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fihrungsbestimmungen follm aber unverzüglich entworfen werden, und man nimmt an, daß sie Bereits Ende nächster Woche publiziert werden können.

Ausland.

** Ei» Sturz des französischen Kriegs- Ministers »am Pferde »beim Natiaualfest. Paris 14. Juli. Der Kriegsmintster hatte eben mit seiner Suite die Front der Truppen abgeritten und wollte sich eben vor der Tribüne, aus welcher der Präsident saß, aufsteSeU, als sein Pferd plötzlich unruhig wurde. Es fing an zu tanzen, und der General Piquard machte alle Anstrengungen, um sich im Sattel zu halten. Als schließlich alles nichts hals, gab er dem Pserde die Spore«, dies bäumte sich auf, und der Kriegsminister ließ jetzt, da er seinen Sturz voraussah, de« Säbel Mr Eick« fal­len. Im nächsten Moment flog er im weiten Bo­gen ins Gras, und das schm gewordene Pferd galoppierte davon. Einige Offiziere boten ihm ihre Pferde an. Allein mittlerweile war das Pferd aufgehalten und wieder zurückgesührt wor- dm. Der Kriegsminister bestteg aufs nm« feinm Gaul, und zwei Generäle stellten sich mit ihren Pferdm dicht an seiner Seite auf. Der Vorgang erregte um so größeres Auffehm, als er von der Tribüne <ms in allm seinen Einzelheiten genau zu beobachten war. Daß General Piquard ein fchr schlechter Retter ist, war schon längst bekannt. Aber es ist in der französischen Armee zum erstm Male vorgekommen, daß ein Kriegsminister bei einer Truppenrevue im Angesichte der Soldaten von seinem Pferde abgeworfm wurde. Das National- sest nahm im übrige« einen sehr fröhlichen Verlauf.

* ♦ Die spanische Flotte. London, IS. Juli. Wie das Reutersch« Bureau erfährt, ist in dieser Woche in Madrid der Vertrag zwischen der spa- nischm Regierung und einem englische« Syndikat über dm Bau einer spanischm Flotte zum Preise von sieben Millionen Pfund Sterling abgeschlossen worden.

* * Ein SchisssunglüÄ der englischen Marine. London, 15. Juli. Nach Mitteilung der Admiraki- tät war es der aus der Fahrt «ach Hüll befindliche Dampfer .Eddystone*, der auf der Höhe von Cromer mit dem Unterseeboot „E 11" zusammen­stieß, und dieses zum Sinken brachte. Von der Besatzung des Unterseebootes wurden drei Rann gerettet. Dreizehn werden vermißt; man fürchtet, daß sie ertmnken find.

* * Eine Entschuldigung der dottvianischm Re­gierung. Bolivia erklärte in einer Rote an sie argenttnische Regierung, es bedaure tief die Zwi­schenfälle von La Paz. Die Regierung habe sich bemüht, sie zu unterdrücken und beflage die Hal- ~ tung der Presse. Die Ereigniffe würdm sich nicht wiederholen, da Bolivia von aufrichtiger Achtung gegenüber Argentinien und dem Präsideutm von Argentinien erfüllt. Di« argentinisch« Regierung erklärte, diese Note geb« ihr Genugtuung.

* * Abdul Hamid. Konstantinopel, 15. Juli Die Dcputierteukammer beriet heute über dm Ge­setzentwurf über die Regelung der Schuldm Abdul Hamids. Nachdem mehrere Abgeordnete sich ge- gm das Prinzip der Regelung der Schulden aus dem Staatsschatz gewandt hattm, wurde der Ge­setzentwurf an die Kommission Mrückverwiesm. Hierauf trat das Haus in die zwette Lesung des Gesetzentwurfes betteffend das Ausstandsrecht ein. Beim Artikel 8, der die Bildung von Arbetter- shndikaten untersagt, wurde ein Antrag angmom- men, der die Bildung von Syndikaten im Prinzip zuläßt und von der Regiemng die Vorlage eines besonderen Gesetzentwurfes verlangt. Als der Präsident den Artikel durchaus Mr Annahme brin­gen wollte, entstand derartiger Lärm, daß die Sitzung geschlossen werden mußte. !

♦* Persien. Teheran, 15. Juli. Es verlautet, daß Oberst Liachow dm Befehl gegeben hat, das Fmer einzustellen. Die Kosaken haben in dm letz­ten zwei Stunden nicht mehr geschossen. Das Ge­wehrfeuer, das gegenwärtig zwischm dm Seiden des Schahs und den Bachtiarm im Gange ist, und das Geschützfeuer der Rationalisten hat so gut wie aufgehört. Die Tmppen des Schahs haben gestern abend das Rordosttor angegriffen, sind aber von den Nationalisten mtt schwere« Verluftm zurück- geschlagen worden.

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Marburg und Umgegend.

(Nachdruck alter Origmalartitel ist gemäß g 18 des I Urheberrechts nur mit der deutlichen Quellenangabe I jDberfjeff. Ztg " gestattet.) I

'• Marburg, 16. Juli. I

)( Die Hessische Landesverficherungs Anstatt I hatte nach dem soebm veröffentlichten Rechen- I schastsbericht im Jahre 1908 eine Einnahme von I 9 636 715,75 Jt, eine Ausgabe von 8 916 034,67 M, I Bestand: 720 681,08 M. Das Gesamtvermögen I beträgt 5 223 877,49 M. I

)( Bom Stiftungsfest der Haffo-Raffovia. I Gestem nachmittag gegen 6 Uhr veranstaltete das I das Korps Hasso-Nassovia anläßlich seines 70. I Stiftungsfestes einen Festzug, der ein färben- I prächtiges Bild bot. Reiter in Coulmr eröffneten I und schloffm den Zug, in dem nebm den Aktiven I hunderte Alte Herren vertreten warm. Die ältesten I Semester, weißhaarige Greise, hatten in Wagen I Platz genommen. Der Zug bewegte sich vom I Bahnhof aus durch die Stadt nach dm Stadtsälen, I Wo sich ein Kommers anschloß. I

)( Versetzt wurde der Meliorationsbausekretär I Schneider von Marburg nach Limburg. |

* Jahresfest. Man schreibt uns: Rächst«« | Sonntag begeht der hiesige christliche Verein I fanget Männer die Feier des 26. Jahresfestes. | Der Bundesdirektor des Westdeutschen Jung- I kingsbundes, Pastor CtaLrmann-Varmen wird I die Festpredigt im Lormittagsgottesdienst der I lutherischen Kirche halten und auch bei der I «ackfeier in der Aula der höheren Mädchen- I schule, nachmittags 4 Uhr, »itwirten. |

♦ Stellmverntittlung des kauf«. Vereins für weibliche Angestellte. Der neu gegründete kauf­männische Verein für weibliche Angestellte hat eine Stellenvermittlung hier eingerichtet, die am Mitt­woch, den 21. Juli, eröffnet wird. Die Sprech­stunde ist jeden Mittwoch von 12—1 Uhr bei Frl. Krug, Universitätsftr. 38. Die Herrm Geschäfis- inhaber sowie die Angestellten werde« gebeten, bei eintrtenden Vakanzen rcsp. Bewerbungen sich mündlich oder schriftlich mit der Sprechstelle in Verbinwrng zu setzm. Die hiesige Stellenvermitt­lung steht in Verbindung mit dem Stellenvermitt- lungsbund der Verbündetm kaufmännischen Ver­eine für weibliche Angestellte und ist somit in der Lage, jederzeit geeignete Bewerber in Vorschlag M bringen, wie auch nach auswärts gute Stellen nachzuweisen. Die Stellenvermittlung ist kostenlos für Geschäftsinhaber und Mitglieder. Anmeldun- gen zur Mitgliedschaft werde« ebenfalls mündlich oder schriftlich von Frl. Krug entgegengenommen.

• Haussammlungen. Der Herr Regierungs- Präsident weist in einer Bekanntmachung tm Regierungsamtsblatt darauf hin, daß Anträge auf Gestattung von Haussammlungen für das Jahr 1910 mit dem vorgefchriebenen Kollekten- organifationsplan spätestens bis zum 1. August dieses Jahres unmittelbar bei dem Herrn Ober- präfidenten einzureichen sind. Bei Kollekten, die sich über den hiesigen Bezirk hinaus auf dm Regierungsbezirk Wiesbaden erstreckm sollen, sind fiir jeden Bezirk getrennte Anträge einzu­reichen. Anträge, die nach dem 1. August d. I. eingehen, können nur dann Berücksichtigung fin­den, wenn sie zur Beseitigung eines Notstandes dienen sollen und nicht vorher eingereicht wer­den konnten.

* lieber das Cchuhfche Künstlerquartett, das am nächstm Sonntag in den Stadtsälen auftritt, schreibt die „Offmb. Ztg.": Das Schuhsche Künstkerquartett verfügt über ein vorzügliches Etimmenmaterial, tms durch eifriges Probm auf eine erstaunlich hohe Stufe der Sangeskunst gebracht ist. Die Künstler fingen leicht und sicher; durch Wohllaut, Reinheit und wunderbare Harmonie ihres Gesanges halten sie die Zuhörer im Banne. Wer einige Stundm wahrm Kunstgenusses und edler Unterhaltung zubringm will, versäume nicht das Ködert zu besuchen.

♦ Sommertheater Marbach. Sonntag, den 18. Juli, wird das amüsanteste Lustspiel der Firma Blumenthal-Kadelburß — „Husareusieber" — ge­geben. Montag, den 19. Juli, findet in den Stadt- sälen ein einmaliges Gastspiel der 8gL Schau­spielerin Frl. Ilse Groa vom Hofcheater in Cassel statt. Znr Aufführung gelangt .M Heidelberg^ mit Ftt. Groa i« der Rolle der Käthe. — lieber Frl. Groa, welche die Rolle der Käthe ttn Casseler Hoftheater mit großem Erfolge spielte, schrieb die „Casseler Zeitung*: Die königliche Bühne ist in der glücklichen Lage, In Frl. Groa eine Schau­spielerin zu besitzen, die über scharfe, treffsichere Beobachtung, eine bedeutende Charakteriesierun^- fShigkeit und einen gesunden Realismus verfügt. Von solchen Eigenschaften ließ sich wohl mehr er­hoffen, as gemeinhin von «wer ^beliebigen Naiven in der Rolle der Käthe geboten zu werden pflegt. Frl. Groa gab denn awh ein so herziges frisches Naturkind, daß man seine aufrichtige Freude daran haben und der Kunst der jungen Darstellerin freu­digste Anerkennung zollen konnte usw. usw. — Das Gastsptel findet bei gewöhnlichen Preisen statt; der Vorvettauf befindet sich in der Elwertfchen Buch­handlung, Rettgasse.

)( Der Zirkus Marl erfreut sich fottgesetzt eines guten Besuchs. Auch gestern abend zeigte das Programm wieder verschiedene Steuerungen, die wie die übrigen bekannten Leistungen der Künstler dankbare Aufnahme sande«. Hertte abend soll die Abschiedsvorsteifang stattfinden.

* Pferdenrartt- Lotterie. Mtt de« am 19. Sep­tember hier stattfindende» Pferdemarkt ist auch dieses Jahr wieder eine Verlosung verbunden. Mit Recht erfreuen sich die Lose gerade der Pserde-Lotteric eines großen Absatzes, weil damtt auch di« Hebung der Pferdezucht im allgemeinen verbunden ist. Die Lotterie ist genehmigt für die Kreise Marburg, Kirchhain, Frankenberg, Bieden­kopf. Die Ziehung findet am Nachmittag des Markttages statt. Zur Verlosung gelangen eine vollständige Equipage mtt zwei Pferden, dann noch komplette Einspänner, Pferde und Fohlen, sowie eine große Anzahl wirtschaftlich praktischer Gegenstände, Rett- und Fahrrequistten, Reise­effekten, Decken und dergl., zusammen 300 Ge­winne im Wette von 8300 'M. Di« Lose kosten das Stück 1 M. Sie sind zu beziehen durch das Generaldebtt von Ferdinand Bang, Bankgeschäfi in Marburg, sowie durch die Expedition der „Ober­hessischen Zeitung. (Siebe Inserat.)

* Zwei-Markstücke mit Fehlgepräge. Soeben ist aus der Kgl. Münze eine größere Anzahl von Zwei-Markstücken gekommen, die baD eine große Seltenheit und ein begehrtes Objekt für Münzensammler bilden werden. Es sind dies Münzen mit eigenartigem Fehlgepräge. Die Geldstücke zeigen auf der Vorderseite Mischen Umschrift und Rand einen glatten Streifen, der von der Bezeichnung „Wilhelm Deutscher Kaiser und König von Preußen" das Wort Kaiser und König fast ganz verdeckt, sodaß nur noch Wil­helm II. von Preußen dafteht. Die seltenen Münzen zeigen das MünMichen A und sonder­barer Weise die Jahreszahl 1905. Sie haben also schon vier Jahre gelegen, bevor sie zur Aus­gabe gelangt find.

♦ Die Fünfzigpfennigstück« der älteren stiepriigeformen mit der Wertangabe „50 Pfen- I nig“ gelten, worauf wir wiederholt aufmerksam machen, vom 1. Oktober 1908 ab nicht mehr als gesetzliches Zahlungsmittel. Die Stücke werden jedoch bis zum 30. September 1910 bei den Reichs- und Landeskassen zu ihrem gesetzlichen Werte sowohl in Zahlung genommen als auch gegen Reichsmünzen umgetauscht.

* Gewarnt sei vor einem Schwindler, der vor kurzem in Fukda aufgetreten ist und auch hi« eine Gastrolle zu gelben beabsichtigen dürfte. Er nannte sich Kraus und gab an. Reffender den

Adreßbuchverlages für Handel, Gewerte und Industrie in Leipzig, Nürnbergerstraße 40, zu fein. Verschiedene Geschäftsleute abonnierten auf das Adreßbuch, zahlten dem Herrn Reifen­den den Preis von 6 Mark und — warten heute noch auf die Lieferung. Die Firma gibt es in Leipzig überhaupt nicht; das Ganze ist also ein dreister Schwindel.

)( Unserer heutigen Auslage liegt die wöchentliche Beilage „Rach Feierabend" (Sonn- tagsblatt) bei. Sie ist mit dem gleichzeitig bei­liegenden Kreisblatt zufarnmengedruckt.

() Cölbe, 16. Juli. Im heutiges Kreisblatt wird der Weißbinderlehrling Fritz Rösser, der 23. Mai d. I. de» Johannes Lauer aus den Fluten der Lahn rettete, für die bei der Tat be­wiesene Umsicht und Entschlossenheit seitens des Landratsamtes eine öffentliche Belegung aus­gesprochen.

(-) ViedeAkopf, 15. Juki. Dem Hauslehrer Theodor Steinmetz, jetzt in Wallau, wurde der Adler der Inhaber des Kgl. HausoQens von Acheuzollern verliehen.

Aus de« Kreise Ziegenhain, 14. Juli. Mit Zustimmung des Kreisausschusses ist für den Kreis Ziegenhain eine Verordnung erfassen worden, nach der junge Leute vor vollendetem 17. Lebensjahre die Last- und Schankwirrjchaf- ten, sowie andere Verkaufsstellen von geistigen Getränken nur in Begleitung der Eltern, bezw. deren Stelloettreter besuchen dürfen. Ausge­nommen sind diejenigen jungen Leute in dem angegebenen Alter, welche nur auf der Durch­reise sich aufhalten. Uebertretungen der Verord­nung «erden mit Geldstrafe bis zu 30 Mark oder entsprechender Haft bestraft.

Hessen-Nassau und Nachbargebrete.

e Hildesheim, 16. Juli. Die aus je drei Mitgliedern des Magistrats und des Bürgervor­steherkollegiums zusammengesetzte Kommission zwecks Borbereitung der Wahl eines Oberbürger­meisters hat ihre Tätigkeit beendet. Aus der Gesamtzahl der Bewerber, es handelte sich um 62, find nunmehr folgende drei Kandidaten für die engere Wahl aufgestellt: Stadtfyndiku« Eöt- ting-Hildesheim, 2. Bürgermeister Di. Erlicher- Halberstadt und Oberbürgermeister Bielfeld- Arnstadt i. Th. Die Wahl selbst findet am Sonnabend, den 17. d. M.,mittags 11 Uhr, im Rathause Hierselbst statt. Die Wahlkommission setzt sich aus je 7 Mitgliedern des Magistrats und des BürgervorstHerkollegiums zusammen. Auf den Ausfall der Wahl ist man sehr ge­spannt.

Fritzlar, 14. Juli. Es ist endfich gelungen, den llnglückshund, der über feine Kollegen solch unangenehme Maßregeln heraufbeschworen hat, in der Rahe der Stadt zu fassen und heimzu- bringen, nachdem er tagelang den ausgesandten Patrouillen sich zu entziehen gewußt hat. Der Hunger hat ihn heimgebracht und nach der an ihm vorgenommenen gründlichen Untersuchung ist von Tollwut keine Spur vorhanden, er be­findet sich durchaus wohl. Infolgedessen werden nun auch die über die Gemarkung Fritzlar und Umgegertd angeordneten Sperremaßregeln auf« gehoben «erden.

Ungedanken, 14. Juli. Vorgestern abend gegen 8 Uhr wurde eine Frau von hier auf offener Straße zwischen hier und Fritzlar unter dem Büraberg von zwei Strolchen angefallen und beraubt. Die Frau hatte in Fritzlar ver­schiedene Einkäufe gemacht, welche derselben nebst etwas Geld abgenommen wurden. Auf die Hilferufe der Frau kam zufällig ein Arbeiter aus Fritzlar herbei, infolgedessen die Strolche dis Flucht ergriffen.

Cassel, 15. Juli. Italienische Bahnarbeiter überfielen auf der Landstraße eine frohe Sän­gerschar, der „Liedertafel" Altwildungen ange­hörend, auf der Heimkehr von Schloß Waldeck. Durch Dolchstiche wurden zwei Sänger verletzt; einer, ein mehrfacher Familienvater, erhielt einen Dolchstich, der die Lunge und den Herz­beutel durchbohrte.

Gieße«, 15. Juli. Die Stadtverordnetenver­sammlung beschloß einstimmig, daß die Stadt Gießen für ihre industriellen Werke dem Hansa- bund beitritt.

Frankfurt a. SR., 15. Juli. Rach einem Be­richt des Kaiserlichen Botschafters in Hom, hat das Königliche Italienische Kriegsministerium beschlossen, zur Anteilnahme an der Internatio­nalen Luftschiffahrt-Ausstellung 8 Offiziere der Pionierbrigcche nach Frankfurt zu entsenden, die dortselbst Freifahrten unternehmen werden.

Hana«, 14. Juli. Die Lieferung des Fleisch­bedarfs für die Garnison Babenhausen wurde nach dem „Darmst. Tägl. Anz." unter zahlreichen Bewerbern dem Metzgermeister Bohn zu Aschaf­fenburg zu folgenden Preisen übertragen: Ochfenfleisch 59, Bratenfleisch 70, Hackfleisch 70, Leber 56, Nierenfett 25 und Kuhfleisch 42% Pfennige pro Pfund. Die vertragsmäßige Lie- ferungsverbindkichkeit läuft erst am 31. Dezem­ber 1909 ab.

Fulda, 14. Juli. Vorgestern nachmittag gegen Uhr brannte in der Ausstellung der Kine- matograph Fernando und die daran anstoßende zwei Geschwistern gehörende Schießbude nieder.

Hofgeismar, 14. Juli. Unser Dragoner- Regiment feiert am 10. Mai 1910 die fünfzigste Wiederkehr seines Stistungstages. Das Regi- mentskonnnando bittet alle ehemaligen Ange­hörigen des Regiments, welche der Feier bei­wohnen wollen, ihre Adressen baldmöglichst, spätestens zum 1. Oktober 1909 an das Regiment einzusenden.

AMda, 14. Juli. Eine eigenartige Einrich­tung hat sich hier herausgebildet. Die Arbeite: frauen, welche in Fabriken beschäftigt sind, rich­ten frühmorgens das Essen zum Kochen oder Braten her, tragen es dann zum Bäcker, wo die Töpfe im Backofen so aufgestellt werden, daß die Speisen mittags zum Essen fertig abgeholt wer­den können. Mr solche Töpfe werden 5—10 Stnig Backgeld entrichtet. Auf diese Weise mmen die Arbetter ein gutes durchgekochtes Essen, und können sich «Hrend der Mittagszeit grötzrre Ruhe gönnen.

Unpolitische Tagesnachrichten.

Vom Harz, 15. Juli. Wie der „Oeff. Anz. fiir den Harz" berichtet, hat dieser Tage eine Windhose über einem Teil des Jnnerstetales mancherlei Schaden angerichtet. Bei völlig ver­dunkeltem Himmel nahm die Windhose ihren Weg von Grund nach Efaustal, entwurzelte zahlreiche Fichtenbäume und riß an den Ge­bäuden der fgt Silberhütte Claustal eine Menge Ziegel ab. Am Hüttenberge vor Claus- teil wurde ihre Gewalt gebrochen.

M.-Gladbach, 15. Juli. Aus Venlo wird ge­meldet, daß di« Maas große Ueberfchwemmun- gen verursacht. Die Heuernte ist total vernichtet, ganze Getreidefelder stehen fußhoch unter Wasser.

Pirmasens, 15. Juli. Bei Ableuchtung einer defekten Easrohrleitung im Hause des Kolo­nialwarenhändlers Christian Groß entstand, der „Pfalz. Presse" zufolge, eine furchtbare Explo­sion. Sämtliche Fenster im Hause und der Nach­barschaft wurden zertrümmert. Groß und sein Sohn erlitten schwere Verletzungen.

München, 15. Juli. In dem Wettbewerb um die Ausnützung der Wasserkräfte des Wal­chenseegebietes find. 31 Entwürfe eingereicht wordeu. Den ersten Preis mit 20 000 J*. erhielt ein gemeinsamer Entwurf von Dykerhoff-Wid- men, Aktiengesellschaft in Nürnberg, Maschinen­fabrik „AugÄurg"-NürnLerg und die Siemens» Schuckertwerke in Berlin.

Talheim, 15. Juli. Die Frau des Richardt Schmidt wollte mit einem Holzscheit nach ihrem 7jährigen Bube«, der sie ärgerte, werfen, lln- glücklicherweise traf die Mutter anstatt den er­wähnten Knaben ein Is^jähriges Kind derart an den Kopf, daß dasselbe an den erlittenen Verletzungen starb.

Schweina (Sachsen-Meiningen), 15. Juli. Das 2jährige Söhnchen des Malermeisters Roth stürzte so unglücklich in ein tiefes Loch, daß es das Genick brach und sofort tot war.

Sagen, 15. Juli. Auf der Birnlücke am Groß-Venediger ist der Rektor Karl Geisler aus Berlin von einem Schneesturm überrascht wor­den und erfroren.

Hamburg, 14. Juli. Die Delegiertenver­sammlung des Deutschen Echützenbundes beschloß heute, das 17. Deutsche Bundesschießen und zu­gleich 50jährige Jubiläumsbundesschietzen im Jahre 1912 in Frankfurt a. M. abzuhalten.

Moskau, 15. Juli. In der Rocht auf Mitt­woch flohen 12 «regen politischer Vergehen ver­urteilte Frauen, eine Kriminal-Verbrecherin und eine Aufseherin aus dem Frauengefängnis.

Pittsburg (Pennfylvanien), 15. Juli. Fünf­tausend Angestellte der Pressed Steel-Car Com­pany befinden sich im Ausstand. Gestern nach­mittag kam es zu Ausschreitungen; die Polizei zerstreute die Menge, indem ste ihre Revolver in die Luft abfeuerte. Viele Personen wurden durch Stockschläge und Steinwürfe verletzt. _ — Am Abend kam es zu weiteren Unruhen. Hun­dert Personen sollen durch Pistolenschüsse der Polizei oder durch Wurfgeschosse der Streiken­den verletzt worden sein.

Kunst und Wissenschaft.

# Die tierärztliche Doktorpromotion. Ber­lin, 15. Juli. Im Frühherbft werden, wie man uns mitteilt, Beratungen zwischen den Univer» fitätsverwaltungen der größeren deutschen Vuu- desstaaten stattfinden, und bei dieser Gelegen­heit soll versucht werden, einheitliche Bestim­mungen über die Verleihung der tierärztlichen Doktorwürde zu treffen. Eine völlige Einheit­lichkeit wird aber voraussichtlich schon daran scheitern, daß der in Sachsen eingeschlagene Weg bei dem die medizinischen Fakultäten der Uni­versität unter Hinzuziehung von Professoren der tierärztlichen Hochschulen das Promstionsrecht ausübeu, von den preußischen medizinischen Fa­kultäten entschieden abgelehnt wird. Es ist wahrscheinlicher, daß Preußen nach dem Bor- bilde Bayerns den tierärztlichen Hochschulen ein selbständiges Promstionsrecht verleihen wird.

Vermischtes.

Ei» Sieg über die Engländer. Pastor Dr. GdjneSer in Köln, der auf seiner jüngst unter­nommenen Orientreise dank dem liebenssür- digen Entgegenkommen des Kommandanten der „Hanrburg", Fregattenkapitäns Ritter v. 7 ‘.aun Gelegenheit hatte, an Bord des deutschen Kreu­zers die Fahrt von Haifa nach Jaffa mitzu­machen, erzählt im „Evangelischen Gemeinde- boten" folgende noch nicht allgemein bekannte Episode: Morgens bei Sonnenaufgang, als wir vor der Rede bei Jaffa lagen, trat derjenige Teil der Besatzung an Deck, der mit einigen Offi­zieren einen kurzen Besuch in Jerusalem a rachen durfte. Diese Erlaubnis war eine Belohnung für besondere Leistungen. Als die Kriegsschiffe Deutschlands, Englands. Frankreichs, Oester­reichs und Italiens im Mai 1909 vor Mersiua lagen, boten die englischen Seeleute den Deut­schen, mit denen sie übrigens sehr kameradschaft­lich verkehrten, ein Wettrudern auf 6000 Meter Entfernung an, bewilligten aber den Deutschen als der jüngeren Marine von vornherein groß­mütig einen namhaften Vorsprung. Der Kom­mandant, Ritter v. Mann, nahm die Wette so­fort an, verzichtete aber auf den Vorsprung, den die Deutschen nicht nötig hätten. Kaum hatte der Kampf begonnen, so gewannen die deutschen Ruderer einen Vorsprung, und als sie am Schluß unter der gespannten Aufmerksamkeit der ftentben Kriesschiffe mit 700 Meter Vor­sprung vor den Engländern einkie'en, erscholl ein brausendes Hurrarufen und Händeklatschen von allen anderen Kriegsschiffen. Die Briten meinten zwar, bei aller Anerkennung der guten Leistung, der glänzende Sieg komme daher, daß die deutschen Ruderboote viel leichter gebaut seien, als die ihrigen. Sofort bot Ritter von Rann eine neue Wettfahrt an, wobei die deut­schen Seeleute die englischen !Joote besteigen soll­ten und umgekehrt. So beim Ehrgeiz gefaßt, ruderten die beiden Parteien mit Anspannung aller Kraft. Als aber die Deutschen abermals mit 750 Meter Vorsprung durchs Ziel schossen, :>a wollte der Beifall auf allen Schiffen, die eng» fischen mit eingeschloffen, «icht enden. ' Zum "