.)

Die Freudenfei:r, welche das Volk am 18. Oktober zur Erinnerung an die große Befrei- ungsfchlacht auf den Bergen zum Himmel lodern ließ, waren auf allerhöchsten Befehl verboten worden. In Hessen brannten sie am 18. Oktober 1819 zum letzten Male, während sie in Preußen schon früher erloschen waren. ..Freudenfeuer find Leidenfeuer!" sagte damals Mancher,un­ter den Franzosen war es besser!" Wie erwähnt, gründete auf Anregung der einstige Jenaer Burschenschafter Adolph von Sprewitz einen geheimen in ganz Deutschland sich verzweigenden Jünglingsbund" mit der Tendenz, für poli­tische Freiheit und Einheit des gemeinsamen Vaterlandes zu wirken und die kommenden Ge­nerationen für entschlossenen Sinn heranzubil­den. Aber wie wurde von den damaligen Re­gierungen dieses Beginnen angesehen, wie muß­ten die jungenDemagogen" für ihren Hoch­verrat büßen. Der Jünglingsverein war durch Verletzung des Briefgeheimnisses entdeckt wor­den und soweit sich die große Anzahl seiner Mit­glieder nicht durch die Flucht in die Schweiz rettete, wurden sie als Demagogen verhaftet und aus das Härteste gestraft. Die Mainzer Kom­mission leistete in der Demagogenriecherei das Möglickste, überall beeilten sich die Gerichte, um die edelsten Söhne des Vaterlandes in den Kerker zu werfen. Ein einziges Erkenntnis des Breslauer Oberlandesgerichts verurteilte 27 Mitglieder des Jünglingsvereins von acht bis zu fünfzehn Jahren Festung, Dienstentsetzung, Verlust der preußischen Nationalkokarde und bei einigen Verlust der Denkmünze für Nichtkom­battanten. Die Schamröte muß jedem Deutschen ins Gesicht steigen, wenn man die Blätter der deutschen Demagogenriecherei liest! Die be­rüchtigte Zentral-Untersuchungskommisfion war vur dazu vorhanden, um Demagogen ausschnüf­feln zu helfen und jeden nur rm geringsten Ver­dächtigen verhaften zu lassen. A Rüge, ein Mitglied des Jünglingsbunde^ erzählt z. B. t» »

lich gelingt es, diese Gefahr für den Frieden zu beseitigen, und der allerdings nur in einer rein militärischen Mission bet seinen alten Freunden weilende preußisch« Generaloberst Frhr von der Goltz-Pascha wird nicht verfehlen, seinen großen Einfluß in dieser Richtung geltend zu machen. Dagegen werden die Meldungen kaum zntreffen, die von einem Anschluß der Türkei an den Dreibund sprechen. Zum Abschluß von Bündnissen ist die neue türftsche Staatseinrichtung noch nicht gefestigt genug, doch wird sich die Türkei gegebenenfalls an der Seite derer befinden, die fie schon seit jeher als ihre Freunde kennt. Ob dazu das Egypten festhaltende England gehört, dürste Wohl zweifelhaft sein. Gerade aber jetzt gewinnt das Verhältnis des führenden islamiti- schen Staates zu dem Länder beherrschenden Albion besondere Bedeutung. Sind doch beinahe 100 Millionen seiner indischen Untertanen Mohammedaner, die unbedingt der grünen Fahne des Propheten folgen würden, falls sie von seinem Nachfolger in Konstanttnopel entrollt werden würde. Die Ermordung des ftüheren englisch­indischen Verwaltungsbeamten Oberst Wyllie in London durch den indischen Studenten Dhingra und der an diese Tat des Fanatismus sich an­schließende politische Mordprozeß lassen zur Ge­nüge erkennen, wie tief der Haß gegen den eng­lischen Unterdrücker in indischen Herzen brennt. Und in Egypten ist das Gefühl gegen Albions Herrschaft auch lediglich Haß. Trotz dieser bedroh­lichen Lage in den Kolonien scheinen die Eng­länder zu hoffen, nach wie vor durch Söldnerheere und Flotten ihre Suprematte aufrechterhalten zu können. Denn der Antrag auf Einführung einer bcschräntten allgemeinen Wehrpflicht ist auch vom Oberhouse abgelehnt worden.

Das wirksamste Mittel englischer Polittk ist von jeher die Verhetzung der anderen Staaten untereinander gewesen. Dieses probate Mittel wird jetzt auch wieder in Marokko versucht. Nachdem es endlich gelungen ist. die deutschen und die französischen Interessen dort lediglich zu ein­ander zu gestalten, hat man das vollständig in em Abhängigkeitsverhältnis nach portugiesischem Muster geratene Spanien zu energischerem Vorgehen angespornt, um die marokkanischen Händel von neuem aufleben zu lassen. Hoffent­lich sehen die stolzen Spanier bald ein, welch un­würdige Rolle sie spielen sollen. Eine allerdings schwache Hoffnung dagegen ist als ein Zeichen der Besserung anzusehen, daß in einsichttgen fran­zösischen polittschen Kreisen die Ueberzeuqung immer mehr Ausdruck findet, daß nicht die beut«

seinen Denkwürdigkeiten:Kurz vor Weihnach­ten 1823 kamen schlimme Nachrichten von den ' Verhaftungen mehrerer vertrauter Freunde aus dem Vurschenkreise von Halle nach Heidelberg und Rüge fühlte wohl, daß der fünfte Akt des Dramas gekommen und die Gefahr, seine Frei­heit zu verlieren, nahe gerückt sei. Obwohl ge­warnt, entschloß er sich doch, ruhig auszuharren und Simons aufopferndes Anerbieten, mit ihm zu fliehen, abzulehnen. An einem Tage versam­melten sich die Freunde zu einem großen Gelage. Als hätte er eine Ahnung gehabt, daß es fein letzter freier Abend sein sollte, geizte Rüge förm­lich mit den Minuten und wollte am liebsten gar nicht nach Hause gehen. Endlich nach Mitternacht brachen fie auf. Rüge öffnete die Türe seines Hauses, suchte Stubenschlüssel und machte Licht da tauchten aus allen Ecken Ge­stalten auf und ein glückender Regierungsrat aus Karlsruhe verhaftete den allzuvertrauens­seligenwegen Hochverrats". Der Kerker war­tete seiner und erst sechs Jahre später sollten sich seine Türen wieder für ihn öffnen. Die Stu­denten von Leipzig, Halle, Erlangen, Würzburg, Heidelberg, Jena, Göttingen. Marburg. Gießen u. a. gehörten zu den geheimen burschenfchaft- lichen Verbindungen, welche als Endziel die Ein­heit Deutschlands bezeichneten und dieserhalb von den gedungenen Spionen verfolgt wurden, welche in der si^varzen Kommission tätig waren. Durch folgende Ordnung gab der Kurfürst WiHelm I. seinen Untertanen von dem Erlasse vom 2. Oktober 1819 Kenntnis, fie lautete:

Tief würde es mich schmerzen, wenn gegen den einen oder den anderen meiner Untertanen eine solche Maßregel ergriffen werden müßte. Mein Schmerz würde um so größer sein, als ich bisher die begründetste Ursache hatte, mit dem guten Geiste meiner Hessen zuftieden zu sein und stolz darauf bin, von der Vorsehung über ein Volk berufen zu sein, welches von jeher, selbst unter den größten Stürmen durch Treue und Ordnung sich auszeichnete."

Dieses waren die Eigenschaften, welche das Volk in unserem deutschen Vaterlande nach den Befreiungsschlacht«» 181316 davongetragen hatte.

scheu Konservativen, sondern die Liberalen die Leute mtt den pangermanisttschen Bestrebungen find. Da gleichzeitig auch die russischen Konserva- ttven sich als Deutschfreunde bewährt haben, wäh­rend die russischen Liberalen gegen uns Hetzen, ist nur zu wünschen, daß überall in diesen Ländern dar konservativ» Pttnzip wieder mehr zur Herr- schäft gelangt. Eine bessere Fttedensbürgschast kann es nicht geben.

Zum Abschied des Fürsten Bülow.

Bremen, 16. Juli. Der Norddeutsche Lloyd hat an den Füfften Bülow folgendes Telegramm gerichtet:Zum Tage des Ausscheidens Eurer Durchlaucht aus dem Reichsdienst bitten wir Euere Durchlaucht, unseren lebhaften Dank zum Aus­druck bringen zu dürfen für das unserer Gesell­schaft stets in hohem Maße entgegengebrachte Interesse und sind nicht minder für die wohl­wollende Untefftützung, die Euere Durchlaucht dem Rorddeuffchen Lloyd während Ihrer langjähttgen Tätigkeit als oberster. Leiter des Auswärtigen Amtes und namentlich als Reichskanzler haben zuteil werden lassen. Die stets angenehmen Be­ziehungen zu Euerer Durchlaucht, deren wir jahre­lang biS auf den heutigen Tag uns erfreuen durften, werden unS stets in dankbarer Ettnnerung bleiben." Darauf ist folgende Antwott ein­gegangen:Für das freundliche Telegramm bitte ich meinen herzlichen Dank entgegenzunehmen. Meine aufrichtigsten Wünsche gehören der Entwick­lung des Norddeutschen Lloyd, auf dessen Flotte ganz Deutschland stolz ist. gez. Fürst Bülow."

Bremen, 16. Juli. Fürch BAow hat an den Senat von Bremen ein Schreiben gerichtet, mit dem gleichen Inhalt wie an den Senat von Hamburg.

M ü n ch e n, 16. Juli. Das Handschreiben deS Prinzregenten an den Fürsten von Bülow lautet: Die Nachttcht der Ihnen auf Ihre düngende Bitte gewähüen Enthebung vom Amte des Reichs­kanzlers erfüllt mich mit aufüchtigem Bedauern. Ich weiß Wohl die ausgezeichneten Dienste zu schätzen, die Sie dem Kaiser und dem Reich wäh­rend vieler Jahre in aller Hingebung geleistet haben. Mtt AchMng vor den Rechten der Bundes­glieder haben Sie stets volles Vefftändnis für die Interessen und die Anliegen der Bundesstaaten, insbesondere auch Bayerns, verbunden. Es liegt mir daran, den Huldbeweisen des deutschen Kai­sers anläßlich Ihres Rücktrittes auch meinen war­men Dank für Ihr patüotisches Witten anzu­schließen."

Schon am 18. Oktober 1816 sang Ludwig llhland in seinem Liede, worin er die deutschen Fürsten an ihre Versprechungen erinnerte:

Ihr Fürsten seid zuerst befraget. Vergaßt Ihr jenen Tag der Schlacht, An dem Ihr auf den Knieen läget Und huldiget der höhren Macht!

Als Eure Schmach die Völker losten. Und ihre Treue sich erprobt. So ist's an Euch nicht zu vertrösten. Zu leisten jetzt was ihr gelobt!

Das Denkmal der hessischen Patrioten.

Jenseits der Stadt Eassel befindet sich eine weithin mit Gras bewachsene Fläche, auf der nur wenige vereinzelte Bäume hervorragen, es ist der sogenannte Forst. Dieses heute noch sumpfige Terrain war, wie schon der Name an- gibt, in früheren Zeiten ein Wald, der jedoch gänzlich verschwunden ist. Der Forst bient jetzt zu militärischen Hebungen und hat in franzö­sischen Zeiten, während der wesffälischen Fremd­herrschaft, eine historische Bedeutung erlangt, denn dort fielen, wie schon erwähnt rourbe, unter den Kugeln der französischen Soldaten sechs hessische Patrioten. Die Stelle, wo sie ihr Leben aushauchten, bezeichnete lange nur eine alte Eiche, welche ihrer Rinde fast beraubt ist und deren Aeste nur noch kümmerliches Laub aufweisen. Einige Schritte neben diesem Baum findet man eine kleine Anpflanzung von Sträu­chern, umgeben mit einem Holzgitter, offenbar späterer Zeit entstammend, und in deren Mitte befindet sich mit einem eisernen Gitter umge­ben, mit dichtem Epheu bedeckt, das Grab der Erschossenen. Eine Platte aus rotem Granit gibt uns in Eoldbuchstaben die Namen der hier ruhenden Pattioten kund.Lieutenant von Hassenrodt, Oberst Emmerich, Prof. Sternberg, Mente! Günter, Daniel Muth und Christ. Hoh- nemann lautet die Inschrift. Unter der Eiche liegt eine große Steinplatte, welche als Grund­stein zu einem Denkmal bestimmt war, das die Stelle bezeichnen sollte, wo brave Hessen das Leben für ihren Fürsten lassen mußten. Lange Jcchre hatte man diese Stätte auf dem Forst Unbeachtet gelassen und erst als der Jahrestag

Berlin, 16. Juli. Fürst und Fürstin von Bülow verlassen Berlin am 18. Juki um 1 Uh» 80 Min. nachmittags und begeben sich zunächst einige Tage nach Klein-Flottbeck, sodann nach Norderney.

Berlin, 16. Juki. Der Berliner Magisttai beschloß, wie da»Tageblatt" hiitt, den Mfc herigen BabelsbergerplatzFürst Bülowplatz" zn benennen.

Politische Umschau.

Die Lage in Persien. Der Schah abgesetzt.

Köln, 16. Juli. DerKöln. Zig." wird au» Teheran von heute nachmittag 5 Uhr telegraphiert! Oberst Ljachow fuhr heute nachmittag zu den letz­ten Verhandlungen nach dem Medschlis. Der Friede ist geschlossen. Die persische Kosakenbügade wird beibehalten. Es wird eine neue Regierung gegründet, in der Sipahdar, der Anführer der westlichen Nationalisten, das Küegsministerium übernimmt. Er ist zugleich Stadtpräfekt. I» seiner neuen Eigenschaft gab er dem Obersten Ljachow die ersten Befehle für die Wiederbeütel- luttg der Ordnung in der Stadt. Der Schah hat abgedantt. Infolgedessen ist die Ernennung eine» Regenten für den Kronprimen Achmed Mirsa wahrscheinlich. Die Bevölkerung gibt große Freude kund.

Deutsches Reich.

Zusammenkunft des Kaisers mit König Haokon. Christiania, 16. Juli. Nors Telegramm- Bureau meldet: König Haokon reift am Montag, den 19. Juli, morgens nach Bergen ab, um da­selbst mit Kaiser Wilhelm lufammennttreffen.

Die Unterzeichnung der neuen Steiieraesetze. DieKöln. 3tg.e meldet:Da Fürst Bülow die Geschäfte seinem Nachfolger übergeben Hai, ohne die Finanzgesetze mit seiner Unterschrift zu der- sehen, wird diese Unterichrist von seinem Nach­folger Herrn von Bethmann-Hollweg geleistet werden."

Ausland.

** An der Monarchenzusammeukunft in CoweS wird außer dem Kaiser von Rußland und dem König von England auch der König von Spanien beteiligt sein. König Eduard trifft bereits am 30. Juli an Bord seiner JachtViktoria and Albert" in Eowes ein, der Zar folgt am 2. August, König Alfons, der die Seereise an Bord feiner

der Befreiung Deutschlands zum fünfzigsten Male wiederkehrte, wurde am 18. Oktober unter Geläute der Glocken und dem Donner der Kanonen der Grundstein zu einem Denkmal ge­legt, welcher nun die Ruhestätte der Blutzeugen unter westfälischer Herrschaft bezeichnen sollte. Der Stein trägt die Inschrift genannter Namen und weiter: Zum Andenken der als Opfer der französischen Fremdherrschaft gefallenen Pa­trioten.

Das eigentliche Denkmal für diese Männer hat man in der Karlsaue, einer Parkanlage an der Fulda, errichtet, nicht weit von der Stelle, wo am 16. Februar 1807 der Unteroffizier Schumann wegen der Teilnahme bei bet Militärerhebung in Eschwege gegen die Napo- leonsche Herrschaft von französischen Soldaten erschossen wurde. Dieses Denkmal in der Aue ist ein schlafender Löwe aus weißem Mamor, der auf dunklem Postament ruht. Wie schon be- richtet, war von Hasserodt bei dem Dörnberg- schen Aufstand beteiligt gewesen, er hatte den Auftrag, die Werragegend zu insurgieren, wurde aber gefangen genommen und in das Castell .nach Cassel gebracht, wo ihn ein Kriegsgericht zum Tode verurteilte. Am 13. Mai 1809 war eine Abteilung Jäger zu seiner Hinrichtung kommandiert. Hasserodt kommandierte selbst Feuer!" und unter dem Ruf,es leb« der Kur­fürst, mein rechtmäßiger Herr!" sank er nieder. Am 18. Juli 1809 wurde Emmerich und am 19. Juli Prof. Sternberg aus Marburg. Stentel Günter aus Sterzhausen und Daniel Muth aus Ockershausen, welche sämtlich bei dem Marbur­ger Aufstaick beteiligt gewesen waren, erschossen. Erst am 11. August 1809 wurde der Wachtmeister Christoph Hohnemann vom 1. Kürassierregiment erschossen. Derselbe war am 22. April 1809 bei dem Aufstand in Ziegenhain beteiligt gewesen. Die auf dem Forst Erschossenen wurden von den Franzosen an der Stelle, wo sie gefallen waren, gemeinsam verscharrt. Nach deren Verjagung pflanzten Pattioten auf der Stelle, wo die Exe­kution stattgefunden hatte, jene Eiche, deren fetzt beinahe entlaubtet Stamm lange Iah« das einzige Denkmal der für Fürst und Pater- land gefallenen Hessen gewesen war.