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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: „Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und „Landwirtschaftliche Benage."
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Die „Gberhesstfche Irttnug" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt viertel- jährlich durch die Post bezogen 2,25 Mk. (ohne Bestellgeld), bei unfern Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21,) 2 Mk.
Marburg
Sonnabend, 17. Juli 1909.
Die JnsertionSgebühr beträgt für di« 7gespalten- Zeile oder deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. — Druck und Verlag: Joh. Ang. Koch, UniversttätSbuchdruckerei Jnbaber Dr. T. Hitzeroth, Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
44. Jahrg<
Der heutigen Nummer liegt bei Kreisblatt Nr. 55.
Zum Abschied Bülows.
Berlin, 15. Juli. Der Kaiser und die Kaiserin sagten sich heute abend beim Fürsten und der Fürstin v. Bülotv zum Diner an. Hierzu erhielten Einladungen der Reichskanzler v. Bethmann Hollweg, die kgl. Staatsminister v. Rheinbaben, Delbrück und v. Moltke, der Chef des Zivilkabinetts Wirklicher Geheimer Rat v. Valentini, der Oberpräsident -der Provinz Brandenburg Wirkl. Geh. Rat v. Loebell, Geueraldirektor Ballin, Geh. Reg.- Rat Wahnschaffe und Hauptmann v. Schwartz- loppen.
Berlin, 15. Juli. Die „Nordd. Allg. Zig/ meldet: Der Vorstand des Bundes vaterländischer Arbeitervereine richtete an den Fürsten Bülow ein Schreiben, worin es heitzt: Auch der Bund vaterländischer Arbeitervereine betrachtet den Rücktritt Eurer Durchlaucht als ein für Kaiser und Reich verhängnisvolles Ereignis. Durch die Handelsverträge ist unserer nationalen Arbeit der erforderliche Schutz auf längere Zett gewährleistet worden, vor allem aber bedeutet die durch Eure Durchlaucht bewirkte Niederlage der Sozialdemokratie bei den letzten Reichstagswahlcn geradezu einen Wendepunkt in unserer inneren nationalen Entwicklung. Der infolgedessen in der deutschen Arbeiterschaft entstandenen nationalen Bewegung Verdankt auch der unterzeichnete Bund vaterländischer Arbeitervereine seine Entstehung. — Zum Schlüsse wird an den Fürsten die Bitte gerichtet, als Schöpfer und Wiedererwecker der nationalen Bewegung in der deutschen Arbeiterschaft die Ehrenmitgliedschaft des Bundes anzunehmen. In der Antwort des Fürsten Bülow heißt es: Die mir zuaedachte Auszeichnung weiß ich ivohl zu schätzen, und ich werde mich freuen, auch iveiter mein Interesse für die Vereinigungen der vaterländischen Arbeiterschaft zu bezeugen. Ich bin deshalb gern bereit,, die Ehrenmitgliedschaft anzunehmen.
Auch der Gesamwerband der evangelischen Arbeitervereine Deutschlands trug dem Fürsten Bülow di- Ehrenmitgliedschaft des Verbandes an. Der Fürst antwortete dem Vorsitzenden D. theol. W-ber M.-Gladbach, daß er gern bereit sei, die Ehrenmitgliedschaft anzunehmen, und sich dieser ihni zugedachtcn Auszeichnung aufrichtig freiten werde.
München, 15. Juli. Die Korrespondenz Hoffmann meldet: Der Prinzregent richtete an den Fürsten Bülow anläßlich seines Rücktritts ein Handschreiben.
Berlin, 15. Juli. Der Generaldirektor der Hamburg-Amerika-Linie, Ballin, richtete an den Fürsten v. Bülow ein Telegramm, in dem es zum
47 lRachdruck verboten.)
Gin Sommertraum.
Roman von ft. van Beeker.
tFortsetzung.)
„Die Drohung schüchtert mich bis zur Er- schlafsung ein," lachte sie leise und drückte ihren weichen Arm in den seinen. „Du wirst mich noch zum vollkommenen Menscher, machen, wenn Du .solche Strafen versprichst! Vielleicht aber sage ich Dir als Eegendrohung: „Dann küsie ich Di a nicht!"
„Das wollen wir mal erst probieren!"
And den über feine durchaus nicht programmästige Wahl etwas empfindlichen Blick seiner Mutter mit einem so übermütig glücklichen erwidernd, daß dieser eine bange Ahnung aufging, führte Max seine junge Dame durch die sich bildenden Gruppen zu einem nur für zwei Paare gedeckten Tischchen, an dem sich Werner eben von Ulli verabschiedete, um. seiner Kavalierspflicht folgend, für sie und sich di« Teller zu füllen.^ „Nimm mich mit, alter Freund," sagte Max, seinen Arm in den des Doktors schiebend, und dieser, der ganz gegen seinen Wunsch von Ulli in harmloser Freundschaft und Selbstverständlichkeit zum Kavalier erwählt worden war, fühlte es als eine Erleichterung, den Freund neben sich zu haben, sich von ihm dirigieren und die Last aller Unterhaltung abnehmen zu lassen. —
„Heinrich, alter, lieber Junge, Du scüst es zuerst wisien, ich bin grenzenlos, unverdient glücklich! — Siehst Du mir den Bräutigam nicht ,auf hundert Schritte Entfernung an, trotzdem ich diesen Stand vorläufig noch so kurz und heimlich bekleide, dast Du der erste bist, der mir seine Glückwünsche zu Füßen legen darf?"
Trotz des Sturmes, der in seinem Innern tobte und ihn apathisch machte für alles um ihn
Schluß h-ißt: Für diese Ihre Fürsorge für Deutschlands wirtschaftliche Jntereffen daheim und in der Welt bleiben Eurer Durchlaucht die Vertreter von Handel, Gewerbe und Industrie zu unwandelbarer Dankbarkeit verpflichtet. Zum Gedächtnis dessen werde ich der Hamburg-Amerika- Linie Vorschlägen, den nächsten größeren Dampfer durch den Namen „Fürst von Bülow- zu ehren. — Fürst v. Bülow sandte folgendes Antworttelegramm: Generaldirettor Ballin, hier, Esplanadehotel. Herzlichen Dank für Ihr freundliches Telegramm. Die meiner politischen Arbeit gezollte Anerkennung hat mir wohlgetan. Für Ihre Absicht, einen Dampfer der Hamburg Amerika-Linie meinen Namen geben zu wollen, bin ich um so dankbarer, als mich Jugenderinnerungen und Blutsverwandtschaft nach Hamburg und der Elbe Hinweisen. Lassen Sie mich aber auch der Ueber- zeugung Ausdruck geben, daß die Reichspolitik nie die gewaltigen Jntereffen aus dem Auge verlieren wird, die in Handel, Industrie und Schiffahrt sich verkörpern, gez. Fürst Bülow.
Hamburg, 15. Juli. Fürst Bülow hat dem Präsidenten des Senats folgendes Schreiben zugehen kaffen: Berlin, 14. Juli 1909. Eure Magnifizenz haben mir während meiner Amtstätigkeit stets Vertrauen und Wohwollen en.gegengebracht und mir durch diese Gesinnung und die unwandelbare Bundestreue der freien Stadt, an deren Spitze Ew. Magnifizenz stehen, die Erfüllung meiner Amtspflichten in wirksamer und wcrwoller Weise erleichtert. Ich empfinde es daher als Pflicht und persönliches Bedürfnis, Ew. Magnifizenz und dem Senat der freien Stadt Hamburg beim Scheiden aus meinem Amte tiefgefühlten Dank für die mir bewiesene Gesinnung auszusprechen. Ich verlasse den Posten, auf den mich das gnädige Vertrauen meines kaiserlichen Herrn gestellt hat, mit dem aus vollem Herzen kommenden Wunsche, daß Kaiser und Reich einer glücklichen und ruhmvollen Zukunft entgegengehen und daß die freie Stadt Hamburg weiterhin blühen und gedeihen möge. Mit der Bitte, daß Ew. Magnifizenz und der Senat der freien Stadt Hamburg mir auch fernerhin dieselbe wohlwollende Gesinnung bewahren mögen, verbleibe ich Ew. Magnifizenz sehr ergebener Fürst von Bülow.
Preß-Stimmen zum Kanzlerwechsel.
Inland.
Die „Kreuzzeitung" meint:
„Dr. v. Bethmann-Hollweg hat sich bisher nur in der inneren Politik als ein Staatsmann von umfassenden Kenntniffen, von großem praktischen Geschick und starkem nationalem Empfinden bewährt. Gestützt auf die in manchem Kampfe bewährten Mitarbeiter des Fürsten Bülow, wird er sich, so hofft das deutsche Volk, schnell auch in die Aufgaben der äußeren Politik einarbeiten. Eine Stimme aus dem Zen-
her Vorgehende, trat in die unbeweglichen Züge des Doktors doch ein Schein herzlicher Teilnahme und Freude. „Und die wärmsten, Max! Ich dachte mir wohl, daß cs zum Schluß doch so kommen würde, trotz Deiner selbstgeschaffenen Quälereien! Wer keine Sorgen hat, muß sich ab und zu welche machen, damit die Bäume seines Uebermutes nicht zu hoch in den Himmel wachsen. Halte Dein Glück jetzt nur fest und mache Dich seiner roübig!“
„Ja, mein lieber Sokrates, dazu will ich all meine Kräfte anstrengen; ich glaube, nun kann noch ein leidlich solider, vernünftiger Kerl aus mir werden! Wenn nur nicht noch die beiden Mütter am Horizont meiner Wünsche begrenzend und drohend herumschwebten! Ra, hoffentlich werden wir beide, mein Maßliebchen und ich, auch mit denen fertig. Vorläufig muß ich meine Pflichten als Familienhaupt und Ernährer aber einmal praktisch nachkommen, indem ich für Rita und mich etwas zu esien besorge, was mir, als Sohn des Hauses, der mit allen Schleichwegen vertraut ist, hoffentlich nicht schwer fallen wird. Halte Dich nur an mich, dann wird dieses Geschäft bald erledigt sein, und wir können uns dem Genuß einer kleinen, heimlichen Familienvorfeier meiner Verlobung hingeben."
Wie dankbar war der Doktor dem jungen Paare, das in seiner Eigenart, die von schweigsamem Jneinanderverlorengehen nichts wußte, mit bekanntem sprühenden Necktone vollkommen die Kosten der Unterhaltung trug, so daß die zerstreute Schweigsamkeit des Doktors daneben anstandslos hingehen konnte. Nur Ulli sah mit dem scharfen Blick der Liebe, wie wenig sein heutiges Wesen seinem sonstigen gleichkam. Sie ängstigte sich um ihn — er fühlte sich gewiß noch krank. Und als bald nach Noras Aufbruch der Doktor sie bat, ihn bei den Eltern zu entschuldigen, wenn er heftiger Kopfschmerzen
trum hatte in recht unüberlegter Weise Herrn v. Bethmann-Hollweg als parlamentarisch ungeeignet für den ftanzlerposten in dieser Zeit bezeichnet. Diesem Einwande find wir natürlich entgegengetreten. Es entspricht nicht der geschichtlichen Entwickelung und den Grundsätzen unserer Verfassung, daß bei der Ernennung eines verantwortlichen Reichskanzlers auf die Wünsche einer der möglichen Parteigruppierungen im Reichstage Rücksicht genommen werden müßte."
In der „Post" heißt es:
„Daß Herr v. Bethmann der Nachfolger des Fürsten Bülow geworden ist, zeigt einmal, daß zurzeit der Schwerpunkt der Reichspolitik auf dem Gebiete der inneren Politik liegt, und sodann, daß die Richtung der Regierungspolitik nicht geändert, sondern beibehalten werden soll. Herr v. Bethmann würde die ihm gestellte Aufgabe zweifellos nicht übernommen haben, wenn er dieser Richtung der Politik nicht mit vollster Ueberzeugung zustimmen könnte. Man ist berechtigt, von ihm die Leitung der Politik zu er- warten, welche die strengste Eewiffenhaftigkeit mit der Verfolgung Üiealer Ziele verbindet."
Die „Germania" schreibt:
„Wir wollen dem neuen Reichskanzler nicht mit Mißtrauen, sondern mit Vertrauen gegen- Lbertreten und die Vergangenheit der Blockära vergangen sein lassen. Der neue Reichskanzler von Bethmann-Hollweg hat jetzt selbst zu zeigen, was er will und was er kann."
Das „Berliner Tageblatt" meint:
„Herr von Bethmann-Hollweg wird sich rechtzeitig darüber klar werden müssen, daß der Grundsatz des Fürsten Bülow, es könne im Reich nicht gegen die Liberalen regiert werden, unter ihm erst recht Geltung behalten muß. Man wird jedenfalls darauf dringen müssen, daß sobald als möglich Klarheit darüber geschaffen werden soll, wohin nun eigentlich unter dem fünften Kanzler die Reise gehen soll."
Ausland.
Oesterreich. Das „Vaterland" schreibt: „Mit dem Fürsten Bülow scheidet ein Staatsmann aus dem öffentlichen Leben, der eine ausgeprägte Persönlichkeit war und auch in seiner Politik eine starke persönliche Note zu geben wußte. Wir können nur di« Hoffnung aus- drücken, daß seinem Nachfolger vergönnt sein werde, mit Oesterreich-Ungarn in ebenso gutem Einvernehmen zu amtieren, als dies dem Fürsten Bülow gelang- denn in Deutschlands vernünftiger Auslandspolitik liegen die Bürgschaften des europäischen Friedens."
Frankreich. Paris, 15. Juli. Der „Temps" sagt: „Herr v. Bethmann-Hollweg gelangt, von einem ausgezeichneten Ruf begleitet, zur Macht. Er ist, gleich dem Fürsten Bülow, ein sehr offener, umfassender Geist und von hoher Bildung. Kaiser Wilhlem findet — und das ehrt ihn — unbestreitbar Gefallen an Männern von hervorragender Intelligenz." — „Journal des Debats" schreibt: „Man darf von Herrn v. Bethmann-Hollweg annehmen, daß er keine Erschütterungen Hervorrufen wird, welche
>alber sich schon jetzt und stillschweigend emp- ehle, da schauten ihre blauen Augen ihn so be- orgt und zärtlich an, und sie bat ihn so eindringlich, sich zu schonen, daß vor der offenkundig liebevollen Weise ihres Benehmens sich fein Gewissen erschreckt aufbäumte. All seine Qualen vermehrten sich noch in dem Bewußtsein, daß ihm da ein Herz entgegenschlage, dem er die vollste Berechtigung gegeben habe, auf ihn zu hoffen, und demgegenüber er doch augenblicklich nichts weiter fühlte, als Reue, Mitleid und eine Art stiller Verzweiflung über eine selbstgeschaffene Täuschung, die vor dem Sturm alter Gefühle so wenig standhielt. Bis jetzt war der Gedanke an Ulli und die stillschweigende Verpflichtung, welche ihn moralisch an diese band, noch fast garnicht in seiner Seele aufgetaucht. Das Wiederfinden Loris war zu neu, zu überwältigend, hatte ihn zu sehr aus allen Fugen gehoben, um neben sich etwas anderes aufkommen zu lassen. Nun aber, iiaOrem er während des Soupers wieder längere Zeit neben ihr gesessen, ihr still zu ihm gehöriges, vertrauensvolles Wesen gefühlt hatte und von dem übermütigen Brautpaar mit manch kleinen, sehr zarten, aber doch nicht ganz unverständlichen Anspielungen auf das hingewiesen war, was ihm selbst bis jetzt als natürlicher Endpunkt seiner Beziehungen zu dem lieblichen Mädchen vorgeschwebt hatte, drängte sich auch diese Angelegenheit quälend neben all das andere, das feit gestern feine Seele aufwühlte, und machte seinen Gemütszustand zu einem noch unerträglicheren wie bisher. Die Tage, von denen die Bibel sagt, daß sie uns nicht gefallen, lagen schwer auf ihm, und nur in den Stunden, die feinem Berufe gewidmet waren, kam etwas wie Ruhe und Losgelöstsein von allen äußeren Bedrängnissen über tyn.
lFortsetzung folgt.)
für das gegenwärtige europäische Gleichgewicht beunruhigend wirken könnten. Man sagt, et sei ein Freund Frankreichs. Wir glauben, baj er vor allem ein Freund Deutschlands ist. Abel das eine schließt das andere nicht notgedrungen aus. Unsere Beziehungen zu Deutschland können ausgezeichnet sein unter der Bedingung bei Achtung unserer Allianzen und des europäischen Gleichgewichts." — „Siecle" sagt: „Herr von Bethmann-Hollweg werde wohl die auswärtig! Politik der direkten Kontrolle des Kaisers unb den Händen des Staatssekretärs von Schorn überlassen, was Frankreich keineswegs unangenehm sein könnte." — Das deutschfeindlich! „Ea;o de Paris" führt aus, daß Bülows Rücktritt in Frankreich nicht das geringste Bedauern hervorgerufen habe. Es wirft dem scheidenden Kanzler vor, mit Frankreich stets eine zweideutige Politik getrieben zu haben. Sein Nachfolge! verstehe nichts von der auswärtigen Politik, dazu übernehme er deren Geschäfte in einem Momente, in einer Zeit, da Europa durch di! letzte marokkanische und orientalische Krisis in einen Zustand großer Nervosität geraten fei.
England. Die „Times" gibt zu, daß Fürst Bülow zwar außerordentlich geschickt gewesen sei, bestreitet aber, daß er auch ein wirklicher Staatsmann war, und darum habe auch die Diplomatie zu ihm kein rechtes Vertrauen fassen können. Der „Standard" glaubt daraus, daß ein Minister des Innern Bülows Nachfolger wurde, schließen zu dürfen, daß der Kaiser hauptsächlich den inneren Fragen des Reiches seine Aufmerksamkeit zuwenden wolle. „Daily News" sprechen die Hoffnung aus, daß die britische Diplomatie diese Gelegenheit benutzen werde, um einen neuen Versuch zu machen, die Mißverständnisse zwischen Deutschland und Großbritannien zu beseitigen und die Wunden zu heilen, die dem Frieden Europas so gefährlich seien.
Deutsches Reich.
— Bom Bundesrat. Berlin, 15. Juli. Der Bundesrat hat heute dem Entwürfe eines Gesetzes über die zollwidrige Verwendung von Gerste hi der vom Reichstage angenommenen Fassung zugestimmt.
— Von der Flotte. Vizeadmiral Schmidt wurde in Genehmigung seines Abschiedsgesuches mit der gesetzlichen Pension und unter Verleihung des Charakters als Admiral zur Disposition gestellt. — Kapitän zur See v. Dambrowski, Direktor der Marineakademie, wurde zum Konteradmiral befördert.
— Die Durchführung der Talonsteuer. Berlin, 14. Juli. Die Besprechung der Regierungsvertreter mit Mitgliedern der Bank- und Börsenwelt über die Ausführung der Talonsteuer sind nunmehr zum Abschlüsse gelangt. Dem Vernehmen nach ist man nicht in allen Punften zu einer flaren Uebereinstimmung über die Frage der beste« Durchführungsart dieser Steuer gelangt. Die Aus-
Zur 50jiihngen Jubelfeier der Ketzerbach.
Run prangst du wieder im Ehrenlleid, Du Ketzerbach wie in alter Zeit, Und jubelnd klingt es von Haus zu Haus: Wir binden heut einen goldenen Strauß! Der Väter Werk, der Väter Tun;
Kommt, lasset heute die Arbeit ruh'n!
Es raunt Euch ins Ohr, es schallt durch das HauS: Kommt, Ketzerbächer, kommt mit hinaus!
Kommt, die Ihr wohnet in Süden und Norden In Marburg, in Hessen, an allen Orten!
Wir wollen ehren, wir wollen wirken Dort unter Hallen, Tannen und Birken. Ein Nichtefest war's, als vor fünfzig Jahr Die Ketzerbach überwölbet war.
Eine schöne Allee heut schmücket den Bau, Kommt alle Ihr Lieben, o Freund komm und schau! Das haben geschaffen nicht schwärmende Geister, Nein, ernste Männer, Gesellen und Meister In einer Zeit, wo bescheiden man trug Vom Brunnen her noch den Wafferkrug, Wo man aß noch von Ton und zinnernen Teller Und nicht Ueberfluß herrschte in Küche und Keller. Das Bier war dünn und der Geldbeutel Nein, Das Brot war teuer und teuer der Wein.
Doch wackere Männer, die dort sich verbunden, Die wölbten den Bach, das Tal könnt' gesunde«. Heut winden wir fröhlich den Jubelkranz; Kommt, Mädchen, kommt, Burschen, zu Spiel Uttb
Tanz. Wir wollen uns freuen bei fröhlichen Weisen, Auch dankbar gedenken der Väter und preisen. Helle klinge die Fidel, man blase: „Trarahl* Der Ketzerbach ein „Hujajal"
Marburg, 12. Juli 1909. <L S,